Ein Blick zurück

20. März 2014

Jörn Brunotte, Betreiber des Blogs Culture to go, führte ein Interview mit Dr. Stephan Adam zu den Social-Media-Aktivitäten der SKD

Dr. Stephan Adam ist Leiter der Abteilung Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Neben der klassischen Pressearbeit leitet Stephan Adam den Aufbau und die strategische Nutzung der Social Media für die SKD. Mit ihm hatten wir bereits 2011 über die Vorteile und Perspektiven gesprochen, die das Web 2.0 für Museen und Kulturinstitutionen bietet. Im folgenden Interview zieht er eine erste Bilanz und gibt einen Ausblick über die zukünftige Ausrichtung:

Jörn Brunotte: Wenn Sie auf die vergangenen Jahre Ihres Engagements in den Social Media zurückblicken: Was hat sich aus Ihrer Sicht bewährt? Wo liegen die Stärken und Chancen der Social Media für die Museen?
Dr. Stephan Adam: Der wesentliche Aspekt war von Beginn an und ist nach wie vor die Chance des direkten Austauschs mit den Kunstliebhabern, die die Social Media nutzen. Man erreicht diese Zielgruppe schnell und ohne den „Umweg“ über vermittelnde Medien. Wir können dort auch über Themen sprechen, die die Medien nicht oder nur vereinzelt aufgreifen. Wobei diese Medien damit nicht unbedingt Desinteresse zum Ausdruck bringen, es fehlt ihnen oftmals schlicht der Platz, um alles darzustellen, was wir für berichtenswert halten oder von dem wir annehmen, dass es die in den Social Media aktiven Follower ansprechen könnte.

Auf der anderen Seite ist für jedes Museum das Feedback von Besucherinnen und Besuchern bzw. Menschen, die sich mit unseren Ausstellungen oder Bildungsangeboten auseinandersetzen, von besonderem Wert. Das gilt zwar für ausgelegte Besucherbücher in Ausstellungsräumen nicht anders als für Reaktionen in den Social Media. Aber im Unterschied zum Besucherbuch als Forum für Resonanz gibt es ein besonderes Moment der Social Media: Hier bietet sich die Möglichkeit auf Feedback unmittelbar zu reagieren.

Und auch wer die Dauer- bzw. Sonderausstellungen nicht besuchen kann, ist in das Geschehen involviert und hat in seinem Alltag dennoch eine Teilhabe. Dieser Gedanke wiederum ist nicht nur für unsere Kommunikation in den Social Media prägend, sondern er wirkt auch über die mittels unseres Webauftritts zugänglichen Panoramarundgänge, die Mediathek, die Online Collection oder die Beteiligung am Google Art Project, um weitere wesentliche Facetten der digitalen Kommunikation der SKD anzusprechen.

Eine besondere Chance liegt überdies in der Tatsache, dass wir über die Social Media vor allem ein junges Publikum erreichen. Ein Drittel der „Fans“ der SKD-Facebook-Fanpage – und damit die mit Abstand größte Gruppe – ist zwischen 25 und 34 Jahren alt.

JB: Evaluieren die Staatlichen Kunstsammlungen ihre Social Media-Aktivitäten regelmäßig, welche Erfolgskriterien wurden dafür entwickelt?
SA: Die Zahl der Personen, die uns auf den verschiedenen Kanälen folgen, ist das naheliegendste Kriterium. Hier zeigt sich ein stetiger Trend nach oben, auch wenn wir rein nach Zahlen nicht zu den Spitzenreitern zählen – da ist fraglos noch Raum für Wachstum. Angesichts der noch überschaubaren Größenordnungen evaluieren wir etwa die Nutzerstruktur, wie das Alter und die Herkunft unserer Follower mit Hilfe der von den jeweiligen Kanälen oder externen Diensten zur Verfügung gestellten Statistik-Instrumente. Im Übrigen schauen wir aufmerksam, mit welchen Themen wir besondere Resonanz erzeugen. Wichtiger noch als das Kennen der soziodemografischen Daten ist das Beobachten der Stimmungslage und die Erkenntnis, dass nicht selten ein ansprechendes Bildmotiv mit einem knappen Kommentar mehr Reaktionen erzeugt als eine lange Erklärung.

JB: Betreiben Sie auch direktes Online-Marketing über die Social Media?
SA: Auf Marketing-Aktivitäten via Social Media haben wir bisher verzichtet. In naher Zukunft planen wir jedoch Anzeigenkampagnen, die auf aktuelle Sonderausstellungen und unsere Museen aufmerksam machen sollen. Diese haben das Ziel, die Bekanntheit unserer Fanpage und unserer Aktivitäten innerhalb der Plattform zu steigern.

JB: In welcher Form sind die einzelnen Häuser der SKD in den Social Media präsent?
SA: Wir hatten uns seinerzeit bei unserem Beitritt zu den sozialen Netzwerken entschieden, allein auf die Dachmarke „Staatliche Kunstsammlungen Dresden“ zu setzen, also den Verbund als Plattform zu etablieren. Es ist zu überlegen, ob und inwieweit wir über eine Präsenz auch einzelner unserer Museen in den Social Media die SKD-Fanpages bei Facebook und Twitter qua entsprechender Verlinkungen stärken könnten. Die von den SKD zu kommunizierenden Inhalte sind so vielfältig wie deren Museen und viele Social-Media-Nutzer dürften in ihren jeweiligen Interessengebieten „unterwegs sein“ und gerade dort Verknüpfungen suchen, ob nun auf dem Gebiet von Design oder Gemälden alter Meister. Vielleicht liegt hier ein noch ungenutztes Potential. Allerdings muss auch diskutiert werden, wie wir einen solchen Schritt im Rahmen unserer Möglichkeiten und all unserer anderen Kommunikationsvorhaben leisten könnten.

JB: Welche Rolle spielt Ihr Blog in der Gesamtstrategie?
SA: Der Blog der SDK ist der Ort, um weiter auszuholen, um etwas vertieft auszuführen. Wir sehen ihn auch von Fall zu Fall als eine Verlängerung der jeweiligen Sonderausstellungsseite des SKD-Webportals. Er ist ein ergänzendes Werkzeug in unserer Kommunikation und unserem Bestreben, den Interessierten weitere und tiefergehende Informationen anzubieten, die über die Ausstellungsseiten hinausgehen.

Der Blog ist zugleich ein Bestandteil thematischer Kampagnen-Kommunikation: So war er während der Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons 2013 einer der Schauplätze, an welchem wir im Vorfeld der Eröffnung über die Vorbereitungen berichtet haben.

Im Blog zeigen wir darüber hinaus Ergebnisse von Workshops aus unserem museumspädagogischen Programm, z.B. Zeichnungen von Schülern, oder präsentieren ein „Kunstwerk der Woche“ bzw. den dazugehörigen Künstler aus Anlass von Sonderausstellungen.

JB: Wie häufig berichten Sie denn? Und worüber konkret?
SA: Bei Facebook und Twitter berichten wir nahezu täglich, im Blog sind die Abstände aufgrund der Vorarbeit und des redaktionellen Aufwands größer.

Im Zentrum steht zum einen das Bereitstellen von Hintergrundinformationen zu unseren aktuellen Sonderausstellungen als auch zu den Dauerpräsentationen unserer Museen. So gewähren wir dort den berühmten „Blick hinter die Kulissen“, z. B. beim Ausstellungsaufbau oder im Kuratorengespräch.

Darüber hinaus greifen wir tagesaktuelle Ereignisse oder Gedenktage auf, indem wir mit diesen in inhaltlichem Bezug stehende Sammlungsobjekte in den Blick nehmen und reflektieren. Nicht zuletzt haben wir die Möglichkeit unkonventionell und kurzfristig über aktuelle Veranstaltungen oder auch Programmänderungen zu informieren.

JB: Wie haben Social Media Ihre Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren verändert?
SA: Sie sind ein Aspekt einer breit gefächerten Kommunikation. Sie gehören längst ganz selbstverständlich zum Instrumentarium der Kommunikation neben zahlreichen anderen Elementen. Wir schätzen diese Möglichkeit des Austausches.

Es gibt allerdings viele andere Innovationen, mit denen wir auf die veränderte Medienlandschaft und die zunehmende Digitalisierung reagiert haben. Die mobile Website, der Auf- und Ausbau der SKD-Online Collection, die Beteiligung der SKD am Google Art Project oder die Schaffung eines barrierefreien Webauftritts der SKD – all dies sind ganz wesentliche Entwicklungen. Die erste Generation unserer Panoramarundgänge wird in Kürze durch technische und in ihrer Vermittlungsleistung verbesserte Rundgänge ersetzt, die dann auch mehr Museen der SKD als bisher im Internet erlebbar machen.

berdies bedingen unsere sächsischen Standorte in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tschechien und Polen, ebenso wie die große Zahl russischsprachiger Besucherinnen und Besucher in unseren Museen, sowie die Gäste aus anderen Ländern spezifische Kommunikationsstrategien. Dazu zählen Microsites unseres Webportals in den jeweiligen Sprachen und eine intensive, sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit den Medien dieser Länder, nicht jedoch die Social Media.

Generell sind die Social Media für die SKD aktuell keine für die internationale Kommunikation relevanten Kanäle. Regional und bundesweit betrachtet ist es wiederum für uns nach wie vor sehr wichtig, wenn sich die klassischen Medien, vom Feuilleton über Reiseseiten bis zu den Nachrichtenformaten, für Themen der SDK interessieren und über diese berichten. Umfragen zu zwei unserer großen und vom Publikum stark besuchten Sonderausstellungen des letzten Jahres haben dies erneut belegt.

Dies sind, um den Rahmen nicht zu sprengen, nur Andeutungen, um zu zeigen, dass die Social Media zwar zu einer festen Größe in der Kommunikation der SKD wurden, sie aber andererseits integraler Bestandteil vieler weiterer Kommunikations- und Vermittlungswege sind.

JB: Wie sehen Sie die Zukunft der Social Media für die Museen?
SA: Was „die Museen“ (in Deutschland) betrifft, werden die Social Media vermutlich weiter an Verbreitung und Bedeutung gewinnen. Facebook feierte unlängst sein 10-jähriges Bestehen, und so erweisen sich die Social Media jetzt schon als beständig. Eine sichere Prognose in einer sich rasant wandelnden, äußerst dynamischen digitalen Kommunikationswelt möchte ich nicht wagen.

Werden die Erkenntnisse über das Ausspähen von Daten durch Geheimdienste ohne Auswirkungen auf das Nutzerverhalten bleiben? Eine mögliche Frage neben manch anderen. Für die Kommunikation von Museen, so viel scheint mir sicher, werden jedenfalls noch auf längere Sicht die klassischen Medien eine große Rolle für eine weit reichende, internationale Verbreitung von Informationen spielen, ob nun in den tradierten Formen der Medien oder über dieselben im Internet abrufbaren Inhalte (von den Mediatheken bis zum E-Paper). Hinzu kommt die große Zahl der Onlineredaktionen.

Von solchen grundsätzlichen Erwägungen abgesehen, bleibt eine individuelle Betrachtung wichtig. Man kann nicht alle Museen über einen Kamm scheren. Jedes Museum muss seine Kommunikation auf seine spezifischen Gegebenheiten einstellen.

JB: Herr Dr. Adam, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview erschien am 20.3.2014 im Blog Culture to go.

Mit August dem Starken durch die Galaxie

12. März 2014
Michael Hering und Claudia Schnitzer vor einer Fotografie von Thomas Ruff

Michael Hering und Claudia Schnitzer vor einer Fotografie von Thomas Ruff

Das Kupferstich-Kabinett eröffnet am 13. März mit „Constellatio Felix – Planetenfeste Augusts des Starken – Sternenbilder von Thomas Ruff“ eine Ausstellung, die sich mit den barocken Festlichkeiten am Hofe des sächsischen Kurfürsten im September 1719 beschäftigt. In diesem Zusammenhang werden die Sternenbilder des Düsseldorfer Fotografen Ruff gegenübergestellt.

Im Vorfeld der Ausstellung standen die Kuratoren Claudia Schnitzer und Michael Hering Rede und Antwort. Sie erklären, welche Verbindung zwischen dem Kurfürsten und dem Künstler besteht und welche Begeisterung sie für das Universum teilen.

Frau Schnitzer, aus welchem Grund feierte August der Starke einen ganzen Monat diese Planetenfeste in Dresden?
Claudia Schnitzer: Der Anlass dieser Feste war die Hochzeit seines Sohnes, Friedrich August von Sachsen, mit der Prinzessin Maria Josepha von Österreich. Er erhoffte sich durch diese Verbindung die Kaiserkrone für sein Haus.

Welche barocken Werke können in der Ausstellung bewundert werden?
Claudia Schnitzer: Die Ausstellung präsentiert die Vorarbeiten zu dem von August dem Starken geplanten Festbericht. Der König wollte damit den Zeitgenossen und Regenten anderer europäischer Höfe eine Vorstellung von den prächtigen, aber vergänglichen Planetenfesten geben und diese auch für die Nachwelt erhalten. August der Starke beschäftigte hierfür eine Vielzahl von Künstlern. Bis zu seinem Tod 1733 arbeitete er unermüdlich an dem Publikationsprojekt. Übrig blieben die Vorzeichnungen und bereits ausgeführte Kupferstiche.

Johann August Corvinus nach Matthäus Daniel Pöppelmann (?), Feuerwerk auf der Elbe hinter dem Holländischen Palais, Radierung und Kupferstich

Johann August Corvinus nach Matthäus Daniel Pöppelmann (?), Feuerwerk auf der Elbe hinter dem Holländischen Palais, Radierung und Kupferstich

Wie ist die Ausstellung aufgebaut?
Claudia Schnitzer: Die Ausstellung ist zweigeteilt, und bei circa 230 Blättern musste eine Auswahl getroffen werden. Im Ausstellungsteil des Kupferstich-Kabinetts sind die Darstellungen zu den sieben Planetenfesten zu sehen, im Sponselraum des Neuen Grünen Gewölbes wird der Einzug der Braut in das Residenzschloss thematisiert. Diese Blätter sind unersetzlich für die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Paradeappartements und auch, um eine Vorstellung vom barocken Dresden jener Zeit zu gewinnen.

Wie kommen in diesem Zusammenhang Thomas Ruffs Fotografien ins Spiel?
Michael Hering: Wir Menschen greifen allzu gerne nach den Sternen. Thomas Ruffs Sternenbilder führen den Besuchern auf einer sinnlichen und zugleich analytischen Ebene die eigene emotionale Ambivalenz vor Augen, wenn wir in den Himmel blicken. Die Sterne und das unendliche Weltall sind Sehnsuchtsmotive, die zugleich Ohnmacht und Faszination auslösen – Aspekte, die uns dazu bewogen haben, sie als zeitgenössische künstlerische Position dem barocken Fest der „Constellatio Felix“ in der Ausstellung gegenüberzustellen.

Thomas Ruff, Sterne 3.38 00 h 46m/-30°, 1992, C-Print, gerahmt, 260 × 188 cm, Edition 1/2, copyright: VG-Bildkunst Bonn 2014

Thomas Ruff, Sterne 3.38 00 h 46m/-30°, 1992, C-Print, gerahmt, 260 × 188 cm, Edition 1/2, copyright: VG-Bildkunst Bonn 2014

Wieso fasziniert das Thema im Barock, wie auch in der Gegenwart die Menschen gleichermaßen?
Michael Hering: Die Vorstellung, dass die Planeten mit Gottheiten gleichzusetzen sind, reicht bis in die Antike zurück. Könige und Herrscher inszenierten sich nicht zuletzt als sogenannte Planetengötter um einen irdischen Machtanspruch zu legitimieren. Bis heute sind die Planeten jedoch kaum erforscht, so dass sie romantische Projektionsflächen für unsere Träume bleiben. Was es aber wirklich heißt, mit dem Raumschiff Enterprise in die Unendlichkeit zu fliegen, bleibt unvorstellbar.

Was kann der Besucher noch entdecken?
Claudia Schnitzer: Es wird eine Klanginstallation geben. Man hört den Start des Space Shuttle Challenger. Kombiniert wird die Sequenz mit den sphärischen Klängen der Toccata Johann Sebastian Bachs und Weltraumklängen.

Wer soll mit dieser Ausstellung angesprochen werden?
Michael Hering: Unser Wunsch ist es, dass die Freunde der alten Kunst und der Kunst der Gegenwart sich im wahrsten Sinne des Wortes auf eine gegensätzliche Zeitreise begeben und auf eine andere Epoche einlassen. Daneben veranschaulicht die Ausstellung einmal mehr die Lebendigkeit der Dresdener Sammlungen und die Idee von Modernität, wie sie schon zur Zeit der Regentschaft Augusts des Starken als eine wichtige Quelle der Inspiration diente.
Claudia Schnitzer: Wir sind Menschen der Gegenwart, aber die Gegenwart ist auch von der Vergangenheit bestimmt. Es ist interessant zu sehen, dass einige Dinge einfach bleiben, gewissermaßen zeitlos sind, wie die Musik Bachs – oder eben die Faszination für Sterne.

Das Interview führte Marie-Luise Kunze.

„My Joburg“ – Schüler schreiben Geschichten zu Johannesburg

20. Dezember 2013

„Who is Johannes?“ Dieser und anderen Fragen konnten Dresdner Schülerinnen und Schüler im Rahmen des museumspädagogischen Programms der Sonderausstellung „My Joburg. Kunstszene Johannesburg“ im Lipsiusbau nachgehen.

Sue Williamson, „Other Voices: Who is Johannes“, 2009

Sue Williamson, „Other Voices: Who is Johannes“, 2009

„My Joburg“, präsentiert einen Querschnitt durch die aktuelle Kunstszene Johannesburgs und dokumentiert die südafrikanische Stadt aus individuellen Blickwinkeln – als Treffpunkt, Heimat und Quelle der Kreativität. Die vielen Geschichten, die Johannesburg und seine Bewohner zu erzählen haben, lassen sich auch in den Werken der Künstler und Künstlerinnen wiederfinden, die Teil der Ausstellung sind. Es sind Geschichten einer Gesellschaft, die noch heute mit den Folgen der Apartheid zu kämpfen hat. Kunstwerke, die hinter farbenfroher Fassade von Ungerechtigkeit, Wut und Gewalt zu berichten wissen. Aber auch fröhliche Geschichten einer Stadt, die so bunt und lebensfroh ist, wie ihre Bewohner.

Einen Teil dieser Geschichten konnten Dresdner Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Schülerkursen in der Ausstellung kennenlernen. In Kleingruppen diskutierten und erarbeiteten sie Bezüge zwischen den Kunstwerken der Ausstellung und der Stadt Johannesburg. Zum Schluss wurden die Schulklassen selbst kreativ und brachten die gesammelten Eindrücke in einem praktischen Teil aufs Papier. Die Zehntklässler der Dresdner Waldorfschule skizzierten ihr jeweiliges Lieblingsporträt, um im Anschluss daran eine eigene Geschichte zu dem Bild entstehen zu lassen. Nicht selten ging es in den Geschichten um die Lebensweise der Johannesburger und die Geschichte(n) ihrer Stadt.

Senta Beyer schrieb ihre Geschichte zu einem Porträt der Fotografin Zanele Muholi. Besonders das Leben der Menschen zur Zeit der Apartheid beeindruckte die Zehntklässlerin in der Ausstellung.

“Seit ich denken kann, lebe ich in Johannesburg. Ich komme aus einer sehr wohlhabenden Familie, doch seit die National Party an der Regierung ist, dürfen wir nicht mehr in unserem schönen alten Haus wohnen. Meine Mutter ist eine Schwarze, mein Vater ist Weißer, doch davon sieht man bei mir nichts. Mein Vater hat uns direkt nach meiner Geburt verlassen, weil es für ihn als Weißen verboten war, eine Ehe mit einer schwarzen Frau einzugehen. Ich bin 17 Jahre alt und gehe in eine Schule, in der nur schwarze Schüler sind. Manchmal frage ich mich, warum es so wichtig ist, welche Hautfarbe ein Mensch hat. Wir wohnen in Soweto, vielleicht habt ihr davon schon einmal gehört. Hier hat man zwar nicht besonders viel Platz, aber ich bin froh darüber, so viele Nachbarn zu haben. Mein Traum ist es, später einmal Sängerin zu werden. Meine Mutter singt oft mit mir und hat mir viel beigebracht. Manchmal stelle ich mich einfach vor unser Haus und fange an zu singen. Die Leute aus unserer Nachbarschaft bleiben dann oft stehen, erkennen die Lieder und man sieht Bewunderung und Freude in ihren Gesichtern. Ich freue mich, wenn ich durch meine Musik Menschen glücklich machen kann. Aber ich weiß, dass ich als schwarzes Mädchen niemals im Fernsehen oder in den Bars der Stadt auftreten dürfte. Das dürfen nur die weißen Sänger.”

Zanele Muholi, Phila Mbanjwa, Pietermaritzburg, KwaZulu Natal, 2012

Zanele Muholi, Phila Mbanjwa, Pietermaritzburg, KwaZulu Natal, 2012

Senta Beyer, Skizze des Porträts „„Phila Mbanjwa, Pietermaritzburg, KwaZulu Natal“ von Zanele Muholi"

Senta Beyer, Skizze des Porträts „„Phila Mbanjwa, Pietermaritzburg, KwaZulu Natal“ von Zanele Muholi"


Auch Friederike Weisheil war beeindruckt von Zanele Muholis Porträts. In ihrer Geschichte wollte sie die Eindrücke von Johannesburg einfangen, die sie in der Ausstellung gewonnen hat.

“Gedankenverloren laufe ich durch den dunklen Gang und zwischen den hohen Säulen hindurch, zwischen denen das frische Grün des Parks und das Licht des Frühlings morgens hindurchscheinen. Mit der rechten Hand halte ich mein T-Shirt fest. Es ist trägerlos und immer wenn ich mich beeile, droht es zu verrutschen. Gerade habe ich meinen Bruder Keenan zu meiner Tante gebracht. Sie passt vormittags immer auf ihn auf, wenn ich zur Arbeit gehe. Mein Bruder und ich leben alleine. Mama treibt sich irgendwo herum, jeden Tag ist sie woanders. Mal schläft sie unter einer Brücke, dann wieder sehe ich sie im Park neben den neugebauten Häusern. Ich habe die Verantwortung für Keenan übernommen, als Mama uns vor ungefähr zwei Jahren verließ, und beschloss ihr Leben anders weiterzuführen. Mir war das ganz recht, ich kam nie besonders gut mit ihr zurecht. Sie hat sich auch nie wirklich mütterlich um uns gekümmert. Als Kind war ich meistens mit meinen Freunden aus der Nachbarschaft unterwegs. Wir spielten mit Dingen, die wir in der Gegend fanden: alte Autoreifen, Lehm und Holzstöcke. Was für andere bloß Müll war, wurde unser Schatz. Wenn der Wind durch die Straßen pfiff und uns die winzigen Staubkörner, vermischt mit goldfarbenen Teilchen aus den ehemaligen Minen, ins Gesicht wehte, brannte die Haut wie verrückt und wir fühlten uns wie die Arbeiter, die vor langer Zeit Johannesburgs Goldvorkommen aus tiefem Gestein geschlagen hatten. Wenn ich abends müde nach Hause kam, stellte ich mir oft vor, wie meine Mutter mir den Staub aus den Kleidern klopfen würde. Doch sie war zu beschäftigt mit sich selbst, um überhaupt zu bemerken, dass ich wieder im Haus war. Meinem Bruder möchte ich nun die Wärme und Liebe geben, die mir in meiner Kindheit gefehlt hat.”

Zanele Muholi, “Sizile Rongo-Nkosi, Glenwood, Durban”, 2012

Zanele Muholi, “Sizile Rongo-Nkosi, Glenwood, Durban”, 2012

Friederike Weisheil, Skizze des Porträts “Sizile Rongo-Nkosi, Glenwood, Durban“ von Zanele Muholi

Friederike Weisheil, Skizze des Porträts “Sizile Rongo-Nkosi, Glenwood, Durban“ von Zanele Muholi

Autorin: Svenja Pacholski, sowie Senta Beyer & Friederike Weisheil (Freie Waldorfschule Dresden)

Ausstellungsaufbau “My Joburg. Kunstszene Johannesburg”

24. Oktober 2013

Ab 26. Oktober 2013 zeigt euch unsere Sonderausstellung My Joburg zeitgenössische Kunst aus Südafrika. Einige Künstler haben wir vorab bei der Installation ihrer Arbeiten im Lipsiusbau getroffen.

In der Arbeit von Kemang Wa-Lehulere (*1984) sind Schrift, Zeichnung und Performance auf das Engste verbunden und befruchten sich gegenseitig. Literarische Zitate oder Gedichte von Autoren wie Lesego Rampolokeng oder R.R.R. Dhlomo liefern zuweilen das Stichwort für knappe Erzählungen, die er mit Kreide auf die Wand schreibt. Diese schriftlichen Aufzeichnungen verbindet er mit den geheimnisvollen Zeichen seiner persönlichen Mythologie – gesichtslosen Wesen, die weder Mensch noch Tier sind, Gebeinen, Flaschen, fliegenden Drachen usw. –, die er von Werk zu Werk in unendlichen Variationen neu kombiniert.

Kemang Wa-Lehulere fertigt Kreidezeichnungen auf einer großen Wandfläche an. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Kemang Wa-Lehulere fertigt Kreidezeichnungen auf einer großen Wandfläche an. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dineo Seshee Bopapes (*1981) kurzlebige, fragile Installationen aus Alltagsgegenständen sind geheimnisvoll und poetisch zugleich. Queen of Necklace evoziert mit ihrem Gehänge den Glamour von früher, wie ihn Nelson Mandelas erste Ehefrau Winnie verkörperte. Doch die eingestreuten Werkzeuge (Nadeln, Nähfuß, Spieße, Flaschen usw.) verleihen dem Werk eine ambivalente Note, denn sie wirken seltsam vertraut und bedrohlich zugleich und suggerieren unterschwellig Gewalt.

Dineo Seshee Bopape bei der Installation ihres Werkes "Queen of Necklace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dineo Seshee Bopape bei der Installation ihres Werkes "Queen of Necklace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Die Statue The Angel of Peace, die auf dem Georg-Treu-Platz zwischen Albertinum und der Kunsthalle im Lipsiusbau steht, hat der Autodidakt Winston Luthuli (*1968) vor Ort eigens für die Ausstellung angefertigt. Seine ersten Zementskulpturen entstanden 2003 vornehmlich für den öffentlichen Raum. Ähnliche Werke wie dieses thronen an prominenten Plätzen im Zentrum von Johannesburg und verkünden optimistische und wohlmeinende Botschaften.

Winston Luthuli arbeitet auf dem Vorplatz des Lipsiusbaus an seiner Skulptur "The Angel of Peace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Winston Luthuli arbeitet auf dem Vorplatz des Lipsiusbaus an seiner Skulptur "The Angel of Peace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Die unter der Apartheid eingeführte Rassentrennung hat Narben in der Stadt hinterlassen und ließ Parallelgesellschaften entstehen, die einander fremd sind. Die Folge ist, dass sich die Menschen aus Angst immer stärker verbarrikadieren, im Übrigen ein Phänomen, das nicht nur in Südafrika anzutreffen ist, sondern in allen Ländern, wo die soziale Ungleichheit groß ist und die Reichen die Begehrlichkeit der Ärmsten fürchten. Der zweireihige Maschendrahtzaun der Installation Security von Jane Alexander (*1959) ist vielsagend und lässt an Grenzen, Militärlager, Warendepots denken, oder auch an die übermächtige Sicherheitsindustrie, die ihre Aufgabe gewissenhaft ausführt. Hier umschließt der Zaun allerdings eine Parzelle, auf der Weizen wächst und eine Figur steht, die teils menschliche, teils tierische Züge aufweist. Ist diese Figur in Gefahr oder gefährlich? Geschützt oder eingesperrt? Zwischen den Zaunreihen liegen Tausende von Macheten, Sicheln und Handschuhen. Sie lassen an körperlich schwere Feldarbeit und Ernte denken, rufen aber auch ambivalente Assoziationen an Gewalt wach.

Jane Alexanders "Security" besteht aus einem gedeihenden Weizenfeld, umzäunt von Maschendraht und Macheten. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Jane Alexanders "Security" besteht aus einem gedeihenden Weizenfeld, umzäunt von Maschendraht und Macheten. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Bettina Malcomess (*1977) und Dorothee Kreutzfeldt (*1970) sind Kuratorinnen und Künstlerinnen. Ihre künstlerische Zusammenarbeit mündete in der Publikation: Not No Place: Johannesburg, Fragments of Spaces and Times (2013), deren erster Satz lautet: »Dieses Buch beginnt mit der Stadt als Material«. Es bildet die Grundlage für das Glossar, das die Künstlerinnen für den Katalog zur Ausstellung verfasst haben, und für ihre Installation. Letztere beginnt mit einem Video von Phybia Dlamini, das den Besucher von der Innenstadt nach Soweto führt. Eine Inspirationsquelle für Not No Place war die große Fülle der »Ephemere« aus vergangener wie aus jüngster Zeit, die Joburgs ungleichartige, riesige Einwohnerschaft generiert: Bücher, Urkunden, Fotos, Zeitungen, Broschüren, Telefonbücher, Pläne, Berichte, Protokolle von Gerichtsverfahren, Stadtratsbeschlüsse usw. Das ist Geschichte im Rohzustand. Ausgehend von diesem »archäologischen Material« vermischten Malcomess und Kreutzfeldt schriftliche und bildliche Fragmente und ließen sich bei ihrer Vorgehensweise von dem unvollendeten Passagenwerk über »Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts« von Walter Benjamin inspirieren.

Dorothee Kreutzfeld beim Einrichten des Dokumentationsraumes. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dorothee Kreutzfeld beim Einrichten des Dokumentationsraumes. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Schülerinnen und Schüler bloggen aus der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

06. August 2013

Nicht nur im Schloss – Die Jagd in Wermsdorf

Auch heute ist die Jagd ein sehr beliebter Sport. In Wermsdorf findet einmal im Jahr ein Hundetreiben statt, da werden allerdings keine Tiere mehr gejagt. Dabei folgen 100 Hunde einer Anisspur quer durch unser Dorf und das darum liegende Waldgebiet. Die Wermsdorfer Schleppjagd können Sie dieses Jahr am 31. August beobachten.

In der Zeit August III. gab es unterschiedliche Jagdformen wie die z. B. die Parforcejagd oder das “Deutsche / Eingestellte Jagen”. Vor der Parforcejagd war besonders das sogenannte “Deutsche Jagen” sehr beliebt. Hierfür wurde ein Waldgebiet von Lappen umhängt. Manchmal wurden von den Dienern extra noch Tiere in dieses Waldgebiet gebracht. Nachdem alle Tiere in eine Richtung gejagt worden waren, schossen die Jäger auf die Tiere. Es kam auch mal vor, dass Tiere entwischten – daher kommt das Sprichwort: “Durch die Lappen gehen”.

Im Gegensatz zum “Deutschen Jagen” wird bei der Parforcejagd nur ein Hirsch gejagt. Dieser wird kilometerweit durch Wälder, Flüsse und über Äcker gehetzt. August III. ließ hierfür viele gerade Wege in den Wermsdorfer Wald schlagen. Dies kann man auch heute noch sehen. Die Jagd war nicht nur ein Vergnügen für die Männer. Selbst die Tochter von August III. war eine begeisterte Jägerin. Sie ließ sich auch als Jagdgöttin Diana malen. Die Darstellung der Diana war ein beliebtes Motiv in der Ausstattung der Jagdschlösser.

Wandteppich mit der Darstellung von Diana auf der Jagd; Frankreich, Gobelinmanufaktur, 1. Hälfte 18. Jh.; Gobelinweberei in vielfarbiger Wolle; 300 x 273 cm; © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Wandteppich mit der Darstellung von Diana auf der Jagd; Frankreich, Gobelinmanufaktur, 1. Hälfte 18. Jh., © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Zuviel wollen wir hier aber nicht verraten. In der Ausstellung Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763 können Sie mehr über die unterschiedlichen Jagdformen und ihren genauen Ablauf, vom “Deutschen Jagen” auf viele Tiere bis zur Parforcejagd auf nur einen einzelnen Hirsch, erfahren.  So sehen sie zum Beispiel die besonders prunkvoll gestalteten Hirschfänger oder Waidmesser.

Weidbesteck; Unbekannte deutsche Werkstatt, vor 1730; © Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Weidbesteck; Unbekannte deutsche Werkstatt, vor 1730; © Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

Autorin:  Julianne Sch. / Klasse 9 / Mittelschule Wermsdorf

Werk der Woche: Edgar Leciejewski “Schwarzenberg #19″

25. Juni 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds” – noch bis 30. Juni in der Kunsthalle im Lipsiusbau

Bei Edgar Leciejewskis großformatigem Werk handelt es sich um eine vom Künstler als Scannografie bezeichnete Arbeit aus der Motivserie „Aves“. Diese Bilder entstanden ohne Kamera.
Leciejewski arrangierte hierzu am Straßenrand gefundene tote Vögel in verschiedenen Posen auf dem Scanner und belichtete diese. Das Resultat dieses kreativen fotografischen Bildschöpfungsverfahrens sind digitale Bilder von großer Detailgenauigkeit und nahezu haptischer Qualität.

Edgar Leciejewski, Schwarzenberg #19, 24.01.2008, 23:44, 2008, C-Print auf Aludibond, 185 x 244 cm, ©Dresden/ Kunstfonds, SKD

Edgar Leciejewski, Schwarzenberg #19, 24.01.2008, 23:44, 2008, C-Print auf Aludibond, 185 x 244 cm, © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Der hier ins Bild gesetzte Flügel lässt jedes Detail erkennen und ist von großer sinnlicher Wirkung und visueller Intensität, die zunächst verbirgt, dass es sich um eine zeitgenössische Variation der Nature morte und des Vanitas-Themas handelt. Das Werk wurde als Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen für den Kunstfonds erworben.

Noch bis zum 30. Juni haben Sie diese Woche die Möglichkeit die Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds” zu besichtigen.

Am 27. Juni 2013 findet um 16:30 Uhr das letzte Kunstgespräch in der Ausstellung statt.
Silke Wagler, die Leiterin des Kunstfonds präsentiert Ihnen: “Curator’s Choice: Hauptwerke der Ausstellung”.
Ort: Kunsthalle im Lipsiusbau
Kosten: Die Führung ist im Eintrittspreis enthalten.

Am 28. Juni 2013 erfolgt um 16:00 Uhr auch der letzte Rundgang. Die Führung leitet Annabell Rink.
Ort: Kunsthalle im Lipsiusbau
Kosten; 3€ zzgl. Eintritt.

Werk der Woche: Kai Hügel “Silveride”

19. Juni 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Geschredderte Skateboards und Fundstücke aus Holz sind die bevorzugten Materialien Kai Hügels. In erfrischender Weise transferiert er Elemente der Jugendkultur in seine Objekte. Die am Alltagsleben der Gegenwart und der Street Art orientierte Ästhetik des Künstlers spiegelt sich auch in einigen seiner Motive wider, beispielsweise dem Akrobaten auf dem Skateboard.

Kai Hügel, Silveride, 2011, 118 x 105,5 x 115 cm, Holz, Schrauben, Skateboards, PUR-Leim, Heißkleber, Farbe, ©Dresden/ Kunstfonds, SKD

Kai Hügel, Silveride, 2011, 118 x 105,5 x 115 cm, Holz, Schrauben, Skateboards, PUR-Leim, Heißkleber, Farbe, © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Bewegungsabläufe und charakteristische Körperhaltung sind dabei präzise erfasst. Das Wandobjekt “Silveride” – die Diplomarbeit des Künstlers – wurde von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2012 als Förderankauf für den Kunstfonds erworben.

Wer sich über aktuelle Arbeiten des Künstlers informieren möchte, ist am 23.06.2013 zum Ateliergespräch mit dem Künstler Kai Hügel und der Kunsthistorikerin Sarah Jürgel eingeladen!
Beginn: 15:00 Uhr
Ort: DREWAG-Gelände, Lößnitzstr. 14
mit Voranmeldung bis 21.06.2013 unter kunstfonds@skd.museum

 

Zudem findet am 22.03.2013 die Sonderführung “Fotografie in der Ausstellung” mit Annabell Rink statt:
Beginn: 11:00 Uhr
Teilnahmegebühr: 3 EUR zzgl. Eintritt
Ort: Kunsthalle im Lipsiusbau

Werk der Woche: Julius Popp “macro.spheres”

11. Juni 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

MACRO.SPHERES ist das Modell zu einer begehbaren Skulptur, in der der Künstler-Wissenschaftler Julius Popp seiner Untersuchung zur Veränderung des Weltbildes eine sichtbare Form gibt.

Julius Popp, macro.spheres, 2005/2010, Sperrholz, geklebt, 24,5 x 89 x 50 cm, ©Dresden/ Kunstfonds, SKD

Julius Popp, macro.spheres, 2005/2010, Sperrholz, geklebt, 24,5 x 89 x 50 cm, © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Ausgehend von den unterschiedlichen und lange konkurrierenden Vorstellungen von der Erde als Scheibe oder als Kugel, die zeitgleich Gültigkeit hatten bis im Zeitalter der Entdeckungen die Kugelgestalt der Erde endgültig Bestätigung fand, denkt Popp über ein zeitgemäßes Modell von der Welt von heute nach. Mit den Erkenntniszugewinnen des 15. Jahrhunderts setzte auch die große Zeit der Erddarstellungen mittels Globen ein, die Anschaulichkeit boten und zudem materialisierter Ausdruck neuer Technologien und explodierenden Weltwissens waren. Ein traditioneller Globus bietet eine Ansicht der Erde von außen, wobei aber immer ein großer Teil des Erdmodells verdeckt bleibt. Die wahrnehmbare Welt endet am Horizont. Das Zeitalter der Kommunikationstechnik revolutioniert unser Weltbild nun erneut: Jeder Punkt der Erde ist von jedem anderen Punkt erreichbar und Informationen können über unvorstellbare Entfernungen hinweg in kürzester Zeit ausgetauscht werden. Wie müsste also nun ein neuer, zeitgemäßer Globus aufgebaut sein, mit dem man die Erreichbarkeit aller Punkte visualisieren kann? Julius Popp entwickelte dazu das Modell der drei nach innen gestülpten Halbschalen, die so zueinander angeordnet sind, dass von jedem beliebigen Punkt aus jeder andere Punkt sichtbar ist. In der realen Ausführung steht der Betrachter auf der Innenfläche der Halbkugeln und kann jeden Punkt ihrer Flächen „erreichen“. MACRO.SPHERES ergänzt das klassische Globusmodell um eine Dimension und visualisiert so die Veränderung der Wahrnehmung unserer Welt.

Ausgeliehen:
Das Werk ist derzeit als Satellit der Ausstellung jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds im Mathematisch-Physikalischen Salon zu bestaunen.

Werk der Woche: Stefan Ruderisch “Schrein”

04. Juni 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Der Künstler Stefan Ruderisch setzt sich in seinen Arbeiten intensiv mit Heimat und Identität auseinander. Der grob gezimmerte Holzschober “Schrein” wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit und ruft – nicht ohne Augenzwinkern -  Assoziationen zum “Deutschen Wald” und der “Schrebergarten”-Kultur heimatlicher Gefilde hervor. Diese Grundstimmung ergibt sich aus der Bildsprache und Materialwahl.

Stefan Ruderisch, Schrein, 2007, Holz, Dachpappe, Glas, Schrauben, 235 x 70 x 80 cm,  ©Dresden/ Kunstfonds, SKD

Stefan Ruderisch, Schrein, 2007, Holz, Dachpappe, Glas, Schrauben, 235 x 70 x 80 cm, © Dresden/ Kunstfonds, SKD

 

Unser Veranstaltungstipp:

Wer aktuelle Arbeiten des Künstlers sehen möchte, sollte sich den Atelierbesuch mit Stefan Ruderisch und der Kunsthistorikerin Sarah Jürgel am Sonntag, den 9. Juni 2013, 15 Uhr nicht entgehen lassen. Ort: DREWAG-Gelände, Lößnitzstr. 14.
Um Voranmeldung bis 07.06.2013 unter der E-Mail: kunstfonds@skd.museum wird gebeten.

Schülerinnen und Schüler bloggen aus der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

28. Mai 2013

Seit April 2013 lockt die Sonderausstellung Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763 der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) nach Wermsdorf.
Zusammen mit der Museumspädagogik der SKD erarbeiten wir – die Klassen 9a und 9b der Mittelschule Wermsdorf – während der Laufzeit der Ausstellung Beiträge für den Blog der SKD. Im Zentrum werden hauptsächlich Texte über einzelne Ausstellungsstücke stehen, die wir mit der Methode des kreativen Schreibens vorstellen möchten. Zudem wollen wir von unseren Projekten, z. B. einer Geocachingtour für die Besucher des Schlossgeländes berichten.

Jagdresidenz Schloss Hubertusburg in Wermsdorf

Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Sie können sich die Sonderausstellung bis zum 5. Oktober 2013 in der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf anschauen. Dafür wurden sechs Räume in der Beletage des Schlosses renoviert. Die Ausstellung zeigt die drei großen Themenbereiche: Jagd, Höfische Kunst und Musik aus der Zeit August III., sowie die Geschichte des Siebenjährigen Krieges und des Hubertusburger Friedensschlusses. Außerdem kann man sich im Schoss den Ovalsaal, die Königsloge und die Kapelle ansehen. Es gibt natürlich noch viel mehr im Schloss und auf den Gelände der Hubertusburg zu entdecken.

Die Museumspädagogik erwartet die verschiedenen Besuchergruppen mit einem umfangreichen inhaltlichen Programm. Besonders für Kindergruppen und Schulklassen wird in speziellen Veranstaltungsprogrammen Wissenswertes rund um die Themen Jagd, Alltag und Absolutismus angeboten und zur kreativen Gestaltung angeregt. Die museumspädagosische Arbeit zu diesem Projekt wird von der Sächsischen Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Leipzig gefördert. So wird z. B. ein Zuschuss zum Bustransfer an die ersten 45 angemeldeten Gruppen bezahlt. Kinder und Jugendliche können so in unterschiedlichen Programmen und Veranstaltungsreihen z.B das Porzellanmalen ausprobieren, oder auch mit Wildschwein Willi auf die Jagd gehen.

Mit Wildschwein Willi auf Schloss Hubertusburg auf die Jagd gehen, Illustration: midori-design

Mit Wildschwein Willi auf Schloss Hubertusburg auf die Jagd gehen, Illustration: midori-design

Das vollständige Programm finden Sie hier. Ein Besuch lohnt sich. Kommen Sie also mit uns zurück in die Zeit von August III.

Autorinnen: Paula, Mary, Justine