Wo kommt Urushi her? Die Tradition der Arbeit mit Lack in Japan.

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Magdalena begleitet den Restaurierungsprozess in Tokyo, um von den Spezialisten aus dem Ursprungsland der Vasen zu lernen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen rund um die Restaurierung in Dresden und Tokyo.

Heute: Wo kommt Urushi her? Die Tradition der Arbeit mit Lack in Japan.

Die Sommermonate in Japan waren eine gute Gelegenheit zu erfahren, auf welche Art und Weise man Urushi gewinnt – ein besonderer pflanzlicher Lack, der die Vogelbauervasen aus der Porzellansammlung in Dresden schmückt.

Die Okukuji Region in der Präfektur Ibaraki gehört zu den berühmten Lackgewinnungsorten des Landes.

Die Okukuji Region in der Präfektur Ibaraki gehört zu den berühmten Lackgewinnungsorten des Landes.

Es wird angenommen, dass das japanische Wort „Urushi“ aus „uruwashi“ (schön, angenehm) und „uruosu“ (feucht und luxuriös) entstanden ist. Der Name betrifft aber nicht nur die Objekte, die mit dem Lack hergestellt wurden, sondern auch die Laubbäume, aus welchen der Lack gezapft wird. Dieser natürliche Saft wird seit ein paar tausend Jahren für die Herstellung von Lackobjekten benutzt.

Die Lackbäume (Rhus verniciflua) wachsen meistens in Wäldern auf Hügeln und Bergen in einigen ostasiatischen Länder. In Japan gibt es nur ein paar Orte, wo man heutzutage den rohen Lack gewinnt. Einer der bekanntesten ist das Okukuji Gebiet in der Präfektur Ibaraki. Während meines Aufenthaltes in Japan ergab sich eine gute Gelegenheit, diese schwer zugänglichen Orte zu besuchen und den Gewinnungsprozess von Urushi persönlich sehen und erfahren zu können.

Die zweijährigen Lackbäume (links) sind noch zu jung um den Saft zu zapfen. Den Stamm des sechsjährigen Baumes (rechts) kann man schon anritzen, aber die beste Lackqualität bekommt man aus zehnjährigen Bäumen.

Die zweijährigen Lackbäume (links) sind noch zu jung um den Saft zu zapfen. Den Stamm des sechsjährigen Baumes (rechts) kann man schon anritzen, aber die beste Lackqualität bekommt man aus zehnjährigen Bäumen.

Der Saft befindet sich nicht nur im Stamm des Baumes, sondern fließt auch durch seine Wurzeln (links) bis zu den Blätter(rechts).

Der Saft befindet sich nicht nur im Stamm des Baumes, sondern fließt auch durch seine Wurzeln (links) bis zu den Blätter(rechts).

Die Lackbäume werden entweder aus den Wurzeln oder aus Samen (links) gezogen. Aus den Früchten kann man Kerzen von guter Qualität herstellen. Und zudem gewinnt man auch aus den Urushi Bäumen einen leckeren Honig (rechts)!

Die Lackbäume werden entweder aus den Wurzeln oder aus Samen (links) gezogen. Aus den Früchten kann man Kerzen von guter Qualität herstellen. Und zudem gewinnt man auch aus den Urushi Bäumen einen leckeren Honig (rechts)!

Die Lackbäume zieht man entweder aus Samen oder den Wurzeln. Die Bäume können Höhen bis ungefähr 20 Meter erreichen. Die beste Lackqualität erhält man aus zehnjährigen Bäumen und dabei aus einem Baum nur ungefähr 200-250 Gramm Urushi, was die Substanz noch mehr besonders und wertvoll macht.

 

Ich habe es selber erfahren wie kompliziert es ist den Baum genau in der Tiefe zu verletzen, wo der Saft herauskommt.

Ich habe es selber erfahren wie kompliziert es ist den Baum genau in der Tiefe zu verletzen, wo der Saft herauskommt.

Der ausgetretene Rohlack wird mit einem Spatel direkt aus dem Schnitt gesammelt.

Der ausgetretene Rohlack wird mit einem Spatel direkt aus dem Schnitt gesammelt.

Wie ich selbst erfahren konnte – die Arbeit mit dem Lack verlangt sehr viel Geschicklichkeit und Erfahrung. Zuerst wird das Gras, was in der Nähe wächst, entfernt um den Zugang zum Baum zu erleichtern. Danach schneidet man die alte Rinde weg um einen sauberen Schnitt zu ermöglichen. Der Saft wird gezapft, indem man 5 bis 10 horizontale Einschnitte mit einem speziellen Messer in den Stamm des Baumes ritzt – im Wechsel auf der rechten und auf der linken Seite. Es braucht sehr viel Aufmerksamkeit um den Stamm nicht zu tief oder zu flach einzuschneiden. Nach einer kurzen Weile kommt der milchig-trübe Rohlack aus der Wunde heraus und wird mit einem spitzen Spatel gesammelt.

 

Der aus dem Riss herausfließende Saft wird langsam hart sobald er mit der Luft in Kontakt kommt und die Luftfeuchtigkeit aufsaugt. Seine zuerst hell-trübe Farbe, wird allmählich Dunkelbraun.

Der aus dem Riss herausfließende Saft wird langsam hart sobald er mit der Luft in Kontakt kommt und die Luftfeuchtigkeit aufsaugt. Seine zuerst hell-trübe Farbe, wird allmählich Dunkelbraun.

Die Hauptkomponente des rohen Lackes ist eine ölige Substanz – Urushiol. Nachdem man einen Schnitt am Urushibaum gemacht hat, wird der Saft langsam hart indem er die Luftfeuchtigkeit aufsaugt. Wenn er Wärme und Feuchtigkeit ausgesetzt ist, wird ein Enzym aktiviert, das den Sauerstoff aus dem Wasser extrahiert und damit das Urushiol versorgt. Der aus dem Baum herausfließende Saft wird durch die Polymerisation stark und haltbar. Die Quantität der Urushiole ist für die Qualität des Lackes verantwortlich – je mehr der Lack von dieser Substanz enthält, desto besser ist seine Qualität. Der Japanische Lack hat besonders viel Urushiol, deswegen sind seine Eigenschaften so wertvoll. Andererseits ist das Urushiol aber auch eine giftige Substanz, die bei direktem Hautkontakt eine allergische Reaktion auslösen kann. Deshalb muss man bei der Arbeit besonders aufpassen um den Rohlack nicht zu berühren. Für die Arbeit auf dem Urushi-Feld braucht man bestimmte Werkzeuge, die leider zurzeit in Japan kaum produziert werden.

 

Um den Lack zu gewinnen braucht man besondere Werkzeuge. Leider gibt es heutzutage in Japan nur sehr wenig Orte wo diese Utensilien immer noch hergestellt werden.

Um den Lack zu gewinnen braucht man besondere Werkzeuge. Leider gibt es heutzutage in Japan nur sehr wenig Orte wo diese Utensilien immer noch hergestellt werden.

 

 

Der frisch gezapfte Saft enthält viele Verunreinigungen, muss also vor der Verwendung gefiltert werden. Aus einem Baum kriegt man gegen 200-250 Gramm Urushi.

Der frisch gezapfte Saft enthält viele Verunreinigungen, muss also vor der Verwendung gefiltert werden. Aus einem Baum kriegt man gegen 200-250 Gramm Urushi.

Der Japanlack wird zwischen Juli und November gezapft. Abhängig von der Saison verändern sich seine Eigenschaften. Im Frühjahr ist Urushi noch sehr dünn und wenn die Saison vorrückt wird er allmählich dicker. Den besten Lack bekommt man im Hochsommer.

Nach der Gewinnung des Lackes werden die ungefähr zehnjährigen Bäume gefällt.

Nach der Gewinnung des Lackes werden die ungefähr zehnjährigen Bäume gefällt.

Nachdem alle Stellen aus denen man den Lack bekommen kann angeschnitten sind, wird der Baum gefällt. Der frisch gezapfte Rohlack, der noch viele Vereinigungen enthält, wird vor der Verwendung gefiltert. Dann wird der Wassergehalt langsam verdampft. Durch diesen Prozess erhält man eine entsprechende Viskosität, Glanz und Transparenz.

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