Mit ‘Kunsthalle im Lipsiusbau’ getaggte Artikel

Flämische Landschaften in Dresden

Freitag, 02. Dezember 2016

Von Bernhard Schulz

So groß wie ein DIN A5-Blatt sind die Gouachen, die der Flame Hans Bol ab 1580 größtenteils mit biblischen wie antiken Historien auf Pergament gemalt und dann auf Eichenholz aufgezogen hat. 1587 wurden 16 solcher kleinformatigen Gemälde von Bol für die vom sächsischen Kurfürsten August 1560 in Dresden begründete Kunstkammer erworben, dessen erstes Verzeichnis aus eben dem Jahr 1587 sie als „schöne gemalete täflein“ beschreibt. Was sie so besonders macht, spielt sich im Hintergrund ab: Es ist die Landschaft. Bol, 1534 in Mechelen geboren und 1593 in Amsterdam verstorben, entstammt einer der damals höchstentwickelten Gegenden Europas, dicht besiedelt und mit Städten und stattlichen Dörfern reich ausgestattet. So sind die Landschaften, die Bol in feinsten Strichen malt, denn auch keine unberührte Natur, sondern Zeugnis ihrer Kultivierung durch den Menschen. Nur auf einer Jagdszene nach Ovids „Metamorphosen“, diesem unerschöpflichen Quell von Bildthemen vom Beginn der Renaissance bis zum Ende des Barock, trägt die dargestellte Waldlandschaft keine Spuren menschlicher Veränderung, ohne deswegen rau oder gar bedrohlich zu wirken.

 

Hans Bol, Abraham und die drei Engel, 1586, Gouache auf Pergament auf Eichenholz, 14,1 x 21,2 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Hans Bol, Abraham und die drei Engel, 1586, Gouache auf Pergament auf Eichenholz, 14,1 x 21,2 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

1587 ist der Höhepunkt der Renaissance, was künstlerische Invention anbelangt, längst überschritten; ihre Errungenschaften, ihre Sichtweisen sind Gemeingut geworden. Das Staunen angesichts der Landschaft jenseits beschützender Mauern, das die Frührenaissance tatsächlich als ein Erwachen nach langer Dunkelheit erscheinen lässt, ist der sicheren Beherrschung der Natur gewichen. Jedenfalls in den Niederlanden, in deren südlichem Teil Flandern die Landschaftsmalerei in Blüte steht, wiewohl sie auch dort traumatische, die Kriege und Konflikte einer unruhigen politischen Gegenwart in spiegelnde Züge annehmen kann.

Aus der Kunstkammer und den weiteren kurfürstlichen „Kammern“ wie der nach ihrem Standort als „Grünes Gewölbe“ bezeichneten Schatzkammer gingen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hervor, die in ihrem Ausstellungshaus auf der Brühlschen Terrasse, dem vom Krieg schwer gezeichneten und in versehrtem Zustand belassenen Lipsiusbau, die Ausstellung „Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens“ unter dem Obertitel „Das Paradies auf Erden“ ausrichten. Die Ausstellung ist überwiegend aus eigenem Bestand, dem der zur Zeit in Renovierung befindlichen Gemäldegalerie Alte Meister, zusammengestellt; sie gibt – wie ihr Direktor Stephan Koja im wunderschönen Katalog mitteilt – „Gelegenheit, Gemälden zu begegnen, die aufgrund des Platzmangels der Gemäldegalerie Alte Meister seit Jahrzehnten, teilweise sogar seit Jahrhunderten nicht mehr zu sehen waren“. Du, glückliches Dresden, möchte man ausrufen: dass du solche Schätze vernachlässigen konntest ob der Fülle dessen, was an ihrer Statt zu sehen war!

Ausstellungsansicht, Kunsthalle im Lipsiusbau, Foto: Oliver Killig

Ausstellungsansicht, Kunsthalle im Lipsiusbau, Foto: Oliver Killig

 

Was Kuratorin Uta Neidhardt unter Mitarbeit von Konstanze Krüger im Zuge des 2011 begonnenen Forschungsprojekts „Flämische Malerei in der Gemäldegalerie Alte Meister“ aus dem Bestand von rund 380 flämische  Gemälden ausgewählt haben, lässt denn auch wünschen, diese Auswahl auf Dauer besichtigen zu können. Im Lipsiusbau ist die Auswahl durch Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen wie dem Frankfurter Städel oder dem Kunsthistorischen Museum Wien abgerundet worden, denn Fehlstellen gibt es in einer aus fürstlichem Sammeleifer, aber naturgemäß noch ohne das kunsthistorische Instrumentarium der Jetztzeit erwachsenen Sammlung immer wieder. Eine der Bol-Täfelchen beispielsweise wird heute dessen Schüler Jacob Savery zugeschrieben, doch scheint „Die Stadt an der Seebucht“ dem Betrachter ohne weiteres von gleicher Hand zu stammen. Dass im Katalog als Unterscheidungsmerkmal ausgeführt wird, Bol leite Straßen „meist in die Bildtiefe und auf den Hintergrund zu, während sie bei seinem Schüler durch Architektur oft versperrt sind“, klingt reichlich gesucht – beweisstark ist hingegen die winzige Signatur Saverys im rechten oberen Eck, die dem kurfürstlichen Erwerber und seinen Agenten ganz offenbar entgangen war.

Das ist gewiss eine Petitesse, aber sie mahnt doch, die Grenzen interpretatorischen Scharfsinns eng zu ziehen. Immer wieder sind in früheren Zeiten Kunstwerke falsch zugeschrieben worden. So ist die grandiose „Landschaft mit dem Urteil des Midas“, ein Gemeinschaftswerk des Landschafters Gillis van Coninxloo und des Figurenmalers Karel van Mander, nach Erwerbung durch einen französischen Agenten in Dresden 1707 als Landschaft „von Breugell, Figuren von Golzio“ verzeichnet. Das erwähnte Forschungsvorhaben brachte Aufschluss über die Autorschaft und vor allem das Entstehungsjahr 1598, als Coninxloo als protestantischer Glaubensflüchtling in Amsterdam seine letzte Lebensstation erreicht hatte. Die im Bildvordergrund geschilderte Szene des Musikwettstreits zwischen Apoll und Pan – natürlich wieder bei Ovid zu finden – ließe sich ohne weiteres wegdenken, so dass eine von erhöhtem Standpunkt aus sich entfaltende „Weltlandschaft“ übrig bliebe, eine Gesamtdarstellung des Irdischen mit Gewässern, Bergen, Wäldern, Tieren und menschlichen Behausungen und Tätigkeiten. Solche Weltlandschaften zeigt die Ausstellung mehrere; ihnen gegenüber stehen die eher als „Genre“ zu bezeichnenden Kompositionen, insbesondere derjenigen winterlicher Begebenheiten, unter denen Lucas van Valckenborchs „Winterlandschaft bei Antwerpen“ von 1575 als überhaupt erst zweiter Darstellung von Schneefall heraussticht. Da ist aber auch alles versammelt, was den Winter schön und schrecklich machen konnte, vom Schlittenziehen und Hockeyspiel auf dem Eis bis zum Brand einer Scheune, zu dem Löschwasser aus einem eilig aufgehackten Loch herangeschleppt werden muss.

Gillis van Coninxloo und Karel van Mander, Landschaft mit dem Urteil des Midas, 1588, Öl auf Eichenholz, 119, 5 x 203 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Gillis van Coninxloo und Karel van Mander, Landschaft mit dem Urteil des Midas, 1588, Öl auf Eichenholz, 119, 5 x 203 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Vom Brand einer Scheune zum Weltenbrand ist es nur ein Schritt. Jan Brueghel d. Ä. ist mit einer „Versuchung des heiligen Antonius“ von 1604 vertreten, einem seit Hieronymus Bosch häufigen Thema, das der Fantasie wahrlich freien Raum ließ. Dass es dem jüngeren Mitglied der Malerfamilie Brueghel weniger um religiöse Mahnung zu tun war als um die Zufriedenstellung seiner Auftraggeber und Käufer, legt die nach mehrjährigem Italien- und Romaufenthalt gemeinsam mit dem dort kennengelernten Hans Rottenhammer gemalte Szene „Juno in der Unterwelt“ nahe. Auch da brennt es im Hintergrund lichterloh, bevölkern fratzenhafte Schreckenswesen die Szenerie. Doch die ist wiederum bei Ovid gefunden und wortgetreu ins Bild gesetzt. Einzelne Motive sind von Tintoretto und anderen venezianischen Malern abgeschaut: ein schönes Beispiel für den Kulturtransfer über die Alpen hinweg, zumal Jan Brueghel vielfach Sammler in Italien bediente.

Zuallererst zieht den eintretenden Besucher im Lipsiusbau jedoch das Gemälde „Vor der Sintflut“ an, das der für seine Tierdarstellungen berühmte Roelant Savery 1620 gemalt hat und das seit 1754 in Dresden nachgewiesen ist. Es ist mit 82 mal 137 Zentimetern bereits eines der größeren Formate der Ausstellung. Savery (um 1576-1639) benötigte den Platz, um all die Tiere vorzuführen, von denen er Kenntnis besaß, war ihm doch als Hofmaler Kaiser Rudolfs II. Zutritt zu dessen Menagerien in Prag gestattet. Nur der in Zoologie Bewanderte vermag die seinerzeit gerade erst entdeckten Arten, wie den aus Neuguinea stammenden Laufvogel namens Helmkasuar, zu benennen. Wiederum dem Forschungsprojekt verdankt sich die Erkenntnis, dass Savery ursprünglich den Paradiesgarten gemalt hatte, ehe er die mächtige Arche in die Bildmitte setzte, wo sie heute als das gar nicht wegzudenkende Zentrum der Komposition erscheint.

Roelant Savery Vor der Sintflut, 1620, Öl auf Eichenholz, 82 x 137 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Roelant Savery Vor der Sintflut, 1620, Öl auf Eichenholz, 82 x 137 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Das Landschaftsthema verlässt schließlich die Niederlande in der Darstellung des Klosterschlosses San Lorenzo de El Escorial, die auf Peter Paul Rubens zurückgeht und in Dresden in einer von Schülerhand ausgeführten Fassung vorliegt, freilich 1742 als originaler Rubens angekauft wurde. Rubens hatte den Escorial gesehen, von einem erhöhten Punkt in den Bergen über der einsamen Landschaft nahe Madrid; der Katalog verschweigt leider das Datum, so dass sich als terminus ante quem nur Rubens’ Tod 1640 festhalten lässt. Einerlei; die Darstellung geht ins Fantastische, insofern sie die bergige Landschaft stark überhöht und die Wolken, die Rubens allerdings als unter ihm dahinziehend beschrieben hat, wirkungsvoll dramatisiert. Der Escorial war nichts weniger als das Regierungszentrum des spanischen Weltreichs, und doch liegt er hier geradezu beiläufig und schutzlos inmitten der bewegten Natur. Vollends in die Ferne entführen den Besucher Maler wie Adriaen Fransz. Boudewijns, der Ende des 17. Jahrhunderts einen „Römischen Triumphbogen am Kai des Seehafens“ malt, oder Bonaventura Peeters, der 1652 eine „Orientalische Seebucht“ vorstellt, die wohl eher im seinerzeit unter osmanischer Herrschaft stehenden östlichen Mittelmeerraum anzusiedeln ist. Da sind die Niederländer ganz bei sich, als Handel treibende Seefahrernation, worauf das in der Bildmitte stolz die Flagge der Republik zeigende Schiff verweist.

Willem Jansz. Blaeu / Joan Blaeu, Erdglobus, um 1645-1648, Durchmesser: 68 cm, H 110 cm, Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: SKD

Willem Jansz. Blaeu / Joan Blaeu, Erdglobus, um 1645-1648, Durchmesser: 68 cm, H 110 cm, Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: SKD

Wer Handel treibt und zur See fährt, benötigt Landkarten und Globen, und es ist ein wunderbarer Einfall der Gestalter, in die Mitte des in zwei kühlen Graublautönen gehaltenen Inneren des Lipsiusbaus einen Kubus zu stellen, in dem in gedämpften Licht der zeitgenössische, kurz vor 1650 geschaffene Erdglobus von Willem Blaeu und seinem Sohn Joan Blaeu den Mittelpunkt bildet. Die damals gerade erst gemachten Entdeckungen der nordjapanischen Insel Hokkaido und der angrenzenden Kurilen ließ Joan Blaeu nachstechen und als Aktualisierung auf den Globus kleben. Er wird heute im Mathematisch-Physikalischen Salon bewahrt und zeigt quasi nebenbei, wie universell die Dresdner Kunstsammlungen angelegt sind und wie großartig ihr Bestand.

Dresden, Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, bis 15. Januar 2017. Katalog im Sandstein Verlag, 28 € (Museumsausgabe)/ 39,80 € (Buchhandel).

Bernhard Schulz ist Redakteur im Feuilleton des Tagesspiegel (Berlin)

Unikate – Gemeinsam Einzigartig

Donnerstag, 13. August 2015

Zum Abschluss der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ und der ihr gewidmeten Blogserie folgt heute unsere letzte Hintergrundgeschichte. Am Sonntag, den 16. August, endet die Schau!

Die ausgestellten Unikate im gleichnamigen Themenbereich stehen in mehrerlei Hinsicht für sich. Sei es, dass sie künstlerisch außergewöhnlich sind, die letzten ihrer Art repräsentieren oder von besonderem historischem Wert sind.

Wenn man den Ausstellungsraum betritt, fällt einem sofort eine direkt gegenüberliegende, hoch oben an der Wand angebrachte Stubentüreins Auge. Durch die schräge Öffnung wird ein dahinterliegender Spiegel sichtbar, dieser lässt einen Zugang zu einem weiteren Raum vermuten. Diese Symbolik weist auf den einstigen Zugang zur Hochschule für Bildende Künste. Dennoch bleiben die Fragen offen: Ist es wirklich eine Türe? Oder ist es lediglich ein verziertes Stück Holz? Türband, Beschläge und Rahmen fehlen. Ähnlich wie die dissoziierten Uhrzeiger und Uhrgehäuse steht dieses 202*76 cm große Objekt seiner Funktion enthoben auf einmal seltsam isoliert im Raum. Die Tür, die am 12. Januar 1876 und damit noch vor der Eröffnung des Kunstgewerbemuseums am 15. September 1876 zum Preis von 54 Mark aus dem Hamburger Kunsthandel angekauft worden war, ist ein interessantes Zeugnis der Sammelpolitik des Kunstgewerbemuseums während dessen Gründungsphase. Als Fragment, ohne Rahmen und selbst mit fehlenden Füllungsfeldern – nur eines von ursprünglich vier ist erhalten – schien sie dem Museum dennoch sammlungswürdig. Ausschlaggebend dafür müssen die reichen Schnitzereien des Rahmenbandes gewesen sein, die den Studenten der Kunstgewerbeschule als Anschauungsmaterial dienen sollten. Angezweifelt werden muss jedoch die ursprüngliche Datierung in das 16. Jahrhundert: Die Gestaltung des Füllungsfeldes lässt eher an das 17. Jahrhundert denken. Fragen wirft das Türschloss auf, das eine eigenwillige Konstruktion aus Riegel und Schlüsselschild darstellt: Da das Schloss nur flächig aufliegt und nicht durch das Türblatt hindurchgeht, war die Tür nur von einer Seite aus zu öffnen.

Ausstellungsansicht: #2703 Tür / Unbekannter Künstler, Holstein (?), 17. Jh. (?) © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht: #2703 Tür / Unbekannter Künstler, Holstein (?), 17. Jh. (?) © SKD, Foto: Amac Garbe

Läuft man auf diesen Blickfang zu, kommt man nicht umhin einem ungewöhnlich gebauten Tisch seine Aufmerksamkeit zu schenken. Doch dieser erweist sich bei genauerer Betrachtung als eine Kunstkammer im Kleinen: In den im Korpus verborgenen acht Schub- und Einsatzkästen befinden sich perfekt eingepasst mehr als 200 Einzelteile: unter anderem Apotheken-und Badergerät, Schreibzeug, Spiele, wissenschaftliche Instrumente und ein Virginal. Das Kabinett weist in seiner einzigartigen Formidee und seinen Teilen frappierende Parallelen zu dem großen Kunstkammer-Kabinett in Uppsala sowie dem Pommerschen Kunstschrank (Berlin) auf, die beide vom Augsburger Kaufmann und Diplomaten Philipp Hainhofer (1578 –1647) konzeptioniert und unter Mitarbeit verschiedenster Augsburger Kunsthandwerker ausgestattet worden waren. Trotz fehlendem schriftlichen Nachweis deuten Konzeption und Umsetzung auf eine Autorenschaft Hainhofers hin. Das Tischkabinett und seine Ausstattung werden erstmals im nach 1732 erstellten Inventar der Dresdner Kunstkammer erwähnt. Nach Auflösung der Kunstkammer wurde das Stück 1832 dem Historischen Museum übereignet und im Zuge der Neuordnung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1958 dem Kunstgewerbemuseum übergeben. Seit 2010 laufen intensive Forschungen, die das Kabinett als Ganzes sowie seine spannenden Einzelteile untersuchen.

#47714 Kunstkammerkabinett in Form eines Tisches / Konzeption: Philipp Hainhofer (zugeschr.); Kistler: Ulrich Baumgartner (zugeschr.), um 1630

#47714 Kunstkammerkabinett in Form eines Tisches / Konzeption: Philipp Hainhofer (zugeschr.); Kistler: Ulrich Baumgartner (zugeschr.), um 1630

Vom Eingang kommend, rechter Hand ist ein Tisch mit einer aus verschiedenfarbigen Stein- und Marmorsorten mit Blumen, Früchten, Vögeln und Insekten verzierten, außergewöhnlich wertvollen Platte zu sehen. Bei der in Pietra dura-Technik gefertigten Tischplatte handelt es sich um eine Florentiner Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts. Pietra dura (ital. „harter Stein“) bezeichnet die Kunst der Verlegung von Bildern und Ornamenten mit Plättchen aus harten Steinsorten wie Achat, Chalcedon, Jaspis, Lapislazuli, Marmor, Perlmutt und Koralle. Das vom sächsischen Kurfürsten als Käufer um 1780 beauftragte Tischgestell im Louis XVI.-Stil entspricht dem Zeitgeschmack am Hof und nicht dem Stil der prächtigen Platte. Der Tisch wird 1786 im Inventar der kurfürstlichen Gardemeuble Dresden aufgeführt und 1793 in das Lustschloss Pillnitz übernommen. Die herausragende Bedeutung des Tisches zeigen zwei Vergleichsbeispiele: Ein offenbar sehr ähnlicher, seit 1945 vermisster Pietra dura-Tisch befand sich im Historischen Grünen Gewölbe Dresden und ist als Kriegsverlust zu verzeichnen. Das zweite Vergleichsbeispiel, nahezu identisch mit dem Pillnitzer Tisch, befindet sich im Musée du Louvre, Paris, und stammt aus der Sammlung des Kardinals Mazarin (1602 –1661), die nach dessen Tod von König Ludwig XIV. (1638 –1715) übernommen wurde.

Ausstellungsansicht: #47899 Wandtisch / Unbekannter Künstler, Florenz, frühes 17. Jh. (Platte), Sachsen, 1780–90 (Gestell) © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht: #47899 Wandtisch / Unbekannter Künstler, Florenz, frühes 17. Jh. (Platte), Sachsen, 1780–90 (Gestell) © SKD, Foto: Amac Garbe

Revolutionäres Konzept

Donnerstag, 23. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 16. August in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen.

In dem Themenbereich „Konzept“ stehen sich zwei Kleiderschränke aus den Hellerauer Werkstätten einander gegenüber. Sie sehen sich zum beinah Verwechseln ähnlich und verraten jedoch durch einen Unterschied – die verwendete Holzart – anschaulich das dahinterstehende Produktionskonzept.

Der Entwurf von Richard Riemerschmid bietet eine minimal individuelle Entscheidung zwischen Lärche und Eiche  © SKD,  Foto: Amac Garbe

Der Entwurf von Richard Riemerschmid bietet eine minimal individuelle Entscheidung zwischen Lärche und Eiche © SKD, Foto: Amac Garbe

Beide Schränke stammen aus der Serie „Das Dresdner Hausgerät“ der Deutschen Werkstätten Hellerau. Sie sind damit Teil des ersten sogenannten Maschinenmöbelprogrammes, das 1906 von den Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst auf der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden der Öffentlichkeit präsentiert worden war. Das Wohnkonzept war auf die industrielle Massenfertigung hochwertig gestalteter Möbel ausgelegt. Die dadurch bedingte Ornamentlosigkeit erforderte ein besonderes Geschick des Entwerfers: Klare Linien und ausgewogene Proportionen, die natürliche Maserung des Holzes, die stark prononcierte Rahmen-Füllungs-Konstruktion der Türen und Seitenwände sowie die funktionell als Ornamentersatz umfunktionierten Beschläge bestimmten nun die Erscheinung. Die Konsumenten konnten, je nach Geschmack und finanziellen Möglichkeiten, verschiedene Variationen auswählen und individuell zusammenstellen. So hatte zum Beispiel die Wahl der Holzart unterschiedliche Preise für das „gleiche“ Produkt zur Folge. Auf diese Weise war das Sortiment der Hellerauer Werkstätten für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Mit den zerlegbaren, flach verpackbaren und damit einfach zu transportierenden Möbeln nahmen die Hellerauer Werkstätten ein Jahre später in der Möbelherstellung gängiges Konzept vorweg. Sie haben mit der Entwicklung des Industriemöbels vor dem Bauhaus das Design revolutioniert. Sie stellen daher ein wichtiges Stück der Geschichte des europäischen Möbeldesigns dar.

Scheinbar unendlich

Donnerstag, 09. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau wurde bis zum 16. August verlängert!

Der Bereich „Unendlich“ der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ präsentiert, fliesenartig angeordnet, unterschiedlichste japanische Druckpapiere. Wie viele dieser japanischen Papiere es in verschiedenen Sammlungen gibt, ist nicht bekannt. Ursprünglich ein Verbrauchsgut, welches in wenigen Werkstätten heute noch hergestellt wird, wurden diese Papiere Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa begeistert gesammelt. Diese Begeisterung kann man umso besser nachvollziehen, sobald man den Ausstellungsbereich betritt. Die Muster scheinen in unzählbar vielen Variationen zu existieren, man entdeckt immer wieder originelle Details und wird ständig aufs Neue überrascht.

Themenbereich „Unendlich“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Themenbereich „Unendlich“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Papier als Material wurde aus Korea nach Japan eingeführt, die Papierdrucktechnik Karakami (Druck mit Holzstempeln) hingegen aus China. Bis ins 12. Jahrhundert hinein erlebte sie eine Blüte, verschwand anschließend fast völlig, um in der Edo-Zeit (1603 –1868) vor allem für Zwischenwände, Paravents, Schiebetüren, Schachteln und Kleinmobiliar eine Wiedergeburt zu erleben. 1872 erreichte ein Gesuch der sächsischen Papierindustrie das Ministerium des Innern mit der Bitte um Erwerb von Papierproben in Japan, da eigene Initiativen fehlgeschlagen waren.  546 Musterpapiere unterschiedlicher Papierdrucktechniken kamen ein halbes Jahr später in Dresden an. Diese sowie ein ausführlicher Bericht zur Papierherstellung und ein Verzeichnis über 220 verschiedener Papiersorten wurden der Direktion der Technischen Deputation übergeben. 1875 wurden die 546 Papiere dem Museum übereignet. Laut Inventar besitzt das Kunstgewerbemuseum fast 900 Stück, beachtliche Anzahl. Bei genauer Betrachtung begeistern die beinahe unendlichen Musterkombinationen, aber es wird auch deutlich, dass nicht alles aus Japan reduziert und abstrakt ist. Vieles ist üppig oder einfach nur „herzig“. Die Identifizierung dieses Konvolutes aus dem Gesamtbestand, der Abgleich mit der Liste der Papierarten sowie die Zuordnung der einzelnen Inventarnummern wird ein spannendes Puzzle für die Mitarbeiter des Kunstgewerbemuseums nach dieser Ausstellung.

Ausstellungsansicht der japanischen Druckpapiere © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der japanischen Druckpapiere © SKD, Foto: Amac Garbe

Zeitstücke – Ganz in sich, aber nicht vollständig

Freitag, 22. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Der Themenbereich „Zeitstücke“ der Schau empfängt den Besucher mit leisem Ticken. Dieses sanfte Geräusch stammt aus dem Inneren der Ausstellungsarchitektur. Man spielt hier mit dem bereits längst vergangenen Nutzen dieser Objekte, denn in diesem Bereich stehen Uhrgehäuse, Uhrwerke, Uhrzeiger und Zifferblätter getrennt nebeneinander und es ist klar, dass sie nur in ihrer Kombination ihrem eigentlichen Zweck, der Zeitmessung, gerecht werden.

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Politik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in den 1960er-Jahren ihre Sammlungen stringenter zu organisieren, führte zu nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen. Ein besonders absurdes Beispiel dafür ist die Caffieri-Uhr, die eine Vereinigung verschiedener Materialien und Künstlerarbeiten ist und nach Materialien aufgeteilt und somit „unlesbar“ gemacht wurde. Benannt ist die Uhr nach dem im Stil des berühmten französischen Bronzebildhauers Jean-Jacques Caffieri (1725 –1792) gearbeiteten, reich bewegten Gehäuse aus gegossener und feuervergoldeter Bronze, das ein hervorragendes Zeugnis des Pariser Kunsthandwerks der 1740er-Jahre ist. Die für diese Uhr passgenau geschaffenen drei Harlekine auf dem Sockel gingen aus der Meissner Porzellanmanufaktur hervor und sind Arbeiten von Johann Joachim Kändler (1706 –1775). Das (verlorene) Uhrwerk stammte wohl von dem französischen Uhrmacher Etienne-Claude Couturier (1768 –1823). Im Zuge der Sammlungsbereinigungen wurde die prachtvolle Uhr schließlich auseinandergerissen: Die Harlekine verblieben in der Porzellansammlung, das Bronzegehäuse wurde 1969 nach Pillnitz abgegeben und ob in diesem Zusammenhang das Uhrwerk an den Mathematisch-Physikalischen Salon weitergegeben wurde oder zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort verloren ging, ist nicht mehr rekonstruierbar.

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

Anders ist es beiden 1880 von „Herrn Hofuhrmacher Weisse“ angekauften, einzelnen Uhrzeigern. Sie wurden im Sinne der Vorbildsammlung losgelöst von den Uhren angekauft, um den damaligen Stand der Metallverarbeitung zu dokumentieren und zur weiteren Erforschung zugänglich zu machen. Nicht nur haben diese Zeiger ihre Uhr und damit ihre Funktion verloren, auch kam ein Großteil des einst 26 Stück umfassenden Konvoluts im Zuge des Zweiten Weltkriegs abhanden.
Insgesamt um 60 Objekte wurde damals die Vorbildersammlung für die Studenten der angegliederten Kunstgewerbeschule erweitert. Neben wertvollen historischen Uhren gehörten auch Einzelteile dazu, darunter 26 Uhrzeiger, von denen heute nur noch fünf vorhanden sind.

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

Und dann gibt es in diesem Bereich noch Gehäuse von Pendule-Uhren. Ihnen wurden aus bisher nicht zu klärenden Gründen die Uhrwerke entnommen. Dadurch wird die aufwändige Boulle-Marketerie, die sonst hinter den Uhrwerken verborgen war, sichtbar. Die Leerstelle im Uhrgehäuse definiert das Objekt funktional wie ästhetisch neu. Die Gehäuse, zu deren Uhrwerken bis auf eine Ausnahme jede Spur fehlt, sind nach dem Zweiten Weltkrieg auf sehr unterschiedlichen Wegen in die Sammlung des Kunstgewerbemuseums gekommen. Ein recht großer Teil stammt aus dem Bestand des Dresdner Residenzschlosses: Ausgelagert in Bergungsdepots im Umland von Dresden hatten die Pendulen das Bombardement überstanden. Jedoch wurden viele dieser Depots aufgebrochen, verwüstet und die Objekte stark beschädigt. Auch später kam es dazu, dass noch vollständige Uhren fragmentiert wurden, indem die Uhrwerke entnommen und willkürlich abgelegt wurden. Durch ihre aufwendige Gestaltung mit kostbarer Marketerie aus Schildpatt, Messing sowie Perlmutt und zuweilen sogar farbig unterlegtem Horn sind die Gehäuse – wenn auch zum Teil nur fragmentarisch erhalten – doch vielsagende Zeugnisse der hohen Qualität des Pariser Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts. Die plastisch durchgebildeten Beschläge bzw. vollplastischen Aufsatzfiguren aus vergoldetem Messing stellen meist auf die Ikonographie der Zeit abgestimmte Motive dar: Häufig schmückt der Gott der Zeit – Kronos – die Pendulen.

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Und nicht verpassen: Wir haben zeitnah ganz besondere Angebote für Euch:

23. Mai 2015 – Öffentlicher Rundgang
Treffpunkt Foyer – 11 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

23. Mai 2015 – Familiennachmittag von 15–17 Uhr
Treffpunkt Foyer – 15 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

26. Mai 2015 – Expertinnenführung: Mitarbeiterinnen des Kunstgewerbemuseums führen durch die Ausstellung und stellen ihre Spezialgebiete vor. Mit Katrin Lauterbach, Schwerpunkt Keramik
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Keine Führungsgebühr

29. Mai 2015 – Direktorinnenführung mit Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums und  Kuratorin der Ausstellung, führt durch die Sonderausstellung.
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

Alle Preise gelten pro Person, Kinder unter 7 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Muster(bücher) der Reformzeit

Freitag, 08. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Ein erfreuliches Angebot ermöglichte es im Jahr 2014 vier Glasurmusterbücher für Kachelöfen der Meißner Teichert-Werke (um 1910 – 20) mit einigen Katalogdokumenten aus der Hinterlassenschaft eines sächsischen Ofensetzers mit Hilfe des Freundeskreises des Kunstgewerbemuseums anzukaufen.

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Kundschaft konnte mittels der Musterbücher aus dem reichen Farbspektrum wählen. Im Meißner Farben- und Glasurenwerk „Bidtelia“ erprobten Professoren und Studenten der Dresdner Kunstgewerbeschule ihre Ideen und führten ebenso Ofenentwürfe für die vier großen Teichert-Werke aus. Auch anerkannte Künstler wie Peter Behrens, Fritz Schuhmacher oder Ludwig Vierthaler wurden mit Ofen und Kaminentwürfen beauftragt. Die auf der Jahresschau Deutscher Arbeit 1925 in Dresden gezeigten Teichert-Öfen erhielten höchstes Lob, sie seien technisch kaum zu übertreffen und auch die Glasuren und Formen verbänden technische Vollendung mit künstlerischem Geschmack, hieß es. Die dem zeitlichen Verfall widerstehenden Glasuren geben heute exzellent die bevorzugte Farbigkeit der Reformzeit wieder. Daher sind die Musterbücher trotz ihrer Unscheinbarkeit und ihrem leicht zerschlissenen Zustand für die Forschung wertvoll, da sie es dank ihres bekannten Entstehungsdatums ermöglichen, andere Kacheln der Sammlung genauer einzuordnen.

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20  © SKD

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20 © SKD

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Zerlegbar – ob Kachelofen, Pokal oder Schrank

Freitag, 10. April 2015

Herzlich Willkommen zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Im Ausstellungsbereich „Zerlegbar“ werden Stücke gezeigt, die aus unterschiedlichsten Gründen mehrteilig konzipiert sind. Bei einem Systemmöbel wie der MDW-Wand (Montagewand Deutsche Werkstätten) erstaunt die Zerlegbarkeit kaum jemanden. Ein flach ausgelegter Kachelofen ist allerdings schon ungewöhnlicher, wurden doch solch massiven Öfen in der Regel an ihrem Zielort gesetzt und sind dann dort verblieben. Um wieder seinen vollständigen Zusammenhang zu bekommen und restauriert zu werden, musste das Objekt erst einige Hürden überwinden:

In den 1960er-Jahren gründete Lothar Berfelde, auch bekannt als Charlotte von Mahlsdorf, entgegen allem künstlerischen und politischen Zeitgeschmack ein privates Gründerzeitmuseum in Berlin Mahlsdorf (DDR). 1974 wollte der Staat das Museum in seinen Besitz bringen. Durch unbillige Steuerforderungen unter Druck gesetzt, verschenkte die Gründerin die Sammlung Stück für Stück. Der Kachelofen kam im Zuge dessen 1978 als Schenkung in die Sammlung des Dresdner Kunstgewerbemuseums und lagerte seitdem in den Depots. Durch die überraschende Flutung der Kellerräume im Schloss Pillnitz 2002 wurden viele Kacheln verschmutzt oder umdeponiert. So kam es zu einer gründlichen Säuberung und Sortierung von über 1.000 Kacheln. Dabei trat erstmals ein ganzheitliches Bild des 3,50 m hohen Neorokoko- Ofens zum Vorschein. Er besteht aus 40 Einzelteilen, die bis zu 25 kg schwer sind.

#43648 –23, Kachelofen als „Flachware“ in der Ausstellung © SKD,  Foto: Amac Garbe

#43648 –23, Kachelofen als „Flachware“ in der Ausstellung © SKD, Foto: Amac Garbe

Ein raffinierterer Grund, ein Werk zerlegbar zu machen, steckt hinter dem „Willkomm der Hofkellerei Dresden“, einem opulent gearbeiteten Deckelpokal. Er wurde im 18. Jahrhundert von August dem Starken bei der Dresdner Glashütte in Auftrag gegeben und 1768 zum „Willkomm der Chur-Fürstl. Kellerey“ bestimmt. Zur Verwendung des Pokals ist die Zerlegbarkeit nicht von Nöten, dennoch besitzt er an Schaft und Deckelknauf Glasgewinde, durch die er sich in vier Teile auseinanderschrauben lässt. Diese wurden lediglich angebracht, um das Schliffdekor bis in den äußersten Winkel des Gefäßes eingravieren zu können. Dem „Willkomm“ steht ein weiterer Pokal böhmischer Herkunft gegenüber, um den demontierten Zustand eines solchen Stücks zu veranschaulichen.

#37274 Willkomm der Hofkellerei Dresden / Glasschneider Heinrich Volckert zugeschrieben, Glashütte Dresden, 1716–17

#37274 Willkomm der Hofkellerei Dresden / Glasschneider Heinrich Volckert zugeschrieben, Glashütte Dresden, 1716–17

Der plausibelste Grund, ein Objekt zu zerteilen, spiegelt sich in einem massiven Barockschrank aus dem frühen 18. Jh. wider: Transportierbarkeit. Dieser und ähnliche monumentalen Schränke gliedern sich in einen auf stark bauchig ausgeformten Füßen stehenden Sockel, einen Hauptteil mit der charakteristischen Verzierung und ein Gesims, nach dem auch die unterschiedlichen Typen bestimmt werden. Sie werden lediglich durch kleine Keil-, Nut- oder Hakenverbindungen zusammengehalten und nach dem niederdeutschen Wort für Schrank auch „Schapp“ genannt. Die reichen Schnitzereien sind meist von christlich-religiösem Inhalt. So zeigt das Giebelrelief des ausgestellten Danziger Schapps (trapezförmiger Giebel) die christliche Kardinaltugend der Nächstenliebe (Caritas).

Die Zerlegung des mehrere hundert Kilo schweren und 280 x 274 cm großen Schranks in seine Einzelteile, der Transport und das Wiederzusammenfügen ist bis heute mit enormem Kraftaufwand verbunden.

Präzisionsarbeit: Aufbau des Barockschranks in der Ausstellungshalle

Präzisionsarbeit: Aufbau des Barockschranks in der Ausstellungshalle

Diese ursprüngliche Idee, einen Schrank für den praktischen Nutzen zerlegbar zu machen, wurde zur Produktion der Montagewand Deutsche Werkstätten, kurz MDW, erweitert. Rudolf Horn, einer der wichtigsten Designer der DDR, erhielt Anfang der 1960er-Jahre gemeinsam mit seinen Kollegen Eberhard Wüstner, Helmut Kesselring und Erhard Schumann den Auftrag, für den VEB Deutsche Werkstätten ein industriell effizient herzustellendes und dennoch attraktives Möbelprogramm zu entwickeln. Dieses sollte den neuen Wohnbedürfnissen der Menschen, unter anderem in den Plattenbausiedlungen, gerecht werden. Der Auftrag gab Horn die Möglichkeit, seinem Ideal entsprechend praktisch-nützliche Möbel für die breite Masse zu entwerfen. Das einfache wie geniale Prinzip der MDW-Wand ist, dass es auf einem Rasterprinzip aufbauende Normteile gibt, aus denen unendlich viele Kombinationen abgeleitet werden können. Die MDW-Wand wurde erstmals 1967 vorgestellt und ging schließlich 1968 in die Serienproduktion. Sie wurde in immer wieder aktualisierten Varianten bis 1991 (MDW 90) produziert und zählt damit zu den erfolgreichsten Möbelprogrammen, die je gefertigt wurden.

#55068 MDW – Montagewand Deutsche Werkstätten /Entwurf: Rudolf Horn, Mitarbeiter des Instituts f. Möbel- & Ausbaugestaltung, Hochschule f. industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein; Ausführung: Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden-Hellerau, nach 1968

#55068 MDW – Montagewand Deutsche Werkstätten /Entwurf: Rudolf Horn, Mitarbeiter des Instituts f. Möbel- & Ausbaugestaltung, Hochschule f. industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein; Ausführung: Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden-Hellerau, nach 1968

Die Objekte in diesem Bereich der Ausstellung verbindet neben ihrer Zerlegbarkeit auch die Tatsache, dass die einzelnen Segmente eines jeden Objekts nicht für sich allein, sondern nur im Ensemble wirken können.

Übernahmen und verkannte Geschenke

Freitag, 27. März 2015

Der Bereich „Übernahme“ der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ beschäftigt sich mit Objekten, die nicht gezielt gesammelt, sondern dem Kunstgewerbemuseum übertragen wurden.

So gelangte etwa ein diplomatisches Geschenk aus Japan 1975 in die Sammlung. Es handelt sich um ein Konvolut japanischer Keramikvasen und –schalen mit dazugehörigen Verpackungskisten. Niemand ahnte damals, dass es sich dabei um Meisterleistungen der japanischen, überwiegend Kyoter, Keramikszene der 1970er-Jahre handelt. Stattdessen wurden die Stücke als von „durchschnittlicher Warenhausqualität“ beurteilt. Erst 35 Jahre später erkannte man den künstlerischen Wert der Vasen und ihrer Holzkisten.(1) Bei den Boxen handelt es sich um sogenannte Kiribako-Kisten, die sich durch eine handschriftliche Signatur und das Siegel des Künstlers auszeichnen und somit Teil des Kunstwerks sind. Nur durch den Ressourcenmangel in der DDR wurden die meisten Kisten aufbewahrt – sie wurden zweckentfremdet und als Transportkisten genutzt. Forschungen zeigten mittlerweile, dass einige Werke von Künstlern mit höchsten staatlichen Auszeichnungen (sog. „Lebender Nationalschatz“) stammen. Neben der kunsthandwerklichen Qualität ist auch die Vielfalt in Material, Form und Dekor beachtlich. Durch die Präsentation der Gefäße in der Ausstellung in Form eines „Vasenturmes“ sieht man allerdings auch, dass es nicht gelungen ist, alle Kunstwerke in ihrer Gesamtheit zu bewahren. Manchen Vasen kamen die zugehörigen Holzkisten abhanden, sie repräsentieren somit eine brüchige Einheit.

Konvolut japanischer Keramikvasen mit zugehörigen, vom Künstler gesiegelten und signierten und mit Gurtbändern (Sanadahimo) verschnürten Holzkisten (Kiribako) © SKD, Foto: Katrin Lauterbach

Konvolut japanischer Keramikvasen mit zugehörigen, vom Künstler gesiegelten und signierten und mit Gurtbändern (Sanadahimo) verschnürten Holzkisten (Kiribako) © SKD, Foto: Katrin Lauterbach

Ausstellungsansicht mit Vasenturm © SKD, Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht mit Vasenturm © SKD, Foto: Amac Garbe

Ein anderes Konvolut im Bereich „Übernahme“ zeigt Stücke der sogenannten „Arbeitsgemeinschaft Winde“, einer Gruppe von Studierenden rund um den Gestalter Theodor Artur Winde an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe. Durch die Anordnung der Stücke im Raum wird verdeutlicht, welch prägende Wirkung der Lehrer in der Zwischenkriegszeit auf seine Schüler hatte und welche Wege die Schüler später nahmen. Obwohl das Studium bei Winde für die meisten Schüler nur einen kurzen Abschnitt des Ausbildungsweges bedeutete, sind namhafte Gestalter aus seiner „Arbeitsgemeinschaft“ hervorgegangen. So etwa Rudi Högner, der die Designausbildung der DDR wegweisend prägte, oder Siegmund Schütz, der als Porzellangestalter an der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin arbeitete. Das Spektrum der Berufswege reicht von Design über Holzbearbeitung und Bühnenbild bis hin zur Porzellangestaltung.

Tisch mit Arbeiten der „Arbeitsgemeinschaft Winde“. Im Zentrum steht ein Leuchter von Theodor Arthur Winde, um ihn herum sind Arbeiten seiner Schüler positioniert © SKD, Foto: Amac Garbe

Tisch mit Arbeiten der „Arbeitsgemeinschaft Winde“. Im Zentrum steht ein Leuchter von Theodor Arthur Winde, um ihn herum sind Arbeiten seiner Schüler positioniert © SKD, Foto: Amac Garbe

Als drittes Konvolut im Ausstellungsbereich „Übernahme“ werden drei Wandteppiche der ostdeutschen Gestalterin Margarita Pellegrin präsentiert. Mit ihrer Form- und Farbensprache zeugen sie von Pellegrins Jahren in Chile, wo sie mit ihrem Mann lebte und an der Universidad de Chile in Antofagasta lehrte. Die Teppiche sind eine Auftragsarbeit für den Rat des Bezirkes Dresden und waren für die Ausstattung öffentlicher Gebäude gedacht. Sie gelangten 1998 über den Kunstfonds des Freistaats Sachsen das Kunstgewerbemuseum.

Wandteppich „Demonstration“, Margarita Pellegrin, Dresden, 1976

Wandteppich „Demonstration“, Margarita Pellegrin, Dresden, 1976

Alle Übernahmen haben gemein, dass sie gewissermaßen ungefragt an das Museum herangetragen wurden und die Sammlung heute bereichern, stammen sie doch oftmals aus Zeiträumen, die in der Sammlung unterrepräsentiert sind. Sie erzählen viel darüber, wie diskontinuierlich und unsystematisch Sammlungen häufig aufgebaut werden. Nicht zuletzt zeigen sie auch, dass des Öfteren erst spätere Generationen von Forschern und Forscherinnen zu einer richtigen Beurteilung der Stücke gelangen.

(1) Vgl. Lauterbach, Katrin und Simonis, Sonja: Ein verkanntes Geschenk. Zeitgenössische japanische Keramik der 1970er Jahre, in: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (2014): Dresdener Kunstblätter 3/2014, Kunstgewerbemuseum, Dresden, Sandstein-Verlag, S. 40-51.

Vielheit in Gestaltung, Einheit in Funktion

Montag, 23. März 2015

Im Bereich „Vielheit“, einem Teil der Ausstellung „Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums”, stehen sich eine Auswahl von Messern und ein vollständiges Besteckset gegenüber. Ausgehend von nur einem (vermeintlich) archetypischen Gegenstand lässt sich Grundlegendes über Gestaltung und ihre Parameter nachvollziehen, denn bei aller funktionalen Einfachheit bleibt erstaunlich viel Raum für unterschiedliche Gestaltungsansätze offen.

50 Messer erzählen davon, wie sich Gestaltung mit der Zeit, veränderten Bedürfnissen, technischen Neuerungen oder sozialen Verschiebungen wandelt. Die zum Großteil handgegossenen und handgeschliffenen Messer sind durch Material, Formgebung und zeittypische Dekore – oder die Abwesenheit des Dekors – gut historisch einzuordnen. Während des 18. Jahrhunderts war etwa in Kreisen des wohlhabenden Bürgertums ausschließlich Silberbesteck gebräuchlich; im darauffolgenden Jahrhundert hingegen kam die kostengünstigere Variante des Neusilbers (Alpacca) zum Einsatz. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Silber- beziehungsweise versilberte Besteck durch Edelstahl ersetzt. Die Abfolge der Messer erzählt eine komprimierte Designgeschichte und es wird deutlich, dass ein Messer kein Archetyp ist.

Zehn Messer aus 16. - 20. Jh.: #51518, 55639 -1, 55624-1, 53641-1, 55531, 55574-1, 52055-1, 55545-1, 55586-1, 51510-1

Zehn Messer aus 16. - 20. Jh.: #51518, 55639 -1, 55624-1, 53641-1, 55531, 55574-1, 52055-1, 55545-1, 55586-1, 51510-1

Ergänzend wird ein 25-teiliges Besteckset für die Verwendung in Restaurants und Hotels der gehobenen Klasse in der DDR gezeigt. Das Besondere an dem „Modell 120“ nach einem Entwurf von Christa Petroff-Bohne ist seine schlichte Gestaltung, dadurch konnte es mühelos über den langen Zeitraum von 1961 bis 1989 zum Einsatz kommen. Petroff-Bohne gilt durch ihre Lehrtätigkeit in Berlin-Weißensee und ihre klassisch-eleganten Arbeiten, die sich nahtlos in das zeitgenössische internationale Qualitätsdesign einreihen, als richtungsweisend für das DDR-Design.

Ausstellungsansicht: Historische Aufreihung der 50 Messer © SKD, Foto: Amac Garbe

#44352–44376: Besteckset „Modell 120“, 25-teilig, Entwurf: Christa Petroff-Bohne, 1960; Ausführung: VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS), Aue © SKD, Foto: Amac Garbe

Der Bereich „Vielheit“ lädt dazu ein, Alltagsobjekte genau zu betrachten und verschiedene Gestaltungsparameter an ihnen auszumachen.

Ausstellungsansicht: Historische Aufreihung der 50 Messer © SKD, Foto: Amac Garbe

Fragmente. Keramikhäuschen, Krabbe, Seidengewebe

Freitag, 06. März 2015

Ab jetzt stellen wir Euch in regelmäßigen Abständen kurze Geschichten zu den besonderen Objekten der Ausstellung „Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums” vor. Heute widmen wir uns diversen Fragmenten aus dem gleichnamigen Ausstellungsbereich.

Als Gegenstände kunsthandwerklicher Gestaltung findet sich auch Spielzeug in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums. Darunter ein keramisches Häuschen, das einst mit 76 weiteren Teilen inventarisiert wurde. Angefertigt wurde die Spielzeugstadt in der Keramischen Werkstätte Johannes Reh Kamenz um 1923-1925 nach einem Entwurf von Rudolf Gerbert, einem vielfach ausgezeichneten Bildhauer. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges kam dem Haus allerdings die umgebende Stadt abhanden, bis zuletzt war nur ein einziges Teil auffindbar und warf viele Fragen auf: Wie ordnet man dieses Fragment ein, wie kann man seinen Verwendungszusammenhang rund ein Jahrhundert später interpretieren? Was ist ein Haus ohne Stadt? Was macht überhaupt eine Stadt aus?
Bis vor kurzem fehlte jegliche Spur von den verbliebenen Teilen, dann wurden weitere Häuser dieser Art im Museum für Sächsische Volkskunst ausgemacht. Der Fund innerhalb des Museumsverbundes ist eine erfreuliche Entdeckung, die den beharrlichen Forschungen einzelner Wissenschaftlerinnen zu verdanken ist und nun weitere Forschungen nach sich zieht.

#33885 Rotes Spielzeughäuschen nach Rudolf Gerbert, um 1924 © SKD, Foto: Amac Garbe

Oftmals können nicht alle Fragestellungen zu Objekten geklärt werden. Oft ist man auf Mutmaßungen oder Referenzbeispiele angewiesen – in vielen Fällen zeigt sich, dass die Distanz einer späteren Generation manchmal hilfreich ist, um Arbeiten richtig einschätzen zu können.

Davon zeugt auch eine Krabbe aus Kupfer. Sie wurde gemeinsam mit Kleinteilen japanischer Schwerter ins Museum gebracht und deshalb nahm man an, es handle sich um ein Menuki, ein Ornament am Griff von Samuraischwertern. Doch aufgrund ihrer vollplastischen Ausführung musste die These des Menuki verworfen werden. So kam man zu der Feststellung, es handle sich um ein Okimono, eine Tierplastik. Oftmals werden solche Tierplastiken als Schmuckelement an einem Gefäß angebracht. Dann allerdings sind sie nicht mehr als Okimono zu betrachten, sondern wechseln mit der Funktion ihren Namen. So zeigt sich anhand eines so winzigen Objekts von gerade mal 1,55 x 3,5 cm eine ganz grundsätzliche Herausforderung von Wissenschaftlern, nämlich Objekte aus einer anderen Kultur zu verstehen und einzuordnen.

Kupfer-Krabbe, Japan, vor 1884

Platzieren der Krabbe im Ausstellungskasten

Doch im Bereich „Fragmente“ trifft man nicht nur auf Objekte mit ungelösten Fragen. Gleichermaßen findet man hier ein Stück eines Seidengewebes mit Chrysanthemenmuster, das mit hoher Gewissheit aus der ursprünglichen Raumgestaltung des Damenschlafzimmers des Neuen Palais in Potsdam stammt. Diese Sicherheit basiert darauf, dass Kaiser Wilhelm II. 1893 das Nachweben des Motives in Auftrag gab und im gleichen Jahr auch dieses Seidengewebefragment vom Museum angekauft wurde. Das Objekt stammt aus dem 18. Jahrhundert und war Teil einer Innenausstattung. Die Raumgestaltung eines Zimmers galt zu damaligen Zeiten als Gesamtkunstwerk, deshalb verwendete man jeweils nur ein Gewebe zur textilen Ausstattung eines Wohnraumes. Anhand des Fragmentes lässt sich der Rapport des Musters vollständig ableiten und man besitzt gleichzeitig ein Beispiel der preußischen Seidenwebkunst des Rokoko, die unter Friedrich II. zu außergewöhnlichen künstlerischem und wirtschaftlichem Aufschwung gelangte.

#24553 Paillefarbenes Seidengewebefragment mit Chrysanthemenblüten an einer Ranke, Berlin, 1760er Jahre

Diese Objekte sind anschauliche Beispiele dafür, wie Fragmente in Bezug zu einem übergeordneten Ganzen gesetzt werden können. Außerdem erzählen sie von den Herausforderungen, mit denen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kunstgewerbemuseums täglich konfrontiert sind. Als Besucher kommt man kaum umhin, selbst nach Antworten auf offene Fragen zu suchen.

Ausstellungsansicht "Die Teile des Ganzen", 7. März - 21. Juni 2015, Kunsthalle im Lipsiusbau © SKD, Foto: Amac Garbe