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Restaurator Herr Dr. des Christoph Schölzel im Interview

Dienstag, 17. Juli 2012

Im Folgenden stellen wir die Arbeit des Restaurators Herr Dr. des Christoph Schölzel vor, der in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie Alte Meister und Galerie Neue Meister tätig ist. Zunächst vermittelt Herr Dr. des Schölzel einen Einblick in die restauratorische Arbeit an der “Sixtinischen Madonnavon Raffael. Der zweite Teil des Interviews befasst sich mit allgemeineren Fragestellungen zur Arbeit eines Restaurators.

Hat die “Sixtinische Madonna” Schäden im Verlauf des 2. Weltkrieges erlitten und wenn ja, was genau musste damals restauriert werden?

Nein, das Bild kam 1955 mit dem Protokollvermerk: Zustand “gut. Im Zustand sind keine Veränderungen eingetreten” zurück nach Dresden.

Das Analysieren und Erkunden von Kunstwerken gleicht einer Form der Bildarchäologie. In Ihrer Tätigkeit entnehmen Sie den Bildern auch Proben, um der Zusammensetzung des Firnisses, der Farben und Bindemittel auf den Grund zu gehen. Hat man der “Sixtina” auch Proben entnommen?

Es wurden 1983 ca. 10 winzige Farbproben aus dem Gemälde entnommen, von Prof. Dr. Hans-Peter Schramm in der Hochschule für Bildende Künste Dresden analysiert und von Prof. Karl-Heinz Weber, dem Chefrestaurator der Gemäldegalerie, zweimal publiziert. Weber führte 1983 auch die jüngsten, am Bild vorgenommenen restauratorischen Arbeiten durch.

Was ist für Sie persönlich das ganz Besondere an der “Sixtinischen Madonna”?

Der schwer darstellbare, bedeutungsvolle Inhalt des Bildes ist in einer beeindruckend schlüssigen künstlerischen Weise umgesetzt. Das Bild ist kompositorisch und malerisch mit großer Leichtigkeit hergestellt und es ist deshalb sehr einprägsam. Zugleich führte Raffael seine Malerei mit hoher künstlerischer Raffinesse aus: Die Variationen zu den im Bild auftauchenden reinen Farben Rot, Blau, Grün, Gelb sind nicht bunt, sondern fein abgestuft und sehr differenziert. Auch der ständige Licht-Schatten-Wechsel ist mit beeindruckender Subtilität vorgeführt und trägt dazu bei, die Darstellung sehr plastisch erscheinen zu lassen.

Nun die allgemeinen Fragen zur Restaurierung:

Die Restaurierung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die nur mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Kultur- und Kunstgeschichte zu meistern ist. Wie fühlt es sich an, wenn man den ersten Pinselstrich in einem Gemälde, was über 500 Jahre alt ist, setzt?

Unabhängig vom Alter der Kunstwerke stellt jede etwas umfangreichere Restaurierung in der ihr eigenen Spezifik auch eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar. Dabei sind die Arbeitsschritte, bei denen wirklich mit dem Pinsel auf dem alten Gemälde gemalt werden muss – also die Retuschen – wenig risikovoll, weil wir in der Regel mit sehr leicht wieder entfernbaren Farbensystemen arbeiten. D.h. wenn ein Pinselstrich nicht ganz den Erwartungen entspricht, kann er schnell und völlig gefahrlos wieder entfernt werden.

Verstehen Sie die Restauration als eine künstlerische Leistung oder handwerkliche Tätigkeit? Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Restaurator in zwei bis drei Sätzen.

Im heutigen Verständnis wird Restaurierung als eine wissenschaftliche Tätigkeit aufgefasst, die eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Aspekten spezifisch auf das jeweilige Kunstwerk bezogen, zu einem Zusammenwirken bringen muss. Mit diesen Aspekten sind umfangreiches Wissen über die materielle Struktur des Bildes, über die Geschichte der Maßnahmen am Bild, über Analyseverfahren genauso gemeint, wie die Fähigkeit, aus der Vielzahl der Methoden und Materialien eine für das Objekt günstige Restaurierungskonzeption zu erstellen und diese dann auch praktisch, d.h. oft manuell, zu realisieren. Die manuellen Tätigkeiten, die ich aber auch beim Zahnarzt nicht als Handwerk bezeichnen würde, haben einen bedeutenden Anteil an der Arbeit. Sie erfordern Geschick, Übung, Konzentration und Erfahrung. Künstlerische Aspekte spielen beim Restaurieren meist eine marginale Rolle und beschränken sich oft auf ein unbedingt notwendiges künstlerisches Einschätzungsvermögen des Kunstwerkes.

Welche grundlegenden territorialen Unterschiede gibt es in der Restaurierung?

Diese Unterschiede, die in früherer Zeit oft sehr bestimmend waren, verschleifen sich mit dem internationalen Austausch der Restauratoren und mit einer Internationalisierung und Vereinheitlichung der Restauratorenausbildung. Man kann insofern eher noch persönlich-subjektive Restaurierungsausfassungen der einzelnen Restauratoren im Detail ausmachen. Bei einzelnen Methoden, z.B. dem Aufbau der Retuschen, oder beim Einsatz bestimmter Restaurierungsmaterialien lassen sich ebenfalls noch regionale Unterschiede feststellen.

Was können uns Infrarotreflektografien und Röntgenaufnahmen über die Entstehung von Gemälden erzählen?

Beide zerstörungsfreie, sogenannte strahlendiagnostische Untersuchungsmethoden, liefern vielfältige und auf die ganze Fläche der Aufnahme bezogene Aussagen. Neben Erkenntnissen zum Erhaltungszustand, die besonders für den Restaurator von Interesse sind, bilden beide Verfahren auch in besonderer Weise die Maltechnik der untersuchten Gemälde ab. Anhand der Röntgenaufnahmen können so beispielsweise Aussagen zum Bildträger, zur Grundierung und auch zu bestimmten Farbschichten, bzw. zur Malweise des jeweiligen Künstlers getroffen werden. Mit Hilfe der Infrarotreflektografie hingegen werden vorrangig Befunde zur Unterzeichnungspraxis des Malers erhoben.

Antworten: Dr. des. Christoph Schölzel
Vielen Dank für das Interview!