Mit ‘Vermittlung’ getaggte Artikel

Schülerinnen und Schüler bloggen aus der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Dienstag, 06. August 2013

Nicht nur im Schloss – Die Jagd in Wermsdorf

Auch heute ist die Jagd ein sehr beliebter Sport. In Wermsdorf findet einmal im Jahr ein Hundetreiben statt, da werden allerdings keine Tiere mehr gejagt. Dabei folgen 100 Hunde einer Anisspur quer durch unser Dorf und das darum liegende Waldgebiet. Die Wermsdorfer Schleppjagd können Sie dieses Jahr am 31. August beobachten.

In der Zeit August III. gab es unterschiedliche Jagdformen wie die z. B. die Parforcejagd oder das “Deutsche / Eingestellte Jagen”. Vor der Parforcejagd war besonders das sogenannte “Deutsche Jagen” sehr beliebt. Hierfür wurde ein Waldgebiet von Lappen umhängt. Manchmal wurden von den Dienern extra noch Tiere in dieses Waldgebiet gebracht. Nachdem alle Tiere in eine Richtung gejagt worden waren, schossen die Jäger auf die Tiere. Es kam auch mal vor, dass Tiere entwischten – daher kommt das Sprichwort: “Durch die Lappen gehen”.

Im Gegensatz zum “Deutschen Jagen” wird bei der Parforcejagd nur ein Hirsch gejagt. Dieser wird kilometerweit durch Wälder, Flüsse und über Äcker gehetzt. August III. ließ hierfür viele gerade Wege in den Wermsdorfer Wald schlagen. Dies kann man auch heute noch sehen. Die Jagd war nicht nur ein Vergnügen für die Männer. Selbst die Tochter von August III. war eine begeisterte Jägerin. Sie ließ sich auch als Jagdgöttin Diana malen. Die Darstellung der Diana war ein beliebtes Motiv in der Ausstattung der Jagdschlösser.

Wandteppich mit der Darstellung von Diana auf der Jagd; Frankreich, Gobelinmanufaktur, 1. Hälfte 18. Jh.; Gobelinweberei in vielfarbiger Wolle; 300 x 273 cm; © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Wandteppich mit der Darstellung von Diana auf der Jagd; Frankreich, Gobelinmanufaktur, 1. Hälfte 18. Jh., © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Zuviel wollen wir hier aber nicht verraten. In der Ausstellung Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763 können Sie mehr über die unterschiedlichen Jagdformen und ihren genauen Ablauf, vom “Deutschen Jagen” auf viele Tiere bis zur Parforcejagd auf nur einen einzelnen Hirsch, erfahren.  So sehen sie zum Beispiel die besonders prunkvoll gestalteten Hirschfänger oder Waidmesser.

Weidbesteck; Unbekannte deutsche Werkstatt, vor 1730; © Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Weidbesteck; Unbekannte deutsche Werkstatt, vor 1730; © Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

Autorin:  Julianne Sch. / Klasse 9 / Mittelschule Wermsdorf

Schülerinnen und Schüler bloggen aus der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Dienstag, 28. Mai 2013

Seit April 2013 lockt die Sonderausstellung Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763 der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) nach Wermsdorf.
Zusammen mit der Museumspädagogik der SKD erarbeiten wir – die Klassen 9a und 9b der Mittelschule Wermsdorf – während der Laufzeit der Ausstellung Beiträge für den Blog der SKD. Im Zentrum werden hauptsächlich Texte über einzelne Ausstellungsstücke stehen, die wir mit der Methode des kreativen Schreibens vorstellen möchten. Zudem wollen wir von unseren Projekten, z. B. einer Geocachingtour für die Besucher des Schlossgeländes berichten.

Jagdresidenz Schloss Hubertusburg in Wermsdorf

Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Sie können sich die Sonderausstellung bis zum 5. Oktober 2013 in der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf anschauen. Dafür wurden sechs Räume in der Beletage des Schlosses renoviert. Die Ausstellung zeigt die drei großen Themenbereiche: Jagd, Höfische Kunst und Musik aus der Zeit August III., sowie die Geschichte des Siebenjährigen Krieges und des Hubertusburger Friedensschlusses. Außerdem kann man sich im Schoss den Ovalsaal, die Königsloge und die Kapelle ansehen. Es gibt natürlich noch viel mehr im Schloss und auf den Gelände der Hubertusburg zu entdecken.

Die Museumspädagogik erwartet die verschiedenen Besuchergruppen mit einem umfangreichen inhaltlichen Programm. Besonders für Kindergruppen und Schulklassen wird in speziellen Veranstaltungsprogrammen Wissenswertes rund um die Themen Jagd, Alltag und Absolutismus angeboten und zur kreativen Gestaltung angeregt. Die museumspädagosische Arbeit zu diesem Projekt wird von der Sächsischen Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Leipzig gefördert. So wird z. B. ein Zuschuss zum Bustransfer an die ersten 45 angemeldeten Gruppen bezahlt. Kinder und Jugendliche können so in unterschiedlichen Programmen und Veranstaltungsreihen z.B das Porzellanmalen ausprobieren, oder auch mit Wildschwein Willi auf die Jagd gehen.

Mit Wildschwein Willi auf Schloss Hubertusburg auf die Jagd gehen, Illustration: midori-design

Mit Wildschwein Willi auf Schloss Hubertusburg auf die Jagd gehen, Illustration: midori-design

Das vollständige Programm finden Sie hier. Ein Besuch lohnt sich. Kommen Sie also mit uns zurück in die Zeit von August III.

Autorinnen: Paula, Mary, Justine

Werk der Woche: Steffi Busch “Masse”

Dienstag, 28. Mai 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Stefanie Busch verfügt über ein umfangreiches Bildarchiv, das auf zahlreichen Reisen v.a. in Länder des ehemaligen Ostblocks entstanden ist. Dieses fotografische Skizzenbuch ist Quelle ihrer Arbeiten, auch für die Folienmontagen in Leuchtkästen, die eine wichtige Werkgruppe ihres Schaffens bilden. Dafür löst die Künstlerin formal spannende Fragmente aus den fotografischen Vorlagen, die zu neuen Arbeiten inszeniert werden.

Steffi Busch, Masse, 2005, Siebdruck in Leuchtkasten, 2-teilig, je 70 × 70 × 10 cm, ©Dresden/ Kunstfonds, SKD

Steffi Busch, Masse, 2005, Siebdruck in Leuchtkasten, 2-teilig, je 70 × 70 × 10 cm, © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Die abstrakten Bruchstücke werden in transparent graue Folien geschnitten, auf einer Acrylglasscheibe collageartig angeordnet und in Schichten übereinander gelegt. Das eigentliche Bild wird dann erst im Lichtkasten im Moment der Hinterleuchtung sichtbar. In “Masse” verarbeitete Stefanie Busch Aufnahmen aus dem Fußballstadion in Kiew, wo sie sich 2005 aufhielt, um dort eine Arbeit in der Deutschen Botschaft umzusetzen. “Masse” kam 2007 als Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen in die Sammlung des Kunstfonds.

Unsere Veranstaltungstipps:

Am 30. Mai, um 16.30 Uhr findet ein Kunstgespräch mit Gwendolin Kremer, Galerie Neue Meister zum Thema “Absolventen der Dresdner Kunsthochschule (HfBK)” statt.
Und am 1. Juni, um 16 Uhr führt Annabell Rink aus der Museumspädagogik durch die Ausstellung.

Werk der Woche: David Schnell, “Ansitz”

Donnerstag, 21. März 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier.Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Bevorzugtes Bildthema von David Schnell ist die vom Menschen gestaltete und überformte Landschaft. Architektonische Formen spielen die zentrale Rolle: Wie Schneisen durchschneiden Wege und Straßen die streng zentralperspektivische angelegte ‒ und im gleichförmigen Raster des Entwurfs sichtbar bleibende ‒ Bildarchitektur. Ein extremer Fluchtpunkt vermittelt die Illusion von großer Raumtiefe.

David Schnell, Ansitz, 2001, Öl/ Leinwand, 240 x 170 cm, Inv. Nr. 15/ 2001 © Dresden/ Kunstfonds, SKD

David Schnell, Ansitz, 2001, Öl/ Leinwand, 240 x 170 cm, Inv. Nr. 15/ 2001 © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Schnell kombiniert die Erfahrung von Zentralperspektive mit der von virtuellen Räumen. Diese surreale Seherfahrung wird durch die kräftige, zwischen Tiefblau und Rotorange changierende und durchleuchtete Palette noch verstärkt. Die Bildwelt Schnells wirkt hypnotisierend ‒ expansiv und klaustrophobisch zugleich ‒ und im besten Sinne merkwürdig. Dieses Werk wurde 2001 im Rahmen der Förderankäufe des Freistaates Sachsen zusammen mit einem weiteren für den Kunstfonds erworben.

Unsere Veranstaltungstipps:

21.03.2013, 16:30 Uhr in der Ausstellung: Kunstgespräch „Ostdeutsche Landschaften” und “Fake Spaces”“ mit Mathias Wagner

22.03.2013, 16:30 Uhr
Künstlergespräch mit Christiane Baumgartner in der Ausstellung

 

Werk der Woche: Constanze Deutsch, “Blumen für Olympia”

Donnerstag, 14. März 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier.Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

In ihren feinsinnigen und genau ausgeführten Zeichnungen schafft Constanze Deutsch eine Welt, die dem Alltagserleben entrückt scheint. Wie anatomische Konstruktionen wirken die collagierten und nur selten vollständig wiedergegebenen Körper ihrer Figuren. Nahtlos gehen organische Körperteile in technisch wirkende Strukturen über. Seltsam fremde Maschinenwesen und großäugige Androiden bewegen sich wie verloren in sparsam angedeuteten und doch komplexen Bildräumen.

Constanze Deutsch, Blumen für Olympia, 2010, Mischtechnik auf Papier, 77 x 106 cm, Inv. Nr. 6/ 2011 © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Constanze Deutsch, Blumen für Olympia, 2010, Mischtechnik auf Papier, 77 x 106 cm, Inv. Nr. 6/ 2011 © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Anklänge des Fremdartigen sind auf den Studienaufenthalt der Künstlerin in Indonesien zurück zu führen. Die Schönheit zarter Bleistiftlinien wird von breiten Faserstiftstrichen und Schlieren von Lack und Bitumen aus der Sprayflasche gebrochen. Charakteristisch für die Arbeit der Zeichnerin ist auch die Integration von beiläufigen, wie zufällig aufgeschnappten Textfetzen. Dieses über allem liegende Gemurmel öffnet mögliche Lesarten und holt die Bilder in unseren Erfahrungshorizont.

Werk der Woche: Frank Lippold, “Wolkenbildung”

Donnerstag, 07. März 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier.Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Das nächste Kunstwerk, das wir Euch vorstellen, ist von Frank Lippold. Eine große Leidenschaft Lippolds, der an der HfBK in Dresden studiert hat, ist die traditionelle Technik des Holzschnitts. So schneidet der Künstler Naturstücke in schwarz bemaltes Sperrholz. Seine romantisch anmutenden Landschaften ähneln herkömmlichen Druckstöcken. Seine Kompositionen sind reine Naturansichten, die gleichwohl durch surreale und konstruktivistische Elemente kontrastiert werden: Frank Lippolds Interesse gilt dem Flüchtigen und so ist in “Wolkenbildung” der Moment eines Regengusses festgehalten.

Frank Lippold, Wolkenbildung, 2003/2005, Sperrholz/Acryl, 122 x 244 cm, Inv.-Nr. 47/2006, Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen 2006, Foto Herbert Boswank, Dresden © Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Frank Lippold, Wolkenbildung, 2003/2005, Sperrholz/Acryl, 122 x 244 cm, Inv.-Nr. 47/2006, Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen 2006, Foto Herbert Boswank, Dresden © Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Zu seinen Werken inspiriert den Künstler die ländliche und wildromantische Umgebung und die Geschichte von Schloss Scharfenberg, wo er sein Atelier hat. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts war das Schloss für kurze Zeit ein blühendes Zentrum der Romantik. Dort versammelte sich der „Scharfenberger Kreis“ mit führenden Köpfen der deutschen Romantik wie Novalis, E.T.A. Hoffmann, Heinrich von Kleist und anderen. Im Werk Lippolds verbinden sich auf bemerkenswerte Weise Kunst- und Geistesgeschichte, die in einer außergewöhnlichen Formensprache ein zeitgenössisches Abbild finden.

Unser Veranstaltungstipp: Sonderführung zum Thema “Dresdner und Leipziger Malerei”

10.03.2013, 11 Uhr: Annabell Rink führt durch die Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau. Die Teilnahmegebühr beträgt 3 EUR zzgl. Eintritt.

 

Die Pascaline hautnah erleben

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ihr Erscheinungsbild beeindruckt und ihre Technik war eine Sensation des 17. Jahrhunderts: die Rechenmaschine des Franzosen Blaise Pascal, auch „Pascaline“ genannt. Mit ihrer feuervergoldeten Hülle und ihrer innovativen Mechanik gehört das fast 50 cm breite Recheninstrument definitiv zu den Highlights der Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons (MPS). Selbstverständlich bekommt sie einen besonderen Platz in der neuen Dauerausstellung. Dort werden die Besucher die Möglichkeit haben, unmittelbar neben der Originalmaschine an einem digitalen Nachbau auf einem großen Touchscreen selbst aktiv zu werden, eigene Rechnungen auszuführen und in die Fußstapfen des großen Blaise Pascal zu treten.

Zur Vorschau der virtuellen Pascaline …

Derzeit befindet sich die interaktive Software-Anwendung der Pascaline in den letzten Produktionszügen. Die digitale Pascaline, sowie insgesamt 12 weitere Medienanwendungen in der neuen Dauerausstellung, sind das Ergebnis einer langjährigen Projekt-Kooperation zwischen dem MPS und dem Team von Computergrafikern um Prof. Markus Wacker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden). Eine Reihe dieser Anwendungen geht auf vom MPS und der Hochschule gemeinsam betreute Diplomarbeiten zurück.

Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) arbeiten an der Visualisierung der Pascaline

Um die Medienanwendungen für den musealen Bereich zu optimieren, arbeiten die Wissenschaftler und Computergrafiker unter Leitung von Oberkonservator Dr. Michael Korey vom MPS und Prof. Markus Wacker von der HTW Dresden eng zusammen. In vielen gemeinsamen Produktionssitzungen werden intensiv die bestmögliche Visualisierung, Funktionsweise und Benutzerfreundlichkeit der einzelnen Anwendungen diskutiert und immer weiter verbessert.

Arbeitstreffen mit Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) und Michael Korey (MPS)

Arbeitstreffen von Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) mit Michael Korey (MPS)

Interview mit Claudia Bergmann (HTW Dresden)

Claudia Bergmann, Dipl.-Medieninformatikerin an der HTW Dresden, ist die Hauptverantwortliche für die Produktion der digitalen Pascaline. Diese basiert auf ihrer Diplomarbeit, für die Claudia den vom Fachbereichstag Informatik an Fachhochschulen ausgeschriebenen Informatikpreis 2010 in der Kategorie Bachelor-/Diplomarbeit erhalten hat. Wir haben mit Claudia gesprochen:

Claudia, wir sind begeistert von deiner virtuellen Pascaline. Du arbeitest bereits seit einiger Zeit an der Anwendung – Hand aufs Herz, bist Du froh, wenn das Projekt Pascaline abgeschlossen ist?

Es hat mir schon während meiner Diplomzeit Spaß gemacht, die Pascaline „auseinanderzunehmen“ und so aufzubereiten, dass Groß und Klein die digitale Maschine kennenlernen können. Jetzt habe ich die Möglichkeit die Anwendung zu optimieren und finde die Wirkung der Pascaline auf andere immer wieder spannend und bin nach wie vor fasziniert von der Mechanik.

Woher kam die Intention, eine Diplomarbeit über eine Museumsanwendung zu erstellen? Warum ausgerechnet die Pascaline?

Ich wollte meine Diplomarbeit nicht für die Schublade schreiben, sondern etwas machen, dass „bunt“ ist und zum Einsatz kommt. Bunt meint, dass ich Modellierung, Animation, Programmierung und Gestaltung zusammenbringen konnte. Und da ich selbst gern in Museen gehe und mir hier häufig Ideen für interaktive Stationen kommen, habe ich bei den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) angefragt, ob Interesse an einer Anwendung für die Rechentechnikabteilung besteht. Durch einen Zufall kam es dann dazu, dass ich für die Museen TSD und MPS eine Medienstation über die Pascaline erstellt habe.

Sicherlich ist eine derartige Anwendung kein leichtes Unterfangen. Wo lagen für Dich die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Anwendung so zu erstellen, dass alle Museumsbesucher einen Mehrwert daraus ziehen können. D.h. dass man neugierig die Maschine bedienen kann, die Mechanik auch ohne Vorkenntnisse verstehen lernt und Interessierte noch Hintergrundwissen abfragen können.
In der Konzeptionsphase haben wir bereits einen Nutzertest durchgeführt, um sicher zu gehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und nicht „betriebsblind“ werden. Und dabei kamen so erstaunliche Dinge zum Vorschein wie die Tatsache, dass junge Leute das Prinzip der Telefon-Wählscheiben nicht mehr kennen, das der Eingabe an der Pascaline ähnelt.

Inwiefern unterscheidet sich eine Museumsanwendung wie diese von „herkömmlichen“ Medienanwendungen? Worauf musste man als Produzentin besonders achten?

Einen Unterschied bietet schon das Museumsumfeld selbst. Die Besucher sind sehr unterschiedlich von ihrem Vorwissen im Bezug auf die dargestellten Themen und Exponate, aber auch bezüglich der modernen Präsentationstechnik. Die Anwendung muss für jeden etwas sein und kurzweilig.

Vielen Dank für das Interview!

 

Museumspädagogin Karina Peschel im Interview

Mittwoch, 01. August 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ hat die Museumspädagogik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Vermittlungskonzepte speziell für Schulklassen entwickelt. Welche Besonderheiten ergeben sich hier im Vergleich zu den täglich in der Ausstellung stattfindenden Führungen?

Diese neuen Vermittlungskonzepte sollen den Schülern einen ganzheitlichen Zugang zu den Bildinhalten ermöglichen, indem auch emotionale Seiten angesprochen werden. Wir stellen eine Verbindung zum eigenen Leben her, und wecken damit das Interesse der Schüler an Themen, mit denen die meisten von ihnen heute im Alltag kaum etwas zu tun haben.

Methodisch werden die Schüler durch spezielle Aufgabenstellungen sehr aktiv in den Erkenntnisprozess einbezogen. Speeddatings und kleine szenische Einlagen, in denen das soeben Gehörte mittels einiger Requisiten von den Schülern selbst umgesetzt wird, gestalten den Aneignungsprozess lebendig und nachhaltig.

Eine Sonderregelung der Öffnungszeiten ermöglicht kunstbegeisterten Schulklassen und ihren Lehrern die Ausstellung im Rahmen des Vermittlungsprogramms bereits ab 8:00 Uhr zu besuchen. Wie wurde dieses Angebot wahrgenommen?

Die Sonderöffnungszeit wurde sehr gut angenommen, allerdings größtenteils erst ab 9.00 Uhr. Die Ruhe und Ungestörtheit zu dieser Zeit ermöglichte erst den Einsatz unserer vielleicht nicht ganz konventionellen Methoden, mit deren Hilfe wir die Schüler auflockern und in Gesprächsbereitschaft versetzen wollten.

Wie schätzen Sie das Interesse der Schüler zur Sonderausstellung ein? Gab es besondere Highlights oder Anregungen? Welche Rückmeldung haben Sie von den Lehrern bekommen?

Das Interesse an der „Sixtina“ war erfreulich hoch. Erfahrungsgemäß hängt das auch davon ab, wie „griffig“  Ausstellungstitel und Schulklassenthemen sind. Mit dem Thema „Von der Madonna zum Model“ hatten wir sozusagen „ins Schwarze“ getroffen.

Die Resonanz von Lehrern und Schülern war überaus positiv und zugleich ermutigend diesen Weg der Vermittlung weiter zu verfolgen. Das deutete sich schon bei der Vorstellung der Konzepte in der Lehrerweiterbildung an, als die Lehrer gleich selbst ein Speddating zum Thema „Schönheit“ machen wollten.

Besonders gern wurden auch praktische Angebote, wie die Herstellung einer Collage „Madonna 2012“ genutzt.

Die Kunstvermittlung im Museum beinhaltet nicht nur das Betrachten und Interpretieren von Gemälden, sondern bietet als fächerübergreifendes Medium das Potential zur Verbindung mehrerer Lerninhalte. Welche Fächerkombinationen eignen sich besonders für die Sonderausstellung?

Kunsterziehung, Deutsch, Geschichte, Religion, Ethik

Durch die Zusammenarbeit von Museen und schulischen Einrichtungen erhalten Lernende die Möglichkeit, sich in einem anderen Lernumfeld auszutauschen und Fragestellungen weiterzuentwickeln. Wird es zukünftig weitere praxisorientierte Führungen, auch im Bereich Erwachsenen- oder Seniorenbildung geben?

Diese interaktiven Konzepte werden im Museum der Zukunft gewiss eine Rolle spielen. M.E. erfordern sie aber eine gewisse Vertrautheit der Teilnehmer untereinander. Unsere Senioren sind vielleicht so eine Gruppe, die sich seit Jahren kennt, uns kennt und sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig ist. Hier wollen wir demnächst mit interaktiven Vermittlungskonzepten arbeiten. Bei Touristen, die an einem Rundgang teilnehmen, kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass sie besonders begeistert wären, mit einem Fragebogen auf Entdeckungstour durchs Museum geschickt zu werden.

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Museumspädagogin in zwei bis drei Sätzen!

Ganz allgemein: Museumspädagogen stehen zwischen dem Objekt und dem Besucher. Konkret erarbeiten wir Vermittlungskonzepte, museumspädagogische Angebote zu jeder Ausstellung und Führungsinhalte, schreiben Förderanträge, bilden uns weiter und machen natürlich Führungen.

Vielen Dank für das Interview!

Praxisnahe Kunstvermittlung für Schulklassen zur Sonderausstellung

Donnerstag, 26. Juli 2012

Die MuseumspädagogInnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben für die Sonderausstellung “Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500″ vier unterschiedliche Vermittlungskonzepte für Grundschüler und Schulklassen der Sekundarstufe I und II entwickelt. Diese widmen sich den Themen “Glaube, Liebe, Hoffnung”, “Von der Madonna zum Model”, “Warum so viele Heilige und wie erkenne ich sie?” sowie “Sacra Conversazione und Madonnenbild”.

Auszüge aus der kunstpädagogischen Vermittlungsarbeit:

Mit den SchülerInnen soll in den Vermittlungsprogrammen auf spielerisch-praktische Art ein eigener Zugang zu den Werken erarbeitet werden. Einige Impressionen aus der Vermittlungsarbeit zu den Themen „Glaube, Liebe, Hoffnung“ und „Von der Madonna zum Model“ haben wir im Folgenden zusammengestellt:

„Glaube, Liebe, Hoffnung“

Zunächst verschaffen sich die SchülerInnen einen Überblick über die Ausstellung in Form eines Raumlaufs. Sie erhalten Gegenstände, die in den Gemälden dargestellt sind oder Memory-Karten, auf denen Bildausschnitte der Exponate zu sehen sind.

Aufgabe ist es, das passende Ausstellungsstück zu finden, genau anzuschauen und Fragen zur Abbildung zu entwickeln. Im Vordergrund stehen dabei die Tugenden des Christentums: “Glaube, Liebe, Hoffnung” In der Ausstellung sind viele christliche Sujets zu sehen, wie die Gottesmutter Maria, Engel, Heilige und Märtyrer. Die SchülerInnen erhalten beispielsweise Einblick in den Zusammenhang von Heiligen und ihren Attributen sowie zur Rolle des Glaubens in der Zeit der Renaissance.

Im praktischen Teil äußern sie sich selbst, indem sie ihre ganz eigenen und individuellen Gedanken über ihren Glauben, ihre Liebe und ihre Hoffnungen aufschreiben und vorstellen.

Einige interessante Statements der 6 bis 12jährigen Schüler zum Thema “Glaube, Liebe, Hoffnung”

 

 

 

 

 

„Von der Madonna zum Model“

Im Vermittlungskonzept “Von der Madonna zum Model” untersuchen die SchülerInnen ausgewählte Bildbeispiele in der Ausstellung auf Schönheitsideale der Renaissance und vergleichen diese mit unserer heutigen Vorstellung von Schönheit. Folgende Tabellen zeigen den Vergleich:

Als abschließende Praxisaufgabe fertigen die Schüler Collagen zum Thema “Madonna 2012“ an.

Dabei soll vor allem die individuelle Vorstellung einer zeitgenössischen Madonna widergespiegelt werden. Die Collagen ermöglichen durch ihre Bildsprache einen Einblick in die Innenwelt der Heranwachsenden, welche mit Worten oft nur schwer zu beschreiben ist.

Im Rahmen der Medienpartnerschaft mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bietet die Museumspädagogik der SKD Lehrerinnen und Lehrern diese ausstellungsbegleitenden Vermittlungskonzepte auf dem Schulportal der FAZ zum kostenlosen Download an. Sie finden diese unter www.fazschule.net.

 

 

 

 

 

Der „Museumsbus“ erleichtert Schulen die Anreise zur Sonderausstellung

Donnerstag, 21. Juni 2012

Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna – Raffaels Kultbild wird 500“ ist ein Museumsbus im Einsatz, der Lehrer und ihre Schulklasse nach Anmeldung an ihrer Schule abholt und zur Gemäldegalerie Alte Meister bringt. Dort können je nach Alter und Schulart unterschiedliche Angebote wahrgenommen werden. Hierfür ist auch eine Sonderöffnung der Ausstellungsräume bereits ab 8 Uhr möglich.

Das Angebot gilt nur für Schulklassen. Es werden folgende Programme angeboten:

Grundschule und Gymnasium und Mittelschulen

1. bis 5. Klasse
„Glaube, Liebe, Hoffnung“
Christliche Tugenden: Ehrlichkeit, Treue, Nächstenliebe, Mutterliebe – Welche Botschaft haben Marienbilder heute?

Gymnasium und Mittelschulen

6. bis 9. Klasse
„Von der Madonna zum Model“
Schönheitsideale, Vorbilder, Idole
Gestaltung einer Collage „Madonna 2012“

„Warum so viele Heilige und wie erkenne ich sie?“
Heilige und ihre Attribute
Wer ist ein Märtyrer, Können nur Christen Märtyrer sein?
Gibt es sie auch heute noch?

„Platz für den großen Raffael“
Stationen der Sixtinischen Madonna vom Auftrag des Papstes an Raffael bis zur Ruhmesgeschichte in Dresden
Szenisches Spiel

Gymnasium

10. bis 12. Klasse
„Sacra Conversazione und Madonnenbild“
Funktion bestimmter Bildtypen in der Renaissance

Weitere Informationen auch zur Anmeldung erhalten Sie vom Besucherservice der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Telefon: 0351/49142000
e-mail: besucherservice@skd.museum