8. April 2020

Pietro Francesco Cittadinis „Stillleben mit einem Hasen“

Pietro Francesco Cittadini, Stillleben mit einem Hasen, um 1650

Provenienzrecherche

In den Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden werden systematisch die Provenienzen sämtlicher Zugänge von Kunstwerken seit 1933 untersucht. Im Rahmen des Recherche-, Erfassungs- und Inventurprojekts "Daphne" erforschen Wissenschaftler*innen dabei die Herkunft von Objekten und bereiten gegebenenfalls ihre Restitution an die ehemaligen Eigentümer bzw. deren Erben vor. An dieser Stelle stellen Mitarbeiter*innen ihre Arbeit vor.

Neben der systematischen Erforschung

Neben der systematischen Erforschung der Herkunft aller Zugänge seit 1933 im Rahmen des „Daphne“-Projekts gehen die Provenienzforscher*innen an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auch immer wieder Hinweisen zu Kriegsverlusten der eigenen Sammlung nach. Von den seit 1945 als vermisst geltenden 507 Gemälden kehrten bis heute 59 Alte Meister zurück, die allesamt erstaunliche, teilweise abenteuerliche oder berührende Geschichten zu erzählen haben. Bei unserem jüngsten Rückkehrer handelt es sich um ein Jagdstillleben des Malers Pietro Francesco Cittadini (1616 – 1681)

Bild

© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut/ Elke Estel
Pietro Francesco Cittadini, Stillleben mit einem Hasen, um 1650 Öl auf Leinwand, 80 x 130 cm

1741 wurde das Gemälde

1741 wurde das Gemälde durch Bonaventura Rossi für die Gemäldesammlung König Augusts III. erworben und ist im Gemäldeinventar von 1754 erstmals näher beschrieben: „Autore incognito; Ein todter Haase nebst verschiedenen todten Feder-Vieh, auf Leinew:; 2.10 [hoch] 4.7.½ [breit]“. Im Zweiten Weltkrieg war das Stillleben zunächst in Döbra bei Kamenz und später in Schloss Barnitz (Kreis Meißen) ausgelagert und wurde wahrscheinlich 1945 von dort entwendet.

2013 erhielten die SKD über einen deutschen Rechtsanwalt den Hinweis, dass sich das Gemälde möglicherweise in georgischem Privatbesitz befindet. Die genauen Umstände, wie es dorthin gelangt war, sind den SKD bis heute nicht bekannt. Zu einem direkten Kontakt mit den Besitzern kam es nicht, und die Bemühungen um die Rückkehr des Stilllebens blieben zunächst erfolglos. Im Juli 2018 konnte die Spur zu dem Gemälde dank Vermittlung der georgischen Regierung wiederaufgenommen werden. Wissenschaftler der Gemäldegalerie Alte Meister und des Georgischen Nationalmuseums untersuchten daraufhin das Gemälde und bestätigten die Identität mit dem Dresdener Kriegsverlust zweifelsfrei. 

Dies war neben der alten Inventarnummer

Dies war neben der alten Inventarnummer (die bei der Inventarisierung im 18. Jahrhundert vergebene Nummer „2610“ findet sich noch heute gut sichtbar am unteren, rechten Bildrand) und den Informationen in Inventarbüchern insbesondere dank einer erhaltenen historischen Fotografie (undatiert, sehr wahrscheinlich vor 1930) möglich. Sie erlaubte Detailvergleiche, zum Beispiel der feinen Risse in der Malschicht (Craquelé). 

© SKD, Foto: Marina Langner und Wolfgang Kreische
Überlagerung der Fotografie des Gemäldes mit der historischen Fotoaufnahme von Gal.-Nr. 385

Der georgischen Regierung

Der georgischen Regierung gelang es, mit den Besitzern eine Einigung über die Rückgabe zu erzielen. Im August 2018 überreichte schließlich der Ministerpräsident Georgiens, Mamuka Bachtadse, Bundeskanzlerin Angela Merkel das Bild während eines Staatsbesuchs in Tiflis. 

© Foto: George Bachiashvili
Feierliche Übergabe des Gemäldes in Tiflis, Georgien, im August 2018

Die Rückkehr erfolgte Anfang 2019

Die Rückkehr erfolgte Anfang 2019 mit Unterstützung der Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e. V. Das Bild zeigt zwar die Spuren seiner bewegten Geschichte, so dass eine Restaurierung erforderlich ist, dennoch konnte es direkt nach seiner Ankunft in die Ausstellung „Kunstbesitz. Kunstverlust. Objekte und ihre Herkunft“ integriert und somit der Öffentlichkeit nach über 80 Jahren erstmals wieder zugänglich gemacht werden.

Von Carina Merseburger

Carina Merseburger

Carina Merseburger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im „Daphne“-Projekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und verantwortlich für die Provenienzrecherche in der Gemäldegalerie Alte Meister.

© SKD, Foto: Katja Lindenau
Carina Merseburger in der Ausstellung „Kunstbesitz. Kunstverlust. Objekte und ihre Herkunft“ Gemäldegalerie Alte Meister
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