Mit ‘Fotografie’ getaggte Artikel

Nachts im Museum

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Zu sehen: „Gesichter auf Glas“ im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig

Montag, 24. Oktober 2016

Am 19. Oktober eröffnete unter reger Teilnahme vieler Fotointeressierter im GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig die Präsentation „Gesichter auf Glas. Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godeffroy“ mit einem Vortrag des Restaurators Carsten Wintermann. Mit finanzieller Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung konnte er im Frühjahr einen ganz besonderen Bestand aus der Leipziger Fotosammlung konservatorisch bearbeiten: 45 Ambrotypien mit Porträts von Menschen aus Tahiti, Fidschi und Hawai‘i. Diese unikaten Aufnahmen, vor über 150 Jahren entstanden, geben nicht nur Einblick in die frühe Medienhistorie, sondern erzählen auch vom ambivalenten Verhältnis zwischen Fotografie und Ethnologie. Die Ambrotypien stammen aus dem Bestand des Hamburger Museum Godeffroy, das 1861 als naturkundlich-ethnologische Sammlung durch das Handelshaus Johann Cesar Godeffroy & Sohn in der Hansestadt gegründet worden war. 1885 wurde das Museum aufgelöst und ein Großteil der Ethnographica samt rund 500 Fotografien nach Leipzig verkauft. Das Unikat-Verfahren der Ambrotypie fand vor allem in den USA und  England Verbreitung und wurde hauptsächlich für die Porträtfotografie eingesetzt. Ungewöhnlich aber ist der frühe Einsatz dieser in der Anwendung komplizierten Technik in der Südsee als Ort kolonialer Bestrebungen. Viele der Porträts entsprechen in den Posen westlichen, bürgerlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts. Das steht in eigentümlichem Kontrast zur rassischen Kategorisierung der indigenen fotografierten Frauen und Männer in begleitenden Textdokumenten. So sind die Ambrotypien ambivalenten Charakters: Sie changieren zwischen individuellem Porträt und ethnographischer Typenaufnahme. Die Präsentation, die bis zum 15. Januar 2017 ist in der Dauerausstellung im 2. Obergeschoss zu sehen ist, wurde im Rahmen des Forschungsprogramms »Europa/Welt« von Agnes Matthias kuratiert.

 

Blick in die Ausstellung, ©  GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Blick in die Ausstellung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien

Montag, 20. Juni 2016

Am 17. Mai 2016 fand im Rahmen der beiden derzeit laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsprojekte zu den Fotobeständen der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (Forschungsprogramm „Europa/Welt“ und DFG-Projekt „Weltsichten“ in Kooperation mit der Deutschen Fotothek/SLUB) ein interner Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien statt. Als Moderator der Veranstaltung war der Bremer Historiker Thomas Theye eingeladen, um mit den Kolleginnen und Kollegen in drei Sektionen über die Bedingungen des Ausstellens und Publizierens von im ethnographischen Kontext entstandenem oder genutztem Bildmaterial zu diskutieren. Zunächst stand das Thema Datenbank und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen des Publizierens im Fokus. Birgit Scheps-Bretschneider führte in ihrem Impulsreferat in das besondere Beispiel Australien und das Thema Bildtabu ein, Carola Krebs berichtete von ihren Erfahrungen des „Zurückbringens“ von Fotografien nach Südasien. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rassismus“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau endete der Tag mit einem öffentlichen Vortrag von Thomas Theye zum Thema „Spurensuche: Anmerkungen zu einigen frühen Samoa-Fotografien Jan Stanisław Kubarys für das Museum Godeffroy in Hamburg“.

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Blick in die Ausstellung: “Blickwechsel”, Teil 4

Montag, 23. Mai 2016

Mit der aktuellen Sammlungspräsentation „Blickwechsel” tritt das Kupferstich-Kabinett in einen Dialog mit den 14 Museen im Verbund der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Bis 29. Mai 2016 ist in den Ausstellungsräumen im Residenzschloss ein ausgewähltes Werk aus jeder Sammlung mit einem oder auch mehreren Werken aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts zu sehen.

Diese Gegenüberstellungen eröffnen ganz unterschiedliche Blicke auf die Werke, verschiedene Perspektiven und Fragestellungen. Die Ausstellung lädt somit dazu ein, an einem einzigen Ort die reiche Vielfalt der Staatlichen Kunstsammlungen zu entdecken.

An dieser Stelle haben wir für die Dauer der Ausstellung wöchentlich eine solche Gegenüberstellung vorgestellt.

Unser abschließender Blick in die Sonderausstellung ist heute der Blick in die Werkstatt des Künstlers.
Unter diesem Titel begegnen sich gleich vier unterschiedliche Werke aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Drei davon stammen aus dem Kupferstich-Kabinett:
Franz Fiedlers Fotografie Max Feldbauer an der Staffelei, die Federskizze Schnorrs Besuch im Atelier F.W.Wegeners von Julius von Schnoor, sowie die Federzeichnung Rückenansicht eines Sitzenden Mannes von Adriaen van Ostade.

Franz Fiedler (1885-1956), Max Feldbauer an der Staffelei, um 1929, Brauner Ölumdruck, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Adriaen van Ostade ( 1610- 1685), Rückenansicht eines sitzenden Mannes, Feder in Braun, grau laviert, über schwarzem Stift, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Julius Schnorr von Carosfeld (1794-1872), Schnorrs Besuch im Atelier F.W.Wegeners, circa 1850, Feder in Schwarz, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Sie treffen auf das Ölgemälde Der Maler in seiner Werkstatt, ebenfalls von Adriaen van Ostade, aus der Gemäldegalerie Alte Meister.

Adriaen van Ostade (1610-1685), Der Maler in seiner Werkstatt, 1663, Öl auf Eichenholz, Gemäldegalerie Alte Meister, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Bilder, die den Künstler bei der Arbeit zeigen, gewähren vermeintlich unmittelbaren Einblick in dessen Lebenswirklichkeit und den Schaffensprozess. So zeigt Adriaen van Ostade 1663 den Maler in Rückenansicht an der Staffelei sitzend – als sei er unbeobachtet. Die Schilderung des Ateliers mutet mit den chaotisch verteilten Zeichnungen, Tierpräparaten, Gipsabgüssen und einer Gliederpuppe naturgetreu an. Die Zusammenschau ist aber sicherlich ein erfundenes Sinnbild künstlerischen Schaffens. Realistisch zeigt das Bild hingegen die Verwendung von Vorstudien auf Papier: Das über der Tafel angeheftete Blättchen – vielleicht eine Rückenansicht wie die hier präsentierte lavierte Federzeichnung van Ostades aus dem Kupferstich-Kabinett – dient dem Maler als Detailvorlage.

Auf Franz Fiedlers Fotografie des Malers Max Feldbauer von 1929 sind noch immer ähnliche Versatzstücke künstlerischer Arbeit versammelt, wie auch auf Julius Schnorr von Carolsfelds flotter Federskizze. In ironischer Brechung zeigt sich hier der virtuose Zeichner Schnorr (bekannt als Verächter oberflächlich realistischer Malerei) beim Besuch im Atelier des Tiermalers Friedrich Wilhelm Wegener. Da er selbst die Darstellung von Hunden nicht zuwege bringe, fleht Schnorr den Dresdner Kollegen laut Inschrift um Hilfe an.

Am 25.05. 2016 bietet sich allen Interessierten in der Kunstpause die Gelegenheit, noch mehr spannende Informationen zu dieser Gegenüberstellung zu erhalten. Sie findet wie gewohnt um 17:30 Uhr in den Räumen der Ausstellung statt.
Gleichzeitig handelt es sich auch um die letzte Kunstpause.
Also: nicht verpassen!

alle Besucherinformationen auf einen Blick:
Sammlungspräsentation “Blickwechsel” des Kupferstich-Kabinetts

Ausstellungszeitraum
29. April – 29. Mai 2016

Ausstellungsort
Residenzschloss
Kupferstich-Kabinett

Öffnungszeiten
täglich 10 bis 18 Uhr,
dienstags geschlossen

Eintrittspreise

Neu: Ticket Kupferstich-Kabinett!
Eintritt € 6
ermäßigt € 4,50
Kinder und Jugendliche
unter 17 Jahren frei
Gruppen (ab 10 Personen)
€ 5,50 p. P.

Kunstpause Sonderticket
Eintritt + Kunstpause
€ 5
3er Ticket €13