Archiv für August 2012

Auf nach China – Start des Kulturaustauschprogramms

Dienstag, 28. August 2012

Im Rahmen des Kulturaustauschprogramms mit dem National Museum of China (NMC), das 2010 von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Staatlichen Museen zu Berlin und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München ins Leben gerufen wurde, erfolgt nun der erste Gegenbesuch der deutschen Institutionen. Zwischen dem 25. August und 15. September reisen 11 Volontäre und wissenschaftliche Mitarbeiter der deutschen Partner nach China und besuchen Peking, Xi’an und Shanghai.

Aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nehmen vier Mitarbeiter teil: Petra Kuhlmann-Hodick, Oberkonservatorin im Kupferstich-Kabinett, Julia Fabritius, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Forschung & Wissenschaftliche Kooperation, Dietmar Grundmann, Kustos für Südostasien und Ostasien in den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen und Petra Martin, Kustodin für die Südostasien-Sammlungen ebenfalls in Staatlichen Ethnographischen Sammlungen.

Vor der Abreise packten Petra Kuhlmann-Hodick und Julia Fabritius noch die Gastgeschenke ein: ausgewählte Kataloge, Schokolade, aber auch die beiden Engelchen der von Raffaels Sixtinischer Madonna werden mit nach China reisen.

Inzwischen sind alle vier Kollegen in Peking angekommen und hatten bereits die Gelegenheit dem Himmelstempel im Süden der Stadt zu besichtigen. Die Anlage wurde 1420 von Kaiser Yongle errichtet, brannte 1889 ab, wurde 1890 neu aufgebaut und ist nun ein Wahrzeichen Pekings.

An dieser Stelle berichten wir regelmäßig über die Erfahrungen unserer Kollegen im Reich der Mitte und wünschen ihnen schon jetzt eine gute Reise und tolle Erfahrungen!

Sonderpräsentation: aktuelles Möbeldesign im Kunstgewerbemuseum

Donnerstag, 23. August 2012

Am 1. und 2. September 2012 präsentiert das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein zeitgenössisches Lackkabinett, das der Bremer Urushilack-Meister Manfred Schmid gemeinsam mit den Deutschen Werkstätten Hellerau drei Jahre lang entwickelte. Diese zeitgenössische Neuinterpretation traditioneller Lackkabinette, wie sie auch im Kunstgewerbemuseum gezeigt werden, ist ein einzigartiges Projekt in der aktuellen europäischen Lackkunst. In drei Vorträgen werden Manfred Schmid, sowie Fritz Straub, der Geschäftsführende Gesellschafter der Deutschen Werkstätten GmbH und Tobias Kandt, der dort für die Entwicklung des Kabinettes zuständig war, über den Entwurfs- und Entstehungsprozess dieses kleinen Möbeljuwels sprechen.

Das in einer ovalen Form gearbeitete Kabinett wird in einer limitierten Kleinserie von maximal fünf Stücken weitestgehend in Handarbeit gefertigt. Es zeichnet sich durch sein ungewöhnliches Design sowie durch seine aufwendige Fertigung unter Verwendung hochwertiger Materialien aus. Neben dem Korpus aus gemasertem Edelholz, sind die beiden Flügeltüren vollständig mit Urushilack gefasst. Diese jahrtausendealte japanische Handwerkskunst beherrschen nur ganz wenige Meister in Europa. Hierbei werden in einem sehr zeitintensiven Verfahren Oberflächen verschiedener Gegenstände mit dem Saft des japanischen Lackbaumes veredelt.

Programmablauf
Samstag, 1. September 2012: Vorträge
Ort: Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, Wasserpalais, Roter Saal
• 14:00 – 14:10 Uhr
Begrüßung
Dr. Peter Plaßmeyer, Kommissarischer Direktor des Kunstgewerbemuseums
• 14:10 – 14:45 Uhr
Die Deutschen Werkstätten Hellerau: eine bewegte Geschichte des Möbelbaus: vom Maschinenmöbel zum Lackkabinett
Fritz Straub, Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Werkstätten Hellerau GmbH
• 14:45 – 15:15 Uhr: Pause
• 15:15 – 16:00 Uhr
Ein modernes Lackkabinett
Manfred Schmid, Urushilack-Künstler
• 16:00 – 16:30 Uhr
Die Entwicklung des Lackkabinetts
Tobias Kandt, Abteilung Produktentwicklung Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH
• 17.00 Uhr
Schloss Pillnitz, Bergpalais
Eröffnung des Schaudepots zu den Deutschen Werkstätten Hellerau

Sonntag, 2. September
• Ort: Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, Wasserpalais
10- 16 Uhr
Manfred Schmid (Urushilack-Künstler) und Tobias Kandt (Produktentwicklung Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH) beantworten Fragen zum Lackkabinett
• Ort: Kunstgewerbemuseum, Schloss Pillnitz, Bergpalais
11:00, 14:00 und 16:00 UhrSonderführungen durch das Schaudepot zu den Deutschen Werkstätten Hellerau, Christiane Ernek, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunstgewerbemuseums

Neben dem regulären Museumseintritt werden keine gesonderten Eintrittsgebühren erhoben. Auf Grund der räumlichen Gegebenheiten ist die Teilnehmerzahl an den Vorträgen auf 100 Personen begrenzt, auf Wunsch werden Reservierungen unter kunstgewerbemuseum@skd.museum angenommen.

Unsere liebsten Kommentare zur Sonderausstellung!

Mittwoch, 22. August 2012

Wir freuen uns über das positive Feedback unserer Besucher der Jubiläumsausstellung der Sixtinischen Madonna. Diese kamen aus Dresden, aber viele auch von weit her, z.B. auch Russland, Italien, Spanien, Tschechien, Frankreich, England, …

Einige der schönsten Komplimente, die wir im Gästebuch der Ausstellung und auf der Facebook Seite der der SKD (verlinken) bekamen, haben wir im Folgenden zusammengestellt.

 

 
Sehr interessante Darstellungen, bin sehr beeindruckt von so viel Detailwissen & vor allem den Originalschriften!

Хочу!!! в Дрезданскую Галлерею… По прибытии в Прагу, обязательно туда загляну!!!

Wunderbare Präsentation und Darstellung der Hintergründe dieses Gemäldes!

¡¡¡Hemosa pintura!!!

I  find the Madonna breathtaking. Especially love the angels!

Wirklich eine tolle Ausstellung – egal wie oft man die „Sixtinische Madonna“ schon gesehen hat, es ist immer wieder ein grandioses Erlebnis … Wir Dresdner sind sehr dankbar für dieses wunderschöne und herausragende Gemälde!

Bellissimo!

 

Merci!!! Iréne

Un opera importantissima di Raffaello giustamente valorizzata in questo grande museo, complimenti ai sopraintendenti di dresda, W Raffaello!!!!

Auch die Kommentare unserer jüngsten Besuchern zeigen, dass ihnen die Sonderausstellung sehr gut gefallen hat:

Eine beeindruckende Ausstellung mit vielen wunderbaren Gedanken! Eine Klassenreise …

Es ist sehr schön hier. Die Bilder sehen wirklich schön aus. Ich konnte sehr viel erfahren über Raphael. Ada aus Dresden.
11 Jahre alt.

Mir gefällt es hier sehr gut. Paul 7 Jahre

Es war total interessant!!! Es war auch gut, dass zu allem etwas geschrieben war, denn so ist man richtig schlau geworden! Voll Klasse!

 

Graffiti – Interpretation der Sixtinischen Madonna

Montag, 20. August 2012

Im Rahmen des diesjährigen Dresdner Stadtfestes mit dem Thema „Kunst trifft Wissenschaft“ fand in der Chiaveriegasse zwischen der Hofkirche und dem Residenzschloss eine ganz besondere Aktion statt: Vom 16. bis zum 19. August sprayte Jozsef Anton Bernula die “Sixtinische Madonna” auf ein ca. 8 m x 6 m großes Banner. Für den Bildausschnitt benötigte der Künstler, ein Schüler der Semper-Schulen Dresden etwa 140 Sprühdosen. “Es ist eine große Herausforderung für mich, dieses berühmte Kunstwerk in dieser Form umzusetzen. Aber auch eine gute Chance mein Können öffentlich zu präsentieren”, so der Künstler selbst.

Was im Anschluss an das Dresdner Stadtfest mit dem Bild passieren soll, steht noch nicht endgültig fest. Die Ideen dazu reichen von einer Schenkung an ein Museum bis hin zur Versteigerung zugunsten eines guten Zwecks. Partner der Aktion sind die Semper-Schulen Dresden mit dem Künstler Jozsef Anton Bernula sowie Firmen aus der Region, die das Arbeitsmaterial spendeten.

Anleitung zum Konstruieren und Zeichnen von Perspektive

Freitag, 17. August 2012

Wer schon immer mal wissen wollte, was beim Zeichnen einer räumlichen Darstellung zu beachten ist, der kann sich unter folgendem Link eine kurze Zusammenfassung zur Geschichte der Perspektive und ihren Darstellungsmöglichkeiten herunterladen.

Anleitung zum Zeichnen von Perspektive

Besonders interessierte “Raumzeichner” finden unter der Rubrik Buchtipps einige anregende Buchempfehlungen, die es sich durchzustöbern lohnt. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bietet ein umfangreiches Repertoire an Büchern mit Anleitungen zum Zeichen der räumlichen und farbigen Perspektive an.

Und hier ein paar kleine Impressionen, was man damit schönes zeichnen kann:

 

Über die Ölmalerei und ihre Technik

Freitag, 10. August 2012

Die Ölmalerei ist die „klassische Königsdisziplin“ unter den Maltechniken. Mit Ölfarbe lassen sich farbige Wirkungen von einer Tiefe und Leuchtkraft erzielen, wie mit keinem anderen Malverfahren. Feinste Tonabstufungen und weiche Übergänge ermöglichen wirklichkeitsnahe Bildillusionen. Jahrhundertelang waren sie das Ziel der Maler.

Der Bildausschnitt aus dem Gemälde “Die Madonna mit der Waschschüssel”, das etwa um 1525 von Giulio Romano gemalt wurde, zeigt diese altmeisterliche Technik. Durch die Verwendung von Ölfarben hat der Künstler weiche Übergänge zwischen den hellen und dunklen Partien des Stofftuches geschaffen. In den fein abgestuften Farbnuancen wird das weiche Gewebe in einem Faltenspiel beschrieben, was den Betrachter beinahe veranlasst zu glauben, es handle sich um ein reales Tuch.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das Anrühren der Ölfarbe ist ein langwieriger Prozess, der meist von einem Gehilfen des Künstlers durchgeführt wurde. Zunächst wurden Erde, Kalk, Sand, Kohle, ja sogar Gold und Edelsteine, wie Lapislazuli, Azurit, Malachit oder Zinnober, in einem Mörser zerstoßen.

Anschließend vermengte der Gehilfe die gewonnenen Farbpigmente mit Leinöl. Die Pigmente mussten dabei regelrecht in das Öl eingewalzt werden, um eine dauerhafte Verbindung zu erzielen. Die so erzeugte Ölfarbe trocknete nur langsam, was dem Maler noch nach mehreren Tagen das Farbenmischen direkt auf der Leinwand ermöglichte. Somit konnten beispielsweise weiche Farbübergänge, wie Schattierungen vorgenommen werden.

In der Epoche der Renaissance spielten vor allem der Einsatz von Hell – Dunkel Kontrasten, die Farb- und Linienperspektive sowie die von Leonardo da Vinci entwickelte Maltechnik Sfumato (it. verraucht) eine große Rolle. Letztere ist eine Technik der Ölmalerei, bei der der Eindruck trüber Atmosphäre erreicht wird. Alles ist sehr weich gemalt und die Konturen scheinen sich in der Ferne aufzulösen. Diese Technik wird auch in der sogenannten Luftperspektive verwendet. Wie in der optischen Wahrnehmung entfernt liegendes unscharf erscheint, werden die Farben hier so verwendet, dass sie im Hintergrund des Bildes verblassen und verblauen. In dem folgenden Bildausschnitt des Gemäldes “Die Heilige Familie mit der heiligen Katharina” um 1512/1514 von Jacopo Palma il Vecchio wird dieser räumliche Eindruck erzeugt.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

 

 

150.000ster Besucher geehrt!

Donnerstag, 09. August 2012

Am 7. August konnte in der Ausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ in der Gemäldegalerie Alte Meister die 150.000ste Besucherin begrüßt werden.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die 62jährige Lehrerin Brigitte Gerholdt aus Altenkirchen im Westerwald schenkte ihrer Tochter, einer Kunstgeschichtsstudentin in Mainz, als Geburtstagsgeschenk eine zwei Tagesreise nach Dresden und wurde in der Gemäldegalerie Alte Meister prompt als 150.000ste Besucherin der Jubiläumsausstellung empfangen. Neben einem Blumenstrauß überreichte ihr der Direktor der Galerie Prof. Dr. Bernhard Maaz den umfangreichen Ausstellungskatalog und führte sie in die Schau ein, die noch bis zum 26. August 2012 zu sehen ist.

Museumspädagogin Karina Peschel im Interview

Mittwoch, 01. August 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ hat die Museumspädagogik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Vermittlungskonzepte speziell für Schulklassen entwickelt. Welche Besonderheiten ergeben sich hier im Vergleich zu den täglich in der Ausstellung stattfindenden Führungen?

Diese neuen Vermittlungskonzepte sollen den Schülern einen ganzheitlichen Zugang zu den Bildinhalten ermöglichen, indem auch emotionale Seiten angesprochen werden. Wir stellen eine Verbindung zum eigenen Leben her, und wecken damit das Interesse der Schüler an Themen, mit denen die meisten von ihnen heute im Alltag kaum etwas zu tun haben.

Methodisch werden die Schüler durch spezielle Aufgabenstellungen sehr aktiv in den Erkenntnisprozess einbezogen. Speeddatings und kleine szenische Einlagen, in denen das soeben Gehörte mittels einiger Requisiten von den Schülern selbst umgesetzt wird, gestalten den Aneignungsprozess lebendig und nachhaltig.

Eine Sonderregelung der Öffnungszeiten ermöglicht kunstbegeisterten Schulklassen und ihren Lehrern die Ausstellung im Rahmen des Vermittlungsprogramms bereits ab 8:00 Uhr zu besuchen. Wie wurde dieses Angebot wahrgenommen?

Die Sonderöffnungszeit wurde sehr gut angenommen, allerdings größtenteils erst ab 9.00 Uhr. Die Ruhe und Ungestörtheit zu dieser Zeit ermöglichte erst den Einsatz unserer vielleicht nicht ganz konventionellen Methoden, mit deren Hilfe wir die Schüler auflockern und in Gesprächsbereitschaft versetzen wollten.

Wie schätzen Sie das Interesse der Schüler zur Sonderausstellung ein? Gab es besondere Highlights oder Anregungen? Welche Rückmeldung haben Sie von den Lehrern bekommen?

Das Interesse an der „Sixtina“ war erfreulich hoch. Erfahrungsgemäß hängt das auch davon ab, wie „griffig“  Ausstellungstitel und Schulklassenthemen sind. Mit dem Thema „Von der Madonna zum Model“ hatten wir sozusagen „ins Schwarze“ getroffen.

Die Resonanz von Lehrern und Schülern war überaus positiv und zugleich ermutigend diesen Weg der Vermittlung weiter zu verfolgen. Das deutete sich schon bei der Vorstellung der Konzepte in der Lehrerweiterbildung an, als die Lehrer gleich selbst ein Speddating zum Thema „Schönheit“ machen wollten.

Besonders gern wurden auch praktische Angebote, wie die Herstellung einer Collage „Madonna 2012“ genutzt.

Die Kunstvermittlung im Museum beinhaltet nicht nur das Betrachten und Interpretieren von Gemälden, sondern bietet als fächerübergreifendes Medium das Potential zur Verbindung mehrerer Lerninhalte. Welche Fächerkombinationen eignen sich besonders für die Sonderausstellung?

Kunsterziehung, Deutsch, Geschichte, Religion, Ethik

Durch die Zusammenarbeit von Museen und schulischen Einrichtungen erhalten Lernende die Möglichkeit, sich in einem anderen Lernumfeld auszutauschen und Fragestellungen weiterzuentwickeln. Wird es zukünftig weitere praxisorientierte Führungen, auch im Bereich Erwachsenen- oder Seniorenbildung geben?

Diese interaktiven Konzepte werden im Museum der Zukunft gewiss eine Rolle spielen. M.E. erfordern sie aber eine gewisse Vertrautheit der Teilnehmer untereinander. Unsere Senioren sind vielleicht so eine Gruppe, die sich seit Jahren kennt, uns kennt und sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig ist. Hier wollen wir demnächst mit interaktiven Vermittlungskonzepten arbeiten. Bei Touristen, die an einem Rundgang teilnehmen, kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass sie besonders begeistert wären, mit einem Fragebogen auf Entdeckungstour durchs Museum geschickt zu werden.

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Museumspädagogin in zwei bis drei Sätzen!

Ganz allgemein: Museumspädagogen stehen zwischen dem Objekt und dem Besucher. Konkret erarbeiten wir Vermittlungskonzepte, museumspädagogische Angebote zu jeder Ausstellung und Führungsinhalte, schreiben Förderanträge, bilden uns weiter und machen natürlich Führungen.

Vielen Dank für das Interview!