24. Februar 2021

Inden – eine traditionelle Handwerkstechnik aus Japan

Nahansicht eines mehrfarbigen Sarasa-Musters

Inden

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu japanischen Imari-Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita, Japan, hergestellt wurden. Während ihrer Studienreise in Japan entdeckte sie die vielfältigen Herstellungsmöglichkeiten mit Urushi-Lack. Im Blog berichtet sie von einer besonderen Handwerkstechnik: dem sogenannten „Inden“.

Urushi Lack

In Japan begegnet man ganz unterschiedlichen Arbeiten mit Urushi-Lack. Urushi ist ein besonderer, pflanzlicher Lack hergestellt aus Laubbäumen (Toxicodendron vernicifluum, auch Lacksumach genannt), der seit Jahrtausenden für die Herstellung von Lackobjekten genutzt wird. Eine außergewöhnliche Technik, das sogenannte Inden, wird in der Yamanashi Präfektur gepflegt. Bekannt ist diese Region übrigens nicht zuletzt auch durch Japans berühmtesten Berg, den Fuji-san. Bei dieser Technik trägt man den Lack nicht wie in den meisten Fällen auf Holzgegenstände, sondern auf Hirschleder auf. Besonders ist hier zudem, dass der Urushi-Lack nicht mit dem Pinsel oder einem Spachtel aufgetragen, sondern durch eine Schablone gedrückt wird.

Einblicke Werkprozess

Werkstätten

Heute gibt es in Japan nur noch wenige Orte, an denen das Inden kultiviert wird. In Kofu, der Hauptstatt der Yamanashi Präfektur, befinden sich immerhin noch ein paar Inden-Werkstätten. Da die Region früher „Koshu“ hieß, wird heute auch oft von Koshu Inden gesprochen.

Die Technik des Lackauftrages auf gefärbtem Hirschleder stammt aus der Edo-Ära (1603–1868). Kaufleute aus dem Ausland haben der Tokugawa-Shogun-Regierung in der Kanei-Ära während der Edo-Zeit (1624–1643) die verzierten Lederprodukte indischer Marken vorgestellt. Die in Indien dekorierten Lederstücke erregten damals sofort großes Interesse und wurden im Zuge dessen sehr gerne importiert. Die Japaner waren von diesen bunten Artikeln gar derart begeistert, dass sie anfingen, diese zu imitieren. Der Name Inden ist eine Abkürzung von Indo denrai, was so viel bedeutet wie "aus Indien übernommen“.

Die Inden-Werkstätten haben später besonders in den Kriegszeiten Japans prosperiert, als japanische Samurai-Krieger die Inden-Waren für ihre Ausrüstung verwendeten.

Die Inden-Techniken

Das zunächst weiche Hirschleder wird während des Gerbungsprozesses hart. Bei der Inden-Produktion soll die ursprüngliche Weichheit bewahrt bleiben und das Leder gleichzeitig eine kräftige und robuste Oberfläche bekommen. Bei der bekanntesten Inden-Technik Urushi-tsuke wird der Lack mit Hilfe einer Schablone aufgetragen. Nachdem das Hirschleder gegerbt, gefärbt und in der gewünschten Form zugeschnitten ist, legt man die Schablone auf das Leder und drückt mit einem Spatel das Urushi-Muster durch.

Lack und Schablone werden mit Spatel auf das Leder gepresst
© SKD, Foto Magdalena Kozar
„Urushi-tsuke“ ist die bekannteste der Inden-Techniken. Sie besteht darin, dass der farblich abgestimmte Lack mit dem Spachtel gleichmäßig durch eine Schablone bedrückt wird.

Katagami

Die „Katagami“-Papierschablonen verwendet man um den Lack auf den Stoff aufzutragen. Die Werkstatt, die ich besucht habe, besitzt Schablonen mit sowohl traditionellen als auch modernen Mustern. Sobald der Lack aufgetragen ist, entfernt man die Schablone und platziert das Leder samt eingedrücktem Muster an einer Stelle mit hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Ein paar Tage später, wenn der Urushi-Lack ausgehärtet ist, kann man zum nächsten Schritt übergehen. Sobald schließlich die Qualität des lackierten Leders geprüft ist, wird der Stoff genäht.

Nahansicht einer gemusterten Katagami-Schablone
© SKD, Foto Magdalena Kozar
„Katagami“-Schablonen wurden benutzt um das gewünschte Muster auf den Stoff einzudrücken. Solche Formen verwendet man auch, um farbige Muster auf den Kimono-Stoff zu drucken.

"Fusube"

Eine weitere, besondere Inden-Technik trägt den Namen Fusube. Sie ist sogar noch älter als die Techniken, die Urushi Lack für die Herstellung verwendeten. Dieses alte Handwerk besteht darin, dass man das Leder auf einem besonderen, runden Gerät – „Taiko“ – platziert, mit einer Papierschablone abdeckt und mit Kiefernharz beraucht. An den Stellen, wo die Schablone das Leder abgedeckt hat, bleibt die Oberfläche weiß, während der Rest durch den Rauch hellbraun wird. Der Rauch verleiht dem Stoff zusätzlich eine gewisse Flexibilität.

Fusube Bild

Drappierung mehrerer braun-beiger Leder-Artikel
© SKD, Foto Magdalena Kozar
Die älteste Inden-Technik heißt „Fusube“. Artikel, die man in dieser interessante Technik herstellt, sind in braun-beigen Tönen gehalten.

Sarasa

Sarasa, die dritte Inden-Technik, beruht darauf, dass man verschiedene Farben jeweils durch eine andere Schablone drückt und so auf das Leder aufträgt. Die bunten Farben und lebendigen Muster harmonieren gut miteinander. Heutzutage verwendet man diese Technik um verschiedene Waren des täglichen Gebrauchs zu dekorieren. In der Yamanashi Präfektur befinden sich mehrere Geschäfte, in denen traditionelle Inden-Souvenirs aus der Region verkauft werden. Der durch eine Form gepresste Urushi-Lack verziert unterschiedliche Accessoires wie Taschen, Gürtel oder Geldbörsen.

Präsentation bunter Lederetuis
© SKD, Foto Magdalena Kozar
„Sarasa“ ist eine besondere Technik, bei der man verschiedene Farben aufträgt.

Einblicke Werkprozess

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