Mit ‘Macht’ getaggte Artikel

Die Geschichte (n) des Residenzschlosses

Freitag, 03. März 2017

Die spannende Vergangenheit und glitzernde Zukunft eines Dresdner Wahrzeichens

Könnte es sprechen, hätte das Dresdner Residenzschloss so einiges aus seinem jahrhundertealten Schicksal zu erzählen: Seit 1485 diente es als prachtvolle Residenz, als Schauplatz und als Machtzentrum sächsischer Kurfürsten und Könige im Herzen der heutigen Altstadt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts sowie unter August dem Starken erhielt es seine entscheidende architektonische Prägung, die ihm einen für die Hochrenaissance typischen Charakter verlieh. Diesen bewahrte das Schloss trotz Umbau und Modernisierung im späten 19. Jahrhundert bis heute.

Außenansicht Residenzschloss, 2014 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Außenansicht Residenzschloss, 2014 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dabei fand die Vollkommenheit, die die Architekten der Hochrenaissance am Residenzschloss umzusetzen versuchten, im Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende: Nach den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 lag das Zentrum in Ruinen und auch das Residenzschloss war in großen Teilen niedergebrannt.

Blick vom Georgenbau auf das zerstörte Residenzschloss, im Vordergrund der ausgebrannte Ostflügel 1954 © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, W. Möbius, Foto: Walter Möbius

Blick vom Georgenbau auf das zerstörte Residenzschloss, im Vordergrund der ausgebrannte Ostflügel 1954 © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, W. Möbius, Foto: Walter Möbius

Zeitweise existierten gar Pläne das Schloss abzureißen, doch diese wurden – genügend Widerstand sei Dank – ad acta gelegt. Seit über 25 Jahren im Wiederaufbau begriffen, zeugt das Residenzschloss von der Geschichte und der einzigartigen kulturellen Vielfalt Sachsens und Dresdens. Zugleich entwickelte es sich zu einem modernen Museumszentrum des 21. Jahrhunderts, in dem legendäre Sammlungen auf zeitgemäße Weise präsentiert und vermittelt werden. Nicht die Errichtung eines bestimmten historischen Zustandes ist angestrebt, sondern die Symbiose aus teilweiser Rekonstruktionen und der Schaffung moderner Museumsarchitektur, die die zeitschichten und Verwendungen erkennen lässt und den Blick des Betrachters auf die einzigartigen Kunstwerke des Kupferstich-Kabinetts, der Grünen Gewölbes, des Münzkabinetts oder der Rüstkammer fokussiert. So entsteht etappenweise eine Residenz der Kunst und Wissenschaft, die das historische Zentrum der SKD bildet, wurde hier doch 1560 die Kunstkammer gegründet. Heute ist es das Zentrum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Circa 316 Millionen Euro investierten die Bundesregierung und die Sächsische Staatsregierung bisher in die größte Kulturbaustelle des Freistaates.

Residenzschloss Dresden, Blick auf den Ostflügel, Zustand: August 2007 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut

Residenzschloss Dresden, Blick auf den Ostflügel, Zustand: August 2007 © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut

Im März 2016 eröffnete der erste Teil des Renaissanceflügels – eine bedeutende Etappe im Wiederaufbau des Schlosses. Die neue Dauerausstellung „Weltsicht und Wissen um 1600“ macht seitdem faszinierende Objekte der Spätrenaissance der Öffentlichkeit zugänglich und beleuchtet das Phänomen „Kunstkammer“.

 

Macht & Mode

Im April 2017, im Jahr des 500. Reformationsjubiläums, wird der Renaissanceflügel vollendet: Im Nord- und Ostflügel wird die Ära der sächsischen Kurfürsten der Renaissancezeit wieder lebendig und entführt die Besucher in eine abenteuerliche und sagenumwobene Welt.

Grundriss des Residenzschlosses, 1. Obergeschoss © Staatliche Kunstsammlungen Dresden und SLUB, deutsche Fotothek

Grundriss des Residenzschlosses, 1. Obergeschoss © Staatliche Kunstsammlungen Dresden und SLUB, deutsche Fotothek

 

Mit der Ausstellung „Auf dem Weg zur Kurfürstenmacht“ erleben die Besucher den Weg der Wettiner von der Erlangung der sächsischen Kurwürde bis hin zur Eroberung der Kurfürstenmacht. Der weltweit größte Schatz an Prunkwaffen der Reformationszeit und des frühen Barock verkörpert den Machtanspruch und das reformatorische Glaubensprogramm der sächsischen Kurfürsten. Die Objekte gehören zu den ältesten Werken der Rüstkammer.

Helmbarte, deutsch, 1588, Ätzmalerei: Augsburg, Schäftung und Medaillons: Dresden; Eisen, Kupfer, Gold, Holz; Ausrüstung der kursächsischen Trabantengarde © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Helmbarte, deutsch, 1588, Ätzmalerei: Augsburg, Schäftung und Medaillons: Dresden; Eisen, Kupfer, Gold, Holz; Ausrüstung der kursächsischen Trabantengarde © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

In der Ausstellung „Kurfürstliche Garderobe“ bezaubern originale Gewänder der grandiosen Fürstenmode. Was war der letzte Schrei in Renaissance und Frühbarock? Welche Unsummen gab die europäische Elite aus, um ganz en vogue zu sein? Insgesamt 27 Herrscherkostüme – 6 vollständige Kostümensembles, 11 Anzüge mit Wams und Hose, 4 Damenkleider sowie 6 einzelne Obergewandstücke begeistern durch reiche Stoffe, Stickereien, Spitzen und Posamenten von Gold, Silber und Seide.

Prunkkleid der Kurfürstin Magdalena Sibylla von Sachsen (1586–1659), um 1610–1620, Oberstoffe: italienisch; Schneiderarbeit: Dresden, Kurfürstliche Schneiderei, Klöppelspitze und Posamentierarbeit: sächsisch, Teile: Mieder und Rock; Seide, Silber, Gold © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Prunkkleid der Kurfürstin Magdalena Sibylla von Sachsen (1586–1659), um 1610–1620, Oberstoffe: italienisch; Schneiderarbeit: Dresden, Kurfürstliche Schneiderei, Klöppelspitze und Posamentierarbeit: sächsisch, Teile: Mieder und Rock; Seide, Silber, Gold © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

Mit all diesen Kostbarkeiten eines der wichtigsten protestantischen Höfe Europas erleben Besucher die Geschichte des Dresdner Schlosses aus einer ganz neuen Perspektive: Das Renaissanceschloss, in dem der Grundstein gelegt wurde für die unermesslichen Reichtümer der sächsischen Kurfürsten und Könige.