Mit ‘Porzellansammlung’ getaggte Artikel

Forschung als Kooperation: „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ | Research as Cooperation: Asian Women on Display

Dienstag, 10. November 2015


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Willkommen zurück zu unserer Blogserie zum Forschungsprogramm Europa/Welt. Ein weiteres Projekt widmet sich der digitalen Erschließung eines umfangreichen Fotobestandes. Mit rund 260.000 Fotografien aus nahezu allen Regionen der Welt besitzen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) mit den Standorten Leipzig, Dresden und Herrnhut einen beeindruckenden Bestand an visuellem Material zur Geschichte und Methodik ihres Fachgebietes. Reise- und Expeditionsfotografie, anthropologische Aufnahmen und Studiofotografien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind darin ebenso zu finden wie aktuelle Beispiele fotobasierter Feldforschungen. Agnes Matthias, Leiterin des Projektes, ist bei der Sichtung und Auswertung der Fotografien auf zahlreiche spannende Konvolute gestoßen. So auch auf eine Reihe von Fotografien japanischer und chinesischer Schönheiten, die sich – dies wurde im sammlungsübergreifenden Austausch deutlich – auf ganz ähnliche Weise auf japanischen und chinesischen Export-Porzellanen finden lassen. Zusammen mit Cora Würmell, Leiterin des Forschungsprojekts „Ostasiatisches Porzellan und seine Bedeutung für die Europäische Kultur“, entstand die Idee, sich diesen Darstellungen einmal genauer und im Vergleich anzusehen.

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) © Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722)

© Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer


Aus einer ersten Idee ist mittlerweile eine Kooperation in Vorbereitung einer kleinen Ausstellung zum Thema „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ entstanden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für die Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Heidelberg konnten im September und Oktober Gäste in der Fotosammlung im Museum für Völkerkunde Dresden in Klotzsche empfangen werden.

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Gemeinsam mit Mio Wakita, Expertin für die Souvenirfotografie der Meiji-Zeit (1868–1912), sichteten Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias und Anne Vieth die Bestände japanischer Fotografien. Manch eine Aufnahme konnte dabei einem Fotografen neu zugeschrieben werden.

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Weltreisenden zusammengestellte Alben mit prachtvollen Lackeinbänden bergen vielfache Einblicke in die japanische Kultur, allerdings meist aus Sicht europäischer Fotografen, die ihre Bilder für ein überwiegend westliches Publikum fertigten. Und so verschmelzen insbesondere in der Darstellung japanischer Frauen Fantasievorstellungen mit traditioneller Ikonographie. Der Besuch von Cecilia Zi Guo Qiuzi war der fotografischen Repräsentation der chinesischen Frau gewidmet. Unterschiede zur japanischen Fotografie wurden diskutiert, Gemeinsamkeiten festgestellt – ein anregender Austausch, der fortgesetzt wird…

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

 

Eine Schale grüner Tee zum Klang der Zither

Mittwoch, 05. August 2015

Im Rahmen der Museumsnacht am 11. Juli 2015 lud die Porzellansammlung zu einer besonderen Veranstaltung ein: der Verköstigung von grünem Tee zum Klang von traditioneller chinesischer Musik. Frau Ruoming Wu aus Heidelberg unterhielt die Gäste mit dem Spiel von Brett-Zither und Flöte, während TeeGschwendner Dresden freundlicherweise zwei Teesorten zum Probieren zur Verfügung stellte.

Frau Wu beim Spiel der chinesischen Griffbrettzither (Guqin - 古琴) © SKD

Frau Wu beim Spiel der chinesischen Griffbrettzither (Guqin - 古琴) © SKD

… und der Kalabassen Flöte (Hulusi -葫芦丝) © SKD

… und der Kalabassen Flöte (Hulusi -葫芦丝) © SKD

Nach einer Einführung in die Geschichte der Teekeramik in Ostasien, vorgestellt von Konservatorin Cora Würmell, konnten sich die Besucher unterschiedliche Formen von Teeschalen und die damit verbundenen Funktionen erklären lassen.

Konservatorin Cora Würmell gibt den interessierten Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Teekeramik Ostasiens © SKD

Konservatorin Cora Würmell gibt den interessierten Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Teekeramik Ostasiens © SKD

Zur besseren Veranschaulichung wurden ausgewählte Objekte aus den Beständen der Porzellansammlung gezeigt.

Ausgewählte Objekte aus den Beständen der Porzellansammlung: Bei den beiden äußerden schwarzen Schalen handelt es sich um zwei Gefäße aus dem 12.-14.Jh. aus China. In der Mitte dieser Gefäße befindet sich eine eine japanische Raku-Schale aus dem frühen 19. Jh.. Im unteren Teil des Bildes ist eine yankou-wan Schalen zu sehen. © SKD

Ausgewählte Objekte aus den Beständen der Porzellansammlung: Bei den beiden äußerden schwarzen Schalen handelt es sich um zwei Gefäße aus dem 12.-14.Jh. aus China. In der Mitte dieser Gefäße befindet sich eine japanische Raku-Schale aus dem frühen 19. Jh.. Im unteren Teil des Bildes ist eine yankou-wan Schalen zu sehen. © SKD

Hierbei handelte es sich um zwei Gefäße aus China des 12. -14. Jh. sowie um eine japanische Raku-Schale aus dem frühen 19. Jh. Der ästhetische Reiz dieser Teeschalen zeichnet sich nicht nur durch die schlichten bzw. ausdrucksstarken Formen aus, sondern auch durch die faszinierenden und subtilen Glasureffekte dieser schwarzanmutenden Keramiken, die den höchsten Ansprüchen damaliger Teezusammenkünften entsprachen. So genossen nicht nur japanische Shogune sondern bereits der chinesische Kaiser Huizong (1082-1135) grünpulverisierten Grüntee (matcha 抹茶 ) aus sogenannten yankou-wan Schalen, die wie das exquisite Dresdner Gefäß eine silbrig glänzende Hasenfell-Zeichnung aufweist. Der weiß aufgeschäumte Tee wird durch den Kontrast der dunklen, leicht silbrig schimmernden Glasurfarbe ausgezeichnet zur Geltung gebracht. Dahingegen wurde die kleine Seladonschale mit Untersatz, die zu den Meisterwerken Goryeo-zeitlicher Keramik (Korea, 918–1392) zählt, für Aufgüsse aus Blatt-Tees  wie auch zum Genuss alkoholischer Getränke verwendet.

Im Anschluss erläuterte Frau Lysann Werner von TeeGschwendner die Geschichte des Tees und die Herstellung verschiedener  Teesorten © SKD

Im Anschluss erläuterte Frau Lysann Werner von TeeGschwendner die Geschichte des Tees und die Herstellung verschiedener Teesorten © SKD

Der Matcha-Tee wird auch in der japanischen Teezeremonie verwendet. Nach dem Aufgießen in einer Teeschale schlägt man die Flüssigkeit mit einem Bambusbesen auf, bis sich eine tiefgrüne Schaumschicht bildet. Die zweite Teesorte, die man kosten konnte, war ein Blatt-Tee aus Süd-Korea (Seogwang Sencha). Hierbei wurde deutlich, dass nicht nur ein hochwertiger Tee, sondern auch gutes Wasser sowie die richtige Wassertemperatur (80°C) und Ziehzeit (2 Minuten) für die Herstellung einer schmackhaften Schale Tee entscheidend sind.

Matcha-Tee © SKD

Matcha-Tee © SKD

Außerdem hatten die Gäste nach der Vorführung die Möglichkeit, die Teeschalen der Porzellansammlung nach der Vorführung aus nächster Nähe zu betrachten und sich mit der Konservatorin über deren Verwendung und Aussehen auszutauschen. Alles in allem war die Museumsnacht auch in diesem Jahr für die Porzellansammlung ein voller Erfolg.

Wir bedanken uns bei allen, die die Museumsnacht mitgestaltet haben.

Text und Bilder: Sonja Simonis

Einblicke in die aktuelle Fotokampagne in der Porzellansammlung | Impressions of current photo week in the Porcelain Collection

Samstag, 30. Mai 2015


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Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes der Porzellansammlung der SKD werden seit Oktober 2014 unsere ostasiatischen Porzellane aus der ehemaligen Königlichen Sammlung professionell fotografiert. Der größte Teil des vorhandenen Bildbestandes besteht derzeit aus Arbeitsfotos, die keine ausreichende Erfassung dreidimensionaler Objekte gewährleisten, häufig existieren nur ein bis zwei Ansichten. 8000 Objekte aus China und Japan werden jetzt erstmals systematisch fotografisch erfasst.

Nach den bisherigen Foto-Sessions im Depotbereich hatten wir im März die Möglichkeit in der nördlichen Bogengalerie der Porzellansammlung zu arbeiten, um dort eine der dichtbestücktesten Wände mit ca. 800 unterglasurblauen kangxi-zeitlichen Porzellanen zu fotografieren. Eine Aufgabe, die nur in einem gut funktionierenden Team zu stemmen ist, das ohne Fotograf Adrian Sauer und seinen Kollegen Alexander Schmidt sowie die beiden Restauratorinnen, Silke Rohmer und Magdar Kozar nicht möglich gewesen wäre. Adrian Sauer (Fotograf) ließ für diese herausfordernde Aufgabe ein speziell zugeschnittenes Fotozelt anfertigen und die Arbeit konnte beginnen.


© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Innenraum des Zeltes ermöglichte nicht nur ein effizientes Arbeiten, sondern auch fotografische Ergebnisse in höchster Qualität. Auch hier ist Teamgeist gefragt: denn für die beiden Fotografen muss das Porzellan von einer weiteren Mitarbeiterin für die Aufnahmen zunächst aufgestellt und dann gedreht werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Miniaturvasen bis zu großen Monumentalvasen wird jedes Objekt allseitig erfasst.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Bilder werden sofort nach der Aufnahme sowohl im Dateinamen als auch in den eingebetteten Metadaten mit der Inventarnummer der Porzellansammlung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach Abnahme der Porzellane von der Wand erfolgte ihre Reinigung.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dabei werden die Inventarnummern und die Maße der Objekte überprüft bzw. vervollständigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Und wenn alles abgenommen ist, erscheint die Wand völlig kahl.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Doch die Vorbereitungen zur Wiederanbringung sind bereits in vollem Gange. Die unzähligen kleinen Koppchen werden mit Wachs auf den Konsolen befestigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Anschließend werden die Teller mit einer Halterung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

...und können damit sicher an der Wand befestigt werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein großer Dank gilt ALLEN Beteiligten und Helfern, die es ermöglicht haben, diese Foto-Wochen erfolgreich zu beenden – wir konnten mehr als 850 Objekte fotografieren.

VIP-Aufgebot in der Porzellansammlung

Donnerstag, 31. März 2011

Mit  Friedrich Leopold Graf von Brühl – einem Nachfahren des legendären Premierministers Augusts III. -, dem US-amerikanischen Botschafter Philip D. Murphy, der sächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer und dem Generaldirektor der SKD, Prof. Dr. Martin Roth, versammelte sich eine illustre Runde, um die Rückkehr einer fast 300 Jahre alten Schönheit nach Dresden zu erleben.

Die „Nereide mit Konfektschale“, Bestandteil des legendären Schwanenservice Heinrich Graf von Brühls, konnte im Zwinger ihren Platz unter den anderen verbliebenen Teilen des von Brühl’schen Tafelgeschirrs einnehmen.

Die Nereide ging verloren, nachdem sie zusammen mit 24 anderen Leihgaben der Familie von Brühl im Verlauf des zweiten Weltkrieges aus Dresden ausgelagert wurde. Die zwei Kisten, in denen die Werke verpackt waren, wurden 1945 beschädigt gefunden: Seither galt die Nymphe als vermisst. Ihre „Wiederentdeckung“ gelang Dr. Ulrich Pietsch, dem Direktor der Dresdner Porzellansammlung. Bei einem Besuch des Toledo Museum of Art in den USA sah er die Porzellanfigur und vermutete, dass es sich um die verschollene Nereide handeln könnte. Ein Detail allerdings störte: Über die linke Schulter der Figur fällt eine Haarsträhne – für die Modelleure der Meißner Porzellanmanufaktur um Johann Joachim Kändler eine unübliche Art der Gestaltung. Das Rätsel konnte nach eingehender Untersuchung durch Röntgen – und Infrarotstrahlung gelöst werden. Offenbar war der Arm der Nereide abgebrochen, so dass sie restauriert werden musste und die Strähne eine fehlerhafte Stelle überdecken soll. Für Ulrich Pietsch gab die Überprüfung die Gewissheit, dass er tatsächlich die verloren geglaubte Figur vor sich hatte.

Wie Nachforschungen ergaben, fand die Nymphe nach 1945 nacheiner Odyssee über die Schweiz und New York einen Platz in Toledo, wo Dr. Ulrich Pietsch auf sie aufmerksam wurde. Gemeinsam mit einem Filmteam des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) wurden Recherchen begonnen, an deren Ende nun das Happy End steht. Die Nereide ist zurück in Dresden und kann durch die Großzügigkeit der Familie von Brühl, die den Leihvertrag mit der Porzellansammlung vorzeitig verlängert hat, nun dort bewundert werden.
Text & Foto © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Das Video zur Rückgabe der Nereide: