Archiv für die Kategorie ‘SKD Nachgefragt!’

jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Die Aufbauarbeiten des Kunstfonds in der Kunsthalle des Lipsiusbau sind in vollem Gange, denn am 1. März startet die Ausstellung „jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds“. Mit den Werken des Kunstfonds besitzen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eine der bedeutendsten Sammlungen sächsischer Kunst nach 1945. In der Ausstellung wird nun eine große Auswahl an verschiedenster Medien, darunter Malerei, Photographie, Graphik, Skulpturen und Objekte sowie Film zu sehen sein.

Interview mit der Leiterin des Kunstfonds und Kuratorin der Ausstellung, Silke Wagler

Nach welchen Gesichtspunkten wurde die Ausstellung konzipiert?

Die Sammlungen des Kunstfonds sind geradezu prädestiniert dazu, die Hallen des Lipsiusbaus zu füllen. Mit dieser ersten großen Ausstellung zeigen wir eine möglichst große Bandbreite aus unserem Bestand. Die präsentierten Objekte bilden einen Querschnitt der Sammlung an Gegenwartskunst. Der Fokus liegt auf den Hauptentwicklungslinien des Kunstschaffens der letzten Jahre, auf den zwei namhaften Malereischulen in Leipzig und Dresden, auf der Vorreiterrolle Leipzigs im Bereich der Fotografie und auf der Wiederentdeckung des Handwerklichen und dem neuen Interesse an traditionellen Techniken der Zeichnung und Druckgrafik. Ziel der Ausstellung ist es, noch mehr Interesse und Akzeptanz für zeitgenössische Kunst zu wecken. Dadurch, dass die Künstler in unserer Generationen aufwuchsen, reflektieren ihre Werke eine ähnliche Alltags- und Erfahrungswelt wie wir selbst. Deswegen sollten wir auch einen Zugang finden können.

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Gibt es ein Leitobjekt?

Anstelle von „Leitobjekten“, sollte man vielmehr über interessante Werke von besonderer Bedeutung reden. Beispielsweise wäre da Neo Rauchs Werk „Die große Störung“(1995), eine frühere Arbeit, die im Schaffen des Künstlers am Übergang von einem eher grafischen zu einem malerischen Stil. Peggy Buth’s „Firework after a really big event“ lässt provokative Töne anklingen, wenn sie in einen – politisch und kulturell besetzten – roten Teppich ein Feuerwerk einbrennt.

Nach welchen Kriterien wurden die Werke gehängt?

Bei der Hängung gab es zunächst einige konservatorische Kriterien, wie zum Beispiel die Lichtverhältnisse, zu beachten. Weiterhin waren Standorte für besonders große Formate auch gesetzt. Darüber hinaus waren formal-ästhetische Aspekte wichtig. Hier haben wir versucht, die Vielfalt der Medien so zu nutzen, dass ein abwechslungsreiches Seherlebnis möglich wird. Wir haben auch versucht thematische Erfahrungsräume zu schaffen, deren Deutung aber dem Betrachter überlassen bleibt. So gibt es zum Beispiel romantische und geometrische Werkgruppierungen, oder solche zur Rolle des Lichts, zu „Fake Spaces“ oder „Ostdeutsche Landschaften“.

Was macht die Arbeit von Theo Boettger aus?

Theo Boettgers Werk möchte provozieren. Es stellt unter anderem die Frage in den Raum, was schön und ästhetisch, was romantisch ist. Er hinterfragt letztlich dadurch auch die Vergangenheitsverliebtheit besonders in Dresden, die Museumskunst und „Hochkultur“.

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Theo Boettger bei der Installation seines Werkes „Das wüste Land“(2006).

Der Mathematisch-Physikalische Salon ist wieder im Zwinger

Montag, 11. Februar 2013

In den letzten Wochen ist viel passiert innerhalb der historischen Zwingermauern. Anfang des Jahres konnten die Kollegen aus dem Wissenschafts- und Direktionsbereich des MPS, die – zwischen gepackten Kisten sitzend – schon sehnlich darauf gewartet hatten, bereits ihre neuen Büroräume im Zwinger beziehen. Durch die tatkräftige Unterstützung eines Umzugsunternehmens ist der Büro- und Bibliotheksumzug erfolgreich abgeschlossen, und mittlerweile sind alle Kisten ausgepackt und alle Bücher haben ihren Platz in den neuen Regalen gefunden. Es sind jedoch nicht nur die zahlreichen Umzugskartons, die in der letzten Zeit den Weg in die neuen Räume gefunden haben.

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Mission: Objektumzug

Nach dem Büroumzug steht aktuell der Umzug der Objekte an, die Rückkehr der Sammlung des MPS in ihre alte Heimat. Wegen der sehr unterschiedlichen Größe und konservatorischen Eigenschaften der Exponate – von Jahrhunderte alten Uhren mit einer höchst empfindlichen Mechanik bis zu imposant großen Brennspiegeln und Fernrohren – muss dieser Kunsttransport viel bedachter durchgeführt, als ein Büroumzug jemals sein müsste. Die akribische Koordination des umfangreichen Vorhabens obliegt dem Depotverwalter Peter Müller mit Unterstützung von Dr. Sibylle Gluch und dem Team von Restauratoren Lothar Hasselmeyer und Johannes Eulitz um den Chefrestaurator Andreas Holfert.

Interview mit Chefrestaurator Andreas Holfert

Herr Holfert, Sie haben die konservatorischen Bedüfnisse der Objekte genauestens im Blick. Der Umzug ist zurzeit noch im vollen Gange, wie bewerten Sie die momentane Situation ?

Andreas Holfert: Ganz richtig. Im Grunde genommen befinden wir uns noch in mitten der Objekt-Umzugsphase. Die zentralen, für die Ausstellung relevanten Objekte sind allerdings schon im Museum und können nun von dem zuständigen Einrichtungssteam begutachtet und vermessen werden. Dies ist ein wichtiger Punkt, da eine Vielzahl der Objekte spezielle Objekteinrichtungen bzw. Ausstellungshilfen benötigt, um angemessen und sicher präsentiert zu werden. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, die Objekte, die eine aufwendige Aufständerung benötigen, so früh wie es uns möglich war, sicher transportieren zu können. Großer Verdienst gilt dabei Herrn Peter Müller und Herrn Johannes Eulitz, die bereits im Vorfeld eine entsprechende Sortierung der ausstellungsrelevanten Objekte vorgenommen haben. Auf Grundlage dieser Planungen war es uns möglich, eine nach Relevanz gestaffelte Anlieferung zu realisieren.

Figuren des "Hottentottentanz" vorbereitet für den Transport, © SKD

Verpackung der Einzelfiguren des "Hottentottentanz" für den Transport, © SKD

Wie groß ist die Anspannung vor einem derartig aufwendigen Vorhaben?

Der Druck, alles in einem bestimmten zeitlichen Rahmen ohne Schaden zu verpacken und verfrachten, ist enorm groß. Da ist es unglaublich wichtig, dass das gesamte Team an einem Strang zieht und die Kommunikation und Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Beteiligten bestens abgestimmt sind.

Welcher Herausforderung muss man sich als Chefrestaurator bei einem derartigen Umzug stellen?

Die zentrale Schwierigkeit liegt darin, auf verschiedenen Ebenen das Ziel der sicheren und unbeschadeten Objektüberführung zu gewährleisten. Zum einen ist es eine große Herausforderung, die Objekte korrekt und transportsicher zu verpacken, um dem Risiko der Transportbeschädigung präventiv entgegenzuwirken. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Objekte wegen ihrer Empfindlichkeit individuell behandelt werden müssen. Ein wesentlicher Aspekt beim Verpacken der Objekte ist dabei die maßgeschneiderte Unterbringung in Klimakisten mit entsprechenden schützenden Innenleben. Für einen akkuraten Umgang beim Einpacken bedarf es der genauen Kenntnis über Funktion und Aufbau der Geräte. Eine schwierige, umfangreiche Aufgabe, für die wir auf die Unterstützung von Fachleuten angewiesen sind, die weitreichende Vorkenntnisse mitbringen müssen.
Zum anderen ist gerade der Umzug in den Mathematisch-Physikalischen Salon eine große logistische Herausforderung: Zum Beispiel muss besonders darauf geachtet werden, dass das historische Bauwerk des Zwingers bei der Anlieferung durch LKW und Kran nicht beschädigt wird. Darüber hinaus gibt es nur begrenzte Abstellkapazitäten für die oftmals sehr großen Kisten. Da bedarf es viel Konzentration während der Anlieferungs-Vorgänge. Genau deshalb können Objekttransporte auch nur peu á peu geschehen.

Transportkiste des MPS, © SKD

Transportkiste des MPS, © SKD

Viele Objekte der Sammlung stellen allein schon auf Grund ihrer Größe eine logistische Herausforderung dar – ich denke da nur an die Brennspiegel oder Coronelli-Globen.

Genau! Unsere Großgeräte sind gerade wegen ihrer Größe und ihrem zum Teil enormen Gewicht eine Herausforderung in sich. Ihre Kisten lassen sich beispielsweise nicht über den Fahrstuhl in den oberen Ausstellungsraum, den Festsaal, verfrachten – in diesem Fall muss dann ein Kran weiterhelfen. Außerdem holen wir die Objekte aus insgesamt drei räumlich getrennten Depots, die ebenfalls begrenzte Raumkapazitäten besitzen. Bereits beim Einpacken stößt man da an logistische Grenzen.
Auch beim auszuwählenden Transportpartner, einer auf Kunsttransporte spezialisierten Spedition, ist, ähnlich wie beim Einpacken der Objekte, gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen wie sie die momentane Jahreszeit mit sich trägt, die personelle Erfahrung und technische Kompetenz unersetzlich.

Transport in den Zwinger, © SKD

Transport in den Zwinger, © SKD

Gibt es ein Objekt, das aufgrund seiner Eigenschaften eine ganz besondere Herausforderung für Sie darstellt?

Die Renaissance-Automaten wie beispielsweise unsere „Verkehrte Welt“ oder der „Hottentottentanz“ sind im Allgemeinen wegen ihrer Materialkombinationen aus Holz, Textil, Stein und verschiedenen Metallen sehr empfindlich. Gerade die Mechanik der um die 400 Jahre alten Objekte reagiert besonders anfällig auf Erschütterungen und wechselnde Klimabedingungen. Hinzu kommt, dass sie wegen ihrer Größe, ähnlich wie unsere Großgeräte, für den Transport demontiert und auf verschiedene Kisten aufgeteilt werden müssen. Bei ihnen ist also noch einmal eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Konzentration geboten.
Grundsätzlich sind wir aber mehr als zuversichtlich, dass es auch weiterhin so gut funktionieren wird wie bisher und dass alle Objekte unbeschadet ihren Platz in der neuen Ausstellung wieder einnehmen können.

Lieber Herr Holfert, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Pascaline hautnah erleben

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ihr Erscheinungsbild beeindruckt und ihre Technik war eine Sensation des 17. Jahrhunderts: die Rechenmaschine des Franzosen Blaise Pascal, auch „Pascaline“ genannt. Mit ihrer feuervergoldeten Hülle und ihrer innovativen Mechanik gehört das fast 50 cm breite Recheninstrument definitiv zu den Highlights der Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons (MPS). Selbstverständlich bekommt sie einen besonderen Platz in der neuen Dauerausstellung. Dort werden die Besucher die Möglichkeit haben, unmittelbar neben der Originalmaschine an einem digitalen Nachbau auf einem großen Touchscreen selbst aktiv zu werden, eigene Rechnungen auszuführen und in die Fußstapfen des großen Blaise Pascal zu treten.

Zur Vorschau der virtuellen Pascaline …

Derzeit befindet sich die interaktive Software-Anwendung der Pascaline in den letzten Produktionszügen. Die digitale Pascaline, sowie insgesamt 12 weitere Medienanwendungen in der neuen Dauerausstellung, sind das Ergebnis einer langjährigen Projekt-Kooperation zwischen dem MPS und dem Team von Computergrafikern um Prof. Markus Wacker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden). Eine Reihe dieser Anwendungen geht auf vom MPS und der Hochschule gemeinsam betreute Diplomarbeiten zurück.

Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) arbeiten an der Visualisierung der Pascaline

Um die Medienanwendungen für den musealen Bereich zu optimieren, arbeiten die Wissenschaftler und Computergrafiker unter Leitung von Oberkonservator Dr. Michael Korey vom MPS und Prof. Markus Wacker von der HTW Dresden eng zusammen. In vielen gemeinsamen Produktionssitzungen werden intensiv die bestmögliche Visualisierung, Funktionsweise und Benutzerfreundlichkeit der einzelnen Anwendungen diskutiert und immer weiter verbessert.

Arbeitstreffen mit Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) und Michael Korey (MPS)

Arbeitstreffen von Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) mit Michael Korey (MPS)

Interview mit Claudia Bergmann (HTW Dresden)

Claudia Bergmann, Dipl.-Medieninformatikerin an der HTW Dresden, ist die Hauptverantwortliche für die Produktion der digitalen Pascaline. Diese basiert auf ihrer Diplomarbeit, für die Claudia den vom Fachbereichstag Informatik an Fachhochschulen ausgeschriebenen Informatikpreis 2010 in der Kategorie Bachelor-/Diplomarbeit erhalten hat. Wir haben mit Claudia gesprochen:

Claudia, wir sind begeistert von deiner virtuellen Pascaline. Du arbeitest bereits seit einiger Zeit an der Anwendung – Hand aufs Herz, bist Du froh, wenn das Projekt Pascaline abgeschlossen ist?

Es hat mir schon während meiner Diplomzeit Spaß gemacht, die Pascaline „auseinanderzunehmen“ und so aufzubereiten, dass Groß und Klein die digitale Maschine kennenlernen können. Jetzt habe ich die Möglichkeit die Anwendung zu optimieren und finde die Wirkung der Pascaline auf andere immer wieder spannend und bin nach wie vor fasziniert von der Mechanik.

Woher kam die Intention, eine Diplomarbeit über eine Museumsanwendung zu erstellen? Warum ausgerechnet die Pascaline?

Ich wollte meine Diplomarbeit nicht für die Schublade schreiben, sondern etwas machen, dass „bunt“ ist und zum Einsatz kommt. Bunt meint, dass ich Modellierung, Animation, Programmierung und Gestaltung zusammenbringen konnte. Und da ich selbst gern in Museen gehe und mir hier häufig Ideen für interaktive Stationen kommen, habe ich bei den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) angefragt, ob Interesse an einer Anwendung für die Rechentechnikabteilung besteht. Durch einen Zufall kam es dann dazu, dass ich für die Museen TSD und MPS eine Medienstation über die Pascaline erstellt habe.

Sicherlich ist eine derartige Anwendung kein leichtes Unterfangen. Wo lagen für Dich die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Anwendung so zu erstellen, dass alle Museumsbesucher einen Mehrwert daraus ziehen können. D.h. dass man neugierig die Maschine bedienen kann, die Mechanik auch ohne Vorkenntnisse verstehen lernt und Interessierte noch Hintergrundwissen abfragen können.
In der Konzeptionsphase haben wir bereits einen Nutzertest durchgeführt, um sicher zu gehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und nicht „betriebsblind“ werden. Und dabei kamen so erstaunliche Dinge zum Vorschein wie die Tatsache, dass junge Leute das Prinzip der Telefon-Wählscheiben nicht mehr kennen, das der Eingabe an der Pascaline ähnelt.

Inwiefern unterscheidet sich eine Museumsanwendung wie diese von „herkömmlichen“ Medienanwendungen? Worauf musste man als Produzentin besonders achten?

Einen Unterschied bietet schon das Museumsumfeld selbst. Die Besucher sind sehr unterschiedlich von ihrem Vorwissen im Bezug auf die dargestellten Themen und Exponate, aber auch bezüglich der modernen Präsentationstechnik. Die Anwendung muss für jeden etwas sein und kurzweilig.

Vielen Dank für das Interview!

 

Museumspädagogin Karina Peschel im Interview

Mittwoch, 01. August 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ hat die Museumspädagogik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Vermittlungskonzepte speziell für Schulklassen entwickelt. Welche Besonderheiten ergeben sich hier im Vergleich zu den täglich in der Ausstellung stattfindenden Führungen?

Diese neuen Vermittlungskonzepte sollen den Schülern einen ganzheitlichen Zugang zu den Bildinhalten ermöglichen, indem auch emotionale Seiten angesprochen werden. Wir stellen eine Verbindung zum eigenen Leben her, und wecken damit das Interesse der Schüler an Themen, mit denen die meisten von ihnen heute im Alltag kaum etwas zu tun haben.

Methodisch werden die Schüler durch spezielle Aufgabenstellungen sehr aktiv in den Erkenntnisprozess einbezogen. Speeddatings und kleine szenische Einlagen, in denen das soeben Gehörte mittels einiger Requisiten von den Schülern selbst umgesetzt wird, gestalten den Aneignungsprozess lebendig und nachhaltig.

Eine Sonderregelung der Öffnungszeiten ermöglicht kunstbegeisterten Schulklassen und ihren Lehrern die Ausstellung im Rahmen des Vermittlungsprogramms bereits ab 8:00 Uhr zu besuchen. Wie wurde dieses Angebot wahrgenommen?

Die Sonderöffnungszeit wurde sehr gut angenommen, allerdings größtenteils erst ab 9.00 Uhr. Die Ruhe und Ungestörtheit zu dieser Zeit ermöglichte erst den Einsatz unserer vielleicht nicht ganz konventionellen Methoden, mit deren Hilfe wir die Schüler auflockern und in Gesprächsbereitschaft versetzen wollten.

Wie schätzen Sie das Interesse der Schüler zur Sonderausstellung ein? Gab es besondere Highlights oder Anregungen? Welche Rückmeldung haben Sie von den Lehrern bekommen?

Das Interesse an der „Sixtina“ war erfreulich hoch. Erfahrungsgemäß hängt das auch davon ab, wie „griffig“  Ausstellungstitel und Schulklassenthemen sind. Mit dem Thema „Von der Madonna zum Model“ hatten wir sozusagen „ins Schwarze“ getroffen.

Die Resonanz von Lehrern und Schülern war überaus positiv und zugleich ermutigend diesen Weg der Vermittlung weiter zu verfolgen. Das deutete sich schon bei der Vorstellung der Konzepte in der Lehrerweiterbildung an, als die Lehrer gleich selbst ein Speddating zum Thema „Schönheit“ machen wollten.

Besonders gern wurden auch praktische Angebote, wie die Herstellung einer Collage „Madonna 2012“ genutzt.

Die Kunstvermittlung im Museum beinhaltet nicht nur das Betrachten und Interpretieren von Gemälden, sondern bietet als fächerübergreifendes Medium das Potential zur Verbindung mehrerer Lerninhalte. Welche Fächerkombinationen eignen sich besonders für die Sonderausstellung?

Kunsterziehung, Deutsch, Geschichte, Religion, Ethik

Durch die Zusammenarbeit von Museen und schulischen Einrichtungen erhalten Lernende die Möglichkeit, sich in einem anderen Lernumfeld auszutauschen und Fragestellungen weiterzuentwickeln. Wird es zukünftig weitere praxisorientierte Führungen, auch im Bereich Erwachsenen- oder Seniorenbildung geben?

Diese interaktiven Konzepte werden im Museum der Zukunft gewiss eine Rolle spielen. M.E. erfordern sie aber eine gewisse Vertrautheit der Teilnehmer untereinander. Unsere Senioren sind vielleicht so eine Gruppe, die sich seit Jahren kennt, uns kennt und sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig ist. Hier wollen wir demnächst mit interaktiven Vermittlungskonzepten arbeiten. Bei Touristen, die an einem Rundgang teilnehmen, kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass sie besonders begeistert wären, mit einem Fragebogen auf Entdeckungstour durchs Museum geschickt zu werden.

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Museumspädagogin in zwei bis drei Sätzen!

Ganz allgemein: Museumspädagogen stehen zwischen dem Objekt und dem Besucher. Konkret erarbeiten wir Vermittlungskonzepte, museumspädagogische Angebote zu jeder Ausstellung und Führungsinhalte, schreiben Förderanträge, bilden uns weiter und machen natürlich Führungen.

Vielen Dank für das Interview!

Bühnenplastiker Ralf Aßmann im Interview

Freitag, 20. Juli 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ haben Sie ein Relief des Gemäldes erstellt, welches den Besuchern das Ertasten des Bildes ermöglicht. Vor allem für die Kunstvermittlung, die sich an blinde und sehbehinderte Museumsbesucher richtet, ist dieses Abtasten ein besonderes Erlebnis. Welche Resonanz haben Sie bisher von den Besuchern auf ihr Relief erhalten?

© Ralf Aßmann

Als ich mich kürzlich spontan bei einer Blindenführung zwischen die blinden Besucher mischte, fand ich es ganz spannend die Menschen zu beobachten. Dabei sah ich genau auf ihre Hände, die sich vorsichtig mit den Fingerkuppen über die Oberfläche, von Figur zu Figur und Detail zu Detail vortasteten. Die Sixtina erschien so jedem vor dem inneren Auge, das war den konzentrierten Besuchern anzumerken. Später, im Gespräch mit der Gruppe über ihre Eindrücke, bekam ich ein sehr positives Feedback, worüber ich sehr dankbar bin.

Welche persönliche Intension verfolgten Sie mit dem Erstellen des Tastreliefs zur „Sixtinischen Madonna“?

Als ich vor einigen Jahren im Blindenzentrum in Chemnitz meinen Zivildienst leistete, erwuchs damals der Wunsch in mir, Bilder für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Dort hatte ich zum ersten Mal auch taktile Bildreliefs in Kalendern gesehen und war beeindruckt. Zu dieser Zeit hatte ich noch nicht dreidimensional gearbeitet, sondern arbeitete eher graphisch. Jetzt, da ich vorrangig plastisch arbeite, war die Sixtina ein Glücksfall für mich. Mit dem Tastrelief von Raffaels Gemälde konnte ich genau diesen Wunsch in die Tat umsetzen.

Das plastische Nachbilden eines zweidimensionalen Gemäldes beinhaltet ein ausgeprägtes tiefenräumliches Vorstellungsvermögen sowie künstlerisch-handwerkliche Fertigkeiten. Welche Schwierigkeiten haben sich während dem Herstellungsprozess des Reliefs für Sie ergeben?

Vor allem die Klärung der verschiedenen Bildebenen, wie die Figuren zueinander stehen, bereitete mir anfangs Kopfzerbrechen. Dann arbeitete ich mich Stück für Stück in Raffaels Komposition hinein und musste hin und wieder auch radikale Einschnitte machen und Figuren zurück setzen bzw. ein Stück nach vorn nehmen.

© Ralf Assmann

Dann die Wichtigkeit der Details im Gemälde. Die feinen Zeichnungen auf der Kleidung des Papstes. Alles was man auf dem Bild sehen kann, muss man auch fühlen können. Das war mein Anspruch an mich selbst, dem ich gerecht werden wollte.

Wie lange haben Sie an dem Ausstellungsstück gearbeitet und welches Material haben Sie für das Tastrelief verwendet?

Circa zwei Monate habe ich daran gearbeitet. Als Material entschied ich mich für einen Kunststoff, weil dieser langlebig und bei häufigem Gebrauch widerstandfähig ist.

Empfinden Sie das Sixtina-Relief als ein eigenständiges Kunstwerk, das einen Beitrag zur Rezeption der „Sixtinischen Madonna“ leistet?

Auf jeden Fall. Meines Wissens nach hat es noch nie zuvor eine Reliefinterpretation dieses Gemäldes von Raffaels gegeben. Das ist schon eine Besonderheit und wie ich finde, leistet es seinen Beitrag zur Rezeption.

Beschreiben Sie ihre Tätigkeit als Theaterplastiker!

Ich arbeite hauptsächlich figurativ bildhauerisch-handwerklich und fertige Arbeiten für Museen, Figurentheater, Theater, Film oder privat an.

Vielen Dank für das Interview!
Sehr gern!

Erfahren Sie mehr über den Bühnenplastiker Ralf Aßmann: www.ralf-assmann.com/neu/

Restaurator Herr Dr. des Christoph Schölzel im Interview

Dienstag, 17. Juli 2012

Im Folgenden stellen wir die Arbeit des Restaurators Herr Dr. des Christoph Schölzel vor, der in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie Alte Meister und Galerie Neue Meister tätig ist. Zunächst vermittelt Herr Dr. des Schölzel einen Einblick in die restauratorische Arbeit an der “Sixtinischen Madonnavon Raffael. Der zweite Teil des Interviews befasst sich mit allgemeineren Fragestellungen zur Arbeit eines Restaurators.

Hat die “Sixtinische Madonna” Schäden im Verlauf des 2. Weltkrieges erlitten und wenn ja, was genau musste damals restauriert werden?

Nein, das Bild kam 1955 mit dem Protokollvermerk: Zustand “gut. Im Zustand sind keine Veränderungen eingetreten” zurück nach Dresden.

Das Analysieren und Erkunden von Kunstwerken gleicht einer Form der Bildarchäologie. In Ihrer Tätigkeit entnehmen Sie den Bildern auch Proben, um der Zusammensetzung des Firnisses, der Farben und Bindemittel auf den Grund zu gehen. Hat man der “Sixtina” auch Proben entnommen?

Es wurden 1983 ca. 10 winzige Farbproben aus dem Gemälde entnommen, von Prof. Dr. Hans-Peter Schramm in der Hochschule für Bildende Künste Dresden analysiert und von Prof. Karl-Heinz Weber, dem Chefrestaurator der Gemäldegalerie, zweimal publiziert. Weber führte 1983 auch die jüngsten, am Bild vorgenommenen restauratorischen Arbeiten durch.

Was ist für Sie persönlich das ganz Besondere an der “Sixtinischen Madonna”?

Der schwer darstellbare, bedeutungsvolle Inhalt des Bildes ist in einer beeindruckend schlüssigen künstlerischen Weise umgesetzt. Das Bild ist kompositorisch und malerisch mit großer Leichtigkeit hergestellt und es ist deshalb sehr einprägsam. Zugleich führte Raffael seine Malerei mit hoher künstlerischer Raffinesse aus: Die Variationen zu den im Bild auftauchenden reinen Farben Rot, Blau, Grün, Gelb sind nicht bunt, sondern fein abgestuft und sehr differenziert. Auch der ständige Licht-Schatten-Wechsel ist mit beeindruckender Subtilität vorgeführt und trägt dazu bei, die Darstellung sehr plastisch erscheinen zu lassen.

Nun die allgemeinen Fragen zur Restaurierung:

Die Restaurierung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die nur mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Kultur- und Kunstgeschichte zu meistern ist. Wie fühlt es sich an, wenn man den ersten Pinselstrich in einem Gemälde, was über 500 Jahre alt ist, setzt?

Unabhängig vom Alter der Kunstwerke stellt jede etwas umfangreichere Restaurierung in der ihr eigenen Spezifik auch eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar. Dabei sind die Arbeitsschritte, bei denen wirklich mit dem Pinsel auf dem alten Gemälde gemalt werden muss – also die Retuschen – wenig risikovoll, weil wir in der Regel mit sehr leicht wieder entfernbaren Farbensystemen arbeiten. D.h. wenn ein Pinselstrich nicht ganz den Erwartungen entspricht, kann er schnell und völlig gefahrlos wieder entfernt werden.

Verstehen Sie die Restauration als eine künstlerische Leistung oder handwerkliche Tätigkeit? Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Restaurator in zwei bis drei Sätzen.

Im heutigen Verständnis wird Restaurierung als eine wissenschaftliche Tätigkeit aufgefasst, die eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Aspekten spezifisch auf das jeweilige Kunstwerk bezogen, zu einem Zusammenwirken bringen muss. Mit diesen Aspekten sind umfangreiches Wissen über die materielle Struktur des Bildes, über die Geschichte der Maßnahmen am Bild, über Analyseverfahren genauso gemeint, wie die Fähigkeit, aus der Vielzahl der Methoden und Materialien eine für das Objekt günstige Restaurierungskonzeption zu erstellen und diese dann auch praktisch, d.h. oft manuell, zu realisieren. Die manuellen Tätigkeiten, die ich aber auch beim Zahnarzt nicht als Handwerk bezeichnen würde, haben einen bedeutenden Anteil an der Arbeit. Sie erfordern Geschick, Übung, Konzentration und Erfahrung. Künstlerische Aspekte spielen beim Restaurieren meist eine marginale Rolle und beschränken sich oft auf ein unbedingt notwendiges künstlerisches Einschätzungsvermögen des Kunstwerkes.

Welche grundlegenden territorialen Unterschiede gibt es in der Restaurierung?

Diese Unterschiede, die in früherer Zeit oft sehr bestimmend waren, verschleifen sich mit dem internationalen Austausch der Restauratoren und mit einer Internationalisierung und Vereinheitlichung der Restauratorenausbildung. Man kann insofern eher noch persönlich-subjektive Restaurierungsausfassungen der einzelnen Restauratoren im Detail ausmachen. Bei einzelnen Methoden, z.B. dem Aufbau der Retuschen, oder beim Einsatz bestimmter Restaurierungsmaterialien lassen sich ebenfalls noch regionale Unterschiede feststellen.

Was können uns Infrarotreflektografien und Röntgenaufnahmen über die Entstehung von Gemälden erzählen?

Beide zerstörungsfreie, sogenannte strahlendiagnostische Untersuchungsmethoden, liefern vielfältige und auf die ganze Fläche der Aufnahme bezogene Aussagen. Neben Erkenntnissen zum Erhaltungszustand, die besonders für den Restaurator von Interesse sind, bilden beide Verfahren auch in besonderer Weise die Maltechnik der untersuchten Gemälde ab. Anhand der Röntgenaufnahmen können so beispielsweise Aussagen zum Bildträger, zur Grundierung und auch zu bestimmten Farbschichten, bzw. zur Malweise des jeweiligen Künstlers getroffen werden. Mit Hilfe der Infrarotreflektografie hingegen werden vorrangig Befunde zur Unterzeichnungspraxis des Malers erhoben.

Antworten: Dr. des. Christoph Schölzel
Vielen Dank für das Interview!

VIP-Aufgebot in der Porzellansammlung

Donnerstag, 31. März 2011

Mit  Friedrich Leopold Graf von Brühl – einem Nachfahren des legendären Premierministers Augusts III. -, dem US-amerikanischen Botschafter Philip D. Murphy, der sächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer und dem Generaldirektor der SKD, Prof. Dr. Martin Roth, versammelte sich eine illustre Runde, um die Rückkehr einer fast 300 Jahre alten Schönheit nach Dresden zu erleben.

Die „Nereide mit Konfektschale“, Bestandteil des legendären Schwanenservice Heinrich Graf von Brühls, konnte im Zwinger ihren Platz unter den anderen verbliebenen Teilen des von Brühl’schen Tafelgeschirrs einnehmen.

Die Nereide ging verloren, nachdem sie zusammen mit 24 anderen Leihgaben der Familie von Brühl im Verlauf des zweiten Weltkrieges aus Dresden ausgelagert wurde. Die zwei Kisten, in denen die Werke verpackt waren, wurden 1945 beschädigt gefunden: Seither galt die Nymphe als vermisst. Ihre „Wiederentdeckung“ gelang Dr. Ulrich Pietsch, dem Direktor der Dresdner Porzellansammlung. Bei einem Besuch des Toledo Museum of Art in den USA sah er die Porzellanfigur und vermutete, dass es sich um die verschollene Nereide handeln könnte. Ein Detail allerdings störte: Über die linke Schulter der Figur fällt eine Haarsträhne – für die Modelleure der Meißner Porzellanmanufaktur um Johann Joachim Kändler eine unübliche Art der Gestaltung. Das Rätsel konnte nach eingehender Untersuchung durch Röntgen – und Infrarotstrahlung gelöst werden. Offenbar war der Arm der Nereide abgebrochen, so dass sie restauriert werden musste und die Strähne eine fehlerhafte Stelle überdecken soll. Für Ulrich Pietsch gab die Überprüfung die Gewissheit, dass er tatsächlich die verloren geglaubte Figur vor sich hatte.

Wie Nachforschungen ergaben, fand die Nymphe nach 1945 nacheiner Odyssee über die Schweiz und New York einen Platz in Toledo, wo Dr. Ulrich Pietsch auf sie aufmerksam wurde. Gemeinsam mit einem Filmteam des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) wurden Recherchen begonnen, an deren Ende nun das Happy End steht. Die Nereide ist zurück in Dresden und kann durch die Großzügigkeit der Familie von Brühl, die den Leihvertrag mit der Porzellansammlung vorzeitig verlängert hat, nun dort bewundert werden.
Text & Foto © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das Video zur Rückgabe der Nereide: