Mit ‘Mathematisch-Physikalischer Salon’ getaggte Artikel

Werk der Woche: Julius Popp “macro.spheres”

Dienstag, 11. Juni 2013

Aus der Ausstellung “jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds”

MACRO.SPHERES ist das Modell zu einer begehbaren Skulptur, in der der Künstler-Wissenschaftler Julius Popp seiner Untersuchung zur Veränderung des Weltbildes eine sichtbare Form gibt.

Julius Popp, macro.spheres, 2005/2010, Sperrholz, geklebt, 24,5 x 89 x 50 cm, ©Dresden/ Kunstfonds, SKD

Julius Popp, macro.spheres, 2005/2010, Sperrholz, geklebt, 24,5 x 89 x 50 cm, © Dresden/ Kunstfonds, SKD

Ausgehend von den unterschiedlichen und lange konkurrierenden Vorstellungen von der Erde als Scheibe oder als Kugel, die zeitgleich Gültigkeit hatten bis im Zeitalter der Entdeckungen die Kugelgestalt der Erde endgültig Bestätigung fand, denkt Popp über ein zeitgemäßes Modell von der Welt von heute nach. Mit den Erkenntniszugewinnen des 15. Jahrhunderts setzte auch die große Zeit der Erddarstellungen mittels Globen ein, die Anschaulichkeit boten und zudem materialisierter Ausdruck neuer Technologien und explodierenden Weltwissens waren. Ein traditioneller Globus bietet eine Ansicht der Erde von außen, wobei aber immer ein großer Teil des Erdmodells verdeckt bleibt. Die wahrnehmbare Welt endet am Horizont. Das Zeitalter der Kommunikationstechnik revolutioniert unser Weltbild nun erneut: Jeder Punkt der Erde ist von jedem anderen Punkt erreichbar und Informationen können über unvorstellbare Entfernungen hinweg in kürzester Zeit ausgetauscht werden. Wie müsste also nun ein neuer, zeitgemäßer Globus aufgebaut sein, mit dem man die Erreichbarkeit aller Punkte visualisieren kann? Julius Popp entwickelte dazu das Modell der drei nach innen gestülpten Halbschalen, die so zueinander angeordnet sind, dass von jedem beliebigen Punkt aus jeder andere Punkt sichtbar ist. In der realen Ausführung steht der Betrachter auf der Innenfläche der Halbkugeln und kann jeden Punkt ihrer Flächen „erreichen“. MACRO.SPHERES ergänzt das klassische Globusmodell um eine Dimension und visualisiert so die Veränderung der Wahrnehmung unserer Welt.

Ausgeliehen:
Das Werk ist derzeit als Satellit der Ausstellung jetzt hier. Gegenwartskunst. Aus dem Kunstfonds im Mathematisch-Physikalischen Salon zu bestaunen.

Der Mathematisch-Physikalische Salon ist wieder im Zwinger

Montag, 11. Februar 2013

In den letzten Wochen ist viel passiert innerhalb der historischen Zwingermauern. Anfang des Jahres konnten die Kollegen aus dem Wissenschafts- und Direktionsbereich des MPS, die – zwischen gepackten Kisten sitzend – schon sehnlich darauf gewartet hatten, bereits ihre neuen Büroräume im Zwinger beziehen. Durch die tatkräftige Unterstützung eines Umzugsunternehmens ist der Büro- und Bibliotheksumzug erfolgreich abgeschlossen, und mittlerweile sind alle Kisten ausgepackt und alle Bücher haben ihren Platz in den neuen Regalen gefunden. Es sind jedoch nicht nur die zahlreichen Umzugskartons, die in der letzten Zeit den Weg in die neuen Räume gefunden haben.

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Vorbereitung des Büroumzugs, © SKD

Mission: Objektumzug

Nach dem Büroumzug steht aktuell der Umzug der Objekte an, die Rückkehr der Sammlung des MPS in ihre alte Heimat. Wegen der sehr unterschiedlichen Größe und konservatorischen Eigenschaften der Exponate – von Jahrhunderte alten Uhren mit einer höchst empfindlichen Mechanik bis zu imposant großen Brennspiegeln und Fernrohren – muss dieser Kunsttransport viel bedachter durchgeführt, als ein Büroumzug jemals sein müsste. Die akribische Koordination des umfangreichen Vorhabens obliegt dem Depotverwalter Peter Müller mit Unterstützung von Dr. Sibylle Gluch und dem Team von Restauratoren Lothar Hasselmeyer und Johannes Eulitz um den Chefrestaurator Andreas Holfert.

Interview mit Chefrestaurator Andreas Holfert

Herr Holfert, Sie haben die konservatorischen Bedüfnisse der Objekte genauestens im Blick. Der Umzug ist zurzeit noch im vollen Gange, wie bewerten Sie die momentane Situation ?

Andreas Holfert: Ganz richtig. Im Grunde genommen befinden wir uns noch in mitten der Objekt-Umzugsphase. Die zentralen, für die Ausstellung relevanten Objekte sind allerdings schon im Museum und können nun von dem zuständigen Einrichtungssteam begutachtet und vermessen werden. Dies ist ein wichtiger Punkt, da eine Vielzahl der Objekte spezielle Objekteinrichtungen bzw. Ausstellungshilfen benötigt, um angemessen und sicher präsentiert zu werden. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, die Objekte, die eine aufwendige Aufständerung benötigen, so früh wie es uns möglich war, sicher transportieren zu können. Großer Verdienst gilt dabei Herrn Peter Müller und Herrn Johannes Eulitz, die bereits im Vorfeld eine entsprechende Sortierung der ausstellungsrelevanten Objekte vorgenommen haben. Auf Grundlage dieser Planungen war es uns möglich, eine nach Relevanz gestaffelte Anlieferung zu realisieren.

Figuren des "Hottentottentanz" vorbereitet für den Transport, © SKD

Verpackung der Einzelfiguren des "Hottentottentanz" für den Transport, © SKD

Wie groß ist die Anspannung vor einem derartig aufwendigen Vorhaben?

Der Druck, alles in einem bestimmten zeitlichen Rahmen ohne Schaden zu verpacken und verfrachten, ist enorm groß. Da ist es unglaublich wichtig, dass das gesamte Team an einem Strang zieht und die Kommunikation und Zuständigkeiten zwischen den einzelnen Beteiligten bestens abgestimmt sind.

Welcher Herausforderung muss man sich als Chefrestaurator bei einem derartigen Umzug stellen?

Die zentrale Schwierigkeit liegt darin, auf verschiedenen Ebenen das Ziel der sicheren und unbeschadeten Objektüberführung zu gewährleisten. Zum einen ist es eine große Herausforderung, die Objekte korrekt und transportsicher zu verpacken, um dem Risiko der Transportbeschädigung präventiv entgegenzuwirken. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Objekte wegen ihrer Empfindlichkeit individuell behandelt werden müssen. Ein wesentlicher Aspekt beim Verpacken der Objekte ist dabei die maßgeschneiderte Unterbringung in Klimakisten mit entsprechenden schützenden Innenleben. Für einen akkuraten Umgang beim Einpacken bedarf es der genauen Kenntnis über Funktion und Aufbau der Geräte. Eine schwierige, umfangreiche Aufgabe, für die wir auf die Unterstützung von Fachleuten angewiesen sind, die weitreichende Vorkenntnisse mitbringen müssen.
Zum anderen ist gerade der Umzug in den Mathematisch-Physikalischen Salon eine große logistische Herausforderung: Zum Beispiel muss besonders darauf geachtet werden, dass das historische Bauwerk des Zwingers bei der Anlieferung durch LKW und Kran nicht beschädigt wird. Darüber hinaus gibt es nur begrenzte Abstellkapazitäten für die oftmals sehr großen Kisten. Da bedarf es viel Konzentration während der Anlieferungs-Vorgänge. Genau deshalb können Objekttransporte auch nur peu á peu geschehen.

Transportkiste des MPS, © SKD

Transportkiste des MPS, © SKD

Viele Objekte der Sammlung stellen allein schon auf Grund ihrer Größe eine logistische Herausforderung dar – ich denke da nur an die Brennspiegel oder Coronelli-Globen.

Genau! Unsere Großgeräte sind gerade wegen ihrer Größe und ihrem zum Teil enormen Gewicht eine Herausforderung in sich. Ihre Kisten lassen sich beispielsweise nicht über den Fahrstuhl in den oberen Ausstellungsraum, den Festsaal, verfrachten – in diesem Fall muss dann ein Kran weiterhelfen. Außerdem holen wir die Objekte aus insgesamt drei räumlich getrennten Depots, die ebenfalls begrenzte Raumkapazitäten besitzen. Bereits beim Einpacken stößt man da an logistische Grenzen.
Auch beim auszuwählenden Transportpartner, einer auf Kunsttransporte spezialisierten Spedition, ist, ähnlich wie beim Einpacken der Objekte, gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen wie sie die momentane Jahreszeit mit sich trägt, die personelle Erfahrung und technische Kompetenz unersetzlich.

Transport in den Zwinger, © SKD

Transport in den Zwinger, © SKD

Gibt es ein Objekt, das aufgrund seiner Eigenschaften eine ganz besondere Herausforderung für Sie darstellt?

Die Renaissance-Automaten wie beispielsweise unsere „Verkehrte Welt“ oder der „Hottentottentanz“ sind im Allgemeinen wegen ihrer Materialkombinationen aus Holz, Textil, Stein und verschiedenen Metallen sehr empfindlich. Gerade die Mechanik der um die 400 Jahre alten Objekte reagiert besonders anfällig auf Erschütterungen und wechselnde Klimabedingungen. Hinzu kommt, dass sie wegen ihrer Größe, ähnlich wie unsere Großgeräte, für den Transport demontiert und auf verschiedene Kisten aufgeteilt werden müssen. Bei ihnen ist also noch einmal eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Konzentration geboten.
Grundsätzlich sind wir aber mehr als zuversichtlich, dass es auch weiterhin so gut funktionieren wird wie bisher und dass alle Objekte unbeschadet ihren Platz in der neuen Ausstellung wieder einnehmen können.

Lieber Herr Holfert, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Pascaline hautnah erleben

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ihr Erscheinungsbild beeindruckt und ihre Technik war eine Sensation des 17. Jahrhunderts: die Rechenmaschine des Franzosen Blaise Pascal, auch „Pascaline“ genannt. Mit ihrer feuervergoldeten Hülle und ihrer innovativen Mechanik gehört das fast 50 cm breite Recheninstrument definitiv zu den Highlights der Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons (MPS). Selbstverständlich bekommt sie einen besonderen Platz in der neuen Dauerausstellung. Dort werden die Besucher die Möglichkeit haben, unmittelbar neben der Originalmaschine an einem digitalen Nachbau auf einem großen Touchscreen selbst aktiv zu werden, eigene Rechnungen auszuführen und in die Fußstapfen des großen Blaise Pascal zu treten.

Zur Vorschau der virtuellen Pascaline …

Derzeit befindet sich die interaktive Software-Anwendung der Pascaline in den letzten Produktionszügen. Die digitale Pascaline, sowie insgesamt 12 weitere Medienanwendungen in der neuen Dauerausstellung, sind das Ergebnis einer langjährigen Projekt-Kooperation zwischen dem MPS und dem Team von Computergrafikern um Prof. Markus Wacker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden). Eine Reihe dieser Anwendungen geht auf vom MPS und der Hochschule gemeinsam betreute Diplomarbeiten zurück.

Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) arbeiten an der Visualisierung der Pascaline

Um die Medienanwendungen für den musealen Bereich zu optimieren, arbeiten die Wissenschaftler und Computergrafiker unter Leitung von Oberkonservator Dr. Michael Korey vom MPS und Prof. Markus Wacker von der HTW Dresden eng zusammen. In vielen gemeinsamen Produktionssitzungen werden intensiv die bestmögliche Visualisierung, Funktionsweise und Benutzerfreundlichkeit der einzelnen Anwendungen diskutiert und immer weiter verbessert.

Arbeitstreffen mit Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) und Michael Korey (MPS)

Arbeitstreffen von Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) mit Michael Korey (MPS)

Interview mit Claudia Bergmann (HTW Dresden)

Claudia Bergmann, Dipl.-Medieninformatikerin an der HTW Dresden, ist die Hauptverantwortliche für die Produktion der digitalen Pascaline. Diese basiert auf ihrer Diplomarbeit, für die Claudia den vom Fachbereichstag Informatik an Fachhochschulen ausgeschriebenen Informatikpreis 2010 in der Kategorie Bachelor-/Diplomarbeit erhalten hat. Wir haben mit Claudia gesprochen:

Claudia, wir sind begeistert von deiner virtuellen Pascaline. Du arbeitest bereits seit einiger Zeit an der Anwendung – Hand aufs Herz, bist Du froh, wenn das Projekt Pascaline abgeschlossen ist?

Es hat mir schon während meiner Diplomzeit Spaß gemacht, die Pascaline „auseinanderzunehmen“ und so aufzubereiten, dass Groß und Klein die digitale Maschine kennenlernen können. Jetzt habe ich die Möglichkeit die Anwendung zu optimieren und finde die Wirkung der Pascaline auf andere immer wieder spannend und bin nach wie vor fasziniert von der Mechanik.

Woher kam die Intention, eine Diplomarbeit über eine Museumsanwendung zu erstellen? Warum ausgerechnet die Pascaline?

Ich wollte meine Diplomarbeit nicht für die Schublade schreiben, sondern etwas machen, dass „bunt“ ist und zum Einsatz kommt. Bunt meint, dass ich Modellierung, Animation, Programmierung und Gestaltung zusammenbringen konnte. Und da ich selbst gern in Museen gehe und mir hier häufig Ideen für interaktive Stationen kommen, habe ich bei den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) angefragt, ob Interesse an einer Anwendung für die Rechentechnikabteilung besteht. Durch einen Zufall kam es dann dazu, dass ich für die Museen TSD und MPS eine Medienstation über die Pascaline erstellt habe.

Sicherlich ist eine derartige Anwendung kein leichtes Unterfangen. Wo lagen für Dich die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Anwendung so zu erstellen, dass alle Museumsbesucher einen Mehrwert daraus ziehen können. D.h. dass man neugierig die Maschine bedienen kann, die Mechanik auch ohne Vorkenntnisse verstehen lernt und Interessierte noch Hintergrundwissen abfragen können.
In der Konzeptionsphase haben wir bereits einen Nutzertest durchgeführt, um sicher zu gehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und nicht „betriebsblind“ werden. Und dabei kamen so erstaunliche Dinge zum Vorschein wie die Tatsache, dass junge Leute das Prinzip der Telefon-Wählscheiben nicht mehr kennen, das der Eingabe an der Pascaline ähnelt.

Inwiefern unterscheidet sich eine Museumsanwendung wie diese von „herkömmlichen“ Medienanwendungen? Worauf musste man als Produzentin besonders achten?

Einen Unterschied bietet schon das Museumsumfeld selbst. Die Besucher sind sehr unterschiedlich von ihrem Vorwissen im Bezug auf die dargestellten Themen und Exponate, aber auch bezüglich der modernen Präsentationstechnik. Die Anwendung muss für jeden etwas sein und kurzweilig.

Vielen Dank für das Interview!

 

Der Mathematisch-Physikalische Salon ab 14. APRIL 2013 wieder im Zwinger – save the date!

Dienstag, 15. Januar 2013

Mathe? Physik? Salon?
Na klar! Der Mathematisch-Physikalische Salon, ab 14. April 2013 Eure neue Lieblingssammlung.

Ein Bär, ein Fernrohr, ein Globus und eine Taschenuhr sind die vier Leitmotive, die seit 18. Dezember 2012 auf Plakaten zusammen mit eingängigen Sprüchen in Dresden, Leipzig und Berlin auf die Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons aufmerksam machen. Umgesetzt hat die Kampagne für uns die Berliner Kommunikationsagentur PREUSS UND PREUSS. Wir sind begeistert und Euch haben wir auch schon überzeugt. Über unsere Facebook-Fanpage erreichten uns zahlreiche Likes und Kommentare. Und in Marketing-Fachkreisen spricht man schon von der „Kulturkampagne des Monats“.

Screenshot_Facebook_Kampagne

Screenshot der Facebook Fanpage der SKD

Endspurt!

Nach fast sechs Jahren Schließzeit bezieht die Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons endlich wieder ihren angestammten Platz im Dresdner Zwinger, der sich vom Kronentor bis zum Wallpavillon erstreckt. Auf nun insgesamt vier Ausstellungsflächen – jede mit einem ganz eigenen Charakter – wird unsere Sammlung eine neue Präsentation erfahren. In den letzten Jahren wurde ein frisches Ausstellungskonzept entwickelt: der Besucher kann die herausragenden Kunstwerke – u.a. wissenschaftliche Apparate, Uhren und astronomische Geräte – eingehend betrachten und mit multimedialen Anwendungen interaktiv erleben.

Wiedersehen macht Freude!

Blicke hinter die Kulissen, wie der Um- und Einzug der Kunstwerke in den Zwinger, ihre Einrichtung und Ausblicke auf ihre Präsentation, sowie die Installation der Medienstationen – in den nächsten Wochen erfahrt Ihr hier auf dem Blog viele lesenswerte Ereignisse rund um die Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons, seine Geschichte und seine Neupräsentation.