Archiv für die Kategorie ‘SKD Entdeckt!’

Wissenschaftler auf Reisen – Kerstin Stöver in Japan

Montag, 23. Januar 2017

Seit der Ausstellung „Logical Rain“ 2013/14 in der die Sammlung an japanischen Färbeschablonen/Katagami des Kunstgewerbemuseums Dresden in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurde, ist das Interesse an diesen kunstvollen, fragilen Objekten nicht abgerissen. Scheinbar plötzlich stoßen wir weltweit auf Ausstellungen, Forschungsprojekte und Tagungen.

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Im März 2016 fand am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, Abteilung Kunstgeschichte Ostasiens die Tagung „Katagami in the West“ statt, auf der sich alle namhaften internationalen Katagami-Sammlungen vorstellten. Aus einem Missverständnis heraus fehlte dabei die Einladung zur Präsentation der größten Sammlung historischer Katagami außerhalb Japans – der Sammlung des Kunstgewerbemuseums Dresden. Trotzdem nahmen neben mir noch zwei weitere Mitarbeiterinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Zuhörerinnen an der Tagung teil, konnten Wissen sammeln und Kontakte knüpfen.

Am 29./30. Oktober 2016 folgte die zweite Tagung am Art Research Center der Ritsumeikan University Kyoto. Dieses Institut wurde 1998 gegründet. Seine Aufgabe sieht es nicht nur in der theoretischen Erforschung des materiellen und immateriellen Kulturgutes Japans sondern ganz praktisch in der Organisation von Forschungsprojekten im eigenen Haus aber auch mit externen Wissenschaftlern und Institutionen sowie in der umfassenden Erfassung, Sammlung Archivierung japanischen Kulturgutes und der Vermittlung des Wissens darüber.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Diskussion über Möglichkeiten der digitalen Erfassung aller Bestände an japanischen Färbeschablonen weltweit und die Möglichkeiten der internationalen Vernetzung. Dieses Mal war auch das Kunstgewerbemuseum Dresden eingeladen. Somit erhielt ich die Möglichkeit während eines Vortrages zum Kernthema des Treffens auch unsere, aus über 16 000 Blättern bestehende Sammlung und den Prozess ihrer digitalen Erfassung im Rahmen des Daphne-Projektes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vorzustellen.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

Die Tagung selbst erwies sich im Wesentlichen als ein Treffen von Vertretern  der bedeutendsten japanischen Sammlungen und einheimischen Wissenschaftlern, die den derzeitigen Stand der digitalen Erfassung japanischen Kulturgutes aus Papier – neben den Schablonen auch Bücher, Zeichnungen, Drucke etc. Neben der japanischen Leiterin der Katagamisammlung des Bostoner Museums of Fine Arts war ich der einzige ausländische Gast. Alle sich vorstellenden Einrichtungen haben ihren Bestand elektronisch erfasst, meist in eigens für sie entwickelten Datenbanken. Allerdings fehlt eine Vernetzung untereinander sowie ein allgemein möglicher Zugriff auf die Daten wie wir es von der Online Collection der SKD kennen. Teilweise ist ein von den Museen individuell autorisierter Zugriff möglich.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Frau Dr. Yuki Ikuta, Kuratorin des Mie Prefectural Art Museum, stellte den Stand der Erfassung der auf Katagami vorhandenen Stempel und Marken vor. Dazu bereist auch sie alle großen internationalen Sammlungen. Ziel ist es, anhand der Stempel Händlerwege nachzuvollziehen und Schablonen einzelnen Werkstätten zuordnen zu können.

Im Moment läuft dieses Projekt mit finanzieller Unterstützung der Japan Foundation auch in unserem Museum. Ein erster Arbeitsbesuch von Frau Ikuta fand dazu im Dezember statt, der zweite folgt im März.

Ein Vortrag von Kyolite Design Kyoto stellte die äußerst vielseitige Verwendung von Motiven der Katagami im aktuellen Produktdesign vor. Die Palette reicht hier von Glas und Porzellan, über Möbel bis zur Raumgestaltung.

Das Art Research Center der Ritsumeikan Universität fördert nicht nur Projekte wie Arbeitsaufenthalte japanischer Wissenschaftler in weltweit renommierte Kunstsammlungen zur digitalen Erfassung des japanischen Kunstgutes, sondern ist im eigenen Haus zur Zeit damit beschäftigt, den landeseigenen, nicht in Museen befindlichen Bestand an Katagami und Buntpapieren zu digitalisieren. Eine Führung durch das temporäre Depot ergab einen ungefähren Eindruck über die Mengen an Färbeschablonen (nicht nur historischen sondern aktuell genutzten) und die Motivvielfalt der Buntpapiere.

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stö

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöve

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöver

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein besonderes Ereignis war die Fahrt nach Suzuka in der Präfektur Mie, dem historischen Zentrum der Herstellung von Ise-Katagami. Neben dem Besuch des kleinen historischen Museums und dem Treffen mit einem noch lebenden „Altmeister“ der Katagamischneidekunst erwies sich der Einblick in eine heute noch nach traditionellem Vorbild arbeitenden Werkstatt „Gesellschaft Osugi Papierindustrie“ zur Herstellung des typischen Papieres als eine Reise in vergangene Zeiten.
 

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöver

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöve

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 
 
 
 
 
 

Als einzige Nichtjapanerin tauchte ich somit in eine völlig neue Welt ein, die weit über das Sammeln von Wissen zu Katagami hinausging und ein intensiver Trip in die japanische Kultur und Lebensweise wurde, die sich sicher auf einer touristischen Reise nicht immer erschließt.

Jenseits des vollen Tagungsprogrammes bot sich jedoch auch die Möglichkeit Kyoto ein wenig zu erkunden. Schon in der Nähe der Universität im Nordwesten der Stadt, im Stadteil Kita-Ku gab es Tempel und Schreine zu entdecken. Sie sind nicht nur typischer Touristenmagnet und Oase im hektischen Getriebe einer Großstadt sondern auch heute noch selbstverständlicher Teil des Lebens vieler Kyoter.

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Nachts im Museum

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Aufgedeckt! Alte Meister neu entdeckt

Mittwoch, 07. Dezember 2016

Flämische Landschaftsbilder des 16. und 17. Jahrhunderts zählen zu den besonderen Schätzen der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister. Trotz ihrer großen Zahl und hohen Qualität sind sie jedoch kaum bekannt. Die Ausstellung DAS PARADIES AUF ERDEN rückt diese Meisterwerke nun endlich ins rechte Licht. Nach umfassenden Untersuchungen und Restaurierungen sind viele Werke in der Ausstellung ganz neu zu entdecken. Wir stellen euch hier zentrale Befunde der Restaurierung von zwei Werken vor.

1) “Landschaft mit dem Urteil des Midas” von Gillis van Coninxloo und Karel van Mander

Landschaft mit dem Urteil des Midas · Öl auf Eichenholz · 119,5  x 203 cm · Gemäldegalerie Alte Meister
  • Neudatierung:

Das Datum wurde durch die Firnisabnahme besser lesbar: Es lautet 1598 (und nicht 1588) und fällt somit in die Zeit, in der der flämische Landschaftsmaler Gillis van Coninxloo nicht mehr im pfälzischen Frankenthal lebte, sondern bereits nach Amsterdam übersiedelt war.

  • Die Identität des Figurenmalers konnte durch das Auffinden einer weiteren Signatur geklärt werden

Niemand geringerer als der Künstlerbiograf  Karel van Mander fügte diese Staffage hinzu–  ein Sachverhalt, der bisher immer aufgrund der Stilistik vermutet wurde und nun durch das Auffinden seiner ligierten Signatur „KM“, die sinnträchtig auf der Harfe des virtuos spielenden Gottes der Künste/Apoll positioniert wurde, eindeutig zu belegen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

2) "Vor der Sintflut" von Roelant Savery

Feststellung einer Programmänderung in der Unterzeichnung durch Infrarotuntersuchung

Das „Vor der Sintflut“ betitelte Gemälde von Roelant Saverys (1620), welches im Rahmen der Ausstellung restauriert und mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht wurde, war zunächst wohl als Paradies­landschaft im klassischen Sinne angelegt: Das Infrarotreflektogramm, welches ermöglicht, durch die Malschichten hindurch tieferliegende Vorzeichnungen und frühere Malzustände auf der Grundierung sichtbar zu machen, zeigt, dass an Stelle der zentral platzierten Arche zunächst wohl ein bewaldeter Felsen zu sehen war.

Das Frühschwund-Craquelé, eine Rissbildung die entsteht, wenn noch nicht trockene Malschichten übereinander gelegt werden, legt wiederum nahe, dass der Fels zu einem relativ frühen Zeitpunkt – wahrscheinlich von Savery selbst und möglicherweise auf Wunsch des Auftraggebers der Tafel – mit der Arche übermalt wurde.

Jan Brueghel d. Ä. hatte Ende des 16. Jahrhunderts begonnen, szenische Landschaftsdarstellungen derart opulent mit den unterschiedlichster Tieren zu beleben, dass die biblischen oder mythologischen Episoden (wie der Sündenfall, die Erschaffung des Menschen, aber auch Orpheus unter den Tieren) zunehmend ins Hintertreffen gerieten. In dieser Tendenz stellt Saverys „Vor der Sintflut“ mit seiner fast enzyklopädischen Tierfülle einen uneingeschränkten Höhepunkt dar: Der Biologe Michael Gruschwitz konnten über 100 unterschiedliche Tiere auf der Tafel identifizieren – darunter so exotische Exemplare wie der erst 1597 aus Neuguinea nach Europa gelangte Helmkasuar. Der Auftraggeber, der das aus einem einzigen Brett (!) gefertigte großformatige Tafelbild in Auftrag gab, ist im Kreise der zeitgenössischen gelehrten Sammler zu verorten, in deren Kabinetten Naturalia und Kunstwerke als zwei sich ergänzende Erkenntnisbereiche gemeinsam präsentiert wurden.

Infrarotreflektogramm mit unter der Arche ursprünglich angelegten Baumkronen

Infrarotreflektogramm mit unter der Arche ursprünglich angelegten Baumkronen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Roelant Savery · Vor der Sintflut ·  Öl auf Eichenholz ·  82 × 137 cm · Staatliche Kunstsammlungen Dresden ·  Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 932

Roelant Savery, Vor der Sintflut, Öl auf Eichenholz, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister

 

Kunst zum Anfassen: “Piranesi 3D”

Mittwoch, 02. November 2016

In der aktuellen Sonderausstellung „Begegnungen mit Rom – Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ im Kupferstich-Kabinett ist Piranesis Werk „Der Runde Turm“ nicht nur für Sehende, sondern auch für Blinde und Sehbehinderte erfahrbar. Das Tastmodell „Piranesi 3D“ entstand nach der Idee von Grit Lauterbach, Mitarbeiterin der Bildung und Vermittlung. Auf dieser Grundlage entwarf Evelyn Zinnatova das dreidimensionale Tastmodell, das sich unter anderem, aber nicht nur, an Blinde und Sehbehinderte richtet.

(Sur)reale Architektur im Kupferstich Kabinett

Ein runder, massiver Turm, eingebettet in einem mächtigen Gewölbe, umrahmt von mehreren Ebenen. Treppen winden sich um ihn herum; oben durch Stützen gefestigt, unten auf Rampen gebettet. Es sind Menschen zu sehen; schemenhaft bloß, klein und unscheinbar.

Giovanni Battista Piranesi: Der runde Turm, aus der Folge Invenzioni Capric di Carceri, Rom 1750, Radierung, 547 × 413 mm (Blatt, entlang des Plattenrands beschnitten), Kupferstich-Kabinett, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Herbert Boswank Das Foto zeigt einen früheren Druck des Kupferstiches. Ein späterer Druck von 1761 kann im Kupferstich Kabinett besichtigt werden und diente als Grundlage für das Tastmodell.

Dem Betrachter der Radierung „Der Runde Turm“ aus der Serie der Carceri, 1761 geschaffen von Giovanni Battista Piranesi in Rom, erschließt sich eine Komposition aus zahlreichen architektonischen Elementen, die miteinander verbunden und ineinander verschachtelt sind. Stufen, Geländer, Mauern, Bögen, Plattformen, Fenster und Pfeiler fügen sich zu einem komplexen Bau, welcher nur auf den ersten Blick den physikalischen Gesetzen gehorcht.

Piranesi spüren – Konzept für Blinde und Sehbehinderte

Seit dem 18. Oktober 2016 ist Piranesis Grafik aber nicht nur für Sehende, sondern auch für Blinde und Sehbehinderte erfahrbar. Evelyn Zinnatova, Diplomandin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, entwarf zunächst ein Knet-, darauf basierend dann ein digitales Modell. Wenig später folgte das dreidimensionale Tastmodell nach Giovanni Battista Piranesi – Der runde Turm, 1761, das Stück für Stück aus mehr als 50 Einzelteilen zusammengesetzt wurde.

Vom Knetmodell…

…zum digitalen…

…zum 3D-Tastmodell!

Starke Farbkontraste ermöglichen es Personen mit eingeschränktem Sehvermögen, unterschiedliche Bereiche des Modells besser zu erkennen. Mit Hilfe des Lesestiftes TipToi ® von Ravensburger können Teile des Modells angetippt werden, um diesem auch Klänge zu entlocken. Die Welt Piranesis kann so auch akustisch erfahren werden. Mehrere Nutzertests erlaubten es, das Tastmodell so an die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten anzupassen, dass verschiedene Sinne angesprochen werden.

Besucher in der Ausstellung „Begegnungen mit Rom – Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ am Tastmodell „Piranesi 3D“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: David Pinzer

Besucher in der Ausstellung „Begegnungen mit Rom – Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ am Tastmodell „Piranesi 3D“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: David Pinzer

Surreales realisieren? Ein schwieriges Unterfangen

Dabei war „die Umsetzung des Projektes nicht einfach“, erzählt Evelyn Zinnatova. „Es war wahnsinnig herausfordernd, aus der zweidimensionalen Radierung ein dreidimensionales Modell zu formen. Piranesi spielte mit verschiedensten Perspektiven und Blickwinkeln – diese in der Realität physisch umzusetzen, war oftmals gar nicht möglich. Deswegen habe ich hypothetisch Architekturelemente ergänzt, die in Piranesis Radierung nicht explizit dargestellt, aber konstruktiv notwendig sind.“

Zeichnerischer Entwurf des Modells

Das Tastmodell ist somit als eine Annäherung an die Radierung und eine Variation, nicht aber als unmittelbare dreidimensionale Umsetzung zu verstehen.

Übrigens:

Am Freitag, den 9.12.2016 stellt Evelyn Zinnatova im Kunstgespräch Piranesi 3D- Der runde Turm in neuen Dimensionen ihr Tastmodell persönlich in der Ausstellung vor.

Werk der Woche: David Schnell, “Ansitz”

Donnerstag, 21. März 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier.Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Bevorzugtes Bildthema von David Schnell ist die vom Menschen gestaltete und überformte Landschaft. Architektonische Formen spielen die zentrale Rolle: Wie Schneisen durchschneiden Wege und Straßen die streng zentralperspektivische angelegte ‒ und im gleichförmigen Raster des Entwurfs sichtbar bleibende ‒ Bildarchitektur. Ein extremer Fluchtpunkt vermittelt die Illusion von großer Raumtiefe.

David Schnell, Ansitz, 2001, Öl/ Leinwand, 240 x 170 cm, Inv. Nr. 15/ 2001 © Dresden/ Kunstfonds, SKD

David Schnell, Ansitz, 2001, Öl/ Leinwand, 240 x 170 cm, Inv. Nr. 15/ 2001 © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Schnell kombiniert die Erfahrung von Zentralperspektive mit der von virtuellen Räumen. Diese surreale Seherfahrung wird durch die kräftige, zwischen Tiefblau und Rotorange changierende und durchleuchtete Palette noch verstärkt. Die Bildwelt Schnells wirkt hypnotisierend ‒ expansiv und klaustrophobisch zugleich ‒ und im besten Sinne merkwürdig. Dieses Werk wurde 2001 im Rahmen der Förderankäufe des Freistaates Sachsen zusammen mit einem weiteren für den Kunstfonds erworben.

Unsere Veranstaltungstipps:

21.03.2013, 16:30 Uhr in der Ausstellung: Kunstgespräch „Ostdeutsche Landschaften” und “Fake Spaces”“ mit Mathias Wagner

22.03.2013, 16:30 Uhr
Künstlergespräch mit Christiane Baumgartner in der Ausstellung

 

Werk der Woche: Frank Lippold, “Wolkenbildung”

Donnerstag, 07. März 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier.Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Das nächste Kunstwerk, das wir Euch vorstellen, ist von Frank Lippold. Eine große Leidenschaft Lippolds, der an der HfBK in Dresden studiert hat, ist die traditionelle Technik des Holzschnitts. So schneidet der Künstler Naturstücke in schwarz bemaltes Sperrholz. Seine romantisch anmutenden Landschaften ähneln herkömmlichen Druckstöcken. Seine Kompositionen sind reine Naturansichten, die gleichwohl durch surreale und konstruktivistische Elemente kontrastiert werden: Frank Lippolds Interesse gilt dem Flüchtigen und so ist in “Wolkenbildung” der Moment eines Regengusses festgehalten.

Frank Lippold, Wolkenbildung, 2003/2005, Sperrholz/Acryl, 122 x 244 cm, Inv.-Nr. 47/2006, Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen 2006, Foto Herbert Boswank, Dresden © Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Frank Lippold, Wolkenbildung, 2003/2005, Sperrholz/Acryl, 122 x 244 cm, Inv.-Nr. 47/2006, Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen 2006, Foto Herbert Boswank, Dresden © Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Zu seinen Werken inspiriert den Künstler die ländliche und wildromantische Umgebung und die Geschichte von Schloss Scharfenberg, wo er sein Atelier hat. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts war das Schloss für kurze Zeit ein blühendes Zentrum der Romantik. Dort versammelte sich der „Scharfenberger Kreis“ mit führenden Köpfen der deutschen Romantik wie Novalis, E.T.A. Hoffmann, Heinrich von Kleist und anderen. Im Werk Lippolds verbinden sich auf bemerkenswerte Weise Kunst- und Geistesgeschichte, die in einer außergewöhnlichen Formensprache ein zeitgenössisches Abbild finden.

Unser Veranstaltungstipp: Sonderführung zum Thema “Dresdner und Leipziger Malerei”

10.03.2013, 11 Uhr: Annabell Rink führt durch die Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau. Die Teilnahmegebühr beträgt 3 EUR zzgl. Eintritt.

 

Werk der Woche: Kerstin Flake, “Fake Spaces 04″

Freitag, 01. März 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier.Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

Eröffnet:  Die Ausstellung „jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds“. Ab jetzt stellen wir Euch wöchentlich ein Werk der Ausstellung vor.

Den Auftakt macht ein Werk der Leipziger Fotografin Kerstin Flake, das gleichzeitig auch das Titelmotiv ist.
Es stammt aus der Serie „Fake Spaces“ und ist eine von zwei Fotografien, die 2010 als Förderankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen für den Kunstfonds erworben wurde. Die Serie entstand in verschiedenen verwaisten Abrisshäusern, die die Künstlerin zeitweise als Ateliers nutzte. Sie inszenierte ihre bizarren Bildwelten mit dort vorgefundenen Hinterlassenschaften der letzten Bewohner. Gleich einem „geisterhafte[n] Aufstand der Dinge“ (Florian Ebner, 2009) scheinen sie ein seltsames Eigenleben zu entwickeln, ganz so, als ob die Vergangenheit nicht zur Ruhe kommen will. Die rätselhaften und irritierenden Inszenierungen vor Ort sind auch als Widerstand gegen mediale Möglichkeiten der Bildfindung zu verstehen, die zudem auf spielerische Weise das Versprechen der Fotografie auf ihren Wahrheitsgehalt hin hinterfragen.

Kerstin Flake, Fake Spaces 05, 2006 C Print, 142,5 x 103,2 cm Inv. Nr. 84/ 2010 © Kunstfonds, SKD

Kerstin Flake, Fake Spaces 04, 2006 C Print, 142,5 x 103,2 cm Inv. Nr. 84/ 2010 © Kunstfonds, SKD

Ans Herz legen möchten wir Euch auch den kleinen pfiffigen Ausstellungsführer, ein „Bilderbuch“, das jeden Künstler mit einem Werk vorstellt und quasi die Ausstellung zum Mitnehmen anbietet. Eine Idee dahinter war einerseits, der Kunst ihren Raum zu lassen und diesen nicht mit Raum- oder Objekttexten einzuengen und anderseits zur Vermittlung der einzelnen Werke über den Ausstellungszeitraum hinweg beizutragen. Einige der Werke sind im Führer erstmals publiziert und besprochen. Er ist in Deutsch und Englisch verfügbar.

Unser Veranstaltungstipp: Mit Jens Besser spazieren.

02.03.2013, 16 Uhr “Urban Art Walk – Stadtspaziergang zu zeitgenössischen Wandbildern und Street-Art Interventionen in der Dresdner Friedrichstadt ”
ACHTUNG: Treffpunkt Adlergasse 14 – Eingang riesa efau

jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Die Aufbauarbeiten des Kunstfonds in der Kunsthalle des Lipsiusbau sind in vollem Gange, denn am 1. März startet die Ausstellung „jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds“. Mit den Werken des Kunstfonds besitzen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine der bedeutendsten Sammlungen sächsischer Kunst nach 1945. In der Ausstellung wird nun eine große Auswahl an verschiedenster Medien, darunter Malerei, Photographie, Graphik, Skulpturen und Objekte sowie Film zu sehen sein.

Interview mit der Leiterin des Kunstfonds und Kuratorin der Ausstellung, Silke Wagler

Nach welchen Gesichtspunkten wurde die Ausstellung konzipiert?

Die Sammlungen des Kunstfonds sind geradezu prädestiniert dazu, die Hallen des Lipsiusbaus zu füllen. Mit dieser ersten großen Ausstellung zeigen wir eine möglichst große Bandbreite aus unserem Bestand. Die präsentierten Objekte bilden einen Querschnitt der Sammlung an Gegenwartskunst. Der Fokus liegt auf den Hauptentwicklungslinien des Kunstschaffens der letzten Jahre, auf den zwei namhaften Malereischulen in Leipzig und Dresden, auf der Vorreiterrolle Leipzigs im Bereich der Fotografie und auf der Wiederentdeckung des Handwerklichen und dem neuen Interesse an traditionellen Techniken der Zeichnung und Druckgrafik. Ziel der Ausstellung ist es, noch mehr Interesse und Akzeptanz für zeitgenössische Kunst zu wecken. Dadurch, dass die Künstler in unserer Generationen aufwuchsen, reflektieren ihre Werke eine ähnliche Alltags- und Erfahrungswelt wie wir selbst. Deswegen sollten wir auch einen Zugang finden können.

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Gibt es ein Leitobjekt?

Anstelle von „Leitobjekten“, sollte man vielmehr über interessante Werke von besonderer Bedeutung reden. Beispielsweise wäre da Neo Rauchs Werk „Die große Störung“(1995), eine frühere Arbeit, die im Schaffen des Künstlers am Übergang von einem eher grafischen zu einem malerischen Stil. Peggy Buth’s „Firework after a really big event“ lässt provokative Töne anklingen, wenn sie in einen – politisch und kulturell besetzten – roten Teppich ein Feuerwerk einbrennt.

Nach welchen Kriterien wurden die Werke gehängt?

Bei der Hängung gab es zunächst einige konservatorische Kriterien, wie zum Beispiel die Lichtverhältnisse, zu beachten. Weiterhin waren Standorte für besonders große Formate auch gesetzt. Darüber hinaus waren formal-ästhetische Aspekte wichtig. Hier haben wir versucht, die Vielfalt der Medien so zu nutzen, dass ein abwechslungsreiches Seherlebnis möglich wird. Wir haben auch versucht thematische Erfahrungsräume zu schaffen, deren Deutung aber dem Betrachter überlassen bleibt. So gibt es zum Beispiel romantische und geometrische Werkgruppierungen, oder solche zur Rolle des Lichts, zu „Fake Spaces“ oder „Ostdeutsche Landschaften“.

Was macht die Arbeit von Theo Boettger aus?

Theo Boettgers Werk möchte provozieren. Es stellt unter anderem die Frage in den Raum, was schön und ästhetisch, was romantisch ist. Er hinterfragt letztlich dadurch auch die Vergangenheitsverliebtheit besonders in Dresden, die Museumskunst und „Hochkultur“.

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Der Mathematisch-Physikalische Salon ab 14. APRIL 2013 wieder im Zwinger – save the date!

Dienstag, 15. Januar 2013

Mathe? Physik? Salon?
Na klar! Der Mathematisch-Physikalische Salon, ab 14. April 2013 Eure neue Lieblingssammlung.

Ein Bär, ein Fernrohr, ein Globus und eine Taschenuhr sind die vier Leitmotive, die seit 18. Dezember 2012 auf Plakaten zusammen mit eingängigen Sprüchen in Dresden, Leipzig und Berlin auf die Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons aufmerksam machen. Umgesetzt hat die Kampagne für uns die Berliner Kommunikationsagentur PREUSS UND PREUSS. Wir sind begeistert und Euch haben wir auch schon überzeugt. Über unsere Facebook-Fanpage erreichten uns zahlreiche Likes und Kommentare. Und in Marketing-Fachkreisen spricht man schon von der „Kulturkampagne des Monats“.

Screenshot_Facebook_Kampagne

Screenshot der Facebook Fanpage der SKD

Endspurt!

Nach fast sechs Jahren Schließzeit bezieht die Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons endlich wieder ihren angestammten Platz im Dresdner Zwinger, der sich vom Kronentor bis zum Wallpavillon erstreckt. Auf nun insgesamt vier Ausstellungsflächen – jede mit einem ganz eigenen Charakter – wird unsere Sammlung eine neue Präsentation erfahren. In den letzten Jahren wurde ein frisches Ausstellungskonzept entwickelt: der Besucher kann die herausragenden Kunstwerke – u.a. wissenschaftliche Apparate, Uhren und astronomische Geräte – eingehend betrachten und mit multimedialen Anwendungen interaktiv erleben.

Wiedersehen macht Freude!

Blicke hinter die Kulissen, wie der Um- und Einzug der Kunstwerke in den Zwinger, ihre Einrichtung und Ausblicke auf ihre Präsentation, sowie die Installation der Medienstationen – in den nächsten Wochen erfahrt Ihr hier auf dem Blog viele lesenswerte Ereignisse rund um die Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons, seine Geschichte und seine Neupräsentation.

22. Dresdner Elbhangfest (22.-24.06.) – Raffael malt die Sixtinische Madonna

Freitag, 20. Juli 2012

Der traditionelle Festumzug anlässlich des Elbhangfestes fand in diesem Jahr unter dem Motto “Das ewig Weibliche zieht uns zum Hang” statt. So flanierten beispielsweise Eva, die Neun Musen und eine Vielzahl weiterer Schönheiten von Loschwitz bis nach Pillnitz. Unter der Leitung von Gemälderestaurator Dr. Christoph Schölzel und mit freundlicher Unterstützung der Spedition DB Schenker und der Semperoper Dresden präsentierte die Gemäldegalerie Alte Meister Dresden mit der Sixtina eine ihrer “Schönsten” auf ganz besondere Art.

Ein Festwagen bot Einblick in Raffaels Atelier im Jahr 1512 und erlaubte es den begeisterten Zuschauern, dem Künstler beim Malen der Sixtinischen Madonna uber die Schultern zu sehen: Raffael treibt seinen Farbenreiber an, richtet die Falten am Gewand seines Modells, sinniert vor seiner Staffelei und setzt erste Farbtupfer auf die Leinwand.
Auf und neben dem Wagen konnte man nicht nur Raffael und seine Sixtina bewundern; zu ihrem Gefolge zählten neben einer weiteren Figur des Gemäldes – der Heiligen Barbara nebst Turm – auch der berühmte Künstlerbiograph Giorgio Vasari, ein Kardinal, ein Mönch und eine Reihe römischer Damen und Mägde.

Ob Raffael auf die vielen Zuschauer gehört hat, die ihn anflehten, er möge der Komposition am unteren Bildrand noch zwei Engel hinzufügen, werden wir erst wissen, wenn das Gemälde vollendet ist …

Carina Merseburger