Renaissance (etwa 1420 – 1600)

Die Welt im Wandel

Während der Renaissance (etwa 1420 – 1600), deren Zentren zunächst Florenz und anschließend Rom waren, kam es zu vielen neuen Erkenntnissen. Es herrschte eine ungeheure Aufbruchsstimmung in dieser Zeit. Technische Erneuerungen, wie Federzuguhren (1430), Kupferstich (1420/30) und Buchdruck (1455), waren wichtige Erfindungen und maßgebend für die Verbreitung von Wissen. Im Jahre 1492 entdeckte Kolumbus Amerika. Das geozentrische Weltbild wurde dadurch in Frage gestellt und im Jahr 1512 veröffentlichte Kopernikus das heliozentrische Weltbild. Um den Neubau des Petersdomes in Rom finanzieren zu können, förderte Papst Leo X den Ablasshandel. Diesen Anlass nahm Luther für seinen Thesenanschlag im Jahr 1517, welcher der Beginn der Reformation und der Abschied von den festgelegten Gesellschaftsordnungen des Mittelalters war.

Frührenaissance (etwa 1420 – 1500)

In Florenz begann die Epoche der Renaissance wesentlich früher, als nördlich der Alpen. Dort wurde fast das gesamte 15. Jahrhundert noch im gotischen Stil gearbeitet. Renaissance bedeutet die „Wiedergeburt“ und die Künstler orientierten sich an den Künsten der griechischen und römischen Antike. An Bedeutung gewannen die architekturgebundenen Bildgattungen Fresko und Mosaik sowie Tafel- und Leinwandbilder. Als Auftraggeber kam neben den Geistlichen und dem Adel auch die höhere Schicht der Stadtbevölkerung hinzu. Zu den wichtigsten Künstlern dieser Epoche zählen u.a. Pietro Perugino, Masaccio, Sandro Botticelli, Giovanni Bellini, Andrea Mantegna sowie Filippo Brunelleschi und Leon Battista Alberti, die erstmals die Zentralperspektive in ihren Werken verwendeten. In der mittelalterlichen Malerei nutzten die Künstler bisher die Bedeutungsperspektive, wobei die Größe der dargestellten Personen je nach Bedeutung variierte. Für die Räumliche Wirkung wurde ausschließlich eine Kulissenwirkung erzielt, da man nur zwischen Vordergrundebene und Hintergrundebene unterschied. Die Zentralperspektive ermöglichte den Künstlern nun, die Abbildungen so zu konstruieren, dass sie etwa dem Sehen mit den Augen entsprachen.

Hochrenaissance (etwa 1500 – 1520/30)

Die Maler der italienischen Hochrenaissance schafften eine in sich ruhende, ideale Kunst. Dabei orientierten sie sich stark an den Erkenntnissen der Antike. Deutlich wird der Verzicht auf die starre Bildsprache des Mittelalters und es wird mehr Wert auf die Originalität des Bildes gelegt. In den Zeiten des Mittelalters stand vor allem die Verständlichkeit des Bildes im Vordergrund. Durch die veränderte Auftragslage konnten nun zu den bisher vor allem religiösen Bildmotiven im Geschmack des Adels und des reichen Kaufmannstandes eine breitere Palette an Sujets gemalt werden, zum Beispiel aus der Mythologie. Vertreter dieser Zeit sind Raffael, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Fra Bartolommeo, Giorgione, Tizian, Veronese, Tintoretto, und nördlich der Alpen Dürer und Grünewald.

Spätrenaissance oder Manierismus (1520 – 1600)

In der Zeit von 1520 bis 1600 wurden die Kunstwerke in Italien als manieristisch bezeichnet. Geprägt von Experimentierfreude, spannungsreichen Gegensätzen, Übertreibungen und Verzerrungen, gaben die Künstler das Harmonie-Ideal der Renaissance weitgehend auf. Auffällig sind besonders die harten Schlagschatten und das Verwenden mehrerer Lichtquellen in den Gemälden. Bedeutende Maler dieser Zeit sind die Italiener Parmigianino, Tintoretto und Veronese, der Spanier El Greco sowie der Niederländer Pieter Brueghel der Ältere.

Material

Die Künstler malten damals auf Holztafeln. Etwa in der Mitte des 15. Jahrhunderts setzte sich zunehmend das Leinwandbild durch. Die Buchmalerei und der Holzschnitt blieben weiterhin von Bedeutung und um 1440 entstehen erste Silberstiftzeichnungen. Man verwendete die neue Technik der Freskomalerei fresco buono, bei der die Farben auf den noch feuchten nicht abgebundenen Kalkputz aufgetragen wurden. Die Künstler mussten sehr schnell arbeiten, da der frische Putz schnell trocknete. Bei dieser Technik verbinden sich die Farben mit dem Putz und können nicht mehr abgelöst werden.

Anforderungen an eine wirklichkeitsgetreue Darstellung

Die Künstler der italienischen Hochrenaissance nutzten die Techniken der flämischen Künstler. Mit der Verwendung von Ölfarben war es ihnen möglich Tiefe und Schattierung von Körpern in ihren Bildern zu erzeugen. Hinzu kamen die Techniken der Florentiner. Sie verwendeten die Linearperspektive als mathematisch-geometrisches System für den Bildaufbau. Somit wurde die Darstellung von Räumlichkeiten eindeutiger.

Zentralperspektive

Die Zentralperspektive ist ein geometrisches Raumdarstellungssystem, bei der die in der Natur parallel laufenden Linien in einem gemeinsamen Fluchtpunkt zusammengeführt werden. Mithilfe der Linearperspektive werden die Gesetzmäßigkeiten dreidimensionaler Gebilde ergründet. Das Bild gliedert sich in eine zwei-dimensionale Bildebene und besitzt mit dem Fluchtpunkt ein perspektivisches Zentrum.

© Jenny Kuhnert

Luft- und Farbperspektive

Neben der Linearperspektive verwendeten die Maler der Hochrenaissance auch die Luft- und Farbperspektive. Dabei spielt die farbplastische Wirkung der Objektfarben eine wichtige Rolle. Dinge, die sich im Hintergrund befinden, wirken blass und kalt, so dass sie mit Blau-, Violett- oder Grüntönen dargestellt werden. Die Dinge im Vordergrund dagegen hinterlassen einen warmen, satten Eindruck. Hierfür verwendeten die Künstler Gelb, Rot und Orange. Außerdem stellten die Künstler fest, dass sich nebeneinander stehende Farben überstrahlten. Dies gab den Anlass die Farbe zu „beschmutzen“ und den spätmittelalterlichen farbigen Detaillreichtum des Bildes zu vermindern.

Harmonischer Bildaufbau

Für den ausgewogenen Bildaufbau verwendeten die Maler geometriebetonte Kompositionsschemata, was als formaler Aufbau von Kunstwerken zu verstehen ist, bei dem die einzelnen Gestaltungselemente in Bezug zueinander stehen. Als Hilfsmittel für die Komposition wurden Dreiecke, Kreise oder Halbkreise  verwendet. Man forschte nach den Gesetzmäßigkeiten von Proportionen und entwickelte Harmonielehren. Oft wurde der goldene Schnitt den Darstellungen zugrunde gelegt.