Mit ‘Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen’ getaggte Artikel

Zu sehen: „Gesichter auf Glas“ im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig

Montag, 24. Oktober 2016

Am 19. Oktober eröffnete unter reger Teilnahme vieler Fotointeressierter im GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig die Präsentation „Gesichter auf Glas. Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godeffroy“ mit einem Vortrag des Restaurators Carsten Wintermann. Mit finanzieller Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung konnte er im Frühjahr einen ganz besonderen Bestand aus der Leipziger Fotosammlung konservatorisch bearbeiten: 45 Ambrotypien mit Porträts von Menschen aus Tahiti, Fidschi und Hawai‘i. Diese unikaten Aufnahmen, vor über 150 Jahren entstanden, geben nicht nur Einblick in die frühe Medienhistorie, sondern erzählen auch vom ambivalenten Verhältnis zwischen Fotografie und Ethnologie. Die Ambrotypien stammen aus dem Bestand des Hamburger Museum Godeffroy, das 1861 als naturkundlich-ethnologische Sammlung durch das Handelshaus Johann Cesar Godeffroy & Sohn in der Hansestadt gegründet worden war. 1885 wurde das Museum aufgelöst und ein Großteil der Ethnographica samt rund 500 Fotografien nach Leipzig verkauft. Das Unikat-Verfahren der Ambrotypie fand vor allem in den USA und  England Verbreitung und wurde hauptsächlich für die Porträtfotografie eingesetzt. Ungewöhnlich aber ist der frühe Einsatz dieser in der Anwendung komplizierten Technik in der Südsee als Ort kolonialer Bestrebungen. Viele der Porträts entsprechen in den Posen westlichen, bürgerlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts. Das steht in eigentümlichem Kontrast zur rassischen Kategorisierung der indigenen fotografierten Frauen und Männer in begleitenden Textdokumenten. So sind die Ambrotypien ambivalenten Charakters: Sie changieren zwischen individuellem Porträt und ethnographischer Typenaufnahme. Die Präsentation, die bis zum 15. Januar 2017 ist in der Dauerausstellung im 2. Obergeschoss zu sehen ist, wurde im Rahmen des Forschungsprogramms »Europa/Welt« von Agnes Matthias kuratiert.

 

Blick in die Ausstellung, ©  GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Blick in die Ausstellung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien

Montag, 20. Juni 2016

Am 17. Mai 2016 fand im Rahmen der beiden derzeit laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsprojekte zu den Fotobeständen der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (Forschungsprogramm „Europa/Welt“ und DFG-Projekt „Weltsichten“ in Kooperation mit der Deutschen Fotothek/SLUB) ein interner Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien statt. Als Moderator der Veranstaltung war der Bremer Historiker Thomas Theye eingeladen, um mit den Kolleginnen und Kollegen in drei Sektionen über die Bedingungen des Ausstellens und Publizierens von im ethnographischen Kontext entstandenem oder genutztem Bildmaterial zu diskutieren. Zunächst stand das Thema Datenbank und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen des Publizierens im Fokus. Birgit Scheps-Bretschneider führte in ihrem Impulsreferat in das besondere Beispiel Australien und das Thema Bildtabu ein, Carola Krebs berichtete von ihren Erfahrungen des „Zurückbringens“ von Fotografien nach Südasien. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rassismus“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau endete der Tag mit einem öffentlichen Vortrag von Thomas Theye zum Thema „Spurensuche: Anmerkungen zu einigen frühen Samoa-Fotografien Jan Stanisław Kubarys für das Museum Godeffroy in Hamburg“.

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Forschung als Kooperation: „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ | Research as Cooperation: Asian Women on Display

Dienstag, 10. November 2015


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Willkommen zurück zu unserer Blogserie zum Forschungsprogramm Europa/Welt. Ein weiteres Projekt widmet sich der digitalen Erschließung eines umfangreichen Fotobestandes. Mit rund 260.000 Fotografien aus nahezu allen Regionen der Welt besitzen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) mit den Standorten Leipzig, Dresden und Herrnhut einen beeindruckenden Bestand an visuellem Material zur Geschichte und Methodik ihres Fachgebietes. Reise- und Expeditionsfotografie, anthropologische Aufnahmen und Studiofotografien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind darin ebenso zu finden wie aktuelle Beispiele fotobasierter Feldforschungen. Agnes Matthias, Leiterin des Projektes, ist bei der Sichtung und Auswertung der Fotografien auf zahlreiche spannende Konvolute gestoßen. So auch auf eine Reihe von Fotografien japanischer und chinesischer Schönheiten, die sich – dies wurde im sammlungsübergreifenden Austausch deutlich – auf ganz ähnliche Weise auf japanischen und chinesischen Export-Porzellanen finden lassen. Zusammen mit Cora Würmell, Leiterin des Forschungsprojekts „Ostasiatisches Porzellan und seine Bedeutung für die Europäische Kultur“, entstand die Idee, sich diesen Darstellungen einmal genauer und im Vergleich anzusehen.

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) © Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722)

© Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer


Aus einer ersten Idee ist mittlerweile eine Kooperation in Vorbereitung einer kleinen Ausstellung zum Thema „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ entstanden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für die Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Heidelberg konnten im September und Oktober Gäste in der Fotosammlung im Museum für Völkerkunde Dresden in Klotzsche empfangen werden.

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Gemeinsam mit Mio Wakita, Expertin für die Souvenirfotografie der Meiji-Zeit (1868–1912), sichteten Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias und Anne Vieth die Bestände japanischer Fotografien. Manch eine Aufnahme konnte dabei einem Fotografen neu zugeschrieben werden.

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Weltreisenden zusammengestellte Alben mit prachtvollen Lackeinbänden bergen vielfache Einblicke in die japanische Kultur, allerdings meist aus Sicht europäischer Fotografen, die ihre Bilder für ein überwiegend westliches Publikum fertigten. Und so verschmelzen insbesondere in der Darstellung japanischer Frauen Fantasievorstellungen mit traditioneller Ikonographie. Der Besuch von Cecilia Zi Guo Qiuzi war der fotografischen Repräsentation der chinesischen Frau gewidmet. Unterschiede zur japanischen Fotografie wurden diskutiert, Gemeinsamkeiten festgestellt – ein anregender Austausch, der fortgesetzt wird…

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

 

Schritt für Schritt zur alten Schönheit – Step-by-step: revealing original resplendence – خطوة بخطوة نحو الجمال القديم

Mittwoch, 15. April 2015


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Herzlich Willkommen zu unserer neuen Blog-Reihe, in der wir über die Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers berichten.

Zu Beginn der Arbeiten waren alle einhundert Bauteile des Zimmers in ihrem Bestand gefährdet. Die plastisch erhabenen Reliefverzierungen und die aufwändigen Bemalungen hatten ihre Verbindung zum Holzuntergrund verloren und drohten großflächig abzufallen. Deshalb stand am Beginn des Restaurierungsprojekts die sorgfältige Konsolidierung der originalen Farbschichten.

Abblätterende Farbschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2014

Abblätterende Farbschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2014

Roja Zaroodi beim Festigen der Bemalung © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2014

Roja Zaroodi beim Festigen der Bemalung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2014

Während der Konsolidierung der Farbschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2014

Während der Konsolidierung der Farbschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2014

Nach der Festigung der gelockerten Bemalung werden Leim- und Harzüberzüge abgenommen, die 1899 für den Verkauf des Zimmers nach Deutschland zum Auffrischen der Farben aufgetragen wurden. Diese ursprünglich transparenten Überzüge haben sich durch Alterungsprozesse braun verfärbt und entwickeln Spannungen, die zu Beschädigungen der darunterliegenden Originalfarben führen. Nach der Abnahme dieser späteren Schichten sind nun erstmals seit 100 Jahren wieder die leuchtenden Originalfarben sichtbar.

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Kleine, weiß hervorblitzende Fehlstellen werden mit Aquarellfarbe eingetönt, um der kunstvollen Gesamtkomposition wieder ihre ursprüngliche Wirkung zurückzugeben. Dabei wird nicht jeder Schaden unsichtbar gemacht, sondern nur die besonders ins Auge fallenden Fehlstellen farblich integriert. Das Zimmer soll mit den Spuren seiner Geschichte als gealtertes Kunstwerk erfahrbar bleiben.

Restauratorin Karoline Friedrich während der Retusche © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Restauratorin Karoline Friedrich während der Retusche

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Wandpaneels während der Retusche © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Wandpaneels während der Retusche

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Hier besteht die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Damaskuszimmer:Ein schlafender Schatz erwacht-Damascus Room:Awakening of a slumbering treasure-الغرفةالدمشقية:إيقاظ الكنزالنائم

Donnerstag, 02. April 2015


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In der neuen Blog-Reihe zeigen wir Euch, wie das Dresdner Damaskuszimmer restauriert wird – und so die volle Schönheit wiederkehrt.

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits einige Teile des Dresdner Damaskuszimmers in halb restauriertem Zustand der Öffentlichkeit präsentiert wurden, wird nun dank der Unterstützung durch die Museum and Research Foundation im Rahmen des Forschungs- und Ausstellungsprogramms Europa/Welt in großen Schritten an der vollständigen Restaurierung des Zimmers gearbeitet. Farbenfrohe Malereien lagen mehr als 100 Jahre unter verbräunten Leim- und Firnisschichten verborgen. Diese werden nach der sorgfältigen Konservierung wieder freigelegt und erlauben einen Einblick in die Lebenswelt einer Damaszener Familie im frühen 19. Jahrhundert.

Ausschnitt einer Wandvertäfelung während der Abnahme von Leim- und Firnisüberzügen © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Ausschnitt einer Wandvertäfelung während der Abnahme von Leim- und Firnisüberzügen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Das Damaskuszimmer besteht aus einer prächtig bemalten Wand- und Deckenvertäfelung, die einst einen Empfangsraum für Gäste in einem Wohnhaus in Damaskus schmückte (datiert 1225 in islamischer Zeitrechnung, entspricht 1810-11 christlicher Zeitrechnung). Der Name der Familie ist nicht bekannt, aber auf Grund der überdurchschnittlich reichen Verzierung und des Inhalts der kalligraphischen Inschriften war der Bauherr vermutlich ein vermögender Kaufmann.

Auf der letzten Inschriftentafel des Gedichts in goldener Kalligrafie befindet sich unten links das Datum١٢٢٥ (1225). Die Inschrift enthält die Anfangsverse der qasida al-munfarija, die dem berühmten Dichter al-Ghazali zugeschrieben werden. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2007

Auf der letzten Inschriftentafel des Gedichts in goldener Kalligrafie befindet sich unten links das Datum١٢٢٥ (1225). Die Inschrift enthält die Anfangsverse der qasida al-munfarija, die dem berühmten Dichter al-Ghazali zugeschrieben werden.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2007

1997 wurden die einhundert Einzelteile aus dem Depot des Museums für Völkerkunde geholt, um die Restaurierung und den Wiederaufbau als Raumensemble in Angriff zu nehmen. Nur wenige Museen weltweit besitzen eine solche authentische Raumkreation aus dem Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches. Zu Beginn war nicht bekannt, wie die bemalten Einzelteile zusammengehören. Ulrike Siegel und Antje Werner, zwei Architekturstudentinnen von der Technischen Universität Dresden, haben sich 1997 des Riesenpuzzles angenommen. Mit Hilfe von Holzverbindungen, Ornamentübereinstimmungen, Nagellöchern und eines rückseitigen Nummerncodes konnte der Bauplan des Zimmers rekonstruiert werden. Seit Februar 1998 veranschaulicht ein Architekturmodell im Maßstab 1:10 die Dimensionen und den Aufbau des Zimmers. Die Grundfläche beträgt 4 m x 5,50 m, die Raumhöhe ist 5,40 m. Wichtigster Teil des Empfangsraums für Gäste ist die erhöhte Plattform, die als große Sitzfläche diente und deshalb mit einem Teppich, Kissen und weiteren kostbaren Textilien prächtig ausgestattet war. Hier nahmen die Gäste Platz, konnten die fantasievollen Malereien bewundern und genossen die Gastfreundschaft der Familie.

Teile des Damaskuszimmers 1997 © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Eva Winkler

Teile des Damaskuszimmers 1997

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Eva Winkler

Architekturmodell von Ulrike Siegel und Antje Werner, 1998 © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2001

Architekturmodell von Ulrike Siegel und Antje Werner, 1998

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2001

Hier habt Ihr die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Die nächste Führung findet am Donnerstag den 30.April 2015 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin