Mit ‘Renaissance’ getaggte Artikel

Diese Uhr kann alles – und wir wollen es zeigen!

Donnerstag, 10. November 2016

Titelseite einer Postkarte, worauf aktuelle Museumsbesucher nach Ihren Wünschen für eine zukünftige Sonderausstellung gefragt wurden.

DIE PLANETENUHR AUS DEM MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN SALON

Dr. Michael Korey, Oberkonservator am Mathematisch-Physikalischen Salon (MPS) und Dr. Samuel Gessner, Wissenschaftshistoriker aus Lissabon, suchen gemeinsam nach neuen Wegen, die Planetenuhren der Renaissance für heutige Betrachter zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Einige der Forschungsergebnisse sollen im Rahmen einer Kabinettausstellung im Mathematisch-Physikalischen Salon ab Mai 2017 zugänglich gemacht werden. Bis dahin halten wir euch mit Einblicken hinter die Kulissen auf dem Laufenden.

Wir stehen am Ende eines der Ausstellungssäle im MPS und blicken auf diese imposante „Planetenuhr“. Welches Wunderwerk der Technik verbirgt sich hier?

Der geniale Instrumentenbauer Eberhard Baldewein leitete die Anfertigung der Uhr, einer Art Himmelsmaschine, die 1563 bis 1568 in präziser Kleinstarbeit für den Kurfürst August I. von Sachsen geschaffen wurde. Damit schuf er eine technologische Spitzenleistung und ein künstlerisches Meisterwerk.

Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Begriffe und Denkweisen der Renaissance-Astronomie bilden die Grundlage für das Verständnis derartiger astronomischer Automaten. Unterdessen hat sich unser Weltbild jedoch grundlegend verändert. Genau dort setzen unsere Wissenschaftler Dr. Michael Korey und Dr. Samuel Gessner, beide Experten ihres Faches – an: Sie suchen neue Wege, für heutige Betrachter die Planetenuhren der Renaissance zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Die erste Phase des Projekts konnte dank der Unterstützung von der Museum Research Foundation im Rahmen des SKD-Forschungsprogramms „Europa/Welt“ realisiert werden. Jetzt hat das Team um Michael Korey eine Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes im Programm „Fellowship Internationales Museum“ erhalten und ist nun dabei die Planetenuhr zu untersuchen.

Komplizierteste Maschine der Renaissance

Bevor sich 2017 der Vorhang auf die Kabinettausstellung lüftet, konserviert Lothar Hasselmeyer in liebevoller Kleinarbeit Teile der „kompliziertesten Maschine der Renaissance“. Wir haben ihn in der Restaurierungswerkstatt besucht. Heute steht die sogenannte Mond-Anzeige im Mittelpunkt.

Im letzten Jahr hat Herr Hasselmeyer das Werk, das die Mondbewegung am Himmel genau nachbildet, auseinander genommen. Dabei wurden die Einzelteile sorgfältigst untersucht, behutsam gereinigt und schließlich mit einer Wachsschicht versehen. Nach Monaten mühevoller Arbeit liegen hier die Teile. Das Bild zeigt allerdings nur eines von insgesamt neun der geordneten Kästchen – allein für das Werk der Mond-Anzeige!

Jetzt ist der Restaurator dabei, die Mond-Anzeige wieder zusammenzusetzen.

 

 

Dresdner Planetenuhr: eine von vier

Hinter den Kulissen forschen Michael Korey und Samuel Gessner mit Lothar Hasselmeyer an der Dresdner Planetenuhr, die von ihrem wissenschaftlich wie technisch komplexen Aufbau her zu den raffiniertesten Artefakten der Frühen Neuzeit gehört.  Der Mechanismus war so angelegt, dass die Planetenpositionen vor dem Hintergrund der Sterne von unserer Perspektive aus  jederzeit aufs Genaueste angegeben wurden. Von den Uhren, welche darauf angelegt waren, sind weltweit insgesamt nur vier erhalten: sie befinden sich heute in Paris, Wien, Kassel und Dresden. Renaissance-Uhren mit astronomischen Anzeigen waren häufiger, zeigten aber höchstens den durchschnittlichen Lauf der Planeten, nicht ihr vor- und rückwärtiges „Wandern“ über den Himmel. Somit haben wir es hier in Dresden mit einem überaus seltenen Exemplar zu tun.

 

Noch zeigt nur das Foto von vor der Restaurierung des Mond-Anzeigewerks, wie das Ergebnis später aussehen soll. Aber in einigen Stunden hat Lothar Hasselmeier die Teile wieder richtig ineinander gebaut, und der Mond tanzt wieder. (Obwohl hier zu sagen ist, dass die Uhr aus konservatorischen Gründen in der Ausstellung nicht in Bewegung gehalten wird. Mit einer Animation werden die Bewegungen trotzdem sichtbar)

 

Gottesnähe demonstrieren

Den gestirnten Himmel zu begreifen, gehört zu den ältesten Träumen der Menschheit. Astronomen vermaßen den Himmel und entwarfen mathematische Theorien, um die Bewegungen der Gestirne exakt zu beschreiben und vorhersagbar zu machen. Mitte des 16. Jahrhunderts beschafften sich europäische Fürsten höchst komplexe Automaten, um die Bewegungen aller sichtbaren Himmelskörper ohne komplizierte Rechnungen nachvollziehen zu können. Mittels dieser seltenen Planetenuhren holten sie den Himmel auf die Erde und demonstrierten ihre Gottesnähe.

Übrigens: Auch wenn eines der Anzeigewerke in der Museumswerkstatt liegt, ist die Planetenlaufuhr weiterhin in der Ausstellung zu sehen. Besucher haben dann sogar die Möglichkeit, einen Blick in das ausgeklügelte Innenleben der Uhr zu werfen.

Anleitung zum Konstruieren und Zeichnen von Perspektive

Freitag, 17. August 2012

Wer schon immer mal wissen wollte, was beim Zeichnen einer räumlichen Darstellung zu beachten ist, der kann sich unter folgendem Link eine kurze Zusammenfassung zur Geschichte der Perspektive und ihren Darstellungsmöglichkeiten herunterladen.

Anleitung zum Zeichnen von Perspektive

Besonders interessierte “Raumzeichner” finden unter der Rubrik Buchtipps einige anregende Buchempfehlungen, die es sich durchzustöbern lohnt. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bietet ein umfangreiches Repertoire an Büchern mit Anleitungen zum Zeichen der räumlichen und farbigen Perspektive an.

Und hier ein paar kleine Impressionen, was man damit schönes zeichnen kann:

 

Über die Ölmalerei und ihre Technik

Freitag, 10. August 2012

Die Ölmalerei ist die „klassische Königsdisziplin“ unter den Maltechniken. Mit Ölfarbe lassen sich farbige Wirkungen von einer Tiefe und Leuchtkraft erzielen, wie mit keinem anderen Malverfahren. Feinste Tonabstufungen und weiche Übergänge ermöglichen wirklichkeitsnahe Bildillusionen. Jahrhundertelang waren sie das Ziel der Maler.

Der Bildausschnitt aus dem Gemälde “Die Madonna mit der Waschschüssel”, das etwa um 1525 von Giulio Romano gemalt wurde, zeigt diese altmeisterliche Technik. Durch die Verwendung von Ölfarben hat der Künstler weiche Übergänge zwischen den hellen und dunklen Partien des Stofftuches geschaffen. In den fein abgestuften Farbnuancen wird das weiche Gewebe in einem Faltenspiel beschrieben, was den Betrachter beinahe veranlasst zu glauben, es handle sich um ein reales Tuch.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das Anrühren der Ölfarbe ist ein langwieriger Prozess, der meist von einem Gehilfen des Künstlers durchgeführt wurde. Zunächst wurden Erde, Kalk, Sand, Kohle, ja sogar Gold und Edelsteine, wie Lapislazuli, Azurit, Malachit oder Zinnober, in einem Mörser zerstoßen.

Anschließend vermengte der Gehilfe die gewonnenen Farbpigmente mit Leinöl. Die Pigmente mussten dabei regelrecht in das Öl eingewalzt werden, um eine dauerhafte Verbindung zu erzielen. Die so erzeugte Ölfarbe trocknete nur langsam, was dem Maler noch nach mehreren Tagen das Farbenmischen direkt auf der Leinwand ermöglichte. Somit konnten beispielsweise weiche Farbübergänge, wie Schattierungen vorgenommen werden.

In der Epoche der Renaissance spielten vor allem der Einsatz von Hell – Dunkel Kontrasten, die Farb- und Linienperspektive sowie die von Leonardo da Vinci entwickelte Maltechnik Sfumato (it. verraucht) eine große Rolle. Letztere ist eine Technik der Ölmalerei, bei der der Eindruck trüber Atmosphäre erreicht wird. Alles ist sehr weich gemalt und die Konturen scheinen sich in der Ferne aufzulösen. Diese Technik wird auch in der sogenannten Luftperspektive verwendet. Wie in der optischen Wahrnehmung entfernt liegendes unscharf erscheint, werden die Farben hier so verwendet, dass sie im Hintergrund des Bildes verblassen und verblauen. In dem folgenden Bildausschnitt des Gemäldes “Die Heilige Familie mit der heiligen Katharina” um 1512/1514 von Jacopo Palma il Vecchio wird dieser räumliche Eindruck erzeugt.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden