Mit ‘Interview’ getaggte Artikel

Teil II: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Mittwoch, 17. Juni 2015

Anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Münzkabinetts sprachen wir mit dem Direktor Dr. Rainer Grund.
Hier
der erste Teil des Gesprächs zum Nachlesen.

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Welche Voraussetzungen muss ein Objekt erfüllen, damit es für Ihr Museum infrage kommt?
Im Allgemeinen kann man drei Kriterien für die Bewertung eines Objektes nennen: Die künstlerische Qualität, der Wert – der sich aus dem materiellen Wert und dem kulturgeschichtlichen Wert zusammensetzt – und die Seltenheit. Um Ankäufe zu tätigen, bedarf es natürlich auch der hierfür benötigten finanziellen Mittel, diese schränken dann die Wahl in bestimmtem Maße ein. Wir besitzen keine abgeschlossene Sammlung, da sich die numismatischen Gegenstände immer weiterentwickeln. Wir versuchen, durch Schenkungen unsere Sammlung zu erweitern. Allerdings ist es auch hier so, dass wir aus Kapazitätsgründen nicht alles aufnehmen können, denn um die Sammlungsvielfalt weiterhin zu gewährleisten, können wir nicht von einem Objekt mehrere Exemplare annehmen.

Wie sind Sie zu dieser Ausstellungskonzeption gelangt? Bei rund 300.000 Objekten ist es sicherlich ein langwieriger und schwieriger Prozess, sich zwangsläufig auf einen Bruchteil der Objekte der Sammlung beschränken zu müssen.
Die Dauerausstellung wurde nicht von einem Nullpunkt aus konzipiert. Als Grundlage diente die jahrelange Dauerausstellung im Albertinum, die durch die räumlichen Gegebenheiten nur begrenzt der Sammlungsbreite des Münzkabinetts gerecht wurde. Daher war es für uns umso wichtiger, mit dieser Neukonzeption das ganze Spektrum des Münzkabinetts  – von Münzen über Medaillen, Orden bis zum Papiergeld, von der Antike bis zu Neuzeit  -  aufzuzeigen. Aus diesem Grunde war die zukünftige Themengliederung bereits in einem relativ frühen Stadium der Planung klar. Der Auftaktraum sollte den Bergbau und die Münzprägung in Sachsen als Spiegel der Landesgeschichte repräsentieren. Diese Thematik des Raumes veranschaulicht der Annaberger Bergaltar in Perfektion und macht die historische Herstellung von Münzen für den Besucher greifbar. Außerdem war uns wichtig, auch nichtnumismatische Objekte zu zeigen, da diese die Ausstellung auflockern und die Illustrationen der Themen bereichern.

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Warum sollte uns der nächste Museumsbesuch nicht zu Liebermann, Monet und den Brücke-Malern führen, sondern zu König Sigismund III. von Polen und der ihm gewidmeten Goldmünze?
Das eine sollte das andere in keinem Falle ausschließen, ich denke der Besucher erweitert sein Blickfeld und sein Allgemeinwissen, wenn er die ganze Vielfalt der Museumslandschaft berücksichtigt.  Daher sind auch einige nichtnumismatische Dauerleihgaben aus anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vertreten, so zum Beispiel aus dem Grünen Gewölbe, dem Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Sächsische Volkskunst, der Skulpturensammlung, der Rüstkammer und in einem größeren Anteil sogar aus den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen. Es freut uns natürlich, wenn durch die Neuinszenierung des Münzkabinetts mehr Besucher auch in den doch spezielleren Bereich der Numismatik hineinschauen. Um den unterschiedlichen Interessen der Besucher gerecht zu werden, gibt es auch einen speziellen Audioguide (in Deutsch, Englisch und Russisch), der besonders für Einsteiger geeignet ist. Für Fortgeschrittene hingegen bieten wir einen interaktiven Katalog an der sukzessiv erweitert wird. Hier kann man deutlich mehr Informationen zu den Objekten erhalten als dies eine kurze Vitrinenbeschriftung vermag, sogar ein Heranzoomen an die Objekte und das Betrachten der Rückseite ist hier möglich.

Haben Sie vor, die Dauerausstellung in späteren Zeiten umzudisponieren? Ganze Vitrinen gar ganz neu zu gestalten?
Wir werden wohl zunächst einmal erleichtert aufatmen, sobald wir die neue Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentieren können. Ich denke, die jetzigen Akteure werden aller Voraussicht nach keine grundlegenden Veränderungen vornehmen. Eine Neugestaltung der Ausstellung ist zu einem späteren Zeitpunkt und bis zu einem gewissen Grad aber durchaus denkbar. auch wenn die zugeschnittene Vitrinenarchitektur dieses mögliche Vorhaben wohl etwas einschränken wird. Allerdings darf der Besucher sich auch auf neue – auch speziellere – Themenschwerpunkte in dem noch zu konzipierenden Sonderausstellungsraum freuen, dort besteht beispielsweise die Möglichkeit, Neuerwerbungen zu präsentieren.

    Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Haben Sie ein Lieblingsstück? Wenn ja, welches wäre hier zu nennen?
Ich habe bereits meine Dissertation auf dem Gebiet der historischen Medaillenkunst verfasst, daher liegt mein besonderes Interesse auch in diesem Bereich. Mich faszinieren besonders die sächsischen Medaillenkünstler des Barock und somit ihre Werke, doch kann ich mich hier nicht auf nur einen Künstler festlegen, denn es gab verschiedene herausragende Künstler in dieser Zeit, es würde die anderen Künstler zu Unrecht degradieren.

Was genau fasziniert Sie an Münzen so sehr?
Die Faszination wächst mit der Beschäftigung über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Münzen und Medaillen sind eine Welt „en miniature“, in diesen kleinen Zeugnissen spiegelt sich der Kosmos der Menschheitsgeschichte wieder und in jedem auf eine andere Art und Weise, die Gesamtheit macht es schließlich. Das fasziniert mich und so wird es wohl auch mein ganzes Leben lang bleiben.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

Teil I: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Samstag, 06. Juni 2015

Nach elfjähriger Schließzeit wird die neue Dauerausstellung des Münzkabinetts in einer einzigartigen Präsentation und mit deutlich erweitertem Umfang im zweiten Obergeschoss des Georgenbaus ab dem 7. Juni 2015 erstmalig für das Publikum zu sehen sein. Mit dieser Schatzkammer bereichert die traditionsreiche Münzsammlung, die zu den drei großen ihrer Art in Deutschland gehört und von europäischer Bedeutung ist, die Museumslandschaft in Deutschland um eine weitere wichtige Facette. Die neue, in den Rundgang im Residenzschloss eingebundene Dauerausstellung des Münzkabinetts richtet sich mit ihrer großen Bandbreite an viele weit über das Fachpublikum hinaus interessierte Besucher.

Wie wird man Direktor eines Münzkabinetts? Was geschieht hinter den Kulissen? – Wir sprachen mit Dr. Rainer Grund, seit 2002 Direktor des Münzkabinetts.

Dr. Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, im Silberwaffensaal des Residenzschlosses © SKD

Dr. Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, im Silberwaffensaal des Residenzschlosses © SKD

Wollten Sie schon zu Beginn Ihres Studiums im Museum arbeiten? Wie kam es dazu?
Die Arbeit in einem Museum war für mich bereits vor dem Studium erstrebenswert, schon in der Zeit der erweiterten Oberschule interessierte ich mich bereits für Kunstgeschichte, Museumsarbeit – und in meinem Heimatort Annaberg gibt es das Erzgebirgsmuseum, in dem ich Praktika und auch Ferienarbeit verrichtete. Das war der Beginn meiner Tätigkeit im Museumswesen.

Wie kamen Sie vom allgemeinen Heimatkundemuseum zur Numismatik?
Im Studium musste man bereits sehr früh ein erstes Pflichtpraktikum absolvieren. Ich hatte mich damals für Dresden und das Münzkabinett entschieden. Es blieb allerdings nicht bei nur einem. Im Laufe meines Studiums leistete ich erneut ein Praktikum im Münzkabinett. Hierbei eröffnete mir dessen damaliger Direktor Paul Arnold die Möglichkeit, daraus einen Beruf fürs Leben zu machen.

Wie wurden Sie Direktor des Münzkabinetts?
Nach einer kurzen Phase als wissenschaftlicher Assistent stieg ich zum wissenschaftlichen Mitarbeiter auf. Im Jahre 2002 wurde ich vom damaligen Generaldirektor Martin Roth als Direktor des Münzkabinetts eingesetzt.

Seit wann bereiten Sie die Dauerausstellung vor, solch ein Großprojekt bedarf sicherlich einer langen Vorlaufzeit?
In der Tat, solch ein Vorhaben plant man nicht kurzfristig. Im Prinzip begann alles mit der Wahl des Architekturbüros, das für die Gestaltung der Ausstellungsräume im 1. und 2. Geschoss des Georgenbaus beauftragt wurde. Diese Entscheidung fiel Ende 2007.

Blick in die Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © SKD, Foto: Hans Christian Krass

Blick in die Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © SKD, Foto: Hans Christian Krass

Wo lagen für Sie die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?
Da von Anfang an feststand, welche Räume für die Dauerausstellung in Frage kommen, war es eine Herausforderung, die Münzen – deren angemessene Präsentation nur innerhalb der Augenhöhe zu gewährleisten ist – in den hohen Schlossräumen in Szene zu setzen. Hierbei wurden auch die unterschiedlichen Blickwinkel von Wissenschaftlern und Architekten sichtbar, doch diese Differenzen waren durchaus in der Frage der Präsentationsweise der Objekte hilfreich. Denn es ist besonders wichtig, die Ausstellung immer ansprechend für den Besucher zu gestalten. So entstand auch die Idee eines Leitobjekts für jeden Ausstellungsraum, das pars pro toto für das Thema des jeweiligen Raumes steht. Es ist für einen Wissenschaftler auch eine etwas schmerzliche Erfahrung zu erkennen, dass weniger manchmal mehr ist. Man möchte schließlich sowohl Laien als auch Fachwissende mit dieser Dauerausstellung bedienen.

Welche Erkenntnis, die Sie während der Vorbereitungsphase erlangten, würden Sie gerne mit der Welt teilen?
Zuerst einmal, dass solch ein Großprojekt ohne die tatkräftige Unterstützung aller Beteiligten nicht zu stemmen wäre. Außerdem habe ich erkannt, dass es durchaus nützlich ist, in solche Planungen mit einer gewissen Naivität einzusteigen. Denn wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich wohl nicht mit solch einem Optimismus in dieses Projekt gegangen. Man muss bei solch einem komplexen Projekt immer das große Ganze – und auch den Eröffnungstermin – sehen und darf sich nicht in den täglichen Überraschungen verlieren.

Das Dresdner Münzkabinett gehört ja zu den größten Universalmünzsammlungen Deutschlands, gibt es gegenüber den anderen wichtigen numismatischen Museen eine Spezialisierung?
Wie die  Besucher auch zu Recht erwarten dürfen – und in dieser Erwartung werden sie auch nicht im Geringsten enttäuscht – präsentieren wir in der Ausstellung numismatische Objekte aus Sachsen, in aller Vielfalt. So sind beispielweise im Auftaktraum in der Mittelvitrine alle sächsischen Herrscher albertinischer Linie mit den von ihnen herausgegebenen Gedenkmünzen vertreten. Da sich das Münzkabinett gleichzeitig als eine Forschungseinrichtung versteht, gibt es sogar ein sächsisches Archivgesetz, das besagt, dass alle in Sachsen hergestellten oder beauftragten Medaillen mit einem Belegexemplar dem Münzkabinett zu übergeben sind.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Zur Person:
Dr. Rainer Grund, geboren 1959, absolvierte sein Studium der Kunstwissenschaften 1986 an der Universität Leipzig. In seiner Freizeit erkundet er gerne zusammen mit seiner Gattin historische Städte in der Umgebung, vor allem Böhmen gilt ihr besonderes Interesse. Aber auch Reisen in ferne Länder haben es ihm angetan – so sind sie auch gerne einmal abenteuerlich mit Rucksack unterwegs gewesen. Dabei steht für Rainer Grund immer im Mittelpunkt, unbekannte Reiseziele zu erschließen. Nicht nur der Urlaub dient ihm als Ausgleich zur Arbeit, sondern auch die Lektüre von schöngeistiger Literatur.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation ©SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

 

jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Die Aufbauarbeiten des Kunstfonds in der Kunsthalle des Lipsiusbau sind in vollem Gange, denn am 1. März startet die Ausstellung „jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds“. Mit den Werken des Kunstfonds besitzen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine der bedeutendsten Sammlungen sächsischer Kunst nach 1945. In der Ausstellung wird nun eine große Auswahl an verschiedenster Medien, darunter Malerei, Photographie, Graphik, Skulpturen und Objekte sowie Film zu sehen sein.

Interview mit der Leiterin des Kunstfonds und Kuratorin der Ausstellung, Silke Wagler

Nach welchen Gesichtspunkten wurde die Ausstellung konzipiert?

Die Sammlungen des Kunstfonds sind geradezu prädestiniert dazu, die Hallen des Lipsiusbaus zu füllen. Mit dieser ersten großen Ausstellung zeigen wir eine möglichst große Bandbreite aus unserem Bestand. Die präsentierten Objekte bilden einen Querschnitt der Sammlung an Gegenwartskunst. Der Fokus liegt auf den Hauptentwicklungslinien des Kunstschaffens der letzten Jahre, auf den zwei namhaften Malereischulen in Leipzig und Dresden, auf der Vorreiterrolle Leipzigs im Bereich der Fotografie und auf der Wiederentdeckung des Handwerklichen und dem neuen Interesse an traditionellen Techniken der Zeichnung und Druckgrafik. Ziel der Ausstellung ist es, noch mehr Interesse und Akzeptanz für zeitgenössische Kunst zu wecken. Dadurch, dass die Künstler in unserer Generationen aufwuchsen, reflektieren ihre Werke eine ähnliche Alltags- und Erfahrungswelt wie wir selbst. Deswegen sollten wir auch einen Zugang finden können.

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Gibt es ein Leitobjekt?

Anstelle von „Leitobjekten“, sollte man vielmehr über interessante Werke von besonderer Bedeutung reden. Beispielsweise wäre da Neo Rauchs Werk „Die große Störung“(1995), eine frühere Arbeit, die im Schaffen des Künstlers am Übergang von einem eher grafischen zu einem malerischen Stil. Peggy Buth’s „Firework after a really big event“ lässt provokative Töne anklingen, wenn sie in einen – politisch und kulturell besetzten – roten Teppich ein Feuerwerk einbrennt.

Nach welchen Kriterien wurden die Werke gehängt?

Bei der Hängung gab es zunächst einige konservatorische Kriterien, wie zum Beispiel die Lichtverhältnisse, zu beachten. Weiterhin waren Standorte für besonders große Formate auch gesetzt. Darüber hinaus waren formal-ästhetische Aspekte wichtig. Hier haben wir versucht, die Vielfalt der Medien so zu nutzen, dass ein abwechslungsreiches Seherlebnis möglich wird. Wir haben auch versucht thematische Erfahrungsräume zu schaffen, deren Deutung aber dem Betrachter überlassen bleibt. So gibt es zum Beispiel romantische und geometrische Werkgruppierungen, oder solche zur Rolle des Lichts, zu „Fake Spaces“ oder „Ostdeutsche Landschaften“.

Was macht die Arbeit von Theo Boettger aus?

Theo Boettgers Werk möchte provozieren. Es stellt unter anderem die Frage in den Raum, was schön und ästhetisch, was romantisch ist. Er hinterfragt letztlich dadurch auch die Vergangenheitsverliebtheit besonders in Dresden, die Museumskunst und „Hochkultur“.

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Der Mathematisch-Physikalische Salon ist wieder im Zwinger

Montag, 11. Februar 2013

In den letzten Wochen ist viel passiert innerhalb der historischen Zwingermauern. Anfang des Jahres konnten die Kollegen aus dem Wissenschafts- und Direktionsbereich des MPS, die – zwischen gepackten Kisten sitzend – schon sehnlich darauf gewartet hatten, bereits ihre neuen Büroräume im Zwinger beziehen. Durch die tatkräftige Unterstützung eines Umzugsunternehmens ist der Büro- und Bibliotheksumzug erfolgreich abgeschlossen, und mittlerweile sind alle Kisten ausgepackt und alle Bücher haben ihren Platz in den neuen Regalen gefunden. Es sind jedoch nicht nur die zahlreichen Umzugskartons, die in der letzten Zeit den Weg in die neuen Räume gefunden haben.

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Mission: Objektumzug

Nach dem Büroumzug steht aktuell der Umzug der Objekte an, die Rückkehr der Sammlung des MPS in ihre alte Heimat. Wegen der sehr unterschiedlichen Größe und konservatorischen Eigenschaften der Exponate – von Jahrhunderte alten Uhren mit einer höchst empfindlichen Mechanik bis zu imposant großen Brennspiegeln und Fernrohren – muss dieser Kunsttransport viel bedachter durchgeführt, als ein Büroumzug jemals sein müsste. Die akribische Koordination des umfangreichen Vorhabens obliegt dem Depotverwalter Peter Müller mit Unterstützung von Dr. Sibylle Gluch und dem Team von Restauratoren Lothar Hasselmeyer und Johannes Eulitz um den Chefrestaurator Andreas Holfert.

Interview mit Chefrestaurator Andreas Holfert

Herr Holfert, Sie haben die konservatorischen Bedüfnisse der Objekte genauestens im Blick. Der Umzug ist zurzeit noch im vollen Gange, wie bewerten Sie die momentane Situation ?

Andreas Holfert: Ganz richtig. Im Grunde genommen befinden wir uns noch in mitten der Objekt-Umzugsphase. Die zentralen, für die Ausstellung relevanten Objekte sind allerdings schon im Museum und können nun von dem zuständigen Einrichtungssteam begutachtet und vermessen werden. Dies ist ein wichtiger Punkt, da eine Vielzahl der Objekte spezielle Objekteinrichtungen bzw. Ausstellungshilfen benötigt, um angemessen und sicher präsentiert zu werden. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, die Objekte, die eine aufwendige Aufständerung benötigen, so früh wie es uns möglich war, sicher transportieren zu können. Großer Verdienst gilt dabei Herrn Peter Müller und Herrn Johannes Eulitz, die bereits im Vorfeld eine entsprechende Sortierung der ausstellungsrelevanten Objekte vorgenommen haben. Auf Grundlage dieser Planungen war es uns möglich, eine nach Relevanz gestaffelte Anlieferung zu realisieren.

Figuren des "Hottentottentanz" vorbereitet für den Transport, © SKD

Verpackung der Einzelfiguren des "Hottentottentanz" für den Transport, © SKD

Wie groß ist die Anspannung vor einem derartig aufwendigen Vorhaben?

Der Druck, alles in einem bestimmten zeitlichen Rahmen ohne Schaden zu verpacken und verfrachten, ist enorm groß. Da ist es unglaublich wichtig, dass das gesamte Team an einem Strang zieht und die Kommunikation und Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Beteiligten bestens abgestimmt sind.

Welcher Herausforderung muss man sich als Chefrestaurator bei einem derartigen Umzug stellen?

Die zentrale Schwierigkeit liegt darin, auf verschiedenen Ebenen das Ziel der sicheren und unbeschadeten Objektüberführung zu gewährleisten. Zum einen ist es eine große Herausforderung, die Objekte korrekt und transportsicher zu verpacken, um dem Risiko der Transportbeschädigung präventiv entgegenzuwirken. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Objekte wegen ihrer Empfindlichkeit individuell behandelt werden müssen. Ein wesentlicher Aspekt beim Verpacken der Objekte ist dabei die maßgeschneiderte Unterbringung in Klimakisten mit entsprechenden schützenden Innenleben. Für einen akkuraten Umgang beim Einpacken bedarf es der genauen Kenntnis über Funktion und Aufbau der Geräte. Eine schwierige, umfangreiche Aufgabe, für die wir auf die Unterstützung von Fachleuten angewiesen sind, die weitreichende Vorkenntnisse mitbringen müssen.
Zum anderen ist gerade der Umzug in den Mathematisch-Physikalischen Salon eine große logistische Herausforderung: Zum Beispiel muss besonders darauf geachtet werden, dass das historische Bauwerk des Zwingers bei der Anlieferung durch LKW und Kran nicht beschädigt wird. Darüber hinaus gibt es nur begrenzte Abstellkapazitäten für die oftmals sehr großen Kisten. Da bedarf es viel Konzentration während der Anlieferungs-Vorgänge. Genau deshalb können Objekttransporte auch nur peu á peu geschehen.

Transportkiste des MPS, © SKD

Transportkiste des MPS, © SKD

Viele Objekte der Sammlung stellen allein schon auf Grund ihrer Größe eine logistische Herausforderung dar – ich denke da nur an die Brennspiegel oder Coronelli-Globen.

Genau! Unsere Großgeräte sind gerade wegen ihrer Größe und ihrem zum Teil enormen Gewicht eine Herausforderung in sich. Ihre Kisten lassen sich beispielsweise nicht über den Fahrstuhl in den oberen Ausstellungsraum, den Festsaal, verfrachten – in diesem Fall muss dann ein Kran weiterhelfen. Außerdem holen wir die Objekte aus insgesamt drei räumlich getrennten Depots, die ebenfalls begrenzte Raumkapazitäten besitzen. Bereits beim Einpacken stößt man da an logistische Grenzen.
Auch beim auszuwählenden Transportpartner, einer auf Kunsttransporte spezialisierten Spedition, ist, ähnlich wie beim Einpacken der Objekte, gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen wie sie die momentane Jahreszeit mit sich trägt, die personelle Erfahrung und technische Kompetenz unersetzlich.

Transport in den Zwinger, © SKD

Transport in den Zwinger, © SKD

Gibt es ein Objekt, das aufgrund seiner Eigenschaften eine ganz besondere Herausforderung für Sie darstellt?

Die Renaissance-Automaten wie beispielsweise unsere „Verkehrte Welt“ oder der „Hottentottentanz“ sind im Allgemeinen wegen ihrer Materialkombinationen aus Holz, Textil, Stein und verschiedenen Metallen sehr empfindlich. Gerade die Mechanik der um die 400 Jahre alten Objekte reagiert besonders anfällig auf Erschütterungen und wechselnde Klimabedingungen. Hinzu kommt, dass sie wegen ihrer Größe, ähnlich wie unsere Großgeräte, für den Transport demontiert und auf verschiedene Kisten aufgeteilt werden müssen. Bei ihnen ist also noch einmal eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Konzentration geboten.
Grundsätzlich sind wir aber mehr als zuversichtlich, dass es auch weiterhin so gut funktionieren wird wie bisher und dass alle Objekte unbeschadet ihren Platz in der neuen Ausstellung wieder einnehmen können.

Lieber Herr Holfert, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Restaurator Herr Dr. des Christoph Schölzel im Interview

Dienstag, 17. Juli 2012

Im Folgenden stellen wir die Arbeit des Restaurators Herr Dr. des Christoph Schölzel vor, der in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie Alte Meister und Galerie Neue Meister tätig ist. Zunächst vermittelt Herr Dr. des Schölzel einen Einblick in die restauratorische Arbeit an der “Sixtinischen Madonnavon Raffael. Der zweite Teil des Interviews befasst sich mit allgemeineren Fragestellungen zur Arbeit eines Restaurators.

Hat die “Sixtinische Madonna” Schäden im Verlauf des 2. Weltkrieges erlitten und wenn ja, was genau musste damals restauriert werden?

Nein, das Bild kam 1955 mit dem Protokollvermerk: Zustand “gut. Im Zustand sind keine Veränderungen eingetreten” zurück nach Dresden.

Das Analysieren und Erkunden von Kunstwerken gleicht einer Form der Bildarchäologie. In Ihrer Tätigkeit entnehmen Sie den Bildern auch Proben, um der Zusammensetzung des Firnisses, der Farben und Bindemittel auf den Grund zu gehen. Hat man der “Sixtina” auch Proben entnommen?

Es wurden 1983 ca. 10 winzige Farbproben aus dem Gemälde entnommen, von Prof. Dr. Hans-Peter Schramm in der Hochschule für Bildende Künste Dresden analysiert und von Prof. Karl-Heinz Weber, dem Chefrestaurator der Gemäldegalerie, zweimal publiziert. Weber führte 1983 auch die jüngsten, am Bild vorgenommenen restauratorischen Arbeiten durch.

Was ist für Sie persönlich das ganz Besondere an der “Sixtinischen Madonna”?

Der schwer darstellbare, bedeutungsvolle Inhalt des Bildes ist in einer beeindruckend schlüssigen künstlerischen Weise umgesetzt. Das Bild ist kompositorisch und malerisch mit großer Leichtigkeit hergestellt und es ist deshalb sehr einprägsam. Zugleich führte Raffael seine Malerei mit hoher künstlerischer Raffinesse aus: Die Variationen zu den im Bild auftauchenden reinen Farben Rot, Blau, Grün, Gelb sind nicht bunt, sondern fein abgestuft und sehr differenziert. Auch der ständige Licht-Schatten-Wechsel ist mit beeindruckender Subtilität vorgeführt und trägt dazu bei, die Darstellung sehr plastisch erscheinen zu lassen.

Nun die allgemeinen Fragen zur Restaurierung:

Die Restaurierung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die nur mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Kultur- und Kunstgeschichte zu meistern ist. Wie fühlt es sich an, wenn man den ersten Pinselstrich in einem Gemälde, was über 500 Jahre alt ist, setzt?

Unabhängig vom Alter der Kunstwerke stellt jede etwas umfangreichere Restaurierung in der ihr eigenen Spezifik auch eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar. Dabei sind die Arbeitsschritte, bei denen wirklich mit dem Pinsel auf dem alten Gemälde gemalt werden muss – also die Retuschen – wenig risikovoll, weil wir in der Regel mit sehr leicht wieder entfernbaren Farbensystemen arbeiten. D.h. wenn ein Pinselstrich nicht ganz den Erwartungen entspricht, kann er schnell und völlig gefahrlos wieder entfernt werden.

Verstehen Sie die Restauration als eine künstlerische Leistung oder handwerkliche Tätigkeit? Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Restaurator in zwei bis drei Sätzen.

Im heutigen Verständnis wird Restaurierung als eine wissenschaftliche Tätigkeit aufgefasst, die eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Aspekten spezifisch auf das jeweilige Kunstwerk bezogen, zu einem Zusammenwirken bringen muss. Mit diesen Aspekten sind umfangreiches Wissen über die materielle Struktur des Bildes, über die Geschichte der Maßnahmen am Bild, über Analyseverfahren genauso gemeint, wie die Fähigkeit, aus der Vielzahl der Methoden und Materialien eine für das Objekt günstige Restaurierungskonzeption zu erstellen und diese dann auch praktisch, d.h. oft manuell, zu realisieren. Die manuellen Tätigkeiten, die ich aber auch beim Zahnarzt nicht als Handwerk bezeichnen würde, haben einen bedeutenden Anteil an der Arbeit. Sie erfordern Geschick, Übung, Konzentration und Erfahrung. Künstlerische Aspekte spielen beim Restaurieren meist eine marginale Rolle und beschränken sich oft auf ein unbedingt notwendiges künstlerisches Einschätzungsvermögen des Kunstwerkes.

Welche grundlegenden territorialen Unterschiede gibt es in der Restaurierung?

Diese Unterschiede, die in früherer Zeit oft sehr bestimmend waren, verschleifen sich mit dem internationalen Austausch der Restauratoren und mit einer Internationalisierung und Vereinheitlichung der Restauratorenausbildung. Man kann insofern eher noch persönlich-subjektive Restaurierungsausfassungen der einzelnen Restauratoren im Detail ausmachen. Bei einzelnen Methoden, z.B. dem Aufbau der Retuschen, oder beim Einsatz bestimmter Restaurierungsmaterialien lassen sich ebenfalls noch regionale Unterschiede feststellen.

Was können uns Infrarotreflektografien und Röntgenaufnahmen über die Entstehung von Gemälden erzählen?

Beide zerstörungsfreie, sogenannte strahlendiagnostische Untersuchungsmethoden, liefern vielfältige und auf die ganze Fläche der Aufnahme bezogene Aussagen. Neben Erkenntnissen zum Erhaltungszustand, die besonders für den Restaurator von Interesse sind, bilden beide Verfahren auch in besonderer Weise die Maltechnik der untersuchten Gemälde ab. Anhand der Röntgenaufnahmen können so beispielsweise Aussagen zum Bildträger, zur Grundierung und auch zu bestimmten Farbschichten, bzw. zur Malweise des jeweiligen Künstlers getroffen werden. Mit Hilfe der Infrarotreflektografie hingegen werden vorrangig Befunde zur Unterzeichnungspraxis des Malers erhoben.

Antworten: Dr. des. Christoph Schölzel
Vielen Dank für das Interview!