11. December 2019

"Bei uns zu Gast" – Dr. Käthe Klappenbach

Besucher in einem Raum mit unter anderem verschieden geschmückten Weihnachtsbäumen

Vorstellung

In dieser Reihe stellen wir Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland vor, die in den Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu Gast sind, um vor Ort zu forschen. Dr. Käthe Klappenbach aus Potsdam ist Kustodin der Sammlungen Leuchter/Mineraliensammlung und Fachbereichsleiterin Inventarisierung in der Stiftung Preußischen Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Ruhestand.

Wer sind Sie und in welchem Bereich arbeiten/forschen Sie?

In welchem Bereich arbeiten/forschen Sie?

Ich forsche im Museum für Sächsische Volkskunst (und im Erzgebirge) zu den erzgebirgischen Hängeleuchtern, den Bergspinnen, einer ganz außergewöhnlichen Spielart von Kronleuchtern, die es in dieser Fülle nur im sächsischen Erzgebirge gab.

© Käthe Klappenbach
Dr. Käthe Klappenbach

Was hat Sie an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden geführt?

Was hat Sie an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden geführt?

Die reichhaltige, ansprechend und gleichermaßen anziehend präsentierte und geistreich kommentierte Sammlung auf dem Gebiet der sächsischen bzw. erzgebirgischen Volkskunst im Museum für Sächsische Volkskunst, welches ich seit meiner Kindheit kenne. Mein langjähriger persönlicher Kontakt zu den Kollegen im Volkskunstmuseum und die Möglichkeit, mein Lebenswerk zu Kronleuchtern in den preußischen Schlössern, zu denen zwei umfangreiche Publikationen erschienen sind, jetzt im Ruhestand krönen zu dürfen mit Forschungen und der Präsentation dieser außergewöhnlichen Objekte aus meiner sächsisch/erzgebirgischen Heimat.

Welches Objekt aus unseren Sammlungen hat es Ihnen besonders angetan und warum?

Welches Objekt aus unseren Sammlungen hat es Ihnen besonders angetan und warum?

Mein derzeitiger besonderer Liebling ist diese Leuchterspinne, die wohl um 1900 im Raum Annaberg entstanden ist. In ihr vereinigt sich eine große Zahl von Symbolen, die wichtig für den Erzgebirger waren. Das Licht der Welt in Form einer Krippe mit allen dazugehörigen „Statisten“ wird von 18 Kerzen in drei Etagen beleuchtet und bekrönt von der Sonne als oberem Abschluss und darunter den Kreuzen, die auf den Opfertod Christi hindeuten. Die vier (!) Adler im oberen Bereich - auf dem Foto leider schlecht zu erkennen - sind den Bekrönungen von Messingkronleuchtern in Kirchen (Doppeladler) entlehnt. 

Unterer Abschluss

Unterer Abschluss ist der Heilige Geist in Form einer Taube. Die Arme „kopieren“ mit Holz eine Glastechnik, die an venezianischen Kronleuchtern gern verwendet wurde. Geschmückt ist der Kronleuchter mit Blumen in den Bögen der Arme, Glöckchen und Glaskugelketten. Hier zeigt sich die Kunstfertigkeit und der Erfindungsreichtum der Erzgebirger bei der Nachahmung der Vorbilder mit den ihnen zur Verfügung stehenden Materialien für die weihnachtliche Inszenierung des Lichtes der Welt!

Welches Museum in Dresden hat Sie besonders beeindruckt und weshalb?

Welches Museum in Dresden hat Sie besonders beeindruckt und weshalb?

Das Hygienemuseum wegen der sehr guten Art der Wissensvermittlung zu wichtigen Lebens-Themen.

Welche Relevanz besitzt Ihr (Forschungs-)Vorhaben für die Gesellschaft?

Welche Relevanz besitzt Ihr (Forschungs-)Vorhaben für die Gesellschaft?

Mein Forschungsvorhaben mit dem Arbeitstitel „Von Spinnen, Engeln und dem Licht der Welt – Die Kronleuchter der Erzgebirger“ soll in einer Ausstellung und Publikation im Jahr 2021 im Volkskunstmuseum münden. In diesem Rahmen will ich mit meinen Kenntnissen u.a. zu den (leider) bisher kaum erforschten, sehr zahlreich gewesenen sächsischen Kronleuchtern, zu festlichen Illuminationen und zu den Leuchtmitteln seit dem 17. Jahrhundert eine besondere Weihnachtstradition des Erzgebirges darstellen, womit das Erscheinen des „Lichtes der Welt“ inszeniert und gefeiert wurde und wird und Brauchtum und Rituale des Erzgebirges zeigen, die kein Allgemeingut sind.

Welche Relevanz besitzt Ihr (Forschungs-)Vorhaben für die Gesellschaft?

Ein Grund dafür ist die verloren gegangene Wertschätzung dieser fantasievoll gestalteten Werke der Volkskunst infolge ihrer Umrüstung mit den neuen Leuchtmitteln; denn sie waren nicht für eine Beleuchtung des Raumes geschaffen, sondern dienten der Inszenierung des Lichtes der Welt an den weihnachtlichen Festtagen. Die in diesem Zusammenhang zu erläuternde einstige Kostbarkeit des künstlichen Lichtes, die bei der heutigen Überfülle von oft unnötigem Licht gar nicht mehr zu erleben ist, soll gleichzeitig als Denkanstoß für den eigenen Umgang mit dem Licht dienen.

Besucher in einem Raum mit unter anderem verschieden geschmückten Weihnachtsbäumen
© SKD, Foto: Claudia Jacquemin | Michael Schmidt
Weihnachten im Museum für Sächsische Volkskunst

Wie wird das Museum der Zukunft aussehen (und was bedeutet das für Ihre aktuelle Forschungstätigkeit)?

Wie wird das Museum der Zukunft aussehen (und was bedeutet das für Ihre aktuelle Forschungstätigkeit)?

Im Museum der Zukunft werden die uns anvertrauten Objekte unserer Kunst und Geschichte weiterhin nicht nur bewahrt, um sie den nächsten Generationen unbeschadet übergeben zu können. Sie werden vor allem auch weiter erforscht. Und mit Hilfe dieser Forschungsergebnisse und der großen Möglichkeiten der neuen Medien werden den Besuchern die versteckten Geschichten und Hintergründe der im Museum präsentierten Objekte erzählt. Das setzt voraus, dass akzeptiert wird, dass eine kontinuierliche Forschungs- und Museumsarbeit zeitaufwendig ist und sich deren Anerkennung in der finanziellen und personellen Ausstattung aller Museen widerspiegelt.

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