9. Juli 2021

Ostasiatisches Porzellan als Inspiration und Ansporn

Zusammengesetztes Bild aus einer chinesischen Kanne (links) und der Meissener Adaption (rechts)

Intro

Die ostasiatischen Porzellane und Steinzeuge der Sammlung August des Starken (1670-1733) dienten der jungen Meissener Manufaktur als Inspiration und Ansporn. Erforschen Sie anhand von 3D-Modellen die vielfältigen Bezüge zwischen Meissener Porzellanen und ihren Vorbildern aus China und Japan.

Intro2

Die frühen Meissener Erzeugnisse waren geprägt von der Experimentierfreudigkeit mit dem neu entwickelten Material, aber auch von der Konkurrenz mit den begehrten Porzellanen aus Ostasien, die zur Grundausstattung europäischer Fürstenhäuser zählten.

Ein gleichwertiges oder besseres Material

Von Beginn an war es Johann Friedrich Böttgers erklärtes Ziel, die Materialeigenschaften der ostasiatischen Vorbilder nachzuahmen oder gar zu übertreffen, in der Gestaltung aber neue Wege zu gehen. Dafür musste er erst beweisen, dass seine neuentwickelten Materialien dem ostasiatischen Werkstoff mindestens ebenbürtig waren.

Die Figur der Guanyin gehörte zu den ersten chinesischen Porzellanen, welche in Böttgers neuen Materialien imitiert wurden. August der Starke übersandte sie Böttger 1709, noch vor der Gründung der Meissener Manufaktur, zusammen mit sechs weiteren chinesischen Porzellanen, damit er sie kopiere. Das Wagnis des direkten Vergleichs der Materialien ist anhand der Ausformungen in Böttgersteinzeug und -porzellan nachzuvollziehen. Ein auffälliger Größenunterschied resultiert aus der unmittelbaren Abformung des ostasiatischen Vorbildes. Durch das Trocknen sowie den darauffolgenden Brand verloren sie an Größe und Volumen.

Foto, chinesiche Guanyin aus Porzellan neben zwei kleineren, Meissener Nachbildungen aus Böttgersteinzeug und Porzellan
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer
Chinesische Guanyin (l.) neben zwei Meissener Nachbildungen

Guanyin 2

Ein Produktionsunterschied ist außerdem an den Händen zu bemerken. Während beim Vorbild die Hände separat hergestellt und dann eingesetzt wurden, sind sie bei Böttgers Figuren direkt angesetzt.

Obwohl die Figuren ihren Vorbildern sehr ähneln, verraten Brandrisse an den Sockeln und in den Gewändern die anfänglichen technischen Probleme in Meissen. Sie sind ein Resultat der enormen Kräfte, die beim Brand auf das Material einwirken, und verdeutlichen, dass der Brennvorgang noch nicht vollständig ausgereift war.

Chinesische Guanyin und ihre Meissener Nachahmungen in Steinzeug und Porzellan
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer, Nachträgliche Bearbeitung: Madlin Marenec
Guanyin-Figuren im Vergleich l.: China, 1675-1725, Inv. Nr. PO 8638; m.: Meissen, um 1710/13, Inv. Nr. PE 2373; r.: Meissen, um 1713/20, Inv. Nr. PE 2188

Nach dem Vorbild hergestellt

Zusammengesetztes Bild einer Schale aus Japan mit ihrer Meissener Nachahmung
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer, Nachträgliche Bearbeitung: Sonja Simonis

Nach dem Vorbild hergestellt

Einige Maler und Modelleure durften sich vor Ort im Japanischen Palais von den ostasiatischen Originalen August des Starken inspirieren lassen. Um dem Wunsch des Königs nach Porzellanen in „japanischer Façon“ nachkommen zu können, wurden auch Vorbilder direkt zum Studium nach Meißen gesandt.

Nach dem Vorbild hergestellt - Meissen

Das Beispiel der zwölfeckigen Meissener Schale zeigt, wie exakt das japanische Original imitiert wurde. Auf dem Boden finden sich sogar Reste der Inventarnummer des Vorbilds, welches in die Meissener Manufaktur gegeben worden war.

Und so sind beide Stücke auf den ersten Blick frappierend ähnlich. Doch bei genauerer Betrachtung zeigen sich schnell auch Unterschiede. Nicht nur, dass der Scherben des Meissener Fabrikats weitaus weißer ist, die Glasur hat auch nicht den bläulichen Ton, für den die Japanischen Porzellane bekannt sind.

Foto, zwölfeckige Schale in Aufglasurfarben
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Zwölfeckige Schale, Meissen um 1730-34, Inv. Nr. PE 5378

Nach dem Vorbild hergestellt - Japan

Das gräuliche, fleckige Unterglasurblau verdeutlicht dagegen die technischen Schwierigkeiten, mit denen sich die Manufaktur in der Herstellung konfrontiert sah.

Übrigens, ein weiterer Unterschied, der weder den Fotos noch den 3D-Modellen anzusehen ist: Mit ihrem dickeren Scherben ist die Meissener Schale spürbar schwerer als die japanische

Foto, Zwölfeckige Schale in Aufglasurfarben
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Zwölfeckige Schale 1690-1720, Inv. Nr. PO 4789

Im Jahre 1723 erstand August der Starke chinesische Schalen in Blütenform

Im Jahre 1723 erstand August der Starke chinesische Schalen in Blütenform, deren Wandung daoistische Unsterbliche in Unterglasurblau zieren. Wie viele andere ostasiatische Stücke seiner Sammlung diente sie als Vorbild für die Manufaktur, die den Originalen aus China und Japan nacheifern sollte.

Die Blütenform mit dem geschweiften Rand wurde exakt der chinesischen Schale nachempfunden. Die Bemalung hingegen unterscheidet sich in vielen Details vom Vorbild.

Foto, Schale in Unterglasurblau
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer
Chinesische Schale mit daoistischen Motiven 1700-1720, Inv. Nr. PO 1923

Die Darstellungen der Unsterblichen

Die Darstellungen der Unsterblichen sind weniger detailliert ausgeführt und die Figuren sowie ihre Attribute teilweise so stark vereinfacht, dass sie nicht mehr zu identifizieren sind. Gleiches gilt auch für die floralen Darstellungen auf dem leichten Relief der Wandung, wo der Lingzhi-Pilz der Unsterblichkeit durch eine weitere Blume ersetzt wurde. Diese Abweichungen vom Vorbild sind sicher darauf zurückzuführen, dass die Maler mit den chinesischen Motiven nicht vertraut waren.

Abwicklung PO 1923

Abwicklung, Wandung einer Schale mit daoistischen Figuren in einer Reihe über Blumen
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Abwicklung: ZDF Digital
Abwicklung der chinesischen Schale

Abwicklung PE 2241

Abwicklung, Wandung einer Schale mit daoistischen Figuren in einer Reihe über Blumen
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Abwicklung: ZDF Digital
Abwicklung der Meissener Schale

Nach dem Vorbild hergestellt 2 - PE 2241

Da die Meissener Schale so nah an das Vorbild angelehnt ist, ist es umso interessanter zu sehen, dass die unterglasurblaue Kaisermarke im Doppelkreis 大明宣德年製 Da Ming Xuande nian zhi (hergestellt während der Xuande-Ära der Ming-Dynastie 1426–1435) gegen die eigenen Schwerter ausgetauscht wurden.

Foto, Schale in Unterglasurblau
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Meissener Schale nach chinesischem Vorbild 1730-31, Inv. Nr. PE 2241

Innovative Adaptionen

Karpfen in Wellen sind ein beliebtes und weit verbreitetes Motiv in der chinesischen Kunst. Vor 1730 sind zwei Teekannen „mit erhabenen Fischen belegt“ in die Sammlung August des Starken aufgenommen worden.

Die goldroten Karpfen zwischen bewegten Wellen inspirierten die Meissener Kunsthandwerker zu verschiedenen kreativen Interpreationen des Originals. Zwei davon sind noch heute in der Porzellansammlung zu sehen.

historisches Foto, Fünf Teekannen, drei davon nach chinesischem Vorbild
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung, Fotoarchiv, Archivsignatur: GN_C_21. Fotograf: unbekannt
Chinesische Teekannen zusammen mit drei Meissener Nachahmungen, vor 1945

Beide Varianten sind im Zuge der Hoym-Lemaire-Affäre

Beide Varianten sind im Zuge der Hoym-Lemaire-Affäre zwischen 1729 und 1731 produziert wurden. Mit dem Ziel, sie gewinnträchtig als Originale zu verkaufen, bestellte der französische Händler Rodolphe Lemaire in Meissen Kopien nach ostasiatischem Vorbild. Und trotzdem handelt es sich bei den Meissener Stücken nicht um treue Nachbildungen, sondern um inspirierte Adaptionen.

Mehr Objekte der Hoym-Lemaire-Affäre

Foto, Teekanne in Form von Karpfen in Wellen
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Teekanne mit plastischen Goldfischen, China um 1700, Inv. Nr. PO 6334

Fischkannen PE 5326

Durch den subtileren Einsatz roter und schwarzer Linien, schwimmen die Meissener Karpfen in vergleichsweise seichten Gewässern. Das strahlend türkisgrüne Wasser kontrastiert dadurch auch stärker mit den rot-goldenen Fischkörpern.

Während bei der einen Teekanne Ausguss und Henkel als zusätzliche Elemente lediglich subtil floral verziert wurden, integrierten die Künstler diese bei der anderen in die Wellen. Mit einem Fischkopf als Ausguss und einem Fischschwanz als Henkel, fügen sich diese Attribute der Kanne in das Gesamtbild ein.

Foto, Teekanne in der Form von Karpfen in Wellen
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Teekanne mit plastischen Goldfischen, Meissen 1729-31, Inv. Nr. PE 5326 a, b

Fischkannen PE 5324

Fast versteckt ist eine Anpassung der Form der Kannen gegenüber dem Original. Während die eine den kleinen Deckel mit Muschel als Knauf übernimmt und nur farblich intensiver gestaltet, ist bei der anderen Kanne die Muschel fester Teil des Körpers. Auf den ersten Blick kaum sichtbar, ist allerdings der große Karpfenkopf abnehmbar, um die Flüssigkeit einfüllen zu können. Solche spielerischen Details waren besonders beliebt beim höfischen Publikum.

Foto, Teekanne in der Form von Karpfen in Wellen mit Fischschwanz als Henkel
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Teekanne mit plastischen Goldfischen, Meissen 1729-31, Inv. Nr. PE 5324 a, b

Funktion und Form – Laternen aus Porzellan

Im Frühjahr 1725 gab August der Starke zwei chinesische Laternen aus dem Residenzschloss in das Japanische Palais. Mit ihren strahlenden Farben, der dünnen Wandung und der feinen Durchbruchstechnik gehören die Laternen zu den technischen Meisterleistungen der chinesischen Porzellanherstellung. In der Tat ist das Material so dünn, dass das Licht hindurchscheint.

Foto, leuchtende Laterne in dunklem Raum
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer
Chinesische Laterne aus Porzellan 1700-20, Inv. Nr. PO 3317

Laterne PO 3318

Foto, Porzellan Laterne mit Landschaftsdarstellungen
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Laterne PE 1522

Die Meissener Adaption übernimmt zwar die Form des Vorbildes, doch der Dekor wurde nicht exakt kopiert. Einzelne Motive wurden aufgegriffen und um weitere chinoise Elemente ergänzt, die aber in einem deutlich anderen Stil und weniger differenziert ausgeführt sind.

Ein wesentlicher Unterschied zum ostasiatischen Vorbild ist die dickere Wandung, weshalb die Meissener Laterne nicht funktionstüchtig ist.

Foto, Porzellan Laterne mit chinoisem Dekor
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Meissener Laterne um 1728, Inv. Nr. PE 1522

Technischer Ansporn

Technischer Ansporn PE 596

Bereits das früheste aus China mitgebrachte Porzellan war mit unterglasurblauer Malerei verziert. Und auch Jahrhunderte später dominierte das blauweiße Porzellan aus Ostasien den europäischen Markt. So verwundert es nicht, dass der Porzellankenner August der Starke zuallererst auf die Entwicklung eines ansehnlichen Unterglasurblaus drängte. Die Umsetzung gestaltete sich jedoch als technisch anspruchsvoll für die Meissener Manufaktur.

Ein frühes gelungenes Beispiel ist eine Flaschenvase mit chinoisen Motiven. Es besticht durch seine präzise Bemalung in fein abgestuften Tonalitäten. Und doch erscheint das Blau stellenweise gräulich oder schwarz.

Foto, gebauchte Vase mit chinoiser Bemalung in Unterglasurblau
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Enghalsvase, Meissen 1721, Inv. Nr. PE 596

Technischer Ansporn PE 599

Die um 1725/26 zu datierende Deckelvase mit Eidechse auf der Schulter zeigt hingegen nur wenige Jahre später ein kräftiges, intensives Blau, welches in feinen Abstufungen zum Einsatz kommt.

Foto, Vase mit unterglasurblauer Malerei
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Deckelvase, Meissen um 1725/26, Inv. Nr. PE 599

Rückschlüsse auf das Vorbild

Nicht alle der nach Meissen übersandten Vorbilder haben sich bis heute in der Dresdner Sammlung erhalten. Die Meissener Kopie einer sechskantigen Deckeldose mit unterglasurblauer Landschaft und feinen Details in kräftigen Aufglasurfarben gibt uns jedoch eine Vorstellung vom verlorenen japanischen Original.

Auch wenn Sie auspoliert wurde, so ist auf der Unterseite noch deutlich die Palaisnummer des Vorbildes zu lesen: N 47 [Quadrat]. Laut dem Inventar des Japanischen Palais von 1721 handelte es sich dabei um „2 Stk. sechseckigte Butter Büchsen mit Deckeln, worauf statt des Knopfs kleine Henckelgen befindlich sind, 4¾ Z. tief und 5¾ Z. indiam."

Rückschlüsse PE 5144

Die Meissener Nachahmung übernahm Form und Größe des Gefäßes offenbar sehr genau.

Ein Vergleich mit anderen japanischen Porzellanen macht deutlich, dass auch das Konzept des Landschaftsmotives mit blühendem, knöcherigen Prunus und Bambus in Unterglausurblau und intensiven Aufglasurfarben recht genau kopiert wurde. Ein Prunusast, der im Nichts ausläuft, sowie die etwas unbestimmte Kontur des Baumes weisen allerdings darauf hin, dass der Meissener Maler zwar in Anlehnung an das ursprüngliche Motiv gearbeitet hat, dieses aber relativ frei umsetzte.

Foto, sechseckige Deckeldose mit Landschaftsmalerei
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Deckeldose nach japanischem Vorbild, Meissen um 1730, Inv. Nr. PE 5144 a, b

Rückschlüsse PE 1252

Die üblichen Gefäßformen des ostasiatischen Porzellans waren für die Verwendung bei Tisch in Europa nur bedingt geeignet. Daher begann die Meissener Manufaktur Tafelgeschirr zu fertigen, welches den Vorstellungen und Anforderungen in dieser Hinsicht nachkam.

Rückschlüsse PE 1252 pt 2

Teil eines frühen Services für August den Starken ist diese Deckelterrine mit dem “Gelben Löwen“. Sie kombiniert von japanischem Porzellan inspirierte Motive mit einer europäischen Form.

Die zwei charakteristischen Dekorelemente des gelben Tigers mit Bambus, und des Prunusstammes sind je mehrfach in regelmäßiger Anordnung auf der Wandung und dem Deckel platziert. Demgegenüber steht die ausgefallene Form der Terrine, welche bewusst den „indianischen“ Charakter des Dekors zu unterstreichen versucht. Zur Verwendung kommen hierfür Henkel in Form von Drachen sowie ein Löwe, der als Knauf dient, in besonders dynamisch gestalteten Posen.

Foto, Deckeldose mit "Gelben Löwen"-Dekor
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Deckelterrine aus dem Service mit dem "Gelben Löwen", Meissen 1734, Inv. Nr. PE 1252

Reliefauflagen

PE 1767

Foto, Koppchen aus Böttgersteinzeug mit durchbrochenem Fuß und floralen Reliefs
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Koppchen aus Böttgersteinzeug, Meissen um 1710/13, Inv. Nr. PE 1767

PO 502

Die Meissener Manufakturisten ließen sich auf mannigfaltige Weise von den ostasiatischen Keramiken der Sammlung August des Starken inspirieren. Florale Reliefs und vollplastische Auflagen etwa finden sich vielfach schon auf ostasiatischem Porzellan und Steinzeug.

Foto, Kanne mit floralen Reliefs
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Kanne mit Reliefauflagen, Japan um 1720, Inv. Nr. PO 502

Durchbruchstechnik

Technisch besonders eindrucksvoll sind die chinesischen Porzellane mit Durchbruchsdekor. Die große famille rose-Schale mit einem „Blumen und Vogel“-Motiv im Spiegel ist nur ein Objekt dieser Art in der königlichen Sammlung. Nach dem Formen wurde ein filigranes Münzmuster aus der lederharten Wandung geschnitten. Da Durchbrüche die Stabilität des Gefäßkörpers im Brand verringern, besteht stets die Gefahr, dass Gefäße sich verziehen oder gar in sich zusammensacken.

Foto, Schale mit "Blumen und Vögel"-Dekor und durchbrochener Wandung
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Chinesische Schale 1723-1735, Inv. Nr. PO 9894

Durchbruchtechnik PE 917

Die Meissener Manufaktur übernahm diese Dekortechnik der chinesischen Vorbilder und wandte sie frei bei der Gestaltung ihrer Gefäße an. Doch gerade in der Anfangszeit waren Porzellane mit durchbrochener Wandung nur schwer zu realisieren. Die technische Komplexität der Herstellung wird ein Grund dafür sein, dass solche Gefäße nur für kurze Zeit produziert wurden und heute nur wenige intakte Beispiele überliefert sind. Die vielen Risse in dieser doppelwandigen Deckelschale veranschaulichen die Tücken des Brandes bei rund 1.400° Celsius.

Auch für die 3D-Visualisierung stellen die durchbrochenen Wandungen eine Herausforderung dar. Die Doppelwandigkeit des Gefäßes erschwerte die photogrammetrische Erfassung zusätzlich.

Foto, Deckelschüssel mit durchbrochener Wandung
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

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Deckelschüssel, Meissen um 1713-20, Inv. Nr. PE 917

Fazit

Ostasiatisches Porzellan war in Europa ein begehrtes und prestigeträchtiges Luxusgut. Um sich diesem gegenüber zu etablieren, musste sich das neu entwickelte sächsische Steinzeug und Porzellan dem direkten Vergleich stellen. Mit den ostasiatischen Keramiken August des Starken als Maßstab war die Manufaktur angehalten, sich technisch und künstlerisch zu entwickeln und zu perfektionieren.

Die Gegenüberstellung mit den ostasiatischen Vorbildern zeigt, dass sich die ersten Meissener Figuren und Gefäße zwar in ihrer Gestaltung grundsätzlich an ostasiatische Vorbilder anlehnten, diese jedoch von Beginn an auch abwandelten. Häufig adaptierten die Meissener Maler und Modelleure auch nur einzelne Motive, Dekorationsprinzipien oder Techniken, welche sie frei umsetzten. Denn die Porzellanfertigung vor Ort eröffnete langfristig die Möglichkeit, eine eigene, an den europäischen Bedarf angepasste Porzellangestaltung zu entwickeln.

 

Autorin: Karolin Randhahn, Porzellansammlung

Projektwebsite

Im Wettstreit mit dem Kaiser von China

Es ist der Sammlungstätigkeit Augusts des Starken und seines Sohns Augusts III. zu verdanken, dass die Porzellansammlung heute die international bedeutendste historisch belegte Referenzsammlung an frühem Meissener Porzellan besitzt. Von 2018 bis 2021 wurden alle noch erhaltenen Stücke dieser einzigartigen Referenzsammlung identifiziert, digitalisiert und wissenschaftlich erschlossen.

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Foto, Blick in den Ernst-Zimmermann-Raum
© Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer/VG Bild-Kunst Bonn
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