Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس

04. April 2017


deutsch english

Ein Prunkzimmer kehrt zurück - drei fertig restaurierte Wände des Damaskuszimmers sind erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 in ihrer originalen Farbigkeit zu sehen

Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Nach drei Jahren intensiver Arbeit eines deutsch-syrischen Restauratorenteams ist es endlich soweit: Drei Wände und die Decke des Damaskuszimmers sind dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation GmbH und die Gerda Henkel Stiftung fertig restauriert! Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farben lagen jahrzehntelang unter dicken Schichten von Staub, Schimmel, dunklen Leim- und Firnisüberzügen verborgen und sind nun erstmals seit dem Verkauf des Zimmers nach Deutschland 1899 wieder in ihrer originalen Pracht zu sehen. Seit wenigen Tagen sind drei Wände des Zimmers aufgerichtet und vermitteln einen einzigartigen Eindruck von der Kunstfertigkeit und Eleganz Damaszener Innenarchitektur. Das Spiel des Lichts auf den unterschiedlich glänzenden und glitzernden Oberflächenverzierungen zeugt von der raffinierten Dekorationstechnik dieser Prunkzimmer, die im Damaskus des 18. und frühen 19. Jahrhunderts zu hoher Meisterschaft gelangte und den Reichtum, erlesenen Geschmack und gehobenen sozialen Status der Bauherrn reflektierten.
Zwischen 5. März und 4. Juni 2017 ist das Damaskuszimmer an elf Sonntagen jeweils von 13:00 bis 17:00 Uhr exklusiv geöffnet. Sonderveranstaltungen und Vorträge laden zu abwechslungsreichen Entdeckungstouren ein – und es ist wohl einmalig in der Welt, dass man ein solches Zimmer auch von der Rückseite sehen kann. Nun wartet nur noch die letzte Wand auf ihre Restaurierung, um das Zimmer zu vollenden.

Beginn der Montage des Damaskuszimmers an die neue Unterkonstruktion © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Beginn der Montage des Damaskuszimmers an die neue Unterkonstruktion

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Das Damaskuszimmer wächst und wird allmählich zum Raum © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Das Damaskuszimmer wächst und wird allmählich zum Raum

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Museumstechniker bei der Montage der Fensterwand – Hagen Friede, Cai Schneider und Matthias Koalick © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Museumstechniker bei der Montage der Fensterwand – Hagen Friede, Cai Schneider und Matthias Koalick

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Fensterwand ist erstmals seit 1899 wieder vollständig montiert © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Fensterwand ist erstmals seit 1899 wieder vollständig montiert

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Drei Wände sind aufgerichtet – das Zimmer ist zurück © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Drei Wände sind aufgerichtet – das Zimmer ist zurück

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Rückseiten der Paneele erzählen detailreich von der  Geschichte des Zimmers – alte Wasserschäden, geheimnisvolle Nummerierungen, jede Menge Werkzeugspuren © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Rückseiten der Paneele erzählen detailreich von der Geschichte des Zimmers – alte Wasserschäden, geheimnisvolle Nummerierungen, jede Menge Werkzeugspure

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Farbenpracht und Dekorfülle laden zum Schwelgen ein © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Farbenpracht und Dekorfülle laden zum Schwelgen ein

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Geschichte (n) des Residenzschlosses

03. März 2017

Die spannende Vergangenheit und glitzernde Zukunft eines Dresdner Wahrzeichens

Könnte es sprechen, hätte das Dresdner Residenzschloss so einiges aus seinem jahrhundertealten Schicksal zu erzählen: Seit 1485 diente es als prachtvolle Residenz, als Schauplatz und als Machtzentrum sächsischer Kurfürsten und Könige im Herzen der heutigen Altstadt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts sowie unter August dem Starken erhielt es seine entscheidende architektonische Prägung, die ihm einen für die Hochrenaissance typischen Charakter verlieh. Diesen bewahrte das Schloss trotz Umbau und Modernisierung im späten 19. Jahrhundert bis heute.

Außenansicht Residenzschloss, 2014 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Außenansicht Residenzschloss, 2014 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dabei fand die Vollkommenheit, die die Architekten der Hochrenaissance am Residenzschloss umzusetzen versuchten, im Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende: Nach den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 lag das Zentrum in Ruinen und auch das Residenzschloss war in großen Teilen niedergebrannt.

Blick vom Georgenbau auf das zerstörte Residenzschloss, im Vordergrund der ausgebrannte Ostflügel 1954 © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, W. Möbius, Foto: Walter Möbius

Blick vom Georgenbau auf das zerstörte Residenzschloss, im Vordergrund der ausgebrannte Ostflügel 1954 © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, W. Möbius, Foto: Walter Möbius

Zeitweise existierten gar Pläne das Schloss abzureißen, doch diese wurden – genügend Widerstand sei Dank – ad acta gelegt. Seit über 25 Jahren im Wiederaufbau begriffen, zeugt das Residenzschloss von der Geschichte und der einzigartigen kulturellen Vielfalt Sachsens und Dresdens. Zugleich entwickelte es sich zu einem modernen Museumszentrum des 21. Jahrhunderts, in dem legendäre Sammlungen auf zeitgemäße Weise präsentiert und vermittelt werden. Nicht die Errichtung eines bestimmten historischen Zustandes ist angestrebt, sondern die Symbiose aus teilweiser Rekonstruktionen und der Schaffung moderner Museumsarchitektur, die die zeitschichten und Verwendungen erkennen lässt und den Blick des Betrachters auf die einzigartigen Kunstwerke des Kupferstich-Kabinetts, der Grünen Gewölbes, des Münzkabinetts oder der Rüstkammer fokussiert. So entsteht etappenweise eine Residenz der Kunst und Wissenschaft, die das historische Zentrum der SKD bildet, wurde hier doch 1560 die Kunstkammer gegründet. Heute ist es das Zentrum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Circa 316 Millionen Euro investierten die Bundesregierung und die Sächsische Staatsregierung bisher in die größte Kulturbaustelle des Freistaates.

Residenzschloss Dresden, Blick auf den Ostflügel, Zustand: August 2007 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut

Residenzschloss Dresden, Blick auf den Ostflügel, Zustand: August 2007 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut

Im März 2016 eröffnete der erste Teil des Renaissanceflügels – eine bedeutende Etappe im Wiederaufbau des Schlosses. Die neue Dauerausstellung „Weltsicht und Wissen um 1600“ macht seitdem faszinierende Objekte der Spätrenaissance der Öffentlichkeit zugänglich und beleuchtet das Phänomen „Kunstkammer“.

 

Macht & Mode

Im April 2017, im Jahr des 500. Reformationsjubiläums, wird der Renaissanceflügel vollendet: Im Nord- und Ostflügel wird die Ära der sächsischen Kurfürsten der Renaissancezeit wieder lebendig und entführt die Besucher in eine abenteuerliche und sagenumwobene Welt.

Grundriss des Residenzschlosses, 1. Obergeschoss © Staatliche Kunstsammlungen Dresden und SLUB, deutsche Fotothek

Grundriss des Residenzschlosses, 1. Obergeschoss © Staatliche Kunstsammlungen Dresden und SLUB, deutsche Fotothek

 

Mit der Ausstellung „Auf dem Weg zur Kurfürstenmacht“ erleben die Besucher den Weg der Wettiner von der Erlangung der sächsischen Kurwürde bis hin zur Eroberung der Kurfürstenmacht. Der weltweit größte Schatz an Prunkwaffen der Reformationszeit und des frühen Barock verkörpert den Machtanspruch und das reformatorische Glaubensprogramm der sächsischen Kurfürsten. Die Objekte gehören zu den ältesten Werken der Rüstkammer.

Helmbarte, deutsch, 1588, Ätzmalerei: Augsburg, Schäftung und Medaillons: Dresden; Eisen, Kupfer, Gold, Holz; Ausrüstung der kursächsischen Trabantengarde © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Helmbarte, deutsch, 1588, Ätzmalerei: Augsburg, Schäftung und Medaillons: Dresden; Eisen, Kupfer, Gold, Holz; Ausrüstung der kursächsischen Trabantengarde © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

In der Ausstellung „Kurfürstliche Garderobe“ bezaubern originale Gewänder der grandiosen Fürstenmode. Was war der letzte Schrei in Renaissance und Frühbarock? Welche Unsummen gab die europäische Elite aus, um ganz en vogue zu sein? Insgesamt 27 Herrscherkostüme – 6 vollständige Kostümensembles, 11 Anzüge mit Wams und Hose, 4 Damenkleider sowie 6 einzelne Obergewandstücke begeistern durch reiche Stoffe, Stickereien, Spitzen und Posamenten von Gold, Silber und Seide.

Prunkkleid der Kurfürstin Magdalena Sibylla von Sachsen (1586–1659), um 1610–1620, Oberstoffe: italienisch; Schneiderarbeit: Dresden, Kurfürstliche Schneiderei, Klöppelspitze und Posamentierarbeit: sächsisch, Teile: Mieder und Rock; Seide, Silber, Gold © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Prunkkleid der Kurfürstin Magdalena Sibylla von Sachsen (1586–1659), um 1610–1620, Oberstoffe: italienisch; Schneiderarbeit: Dresden, Kurfürstliche Schneiderei, Klöppelspitze und Posamentierarbeit: sächsisch, Teile: Mieder und Rock; Seide, Silber, Gold © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

Mit all diesen Kostbarkeiten eines der wichtigsten protestantischen Höfe Europas erleben Besucher die Geschichte des Dresdner Schlosses aus einer ganz neuen Perspektive: Das Renaissanceschloss, in dem der Grundstein gelegt wurde für die unermesslichen Reichtümer der sächsischen Kurfürsten und Könige.

 

Schere, Stein, Papier – und mehr!

15. Februar 2017

Bastelspaß für Groß und Klein im Museum für Sächsische Volkskunst

Am 18. und 19. Februar 2017 bietet das Museum für Sächsische Volkskunst drei unterschiedliche Aktivitäten zum Mitmachen.
Preise & Anmeldungen unter Telefon 0351 – 49144502

hier stellen unsere Workshop-Leiterinnen ihre Angebote vor:

Basteln und Gestalten mit Sandstein mit Claudia Bensch

- Altersgruppe: ab 6 bis 99 Jahre
- an beiden Tagen jeweils 10 bis 16 Uhr

Das Basteln mit Mineralien und Sandstein macht sicherlich genauso so viel Spaß, wie das Angeln von Mineralien aus einer kunterbunten “Schatzkiste” oder das Schleifen von Millionen Jahre altem Bernstein.
Unsere “Mineralien-Schatzkiste” bietet den kleinen Anglern eine reichhaltige Auswahl an einheimischen Gesteinen, sowie an Mineralien aus aller Welt. Was ist es für ein Mineral und wo kommt es her? – das wird erklärt und aufgeschrieben.
Der Bernstein, erst noch ein Stück unscheinbares Rohmaterial, verbirgt im Inneren oft kleine Geheimnisse der Urzeit, wie z.B. kleine Käfer, Fliegen, Ameisen, Mücken, Insekteneier, Pollen, Moose, die erst durch das Anschleifen und Polieren zu sehen sind. Ein Blick in das Mikroskop fasziniert jedes Kind und jeden Erwachsenen auf der Reise in die Urzeit.
Unsere Bastel-Fans kommen mit edlem einheimischem Sandstein auf ihre Kosten. Ob Leuchter oder Schmuck gestalten, Räucherhäuschen bauen, Feldbahnen-/Grubenbahnen basteln, für jeden ist etwas dabei.
Eine große Auswahl an Naturmaterialien und anderen Deko-Materialien runden diese schönen und vielseitigen Angebote ab.

Die Unkosten für die Basteleien betragen:
–> 2,50 € für das Mineralienangeln mit Bestimmen von den bei uns geangelten Mineralien und Beschreibung dieser (+ natürlich zum Mitnehmen)
–> 8,50 € bis 13,50 € Sandstein-Leuchter incl. Platte + Deko-Material (Naturmaterial u.ä.)
–> ab 12,- € Leuchter incl. Platte + Mineralien-Deko-Material
–> ab 7,- € Schmuck (Sandstein u.a. Materialien)
–> ab 6,50 € bis 8,- € Bernsteine schleifen (einschl. Betrachtung unter dem Mikroskop)
–> ab 9,- € Sandstein-Züge basteln incl. Platte + Deko-Material
–> ab 23,- € für Räucherhäuschen aus Sandstein/Schiefer/Holz, incl. Deko-Material

——————————————-

Brettchenweben – Bänder weben ohne Webstuhl. Zweitägiger Workshop mit Katrin Hanschmann

- Altersgruppe: ab 12 bis 99 Jahre
- an beiden Tagen jeweils 10 bis 16 Uhr

In diesem Workshop kann man eine über 1000 Jahre alte Webtechnik kennenlernen! Ohne Webstuhl entstehen bunt gemusterte, stabile Bänder, die sich als Gürtel, Henkel, Träger, Lesezeichen oder Schmuckborten eignen. In dem 2 Tage-Einsteigerkurs stellt ihr die benötigten Hilfsmittel selbst her und erarbeiten Euch die Webtechnik so, dass ihr selbständig weiterarbeiten könnt. Es entsteht ein eindrucksvolles erstes Übungsband. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Kosten: 75,- € incl. Verbrauchsmaterial (s.u.)

Das Angebot „Brettchenweben – Grundkurs“ eignet sich nicht nur für Erwachsene, sondern auch gut für Kinder. Ab 12 Jahre ist die Teilnahme gut möglich. Jüngere nicht, denn der Kurs erfordert Geduld, Konzentration und Ausdauer über einige Stunden (mit Pausen natürlich ). Den Interessenten muss klar sein, dass dieser Kurs Samstag über ca. 5-7 Stunden und Sonntag nochmal über ca. 4 -5 Stunden geht. Es wird mehrere kleine Pausen zum Auflockern und eine größere Mittagspause geben.
Ein späterer Einstieg oder „nur ein bisschen mitmachen“ ist nicht möglich, da die einzelnen Schritte zusammenhängen und aufeinander aufbauen. Der Workshop ist kein Bastelangebot, das im Vorbeigehen funktioniert.

Das Übungsband, das im Kurs entsteht, hat das Muster wie auf dem Foto das gelb/orange/rot/graue in der Mitte.

Ich nehme 6 bis 7 Teilnehmer an; wenn Kinder mit Eltern oder Oma teilnehmen, dann können es auch 8 Teilnehmer sein und für die begleiteten Kinder würde ich auch einen Familienrabatt gewähren (Erwachsener normal 75,- € + Kind 50,- €, das sind 25,-€ Rabatt ).
WICHTIG: Bitte einen Gürtel mitbringen. Der muss nicht schön sein – aber locker um den Bauch passen und gut verschließbar sein.

————————————————–

Kurzeinführung in die Kunst des Scherenschnitts mit Elke Anders

- Altersgruppe: 9-99 Jahre (Kinder von 4-8 Jahre bitte nur mit einem Erwachsenen)
- an beiden Tagen jeweils 10 bis 16.30 Uhr

Frau Anders bietet an diesen Tagen Kurzeinführungen in die Technik des Scherenschnitts an. Jeweils zur vollen Stunde außer 13.00 starten wir eine Gruppe, d.h.10.00; 11.00; 12.00; 14.00; 15.00 und 16.00 Uhr. Keine Anmeldung, keine Reservierung (etwa 8 Plätze). Wer kommt und Platz findet, macht mit. Alle anderen sehen sich erstmal im Museum um…

Es sind KEINE Scheren für Linkshänder vorhanden.

Unkostenbeitrag 1-2 Euro.

Die Angebote:

-         freier Faltschnitt

-         Bilderschnitt nach möglichen Vorlagen

-         Möglichkeit, eigene Ideen mitzubringen und unter Anleitung zu verwirklichen

-         die Bearbeitung ist bis zur fertigen Karte bzw. Bild möglich

-         Auch die Abfälle werden genutzt: Das Auge wird nach der Stunde so geschult sein, dass sich in den Schnipseln Tiere, Gesichter o.ä. entdecken lassen. Daraus gestalten wir ein am Sonntag   fertiges “SCHNIPSELBILD”, an dem sich jeder beteiligt haben wird.

-         für 4-8-Jährige: Schmetterlinge, d.h. zeichnerische Bearbeitung eines möglichen Scherenschnitts (der nicht geschnitten werden muss)

Wissenschaftler auf Reisen – Kerstin Stöver in Japan

23. Januar 2017

Seit der Ausstellung „Logical Rain“ 2013/14 in der die Sammlung an japanischen Färbeschablonen/Katagami des Kunstgewerbemuseums Dresden in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurde, ist das Interesse an diesen kunstvollen, fragilen Objekten nicht abgerissen. Scheinbar plötzlich stoßen wir weltweit auf Ausstellungen, Forschungsprojekte und Tagungen.

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Im März 2016 fand am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, Abteilung Kunstgeschichte Ostasiens die Tagung „Katagami in the West“ statt, auf der sich alle namhaften internationalen Katagami-Sammlungen vorstellten. Aus einem Missverständnis heraus fehlte dabei die Einladung zur Präsentation der größten Sammlung historischer Katagami außerhalb Japans – der Sammlung des Kunstgewerbemuseums Dresden. Trotzdem nahmen neben mir noch zwei weitere Mitarbeiterinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Zuhörerinnen an der Tagung teil, konnten Wissen sammeln und Kontakte knüpfen.

Am 29./30. Oktober 2016 folgte die zweite Tagung am Art Research Center der Ritsumeikan University Kyoto. Dieses Institut wurde 1998 gegründet. Seine Aufgabe sieht es nicht nur in der theoretischen Erforschung des materiellen und immateriellen Kulturgutes Japans sondern ganz praktisch in der Organisation von Forschungsprojekten im eigenen Haus aber auch mit externen Wissenschaftlern und Institutionen sowie in der umfassenden Erfassung, Sammlung Archivierung japanischen Kulturgutes und der Vermittlung des Wissens darüber.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Diskussion über Möglichkeiten der digitalen Erfassung aller Bestände an japanischen Färbeschablonen weltweit und die Möglichkeiten der internationalen Vernetzung. Dieses Mal war auch das Kunstgewerbemuseum Dresden eingeladen. Somit erhielt ich die Möglichkeit während eines Vortrages zum Kernthema des Treffens auch unsere, aus über 16 000 Blättern bestehende Sammlung und den Prozess ihrer digitalen Erfassung im Rahmen des Daphne-Projektes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vorzustellen.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

Die Tagung selbst erwies sich im Wesentlichen als ein Treffen von Vertretern  der bedeutendsten japanischen Sammlungen und einheimischen Wissenschaftlern, die den derzeitigen Stand der digitalen Erfassung japanischen Kulturgutes aus Papier – neben den Schablonen auch Bücher, Zeichnungen, Drucke etc. Neben der japanischen Leiterin der Katagamisammlung des Bostoner Museums of Fine Arts war ich der einzige ausländische Gast. Alle sich vorstellenden Einrichtungen haben ihren Bestand elektronisch erfasst, meist in eigens für sie entwickelten Datenbanken. Allerdings fehlt eine Vernetzung untereinander sowie ein allgemein möglicher Zugriff auf die Daten wie wir es von der Online Collection der SKD kennen. Teilweise ist ein von den Museen individuell autorisierter Zugriff möglich.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Frau Dr. Yuki Ikuta, Kuratorin des Mie Prefectural Art Museum, stellte den Stand der Erfassung der auf Katagami vorhandenen Stempel und Marken vor. Dazu bereist auch sie alle großen internationalen Sammlungen. Ziel ist es, anhand der Stempel Händlerwege nachzuvollziehen und Schablonen einzelnen Werkstätten zuordnen zu können.

Im Moment läuft dieses Projekt mit finanzieller Unterstützung der Japan Foundation auch in unserem Museum. Ein erster Arbeitsbesuch von Frau Ikuta fand dazu im Dezember statt, der zweite folgt im März.

Ein Vortrag von Kyolite Design Kyoto stellte die äußerst vielseitige Verwendung von Motiven der Katagami im aktuellen Produktdesign vor. Die Palette reicht hier von Glas und Porzellan, über Möbel bis zur Raumgestaltung.

Das Art Research Center der Ritsumeikan Universität fördert nicht nur Projekte wie Arbeitsaufenthalte japanischer Wissenschaftler in weltweit renommierte Kunstsammlungen zur digitalen Erfassung des japanischen Kunstgutes, sondern ist im eigenen Haus zur Zeit damit beschäftigt, den landeseigenen, nicht in Museen befindlichen Bestand an Katagami und Buntpapieren zu digitalisieren. Eine Führung durch das temporäre Depot ergab einen ungefähren Eindruck über die Mengen an Färbeschablonen (nicht nur historischen sondern aktuell genutzten) und die Motivvielfalt der Buntpapiere.

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stö

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöve

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöver

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein besonderes Ereignis war die Fahrt nach Suzuka in der Präfektur Mie, dem historischen Zentrum der Herstellung von Ise-Katagami. Neben dem Besuch des kleinen historischen Museums und dem Treffen mit einem noch lebenden „Altmeister“ der Katagamischneidekunst erwies sich der Einblick in eine heute noch nach traditionellem Vorbild arbeitenden Werkstatt „Gesellschaft Osugi Papierindustrie“ zur Herstellung des typischen Papieres als eine Reise in vergangene Zeiten.
 

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöver

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöve

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 
 
 
 
 
 

Als einzige Nichtjapanerin tauchte ich somit in eine völlig neue Welt ein, die weit über das Sammeln von Wissen zu Katagami hinausging und ein intensiver Trip in die japanische Kultur und Lebensweise wurde, die sich sicher auf einer touristischen Reise nicht immer erschließt.

Jenseits des vollen Tagungsprogrammes bot sich jedoch auch die Möglichkeit Kyoto ein wenig zu erkunden. Schon in der Nähe der Universität im Nordwesten der Stadt, im Stadteil Kita-Ku gab es Tempel und Schreine zu entdecken. Sie sind nicht nur typischer Touristenmagnet und Oase im hektischen Getriebe einer Großstadt sondern auch heute noch selbstverständlicher Teil des Lebens vieler Kyoter.

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Nachts im Museum

14. Dezember 2016

Aufgedeckt! Alte Meister neu entdeckt

07. Dezember 2016

Flämische Landschaftsbilder des 16. und 17. Jahrhunderts zählen zu den besonderen Schätzen der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister. Trotz ihrer großen Zahl und hohen Qualität sind sie jedoch kaum bekannt. Die Ausstellung DAS PARADIES AUF ERDEN rückt diese Meisterwerke nun endlich ins rechte Licht. Nach umfassenden Untersuchungen und Restaurierungen sind viele Werke in der Ausstellung ganz neu zu entdecken. Wir stellen euch hier zentrale Befunde der Restaurierung von zwei Werken vor.

1) “Landschaft mit dem Urteil des Midas” von Gillis van Coninxloo und Karel van Mander

Landschaft mit dem Urteil des Midas · Öl auf Eichenholz · 119,5  x 203 cm · Gemäldegalerie Alte Meister
  • Neudatierung:

Das Datum wurde durch die Firnisabnahme besser lesbar: Es lautet 1598 (und nicht 1588) und fällt somit in die Zeit, in der der flämische Landschaftsmaler Gillis van Coninxloo nicht mehr im pfälzischen Frankenthal lebte, sondern bereits nach Amsterdam übersiedelt war.

  • Die Identität des Figurenmalers konnte durch das Auffinden einer weiteren Signatur geklärt werden

Niemand geringerer als der Künstlerbiograf  Karel van Mander fügte diese Staffage hinzu–  ein Sachverhalt, der bisher immer aufgrund der Stilistik vermutet wurde und nun durch das Auffinden seiner ligierten Signatur „KM“, die sinnträchtig auf der Harfe des virtuos spielenden Gottes der Künste/Apoll positioniert wurde, eindeutig zu belegen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

2) "Vor der Sintflut" von Roelant Savery

Feststellung einer Programmänderung in der Unterzeichnung durch Infrarotuntersuchung

Das „Vor der Sintflut“ betitelte Gemälde von Roelant Saverys (1620), welches im Rahmen der Ausstellung restauriert und mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht wurde, war zunächst wohl als Paradies­landschaft im klassischen Sinne angelegt: Das Infrarotreflektogramm, welches ermöglicht, durch die Malschichten hindurch tieferliegende Vorzeichnungen und frühere Malzustände auf der Grundierung sichtbar zu machen, zeigt, dass an Stelle der zentral platzierten Arche zunächst wohl ein bewaldeter Felsen zu sehen war.

Das Frühschwund-Craquelé, eine Rissbildung die entsteht, wenn noch nicht trockene Malschichten übereinander gelegt werden, legt wiederum nahe, dass der Fels zu einem relativ frühen Zeitpunkt – wahrscheinlich von Savery selbst und möglicherweise auf Wunsch des Auftraggebers der Tafel – mit der Arche übermalt wurde.

Jan Brueghel d. Ä. hatte Ende des 16. Jahrhunderts begonnen, szenische Landschaftsdarstellungen derart opulent mit den unterschiedlichster Tieren zu beleben, dass die biblischen oder mythologischen Episoden (wie der Sündenfall, die Erschaffung des Menschen, aber auch Orpheus unter den Tieren) zunehmend ins Hintertreffen gerieten. In dieser Tendenz stellt Saverys „Vor der Sintflut“ mit seiner fast enzyklopädischen Tierfülle einen uneingeschränkten Höhepunkt dar: Der Biologe Michael Gruschwitz konnten über 100 unterschiedliche Tiere auf der Tafel identifizieren – darunter so exotische Exemplare wie der erst 1597 aus Neuguinea nach Europa gelangte Helmkasuar. Der Auftraggeber, der das aus einem einzigen Brett (!) gefertigte großformatige Tafelbild in Auftrag gab, ist im Kreise der zeitgenössischen gelehrten Sammler zu verorten, in deren Kabinetten Naturalia und Kunstwerke als zwei sich ergänzende Erkenntnisbereiche gemeinsam präsentiert wurden.

Infrarotreflektogramm mit unter der Arche ursprünglich angelegten Baumkronen

Infrarotreflektogramm mit unter der Arche ursprünglich angelegten Baumkronen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Roelant Savery · Vor der Sintflut ·  Öl auf Eichenholz ·  82 × 137 cm · Staatliche Kunstsammlungen Dresden ·  Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 932

Roelant Savery, Vor der Sintflut, Öl auf Eichenholz, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister

 

Flämische Landschaften in Dresden

02. Dezember 2016

Von Bernhard Schulz

So groß wie ein DIN A5-Blatt sind die Gouachen, die der Flame Hans Bol ab 1580 größtenteils mit biblischen wie antiken Historien auf Pergament gemalt und dann auf Eichenholz aufgezogen hat. 1587 wurden 16 solcher kleinformatigen Gemälde von Bol für die vom sächsischen Kurfürsten August 1560 in Dresden begründete Kunstkammer erworben, dessen erstes Verzeichnis aus eben dem Jahr 1587 sie als „schöne gemalete täflein“ beschreibt. Was sie so besonders macht, spielt sich im Hintergrund ab: Es ist die Landschaft. Bol, 1534 in Mechelen geboren und 1593 in Amsterdam verstorben, entstammt einer der damals höchstentwickelten Gegenden Europas, dicht besiedelt und mit Städten und stattlichen Dörfern reich ausgestattet. So sind die Landschaften, die Bol in feinsten Strichen malt, denn auch keine unberührte Natur, sondern Zeugnis ihrer Kultivierung durch den Menschen. Nur auf einer Jagdszene nach Ovids „Metamorphosen“, diesem unerschöpflichen Quell von Bildthemen vom Beginn der Renaissance bis zum Ende des Barock, trägt die dargestellte Waldlandschaft keine Spuren menschlicher Veränderung, ohne deswegen rau oder gar bedrohlich zu wirken.

 

Hans Bol, Abraham und die drei Engel, 1586, Gouache auf Pergament auf Eichenholz, 14,1 x 21,2 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Hans Bol, Abraham und die drei Engel, 1586, Gouache auf Pergament auf Eichenholz, 14,1 x 21,2 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

1587 ist der Höhepunkt der Renaissance, was künstlerische Invention anbelangt, längst überschritten; ihre Errungenschaften, ihre Sichtweisen sind Gemeingut geworden. Das Staunen angesichts der Landschaft jenseits beschützender Mauern, das die Frührenaissance tatsächlich als ein Erwachen nach langer Dunkelheit erscheinen lässt, ist der sicheren Beherrschung der Natur gewichen. Jedenfalls in den Niederlanden, in deren südlichem Teil Flandern die Landschaftsmalerei in Blüte steht, wiewohl sie auch dort traumatische, die Kriege und Konflikte einer unruhigen politischen Gegenwart in spiegelnde Züge annehmen kann.

Aus der Kunstkammer und den weiteren kurfürstlichen „Kammern“ wie der nach ihrem Standort als „Grünes Gewölbe“ bezeichneten Schatzkammer gingen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hervor, die in ihrem Ausstellungshaus auf der Brühlschen Terrasse, dem vom Krieg schwer gezeichneten und in versehrtem Zustand belassenen Lipsiusbau, die Ausstellung „Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens“ unter dem Obertitel „Das Paradies auf Erden“ ausrichten. Die Ausstellung ist überwiegend aus eigenem Bestand, dem der zur Zeit in Renovierung befindlichen Gemäldegalerie Alte Meister, zusammengestellt; sie gibt – wie ihr Direktor Stephan Koja im wunderschönen Katalog mitteilt – „Gelegenheit, Gemälden zu begegnen, die aufgrund des Platzmangels der Gemäldegalerie Alte Meister seit Jahrzehnten, teilweise sogar seit Jahrhunderten nicht mehr zu sehen waren“. Du, glückliches Dresden, möchte man ausrufen: dass du solche Schätze vernachlässigen konntest ob der Fülle dessen, was an ihrer Statt zu sehen war!

Ausstellungsansicht, Kunsthalle im Lipsiusbau, Foto: Oliver Killig

Ausstellungsansicht, Kunsthalle im Lipsiusbau, Foto: Oliver Killig

 

Was Kuratorin Uta Neidhardt unter Mitarbeit von Konstanze Krüger im Zuge des 2011 begonnenen Forschungsprojekts „Flämische Malerei in der Gemäldegalerie Alte Meister“ aus dem Bestand von rund 380 flämische  Gemälden ausgewählt haben, lässt denn auch wünschen, diese Auswahl auf Dauer besichtigen zu können. Im Lipsiusbau ist die Auswahl durch Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen wie dem Frankfurter Städel oder dem Kunsthistorischen Museum Wien abgerundet worden, denn Fehlstellen gibt es in einer aus fürstlichem Sammeleifer, aber naturgemäß noch ohne das kunsthistorische Instrumentarium der Jetztzeit erwachsenen Sammlung immer wieder. Eine der Bol-Täfelchen beispielsweise wird heute dessen Schüler Jacob Savery zugeschrieben, doch scheint „Die Stadt an der Seebucht“ dem Betrachter ohne weiteres von gleicher Hand zu stammen. Dass im Katalog als Unterscheidungsmerkmal ausgeführt wird, Bol leite Straßen „meist in die Bildtiefe und auf den Hintergrund zu, während sie bei seinem Schüler durch Architektur oft versperrt sind“, klingt reichlich gesucht – beweisstark ist hingegen die winzige Signatur Saverys im rechten oberen Eck, die dem kurfürstlichen Erwerber und seinen Agenten ganz offenbar entgangen war.

Das ist gewiss eine Petitesse, aber sie mahnt doch, die Grenzen interpretatorischen Scharfsinns eng zu ziehen. Immer wieder sind in früheren Zeiten Kunstwerke falsch zugeschrieben worden. So ist die grandiose „Landschaft mit dem Urteil des Midas“, ein Gemeinschaftswerk des Landschafters Gillis van Coninxloo und des Figurenmalers Karel van Mander, nach Erwerbung durch einen französischen Agenten in Dresden 1707 als Landschaft „von Breugell, Figuren von Golzio“ verzeichnet. Das erwähnte Forschungsvorhaben brachte Aufschluss über die Autorschaft und vor allem das Entstehungsjahr 1598, als Coninxloo als protestantischer Glaubensflüchtling in Amsterdam seine letzte Lebensstation erreicht hatte. Die im Bildvordergrund geschilderte Szene des Musikwettstreits zwischen Apoll und Pan – natürlich wieder bei Ovid zu finden – ließe sich ohne weiteres wegdenken, so dass eine von erhöhtem Standpunkt aus sich entfaltende „Weltlandschaft“ übrig bliebe, eine Gesamtdarstellung des Irdischen mit Gewässern, Bergen, Wäldern, Tieren und menschlichen Behausungen und Tätigkeiten. Solche Weltlandschaften zeigt die Ausstellung mehrere; ihnen gegenüber stehen die eher als „Genre“ zu bezeichnenden Kompositionen, insbesondere derjenigen winterlicher Begebenheiten, unter denen Lucas van Valckenborchs „Winterlandschaft bei Antwerpen“ von 1575 als überhaupt erst zweiter Darstellung von Schneefall heraussticht. Da ist aber auch alles versammelt, was den Winter schön und schrecklich machen konnte, vom Schlittenziehen und Hockeyspiel auf dem Eis bis zum Brand einer Scheune, zu dem Löschwasser aus einem eilig aufgehackten Loch herangeschleppt werden muss.

Gillis van Coninxloo und Karel van Mander, Landschaft mit dem Urteil des Midas, 1588, Öl auf Eichenholz, 119, 5 x 203 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Gillis van Coninxloo und Karel van Mander, Landschaft mit dem Urteil des Midas, 1588, Öl auf Eichenholz, 119, 5 x 203 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Vom Brand einer Scheune zum Weltenbrand ist es nur ein Schritt. Jan Brueghel d. Ä. ist mit einer „Versuchung des heiligen Antonius“ von 1604 vertreten, einem seit Hieronymus Bosch häufigen Thema, das der Fantasie wahrlich freien Raum ließ. Dass es dem jüngeren Mitglied der Malerfamilie Brueghel weniger um religiöse Mahnung zu tun war als um die Zufriedenstellung seiner Auftraggeber und Käufer, legt die nach mehrjährigem Italien- und Romaufenthalt gemeinsam mit dem dort kennengelernten Hans Rottenhammer gemalte Szene „Juno in der Unterwelt“ nahe. Auch da brennt es im Hintergrund lichterloh, bevölkern fratzenhafte Schreckenswesen die Szenerie. Doch die ist wiederum bei Ovid gefunden und wortgetreu ins Bild gesetzt. Einzelne Motive sind von Tintoretto und anderen venezianischen Malern abgeschaut: ein schönes Beispiel für den Kulturtransfer über die Alpen hinweg, zumal Jan Brueghel vielfach Sammler in Italien bediente.

Zuallererst zieht den eintretenden Besucher im Lipsiusbau jedoch das Gemälde „Vor der Sintflut“ an, das der für seine Tierdarstellungen berühmte Roelant Savery 1620 gemalt hat und das seit 1754 in Dresden nachgewiesen ist. Es ist mit 82 mal 137 Zentimetern bereits eines der größeren Formate der Ausstellung. Savery (um 1576-1639) benötigte den Platz, um all die Tiere vorzuführen, von denen er Kenntnis besaß, war ihm doch als Hofmaler Kaiser Rudolfs II. Zutritt zu dessen Menagerien in Prag gestattet. Nur der in Zoologie Bewanderte vermag die seinerzeit gerade erst entdeckten Arten, wie den aus Neuguinea stammenden Laufvogel namens Helmkasuar, zu benennen. Wiederum dem Forschungsprojekt verdankt sich die Erkenntnis, dass Savery ursprünglich den Paradiesgarten gemalt hatte, ehe er die mächtige Arche in die Bildmitte setzte, wo sie heute als das gar nicht wegzudenkende Zentrum der Komposition erscheint.

Roelant Savery Vor der Sintflut, 1620, Öl auf Eichenholz, 82 x 137 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Roelant Savery Vor der Sintflut, 1620, Öl auf Eichenholz, 82 x 137 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Das Landschaftsthema verlässt schließlich die Niederlande in der Darstellung des Klosterschlosses San Lorenzo de El Escorial, die auf Peter Paul Rubens zurückgeht und in Dresden in einer von Schülerhand ausgeführten Fassung vorliegt, freilich 1742 als originaler Rubens angekauft wurde. Rubens hatte den Escorial gesehen, von einem erhöhten Punkt in den Bergen über der einsamen Landschaft nahe Madrid; der Katalog verschweigt leider das Datum, so dass sich als terminus ante quem nur Rubens’ Tod 1640 festhalten lässt. Einerlei; die Darstellung geht ins Fantastische, insofern sie die bergige Landschaft stark überhöht und die Wolken, die Rubens allerdings als unter ihm dahinziehend beschrieben hat, wirkungsvoll dramatisiert. Der Escorial war nichts weniger als das Regierungszentrum des spanischen Weltreichs, und doch liegt er hier geradezu beiläufig und schutzlos inmitten der bewegten Natur. Vollends in die Ferne entführen den Besucher Maler wie Adriaen Fransz. Boudewijns, der Ende des 17. Jahrhunderts einen „Römischen Triumphbogen am Kai des Seehafens“ malt, oder Bonaventura Peeters, der 1652 eine „Orientalische Seebucht“ vorstellt, die wohl eher im seinerzeit unter osmanischer Herrschaft stehenden östlichen Mittelmeerraum anzusiedeln ist. Da sind die Niederländer ganz bei sich, als Handel treibende Seefahrernation, worauf das in der Bildmitte stolz die Flagge der Republik zeigende Schiff verweist.

Willem Jansz. Blaeu / Joan Blaeu, Erdglobus, um 1645-1648, Durchmesser: 68 cm, H 110 cm, Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: SKD

Willem Jansz. Blaeu / Joan Blaeu, Erdglobus, um 1645-1648, Durchmesser: 68 cm, H 110 cm, Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: SKD

Wer Handel treibt und zur See fährt, benötigt Landkarten und Globen, und es ist ein wunderbarer Einfall der Gestalter, in die Mitte des in zwei kühlen Graublautönen gehaltenen Inneren des Lipsiusbaus einen Kubus zu stellen, in dem in gedämpften Licht der zeitgenössische, kurz vor 1650 geschaffene Erdglobus von Willem Blaeu und seinem Sohn Joan Blaeu den Mittelpunkt bildet. Die damals gerade erst gemachten Entdeckungen der nordjapanischen Insel Hokkaido und der angrenzenden Kurilen ließ Joan Blaeu nachstechen und als Aktualisierung auf den Globus kleben. Er wird heute im Mathematisch-Physikalischen Salon bewahrt und zeigt quasi nebenbei, wie universell die Dresdner Kunstsammlungen angelegt sind und wie großartig ihr Bestand.

Dresden, Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, bis 15. Januar 2017. Katalog im Sandstein Verlag, 28 € (Museumsausgabe)/ 39,80 € (Buchhandel).

Bernhard Schulz ist Redakteur im Feuilleton des Tagesspiegel (Berlin)

Vorgestellt! Magdalena Kozar, Restauratorin in der Porzellansammlung

24. November 2016

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Diese außergewöhnliche Gruppe japanischen Porzellans ist Gegenstand eines großen Restaurierungsprojektes: Dank der großzügigen Unterstützung und Kompetenz des National Research Institute for Cultural Properties, Tokyo (TOBUNKEN) konnte die Restaurierung einer sogenannten Vogelbauervase ins Auge gefasst werden. Magdalena Kozar wird den Restaurierungsprozess in Tokyo begleiten, um von den Spezialisten aus dem Ursprungsland der Vasen zu lernen. Auf dem Blog wird sie von ihren Erfahrungen rund um die Restaurierung in Dresden und Tokyo berichten.


Von Breslau nach Dresden

Nach Dresden bin ich zum ersten Mal als Schülerin gekommen. Ich habe mir schon damals die Porzellansammlung angeschaut und war davon sehr begeistert. Als sich mir durch mein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Breslau ein paar Jahre später die Möglichkeit bot, ein Austauschsemester in Dresden zu absolvieren, gab es für mich keinen Zweifel. Ich habe ein Semester lang Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden studiert und mich in der Zwischenzeit für ein Praktikum in der Porzellansammlung beworben.

Während des Praktikums war eine Figur aus der Meissener Porzellanmanufaktur meine erste Restaurierungsaufgabe: eine Darstellung von Scramuz (Figur der Italienischen Commedia dell’Arte), die 1743-1744 von Peter Reinicke in der Meissner Manufaktur hergestellt wurde. Es war sehr lustig dieselbe Figur auf meinen alten Reisebildern aus Dresden zu finden. Damals hätte ich nie davon geträumt, dass ich ein paar Jahre später diese Figur persönlich restaurieren dürfen werde.

Seit 2011 nehme ich an verschiedenen Projekten in der Porzellansammlung teil. Die Arbeit erlaubt mir nicht nur mit den wunderschönsten Porzellanstücken der Welt arbeiten zu können, sondern auch mein Wissen ständig zu vertiefen. Zurzeit arbeite ich an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Obwohl die Aufgaben sehr aufwändig sind und viel Zeit kosten, macht die schöne Atmosphäre in einem netten Team die Arbeit sehr angenehm.

Bei der Arbeit: Sortieren...

...und Anpassen der Lackfragmente

In den letzten Jahren habe ich auch im Museum für Lackkunst in Münster und in einem privaten Restaurierungsstudio für Japanischen Lack in Warschau Wissen im Bereich Lackrestaurierung gesammelt und vertieft.

Von Dresden nach Tokyo

Eine von den sogenannten Vogelbauervasen aus der Porzellansammlung befindet sich gerade im National Research Institute for Cultural Properties (TOBUNKEN) in Tokyo und wird dort restauriert. Zurzeit bereiten die dortigen Spezialisten ein Restaurierungsprojekt vor. Die richtigen Restaurierungsarbeiten sollen Anfang 2017 beginnen. Ich freue mich sehr eine Möglichkeit zu haben, den Restaurierungsprozess begleiten zu könnten und von japanischen Experten zu lernen.

Bei der Arbeit: Restaurierung Japanischer Imari Vasen mit Lackauflagen

 

 

 

 

Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس

17. November 2016


deutsch english عربي

Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierung des Damaskuszimmers ist dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation weit fortgeschritten. Bereits seit Ende 2014 ist die Konservierung der gelockerten originalen Farbschichten auf den 110 Einzelteilen abgeschlossen und damit ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des Zimmers für die Zukunft geschafft. Seither durchlaufen die kunstvoll verzierten Holzpaneele eine Reihe von Restaurierungsmaßnahmen, die von Bauteil zu Bauteil, aber auch von Farbfläche zu Farbfläche immer wieder neu abgestimmt werden müssen, weil die unterschiedlichen Farben; Metallauflagen und gefärbten Lacküberzüge in ihrem Erhaltungszustand stark schwanken. Die Gründe dafür liegen zum einen darin, dass die Materialien bei der Herstellung des Zimmers wiederkehrend frisch von Hand zubereitet wurden. Dadurch schwankt die Zusammensetzung der Farben und führte im Zusammenspiel mit den Alterungsprozessen dazu, dass manche Farbschichten noch recht stabil sind, andere jedoch äußerst empfindlich reagieren. Zum anderen variiert der Beschädigungsgrad der Holzpaneele durch die unterschiedlich starke Beanspruchung während der 90 Jahre, in denen das Zimmer als Wohnraum in Damaskus genutzt wurde. Die untere Wandzone bis zu einer Höhe von etwa 1 m ist stärker abgenutzt als die oberen Wandbereiche und die Decke. Ein Übriges taten Klimaschwankungen und durch die Decke eindringendes Wasser, als das Zimmer noch in Damaskus eingebaut war. Nicht zuletzt stellten die Restauratoren fest, dass insbesondere die karminroten Lackflächen auf den Zinnfolieauflagen bereits 1899 stark beschädigt und abgeplatzt waren. Für den Verkauf nach Deutschland wurden diese Flächen übermalt. Nach der Abnahme der Übermalungen, Leim- und Firnisschichten zeigen sich viele Paneele in erstaunlich gutem Zustand und haben nur vereinzelte weiße Fehlstellen, die farblich angepasst werden müssen. Einige der besonders aufwändig verzierten Bauteile, wie die Wandschranktüren und Schmuckpaneele, weisen die beschriebenen stärkeren Beschädigungen aus der Zeit in Damaskus auf. Diese Flächen erfordern einen größeren Retuscheumfang. Die vielen feinen Ausbrüche und Fehlstellen werden wieder mit den entsprechenden Farben ausgefüllt. Dabei werden die unterbrochenen Umrisslinien aufs Neue miteinander verbunden, damit die üppigen Ornamente ihren einstigen optischen Zusammenhalt zurückerhalten: Feinste Details sind wichtig und spielen im Kanon der Farben, Linien und Texturen eine bedeutende Rolle, um dem Zimmer als Gesamtkunstwerk seine beabsichtigte Wirkung zurückzugeben.

Blick in die Restaurierungswerkstatt im Japanischen Palais

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Detail einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Mittelpaneel einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links – linker Flügel der Wandschranktür mit Übermalungen und vergilbtem Firnis; rechts - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Wandschranktür mit Spiegeln nach der Restaurierung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Die Pracht kehrt zurück – zwei Wände des Damaskuszimmers sind fertig restauriert und aufgebaut

Nach zwei Jahren Arbeit sind die ersten beiden Wände des Damaskuszimmers fertig restauriert. Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farbkontraste sind nach mehr als 100 Jahren Dornröschenschlaf wieder sichtbar geworden. Die kunstvoll ineinander gewebten Muster, Farben und Blattmetalle vermitteln nun wieder einen Eindruck von der prachtvollen Innendekoration des Empfangszimmers. Damaszener Familien gaben einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens aus, um die für den Empfang von Gästen bestimmten Zimmer gleichermaßen luxuriös und behaglich auszustatten. Neben den exquisiten Wanddekorationen gehörten im frühen 19. Jahrhundert kostbare Teppiche, Kissen und Stickereien ebenso zum Repertoire des guten Geschmacks wie edles Kristallglas und feines Porzellan.Nach Abschluss der meisten Restaurierungsschritte wurden zwischen März und Juli 2016 zwei Wände des Dresdner Damaskuszimmers aufgerichtet und montiert. Dieser Schritt war notwendig, weil sich der Erhaltungszustand von Brett zu Brett unterscheidet und die Restauratoren das Ausmaß der Retuschen auf den nebeneinanderliegenden Wandflächen aufeinander abstimmen mussten. Anspruch der Restaurierung ist es, dass die üppige Ornamentik einerseits wieder ihre ursprünglich beabsichtigte Wirkung entfalten kann, das Zimmer jedoch nicht durch ein zu hohes Maß an Retuschen seinen Charakter als gealtertes und als Wohnraum benutztes Raumensemble verliert.

117 Jahre nach dem Ankauf des Zimmers durch den Kunstsammler Karl Ernst Osthaus wird sein Plan endlich Wirklichkeit: Ein prächtiges arabisches Zimmer wird im Museum in Deutschland ausgestellt und kündet von der Kunstfertigkeit, Schönheit und Eleganz orientalischer Wohnkultur

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Seit Sommer 2016 kann nun erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 eine größere, zusammenhängende Fläche des Dresdner Damaskuszimmers in seiner originalen Farbigkeit betrachtet werden. Interessenten sind eingeladen, sich während der Werkstattführungen an jedem letzten Donnerstag im Monat selbst einen Eindruck zu verschaffen. Eine Anmeldung ist wegen begrenzter Personenzahl in der Werkstatt erforderlich: E-Mail: besucherservice@skd.museum Tel.: +49 (0)351 49 14 20 00

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

1,2,3…MEINS!

15. November 2016

JUNGE FREUNDE. HAMMER A(U)KTION

Wenn sich JUNGE FREUNDE und junge Künstler zusammentun, mündet die gemeinsame Energie in einer tollen A(u)ktion: Junge Kunst wird im Albertinum versteigert- für den guten Zweck! Unter den Hammer kommen Grafiken, Gemälde und Fotografien von 17 jungen Künstlerinnen und Künstlern. Dank niedrigem Aufrufpreis ist die Kunst für alle erschwinglich. Unser wortgewaltiger Auktionator: MAX RADEMANN – bekanntes Mitglied der Dresdner Lesebühne SAX ROYAL!

Mit dieser A(u)ktion unterstützt Ihr nicht nur junge Kunst sondern – gemeinsam mit den Künstlern – auch das Projekt „Kunst schafft Dialog“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Albertinum.


Ihr seid neugierig?
Die JUNGEN FREUNDE stellen euch alle 17 KünstlerInnen und ihre Kunstwerke vor: auf Facebook und in ihrem A(u)ktionskatalog. Den findet ihr auf ihrer Website und  am 19.11. auch schmuck gedruckt zum Anschauen und Mitnehmen im Albertinum.

Hier haben wir Euch das Wichtigste auf einen Blick zusammengefasst:

Wo kann ich die Kunstwerke vor der A(u)ktion bestaunen?
Am A(u)ktionssamstag, dem 19. November 2016, geben wir die Kunstwerke ab 10:00 Uhr im Lichthof des Albertinums zum Besichtigen und Verlieben frei.
Wer einige der jungen Künstlerinnen und Künstler persönlich kennenlernen möchte, hat zwischen 14:00 Uhr und 15:00 Uhr die Gelegenheit dazu.

Vier Vogel Pils gibt in diesem Zeitraum übrigens allen Bietern – solange der Vorrat reicht – ein Benefizbier aus!

Wer darf mitbieten? Und wie funktioniert das?
Ihr seid mindestens 18 Jahre? Dann los: Werdet Kunstmäzen, tut etwas Gutes und bietet mit! Damit alles seine Ordnung hat, ist vor der A(u)ktion noch eine Registrierung mit Eurem Personalausweis notwendig. Ihr bekommt von uns eine Bieternummer, die Ihr während der A(u)ktion bei akuter Kauflust (und mit ausreichend Geld im Portemonnaie) hebt und damit Euer Gebot abgebt. Überlegt gut und prüft Eure Finanzen gründlich, denn Eure Gebote sind bindend und können nicht zurückgenommen werden. Und Tellerwaschen ist leider kein adäquater Gegenwert …

Was ist ein Aufrufpreis?
Der Aufrufpreis ist der Preis, mit dem jedes Kunstwerk in die A(u)ktion startet. Mit erschwinglichen50 € Aufrufpreis pro Werk geht es los.

Die Gebote
Die Bietschritte werden von unserem strengen aber charmanten A(u)ktionator Max Rademann vorgegeben. Die unten stehende Liste ist unverbindlich, denn Max hat den Hammer und er entscheidet, wo der „hängt“.
von 50 € bis 200 € in 10 €-Schritten
von 201 € bis 300 € in 20 €-Schritten
von 301 € bis 450 € in 30 €-Schritten
von 451 € bis 1.000 € in 50 €-Schritten

Da die A(u)ktion einem doppelten guten Zweck dient, sei uns an dieser Stelle ein wenig Optimismus (oder auch Größenwahn) erlaubt …

von 1.000 € bis 2.000 € in 100 €-Schritten
von 2.001 € bis 3.000 € in 200 €-Schritten
von 3.001 € bis 4.500 € in 300 €-Schritten
von 4.501 € bis 1 Trillion € in 500 €-Schritten

Wie kann ich meinen ersteigerten Kunstschatz bezahlen und darf ich ihn sofort stolz nach Hause tragen?
Ihr könnt und müsst Euer Kunstwerk sofort in bar oder mit EC-Karte direkt an der Museumskasse bezahlen. Anschließend verpacken wir Euer neues Schmuckstück für den sofortigen Transport. Dann dürft Ihr den Hammer rausholen! Das passt partout!


Wir danken allen, die dies verwirklichen. Wir danken den 17 Künstlern für Ihre Großzügigkeit. Wir danken den Sponsoren für Ihre Unterstützung. Wir danken den JUNGEN FREUNDEN.