Archiv für Mai 2015

Einblicke in die aktuelle Fotokampagne in der Porzellansammlung | Impressions of current photo week in the Porcelain Collection

Samstag, 30. Mai 2015


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Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes der Porzellansammlung der SKD werden seit Oktober 2014 unsere ostasiatischen Porzellane aus der ehemaligen Königlichen Sammlung professionell fotografiert. Der größte Teil des vorhandenen Bildbestandes besteht derzeit aus Arbeitsfotos, die keine ausreichende Erfassung dreidimensionaler Objekte gewährleisten, häufig existieren nur ein bis zwei Ansichten. 8000 Objekte aus China und Japan werden jetzt erstmals systematisch fotografisch erfasst.

Nach den bisherigen Foto-Sessions im Depotbereich hatten wir im März die Möglichkeit in der nördlichen Bogengalerie der Porzellansammlung zu arbeiten, um dort eine der dichtbestücktesten Wände mit ca. 800 unterglasurblauen kangxi-zeitlichen Porzellanen zu fotografieren. Eine Aufgabe, die nur in einem gut funktionierenden Team zu stemmen ist, das ohne Fotograf Adrian Sauer und seinen Kollegen Alexander Schmidt sowie die beiden Restauratorinnen, Silke Rohmer und Magdar Kozar nicht möglich gewesen wäre. Adrian Sauer (Fotograf) ließ für diese herausfordernde Aufgabe ein speziell zugeschnittenes Fotozelt anfertigen und die Arbeit konnte beginnen.


© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Innenraum des Zeltes ermöglichte nicht nur ein effizientes Arbeiten, sondern auch fotografische Ergebnisse in höchster Qualität. Auch hier ist Teamgeist gefragt: denn für die beiden Fotografen muss das Porzellan von einer weiteren Mitarbeiterin für die Aufnahmen zunächst aufgestellt und dann gedreht werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Miniaturvasen bis zu großen Monumentalvasen wird jedes Objekt allseitig erfasst.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Bilder werden sofort nach der Aufnahme sowohl im Dateinamen als auch in den eingebetteten Metadaten mit der Inventarnummer der Porzellansammlung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach Abnahme der Porzellane von der Wand erfolgte ihre Reinigung.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dabei werden die Inventarnummern und die Maße der Objekte überprüft bzw. vervollständigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Und wenn alles abgenommen ist, erscheint die Wand völlig kahl.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Doch die Vorbereitungen zur Wiederanbringung sind bereits in vollem Gange. Die unzähligen kleinen Koppchen werden mit Wachs auf den Konsolen befestigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Anschließend werden die Teller mit einer Halterung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

...und können damit sicher an der Wand befestigt werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein großer Dank gilt ALLEN Beteiligten und Helfern, die es ermöglicht haben, diese Foto-Wochen erfolgreich zu beenden – wir konnten mehr als 850 Objekte fotografieren.

„Die Biografie der Objekte“ erforschen und erzählen – Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes

Donnerstag, 28. Mai 2015

Was hat ein ‎expressionistisches Gemälde mit der Himmelsscheibe von Nebra zu tun, was ein Ziegelscherben aus ‎dem Irak mit einem Federschmuck aus den Anden? Ganz einfach: Sie fanden alle Eingang in Museumssammlungen und besitzen doch jeweils eine ganz individuelle Biografie. Somit sind sie, wie unzählige andere Objekte in Ausstellungen und Depots von Museen, Gegenstand der Provenienzforschung, die diese jeweilige Geschichte der Objekte untersucht und beschreibt.

„Die Biografie der Objekte“, so lautete das Thema der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes, die vom 3. bis 6. Mai in Essen stattfand. Eindrucksvoller Rahmen waren die Gebäude der  Zeche Zollverein, in denen heute u.a. das Ruhr Museum untergebracht ist.

Vor der Kulisse der Zeche Zollverein v.l.n.r.: Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor der Stiftung Ruhr Museum), Reinhard Paß (Oberbürgermeister der Stadt Essen), Anne Henk-Hollstein (Landschaftsverband Rheinland), Prof. Dr. Eckart Köhne (Präsident des Deutschen Museumsverbundes), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien) und Isabel Pfeiffer-Poensgen (Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder); Foto: Michael Rasche, Dortmund

Vor der Kulisse der Zeche Zollverein v.l.n.r.: Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor der Stiftung Ruhr Museum), Reinhard Paß (Oberbürgermeister der Stadt Essen), Anne Henk-Hollstein (Landschaftsverband Rheinland), Prof. Dr. Eckart Köhne (Präsident des Deutschen Museumsverbundes), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien) und Isabel Pfeiffer-Poensgen (Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder); Foto: Michael Rasche, Dortmund

Kulturstaatsministerin Monika Grütters, selbst erfahren in der Museumsarbeit, beschrieb in ihrer Eröffnungsgerede ein wachsendes Interesse der Öffentlichkeit im Allgemeinen und der Museumsbesucher im Besonderen an diesen Objektgeschichten – und konstatierte, dass Museen zunehmend bereit seien, sich mit den Provenienzen ihrer Schätze forschend auseinander zu setzen, und hier auch bereits von sich aus aktiv seien. An die Medien appellierte sie, endlich wahrzunehmen, dass die Museen in Deutschland sich ihrer Verantwortung für die Suche nach NS-Raubkunst bewusst sind. Unterstützung bei ihrer Arbeit in diesem Bereich würden sie u.a. durch die neu gegründete Stiftung „Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ in Magdeburg erfahren. Die NS-Raubkunst sei dabei aber keineswegs das einzige Thema für die Provenienzforschung, daneben eröffneten sich noch andere, neue Tätigkeitsfelder.

Ihnen waren die einzelnen Panels der Jahrestagung am Montag und Dienstag, 4. und 5. Mai, gewidmet. Dazu gehören die Objektbiografien des sogenannten Kulturguts aus der Kolonialzeit, also außereuropäische Objekte unterschiedlichster Art, die vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert in die Museen kamen, als systematische Erwerbungen von wissenschaftlichen Expeditionen ebenso wie beispielsweise als Erinnerungsstücke von Missionaren. Viele Erwerbungswege sind zumindest aus heutiger Sicht höchst fragwürdig, erscheinen unmoralisch, illegitim oder illegal. Die „human remains“, Überreste von Menschen, die westliche Museen wie selbstverständlich sammelten, bilden dabei nur die makabere Spitze des Eisberges. Besonders für sie gibt es seit einigen Jahren Rückgabeforderungen aus manchen Herkunftsländern. Wie damit umzugehen ist, dafür haben die Museen bisher noch kaum allgemeingültige Lösungen, Patentrezepte gibt es nicht.

Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Durch die politischen Ereignisse in Syrien und im Irak sind in den letzten Monaten archäologische Kulturgüter in den Fokus gerückt, die oftmals aus Raubgrabungen stammen und illegal in den Kunsthandel eingeschleust werden. Nicht nur der Nahe Osten ist davon betroffen, sondern genauso Italien und Griechenland oder Südamerika. Deutschland ist durch seine großzügige Gesetzgebung eine Drehscheibe für den Handel mit Raubgrabgut, und so erwarten die Museen hier einiges von einer geplanten Gesetzesänderung. Bis dahin, so ein Vorschlag der lebhaften Diskussion während der Tagung, sollte auf den Erwerb archäologischer Objekte am besten verzichtet werden.

Auftakt der Podiumsdiskussion Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Auftakt der Podiumsdiskussion Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Ein weiteres, wieder ganz anderes Problemfeld hingegen eröffnete die Frage, wie mit Kunstwerken umgegangen werden soll, die in der DDR entzogen oder enteignet wurden. Das ist keineswegs ein spezielles Problem ostdeutscher Museen, denn viele dieser Werke wurden zum Zwecke der Devisenbeschaffung (Stichwort: Schalck-Golodkowski) in den Westen verkauft. So deutlich wie auf dieser Tagung war das zuvor selten gesagt worden. Auf diesem Feld war auch die langjährige Erfahrung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden besonders gefragt. Als Teilnehmer an diesem Panel konnte ich skizzieren, wie die Handlungsspielräume der Museen aussehen: Sie sind Beteiligte in einem gesetzlich geregelten Verfahren und können keineswegs frei über Restitutionen entscheiden.

Die Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes hat keine einfachen Lösungen für die vielfältigen Probleme präsentiert – statt dessen hat sie gezeigt, dass es notwendig ist, die Provenienzforschung insgesamt weiter zu stärken, dass ihre Themen vielfältiger sind als in der Öffentlichkeit bisher bekannt und dass die Museen selbstbewusster ihre Möglichkeiten und Grenzen in diesem Bereich einschätzen und benennen sollten.

Autor: Prof. Dr. Gilbert Lupfer - Leiter Forschung und wissenschaftliche Kooperation der SKD; Foto: Jürgen Lösel

Autor: Prof. Dr. Gilbert Lupfer - Leiter Forschung und wissenschaftliche Kooperation der SKD; Foto: Jürgen Lösel

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeitstücke – Ganz in sich, aber nicht vollständig

Freitag, 22. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Der Themenbereich „Zeitstücke“ der Schau empfängt den Besucher mit leisem Ticken. Dieses sanfte Geräusch stammt aus dem Inneren der Ausstellungsarchitektur. Man spielt hier mit dem bereits längst vergangenen Nutzen dieser Objekte, denn in diesem Bereich stehen Uhrgehäuse, Uhrwerke, Uhrzeiger und Zifferblätter getrennt nebeneinander und es ist klar, dass sie nur in ihrer Kombination ihrem eigentlichen Zweck, der Zeitmessung, gerecht werden.

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Politik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in den 1960er-Jahren ihre Sammlungen stringenter zu organisieren, führte zu nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen. Ein besonders absurdes Beispiel dafür ist die Caffieri-Uhr, die eine Vereinigung verschiedener Materialien und Künstlerarbeiten ist und nach Materialien aufgeteilt und somit „unlesbar“ gemacht wurde. Benannt ist die Uhr nach dem im Stil des berühmten französischen Bronzebildhauers Jean-Jacques Caffieri (1725 –1792) gearbeiteten, reich bewegten Gehäuse aus gegossener und feuervergoldeter Bronze, das ein hervorragendes Zeugnis des Pariser Kunsthandwerks der 1740er-Jahre ist. Die für diese Uhr passgenau geschaffenen drei Harlekine auf dem Sockel gingen aus der Meissner Porzellanmanufaktur hervor und sind Arbeiten von Johann Joachim Kändler (1706 –1775). Das (verlorene) Uhrwerk stammte wohl von dem französischen Uhrmacher Etienne-Claude Couturier (1768 –1823). Im Zuge der Sammlungsbereinigungen wurde die prachtvolle Uhr schließlich auseinandergerissen: Die Harlekine verblieben in der Porzellansammlung, das Bronzegehäuse wurde 1969 nach Pillnitz abgegeben und ob in diesem Zusammenhang das Uhrwerk an den Mathematisch-Physikalischen Salon weitergegeben wurde oder zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort verloren ging, ist nicht mehr rekonstruierbar.

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

Anders ist es beiden 1880 von „Herrn Hofuhrmacher Weisse“ angekauften, einzelnen Uhrzeigern. Sie wurden im Sinne der Vorbildsammlung losgelöst von den Uhren angekauft, um den damaligen Stand der Metallverarbeitung zu dokumentieren und zur weiteren Erforschung zugänglich zu machen. Nicht nur haben diese Zeiger ihre Uhr und damit ihre Funktion verloren, auch kam ein Großteil des einst 26 Stück umfassenden Konvoluts im Zuge des Zweiten Weltkriegs abhanden.
Insgesamt um 60 Objekte wurde damals die Vorbildersammlung für die Studenten der angegliederten Kunstgewerbeschule erweitert. Neben wertvollen historischen Uhren gehörten auch Einzelteile dazu, darunter 26 Uhrzeiger, von denen heute nur noch fünf vorhanden sind.

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

Und dann gibt es in diesem Bereich noch Gehäuse von Pendule-Uhren. Ihnen wurden aus bisher nicht zu klärenden Gründen die Uhrwerke entnommen. Dadurch wird die aufwändige Boulle-Marketerie, die sonst hinter den Uhrwerken verborgen war, sichtbar. Die Leerstelle im Uhrgehäuse definiert das Objekt funktional wie ästhetisch neu. Die Gehäuse, zu deren Uhrwerken bis auf eine Ausnahme jede Spur fehlt, sind nach dem Zweiten Weltkrieg auf sehr unterschiedlichen Wegen in die Sammlung des Kunstgewerbemuseums gekommen. Ein recht großer Teil stammt aus dem Bestand des Dresdner Residenzschlosses: Ausgelagert in Bergungsdepots im Umland von Dresden hatten die Pendulen das Bombardement überstanden. Jedoch wurden viele dieser Depots aufgebrochen, verwüstet und die Objekte stark beschädigt. Auch später kam es dazu, dass noch vollständige Uhren fragmentiert wurden, indem die Uhrwerke entnommen und willkürlich abgelegt wurden. Durch ihre aufwendige Gestaltung mit kostbarer Marketerie aus Schildpatt, Messing sowie Perlmutt und zuweilen sogar farbig unterlegtem Horn sind die Gehäuse – wenn auch zum Teil nur fragmentarisch erhalten – doch vielsagende Zeugnisse der hohen Qualität des Pariser Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts. Die plastisch durchgebildeten Beschläge bzw. vollplastischen Aufsatzfiguren aus vergoldetem Messing stellen meist auf die Ikonographie der Zeit abgestimmte Motive dar: Häufig schmückt der Gott der Zeit – Kronos – die Pendulen.

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Und nicht verpassen: Wir haben zeitnah ganz besondere Angebote für Euch:

23. Mai 2015 – Öffentlicher Rundgang
Treffpunkt Foyer – 11 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

23. Mai 2015 – Familiennachmittag von 15–17 Uhr
Treffpunkt Foyer – 15 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

26. Mai 2015 – Expertinnenführung: Mitarbeiterinnen des Kunstgewerbemuseums führen durch die Ausstellung und stellen ihre Spezialgebiete vor. Mit Katrin Lauterbach, Schwerpunkt Keramik
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Keine Führungsgebühr

29. Mai 2015 – Direktorinnenführung mit Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums und  Kuratorin der Ausstellung, führt durch die Sonderausstellung.
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

Alle Preise gelten pro Person, Kinder unter 7 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Teilnahme von Dr. Anita Wang am Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen | Dr. Anita Wang attends a Network Meeting of the Alexander von Humboldt Foundation in Bremen

Mittwoch, 20. Mai 2015


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Mit diesem Beitrag starten wir eine Reihe von Blogbeiträgen zu den Forschungsaktivitäten an den SKD. Zunächst berichten wir über das Ausstellungs- und Forschungsprogramm Europa/Welt, das von der Museum & Research Foundation unterstützt wird und derzeit acht Forschungsprojekte umfasst. Dr. Anita Wang aus dem Projekt »Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof« macht den Auftakt:

Anita Wang auf dem Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen

Dr. Anita Wang beim Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen

Mein Name ist Anita Wang und ich bin im Rahmen eines Post-Doktoranden-Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung von Januar 2015 bis Ende 2016 innerhalb des Forschungsprogramms Europa/Welt an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden tätig. Ich arbeitete gemeinsam mit Dr. Cordula Bischoff an dem Projekt »Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof«. Im Fokus meiner Forschungen stehen Werke aus der frühen Qing-Dynastie. Diese umfassen vor allem Gemälde, Holzschnitte, Kupferstiche und Grafiken aus dem Bereich chinesischer Volkskunst. In diesem Fachgebiet habe ich 2013 an der Tianjin Universität mit Schwerpunktsetzung auf chinesische Holzschnitte promoviert.
 
Vom 15. bis 17. April 2015 habe ich am Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen teilgenommen und wurde aufgefordert, meine Arbeit im Rahmen einer interdisziplinären Gruppe (Sprach- und Literaturwissenschaften, Fremdsprachen, Kultur- und Kunstwissenschaften) zu präsentieren. Das Bild zeigt mich bei der Posterpräsentation, die einige zentrale Fragen meiner Forschungsarbeit thematisierte:
 
Welche Einblicke geben die Kunstwerke in die gesellschaftlichen Strukturen Chinas?
 
Wie haben das europäische Publikum und Reiseberichterstatter diese Themen im Wandel der Zeit wahrgenommen?
 
Gibt es bestimmte Tendenzen in den Druckformaten, die von europäischen Sammlern erworben wurden und wie wirkten sich diese auf den damaligen Kunstmarkt aus?
 
In wie weit beeinflussten Nachfrage und Vorliebe der europäischen Käufer die Produktion in China für den Export-Markt?
 
Welche Unterschiede gibt es zwischen Drucken, die für den heimischen chinesischen Markt hergestellt wurden, und solchen, die exklusive für den Export nach Europa bestimmt waren?
 
In wie weit ist die etablierte strikte Trennung zwischen chinesischer Volkskunst und Hochkunst noch zeitgemäß?
 
In wie weit gab es einen Austausch zwischen der künstlerischen Elite und weiteren, traditionellen Kunstrichtungen in China?
 
Wie gestaltete sich der wachsende Einfluss der westlichen Kunsttechniken in die verschiedenen Bereiche der chinesischen Kunst?
 
Wie reflektieren die Werke die Rolle der Frau in der zeitgenössischen chinesischen Gesellschaft?

© Kupferstichkabinett, SKD  © Kupferstichkabinett, SKD

(links) Two Cats and Flowers, 耄耋富贵(Mao Die Fu Gui),Suzhou Chia, Chinesisch, (Qing-Dynastie, Ära Kangxi) 18. Jh, vor 1738, da in Inventar von 1738 genannt. Suzhou. Wood-block Chinese New Year print, Wood-cut in eight colors, 360 x 190 mm, © Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
(rechts) A Lady Throwing Fruits to Panan, 潘安掷果(Pan An Zhi Guo), Suzhou China, Chinesisch (Qing-Dynastie, Ära Kangxi), 17. Jh., Wood-block print, Wood-cut in five colors and hand-painted in three colors , 276 X 298 mm, © Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Muster(bücher) der Reformzeit

Freitag, 08. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Ein erfreuliches Angebot ermöglichte es im Jahr 2014 vier Glasurmusterbücher für Kachelöfen der Meißner Teichert-Werke (um 1910 – 20) mit einigen Katalogdokumenten aus der Hinterlassenschaft eines sächsischen Ofensetzers mit Hilfe des Freundeskreises des Kunstgewerbemuseums anzukaufen.

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Kundschaft konnte mittels der Musterbücher aus dem reichen Farbspektrum wählen. Im Meißner Farben- und Glasurenwerk „Bidtelia“ erprobten Professoren und Studenten der Dresdner Kunstgewerbeschule ihre Ideen und führten ebenso Ofenentwürfe für die vier großen Teichert-Werke aus. Auch anerkannte Künstler wie Peter Behrens, Fritz Schuhmacher oder Ludwig Vierthaler wurden mit Ofen und Kaminentwürfen beauftragt. Die auf der Jahresschau Deutscher Arbeit 1925 in Dresden gezeigten Teichert-Öfen erhielten höchstes Lob, sie seien technisch kaum zu übertreffen und auch die Glasuren und Formen verbänden technische Vollendung mit künstlerischem Geschmack, hieß es. Die dem zeitlichen Verfall widerstehenden Glasuren geben heute exzellent die bevorzugte Farbigkeit der Reformzeit wieder. Daher sind die Musterbücher trotz ihrer Unscheinbarkeit und ihrem leicht zerschlissenen Zustand für die Forschung wertvoll, da sie es dank ihres bekannten Entstehungsdatums ermöglichen, andere Kacheln der Sammlung genauer einzuordnen.

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20  © SKD

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20 © SKD

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe