Eine Woche in der Welt des Trickfilms

Eine Woche lang entführten Martina Großer und Rolf Hofmann von Hylas-Trickfilm Dresden die Teilnehmerinnen der Trickfilm-Werkstatt in die Welt des Animationsfilms – und ich hatte das Glück, nicht nur als Betreuerin, sondern auch als Teilnehmerin dabei sein zu dürfen.

Einleitend erfuhren wir von Rolf ein paar Dinge über die Filmarbeit generell. Er berichtete von den verschiedenen beteiligten Personen wie Drehbuchautoren, Regisseur/innen, Kamerafrauen/Kameramänner, Szenenbildner/innen, Animatoren, Schnittmeister, Tonmeister, usw. Schnell wurde klar, dass das Arbeiten im Bereich des Films bedeutet, im Team zu arbeiten.

Ein lebendiges Denkmal in Dresden

Dann verriet Martina uns das Thema des Workshops: Wir sollten ein lebendiges Denkmal in Dresden schaffen. Nun musste also eine Filmgeschichte her. Zur Starthilfe für die Entwicklung einer Geschichte und der Gestaltung von Figuren, gaben uns Martina und Rolf einige Fragen zur Hand: Für wen oder wofür steht das Denkmal? Wo in Dresden soll es aufgerichtet werden? Wie gelangt es an diesen Ort?  Wie wird das Denkmal geschaffen? Es soll ein lebendiges Denkmal sein, aber was genau tut es? Kommt die Schöpferin des Denkmals in der Geschichte vor?

An den ersten Tagen des Workshops waren wir alle mit der Entwicklung der Filmgeschichte beschäftigt. Die Köpfe rauchten, die Kreativität sprudelte. Denn das Schöne – und daran erinnerten uns Martina und Rolf stets – im Trickfilm ist alles erlaubt!

Kleine Welten und Figuren aus Pappe, Draht und Korken

Der nächste Schritt war die Entwicklung der Figuren und der Szenenbilder. Mit viel Geduld und Liebe zum Detail bauten wir an unseren Figuren und Szenenbildern. Jede gestaltete ihre eigene Welt, jede in ihrem eigenen Tempo. Gebaut wurde aus Pappe, Karton, Draht und Korken. Martina, studierte Bühnenbildnerin, gab hilfreiche Tipps für den Figurenbau und zeigte uns, welche Materialien, wie am Besten einsetzbar sind. Außerdem – und das ist für den Trickfilm essentiell – lernten wir, wie die Figuren auf der Animationsplatte aus Kork mit Hilfe von Eisennadel und Zange rasch und stabil fixiert werden.

Wie spielst du deine Eidechse? Wohin soll der Papierflieger fliegen?

Nachdem die Figuren fertig gebaut waren, mussten sie nun zum Leben erweckt werden. Hierfür führte Rolf, studierter Kameramann, kleine Animationsübungen mit uns durch. Anschließend sprach er mit allen Teilnehmerinnen das Drehbuch durch und notierte den Animationsablauf. Dann ging es weiter zum Dreh, an den extra für den Workshop installierten Animationsplätzen.

Beim Trickfilm muss jede Bewegung durchdacht sein und ganz wichtig: Die Szenenbilder und Figuren müssen gut in der Korkplatte fixiert sein. Denn Trickfilm funktioniert nach dem Prinzip des Daumenkinos: Eine Abfolge von Einzelbildern, die sich minimal unterscheiden, erschaffen eine vermeintliche Bewegung. Es werden also Einzelbilder Stück für Stück gestellt und fotografiert. Das Animieren übernahm die jeweilige Regisseurin, beim Fotografieren assistierten wir abwechselnd – Teamwork eben!

Made by me in Saxony. Denkmal jetzt!

Den Schnitt der Filme und das Anlegen der Tonaufnahmen übernahmen die Profis. Am Sonntag, dem 2. Juli präsentieren wir ab 14 Uhr unseren Film „Made by me in Saxony. Denkmal jetzt!“ mit den einzelnen Trickfilmen! Außerdem können die Besucher/innen in der MakerStube/BastelSpace einen Blick auf die Figuren, Szenenbilder und deren Entwürfe werfen. Keine Sorge, wer am Sonntag keine Zeit hat, der/die kann die Trickfilme demnächst auch im Trickfilm-Kabinett der Sonderausstellung „Made by me in Saxony. Volkskunst jetzt!“ anschauen. Es lohnt sich!

 

Zur Bloggerin:

Sonja Riehn ist Kulturanthropologin und seit Januar 2017 als wissenschaftliche Volontärin im Museum für Sächsische Volkskunst tätig. In ihrem Studium beschäftigte sie sich lange mit der Erinnerungskultur in Kroatien. Die Trickfilm-Werkstatt ermöglichte ihr, sich diesem Thema auf kreative Art und Weise zu nähern.

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Katrin Münzberg: TOQI – Botschafter fiktiver Identitäten

Die Eindrücke der rauen, unberührten Natur Tadschikistans prägen stark die Masterarbeit von Katrin Münzberg. In dem bis zu 7000 Meter aufragenden Pamirgebirge leben seit Jahrhunderten verschiedene Ethnien, die bis heute ihre unterschiedlichen Sprachen, Bräuche und Trachten bewahrt haben. Die Toqi, eine mit prächtigen Farben bestickte Kappe, kennzeichnet hier die Zugehörigkeit zu einer Ethnie. Mittlerweile wird dieses letzte Überbleibsel der Tracht auf dem Hinterkopf zu Jeans und Trainingsjacke getragen.

Mantel: Rutengewebe mit Reaktivdruck, Baumwolle, Viskose | Bluse: Schaftgewebe, Schurwolle, Kaschmirhaar | Hose: Jacquardgewebe, Schurwolle, Leinen; Foto: Franz Grünewald, Model: Sophie Bogdan

In den verschiedenen Regionen Tadschikistans suchte die junge Designerin Katrin Münzberg Kulturwissenschaftler, Museumsbesitzer, Toqi-Näher und –Verkäufer auf und beftragte sie zu Form, Farbe, Ornamentik, Materialität und Stickerei der Toqi. Aus dieser intensiven Auseinandersetzung mit Fragen nach einem Bewahren regionaler Kultur, nach ethnischer Zusammengehörigkeit und identitätsstiftenden Codes kristallisierte sich heraus, dass Identitäten einem ständigen Wandel unterliegen.

Mantel: Rutengewebe mit Reaktivdruck, Baumwolle, Viskose | Bluse: Schaftgewebe, Schurwolle, Kaschmirhaar | Hose: Jacquardgewebe, Schurwolle, Leinen; Foto: Franz Grünewald, Model: Sophie Bogdan

Diese Unbeständigkeit von Identitäten war Ausgangspunkt für die Entwicklung einer eigenen von den Toqi inspirierten Textilkollektion. Dabei symbolisiert jeder einzelne der Stoffe eine fiktive Identität mit einem spezifischen Charkterzug – von tonangebend über gemeinschaftlich bis zurückhaltend -, die durch Farbigkeit, Materialität und Ornamentik ersichtlich wird.

Doppelgewebe in Jacquardtechnik, Schurwolle, recyceltes Leinen, Baumwolle, Muster: traditionell tadschikisch, 93 x 93 cm; Foto: Franz Grünewald

Weitere Links:

Burg Giebichenstein – Forschungsprojekt: http://www.burg-halle.de/design/conceptual-fashion-design/conceptual-textile-design/studienarbeiten/project/botschafter-fiktiver-identitaeten/

Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Textildesign – vom Experiment zur Serie
Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

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Jetzt bewerben: „Provenance Research Exchange Program (PREP)“ 2018

Bis zum 15. September 2017 können sich qualifizierte Interessentinnen und Interessenten für das „Provenance Research Exchange Program (PREP)“ 2018 bewerben.

PREP wird erstmals Museumsfachleute aus Deutschland und den USA, die mit Provenienzforschung und der Erforschung des nationalsozialistischen Kunstraubs befasst sind, für einen dreijährigen systematischen Austausch zusammenführen. Das Programm soll in beiden Ländern dazu beitragen, die Methoden und Kompetenzen der Provenienzforschung zu erweitern und somit die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu unterstützen. Zudem wird das Programm den Rahmen der NS-Provenienzforschung für die NS-Zeit, die sich bisher vorrangig auf Gemälde, Skulpturen und Judaika konzentriert, erweitern und verstärkt asiatische Kunst, Kunstgewerbe sowie Grafik/Arbeiten auf Papier einbeziehen.

Zentrales Anliegen des Projekts ist die Vernetzung der mit Provenienzforschung
befassten verschiedenen Berufsgruppen an Museen und Forschungseinrichtungen,
allen voran der Wissenschaftler/Kustoden in den Museen und der Provenienzforscher. Einbezogen werden auch Archivare, Juristen sowie Spezialisten der digital humanities, also Berufsgruppen, die Provenienzforschung vor Ort in Archiven und Forschungseinrichtungen ermöglichen und unterstützen sowie als Multiplikatoren eine wichtige Rolle spielen. Doktoranden und Volontäre an Museen sind ebenfalls eingeladen
am Austauschprogramm teilzunehmen.

Das PREP soll ein inspirierendes Forum für ein kommendes professionelles Netzwerk bieten: Die Teilnehmer werden jeweils vor Ort verfügbare Quellen, Ressourcen und lokale Experten kennenlernen und erhalten die Möglichkeit, sich zu ihren Forschungsthemen auszutauschen. Ziel des Pro-gramms soll es sein, gemeinsame Forschungsthemen, -desiderate und -ressourcen zu identifizieren ebenso wie verschiedene Methoden und Technologien in den USA und Deutschland kennenzulernen, um so künftige gemeinsame Projekte zu entwickeln und die Ausbildung der nächsten Generati-on von Museumsfachleuten zu befördern. Das PREP wird die Entwicklung einer gemeinsamen Forschungsplattform fördern und einen deutsch-amerikanischen Leitfaden zur Provenienzforschung zum NS-Kunstraub erarbeiten, um die Forschung zu den Kulturgutverlusten zu unterstützen und in beiden Ländern zum Auffinden geraubter Kunstwerke beizutragen.

Die Federführung des Programms haben die Smithsonian Institution, Washington D.C. und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin. Weitere Partner sind das Metropolitan Museum of Art, New York, das Getty Research Institute, Los Angeles, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Zentralinstitut für Kunstgeschichte München. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) wirkt in beratender Funktion mit.

Diese Partner werden in den Jahren 2017 bis 2019 in ihrer jeweiligen Stadt ein einwöchiges Treffen mit Workshops, Besichtigungen und öffentlichen Veranstaltungen ausrichten (New York – Berlin in 2017; Los Angeles – München in 2018; Washington, D.C. – Dresden in 2019). An jeder Station wird PREP eine öffentliche Veranstaltung anbieten, um über die Provenienzforschung an deutschen und amerikanischen Museen zu informieren

Informationen zum Programm, zu den Bewerbungsvoraussetzungen und zum Bewerbungsverfahren findet ihr hier:

PREP Call for Applications 2018

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23.06. – Annegret Lembcke: Die Ikattechnik in Aleppo

Das Ikat ist eine textile Webtechnik, bei der Kett- und/oder Schussfäden in Vorbereitung auf das Weben abgebunden und gefärbt werden, sodass unscharfe Kanten entstehen. Bei diesem Reservemusterungsverfahren werden Garnstränge (Kett- und/oder Schussfäden) aufgespannt und mustermäßig abgebunden, wobei nur die nicht abgebundenen Stellen gefärbt werden. Das Verfahren ist arbeitsintensiv, komplex in der Konstruktion und der Verbindung der einzelnen aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte und erfordert handwerkliche Perfektion, um am Ende ein einzigartiges Gewebe zu erhalten.

Ikatgewebe, 100% Seide, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien, 450 x 88 cm

Das Textilhandwerk in Aleppo geht seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und dem Aufkommen von importierten, westlich orientierten sowie industriell gefertigten Textilien immer stärker zurück.

Morgenmantel, 100% Seide, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien

Mit ihrem Projekt beabsichtigte Annegret Lembcke die Verfolgung von zwei Zielen: zum einen wollte die junge Designerin auf das Kulturgut Textil in Aleppo aufmerksam machen und zum anderen mit der Produktion zweier Ikats in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Handwerkern die Machbarkeit beispielhaft vor Augen führen.

Badetuch, 100% Baumwolle, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien

Als Ausgangspunkt diente das Buch Die Ikattechnik in Aleppo von Reinhard-Johannes Moser (1974), das sich als reiche Quelle zum Erlernen der Technik erwies. Bis zu Annegret Lembckes Projekt war kein Ikatteur mehr in Aleppo tätig. Die Tragik, dass diese Aufbauarbeit nun aufgrund des verheerenden Bürgerkrieges in Syrien in Schutt und Asche liegt und der Gedanke an Normalität weit entfernt scheint, sollte keinesfalls dazu führen, das bereits Entstandene wieder hinter sich zu lassen.

Ikatgewebe, 100% Baumwolle, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien

Weitere Links:

http://www.annegreat.de/ikat.html

https://www.giz.de/de/html/index.html

http://www.burg-halle.de/design/conceptual-fashion-design/conceptual-textile-design/international/

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Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Textildesign – vom Experiment zur Serie
Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

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6-tägige Trickfilm-Werkstatt

Wie wird eine Puppentrickfigur zum Leben erweckt und wie kann sie Geschichten erzählen? Was macht ein Szenenbild aus und welche Rolle spielt dabei das Licht? Was muss ich bei der Gestaltung einer Figur beachten, um ihr Wesen deutlich zu machen?

6-tägige Trickfilm-Werkstatt
im Museum für Sächsische Volkskunst
vom 26. Juni bis 1. Juli 2017

von 10 bis 17 Uhr /von 10-99 Jahren

Wir entwickeln eine Filmgeschichte, entwerfen und bauen Figuren und Szenenbilder und machen jede Menge Animationsübungen. Wir entwickeln ein Lichtkonzept und ergänzen Tonaufnahmen (Sprache, Musik, Geräusche) und Drehen am Ende unseren eigenen Trickfilm.

Am Sonntag, den 2. Juli präsentieren wir von 14- 16 Uhr im Museum für Sächsische Volkskunst der Öffentlichkeit unsere Ergebnisse!

Geleitet wird die Trickfilm-Werkstatt von Martina Großer (Puppengestalterin und Szenenbildnerin) und Rolf Hofmann (Regisseur und Kameramann).
Materialkosten: 30 € pro Person

Anmeldung und Fragen unter:
T +49 (0)351 49 14 2000 oder besucherservice@skd.museum

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Julia Kortus: Material Bienenwachs

In ihrer Masterarbeit machte Julia Kortus auf ein natürliches Material und altbewährten Rohstoff aufmerksam: das Bienenwachs. In dem sie es einer neuen Verwendung außerhalb der traditionellen Nutzung zuführt, schafft sie die Voraussetzung für eine neue Wertschätzung des Bienenwachses. Geleitet von dieser Idee, begab sie sich zunächst in die Welt der Bienen und deckte deren vielfältige Bedeutungs- und Rezeptionsebenen auf, dabei stets der Entschlüsselung von Polemik und Halbwahrheiten auf der Spur.

Photo credit: Armen Asratyan; mit Bienenwachs beschichtetes Gestrick (40x40cm)

Photo credit: Armen Asratyan; mit Bienenwachs beschichtetes Gestrick (40x40cm)

Über die Auseinandersetzung mit der kulturgeschichtlichen Bedeutung von Bienen, ihre Nutzung durch den Menschen und der Schädigungen durch Umwelt und Mensch kam sie zum Material Bienenwachs. Von dessen naturgegebenen Farbnuancen ließ sich die jungen Designerin inspirieren und experimentierte die Verwendung des Bienenwachses in Kombination mit diversen ungefärbten, harmonisierenden Naturmaterialien wie Baumwolle oder Papier.

Photo credit: Armen Asratyan; Drehergewebe mit Bienenwachs  (100x280cm)

Photo credit: Armen Asratyan; Drehergewebe mit Bienenwachs (100x280cm)

Der Duft, die Haptik, der Gedanke an Licht und die dadurch implizierte Wärme, nicht zuletzt die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten ließen bei der Designerin den unbedingten Wunsch zur Anwendung im textilen Kontext aufkommen. Der Aspekt, die Materialien zu trennen und die einzelnen Komponenten wiederzugewinnen, um sie erneut in anderer Form zu nutzen, trat dabei in den Vordergrund. Feine Baumwollgewebe, handgearbeitete Gestricke und Drehergewebe sowie Papiere und geknotete Netze wurden in Bienenwachs getaucht oder mit diesem beschichtet.

photo credit: Armen Asratyan; getauchtes Gestrick (100x280cm)

photo credit: Armen Asratyan; getauchtes Gestrick (100x280cm)

In Folge der Masterarbeit gab es bis heute mehrere Kooperationen zur Verwendung des Bienenwachses als Material in verschiedenen Anwendungsbereichen. Darunter im Rahmen eines Projekt einer Innenarchitektin für ein Raumkonzept und eine kürzlich angelaufene Kooperation mit einer Modedesignerin. Noch immer werden die benötigten Teile dafür von Julia Kortus in Einzelanfertigung und Handarbeit produziert.

photo credit: Armen Asratyan; mit Bienenwachs beschichteter Ausbrenner  (150x280cm)

photo credit: Armen Asratyan; mit Bienenwachs beschichteter Ausbrenner (150x280cm)

Weitere Links:

www.juliakortus.de

Kurzbio Julia Kortus

2006 Studium an der HfBK Hamburg (Design/Textil) | 2008 Studium Textildesign an der Burg Giebichenstein | seit 2013 selbstständig | 2014 M.A. Conceptual Textile Design | 2014 auf div. Messen vertreten Möbelmesse Mailand, DutchDesignWeek | seit 2014 Mitarbeiterin in Forschungsprojekten des Textildesigns Burg Giebichenstein & Lehrbeauftragte für Stricktechnologie.

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Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Textildesign – vom Experiment zur Serie
Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

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Susanne Stern: Organic prints

Textilien bedrucken, ganz natürlich und schadstofffrei – das war das Ziel der Masterarbeit von Susanne Stern. Dabei wurde ein Verfahren mit den dazu notwendigen Druckpasten entwickelt, das es möglich machte auf Basis von Naturfarbstoffen im Handsiebdruck Seide und Baumwolle zu bedrucken. Das Ergebnis war eine erstaunlich breite Farbpalette mit guten Echtheiten.

Auszug aus dem Musterfärbebuch, Fotonachweis: Susanne Stern

Auszug aus dem Musterfärbebuch, Fotonachweis: Susanne Stern

In dem aus der Masterarbeit hervorgegangenen Forschungsprojekt ging es in Folge darum, eine geschlossene Wertschöpfungskette zu erzielen: Zunächst wurden die entwickelten Druckpasten in Zusammenarbeit mit Industriepartnern vom Handsiebdruck in eine industrielle Produktion übersetzt.  Die entwickelten Verfahren wurden genutzt um eine Stoffkollektion zu entwerfen – diese Stoffe sind die Basis für eine Modekollektion.

Beizdrucke auf pflanzengefärbter Seide, Farbunterschiede durch Überlagerung verschiedener Beizen, 100% Seide, 80 x 71 cm und 113 x 102 cm, Fotonachweis: Thomas Ablard

Zu den Industriepartnern des Projektes „Organic Prints“ zählten das Textildruckunternehmen KBC Fashion in Lörrach, das Versandhaus Hess Natur Textilien und der Naturfarbstoff-Extrakthersteller NIG Nahrungsingenieurtechnik.

Susanne Stern, Cochenille Stoff, Fotonachweis: Thomas Ablard

Susanne Stern, Cochenille Stoff, Fotonachweis: Thomas Ablard

In der hochschuleigenen Textilwerkstatt wurde an unterschiedlichen Parametern geforscht und Testreihen durchgeführt. Das Textildruckunternehmen KBC Fashion in Lörrach führt industrielle Testreihen mit den erarbeiteten Ergebnissen durch und soll am Ende eine Stoffkollektion produzieren. Diese soll von Hess Natur Textilien für eine Modekollektion eingesetzt. Begleitend zur Kollektion sollen außerdem zwei Farbfächer – einer für proteinische, einer für zellulosische Fasern – entstehen, die es auch anderen Nutzern ermöglichen soll, nach Abschluss des Projektes mit den Druckpasten zu arbeiten. (Quelle: burg-halle.com)

Susanne Stern, Bluse mit Krappdruck von Naturfarbstoff, Fotonachweis: Susanne Stern

Susanne Stern, Bluse mit Krappdruck von Naturfarbstoff, Fotonachweis: Susanne Stern

Weitere Links:

Burg Giebichenstein – Forschungsprojekt: http://www.burg-halle.de/design/conceptual-fashion-design/conceptual-textile-design/forschung/

Hess Natur Textilien: www.hessnatur.com/de/
KBC Fashion: www.kbc.de
NIG Nahrungsingenieurtechnik: http://www.nig-magdeburg.de/

Fachagentur nachwachsender Rohstoffe e.V.: www.fnr.de

Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Textildesign – vom Experiment zur Serie
Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

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Lara Wernert: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht

Textildesign – vom Experiment zur Serie

Ausstellung des Kunstgewerbemuseums
in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

 

Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir ab dem 02.06.2017 die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Heute: Lara Wernert: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht

Nadelfilzflächen aus Wollresten industrieller Produktion, 100% Wolle, rechts 85 x 100 cm, links 72 x 134 cm (aus dem Projekt: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht)

Nadelfilzflächen aus Wollresten industrieller Produktion, 100% Wolle, rechts 85 x 100 cm, links 72 x 134 cm (aus dem Projekt: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht)

Mit ihrem Projekt Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht experimentierte die Designerin Lara Wernert zunächst mit der Weiterverarbeitung von wollenen Webkanten, einem Abfallprodukt der Textilindustrie, zu eigenständigen Textilien. Aus einer ideellen Auseinandersetzung mit dem Konsumverhalten und materiellen Überfluss im 21. Jahrhundert resultierte im Jahr 2015, gemeinsam mit Tina Wendler, die Gründung der Teppichmanufaktur 13rugs. Die Manufaktur widmet sich als Tochterfirma des traditionsreichen Unternehmens rohi nach wie vor der nachhaltigen Produktion von hochwertigen und individuellen Teppichunikaten.

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Im Kontext des heutigen Konsumverhaltens und des materiellen Überflusses setzen die Fragen, ob Design als Konsumprodukt überhaupt konsumkritisch sein kann und ob es einen Zusammenhang zwischen emotionaler Überforderung (Stress) und materiellen Überfluss gibt, theoretische Ausgangspunkte für die Untersuchung, die von Lara Wernert in Hong-Kong durchgeführt wurde. Ein kreativer Ansatz war der Gedanke des Resteessens, d.h. aus essbaren Überresten schmackhafte Gerichte zu kreieren. In Hongkong beobachtete sie die hotpot Esskultur, bei der aus kleinsten Zutaten ein großes Mahl wird. Davon inspiriert und gleichzeitig schockiert von dem Umgang mit den Massen an Produktionsresten der textilen Ketten, entstand der Wunsch bei Lara Wernert, diesem Zustand entgegenzuwirken. Die Verwertung von Resten rückt ins Zentrum der praktischen Arbeit – etwas Gutes aus Abfallmaterial zu erzeugen – gut als etwas, das schön gestaltet und wieder in den Kreislauf eingefügt werden kann.

 

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Die Wahl fiel auf wollene Webkanten, die im industriellen Prozess im Regelfall entsorgt oder für minderwertige Reißwollprodukte genutzt werden. Diese wurden im Rahmen des Projektes von Lara Wernert mittels der Technologie des Nadelfilzens aufgewertet. Die Vernadelung der Webkanten benötigt dabei kein Wasser, lediglich eine entsprechende Positionierung der Streifen und eine minimale Fixierung. Das Endprodukt bleibt ein Monomaterial aus 100% Wolle.

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

In der Gesamtauswertung der Erkenntnisse werden dabei Ideen des Upcyclings (Wiederverwertung, Aufwertung, Langlebigkeit) kritisch betrachtet und ein anderer Umgang mit Materialien aufgezeigt. Auf dieser Basis stellen sich die Kernfragen nach dem Einfluss gesellschaftlicher Parameter auf die Wahrnehmung und nach den Zukunftspotenzialen der Nutzung von Material, das eigentlich seinen Zweck erfüllt hat.
Ihre Vision fand sowohl unter Kolleginnen und Kollegen, als auch auf einem nachhaltig und ökologisch reflektierten Markt schnell anklang. Deshalb gründete die junge Designerin im Jahr 2015 mit Tina Wendler unter dem Dach von rohi das Subunternehmen 13rugs, das sich der Weiterentwicklung ihres mehrstufigen Filzverfahrens widmet und heute individuelle Objekte produziert, die nachhaltig und einzigartig sind. Die Vision, dass der nachhaltige Gestaltungsansatz in der Textilindustrie Anwendung finden könnte, ist durch die Zusammenarbeit mit rohi Realität geworden.
Jeder Teppich wird in kunstvoller Handarbeit aus den Webkanten der Wollweberei rohi zu faszinierenden Teppichunikaten verarbeitet: „Kunstwerken für den Boden. Durch ihre Wärme und Wertigkeit sind sie Oasen des Wohlfühlens und unterstreichen als spannender Akzent im Raum die Individualität ihres Besitzers.“ (13rugs.com)

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Lara Wernert

Die 1986 geborene Berlinerin studierte Modedesign an der HTW Berlin und Conceptual Textile Design an der Burg Giebichenstein in Halle. Ihre Arbeiten vereinen ruhige Bodenständigkeit mit kreativer Spontaneität und sind geprägt von nachhaltigen Designansätzen und der Vision geschlossener Textilkreisläufe in der Industrie. (13rugs.com)

Weitere Links:
http://www.13rugs.com/
https://www.facebook.com/lara.sohreh
http://www.sohreh-design.de/
https://www.youtube.com/watch?v=fXjO226V0Oc

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Textildesign – vom Experiment zur Serie

Ausstellung des Kunstgewerbemuseums

in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Schloss Pillnitz, Wasserpalais

1. Juli 2017 bis 1. November 2017

Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir Euch die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Im Mittelpunkt der Ausstellung »Textildesign heute – Vom Experiment zur Serie« stehen der Umgang mit dem Werkstoff Textil und dessen vielfältiger Gebrauch. In exemplarischen Arbeiten des Studiengangs Textil der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ebenso wie in Beispielen aus der industriellen Produktion vermittelt das Kunstgewerbemuseum einen umfassenden Überblick über Gestaltung und Verwendung von textilen Produkten: Das Panorama der ausgestellten Objekte erstreckt sich von innovativen und nachhaltig produzierten Stoffen aus recycelten Kunststoffen und natürlichen Rohstoffen über 3D-gedruckte Bekleidung und funktionsorientierte Smart Textiles. Künstlerisch-experimentelle Auseinandersetzungen mit Traditionen, anderen Kulturen oder Techniken bilden das Gerüst der methodischen Herangehensweisen, die zu wegweisenden Lösungen führen, die in der Ausstellung zu sehen sind.

 

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Wissenschaftler auf Reisen – Magdalena Kozar in Japan

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Diese außergewöhnliche Gruppe japanischen Porzellans ist Gegenstand eines großen Restaurierungsprojektes: Dank der großzügigen Unterstützung und Kompetenz des National Research Institute for Cultural Properties, Tokyo (TOBUNKEN) konnte die Restaurierung einer sogenannten Vogelbauervase ins Auge gefasst werden. Magdalena hat den Restaurierungsprozess für uns in Tokyo begleitet, um von den Spezialisten aus dem Ursprungsland der Vasen zu lernen.

Hier kommt Teil 1 des Berichts über ihre Erfahrungen rund um die Restaurierung in Tokyo.

ARITA

Bevor das Restaurierungsprojekt mit der Vogelbauervase in Tokyo begonnen hat, wollte ich die Stelle besuchen, wo diese besondere Vase vor 300 Jahren geschaffen wurde. Das Jahr 2016 war dafür eine einzigartige Gelegenheit. Im November 2016 hat nämlich die Stadt Arita das 400. Jubiläum der Porzellanproduktion gefeiert. Das war ein besonderer Anlass den Herstellungsort der Vogelbauervasen und vieler anderer Stücke aus der Porzellansammlung in Dresden zu besuchen.

In Arita, einer kleinen Stadt auf Kyushu, der südlichen Insel Japans, hat man den Eindruck dass die Zeit stehengeblieben ist. Durch das Porzellanfestival ist die Stadt für eine Woche etwas lebendig geworden. Aus Anlass dieses Jubiläums wurden in Arita viele Veranstaltungen organisiert und auf der ungefähr vier Kilometer langen „Porzellanstraße“ konnten die Besucher viele kleine Keramikgeschäfte und Manufakturen besuchen.

Die 400-jährige Tradition der Keramikherstellung ist stark mit dem Izumiyama Steinbruch verbunden, wo durch die Jahrhunderte der Hauptbestandteil des Porzellans – das Kaolin, abgebaut wurde. Wenn man heute die nahezu erschöpften Bestände sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass das vor ein paar hundert Jahren ein großer Berg war.

Viele interessante Stücke, unter anderem Porzellanobjekte mit Lackverzierungen die den Dresdener Objekten sehr ähnlich sind, kann man sich im Kyushu Keramikmuseum ansehen.

Wenn die Ahornblätter rot geworden sind, sieht das Porzellan aus Meissen im Garten des Museums besonders beeindruckend aus.

Die Reise nach Arita konnte aber nicht abgeschlossen werden, ohne einen interessanten Ort zu sehen, der sehr stark mit Dresden verbunden ist. Entfernt von der Stadt und von Bergen umgeben befindet sich der Porzellan-Park Arita, dessen größte Attraktion ein Japanischer Nachbau vom Dresdener Zwinger ist. Das merkwürdige Gebäude wurde in den 90er-Jahren als eine Hommage auf den leidenschaftlichen Arita-Porzellansammler August den Starken errichtet. Die etwas verkleinerte Kopie ist aber auf das Kronentor mit den beiden Langgalerien und die angrenzenden Pavillons begrenzt. Anstatt des lärmenden Postplatzes, kann man hier eine schöne friedliche Landschaft genießen. Im Japanischen Zwinger, genauso wie in Dresden, gibt es eine Porzellansammlung zu sehen.

In der Nähe vom Zwinger befindet sich ein traditioneller Brennofen, was eine gute Vorstellung gibt, auf welche Art und Weise die Vogelbauervasen gebrannt worden sind.

Auf dem Weg zum Zwinger findet man auch andere Akzente aus Deutschland –in der Mitte von Nirgendwo steht eine Miniatur vom Brandenburger Tor.

Ungefähr 15km entfernt von Arita liegt die Hafenstadt Imari, wo während der Edo-Zeit Porzellan verschifft wurde. Von dort aus sind bestimmt auch die Lackvasen nach Europa gekommen.

Aus Arita ging es weiter nach Tokyo, wo im National Research Institute for Cultural Properties Tokyo (Tobunken) die Vogelbauervase restauriert wird.

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Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس


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Ein Prunkzimmer kehrt zurück - drei fertig restaurierte Wände des Damaskuszimmers sind erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 in ihrer originalen Farbigkeit zu sehen

Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Nach drei Jahren intensiver Arbeit eines deutsch-syrischen Restauratorenteams ist es endlich soweit: Drei Wände und die Decke des Damaskuszimmers sind dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation GmbH und die Gerda Henkel Stiftung fertig restauriert! Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farben lagen jahrzehntelang unter dicken Schichten von Staub, Schimmel, dunklen Leim- und Firnisüberzügen verborgen und sind nun erstmals seit dem Verkauf des Zimmers nach Deutschland 1899 wieder in ihrer originalen Pracht zu sehen. Seit wenigen Tagen sind drei Wände des Zimmers aufgerichtet und vermitteln einen einzigartigen Eindruck von der Kunstfertigkeit und Eleganz Damaszener Innenarchitektur. Das Spiel des Lichts auf den unterschiedlich glänzenden und glitzernden Oberflächenverzierungen zeugt von der raffinierten Dekorationstechnik dieser Prunkzimmer, die im Damaskus des 18. und frühen 19. Jahrhunderts zu hoher Meisterschaft gelangte und den Reichtum, erlesenen Geschmack und gehobenen sozialen Status der Bauherrn reflektierten.
Zwischen 5. März und 4. Juni 2017 ist das Damaskuszimmer an elf Sonntagen jeweils von 13:00 bis 17:00 Uhr exklusiv geöffnet. Sonderveranstaltungen und Vorträge laden zu abwechslungsreichen Entdeckungstouren ein – und es ist wohl einmalig in der Welt, dass man ein solches Zimmer auch von der Rückseite sehen kann. Nun wartet nur noch die letzte Wand auf ihre Restaurierung, um das Zimmer zu vollenden.

Beginn der Montage des Damaskuszimmers an die neue Unterkonstruktion © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Beginn der Montage des Damaskuszimmers an die neue Unterkonstruktion

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Das Damaskuszimmer wächst und wird allmählich zum Raum © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Das Damaskuszimmer wächst und wird allmählich zum Raum

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Museumstechniker bei der Montage der Fensterwand – Hagen Friede, Cai Schneider und Matthias Koalick © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Museumstechniker bei der Montage der Fensterwand – Hagen Friede, Cai Schneider und Matthias Koalick

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Fensterwand ist erstmals seit 1899 wieder vollständig montiert © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Fensterwand ist erstmals seit 1899 wieder vollständig montiert

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Drei Wände sind aufgerichtet – das Zimmer ist zurück © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Drei Wände sind aufgerichtet – das Zimmer ist zurück

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Rückseiten der Paneele erzählen detailreich von der  Geschichte des Zimmers – alte Wasserschäden, geheimnisvolle Nummerierungen, jede Menge Werkzeugspuren © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Rückseiten der Paneele erzählen detailreich von der Geschichte des Zimmers – alte Wasserschäden, geheimnisvolle Nummerierungen, jede Menge Werkzeugspure

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Farbenpracht und Dekorfülle laden zum Schwelgen ein © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Farbenpracht und Dekorfülle laden zum Schwelgen ein

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

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