Das Bild

Das Bild…

Das Gemälde Die Sixtinische Madonna entstand während der Hochrenaissance und wurde von dem herausragenden Künstler Raffael im Jahre 1512/13 in Rom gemalt. Es ist ein Auftragswerk für den Papst Julius II., der Raffael bereits im Jahr 1508 für die Ausgestaltung der Stanzen in seinen Privatgemächern nach Rom rief. Für die neue Kirche, die in den Jahren von 1499 – 1511 anstelle der ursprünglichen Abtei erbaut wurde, beauftragte der Papst den 28jährigen Raffael mit dem Malen des Hochaltarbildes für die neue Klosterkirche San Sisto der “schwarzen Mönche” in Piacenza. Auf dem Bild sind Maria mit dem Jesuskind, der heilige Sixtus, die heilige Barbara, denen die Kirche in San Sisto geweiht war, und zwei Engel zu erkennen. Die Personengruppe ist von einem geöffneten grünen Vorhang umgeben. Maria schreitet schwebend auf den Wolken, während im Hintergrund des Bildes kleine Engelsköpfe aus dem Himmel blicken.


… und sein Weg

In den 500 Jahren, die das Bild existiert, hat es einige Schicksalsschläge erlitten:
Von seinem heiligen Platz über dem Altar der Klosterkirche in Piacenza entnommen und verkauft an August III., ließ man das Werk im kalten Winter des Jahres 1754 über die Alpen nach Dresden transportieren. Kurz darauf im Jahr 1759 brachte man das Bild in Folge des siebenjährigen Krieges für vier Jahre nach Königstein. 1855 stellte man es isoliert von den anderen Kunstwerken im Kabinett A der Gemäldegalerie aus. Nach dem Aufenthalt in einem stillgelegten Eisenbahnschacht wurde es zum Ende des zweiten Weltkrieges 1945 als Kriegstrophäe nach Russland überbracht. Elf Jahre später gelangte das Bild wieder in die Gemäldegalerie von Dresden zurück.

Ikonographie

Die Ikonographie ist die wissenschaftliche Bestimmung und Deutung von Motiven, die in einem Gemälde dargestellt sind. Sie gibt Aufschluss über den Inhalt und die Symbolik der Bildgegenstände.

Hochaltarbild

Es ist das bedeutendste Bild in einer Klosterkirche und wird behandelt wie ein Schatz. Das Gemälde Die Sixtinische Madonna hat die Maße 269,5 cm x 201 cm und wurde nicht wie üblich auf Holz, sondern auf Leinwand gemalt.

Sacra Conversazione

Das Bild behandelt die Thematik der Sacra Conversazione, einer heiligen Unterhaltung. Dabei wird die Madonna mit dem Jesusknaben in würdiger Gesellschaft von zwei oder drei Heiligen dargestellt.

Epiphanie

Zudem zeigt das Bild eine Erscheinung der geistigen Welt, griech. Epiphanie. Raffael hat die irdische und die himmlische Sphäre in dem Bild zusammengeführt. Somit bezieht er den Bildbetrachter in das Bild und das Himmelreich ein. Die Brüstung, auf die sich die beiden Engelchen lehnen, nimmt Bezug auf die Gegenwart des Betrachters und verbindet die irdische mit der himmlischen Sphäre.

Vorhang

Der grüne Vorhang gleicht einem Rahmen im Bild. Er ist an einer sich leicht nach unten biegenden Stange befestigt. Hinter dem Vorhang sind zahlreiche Engelsköpfchen zu entdecken, die neugierig auf die Szene blicken. Der geöffnete Vorhang gewährt dem Betrachter einen kurzen Einblick in das himmlische Reich.

Maria und das Jesuskind

Maria schreitet beinahe schwebend auf den Wolken und hält das Jesuskind auf dem Arm. Sie trägt Jesus aus dem Himmelsreich zur Erde. Dies verweist auf die Inkarnation, die Menschwerdung Gottes durch Jesus. Beide blicken mit großen Augen aus dem Bild heraus. Das Gewand der Gottesmutter ist in Blau und ihr Kleid in Rot gehalten. Diese Farben sind typisch für die Darstellung der Maria. Die Farbe Ultramarinblau war zu den Zeiten der Hochrenaissance eine schwer zu beschaffende Farbe und somit sehr wertvoll. Sie wurde aus dem Edelstein Lapislazuli gewonnen, der in seiner besten Qualität nur im Norden Afghanistans zu finden ist und galt als eine der edelsten Farben. Außerdem verweist die Farbe auf das Weite und Himmlische, die Treue und Beständigkeit. Die Farbe Rot ist eine mächtige Farbe und ein Zeichen für das Herzblut und die göttliche Liebe.

Engel

Auf der Brüstung haben sich zwei Engel niedergelassen, die verträumt und erwartungsvoll, aber auch ein bisschen gelangweilt nach oben blicken. Sie wirken wie irdische Kinder, die einer Geschichte lauschen und gespannt sind was noch alles passieren mag. Damit entsteht ein weiterer Bezug zur realen Welt des Betrachters. Raffael hat das Göttliche mit dem Menschlichen in dem Gemälde verbunden.

Heilige Barbara

Die heilige Barbara gehört zu den 14 Nothelfern, die von den Christen besonders um Fürbitte gebeten werden. Schaut man genau hin, so erkennt man im Hintergrund der Barbara den Anschnitt eines Turmes. Dieses Attribut verweist auf die Geschichte der Heiligen. Sie wurde von ihrem Vater Dioscuros in einen Turm gesperrt, da sie sich für den christlichen Glauben entschieden hatte, was ihrem Vater missfiel. Als Zeichen der Dreifaltigkeit ließ sie ein drittes Fenster in dem Turm anbringen. Nachdem sie sich in einem Opferbecken taufen ließ, schwor ihr Vater sie zu töten. Dioscuros enthauptete seine eigene Tochter. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es den Gedenktag der heiligen Barbara am 4. Dezember. Man pflückt einen Zweig und stellt ihn ins Wasser, dieser soll dann am Heiligen Abend blühen.

Heiliger Sixtus

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister

Ein weiteres Attribut befindet sich vor dem heiligen Sixtus. Ihm und der heiligen Barbara war die Klosterkirche San Sisto geweiht. Auf der Brüstung steht seine dreifache Krone, die Tiara.  Dieses Attribut verweist auf den Rang des Kirchenpatrons. Auf der Spitze der Krone befindet sich eine goldene Eichel, die auf die Familie der della Rovere hindeutet. Der Auftraggeber Papst Julius II. entstammte dieser Familie. Raffael hatte somit einen deutlichen Bezug zwischen dem Auftraggeber und dem Bild erstellt. Im Februar des Jahres 1513 starb Papst Julius II. und es bleibt offen, ob der Auftraggeber das vollendete Bild jemals gesehen hat.