Der Künstler Raffael

Steckbrief Raffael

Raffaelo Santi wurde am 28.03.1483 im italienischen Urbino geboren. Seine Mutter war die Tochter des wohlhabenden Händlers Battista di Nicolò Ciarla. Sein Vater Giovanni Santi, der selbst Maler war, entstammte einer relativ begüterten Familie. Neben Raffael wurden noch zwei weitere Kinder geboren, die jedoch zu Lebzeiten des Vaters verstarben. Der Vater Raffaels war ein begeisterter Maler und im Besitz einer eigenen Werkstatt. Seine Gemälde wiesen zwar eine gewisse Standardisierung der Physiognomien auf, dennoch war er der bedeutendste Maler am Hof in Urbino.

Raffael als Kind

Seine ersten zehn Lebensjahre verbrachte Raffael in der Werkstatt des Vaters, wo er mit viel Hingabe den Malern und Gesellen zusehen konnte. Hier machte er sich auch mit den Farben und Bleistiften vertraut. Giovanni Santi übernahm die Techniken der flämischen und italienischen Künstler, die er an seinen Sohn weitergab.

In der Werkstatt des Vaters

© Jenny Kuhnert

Die Technik der Malerei

Für die Darstellung der Natur genügten die Techniken der letzten tausend Jahre nicht mehr. Die Temperamalerei, die im Mittelalter perfektioniert worden war, wurde von der flämischen Ölmalerei abgelöst. Als Erfinder dieser Technik galt der flämische Maler Jan van Eyck. Mit dieser Technik war es möglich Tiefe und Schattierung von Körpern realistischer darzustellen. Für den Bildaufbau verwendeten die Maler mathematisch-geometrische Systeme, wie z. Bsp. die Linearperspektive.

Raffaels Beobachtungsgabe

Raffael beobachtete seinen Vater, wie er Stunden für den Zug einer Lachfalte vor einem Portrait zubrachte. Diese Faszination für den Prozess der Malerei förderte die Sensibilisierung Raffaels und seine Tiefe zur psychologischen Einfühlung. Aus seinen Beobachtungen bezog Raffael jene unschätzbare Fähigkeit, die Persönlichkeiten der Portraitierten zum Vorschein zu bringen.

Raffael als Waise

Im Jahr 1491 stirbt Raffaels Mutter und drei Jahre später auch der Vater. So wurde Raffael im Alter von elf Jahren Waise. Da er in eine große Familie hineingeboren war, kümmerten sich viele Verwandte um ihn, die vor allem sein künstlerisches Talent fördern wollten.

Raffael in der Werkstatt

Raffael arbeitete mit den Gesellen weiter in der Werkstatt seines Vaters. Die Werkstatt war erfüllt von Leben. Junge Männer eilten umher und hantierten mit Pinsel und Farbe. Die Fenster zeigten zur belebten Straße hinaus. Menschen, Gerüche, Farben und Geräusche waren die Eindrücke, die Raffael bereits in seiner Kindheit prägten und ihn für die Kunst sensibilisierten. Zunächst durfte Raffael die Farbreste der jüngeren Schüler nutzen und er erhielt sogar einen kleinen Werkstattraum, aus dem er die Gesellen bei ihrem Arbeiten stets beobachten konnte. Einige erste Kinderzeichnungen des Künstlers drangen nach außen und erreichten auch bald den Palast des Herzogs. Es wurde deutlich, dass Raffael bereits im jungen Alter von 11 Jahren einen  bewusst wahrnehmenden Blick entwickelt hatte.

In der Werkstatt

© Jenny Kuhnert

Raffael wird Künstler

Die Familie wollte, dass Raffael die Werkstatt des Vaters mit 12 Jahren übernimmt, da die Neigung zum Beruf des Künstlers unübersehbar war. In diesem jungen Alter war er aber noch nicht in der Lage die Werkstatt zu leiten. Evangelista da Pian di Meleto, der wichtigste Mitarbeiter des verstorbenen Vaters, blieb weiterhin der Leiter der Werkstatt und versorgte Raffael mit Aufträgen außerhalb Urbinos. Im Alter von 17 Jahren unterzeichnete Raffael seinen ersten Vertrag zur Erstellung eines Altarbildes in der Kirche Sant`Agostino in Città di Castello.

Raffael lernt bei Pietro Perugino

Um 1500 lernte Raffael in der Werkstatt bei Pietro Perugino (1445 – 1523). Dessen Figurenkompositionen sind ruhig und der Einfluss der flämischen Maler wird deutlich. Besonders die Technik der Kartonübertragung war ein wesentlicher Bestandteil in der Ausbildung des jungen Künstlers bei Perugino. Raffaels Arbeiten sind denen des Meisters sehr ähnlich. Perugino ließ sich 1493 in Florenz nieder und war bestrebt seine Stellung in Florenz, Venedig und Mailand auszubauen. Gerade in dieser produktiven Schaffensphase begann Raffael seine Lehrjahre in der Werkstatt.

Wettstreit zwischen Raffael und seinem Lehrmeister

Perugino beherrschte einen großen Teil des Marktes in Umbrien, was dem jungen Künstler Raffael die Chance bot, sich einen noch größeren Teil dieses Marktes zu erobern. Perugino begeisterte die Bürger Mittelitaliens mit seinen anmutigen und harmonischen Kompositionen. Perugino malte seine Madonnenbildnisse in klassischer, pyramidenförmiger Komposition und reduzierte die Farben auf Rot, Blau, Gelb und Grün. Raffael erhielt den Auftrag das Gemälde einer Kreuzigung anzufertigen. Hier wurde die stilistische Entwicklung des jungen Künstlers und die Orientierung an Peruginos Malweise deutlich. Im Laufe der Zeit verwendete Raffael neue Kompositionen für seine Gemälde. Er erhält viele Aufträge von einflussreichen Familien, wie die Familien der de` Gavari, Baronci und Oddi.

Das Studium in Florenz (1504 – 1508)

In Florenz standen die Künstler in einem sehr ausgeprägten Wettstreit. Kunst war ein heftiges Diskussionsthema. Am 8. Juni 1504 wurde die berühmte Statue David von Michelangelo neben dem Palazzo della Signoria (Palazzo Vecchio) aufgestellt. Raffael wurde in Florenz mit den Werken Michelangelos, Leonardos und Bartolommeos konfrontiert. Besonders zu Leonardos Arbeiten soll Raffael einen tieferen Bezug gefunden zu haben.

Raffael als Hofmaler in Rom ab 1508

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte Florenz den Künstlern keine Aufträge mehr zu bieten. Leonardo und Michelangelo waren bereits aus Florenz weggegangen. Im Jahre 1508 rief Papst Julius II. Raffael nach Rom, denn der Künstler sollte die Stanzen der Privatgemächer des Papstes ausgestalten. Es entstanden folgende Stanzen: die Stanza della Segnatura (1508-1512) und die Stanza d´Eliodoro (1512-1514). Die Stanza dell´incendio di Borgo (1514-1517) wurde erst nach dem Ableben Julius II. unter Leo X. ausgeführt. Neben Raffael beauftragte Julius II. auch den Architekten Bramante  für den Neubau von St. Peter und Michelangelo mit dem Grabmal in St. Peter sowie zur Ausmalung der Decke der Sixtinischen Kapelle. Raffael erwarb mit zunehmendem Ansehen annähernd die Stellung eines Hofmalers, wobei er sich in erster Linie an die Aufträge des Papstes zu halten hatte und somit für weitere Mäzene keine Zeit hatte.

Die Geschwisterbilder aus dem Jahr 1512

Im Jahr 1512 entstanden zwei großformatige Ölgemälde. Es sind die Altarbilder Madonna di Foligno und Die Sixtinische Madonna. Auf beiden Gemälden ist die Gottesmutter mit dem Jesuskind in den Wolken der himmlischen Sphäre dargestellt. Sie ist von kleinen Engelsköpfen, die aus den Wolken schauen, umgeben. Im Gemälde Die Sixtinische Madonna befinden sich die hl. Barbara und der hl. Sixtus sowie die zwei berühmten Engelskinder. In der Madonna di Foligno sind der hl. Franziskus, Johannes der Täufer und Hieronymus zu erkennen. Außerdem wurden der Auftraggeber Sigismondo dei Conti und ein Engel dargestellt.

Raffael wird Hofkünstler unter Leo X.

Giovanni de´Medici, der sich sehr gut mit Julius II. verstand, erhielt  bereits im jungen Alter von 13 Jahren die Kardinalswürde. Die Familie der Medici war eine der einflussreichsten Dynastien in Italien. Sie wurde jedoch im Jahre 1494 aus Florenz vertrieben. 1512 eroberte sich die Familie Florenz zurück und Giovanni de´Medici übernahm die Rolle des Papstes. Von nun an nannte er sich Leo X. Er ging  sehr verschwenderisch mit dem Staatsschatz um, so dass er Ämter verkaufen musste und in die Abhängigkeit von Bankiers geriet. Raffael gelangte in dieser Zeit zu hohem Ansehen. Zunächst begann er mit der Ausmalung der Stanza dell´incendio di Borgo. Im Jahre 1515 erhielt er den Auftrag Kartons für die Wandteppiche der Sixtinischen Kapelle anzufertigen sowie die Aufsicht über die antiken Denkmäler in Rom. Bis zu seinem Tod im Jahre 1520 erhielt Raffael viele Aufträge von namhaften Personen, wie Baldassare Castiglione, Kardinal Bibbiena, Lorenzo de´Medici und Agostino Chigi.

Raffaels Schüler

Raffael besaß eine große Werkstatt. Seine Schüler waren Benvenuto Carosalo, Gaudenzio Ferrari, Timoteo Viti, Perino del Vaga, Raffaellino del Colle und Giulio Romano. Mit den vielen Aufgaben, die Raffael von seinem Auftraggeber erhielt, hatte er kaum noch Zeit seine eigenen Malwerke anzufertigen. So überließ er die Ausführung der Gemälde zunehmend seinen Schülern.

Der Tod Raffaels

Das Bild Transfiguration war das letzte Gemälde Raffaels, welches nach dessen Tod von Giulio Romano beendet wurde. Am 6. April 1520 starb Raffael 37jährig nach einem heftigen Fieber. Er wurde auf eigenen Wunsch im Pantheon in einem antiken Sarkophag bestattet. Mit seinem Tod ging eine Epoche zu Ende. Bereits zu Lebzeiten Raffaels reproduzierte der Kupferstecher Marcantonio Raimondi (um 1480 – 1530/34) viele der Gemälde Raffaels in Form von Kupferstichen. Mit der Verbreitung dieser Kupferstiche erlangte Raffael einen hohen Bekanntheitsgrad in Italien und jenseits der Alpen. Heute geben diese Reproduktionen Hinweise auf zerstörte oder verschollenen Werke Raffaels.