Der Ankauf im Jahre 1754

August III.

August III. (1696 – 1763), der Sohn August des Starken und damaliger Kurfürst von Sachsen sowie König von Polen, war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und galt als einer der größten Kunstmäzene seiner Zeit. Ein echter Raffael durfte in seiner Gemäldegalerie nicht fehlen, denn bereits zu Raffaels Lebzeiten galten seine Werke als unentbehrlich für die mächtigen Herrscherhäuser. Da sich August III. vorrangig für die Bildkünste interessierte, ist es ihm zu verdanken, dass die Gemäldegalerie Alte Meister über solch eine herausragende Sammlung an Gemälden verfügt. Mit Hilfe seines Premierministers Heinrich Graf von Brühl und dessen Sekretär Carl Heinrich von Heineken, war es August III. möglich die organisatorischen Gegebenheiten für die umfangreichen Erwerbungen zu meistern. Im Jahr 1745 kaufte August III. hundert der wertvollsten Bilder aus der Galerie des Herzoges Francesco III. von Modena. Die Gemäldesammlung wurde durch besonders auserlesene Gemälde immer bedeutsamer. August III. beauftragte etliche Kunstagenten sämtliche Galerien und Auktionshäuser zu durchforsten, damit er vor allem die besten Gemälde der bekanntesten Italiener und Flamen erhielt.

Werke der Galerie

Neben Werken von Raffael sind auch Gemälde von Giorgione, Tizian, Correggio, Mantegna, Botticelli, Parmigianino, Veronese, Tintoretto, Rembrandt, Jan Breughel, Ruysdael, Rubens, Jordaens, Van Dyck und Vermeer in der Galerie zu finden. Es wurden zahlreiche Kunstwerke angekauft. Der damit verbundene Platzmangel führte zu einem Umbau des ehemaligen kurfürstlichen Stalls.

Umbau zur Gemäldegalerie

Der Architekt Johann Christoph Knöfel wurde beauftragt den ehemaligen kurfürstlichen Stall am Jüdenhof (heute: Verkehrsmuseum) zu einer Gemäldegalerie umzubauen, die 1746 eröffnet wurde. Mit der Fertigstellung im Jahre 1749, konnten sich die Bürger gegen einen geringen Obulus die Ausstellung anschauen. Somit zählt die Gemäldegalerie zu den ersten Museen in Deutschland.

Raffaels Sixtinische Madonna

Bisher hatte August III. nur vergeblich nach einem Werk Raffaels gesucht. Die Werke waren eine Rarität auf dem Kunstmarkt, da sich viele von ihnen fest verankert in etablierten Sammlungen befanden oder noch in Kirchen hingen. Zu letzteren zählte auch die Sixtinische Madonna. Sie befand sich auf dem Hochaltar in der Klosterkirche der “schwarzen Mönche” in Piacenza. Da die Kirche jedoch sehr verschuldet war, sahen sich die Mönche gezwungen ihr Hochaltarbild zu verkaufen.

Der Ankauf der Sixtinischen Madonna

Im Frühjahr 1752 begannen die Verhandlungen über den Ankauf der Sixtinischen Madonna. Zunächst lag der Verkaufspreis des Bildes bei 36.000 römischen Scudi. Diese Summe war aber unvorstellbar und noch niemals für ein Gemälde bezahlt worden. Im Frühjahr 1753 lag die zuletzt genannte Summe bei 20.000 Scudi, welche als zu niedrig empfunden wurde. Man wäre bereit das Gemälde für 30.000 Scudi zu verkaufen. Nachdem der Premierminister ein Schreiben aufsetzte, den Ankauf rasch abzuschließen, kam es am 20. Februar 1753 zum Vertragsabschluss. Der Preis sollte 25.000 Scudi betragen. Die Mönche erhielten die Genehmigung des Papstes das Hochaltarbild zu veräußern und so stand dem Verkauf eigentlich nichts mehr im Wege. Jedoch legte der Herzog von Piacenza sein Veto ein und es schien als sei der Ankauf gescheitert. Da aber eine Tochter von August III. mit dem Bruder der Herzogin von Piacenza verheiratet war, gelang der Ankauf des Bildes letztendlich über den familiären Weg. So gab der Herzog von Piacenza Ende September 1753 doch noch seine Zustimmung zum Verkauf des Bildes. Am 1. Dezember 1753 wurde das Gemälde von seinem angestammten Platz, dem Hochaltar in der Klosterkirche zu Piacenza genommen. Der Künstler Pier Antonio Avanzini hatte bereits im Jahr 1730 eine Kopie der Sixtinischen Madonna angefertigt, die über dem Altar angebracht werden konnte. Das Original wurde eingehend geprüft und der Zustand des Bildes wurde als sehr gut empfunden.

Die Sixtinische Madonna in der Gemäldegalerie

Am 21. Januar 1754 trat die Sixtinische Madonna ihre Reise über die winterlichen Alpen an und gelangte am 1. März. 1745 unversehrt nach Dresden. Die Legende besagt, dass August III. seinen Thron beiseite gerückt haben soll, mit den Worten:

„Platz für den großen Raffael!“

Der Verkaufspreis von 25.000 Scudi für ein Gemälde ist immens. Beispielsweise bezahlte August III. für 32 antike Skulpturen 20.000 Scudi. Üblich waren etwa 1.000 Scudi für äußerst großformatige Gemälde, wie von Sebastiano Conca.