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Bühnenplastiker Ralf Aßmann im Interview

Freitag, 20. Juli 2012
Für die Sonderausstellung „Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500“ haben Sie ein Relief des Gemäldes erstellt, welches den Besuchern das Ertasten des Bildes ermöglicht. Vor allem für die Kunstvermittlung, die sich an blinde und sehbehinderte Museumsbesucher richtet, ist dieses Abtasten ein besonderes Erlebnis. Welche Resonanz haben Sie bisher von den Besuchern auf ihr Relief erhalten?

© Ralf Aßmann

Als ich mich kürzlich spontan bei einer Blindenführung zwischen die blinden Besucher mischte, fand ich es ganz spannend die Menschen zu beobachten. Dabei sah ich genau auf ihre Hände, die sich vorsichtig mit den Fingerkuppen über die Oberfläche, von Figur zu Figur und Detail zu Detail vortasteten. Die Sixtina erschien so jedem vor dem inneren Auge, das war den konzentrierten Besuchern anzumerken. Später, im Gespräch mit der Gruppe über ihre Eindrücke, bekam ich ein sehr positives Feedback, worüber ich sehr dankbar bin.

Welche persönliche Intension verfolgten Sie mit dem Erstellen des Tastreliefs zur „Sixtinischen Madonna“?

Als ich vor einigen Jahren im Blindenzentrum in Chemnitz meinen Zivildienst leistete, erwuchs damals der Wunsch in mir, Bilder für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Dort hatte ich zum ersten Mal auch taktile Bildreliefs in Kalendern gesehen und war beeindruckt. Zu dieser Zeit hatte ich noch nicht dreidimensional gearbeitet, sondern arbeitete eher graphisch. Jetzt, da ich vorrangig plastisch arbeite, war die Sixtina ein Glücksfall für mich. Mit dem Tastrelief von Raffaels Gemälde konnte ich genau diesen Wunsch in die Tat umsetzen.

Das plastische Nachbilden eines zweidimensionalen Gemäldes beinhaltet ein ausgeprägtes tiefenräumliches Vorstellungsvermögen sowie künstlerisch-handwerkliche Fertigkeiten. Welche Schwierigkeiten haben sich während dem Herstellungsprozess des Reliefs für Sie ergeben?

Vor allem die Klärung der verschiedenen Bildebenen, wie die Figuren zueinander stehen, bereitete mir anfangs Kopfzerbrechen. Dann arbeitete ich mich Stück für Stück in Raffaels Komposition hinein und musste hin und wieder auch radikale Einschnitte machen und Figuren zurück setzen bzw. ein Stück nach vorn nehmen.

© Ralf Assmann

Dann die Wichtigkeit der Details im Gemälde. Die feinen Zeichnungen auf der Kleidung des Papstes. Alles was man auf dem Bild sehen kann, muss man auch fühlen können. Das war mein Anspruch an mich selbst, dem ich gerecht werden wollte.

Wie lange haben Sie an dem Ausstellungsstück gearbeitet und welches Material haben Sie für das Tastrelief verwendet?

Circa zwei Monate habe ich daran gearbeitet. Als Material entschied ich mich für einen Kunststoff, weil dieser langlebig und bei häufigem Gebrauch widerstandfähig ist.

Empfinden Sie das Sixtina-Relief als ein eigenständiges Kunstwerk, das einen Beitrag zur Rezeption der „Sixtinischen Madonna“ leistet?

Auf jeden Fall. Meines Wissens nach hat es noch nie zuvor eine Reliefinterpretation dieses Gemäldes von Raffaels gegeben. Das ist schon eine Besonderheit und wie ich finde, leistet es seinen Beitrag zur Rezeption.

Beschreiben Sie ihre Tätigkeit als Theaterplastiker!

Ich arbeite hauptsächlich figurativ bildhauerisch-handwerklich und fertige Arbeiten für Museen, Figurentheater, Theater, Film oder privat an.

Vielen Dank für das Interview!
Sehr gern!

Erfahren Sie mehr über den Bühnenplastiker Ralf Aßmann: www.ralf-assmann.com/neu/