Jetzt bewerben: Deutsch-Amerikanisches Austauschprogramm zur Provenienzforschung, 2017-2019

01. November 2016
Briefe aus dem Nachlass von Karl Buchholz (Ausschnitt), © Staatliche Museen zu Berlin/ Zentralarchiv

Briefe aus dem Nachlass von Karl Buchholz (Ausschnitt), © Staatliche Museen zu Berlin/ Zentralarchiv

Noch bis zum 18. November 2016 können sich qualifizierte Interessentinnen und Interessenten für den ersten Durchgang des „Provenance Research Exchange Program (PREP)“ 2017 bewerben.

PREP wird erstmals Museumsfachleute aus Deutschland und den USA, die mit Provenienzforschung und der Erforschung des nationalsozialistischen Kunstraubs befasst sind, für einen dreijährigen systematischen Austausch zusammenführen. Das Programm soll in beiden Ländern dazu beitragen, die Methoden und Kompetenzen der Provenienzforschung zu erweitern und somit die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu unterstützen. Zudem wird das Programm den Rahmen der NS-Provenienzforschung für die NS-Zeit, die sich bisher vorrangig auf Gemälde, Skulpturen und Judaika konzentriert, erweitern und verstärkt asiatische Kunst, Kunstgewerbe sowie Grafik/Arbeiten auf Papier einbeziehen.

Die Federführung des Programms haben die Smithsonian Institution, Washington D.C. und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin. Weitere Partner sind das Metropolitan Museum of Art, New York, das Getty Research Institute, Los Angeles, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Zentralinstitut für Kunstgeschichte München. Das neu gegründete Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) wird in beratender Funktion mitwirken.

Über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert das Programm jährlich zwei Aufenthalte für 20 Teilnehmer (10 aus den USA und 10 aus Deutschland). Der eine Woche umfassende Austausch findet 2017 bis 2019 jeweils im Februar und im September statt. 2017 werden sich 20 Teilnehmer in New York (Februar) und Berlin (September) treffen.

Informationen zum Programm, zu den Bewerbungsvoraussetzungen und zum Bewerbungsverfahren findet ihr hier:

Ankündigung

Ausschreibung

Zu sehen: „Gesichter auf Glas“ im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig

24. Oktober 2016

Am 19. Oktober eröffnete unter reger Teilnahme vieler Fotointeressierter im GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig die Präsentation „Gesichter auf Glas. Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godeffroy“ mit einem Vortrag des Restaurators Carsten Wintermann. Mit finanzieller Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung konnte er im Frühjahr einen ganz besonderen Bestand aus der Leipziger Fotosammlung konservatorisch bearbeiten: 45 Ambrotypien mit Porträts von Menschen aus Tahiti, Fidschi und Hawai‘i. Diese unikaten Aufnahmen, vor über 150 Jahren entstanden, geben nicht nur Einblick in die frühe Medienhistorie, sondern erzählen auch vom ambivalenten Verhältnis zwischen Fotografie und Ethnologie. Die Ambrotypien stammen aus dem Bestand des Hamburger Museum Godeffroy, das 1861 als naturkundlich-ethnologische Sammlung durch das Handelshaus Johann Cesar Godeffroy & Sohn in der Hansestadt gegründet worden war. 1885 wurde das Museum aufgelöst und ein Großteil der Ethnographica samt rund 500 Fotografien nach Leipzig verkauft. Das Unikat-Verfahren der Ambrotypie fand vor allem in den USA und  England Verbreitung und wurde hauptsächlich für die Porträtfotografie eingesetzt. Ungewöhnlich aber ist der frühe Einsatz dieser in der Anwendung komplizierten Technik in der Südsee als Ort kolonialer Bestrebungen. Viele der Porträts entsprechen in den Posen westlichen, bürgerlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts. Das steht in eigentümlichem Kontrast zur rassischen Kategorisierung der indigenen fotografierten Frauen und Männer in begleitenden Textdokumenten. So sind die Ambrotypien ambivalenten Charakters: Sie changieren zwischen individuellem Porträt und ethnographischer Typenaufnahme. Die Präsentation, die bis zum 15. Januar 2017 ist in der Dauerausstellung im 2. Obergeschoss zu sehen ist, wurde im Rahmen des Forschungsprogramms »Europa/Welt« von Agnes Matthias kuratiert.

 

Blick in die Ausstellung, ©  GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Blick in die Ausstellung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Das Paradies auf Erden. Ein Blick hinter die Kulissen

07. Oktober 2016

Seit dem 1. Oktober hat die Ausstellung “Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens” in der Kunsthalle im Lipsiusbau geöffnet. Nam Nguyen hat als Praktikant in der Gemäldegalerie Alte Meister die beiden Kuratorinnen tatkräftig bei der Ausstellungsorganisation unterstützt und für uns den Aufbau der Ausstellung festgehalten.

Am 1. Oktober 2016 war es soweit: “Das Paradies auf Erden” öffnete seine Pforten in der Kunsthalle im Lipsiusbau.

Ausstellung " Das Paradies auf Erden " am 29.09.2016 im Lipsiusbau von Staatliche Kunstsammlungen Dresden . Foto: Oliver Killig

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen insbesondere die Gemälde aus der Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister, die somit eine neue Projektionsfläche erhalten und einen Einblick in die wissenschaftliche Erschließung des flämischen Gemäldebestandes der Dresdener Sammlung bieten. Dafür wurden einige Gemälde umfassend untersucht und aufwendig restauriert, sodass sie gänzlich neu wiederzuentdecken sind. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen und Druckgraphiken des Dresdener Kupferstich-Kabinetts und durch qualitätsvolle Leihgaben.

Doch bevor die Gäste in frisch gemalerten Räumen mit präziser Beleuchtung und akribisch inszenierten Werken stehen konnten, musste viel Arbeit, Zeit und natürlich Leidenschaft in den Aufbau der Ausstellung investiert werden.

Hier einige Impressionen:

Aus Weiß mach Blau…

Zwei verschiedene Blautöne kamen für die Ausstellungsräume zum Einsatz.

 

Vom Depot über den Verpackungsraum bis zum Hängeort…

Transportkisten der Ausstellungsobjekte mit eindeutigen Sicherheitswarnungen

Moderne Kunst? Nur die Verpackung des Erdglobus aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon (SKD).

 

Kurierarbeit…

Viele Leihgaben wurden von Kurieren der Institutionen begleitet, um die Hängung und Präsentation des Objektes zu beaufsichtigen. Zusammen mit dem Restaurator Christoph Schölzel wurden die Exponate auf Zustand und Transportschäden untersucht und dann unter den Auflagen der leihgebenden Institution gehängt. Hing erst einmal das Objekt, durfte es nicht mehr bewegt werden.

Fast schon stoisch beobachtet der Antwerpener Kurier die Hängung des Teniers Gemäldes.

Kuratorin Uta Neidhardt begutachtet Joachim Patinirs „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“.

 

Teamwork…

Ganze neun Männer bedurfte es, um ein großformatiges Gemälde wie die „Landschaft mit dem Brautzug“ von Lucas van Uden auf die Empore des Lipsiusbaus zu transportieren.

 

Spurenlese…

Damit jedes Objekt an seinen richtigen Platz kam, wurden für das Einrichtungsteam auf den Fußboden Abbildungen der Gemälde angebracht.

Und sie hängen…

…fast. „Dummies“ der Exponate wurden geschnitten und gehängt, um Raumwirkung und Bildabstände auszuloten.

Mit Präzision und Feingefühl werden die Abstände vom „A-Team“ ausgemessen.

Den kompletten Ausstellungsaufbau mit all seinen kleinen Tücken, wechselhaften Spannungen, Überraschungen und natürlich großen Freuden mitzuverfolgen und selbst involviert zu sein, war für mich eine neue, unglaublich spannende und wunderbare Erfahrung. Am meisten freut mich daher nun, die Exponate hängen zu sehen und das ein oder andere Lieblingsstück in seiner vollen Pracht in Zusammenspiel mit der Ausstellungsgestaltung begutachten zu können. Einen großen und herzlichen Dank möchte ich an Uta Neidhardt, Konstanze Krüger und Marion Heisterberg aussprechen und ich wünsche allen Lesern eine aufregende Zeit in der Ausstellung.

Ausstellungsansicht "Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens" (1.10.2016-15.1.2017) in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Copyright Staatliche

Wir haben die Möglichkeit in gar wundersame, atmosphärische und fantastische Welten einzutauchen, die einen sinnlich beflügeln und mit ihrer ganzen Bildgewalt in ihren Sog ziehen. Wir überschauen pittoreske Täler mit durchströmenden Flüssen, wir stehen an den Abhängen steiler Gebirge oder rasten an Wegen durch dichte Wälder – und dabei fühlen wir sämtliche Emotionen, die uns in den Sinn kommen können. Die Idee, die Landschaft als autonomes Bildmotiv dem Menschen gegenüberzustellen, etablierte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden und wurde sowohl von dem Wunsch nach Welterkenntnis als auch von ökonomisch motivierten Interessen an Geografie und Kartografie gefördert.

Ziel der Ausstellung ist die würdige und kritische Präsentation der flämischen Landschaften, die uns mitunter Aussagen über Naturauffassung, Kunstmarkt, Werkstattbetrieb und Hofpatronage treffen lassen. 144 Ausstellungsobjekte, darunter Gemälde, Zeichnungen und Graphiken, verführen uns in die sogenannten Weltlandschaften, wie sie Joachim Patinir und Pieter Bruegel d.Ä. komponierten und prägten. All diese sind jedoch kein genaues Abbild der Realität, sondern im Atelier komponierte, ideale Darstellungen, die die Künstler mit Formen aus der Natur verbanden und aus ihrer Sicht auf die natürliche Welt darstellten.

 

 

Creative Collisions – Studio Rygalik und junge Kreative

19. September 2016

Die aktuelle Ausstellung des Kunstgewerbemuseums ist ein Experiment: Zwei Designer und zehn junge Kreative gestalten in zwei Workshops im Kunstgewerbemuseum in Schloss Pillnitz.
Die Direktorin Tulga Beyerle lud die renommierten polnischen Produktdesigner Tomek und Gosia Rygalik ein, eine Work-in-Progress Ausstellung zu entwickeln:  “Creative Collisions – Studio Rygalik und junge Kreative”. Möbeldesign und Food-Design sind die zwei zentralen Themen, welche die Designer zusammen mit jungen Menschen unterschiedlichster beruflicher wie kultureller Hintergründe ausloten und vertiefen.

Das Herzstück der Ausstellung ist ein Tisch, entworfen von Studio Rygalik und aus verschiedenen runden und vieleckigen Tischplatten zu einem großen Esstisch arrangiert – eine kreative Kollision in sich. Der Tisch ist in fast allen Kulturen ein Symbol der Zusammenkunft, des Austauschs, des Teilens. An ihm wird nicht nur gegessen, sondern es werden auch Pläne geschmiedet und Freundschaften geschlossen – ein Grund für den Freundeskreis der SKD, MSU – Museis Saxonicis Usui – den Tisch für das Kunstgewerbemuseum zu erwerben.

Ausstellungsansicht „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček

Ausstellungsansicht „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček

 

Im ersten Workshop Ende August sollte jeder der zehn Teilnehmer eigene Sitzmöbel skizzieren und entwerfen. Auf der Suche nach geeigneten Materialien, durchforsteten sie in Dresden zusammen mit den Designern Werkstätten, Flohmärkte und Container mit Möbelresten und bauten innerhalb von insgesamt vier Tagen – auch mit scheinbar unbrauchbaren Fundstücken – Sitzmöbel nach ihren eigenen Vorstellungen. Jeder Stuhl erzählt eine Geschichte, ist zugleich ein Repräsentant seines Entwerfers und direkt durch den kreativ-kulturellen Austausch inspiriert. Gemeinsam mit dem Tisch fügen sich die Sitzmöbel in ein dichtes Ensemble

Kurzportraits der Stuhldesigner

Diese gemeinsam verbrachte Zeit, der produktive Prozess des ersten Workshops begleitete der bekannte polnische Filmemacher Michał Marczak. Seine Kurz-Dokumentation ist ein weiteres Element, welches das Prozesshafte in der Ausstellung sichtbar werden lässt.

Im zweiten Workshop (16.-18.09.) wird der Aspekt des Food Design fortgeführt. In einem Brunch am 18.09. (11 Uhr) werden syrisch-deutsch-polnische Hybridhäppchen erneut von der Bereicherung der Kulturen zeugen. Der Workshop unter dem Thema Food Design ist getragen von Fragen: Was und wie essen wir? Wie gestalten wir unser Essen und das Drumherum? Worin unterscheiden sich unsere kulturellen Vorstellungen von Esskultur, welche Formen nehmen diese Unterschiede an? Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Festmahl: Ergebnis des Cooking Workshop „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček
Festmahl: Ergebnis des Cooking Workshop „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček

Diese Ausstellung ist getragen von der Freude am Gestalten, von Kreativität. Über den kurzen Zeitraum von zwei Workshops lernen Menschen einander kennen und inspirieren sich. Kreativität existiert über Sprachen und Herkunft hinweg, sie ist eine zentrale Kraft, unsere Welt gemeinsam zu gestalten.
Die Ergebnisse dieses gemeinschaftlichen Prozesses sind bis ersten November 2016 im Bergpalais des Kunstgewerbemuseums zu erleben und zu besichtigen.

Ausstellung: 03. September bis 01. November 2016

Workshop I: 29. August bis 02. September 2016
Workshop II: 16. September bis 18. September 2016

Die Spezialistinnen hinter den Kulissen | The specialists behind the scenes | الخبراء خلف الكواليس

03. August 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierungsarbeiten am Dresdner Damaskuszimmer begannen bereits 1997. Seitdem ist Anke Scharrahs als federführende Restauratorin und Projektleiterin an dem Vorhaben beteiligt. Zunächst war kaum etwas über die verwendeten Malmaterialien bekannt, so dass sich Anke Scharrahs der Erforschung der historischen Herstellungstechniken von syrischen Holzvertäfelungen aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert intensiv gewidmet hat. Einer ersten Reise nach Damaskus im Jahr 1998 folgten mehrere längere Arbeits- und Forschungsaufenthalte in Syrien sowie die Mitarbeit bei weiteren Forschungs- und Restaurierungsprojekten syrischer Holzvertäfelungen am Metropolitan Museum of Art in New York, am Museum für Islamische Kunst in Berlin, in der Sammlung Shangri La der Doris Duke Foundation of Islamic Art in Honolulu, am Los Angeles County Museum of Art und im Gayer-Anderson-Museum in Kairo. Die Faszination für diese prächtig bemalten Meisterwerke syrisch-osmanischer Innenarchitektur mündeten in der Dissertation von Anke Scharrahs, mit der sie 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden promoviert wurde.

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Seit 1998 bzw. 2002 sind die Restauratorinnen Evelyn Gärtner und Karoline Friedrich am Damaskuszimmer-Projekt beteiligt. Sie bringen ihre Erfahrungen aus der Mitarbeit am Arabicum in der Villa Gutmann in Potsdam und am Aleppo-Zimmer des Museums für Islamische Kunst in Berlin ein. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Farben und transparenten Lacke erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, um die konservatorischen Arbeitsschritte ohne Beschädigung der originalen Farbschichten durchführen zu können. Zudem ist eine ständige Feinabstimmung im Restauratorenteam erforderlich, um die Teile des Damaskuszimmers zu einem ähnlichen Endzustand zu bringen und ein homogenes Raumensemble wiedererstehen zu lassen. Dabei sollen Gebrauchsspuren des Zimmers erhalten bleiben und die Oberflächendekoration nur so weit restauriert werden, dass ihre einstige Pracht zwar wieder sichtbar wird, aber keine Totalrestaurierung aller verloren gegangenen Farbschichten erfolgt.

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Seit Februar bzw. Mai 2015 sind zwei syrische Kolleginnen in dem Projekt involviert. Samah Shtay und Layal Jazi haben 2011/12 in Damaskus beim Restaurierungsprojekt des Aga Khan Trust for Culture und des Aga Khan Cultural Services Syria in einem der bedeutendsten historischen Wohnhäuser der Damaszener Altstadt, im Haus Nizam, mitgearbeitet. Sie waren dort an der Restaurierung des berühmten Weintraubenzimmers beteiligt, eines prächtigen, für Zwecke der Repräsentation angelegten Empfangszimmers für Gäste von 1800/1835. Da es in Syrien keine akademische Restauratorenausbildung gibt, möchten sie in Deutschland studieren und bereiten sich nun in ihrem Pflichtpraktikum darauf vor. Sie werden in einem weiteren Blogbeitrag über ihre Arbeit berichten.

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Blick in die Tiefe – Spuren der Geschichte werden gelesen | Looking deeper: seeking the traces of history | نظرة في العمق، وتصبح قراءة القصة ممكنة

19. Juli 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

200 Jahre sind nicht spurlos am Damaskuszimmer vorbeigegangen. Die verwendeten Materialien begannen bereits am ersten Tag zu altern – ein langsamer Prozess, den alle Kunstwerke durchlaufen. Für den Laien ist das meist nicht sichtbar. Erst wenn Farbschichten sich zu Runzeln und Falten zusammenschieben oder abzufallen drohen, werden die Folgen der stetigen Mikrobewegungen in den Kunstobjekten in drastischer Form sichtbar. Manche Veränderungen werden zudem durch chemische Reaktionen ausgelöst, z. B. wenn unedle Blattmetalle korrodieren oder Farbschichten sich entfärben. Beim Damaskuszimmer wurde eine breite Palette an Farben, Metallauflagen und gefärbten Lacküberzügen verwendet, die uns heute mit ihren komplexen Alterungserscheinungen konfrontieren. Diese müssen analysiert, verstanden und ausgewertet werden, um die richtigen Entscheidungen für die konservatorische und restauratorische Behandlung - und damit für den zukünftigen Erhalt des Zimmers - fällen zu können. In Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern wurden die Schadensphänomene erforscht und das Restaurierungskonzept erstellt. Die folgenden Fotos geben einen Einblick in die vielfältigen Veränderungen.

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.  © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien

20. Juni 2016

Am 17. Mai 2016 fand im Rahmen der beiden derzeit laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsprojekte zu den Fotobeständen der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (Forschungsprogramm „Europa/Welt“ und DFG-Projekt „Weltsichten“ in Kooperation mit der Deutschen Fotothek/SLUB) ein interner Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien statt. Als Moderator der Veranstaltung war der Bremer Historiker Thomas Theye eingeladen, um mit den Kolleginnen und Kollegen in drei Sektionen über die Bedingungen des Ausstellens und Publizierens von im ethnographischen Kontext entstandenem oder genutztem Bildmaterial zu diskutieren. Zunächst stand das Thema Datenbank und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen des Publizierens im Fokus. Birgit Scheps-Bretschneider führte in ihrem Impulsreferat in das besondere Beispiel Australien und das Thema Bildtabu ein, Carola Krebs berichtete von ihren Erfahrungen des „Zurückbringens“ von Fotografien nach Südasien. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rassismus“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau endete der Tag mit einem öffentlichen Vortrag von Thomas Theye zum Thema „Spurensuche: Anmerkungen zu einigen frühen Samoa-Fotografien Jan Stanisław Kubarys für das Museum Godeffroy in Hamburg“.

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Blick in die Ausstellung: “Blickwechsel”, Teil 4

23. Mai 2016

Mit der aktuellen Sammlungspräsentation „Blickwechsel” tritt das Kupferstich-Kabinett in einen Dialog mit den 14 Museen im Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Bis 29. Mai 2016 ist in den Ausstellungsräumen im Residenzschloss ein ausgewähltes Werk aus jeder Sammlung mit einem oder auch mehreren Werken aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts zu sehen.

Diese Gegenüberstellungen eröffnen ganz unterschiedliche Blicke auf die Werke, verschiedene Perspektiven und Fragestellungen. Die Ausstellung lädt somit dazu ein, an einem einzigen Ort die reiche Vielfalt der Staatlichen Kunstsammlungen zu entdecken.

An dieser Stelle haben wir für die Dauer der Ausstellung wöchentlich eine solche Gegenüberstellung vorgestellt.

Unser abschließender Blick in die Sonderausstellung ist heute der Blick in die Werkstatt des Künstlers.
Unter diesem Titel begegnen sich gleich vier unterschiedliche Werke aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Drei davon stammen aus dem Kupferstich-Kabinett:
Franz Fiedlers Fotografie Max Feldbauer an der Staffelei, die Federskizze Schnorrs Besuch im Atelier F.W.Wegeners von Julius von Schnoor, sowie die Federzeichnung Rückenansicht eines Sitzenden Mannes von Adriaen van Ostade.

Franz Fiedler (1885-1956), Max Feldbauer an der Staffelei, um 1929, Brauner Ölumdruck, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Adriaen van Ostade ( 1610- 1685), Rückenansicht eines sitzenden Mannes, Feder in Braun, grau laviert, über schwarzem Stift, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Julius Schnorr von Carosfeld (1794-1872), Schnorrs Besuch im Atelier F.W.Wegeners, circa 1850, Feder in Schwarz, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Sie treffen auf das Ölgemälde Der Maler in seiner Werkstatt, ebenfalls von Adriaen van Ostade, aus der Gemäldegalerie Alte Meister.

Adriaen van Ostade (1610-1685), Der Maler in seiner Werkstatt, 1663, Öl auf Eichenholz, Gemäldegalerie Alte Meister, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Bilder, die den Künstler bei der Arbeit zeigen, gewähren vermeintlich unmittelbaren Einblick in dessen Lebenswirklichkeit und den Schaffensprozess. So zeigt Adriaen van Ostade 1663 den Maler in Rückenansicht an der Staffelei sitzend – als sei er unbeobachtet. Die Schilderung des Ateliers mutet mit den chaotisch verteilten Zeichnungen, Tierpräparaten, Gipsabgüssen und einer Gliederpuppe naturgetreu an. Die Zusammenschau ist aber sicherlich ein erfundenes Sinnbild künstlerischen Schaffens. Realistisch zeigt das Bild hingegen die Verwendung von Vorstudien auf Papier: Das über der Tafel angeheftete Blättchen – vielleicht eine Rückenansicht wie die hier präsentierte lavierte Federzeichnung van Ostades aus dem Kupferstich-Kabinett – dient dem Maler als Detailvorlage.

Auf Franz Fiedlers Fotografie des Malers Max Feldbauer von 1929 sind noch immer ähnliche Versatzstücke künstlerischer Arbeit versammelt, wie auch auf Julius Schnorr von Carolsfelds flotter Federskizze. In ironischer Brechung zeigt sich hier der virtuose Zeichner Schnorr (bekannt als Verächter oberflächlich realistischer Malerei) beim Besuch im Atelier des Tiermalers Friedrich Wilhelm Wegener. Da er selbst die Darstellung von Hunden nicht zuwege bringe, fleht Schnorr den Dresdner Kollegen laut Inschrift um Hilfe an.

Am 25.05. 2016 bietet sich allen Interessierten in der Kunstpause die Gelegenheit, noch mehr spannende Informationen zu dieser Gegenüberstellung zu erhalten. Sie findet wie gewohnt um 17:30 Uhr in den Räumen der Ausstellung statt.
Gleichzeitig handelt es sich auch um die letzte Kunstpause.
Also: nicht verpassen!

alle Besucherinformationen auf einen Blick:
Sammlungspräsentation “Blickwechsel” des Kupferstich-Kabinetts

Ausstellungszeitraum
29. April – 29. Mai 2016

Ausstellungsort
Residenzschloss
Kupferstich-Kabinett

Öffnungszeiten
täglich 10 bis 18 Uhr,
dienstags geschlossen

Eintrittspreise

Neu: Ticket Kupferstich-Kabinett!
Eintritt € 6
ermäßigt € 4,50
Kinder und Jugendliche
unter 17 Jahren frei
Gruppen (ab 10 Personen)
€ 5,50 p. P.

Kunstpause Sonderticket
Eintritt + Kunstpause
€ 5
3er Ticket €13

Blick in die Ausstellung: “Blickwechsel”, Teil 3

18. Mai 2016

Mit der aktuellen Sammlungspräsentation „Blickwechsel” tritt das Kupferstich-Kabinett in einen Dialog mit den 14 Museen im Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Bis 29. Mai 2016 ist in den Ausstellungsräumen im Residenzschloss ein ausgewähltes Werk aus jeder Sammlung mit einem oder auch mehreren Werken aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts zu sehen.

Die Gegenüberstellungen eröffnen ganz unterschiedliche Blicke auf die Werke, verschiedene Perspektiven und Fragestellungen. Die Ausstellung lädt somit dazu ein, an einem einzigen Ort die reiche Vielfalt der Staatlichen Kunstsammlungen zu entdecken.

Diese Woche widmen wir uns der Gegenüberstellung Maskerade.

Hier begegen sich ein Ölgemälde von Franz von Stuck aus der Gemäldegalerie Neue Meister und eine Radierung von Francisco de Goya aus dem Kupferstich- Kabinett.

Franz von Stuck (1863-1928), Tochter Mary als spanischer Stierkämpfer, 1907/1915, Öl auf Lindenholz, Gemäldegalerie Neue Meister, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Franz von Stuck porträtierte seine geliebte Tochter Mary (1896-1961) vielfach. Private Fotografien -aufgenommen um 1907 bei einem Kindermaskenfest in der Villa Stuck- zeigen das elfjährige Mädchen im Kostüm eines Toreros. Stuck nutzte die Fotografien für mehrere Gemälde. Das Dresdener Bild mag erst um 1915 entstanden sein, als Mary bereits achtzehnjährig war. Im Bild blieb sie das Mädchen, das das Kostüm des kühnen Stierkämpfers überstreifte, ohne die Obhut des Heims verlassen zu müssen. Die in der Rolle verborgene Gefahr, der Kampf mit dem Stier auf Leben und Tod, der bei der Heranwachsenden auf den Geschlechterkampf verweist, mag in dem kräftigen Schlagschatten angedeutet sein, den die schlanke Gestalt auf die Wand des Zimmers wirft.

Francisco de Goya (1746-1828), Der Wagemut Martinchos im Ring von Saragossa, 1815-1816, Radierung und Aquatinta (3. Zustand), Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der an spanischer Kunst interessierte Stuck wird Goyas Darstellungen des Stierkampfes gekannt haben, in denen Mann und Tier sich unmittelbar gegenüber stehen. In die Hauptrolle seiner Toreros schlüpfte Mary als Kind unbedarft, während den Frauen bei Goya die Rolle von Zuschauern zugewiesen ist, die von der Tribüne den tödlichen Kampf verfolgen.

 

Am 21.05., 17.30 Uhr liefert die Kunstpause zu Maskerade zusätzliche spannende Einblicke.

 

Einen Überblick über alle Kunstpausen und die Ausstellung “Blickwechsel” findet ihr hier, auf der Ausstellungsseite.

alle Besucherinformationen auf einen Blick:
Sammlungspräsentation “Blickwechsel” des Kupferstich-Kabinetts

Ausstellungszeitraum
29. April – 29. Mai 2016

Ausstellungsort
Residenzschloss
Kupferstich-Kabinett

Öffnungszeiten
täglich 10 bis 18 Uhr,
dienstags geschlossen

Eintrittspreise

Neu: Ticket Kupferstich-Kabinett!
Eintritt € 6
ermäßigt € 4,50
Kinder und Jugendliche
unter 17 Jahren frei
Gruppen (ab 10 Personen)
€ 5,50 p. P.

Kunstpause Sonderticket
Eintritt + Kunstpause
€ 5
3er Ticket €13

 

Blick in die Ausstellung: “Blickwechsel”, Teil 2

09. Mai 2016

Mit der aktuellen Sammlungspräsentation „Blickwechsel” tritt das Kupferstich-Kabinett in einen Dialog mit den 14 Museen im Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Bis 29. Mai 2016 ist in den Ausstellungsräumen im Residenzschloss ein ausgewähltes Werk aus jeder Sammlung mit einem oder auch mehreren Werken aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts zu sehen.

Diese Gegenüberstellungen eröffnen ganz unterschiedliche Blicke auf die Werke, verschiedene Perspektiven und Fragestellungen. Die Ausstellung lädt somit dazu ein, an einem einzigen Ort die reiche Vielfalt der Staatlichen Kunstsammlungen zu entdecken.

Wie versprochen, hier Teil 2 unseres wöchentlichen Blicks in diese aktuelle Sonderausstellung.

Heute nehmen wir die Gegenüberstellung Blick in die Welt ins Visier.

Unter diesem Titel begegnen sich die Farblithographie Susu von Otto Dix aus dem Kupferstich Kabinett und Vier Raphiatextilien aus Bakuba/Showwa, DR Kongo, aus dem Museum für Völkerkunde.

Otto Dix (1891-1969), Susu, 1964/65, Farblithografie, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Mit unbedarft kindlichem Ausdruck nimmt das Mädchen Susu den Betrachter fest in den Blick. Auf der großformatigen Lithografie zeigt Otto Dix die ghanaische Spielgefährtin seiner Enkelin Nana. In kräftig leuchtenden Farben sind verschiedene Muster und Strukturen miteinander kombiniert.

Bakuba/ Shoowa, DR Kongo, Vier Raphatextilien, 2.Hälfte des 20. Jahrhunderts, Museum für Völkerkunde, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ähnliche Dekors finden sich auf Raphatextilien aus dem Kuba- Reich (17.- 19. Jahrhundert) im Inneren der Kongo-Region. Bis heute werden dort Textilien as den Fasern der Raphiapalme gewebt und bestickt, die teilweise noch immer als zeremonielle Kleidungsstücke dienen.Die gemusterten Gewebe spiegeln eine komplexe Ästhetik wieder. Jedes geometrische Zeichen hat eine Bedeutung. In ihrer Variation sind sie Ausdruck höchster Kreativität, wobei Brüche in Reihung und Symmetrie bewusst als künstlerische Mittel eingesetzt werden.

Im Dresdener Zwinger fand 1950 eine Ausstellung des Museums für Völkerkunde statt, die Dix möglicherweise besuchte und so vielleicht tieferen einblick in die afrikanische Kultur erhielt.

Noch mehr spannende Infos zu dieser Gegenüberstellung gibt es übrigens in der heutigen Kunstpause:
09.05., um 17:30 Uhr in den Räumen der Ausstellung.

 

Außerdem locken diese Woche noch drei weitere Kunstpausen:

11.05., 17.30 Uhr | Geometrische Körper – der mathematische Blick
12.05., 17.30 Uhr | Die verzerrte Welt – der Blick in den Spiegel
15.05., 17.30 Uhr | Zwei Seiten eines Œuvres

 

Einen Überblick über alle Kunstpausen und die Ausstellung “Blickwechsel” findet ihr hier, auf der Ausstellungsseite.

 

alle Besucherinformationen auf einen Blick:
Sammlungspräsentation “Blickwechsel” des Kupferstich-Kabinetts

Ausstellungszeitraum
29. April – 29. Mai 2016

Ausstellungsort
Residenzschloss
Kupferstich-Kabinett

Öffnungszeiten
täglich 10 bis 18 Uhr,
dienstags geschlossen

Eintrittspreise

Neu: Ticket Kupferstich-Kabinett!
Eintritt € 6
ermäßigt € 4,50
Kinder und Jugendliche
unter 17 Jahren frei
Gruppen (ab 10 Personen)
€ 5,50 p. P.

Kunstpause Sonderticket
Eintritt + Kunstpause
€ 5
3er Ticket €13