Unikate – Gemeinsam Einzigartig

13. August 2015

Zum Abschluss der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ und der ihr gewidmeten Blogserie folgt heute unsere letzte Hintergrundgeschichte. Am Sonntag, den 16. August, endet die Schau!

Die ausgestellten Unikate im gleichnamigen Themenbereich stehen in mehrerlei Hinsicht für sich. Sei es, dass sie künstlerisch außergewöhnlich sind, die letzten ihrer Art repräsentieren oder von besonderem historischem Wert sind.

Wenn man den Ausstellungsraum betritt, fällt einem sofort eine direkt gegenüberliegende, hoch oben an der Wand angebrachte Stubentüreins Auge. Durch die schräge Öffnung wird ein dahinterliegender Spiegel sichtbar, dieser lässt einen Zugang zu einem weiteren Raum vermuten. Diese Symbolik weist auf den einstigen Zugang zur Hochschule für Bildende Künste. Dennoch bleiben die Fragen offen: Ist es wirklich eine Türe? Oder ist es lediglich ein verziertes Stück Holz? Türband, Beschläge und Rahmen fehlen. Ähnlich wie die dissoziierten Uhrzeiger und Uhrgehäuse steht dieses 202*76 cm große Objekt seiner Funktion enthoben auf einmal seltsam isoliert im Raum. Die Tür, die am 12. Januar 1876 und damit noch vor der Eröffnung des Kunstgewerbemuseums am 15. September 1876 zum Preis von 54 Mark aus dem Hamburger Kunsthandel angekauft worden war, ist ein interessantes Zeugnis der Sammelpolitik des Kunstgewerbemuseums während dessen Gründungsphase. Als Fragment, ohne Rahmen und selbst mit fehlenden Füllungsfeldern – nur eines von ursprünglich vier ist erhalten – schien sie dem Museum dennoch sammlungswürdig. Ausschlaggebend dafür müssen die reichen Schnitzereien des Rahmenbandes gewesen sein, die den Studenten der Kunstgewerbeschule als Anschauungsmaterial dienen sollten. Angezweifelt werden muss jedoch die ursprüngliche Datierung in das 16. Jahrhundert: Die Gestaltung des Füllungsfeldes lässt eher an das 17. Jahrhundert denken. Fragen wirft das Türschloss auf, das eine eigenwillige Konstruktion aus Riegel und Schlüsselschild darstellt: Da das Schloss nur flächig aufliegt und nicht durch das Türblatt hindurchgeht, war die Tür nur von einer Seite aus zu öffnen.

Ausstellungsansicht: #2703 Tür / Unbekannter Künstler, Holstein (?), 17. Jh. (?) © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht: #2703 Tür / Unbekannter Künstler, Holstein (?), 17. Jh. (?) © SKD, Foto: Amac Garbe

Läuft man auf diesen Blickfang zu, kommt man nicht umhin einem ungewöhnlich gebauten Tisch seine Aufmerksamkeit zu schenken. Doch dieser erweist sich bei genauerer Betrachtung als eine Kunstkammer im Kleinen: In den im Korpus verborgenen acht Schub- und Einsatzkästen befinden sich perfekt eingepasst mehr als 200 Einzelteile: unter anderem Apotheken-und Badergerät, Schreibzeug, Spiele, wissenschaftliche Instrumente und ein Virginal. Das Kabinett weist in seiner einzigartigen Formidee und seinen Teilen frappierende Parallelen zu dem großen Kunstkammer-Kabinett in Uppsala sowie dem Pommerschen Kunstschrank (Berlin) auf, die beide vom Augsburger Kaufmann und Diplomaten Philipp Hainhofer (1578 –1647) konzeptioniert und unter Mitarbeit verschiedenster Augsburger Kunsthandwerker ausgestattet worden waren. Trotz fehlendem schriftlichen Nachweis deuten Konzeption und Umsetzung auf eine Autorenschaft Hainhofers hin. Das Tischkabinett und seine Ausstattung werden erstmals im nach 1732 erstellten Inventar der Dresdner Kunstkammer erwähnt. Nach Auflösung der Kunstkammer wurde das Stück 1832 dem Historischen Museum übereignet und im Zuge der Neuordnung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1958 dem Kunstgewerbemuseum übergeben. Seit 2010 laufen intensive Forschungen, die das Kabinett als Ganzes sowie seine spannenden Einzelteile untersuchen.

#47714 Kunstkammerkabinett in Form eines Tisches / Konzeption: Philipp Hainhofer (zugeschr.); Kistler: Ulrich Baumgartner (zugeschr.), um 1630

#47714 Kunstkammerkabinett in Form eines Tisches / Konzeption: Philipp Hainhofer (zugeschr.); Kistler: Ulrich Baumgartner (zugeschr.), um 1630

Vom Eingang kommend, rechter Hand ist ein Tisch mit einer aus verschiedenfarbigen Stein- und Marmorsorten mit Blumen, Früchten, Vögeln und Insekten verzierten, außergewöhnlich wertvollen Platte zu sehen. Bei der in Pietra dura-Technik gefertigten Tischplatte handelt es sich um eine Florentiner Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts. Pietra dura (ital. „harter Stein“) bezeichnet die Kunst der Verlegung von Bildern und Ornamenten mit Plättchen aus harten Steinsorten wie Achat, Chalcedon, Jaspis, Lapislazuli, Marmor, Perlmutt und Koralle. Das vom sächsischen Kurfürsten als Käufer um 1780 beauftragte Tischgestell im Louis XVI.-Stil entspricht dem Zeitgeschmack am Hof und nicht dem Stil der prächtigen Platte. Der Tisch wird 1786 im Inventar der kurfürstlichen Gardemeuble Dresden aufgeführt und 1793 in das Lustschloss Pillnitz übernommen. Die herausragende Bedeutung des Tisches zeigen zwei Vergleichsbeispiele: Ein offenbar sehr ähnlicher, seit 1945 vermisster Pietra dura-Tisch befand sich im Historischen Grünen Gewölbe Dresden und ist als Kriegsverlust zu verzeichnen. Das zweite Vergleichsbeispiel, nahezu identisch mit dem Pillnitzer Tisch, befindet sich im Musée du Louvre, Paris, und stammt aus der Sammlung des Kardinals Mazarin (1602 –1661), die nach dessen Tod von König Ludwig XIV. (1638 –1715) übernommen wurde.

Ausstellungsansicht: #47899 Wandtisch / Unbekannter Künstler, Florenz, frühes 17. Jh. (Platte), Sachsen, 1780–90 (Gestell) © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht: #47899 Wandtisch / Unbekannter Künstler, Florenz, frühes 17. Jh. (Platte), Sachsen, 1780–90 (Gestell) © SKD, Foto: Amac Garbe

Die falsche Blume – Geldsack

07. August 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“. Die Schau kann noch bis zum 13. September im Wasserpalais in Pillnitz bestaunt werden.

Heute setzen wir die Reise fort und begeben uns an die Stelle der Geschichte, in der Lore die Manufaktur von Louis Meiche aufsucht. Der Blumenfabrikant wird von seinen Angestellten heimlich „Geldsack“ genannt. Diesen Reichtum repräsentiert auch die Einrichtung der zweiten Szene. Eine aufwendig gearbeitete Tapete, Stühle aus hochwertigem Holz und ein Tisch gedeckt mit einem edlen Tafelservice.

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die zweite Szene „Geldsack“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Geldsack“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Der Barhocker „Devon“, der links in der Ecke des Raumes zu sehen ist, stammt aus der Manufaktur Sitzmöbelhandwerk Oelsa eG. In den Meisterwerkstätten werden Stühle und Tische aller Art sowie Kleinmöbel auf Kundenwunsch handwerklich gefertigt und repariert. Seite über 50 Jahren führt die Genossenschaft damit die Stuhlbauer-Tradition der Rabenauer Gegend fort. Die Produktionsgemeinschaft ist ein Verbund von Stuhlbauern, Holzbildhauern, Flechtern, Polierern und Polsterern und wurde 1958 von 55 Meistern gegründet. Heute bewahren 9 Mitglieder mit 29 Beschäftigten die Handwerkskunst. Ihre Produkte und Dienstleistungen werden seit 1998 unter der Marke „Die Meister des Stuhlbaus. Traditionell in Sachsen®“ geführt.

Für die Konstruktion fertigt der Stuhlbauer zunächst Schablonen an. Mit der Bandsäge, Hobel- und Fräsmaschinen werden die einzelnen Gestellteile dann hergestellt. Diese werden durch Zapfen- und Dübelverbindungen unter Zuhilfenahme von Zwingen verleimt und anschließend an den Verbindungsstellen verputzt. Darauf folgen aufwändige, von Hand ausgeführte Schleifarbeiten, um die Form der Rundungen zu modellieren.

Die mit aus Blattmetall gearbeiteten Blumen verzierte Tapete „Dresden“ wurde in der Welter ® Manufaktur für Wandunikate hergestellt. Das Unternehmen fertigt seit seiner Gründung vor über 30 Jahren von Ulrich Welter in Berlin hochwertige Wandbekleidung. So statteten Sie bereits zu verschiedenen Gelegenheiten beispielsweise Boutiquen von Chanel, Waldorf Astoria Hotels oder die Golden Globes aus. Die Manufaktur bietet hauseigene Kollektionen von handgearbeiteten Tapeten und Wandpaneelen sowie Maßfertigungen für Firmenkunden. Dabei kommen vielfältige Materialien und Techniken zum Einsatz. Neben Blattmetall werden auch Perlen, Kristalle, Minerale und Glas verarbeitet.

Im ersten Schritt zur Tapete wird das Blumenmotiv für die Übertragung in ein rapportfähiges Muster umgewandelt. Rapportfähig ist ein Einzelteil dann, wenn es in alle Richtungen unendlich angeordnet werden kann. Dann wird die eigens angemischte, dunkelblaue Grundierung auf die Tapetenbahnen aus Vlies aufgetragen. Darauf wird in einem Siebdruckverfahren das Blumenmuster in Spezialkleber aufgedruckt. Auf diesen wird schließlich von Hand Blattmetall in Silber aufgelegt.

Auflegen des Blattmetalls von Hand © Welter ® Manufaktur für Wandunikate

Auflegen des Blattmetalls von Hand © Welter ® Manufaktur für Wandunikate

Im zweiten Druckvorgang wird auf das Muster eine Patinierung aufgebracht – so entsteht eine künstliche Schicht, die in Farbe und Muster Alterungserscheinungen des Materials und damit eine historisch gewachsene Hochwertigkeit nachahmt. Nachdem alles getrocknet ist und die Klebeverbindungen stabil sind, werden in einem dritten Druckdurchgang die Konturen des Musters aufgedruckt.

Die drei Gläser „Klimax“, die auf dem Tisch zu sehen sind, stammen aus der Kristallglasmanufaktur Theresienthal GmbH. Dort arbeiten seit 1836 Glasmacher, Schleifer, Graveure, Maler und Handwerker weiterer Fachberufe des Glasgewerbes. Sie verfügen über großes Wissen und Erfahrung, die sie für die Herstellung wertvoller Gläser benötigen. Viele Arbeiter sind schon seit Jahrzehnten und nicht wenige in vierter, fünfter Generation in Theresienthal tätig. Sie stellen ihre Gläser nach wie vor ausschließlich in Handarbeit und vollständig vor Ort her – so können sie die hohe Qualität des Endprodukts garantieren.

Nach der Anfertigung des Holzmodels entnimmt der Glasmacher dem Ofen einen Glasklumpen und bringt diesen mittels Blasen, Drehen und gezielter Kühlung in die Form des Trinkglases. Am schwierigsten ist hierbei die Fertigung des Bodens und des Stieles. Auf der erkalteten Glasoberfläche wird dann das Blumenmuster zuerst angezeichnet. Anschließend arbeitet der Graveur an einem maschinell angetriebenen Diamantgravurrad freihändig das vorgezeichnete Muster heraus.

Freihändiges einarbeiten des Musters mithilfe eines Diamantgravurrads © Kristallglasmanufaktur Theresienthal GmbH

Freihändiges Einarbeiten des Musters mithilfe eines Diamantgravurrads © Kristallglasmanufaktur Theresienthal GmbH

Weitere Mitwirkende Manufakturen in dieser Szene waren unter anderem Heinz Möbelbau in Handarbeit, Jende Posamenten Manufaktur, Meissen Couture ®, Rohleder Möbelstoffweberei GmbH, Weissfee GmbH und Gotthard-Glas, diese werden wir in einem der kommenden Beiträge vorstellen oder wurden bereits vorgestellt.

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.

 

 

 

Eine Schale grüner Tee zum Klang der Zither

05. August 2015

Im Rahmen der Museumsnacht am 11. Juli 2015 lud die Porzellansammlung zu einer besonderen Veranstaltung ein: der Verköstigung von grünem Tee zum Klang von traditioneller chinesischer Musik. Frau Ruoming Wu aus Heidelberg unterhielt die Gäste mit dem Spiel von Brett-Zither und Flöte, während TeeGschwendner Dresden freundlicherweise zwei Teesorten zum Probieren zur Verfügung stellte.

Frau Wu beim Spiel der chinesischen Griffbrettzither (Guqin - 古琴) © SKD

Frau Wu beim Spiel der chinesischen Griffbrettzither (Guqin - 古琴) © SKD

… und der Kalabassen Flöte (Hulusi -葫芦丝) © SKD

… und der Kalabassen Flöte (Hulusi -葫芦丝) © SKD

Nach einer Einführung in die Geschichte der Teekeramik in Ostasien, vorgestellt von Konservatorin Cora Würmell, konnten sich die Besucher unterschiedliche Formen von Teeschalen und die damit verbundenen Funktionen erklären lassen.

Konservatorin Cora Würmell gibt den interessierten Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Teekeramik Ostasiens © SKD

Konservatorin Cora Würmell gibt den interessierten Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Teekeramik Ostasiens © SKD

Zur besseren Veranschaulichung wurden ausgewählte Objekte aus den Beständen der Porzellansammlung gezeigt.

Ausgewählte Objekte aus den Beständen der Porzellansammlung: Bei den beiden äußerden schwarzen Schalen handelt es sich um zwei Gefäße aus dem 12.-14.Jh. aus China. In der Mitte dieser Gefäße befindet sich eine eine japanische Raku-Schale aus dem frühen 19. Jh.. Im unteren Teil des Bildes ist eine yankou-wan Schalen zu sehen. © SKD

Ausgewählte Objekte aus den Beständen der Porzellansammlung: Bei den beiden äußerden schwarzen Schalen handelt es sich um zwei Gefäße aus dem 12.-14.Jh. aus China. In der Mitte dieser Gefäße befindet sich eine japanische Raku-Schale aus dem frühen 19. Jh.. Im unteren Teil des Bildes ist eine yankou-wan Schalen zu sehen. © SKD

Hierbei handelte es sich um zwei Gefäße aus China des 12. -14. Jh. sowie um eine japanische Raku-Schale aus dem frühen 19. Jh. Der ästhetische Reiz dieser Teeschalen zeichnet sich nicht nur durch die schlichten bzw. ausdrucksstarken Formen aus, sondern auch durch die faszinierenden und subtilen Glasureffekte dieser schwarzanmutenden Keramiken, die den höchsten Ansprüchen damaliger Teezusammenkünften entsprachen. So genossen nicht nur japanische Shogune sondern bereits der chinesische Kaiser Huizong (1082-1135) grünpulverisierten Grüntee (matcha 抹茶 ) aus sogenannten yankou-wan Schalen, die wie das exquisite Dresdner Gefäß eine silbrig glänzende Hasenfell-Zeichnung aufweist. Der weiß aufgeschäumte Tee wird durch den Kontrast der dunklen, leicht silbrig schimmernden Glasurfarbe ausgezeichnet zur Geltung gebracht. Dahingegen wurde die kleine Seladonschale mit Untersatz, die zu den Meisterwerken Goryeo-zeitlicher Keramik (Korea, 918–1392) zählt, für Aufgüsse aus Blatt-Tees  wie auch zum Genuss alkoholischer Getränke verwendet.

Im Anschluss erläuterte Frau Lysann Werner von TeeGschwendner die Geschichte des Tees und die Herstellung verschiedener  Teesorten © SKD

Im Anschluss erläuterte Frau Lysann Werner von TeeGschwendner die Geschichte des Tees und die Herstellung verschiedener Teesorten © SKD

Der Matcha-Tee wird auch in der japanischen Teezeremonie verwendet. Nach dem Aufgießen in einer Teeschale schlägt man die Flüssigkeit mit einem Bambusbesen auf, bis sich eine tiefgrüne Schaumschicht bildet. Die zweite Teesorte, die man kosten konnte, war ein Blatt-Tee aus Süd-Korea (Seogwang Sencha). Hierbei wurde deutlich, dass nicht nur ein hochwertiger Tee, sondern auch gutes Wasser sowie die richtige Wassertemperatur (80°C) und Ziehzeit (2 Minuten) für die Herstellung einer schmackhaften Schale Tee entscheidend sind.

Matcha-Tee © SKD

Matcha-Tee © SKD

Außerdem hatten die Gäste nach der Vorführung die Möglichkeit, die Teeschalen der Porzellansammlung nach der Vorführung aus nächster Nähe zu betrachten und sich mit der Konservatorin über deren Verwendung und Aussehen auszutauschen. Alles in allem war die Museumsnacht auch in diesem Jahr für die Porzellansammlung ein voller Erfolg.

Wir bedanken uns bei allen, die die Museumsnacht mitgestaltet haben.

Text und Bilder: Sonja Simonis

Die falsche Blume – Blümelstube

24. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“. Wir nehmen Euch mit auf eine Reise durch die Sage der Lore, die Ausstellung ist in einzelne Szenen der Geschichte gegliedert und erzählt so fortlaufend von den Erlebnissen der Lore. Jeder Szenenbereich wurde eigens für die Ausstellung von Hermann August Weizenegger designt, teilweise wirkte er zusammen mit verschiedenen regional und überregional ansässigen Manufakturen an der Umsetzung mit. Einzelne Manufakturen und ihre Arbeiten stellen wir euch sukzessiv hier vor.  Wir beginnen mit der Anfangsszene – Der Blümelstube:

Die Gestaltung erinnert an eine rustikale Bauernstube und nimmt somit Bezug auf das Heim von Lore und ihrer Großmutter. An diesem Ort entwirft Lore ihre sonderbare Blume, daher sind im Hintergrund, an der Wand, verschiedene Blümelmaterialien zu erkennen, auf dem Tisch findet man einzelne Werkzeuge, die man für die Herstellung von Kunstblumen benötigt.

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die erste Szene „Blümelstube“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Blümelstube“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Die Leuchte namens „Große Lore“ sowie die drei Kunstblumen wurden in Zusammenarbeit der beiden Manufakturen „Deutsche Kunstblume Sebnitz“ und „PTZ- Prototypenzentrum GmbH“ produziert.

Die Blütenblätter wurden von der Manufaktur „Deutsche Kunstblume Sebnitz“ gefertigt. Sie zählt zu den wenigen Manufakturen weltweit, in denen noch heute hochwertige künstliche Blumen in traditioneller Handarbeit hergestellt werden. Bereits seit über 180 Jahren ist dieses Handwerk in Sebnitz an der böhmischen Grenze zu Hause. Die faszinierende Tradition der Sebnitzer Seidenblumenherstellung mit ihren aufwändig gefertigten Kunstwerken ist bundesweit und über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Täuschend echte Blüten und Blätter werden für Theater und Film, für Modeschöpfer und Events, für Privatpersonen und Firmen nach individuellen Vorstellungen hergestellt.

Die Herstellung einer Kunstblume beginnt mit dem Einfärben. Besondere Sorgfalt erfordern die Eigenheiten der Farben und Stoffe. Die Farbe muss genau getroffen werden und aus den vorrätigen Grundfarbstoffen zu mischen sein. Dann werden die Schattierungen und Maserungen von Hand aufgebracht.

Nachdem die Blüten mittels Stanzeisen aus dem Stoff gestanzt wurden, erhalten sie durch heiße Prägeeisen ihre natürliche Optik. Danach kommt es zur eigentlichen Binderei, dem Blümeln, indem alle vorgefertigten Einzelteile zu Blumen zusammengebunden werden.

Das Innenleben und die Fassung der Blume wurden von der PTZ-Prototypenzentrum GmbH in einem aufwändigen 3D-Druckverfahren hergestellt.

In der 1996 gegründeten Manufaktur fertigen 17 Mitarbeiter mit modernsten Technologien Erstmodelle, Werkzeuge und Kleinserien, die auch ohne Gussformen aus Metall gefertigt und so in praktischen Testverfahren angewendet werden können. Dieses Verfahren wird hauptsächlich in der Automobilindustrie und Gerätetechnik sowie im  Anlagen- und Maschinenbau angewendet.

Die Basis eines jeden 3D-Druckverfahrens stellen die 3D-Daten dar. Diese werden an leistungsfähigen Rechnern in die benötigten Datenformate gewandelt, kontrolliert und entsprechend den Anforderungen des gewünschten Verfahrens angepasst. Nur aus gut aufbereiteten Daten lassen sich gute Teile drucken.

Bei dem 3-D Druck selbst schmilzt ein Laser einzelne Schichten des Bauteils nacheinander in ein Kunsttoffpulverbett. Die Basis bilden die vorbereiteten 3D-Daten. Das Kunststoffteil baut sich so Schicht für Schicht zur gewünschten Form auf. Anschließend werden die Teile aus dem Pulver entnommen und restliche Anhaftungen entfernt.

Ausstellungsansicht die Leuchte„Die Große Lore“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht der Leuchte„Die Große Lore“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Den Tisch „Stollberg“ und das Tellerregal „Annaberg“ sowie die beiden verschiedenfarbig gefassten Stühle „Erz“ (der dritte Stuhl dieser Serie befindet sich im Depot), stammen aus der Manufaktur „Heinz Möbelbau in Handarbeit“.

Am Rand von Dresden gelegen, fertigt das Unternehmen Heinz Möbelbau in Handarbeit Unikate nach Kundenwunsch. Verschiedene Möbelarten und -stile werden hier verwirklicht. Sitzmöbel wie Stühle und Sessel werden nach bestehenden Modellen in Kleinserien oder als Einzelstücke hergestellt. Das Unternehmen produziert außerdem Möbel und Polstergestelle als Dienstleister für Tischler, Raumausstatter, Designer und Architekten.

Meist dient eine Schablone als Grundlage für die Vervielfältigung der Einzelteile. Für den Sitz wird diese zunächst ausgesägt und dann auf speziellen Fräslehren zur endgültigen Form weiterbearbeitet.

Für den Stuhl „Erz“ und das Tellerregal „Annaberg“ waren außerdem noch detailreiche Schnitzereien notwendig, die in mühevoller Kleinarbeit mit unterschiedlichstem Werkzeug filigran in das Holz eingearbeitet wurden. Zum Schluss wurde den einzelnen Werken noch der passende Anstrich verpasst.

Holzschnitzerei für Stuhl „Erz“, Design: Hermann August Weizenegger, Ausführung: Heinz Möbelbau, André Österreicher, + Oberhermsdorf, 2015, Foto und © Hermann August Weizenegger

Holzschnitzerei für Stuhl „Erz“, Design: Hermann August Weizenegger, Ausführung: Heinz Möbelbau, André Österreicher, Oberhermsdorf, 2015, Foto und © Hermann August Weizenegger

Ausstellungsansicht 3 Teller „Loremuster“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Meissen Couture ®, Meissen, 2015, Tellerregal „Annaberg“ Ausführung/Manufaktur: Heinz Möbelbau in Handarbeit, André Östreicher, Oberhermsdorf, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht 3 Teller „Loremuster“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Meissen Couture ®, Meissen, 2015, Tellerregal „Annaberg“ Ausführung/Manufaktur: Heinz Möbelbau in Handarbeit, André Östreicher, Oberhermsdorf, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Weitere Mitwirkende Manufakturen in dieser Szene waren unter anderem Jende Posamenten Manufaktur, Meissen Couture ®, Rohleder Möbelstoffweberei GmbH und Gotthard-Glas, diese werden wir in einem der kommenden Beiträge vorstellen.

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.

 

 

 

 

Revolutionäres Konzept

23. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 16. August in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen.

In dem Themenbereich „Konzept“ stehen sich zwei Kleiderschränke aus den Hellerauer Werkstätten einander gegenüber. Sie sehen sich zum beinah Verwechseln ähnlich und verraten jedoch durch einen Unterschied – die verwendete Holzart – anschaulich das dahinterstehende Produktionskonzept.

Der Entwurf von Richard Riemerschmid bietet eine minimal individuelle Entscheidung zwischen Lärche und Eiche  © SKD,  Foto: Amac Garbe

Der Entwurf von Richard Riemerschmid bietet eine minimal individuelle Entscheidung zwischen Lärche und Eiche © SKD, Foto: Amac Garbe

Beide Schränke stammen aus der Serie „Das Dresdner Hausgerät“ der Deutschen Werkstätten Hellerau. Sie sind damit Teil des ersten sogenannten Maschinenmöbelprogrammes, das 1906 von den Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst auf der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden der Öffentlichkeit präsentiert worden war. Das Wohnkonzept war auf die industrielle Massenfertigung hochwertig gestalteter Möbel ausgelegt. Die dadurch bedingte Ornamentlosigkeit erforderte ein besonderes Geschick des Entwerfers: Klare Linien und ausgewogene Proportionen, die natürliche Maserung des Holzes, die stark prononcierte Rahmen-Füllungs-Konstruktion der Türen und Seitenwände sowie die funktionell als Ornamentersatz umfunktionierten Beschläge bestimmten nun die Erscheinung. Die Konsumenten konnten, je nach Geschmack und finanziellen Möglichkeiten, verschiedene Variationen auswählen und individuell zusammenstellen. So hatte zum Beispiel die Wahl der Holzart unterschiedliche Preise für das „gleiche“ Produkt zur Folge. Auf diese Weise war das Sortiment der Hellerauer Werkstätten für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Mit den zerlegbaren, flach verpackbaren und damit einfach zu transportierenden Möbeln nahmen die Hellerauer Werkstätten ein Jahre später in der Möbelherstellung gängiges Konzept vorweg. Sie haben mit der Entwicklung des Industriemöbels vor dem Bauhaus das Design revolutioniert. Sie stellen daher ein wichtiges Stück der Geschichte des europäischen Möbeldesigns dar.

Die falsche Blume – Die Sage der Lore

17. Juli 2015

Seit dem 27. Juni zeigt unser Kunstgewerbemuseum die Ausstellung „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“ im Wasserpalais, im Schloss Pillnitz. Begleitend zur Ausstellung findet Ihr hier die neue Blogserie zu dieser sommerlichen Schau.

Blume „Lore“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Blume „Lore“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Der bekannte Berliner Produktgestalter Hermann August Weizenegger schrieb anlässlich der Ausstellung die Sage der Lore, einer Blumenmacherin, die in der Nähe von Sebnitz gelebt haben soll, nieder. Wie so oft in den Arbeiten Hermann August Weizeneggers bleibt unklar, was an dem Märchen der Lore echt ist und was von ihm gefälscht wurde. Doch macht euch selbst ein Bild:

Es war schon Ende Mai des Jahres 1880 in der Gegend von Altendorf nahe Sebnitz in der Sächsischen Schweiz – doch der Winter wollte und wollte kein Ende nehmen. Dicke Eisschichten bedeckten das Land und fast jede Nacht schneite es erneut. Die Menschen waren verzweifelt und man munkelte bereits von einer neuen Eiszeit. Selbst das traditionelle Austreiben des Winters an Fastnacht hatte keine Veränderung gebracht. Die ärmliche Landbevölkerung litt Hunger, die Bauern konnten nicht säen und die Wintervorräte waren fast aufgebraucht. Die einzige Arbeit, die noch Einkommen brachte, war das „Blümeln”. Die Bauern saßen zu Hause in ihren Stuben und banden Kunstblumen, welche sie für den Blumenfabrikanten Louis Meiche aus der Stadt Sebnitz anfertigten. Das Geschäft mit den Kunstblumen gedieh zu dieser Zeit prächtig, da die Leute aus der Sebnitzer Gegend sich als sehr geschickt in dem Handwerk erwiesen und ihre Blumen in die ganze Welt exportiert wurden.

Unter den Blumenheimarbeitern war auch das zarte und hübsche Mädchen Lore Albrecht. Sie hatte ihr Handwerk bereits im Alter von acht Jahren erlernt. Ihre Eltern waren früh gestorben und sie lebte nun bei ihrer Großmutter auf einem kleinen Hof, der kaum das Nötigste zum Leben abwarf. Trotz ihres Alters von mittlerweile 21 Jahren war sie noch ungebunden. Von jeher war sie störrisch und dickköpfig gewesen. So kam es ihr eines Tages in den Sinn, nicht nur Blüten nach dem Vorbild der Natur zu fertigen. Angeregt vom Weiß der Schneeglöckchen – ihrer Lieblingsblumen, da sie den Frühling einläuten – ließ sie sich zu den fantastischsten und außergewöhnlichsten Blütenformen hinreißen.

Als die Großmutter die ungewöhnlichen Erzeugnisse von Lores Phantasie entdeckte, redete sie streng auf sie ein: Louis Meiche werde ihr solch merkwürdige Blüten niemals abkaufen, sie seien gegen die Natur. Ihr aller Überleben sei von dem Verdienst abhängig, deswegen solle sie die gleichen Blumen wie immer fertigen, wie es auch alle anderen täten. Lore aber zeigte keine Einsicht. Bei der Auseinandersetzung mit der Großmutter stach sie sich unachtsam mit der Nähnadel in den Finger und das Blut tropfte auf den Rand ihrer weißen Kunstblüten. Nach dem ersten Schreck fand sie Gefallen an der Verfärbung und schließlich versah sie auch alle anderen Blumen mit ihrem Blut.

Trotz schwerer Schneestürme machte sie sich am nächsten Morgen auf den Weg nach Sebnitz. Tief gebeugt zog sie ihren mit Kunstblumen beladenen Schlitten durch den Pulverschnee. Nach einigen Stunden mühseligen Wanderns sah sie endlich aus der Entfernung die Umrisse der Manufaktur. Sie hatte sich als einzige des gesamten Umlandes bei diesem stürmischen Wetter auf den Weg gemacht und wurde sofort zu Louis Meiche – von seinen Angestellten heimlich gerne „Geldsack“ genannt – vorgelassen. Als der Geschäftsmann die mit Blut verzierten Kunstblüten des Mädchens sah, war er entsetzt. Solch eine Blume kannte er nicht, sie hatte weder Ursprung noch Namen. Er weigerte sich, die Kreationen anzunehmen und schickte das Mädchen wieder nach Hause.

Dekorbild „Die falsche Blume“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Meissen Couture ®, Meissen, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Dekorbild „Die falsche Blume“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Meissen Couture ®, Meissen, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Lore war verzweifelt und bereute nun ihre Dickköpfigkeit. Da der Sturm etwas nachgelassen hatte, beschloss sie, eine Abkürzung über den zugefrorenen Sebnitzer Fluss zu nehmen. Wirre Gedanken schossen ihr durch den Kopf, als sie die Eisfläche betrat. Eigentlich hätte sie Brot von ihren Einnahmen kaufen sollen und nun stand sie mit leeren Händen da. Wie sollte sie sich und ihre Großmutter in den nächsten Tagen ernähren? Als sie schon fast das andere Ufer erreicht hatte, krachte und knackte es plötzlich im Eis, auf dem sie lief. Lore brach ein und sank bis zum Oberkörper ins Eiswasser. Sie strampelte und versuchte vergeblich, sich zurück aufs Eis zu ziehen, als ihr plötzlich der Flussteufel in den Sinn kam. Von jeher war sie ermahnt worden, nicht auf dem gefrorenen Fluss zu laufen, um den Teufel nicht zu stören. Nun rief sie in ihrer Verzweiflung laut nach ihm. In seinem Winterschlaf unterbrochen, erboste sich der Flussteufel zunächst über das schreiende und um sein Leben kämpfende Mädchen, zeigte aber schließlich doch Mitleid und gab sie mit einem Schub frei.

Zitternd und frierend schleppte Lore sich mit ihrem Schlitten den langen Weg nach Hause, wo sie in der Stube zusammenbrach. In den Armen der Großmutter erzählte das Mädchen mit hohem Fieber, was sie erlebt hatte und starb noch in derselben Nacht.

Wie es der Brauch bei verstorbenen Jungfrauen erforderte, fertigte die Großmutter einen Totenkranz. Aus der Not heraus und weil sie nichts anderes hatte, band sie das Gesteck aus Lores Phantasieblumen. Bei der Beerdigung Anfang Juni lag noch immer hoher Schnee.

Als der Sarg bei der Prozession zur Kapelle getragen wurde, fegte plötzlich ein Windstoß den Totenkranz vom Sarg. Er wirbelte durch die Luft, bis er seitlich des Weges im Schnee zu liegen kam.

Dann passierte etwas Erstaunliches. Vom Kranz aus Lores Phantasieblumen schien sich eine seltsame Wärme auszubreiten. Rings um ihn herum begann der Schnee zu schmelzen. Mehr und mehr zog sich das Eis zurück und verschwand. Schon bald kam der hartgefrorene Erdboden zum Vorschein. Die Menschen blickten sich mit offenen Mündern an, sie konnten es nicht fassen. Mehr und mehr wich der Schnee um den Leichenzug herum zurück und schon wenige Tage später war der Frühling in die gesamte Gegend eingezogen. Die Menschen konnten aufatmen, der Winter war endlich vorbei.

Lores Kranz aber bekam einen Ehrenplatz im Glaskasten der Kapelle von Lichtenhain. Vermutlich war es der Pastor, der sich nach einiger Zeit getraut hatte, ihn aufzuheben und, wie es von jeher die Tradition war, in die Vitrine zu legen. Den Menschen der Gegend blieb das Ereignis für lange Zeit in fester Erinnerung. In lang anhaltenden Wintern versammelten sie sich in der Kapelle vor dem Totenkranz. Sie schlossen das Mädchen in ihre Fürbitten ein und betrachteten dabei das seltsame Gesteck aus diesen falschen Blumen.

Anlässlich der Ausstellung hat sich Hermann August Weizenegger mit dem sogenannten „Blümeln“, der handwerklichen Kunstblumenherstellung, auseinandergesetzt und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kunstblume Sebnitz zwei zeitgemäße Blütenvarianten entwickelt.  Mit den beiden Blumen als Leitmotiv inszeniert er nun in zahlreichen Szenenbildern die Sage der Lore. Hierzu erfahrt Ihr in den kommenden Wochen noch mehr.

Blume „Sebnitzer Flussteufel“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Blume „Sebnitzer Flussteufel“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

 

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.

 

 

 

 

Mitarbeit von Nachwuchskräften gefragt – Studenten aus Amsterdam und Dresden beschäftigen sich mit Aspekten des Damaskuszimmers. | Young academics at work: students from Amsterdam and Dresden turn their focus to the Damascus Room | الأكاديميون الشباب في العمل: حولت طالبتان من أمستردام ودرسدن اهتمامهما تجاه الغرفة الدمشقية

15. Juli 2015


deutsch english عربي

Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Postgraduierten-Forschungsprojekt der Restauratorin Jessica Hensel, Universität Amsterdam

Von Februar bis Mai 2015 erforscht und restauriert Jessica Hensel den äußeren Deckenrahmen des Damaskuszimmers. Diese Deckenbretter sind mit einem faszinierenden Pigment bemalt, das aufgrund seiner leuchtend goldgelben Farbe jahrhundertelang hoch geschätzt war. Heute ist das Auripigment in Vergessenheit geraten, da es wegen seiner Giftigkeit seit dem 19. Jahrhundert kaum noch verwendet wurde. Die glitzernden Kristalle erzeugen jedoch unvergleichliche Effekte in den Malereien und sind in vielen Details und Ornamenten des Damaskuszimmers bildbestimmend. Die konservatorische Bearbeitung war auf Grund der kristallinen Struktur und der empfindlichen Bindemittel anspruchsvoll. Dicke Leim- und Firnisschichten, die im Zuge von Renovierungen im 19. Jahrhundert aufgestrichen wurden, gefährdeten das Original und mussten abgenommen werden. Die Leuchtkraft der gelben Farbe kann nun wieder bewundert werden. Andere Materialien hingegen, wie Blattkupfer oder Zinnfolie, sind stellenweise korrodiert und haben dadurch ihren metallischen Glanz verloren. Die ursprünglich azurblauen Malereien, die aus blauem Glaspulver (Smalte) bestehen, sind grau geworden. Zur Veranschaulichung der originalen Gestaltungsintention wird eine maltechnische Rekonstruktion dieses Deckenbrettdekors angefertigt. Maltechnische Forschung und restauratorische Arbeit gehen hier Hand in Hand.

Jessica Hensel nimmt verbräunte Leim- und Firnisüberzüge von leuchtend gelben Auripigmentmalschichten ab. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Jessica Hensel nimmt verbräunte Leim- und Firnisüberzüge von leuchtend gelben Auripigmentmalschichten ab. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Jessica Hensel nimmt verbräunte Leim- und Firnisüberzüge von leuchtend gelben Auripigmentmalschichten ab.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Maltechnische Kopie eines Paneels mit vergoldeter arabischer Kalligrafie aus dem Damaskuszimmer

Sina Krol, Restaurierungsstudentin im 4. Studienjahr an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, hat sich im Februar/März 2015 mit spannenden Detailfragen zum Herstellungsprozess des Damaskuszimmers beschäftigt. Sie hat unter anderem erforscht, wie die homogenen blauen Farbflächen erzeugt wurden, mit denen die goldenen Buchstaben eingefasst sind. Die Farbschicht besteht bekannterweise aus gemahlenem blauen Glas (Smalte), doch wie haben die Künstler daraus eine Farbe gemacht, mit der man so gleichmäßig malen konnte? Um diese Frage zu beantworten, wurden maltechnische Versuche durchgeführt und unterschiedliche Bindemittelmischungen aus Eiklar, Stärke, Gummi arabicum und Hautleim getestet. Mit der Mischung von Hautleim und Eiweiß konnten ähnliche Farbschichten erzeugt werden wie im Original. Eine weitere spannende Frage betraf die Zusammensetzung der farbigen Lacküberzüge, mit denen die mit Zinnfolie belegten Reliefornamente verziert sind. Die aus Naturmaterialien hergestellten Lacke mussten farbintensiv sein, um die ursprüngliche Farbbrillanz zu erzeugen, und vor allem rasch trocknen, um einen gleichmäßigen Lacküberzug zu erzeugen. Diese und andere knifflige maltechnische Fragestellungen konnten durch das Studentenprojekt beantwortet werden.

Sina Krol während der maltechnischen Kopie eines Inschriftenpanels des Dresdner Damaskuszimmers, © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Sina Krol während der maltechnischen Kopie eines Inschriftenpanels des Dresdner Damaskuszimmers, © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Sina Krol während der maltechnischen Kopie eines Inschriftenpanels des Dresdner Damaskuszimmers

© Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Schrifttafel aus dem Damaskuszimmer, die ursprüngliche Leuchtkraft der Farben ist durch die Alterung der verwendeten Farben und die Korrosion der Metallauflagen aus Kupfer und Zinn nicht mehr sichtbar. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Die maltechnische Kopie dient deshalb zur Veranschaulichung der ursprünglichen Erscheinungsbildes und zeigt in der rechten Hälfte die einzelnen Schritte des Herstellungsprozesses. © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Schrifttafel aus dem Damaskuszimmer, die ursprüngliche Leuchtkraft der Farben ist durch die Alterung der verwendeten Farben und die Korrosion der Metallauflagen aus Kupfer und Zinn nicht mehr sichtbar. Die maltechnische Kopie dient deshalb zur Veranschaulichung der ursprünglichen Erscheinungsbildes und zeigt in der rechten Hälfte die einzelnen Schritte des Herstellungsprozesses.

(oben) © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015 (unten) © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Hier besteht die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Die nächste Führung findet am 27.08.2015 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Scheinbar unendlich

09. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau wurde bis zum 16. August verlängert!

Der Bereich „Unendlich“ der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ präsentiert, fliesenartig angeordnet, unterschiedlichste japanische Druckpapiere. Wie viele dieser japanischen Papiere es in verschiedenen Sammlungen gibt, ist nicht bekannt. Ursprünglich ein Verbrauchsgut, welches in wenigen Werkstätten heute noch hergestellt wird, wurden diese Papiere Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa begeistert gesammelt. Diese Begeisterung kann man umso besser nachvollziehen, sobald man den Ausstellungsbereich betritt. Die Muster scheinen in unzählbar vielen Variationen zu existieren, man entdeckt immer wieder originelle Details und wird ständig aufs Neue überrascht.

Themenbereich „Unendlich“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Themenbereich „Unendlich“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Papier als Material wurde aus Korea nach Japan eingeführt, die Papierdrucktechnik Karakami (Druck mit Holzstempeln) hingegen aus China. Bis ins 12. Jahrhundert hinein erlebte sie eine Blüte, verschwand anschließend fast völlig, um in der Edo-Zeit (1603 –1868) vor allem für Zwischenwände, Paravents, Schiebetüren, Schachteln und Kleinmobiliar eine Wiedergeburt zu erleben. 1872 erreichte ein Gesuch der sächsischen Papierindustrie das Ministerium des Innern mit der Bitte um Erwerb von Papierproben in Japan, da eigene Initiativen fehlgeschlagen waren.  546 Musterpapiere unterschiedlicher Papierdrucktechniken kamen ein halbes Jahr später in Dresden an. Diese sowie ein ausführlicher Bericht zur Papierherstellung und ein Verzeichnis über 220 verschiedener Papiersorten wurden der Direktion der Technischen Deputation übergeben. 1875 wurden die 546 Papiere dem Museum übereignet. Laut Inventar besitzt das Kunstgewerbemuseum fast 900 Stück, beachtliche Anzahl. Bei genauer Betrachtung begeistern die beinahe unendlichen Musterkombinationen, aber es wird auch deutlich, dass nicht alles aus Japan reduziert und abstrakt ist. Vieles ist üppig oder einfach nur „herzig“. Die Identifizierung dieses Konvolutes aus dem Gesamtbestand, der Abgleich mit der Liste der Papierarten sowie die Zuordnung der einzelnen Inventarnummern wird ein spannendes Puzzle für die Mitarbeiter des Kunstgewerbemuseums nach dieser Ausstellung.

Ausstellungsansicht der japanischen Druckpapiere © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der japanischen Druckpapiere © SKD, Foto: Amac Garbe

Markierungen – Verborgene Geschichtenerzähler | Marks – Hidden storytellers and their tales | الغرفة الدمشقية: إيقاظ الكنز النائم

29. Juni 2015


deutsch english عربي

Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Auf Vorder- und Rückseiten der Vertäfelungsteile kann man verschiedene Systeme von Nummerierungen erkennen. Einige Nummern stammen vom Herstellungsprozess des Zimmers, andere wurden aufgeklebt oder darauf geschrieben, als man das Zimmer für den Verkauf nach Deutschland präparierte. Eine weitere Nummer erhielten die Holzteile, als sie als Schenkung an das Dresdener Völkerkundemuseum gelangten.

Indisch-arabische Ziffern geben die Reihenfolge der Inschriftenpaneele an; hier stehen die drei Striche (indisch-arabisch ١ entspricht der Ziffer 1) und der Kreis (indisch-arabisch ٥ entspricht der Ziffer 5) für die Tafel 8. Diese Nummerierung diente als Orientierung für den Kalligrafen. So konnte er die Verse in der richtigen Reihenfolge auf die zehn Inschriftenpaneele schreiben.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Zwei Pfeile mit der darunter geschriebenen indisch-arabischen Ziffer ٧ (7), diese Markierungen wurden in Vorbereitung der Demontage für den Verkauf nach Deutschland vorgenommen.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Aufkleber mit Pfeil und Ziffern ٢٧/ 27, nach der Demontage
auf der Rückseite der Teile angebracht.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Markierungen mit lateinischen Buchstaben sowie römischen und arabischen Ziffern als Grundlage für den Zusammenbau des Zimmers in Deutschland. Der Buchstabe D bedeutet Decke, das E steht für Eingang. Die Markierungen werden während der Restaurierungsarbeit kartiert und liefern wichtige Hinweise für den Zusammenbau des Zimmers nach Abschluss der Restaurierung.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Hier besteht die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Die nächste Führung findet am 27.08.2015 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Teil II: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

17. Juni 2015

Anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Münzkabinetts sprachen wir mit dem Direktor Dr. Rainer Grund.
Hier
der erste Teil des Gesprächs zum Nachlesen.

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Welche Voraussetzungen muss ein Objekt erfüllen, damit es für Ihr Museum infrage kommt?
Im Allgemeinen kann man drei Kriterien für die Bewertung eines Objektes nennen: Die künstlerische Qualität, der Wert – der sich aus dem materiellen Wert und dem kulturgeschichtlichen Wert zusammensetzt – und die Seltenheit. Um Ankäufe zu tätigen, bedarf es natürlich auch der hierfür benötigten finanziellen Mittel, diese schränken dann die Wahl in bestimmtem Maße ein. Wir besitzen keine abgeschlossene Sammlung, da sich die numismatischen Gegenstände immer weiterentwickeln. Wir versuchen, durch Schenkungen unsere Sammlung zu erweitern. Allerdings ist es auch hier so, dass wir aus Kapazitätsgründen nicht alles aufnehmen können, denn um die Sammlungsvielfalt weiterhin zu gewährleisten, können wir nicht von einem Objekt mehrere Exemplare annehmen.

Wie sind Sie zu dieser Ausstellungskonzeption gelangt? Bei rund 300.000 Objekten ist es sicherlich ein langwieriger und schwieriger Prozess, sich zwangsläufig auf einen Bruchteil der Objekte der Sammlung beschränken zu müssen.
Die Dauerausstellung wurde nicht von einem Nullpunkt aus konzipiert. Als Grundlage diente die jahrelange Dauerausstellung im Albertinum, die durch die räumlichen Gegebenheiten nur begrenzt der Sammlungsbreite des Münzkabinetts gerecht wurde. Daher war es für uns umso wichtiger, mit dieser Neukonzeption das ganze Spektrum des Münzkabinetts  – von Münzen über Medaillen, Orden bis zum Papiergeld, von der Antike bis zu Neuzeit  -  aufzuzeigen. Aus diesem Grunde war die zukünftige Themengliederung bereits in einem relativ frühen Stadium der Planung klar. Der Auftaktraum sollte den Bergbau und die Münzprägung in Sachsen als Spiegel der Landesgeschichte repräsentieren. Diese Thematik des Raumes veranschaulicht der Annaberger Bergaltar in Perfektion und macht die historische Herstellung von Münzen für den Besucher greifbar. Außerdem war uns wichtig, auch nichtnumismatische Objekte zu zeigen, da diese die Ausstellung auflockern und die Illustrationen der Themen bereichern.

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Warum sollte uns der nächste Museumsbesuch nicht zu Liebermann, Monet und den Brücke-Malern führen, sondern zu König Sigismund III. von Polen und der ihm gewidmeten Goldmünze?
Das eine sollte das andere in keinem Falle ausschließen, ich denke der Besucher erweitert sein Blickfeld und sein Allgemeinwissen, wenn er die ganze Vielfalt der Museumslandschaft berücksichtigt.  Daher sind auch einige nichtnumismatische Dauerleihgaben aus anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vertreten, so zum Beispiel aus dem Grünen Gewölbe, dem Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Sächsische Volkskunst, der Skulpturensammlung, der Rüstkammer und in einem größeren Anteil sogar aus den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen. Es freut uns natürlich, wenn durch die Neuinszenierung des Münzkabinetts mehr Besucher auch in den doch spezielleren Bereich der Numismatik hineinschauen. Um den unterschiedlichen Interessen der Besucher gerecht zu werden, gibt es auch einen speziellen Audioguide (in Deutsch, Englisch und Russisch), der besonders für Einsteiger geeignet ist. Für Fortgeschrittene hingegen bieten wir einen interaktiven Katalog an der sukzessiv erweitert wird. Hier kann man deutlich mehr Informationen zu den Objekten erhalten als dies eine kurze Vitrinenbeschriftung vermag, sogar ein Heranzoomen an die Objekte und das Betrachten der Rückseite ist hier möglich.

Haben Sie vor, die Dauerausstellung in späteren Zeiten umzudisponieren? Ganze Vitrinen gar ganz neu zu gestalten?
Wir werden wohl zunächst einmal erleichtert aufatmen, sobald wir die neue Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentieren können. Ich denke, die jetzigen Akteure werden aller Voraussicht nach keine grundlegenden Veränderungen vornehmen. Eine Neugestaltung der Ausstellung ist zu einem späteren Zeitpunkt und bis zu einem gewissen Grad aber durchaus denkbar. auch wenn die zugeschnittene Vitrinenarchitektur dieses mögliche Vorhaben wohl etwas einschränken wird. Allerdings darf der Besucher sich auch auf neue – auch speziellere – Themenschwerpunkte in dem noch zu konzipierenden Sonderausstellungsraum freuen, dort besteht beispielsweise die Möglichkeit, Neuerwerbungen zu präsentieren.

    Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Haben Sie ein Lieblingsstück? Wenn ja, welches wäre hier zu nennen?
Ich habe bereits meine Dissertation auf dem Gebiet der historischen Medaillenkunst verfasst, daher liegt mein besonderes Interesse auch in diesem Bereich. Mich faszinieren besonders die sächsischen Medaillenkünstler des Barock und somit ihre Werke, doch kann ich mich hier nicht auf nur einen Künstler festlegen, denn es gab verschiedene herausragende Künstler in dieser Zeit, es würde die anderen Künstler zu Unrecht degradieren.

Was genau fasziniert Sie an Münzen so sehr?
Die Faszination wächst mit der Beschäftigung über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Münzen und Medaillen sind eine Welt „en miniature“, in diesen kleinen Zeugnissen spiegelt sich der Kosmos der Menschheitsgeschichte wieder und in jedem auf eine andere Art und Weise, die Gesamtheit macht es schließlich. Das fasziniert mich und so wird es wohl auch mein ganzes Leben lang bleiben.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.