Mit ‘Restaurierung’ getaggte Artikel

Der Mathematisch-Physikalische Salon ist wieder im Zwinger

Montag, 11. Februar 2013

In den letzten Wochen ist viel passiert innerhalb der historischen Zwingermauern. Anfang des Jahres konnten die Kollegen aus dem Wissenschafts- und Direktionsbereich des MPS, die – zwischen gepackten Kisten sitzend – schon sehnlich darauf gewartet hatten, bereits ihre neuen Büroräume im Zwinger beziehen. Durch die tatkräftige Unterstützung eines Umzugsunternehmens ist der Büro- und Bibliotheksumzug erfolgreich abgeschlossen, und mittlerweile sind alle Kisten ausgepackt und alle Bücher haben ihren Platz in den neuen Regalen gefunden. Es sind jedoch nicht nur die zahlreichen Umzugskartons, die in der letzten Zeit den Weg in die neuen Räume gefunden haben.

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Mission: Objektumzug

Nach dem Büroumzug steht aktuell der Umzug der Objekte an, die Rückkehr der Sammlung des MPS in ihre alte Heimat. Wegen der sehr unterschiedlichen Größe und konservatorischen Eigenschaften der Exponate – von Jahrhunderte alten Uhren mit einer höchst empfindlichen Mechanik bis zu imposant großen Brennspiegeln und Fernrohren – muss dieser Kunsttransport viel bedachter durchgeführt, als ein Büroumzug jemals sein müsste. Die akribische Koordination des umfangreichen Vorhabens obliegt dem Depotverwalter Peter Müller mit Unterstützung von Dr. Sibylle Gluch und dem Team von Restauratoren Lothar Hasselmeyer und Johannes Eulitz um den Chefrestaurator Andreas Holfert.

Interview mit Chefrestaurator Andreas Holfert

Herr Holfert, Sie haben die konservatorischen Bedüfnisse der Objekte genauestens im Blick. Der Umzug ist zurzeit noch im vollen Gange, wie bewerten Sie die momentane Situation ?

Andreas Holfert: Ganz richtig. Im Grunde genommen befinden wir uns noch in mitten der Objekt-Umzugsphase. Die zentralen, für die Ausstellung relevanten Objekte sind allerdings schon im Museum und können nun von dem zuständigen Einrichtungssteam begutachtet und vermessen werden. Dies ist ein wichtiger Punkt, da eine Vielzahl der Objekte spezielle Objekteinrichtungen bzw. Ausstellungshilfen benötigt, um angemessen und sicher präsentiert zu werden. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, die Objekte, die eine aufwendige Aufständerung benötigen, so früh wie es uns möglich war, sicher transportieren zu können. Großer Verdienst gilt dabei Herrn Peter Müller und Herrn Johannes Eulitz, die bereits im Vorfeld eine entsprechende Sortierung der ausstellungsrelevanten Objekte vorgenommen haben. Auf Grundlage dieser Planungen war es uns möglich, eine nach Relevanz gestaffelte Anlieferung zu realisieren.

Figuren des "Hottentottentanz" vorbereitet für den Transport, © SKD

Verpackung der Einzelfiguren des "Hottentottentanz" für den Transport, © SKD

Wie groß ist die Anspannung vor einem derartig aufwendigen Vorhaben?

Der Druck, alles in einem bestimmten zeitlichen Rahmen ohne Schaden zu verpacken und verfrachten, ist enorm groß. Da ist es unglaublich wichtig, dass das gesamte Team an einem Strang zieht und die Kommunikation und Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Beteiligten bestens abgestimmt sind.

Welcher Herausforderung muss man sich als Chefrestaurator bei einem derartigen Umzug stellen?

Die zentrale Schwierigkeit liegt darin, auf verschiedenen Ebenen das Ziel der sicheren und unbeschadeten Objektüberführung zu gewährleisten. Zum einen ist es eine große Herausforderung, die Objekte korrekt und transportsicher zu verpacken, um dem Risiko der Transportbeschädigung präventiv entgegenzuwirken. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Objekte wegen ihrer Empfindlichkeit individuell behandelt werden müssen. Ein wesentlicher Aspekt beim Verpacken der Objekte ist dabei die maßgeschneiderte Unterbringung in Klimakisten mit entsprechenden schützenden Innenleben. Für einen akkuraten Umgang beim Einpacken bedarf es der genauen Kenntnis über Funktion und Aufbau der Geräte. Eine schwierige, umfangreiche Aufgabe, für die wir auf die Unterstützung von Fachleuten angewiesen sind, die weitreichende Vorkenntnisse mitbringen müssen.
Zum anderen ist gerade der Umzug in den Mathematisch-Physikalischen Salon eine große logistische Herausforderung: Zum Beispiel muss besonders darauf geachtet werden, dass das historische Bauwerk des Zwingers bei der Anlieferung durch LKW und Kran nicht beschädigt wird. Darüber hinaus gibt es nur begrenzte Abstellkapazitäten für die oftmals sehr großen Kisten. Da bedarf es viel Konzentration während der Anlieferungs-Vorgänge. Genau deshalb können Objekttransporte auch nur peu á peu geschehen.

Transportkiste des MPS, © SKD

Transportkiste des MPS, © SKD

Viele Objekte der Sammlung stellen allein schon auf Grund ihrer Größe eine logistische Herausforderung dar – ich denke da nur an die Brennspiegel oder Coronelli-Globen.

Genau! Unsere Großgeräte sind gerade wegen ihrer Größe und ihrem zum Teil enormen Gewicht eine Herausforderung in sich. Ihre Kisten lassen sich beispielsweise nicht über den Fahrstuhl in den oberen Ausstellungsraum, den Festsaal, verfrachten – in diesem Fall muss dann ein Kran weiterhelfen. Außerdem holen wir die Objekte aus insgesamt drei räumlich getrennten Depots, die ebenfalls begrenzte Raumkapazitäten besitzen. Bereits beim Einpacken stößt man da an logistische Grenzen.
Auch beim auszuwählenden Transportpartner, einer auf Kunsttransporte spezialisierten Spedition, ist, ähnlich wie beim Einpacken der Objekte, gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen wie sie die momentane Jahreszeit mit sich trägt, die personelle Erfahrung und technische Kompetenz unersetzlich.

Transport in den Zwinger, © SKD

Transport in den Zwinger, © SKD

Gibt es ein Objekt, das aufgrund seiner Eigenschaften eine ganz besondere Herausforderung für Sie darstellt?

Die Renaissance-Automaten wie beispielsweise unsere „Verkehrte Welt“ oder der „Hottentottentanz“ sind im Allgemeinen wegen ihrer Materialkombinationen aus Holz, Textil, Stein und verschiedenen Metallen sehr empfindlich. Gerade die Mechanik der um die 400 Jahre alten Objekte reagiert besonders anfällig auf Erschütterungen und wechselnde Klimabedingungen. Hinzu kommt, dass sie wegen ihrer Größe, ähnlich wie unsere Großgeräte, für den Transport demontiert und auf verschiedene Kisten aufgeteilt werden müssen. Bei ihnen ist also noch einmal eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Konzentration geboten.
Grundsätzlich sind wir aber mehr als zuversichtlich, dass es auch weiterhin so gut funktionieren wird wie bisher und dass alle Objekte unbeschadet ihren Platz in der neuen Ausstellung wieder einnehmen können.

Lieber Herr Holfert, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Restaurator Herr Dr. des Christoph Schölzel im Interview

Dienstag, 17. Juli 2012

Im Folgenden stellen wir die Arbeit des Restaurators Herr Dr. des Christoph Schölzel vor, der in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie Alte Meister und Galerie Neue Meister tätig ist. Zunächst vermittelt Herr Dr. des Schölzel einen Einblick in die restauratorische Arbeit an der “Sixtinischen Madonnavon Raffael. Der zweite Teil des Interviews befasst sich mit allgemeineren Fragestellungen zur Arbeit eines Restaurators.

Hat die “Sixtinische Madonna” Schäden im Verlauf des 2. Weltkrieges erlitten und wenn ja, was genau musste damals restauriert werden?

Nein, das Bild kam 1955 mit dem Protokollvermerk: Zustand “gut. Im Zustand sind keine Veränderungen eingetreten” zurück nach Dresden.

Das Analysieren und Erkunden von Kunstwerken gleicht einer Form der Bildarchäologie. In Ihrer Tätigkeit entnehmen Sie den Bildern auch Proben, um der Zusammensetzung des Firnisses, der Farben und Bindemittel auf den Grund zu gehen. Hat man der “Sixtina” auch Proben entnommen?

Es wurden 1983 ca. 10 winzige Farbproben aus dem Gemälde entnommen, von Prof. Dr. Hans-Peter Schramm in der Hochschule für Bildende Künste Dresden analysiert und von Prof. Karl-Heinz Weber, dem Chefrestaurator der Gemäldegalerie, zweimal publiziert. Weber führte 1983 auch die jüngsten, am Bild vorgenommenen restauratorischen Arbeiten durch.

Was ist für Sie persönlich das ganz Besondere an der “Sixtinischen Madonna”?

Der schwer darstellbare, bedeutungsvolle Inhalt des Bildes ist in einer beeindruckend schlüssigen künstlerischen Weise umgesetzt. Das Bild ist kompositorisch und malerisch mit großer Leichtigkeit hergestellt und es ist deshalb sehr einprägsam. Zugleich führte Raffael seine Malerei mit hoher künstlerischer Raffinesse aus: Die Variationen zu den im Bild auftauchenden reinen Farben Rot, Blau, Grün, Gelb sind nicht bunt, sondern fein abgestuft und sehr differenziert. Auch der ständige Licht-Schatten-Wechsel ist mit beeindruckender Subtilität vorgeführt und trägt dazu bei, die Darstellung sehr plastisch erscheinen zu lassen.

Nun die allgemeinen Fragen zur Restaurierung:

Die Restaurierung ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit, die nur mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Kultur- und Kunstgeschichte zu meistern ist. Wie fühlt es sich an, wenn man den ersten Pinselstrich in einem Gemälde, was über 500 Jahre alt ist, setzt?

Unabhängig vom Alter der Kunstwerke stellt jede etwas umfangreichere Restaurierung in der ihr eigenen Spezifik auch eine besondere Herausforderung für den Restaurator dar. Dabei sind die Arbeitsschritte, bei denen wirklich mit dem Pinsel auf dem alten Gemälde gemalt werden muss – also die Retuschen – wenig risikovoll, weil wir in der Regel mit sehr leicht wieder entfernbaren Farbensystemen arbeiten. D.h. wenn ein Pinselstrich nicht ganz den Erwartungen entspricht, kann er schnell und völlig gefahrlos wieder entfernt werden.

Verstehen Sie die Restauration als eine künstlerische Leistung oder handwerkliche Tätigkeit? Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Restaurator in zwei bis drei Sätzen.

Im heutigen Verständnis wird Restaurierung als eine wissenschaftliche Tätigkeit aufgefasst, die eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Aspekten spezifisch auf das jeweilige Kunstwerk bezogen, zu einem Zusammenwirken bringen muss. Mit diesen Aspekten sind umfangreiches Wissen über die materielle Struktur des Bildes, über die Geschichte der Maßnahmen am Bild, über Analyseverfahren genauso gemeint, wie die Fähigkeit, aus der Vielzahl der Methoden und Materialien eine für das Objekt günstige Restaurierungskonzeption zu erstellen und diese dann auch praktisch, d.h. oft manuell, zu realisieren. Die manuellen Tätigkeiten, die ich aber auch beim Zahnarzt nicht als Handwerk bezeichnen würde, haben einen bedeutenden Anteil an der Arbeit. Sie erfordern Geschick, Übung, Konzentration und Erfahrung. Künstlerische Aspekte spielen beim Restaurieren meist eine marginale Rolle und beschränken sich oft auf ein unbedingt notwendiges künstlerisches Einschätzungsvermögen des Kunstwerkes.

Welche grundlegenden territorialen Unterschiede gibt es in der Restaurierung?

Diese Unterschiede, die in früherer Zeit oft sehr bestimmend waren, verschleifen sich mit dem internationalen Austausch der Restauratoren und mit einer Internationalisierung und Vereinheitlichung der Restauratorenausbildung. Man kann insofern eher noch persönlich-subjektive Restaurierungsausfassungen der einzelnen Restauratoren im Detail ausmachen. Bei einzelnen Methoden, z.B. dem Aufbau der Retuschen, oder beim Einsatz bestimmter Restaurierungsmaterialien lassen sich ebenfalls noch regionale Unterschiede feststellen.

Was können uns Infrarotreflektografien und Röntgenaufnahmen über die Entstehung von Gemälden erzählen?

Beide zerstörungsfreie, sogenannte strahlendiagnostische Untersuchungsmethoden, liefern vielfältige und auf die ganze Fläche der Aufnahme bezogene Aussagen. Neben Erkenntnissen zum Erhaltungszustand, die besonders für den Restaurator von Interesse sind, bilden beide Verfahren auch in besonderer Weise die Maltechnik der untersuchten Gemälde ab. Anhand der Röntgenaufnahmen können so beispielsweise Aussagen zum Bildträger, zur Grundierung und auch zu bestimmten Farbschichten, bzw. zur Malweise des jeweiligen Künstlers getroffen werden. Mit Hilfe der Infrarotreflektografie hingegen werden vorrangig Befunde zur Unterzeichnungspraxis des Malers erhoben.

Antworten: Dr. des. Christoph Schölzel
Vielen Dank für das Interview!