Archiv für die Kategorie ‘SKD Sixtina!’

Unsere liebsten Kommentare zur Sonderausstellung!

Mittwoch, 22. August 2012

Wir freuen uns über das positive Feedback unserer Besucher der Jubiläumsausstellung der Sixtinischen Madonna. Diese kamen aus Dresden, aber viele auch von weit her, z.B. auch Russland, Italien, Spanien, Tschechien, Frankreich, England, …

Einige der schönsten Komplimente, die wir im Gästebuch der Ausstellung und auf der Facebook Seite der der SKD (verlinken) bekamen, haben wir im Folgenden zusammengestellt.

 

 
Sehr interessante Darstellungen, bin sehr beeindruckt von so viel Detailwissen & vor allem den Originalschriften!

Хочу!!! в Дрезданскую Галлерею… По прибытии в Прагу, обязательно туда загляну!!!

Wunderbare Präsentation und Darstellung der Hintergründe dieses Gemäldes!

¡¡¡Hemosa pintura!!!

I  find the Madonna breathtaking. Especially love the angels!

Wirklich eine tolle Ausstellung – egal wie oft man die „Sixtinische Madonna“ schon gesehen hat, es ist immer wieder ein grandioses Erlebnis … Wir Dresdner sind sehr dankbar für dieses wunderschöne und herausragende Gemälde!

Bellissimo!

 

Merci!!! Iréne

Un opera importantissima di Raffaello giustamente valorizzata in questo grande museo, complimenti ai sopraintendenti di dresda, W Raffaello!!!!

Auch die Kommentare unserer jüngsten Besuchern zeigen, dass ihnen die Sonderausstellung sehr gut gefallen hat:

Eine beeindruckende Ausstellung mit vielen wunderbaren Gedanken! Eine Klassenreise …

Es ist sehr schön hier. Die Bilder sehen wirklich schön aus. Ich konnte sehr viel erfahren über Raphael. Ada aus Dresden.
11 Jahre alt.

Mir gefällt es hier sehr gut. Paul 7 Jahre

Es war total interessant!!! Es war auch gut, dass zu allem etwas geschrieben war, denn so ist man richtig schlau geworden! Voll Klasse!

 

Graffiti – Interpretation der Sixtinischen Madonna

Montag, 20. August 2012

Im Rahmen des diesjährigen Dresdner Stadtfestes mit dem Thema „Kunst trifft Wissenschaft“ fand in der Chiaveriegasse zwischen der Hofkirche und dem Residenzschloss eine ganz besondere Aktion statt: Vom 16. bis zum 19. August sprayte Jozsef Anton Bernula die “Sixtinische Madonna” auf ein ca. 8 m x 6 m großes Banner. Für den Bildausschnitt benötigte der Künstler, ein Schüler der Semper-Schulen Dresden etwa 140 Sprühdosen. “Es ist eine große Herausforderung für mich, dieses berühmte Kunstwerk in dieser Form umzusetzen. Aber auch eine gute Chance mein Können öffentlich zu präsentieren”, so der Künstler selbst.

Was im Anschluss an das Dresdner Stadtfest mit dem Bild passieren soll, steht noch nicht endgültig fest. Die Ideen dazu reichen von einer Schenkung an ein Museum bis hin zur Versteigerung zugunsten eines guten Zwecks. Partner der Aktion sind die Semper-Schulen Dresden mit dem Künstler Jozsef Anton Bernula sowie Firmen aus der Region, die das Arbeitsmaterial spendeten.

Anleitung zum Konstruieren und Zeichnen von Perspektive

Freitag, 17. August 2012

Wer schon immer mal wissen wollte, was beim Zeichnen einer räumlichen Darstellung zu beachten ist, der kann sich unter folgendem Link eine kurze Zusammenfassung zur Geschichte der Perspektive und ihren Darstellungsmöglichkeiten herunterladen.

Anleitung zum Zeichnen von Perspektive

Besonders interessierte “Raumzeichner” finden unter der Rubrik Buchtipps einige anregende Buchempfehlungen, die es sich durchzustöbern lohnt. Die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bietet ein umfangreiches Repertoire an Büchern mit Anleitungen zum Zeichen der räumlichen und farbigen Perspektive an.

Und hier ein paar kleine Impressionen, was man damit schönes zeichnen kann:

 

Über die Ölmalerei und ihre Technik

Freitag, 10. August 2012

Die Ölmalerei ist die „klassische Königsdisziplin“ unter den Maltechniken. Mit Ölfarbe lassen sich farbige Wirkungen von einer Tiefe und Leuchtkraft erzielen, wie mit keinem anderen Malverfahren. Feinste Tonabstufungen und weiche Übergänge ermöglichen wirklichkeitsnahe Bildillusionen. Jahrhundertelang waren sie das Ziel der Maler.

Der Bildausschnitt aus dem Gemälde “Die Madonna mit der Waschschüssel”, das etwa um 1525 von Giulio Romano gemalt wurde, zeigt diese altmeisterliche Technik. Durch die Verwendung von Ölfarben hat der Künstler weiche Übergänge zwischen den hellen und dunklen Partien des Stofftuches geschaffen. In den fein abgestuften Farbnuancen wird das weiche Gewebe in einem Faltenspiel beschrieben, was den Betrachter beinahe veranlasst zu glauben, es handle sich um ein reales Tuch.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das Anrühren der Ölfarbe ist ein langwieriger Prozess, der meist von einem Gehilfen des Künstlers durchgeführt wurde. Zunächst wurden Erde, Kalk, Sand, Kohle, ja sogar Gold und Edelsteine, wie Lapislazuli, Azurit, Malachit oder Zinnober, in einem Mörser zerstoßen.

Anschließend vermengte der Gehilfe die gewonnenen Farbpigmente mit Leinöl. Die Pigmente mussten dabei regelrecht in das Öl eingewalzt werden, um eine dauerhafte Verbindung zu erzielen. Die so erzeugte Ölfarbe trocknete nur langsam, was dem Maler noch nach mehreren Tagen das Farbenmischen direkt auf der Leinwand ermöglichte. Somit konnten beispielsweise weiche Farbübergänge, wie Schattierungen vorgenommen werden.

In der Epoche der Renaissance spielten vor allem der Einsatz von Hell – Dunkel Kontrasten, die Farb- und Linienperspektive sowie die von Leonardo da Vinci entwickelte Maltechnik Sfumato (it. verraucht) eine große Rolle. Letztere ist eine Technik der Ölmalerei, bei der der Eindruck trüber Atmosphäre erreicht wird. Alles ist sehr weich gemalt und die Konturen scheinen sich in der Ferne aufzulösen. Diese Technik wird auch in der sogenannten Luftperspektive verwendet. Wie in der optischen Wahrnehmung entfernt liegendes unscharf erscheint, werden die Farben hier so verwendet, dass sie im Hintergrund des Bildes verblassen und verblauen. In dem folgenden Bildausschnitt des Gemäldes “Die Heilige Familie mit der heiligen Katharina” um 1512/1514 von Jacopo Palma il Vecchio wird dieser räumliche Eindruck erzeugt.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

 

 

150.000ster Besucher geehrt!

Donnerstag, 09. August 2012

Am 7. August konnte in der Ausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ in der Gemäldegalerie Alte Meister die 150.000ste Besucherin begrüßt werden.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die 62jährige Lehrerin Brigitte Gerholdt aus Altenkirchen im Westerwald schenkte ihrer Tochter, einer Kunstgeschichtsstudentin in Mainz, als Geburtstagsgeschenk eine zwei Tagesreise nach Dresden und wurde in der Gemäldegalerie Alte Meister prompt als 150.000ste Besucherin der Jubiläumsausstellung empfangen. Neben einem Blumenstrauß überreichte ihr der Direktor der Galerie Prof. Dr. Bernhard Maaz den umfangreichen Ausstellungskatalog und führte sie in die Schau ein, die noch bis zum 26. August 2012 zu sehen ist.

Museumspädagogin Karina Peschel im Interview

Mittwoch, 01. August 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ hat die Museumspädagogik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Vermittlungskonzepte speziell für Schulklassen entwickelt. Welche Besonderheiten ergeben sich hier im Vergleich zu den täglich in der Ausstellung stattfindenden Führungen?

Diese neuen Vermittlungskonzepte sollen den Schülern einen ganzheitlichen Zugang zu den Bildinhalten ermöglichen, indem auch emotionale Seiten angesprochen werden. Wir stellen eine Verbindung zum eigenen Leben her, und wecken damit das Interesse der Schüler an Themen, mit denen die meisten von ihnen heute im Alltag kaum etwas zu tun haben.

Methodisch werden die Schüler durch spezielle Aufgabenstellungen sehr aktiv in den Erkenntnisprozess einbezogen. Speeddatings und kleine szenische Einlagen, in denen das soeben Gehörte mittels einiger Requisiten von den Schülern selbst umgesetzt wird, gestalten den Aneignungsprozess lebendig und nachhaltig.

Eine Sonderregelung der Öffnungszeiten ermöglicht kunstbegeisterten Schulklassen und ihren Lehrern die Ausstellung im Rahmen des Vermittlungsprogramms bereits ab 8:00 Uhr zu besuchen. Wie wurde dieses Angebot wahrgenommen?

Die Sonderöffnungszeit wurde sehr gut angenommen, allerdings größtenteils erst ab 9.00 Uhr. Die Ruhe und Ungestörtheit zu dieser Zeit ermöglichte erst den Einsatz unserer vielleicht nicht ganz konventionellen Methoden, mit deren Hilfe wir die Schüler auflockern und in Gesprächsbereitschaft versetzen wollten.

Wie schätzen Sie das Interesse der Schüler zur Sonderausstellung ein? Gab es besondere Highlights oder Anregungen? Welche Rückmeldung haben Sie von den Lehrern bekommen?

Das Interesse an der „Sixtina“ war erfreulich hoch. Erfahrungsgemäß hängt das auch davon ab, wie „griffig“  Ausstellungstitel und Schulklassenthemen sind. Mit dem Thema „Von der Madonna zum Model“ hatten wir sozusagen „ins Schwarze“ getroffen.

Die Resonanz von Lehrern und Schülern war überaus positiv und zugleich ermutigend diesen Weg der Vermittlung weiter zu verfolgen. Das deutete sich schon bei der Vorstellung der Konzepte in der Lehrerweiterbildung an, als die Lehrer gleich selbst ein Speddating zum Thema „Schönheit“ machen wollten.

Besonders gern wurden auch praktische Angebote, wie die Herstellung einer Collage „Madonna 2012“ genutzt.

Die Kunstvermittlung im Museum beinhaltet nicht nur das Betrachten und Interpretieren von Gemälden, sondern bietet als fächerübergreifendes Medium das Potential zur Verbindung mehrerer Lerninhalte. Welche Fächerkombinationen eignen sich besonders für die Sonderausstellung?

Kunsterziehung, Deutsch, Geschichte, Religion, Ethik

Durch die Zusammenarbeit von Museen und schulischen Einrichtungen erhalten Lernende die Möglichkeit, sich in einem anderen Lernumfeld auszutauschen und Fragestellungen weiterzuentwickeln. Wird es zukünftig weitere praxisorientierte Führungen, auch im Bereich Erwachsenen- oder Seniorenbildung geben?

Diese interaktiven Konzepte werden im Museum der Zukunft gewiss eine Rolle spielen. M.E. erfordern sie aber eine gewisse Vertrautheit der Teilnehmer untereinander. Unsere Senioren sind vielleicht so eine Gruppe, die sich seit Jahren kennt, uns kennt und sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig ist. Hier wollen wir demnächst mit interaktiven Vermittlungskonzepten arbeiten. Bei Touristen, die an einem Rundgang teilnehmen, kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass sie besonders begeistert wären, mit einem Fragebogen auf Entdeckungstour durchs Museum geschickt zu werden.

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Museumspädagogin in zwei bis drei Sätzen!

Ganz allgemein: Museumspädagogen stehen zwischen dem Objekt und dem Besucher. Konkret erarbeiten wir Vermittlungskonzepte, museumspädagogische Angebote zu jeder Ausstellung und Führungsinhalte, schreiben Förderanträge, bilden uns weiter und machen natürlich Führungen.

Vielen Dank für das Interview!

Praxisnahe Kunstvermittlung für Schulklassen zur Sonderausstellung

Donnerstag, 26. Juli 2012

Die MuseumspädagogInnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben für die Sonderausstellung “Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500″ vier unterschiedliche Vermittlungskonzepte für Grundschüler und Schulklassen der Sekundarstufe I und II entwickelt. Diese widmen sich den Themen “Glaube, Liebe, Hoffnung”, “Von der Madonna zum Model”, “Warum so viele Heilige und wie erkenne ich sie?” sowie “Sacra Conversazione und Madonnenbild”.

Auszüge aus der kunstpädagogischen Vermittlungsarbeit:

Mit den SchülerInnen soll in den Vermittlungsprogrammen auf spielerisch-praktische Art ein eigener Zugang zu den Werken erarbeitet werden. Einige Impressionen aus der Vermittlungsarbeit zu den Themen „Glaube, Liebe, Hoffnung“ und „Von der Madonna zum Model“ haben wir im Folgenden zusammengestellt:

„Glaube, Liebe, Hoffnung“

Zunächst verschaffen sich die SchülerInnen einen Überblick über die Ausstellung in Form eines Raumlaufs. Sie erhalten Gegenstände, die in den Gemälden dargestellt sind oder Memory-Karten, auf denen Bildausschnitte der Exponate zu sehen sind.

Aufgabe ist es, das passende Ausstellungsstück zu finden, genau anzuschauen und Fragen zur Abbildung zu entwickeln. Im Vordergrund stehen dabei die Tugenden des Christentums: “Glaube, Liebe, Hoffnung” In der Ausstellung sind viele christliche Sujets zu sehen, wie die Gottesmutter Maria, Engel, Heilige und Märtyrer. Die SchülerInnen erhalten beispielsweise Einblick in den Zusammenhang von Heiligen und ihren Attributen sowie zur Rolle des Glaubens in der Zeit der Renaissance.

Im praktischen Teil äußern sie sich selbst, indem sie ihre ganz eigenen und individuellen Gedanken über ihren Glauben, ihre Liebe und ihre Hoffnungen aufschreiben und vorstellen.

Einige interessante Statements der 6 bis 12jährigen Schüler zum Thema “Glaube, Liebe, Hoffnung”

 

 

 

 

 

„Von der Madonna zum Model“

Im Vermittlungskonzept “Von der Madonna zum Model” untersuchen die SchülerInnen ausgewählte Bildbeispiele in der Ausstellung auf Schönheitsideale der Renaissance und vergleichen diese mit unserer heutigen Vorstellung von Schönheit. Folgende Tabellen zeigen den Vergleich:

Als abschließende Praxisaufgabe fertigen die Schüler Collagen zum Thema “Madonna 2012“ an.

Dabei soll vor allem die individuelle Vorstellung einer zeitgenössischen Madonna widergespiegelt werden. Die Collagen ermöglichen durch ihre Bildsprache einen Einblick in die Innenwelt der Heranwachsenden, welche mit Worten oft nur schwer zu beschreiben ist.

Im Rahmen der Medienpartnerschaft mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bietet die Museumspädagogik der SKD Lehrerinnen und Lehrern diese ausstellungsbegleitenden Vermittlungskonzepte auf dem Schulportal der FAZ zum kostenlosen Download an. Sie finden diese unter www.fazschule.net.

 

 

 

 

 

22. Dresdner Elbhangfest (22.-24.06.) – Raffael malt die Sixtinische Madonna

Freitag, 20. Juli 2012

Der traditionelle Festumzug anlässlich des Elbhangfestes fand in diesem Jahr unter dem Motto “Das ewig Weibliche zieht uns zum Hang” statt. So flanierten beispielsweise Eva, die Neun Musen und eine Vielzahl weiterer Schönheiten von Loschwitz bis nach Pillnitz. Unter der Leitung von Gemälderestaurator Dr. Christoph Schölzel und mit freundlicher Unterstützung der Spedition DB Schenker und der Semperoper Dresden präsentierte die Gemäldegalerie Alte Meister Dresden mit der Sixtina eine ihrer “Schönsten” auf ganz besondere Art.

Ein Festwagen bot Einblick in Raffaels Atelier im Jahr 1512 und erlaubte es den begeisterten Zuschauern, dem Künstler beim Malen der Sixtinischen Madonna uber die Schultern zu sehen: Raffael treibt seinen Farbenreiber an, richtet die Falten am Gewand seines Modells, sinniert vor seiner Staffelei und setzt erste Farbtupfer auf die Leinwand.
Auf und neben dem Wagen konnte man nicht nur Raffael und seine Sixtina bewundern; zu ihrem Gefolge zählten neben einer weiteren Figur des Gemäldes – der Heiligen Barbara nebst Turm – auch der berühmte Künstlerbiograph Giorgio Vasari, ein Kardinal, ein Mönch und eine Reihe römischer Damen und Mägde.

Ob Raffael auf die vielen Zuschauer gehört hat, die ihn anflehten, er möge der Komposition am unteren Bildrand noch zwei Engel hinzufügen, werden wir erst wissen, wenn das Gemälde vollendet ist …

Carina Merseburger

 

 

Bühnenplastiker Ralf Aßmann im Interview

Freitag, 20. Juli 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ haben Sie ein Relief des Gemäldes erstellt, welches den Besuchern das Ertasten des Bildes ermöglicht. Vor allem für die Kunstvermittlung, die sich an blinde und sehbehinderte Museumsbesucher richtet, ist dieses Abtasten ein besonderes Erlebnis. Welche Resonanz haben Sie bisher von den Besuchern auf ihr Relief erhalten?

© Ralf Aßmann

Als ich mich kürzlich spontan bei einer Blindenführung zwischen die blinden Besucher mischte, fand ich es ganz spannend die Menschen zu beobachten. Dabei sah ich genau auf ihre Hände, die sich vorsichtig mit den Fingerkuppen über die Oberfläche, von Figur zu Figur und Detail zu Detail vortasteten. Die Sixtina erschien so jedem vor dem inneren Auge, das war den konzentrierten Besuchern anzumerken. Später, im Gespräch mit der Gruppe über ihre Eindrücke, bekam ich ein sehr positives Feedback, worüber ich sehr dankbar bin.

Welche persönliche Intension verfolgten Sie mit dem Erstellen des Tastreliefs zur „Sixtinischen Madonna“?

Als ich vor einigen Jahren im Blindenzentrum in Chemnitz meinen Zivildienst leistete, erwuchs damals der Wunsch in mir, Bilder für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Dort hatte ich zum ersten Mal auch taktile Bildreliefs in Kalendern gesehen und war beeindruckt. Zu dieser Zeit hatte ich noch nicht dreidimensional gearbeitet, sondern arbeitete eher graphisch. Jetzt, da ich vorrangig plastisch arbeite, war die Sixtina ein Glücksfall für mich. Mit dem Tastrelief von Raffaels Gemälde konnte ich genau diesen Wunsch in die Tat umsetzen.

Das plastische Nachbilden eines zweidimensionalen Gemäldes beinhaltet ein ausgeprägtes tiefenräumliches Vorstellungsvermögen sowie künstlerisch-handwerkliche Fertigkeiten. Welche Schwierigkeiten haben sich während dem Herstellungsprozess des Reliefs für Sie ergeben?

Vor allem die Klärung der verschiedenen Bildebenen, wie die Figuren zueinander stehen, bereitete mir anfangs Kopfzerbrechen. Dann arbeitete ich mich Stück für Stück in Raffaels Komposition hinein und musste hin und wieder auch radikale Einschnitte machen und Figuren zurück setzen bzw. ein Stück nach vorn nehmen.

© Ralf Assmann

Dann die Wichtigkeit der Details im Gemälde. Die feinen Zeichnungen auf der Kleidung des Papstes. Alles was man auf dem Bild sehen kann, muss man auch fühlen können. Das war mein Anspruch an mich selbst, dem ich gerecht werden wollte.

Wie lange haben Sie an dem Ausstellungsstück gearbeitet und welches Material haben Sie für das Tastrelief verwendet?

Circa zwei Monate habe ich daran gearbeitet. Als Material entschied ich mich für einen Kunststoff, weil dieser langlebig und bei häufigem Gebrauch widerstandfähig ist.

Empfinden Sie das Sixtina-Relief als ein eigenständiges Kunstwerk, das einen Beitrag zur Rezeption der „Sixtinischen Madonna“ leistet?

Auf jeden Fall. Meines Wissens nach hat es noch nie zuvor eine Reliefinterpretation dieses Gemäldes von Raffaels gegeben. Das ist schon eine Besonderheit und wie ich finde, leistet es seinen Beitrag zur Rezeption.

Beschreiben Sie ihre Tätigkeit als Theaterplastiker!

Ich arbeite hauptsächlich figurativ bildhauerisch-handwerklich und fertige Arbeiten für Museen, Figurentheater, Theater, Film oder privat an.

Vielen Dank für das Interview!
Sehr gern!

Erfahren Sie mehr über den Bühnenplastiker Ralf Aßmann: www.ralf-assmann.com/neu/

Restaurator Herr Dr. des Christoph Schölzel im Interview

Dienstag, 17. Juli 2012

Im Folgenden stellen wir die Arbeit des Restaurators Herr Dr. des Christoph Schölzel vor, der in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie Alte Meister und Galerie Neue Meister tätig ist. Zunächst vermittelt Herr Dr. des Schölzel einen Einblick in die restauratorische Arbeit an der “Sixtinischen Madonnavon Raffael. Der zweite Teil des Interviews befasst sich mit allgemeineren Fragestellungen zur Arbeit eines Restaurators.

Hat die “Sixtinische Madonna” Schäden im Verlauf des 2. Weltkrieges erlitten und wenn ja, was genau musste damals restauriert werden?

Nein, das Bild kam 1955 mit dem Protokollvermerk: Zustand “gut. Im Zustand sind keine Veränderungen eingetreten” zurück nach Dresden.

Das Analysieren und Erkunden von Kunstwerken gleicht einer Form der Bildarchäologie. In Ihrer Tätigkeit entnehmen Sie den Bildern auch Proben, um der Zusammensetzung des Firnisses, der Farben und Bindemittel auf den Grund zu gehen. Hat man der “Sixtina” auch Proben entnommen?

Es wurden 1983 ca. 10 winzige Farbproben aus dem Gemälde entnommen, von Prof. Dr. Hans-Peter Schramm in der Hochschule für Bildende Künste Dresden analysiert und von Prof. Karl-Heinz Weber, dem Chefrestaurator der Gemäldegalerie, zweimal publiziert. Weber führte 1983 auch die jüngsten, am Bild vorgenommenen restauratorischen Arbeiten durch.

Was ist für Sie persönlich das ganz Besondere an der “Sixtinischen Madonna”?

Der schwer darstellbare, bedeutungsvolle Inhalt des Bildes ist in einer beeindruckend schlüssigen künstlerischen Weise umgesetzt. Das Bild ist kompositorisch und malerisch mit großer Leichtigkeit hergestellt und es ist deshalb sehr einprägsam. Zugleich führte Raffael seine Malerei mit hoher künstlerischer Raffinesse aus: Die Variationen zu den im Bild auftauchenden reinen Farben Rot, Blau, Grün, Gelb sind nicht bunt, sondern fein abgestuft und sehr differenziert. Auch der ständige Licht-Schatten-Wechsel ist mit beeindruckender Subtilität vorgeführt und trägt dazu bei, die Darstellung sehr plastisch erscheinen zu lassen.

Nun die allgemeinen Fragen zur Restaurierung:

Die Restaurierung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die nur mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Kultur- und Kunstgeschichte zu meistern ist. Wie fühlt es sich an, wenn man den ersten Pinselstrich in einem Gemälde, was über 500 Jahre alt ist, setzt?

Unabhängig vom Alter der Kunstwerke stellt jede etwas umfangreichere Restaurierung in der ihr eigenen Spezifik auch eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar. Dabei sind die Arbeitsschritte, bei denen wirklich mit dem Pinsel auf dem alten Gemälde gemalt werden muss – also die Retuschen – wenig risikovoll, weil wir in der Regel mit sehr leicht wieder entfernbaren Farbensystemen arbeiten. D.h. wenn ein Pinselstrich nicht ganz den Erwartungen entspricht, kann er schnell und völlig gefahrlos wieder entfernt werden.

Verstehen Sie die Restauration als eine künstlerische Leistung oder handwerkliche Tätigkeit? Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Restaurator in zwei bis drei Sätzen.

Im heutigen Verständnis wird Restaurierung als eine wissenschaftliche Tätigkeit aufgefasst, die eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Aspekten spezifisch auf das jeweilige Kunstwerk bezogen, zu einem Zusammenwirken bringen muss. Mit diesen Aspekten sind umfangreiches Wissen über die materielle Struktur des Bildes, über die Geschichte der Maßnahmen am Bild, über Analyseverfahren genauso gemeint, wie die Fähigkeit, aus der Vielzahl der Methoden und Materialien eine für das Objekt günstige Restaurierungskonzeption zu erstellen und diese dann auch praktisch, d.h. oft manuell, zu realisieren. Die manuellen Tätigkeiten, die ich aber auch beim Zahnarzt nicht als Handwerk bezeichnen würde, haben einen bedeutenden Anteil an der Arbeit. Sie erfordern Geschick, Übung, Konzentration und Erfahrung. Künstlerische Aspekte spielen beim Restaurieren meist eine marginale Rolle und beschränken sich oft auf ein unbedingt notwendiges künstlerisches Einschätzungsvermögen des Kunstwerkes.

Welche grundlegenden territorialen Unterschiede gibt es in der Restaurierung?

Diese Unterschiede, die in früherer Zeit oft sehr bestimmend waren, verschleifen sich mit dem internationalen Austausch der Restauratoren und mit einer Internationalisierung und Vereinheitlichung der Restauratorenausbildung. Man kann insofern eher noch persönlich-subjektive Restaurierungsausfassungen der einzelnen Restauratoren im Detail ausmachen. Bei einzelnen Methoden, z.B. dem Aufbau der Retuschen, oder beim Einsatz bestimmter Restaurierungsmaterialien lassen sich ebenfalls noch regionale Unterschiede feststellen.

Was können uns Infrarotreflektografien und Röntgenaufnahmen über die Entstehung von Gemälden erzählen?

Beide zerstörungsfreie, sogenannte strahlendiagnostische Untersuchungsmethoden, liefern vielfältige und auf die ganze Fläche der Aufnahme bezogene Aussagen. Neben Erkenntnissen zum Erhaltungszustand, die besonders für den Restaurator von Interesse sind, bilden beide Verfahren auch in besonderer Weise die Maltechnik der untersuchten Gemälde ab. Anhand der Röntgenaufnahmen können so beispielsweise Aussagen zum Bildträger, zur Grundierung und auch zu bestimmten Farbschichten, bzw. zur Malweise des jeweiligen Künstlers getroffen werden. Mit Hilfe der Infrarotreflektografie hingegen werden vorrangig Befunde zur Unterzeichnungspraxis des Malers erhoben.

Antworten: Dr. des. Christoph Schölzel
Vielen Dank für das Interview!