Mit ‘Forschung’ getaggte Artikel

Vorgestellt! Magdalena Kozar, Restauratorin in der Porzellansammlung

Donnerstag, 24. November 2016

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Diese außergewöhnliche Gruppe japanischen Porzellans ist Gegenstand eines großen Restaurierungsprojektes: Dank der großzügigen Unterstützung und Kompetenz des National Research Institute for Cultural Properties, Tokyo (TOBUNKEN) konnte die Restaurierung einer sogenannten Vogelbauervase ins Auge gefasst werden. Magdalena Kozar wird den Restaurierungsprozess in Tokyo begleiten, um von den Spezialisten aus dem Ursprungsland der Vasen zu lernen. Auf dem Blog wird sie von ihren Erfahrungen rund um die Restaurierung in Dresden und Tokyo berichten.


Von Breslau nach Dresden

Nach Dresden bin ich zum ersten Mal als Schülerin gekommen. Ich habe mir schon damals die Porzellansammlung angeschaut und war davon sehr begeistert. Als sich mir durch mein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Breslau ein paar Jahre später die Möglichkeit bot, ein Austauschsemester in Dresden zu absolvieren, gab es für mich keinen Zweifel. Ich habe ein Semester lang Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden studiert und mich in der Zwischenzeit für ein Praktikum in der Porzellansammlung beworben.

Während des Praktikums war eine Figur aus der Meissener Porzellanmanufaktur meine erste Restaurierungsaufgabe: eine Darstellung von Scramuz (Figur der Italienischen Commedia dell’Arte), die 1743-1744 von Peter Reinicke in der Meissner Manufaktur hergestellt wurde. Es war sehr lustig dieselbe Figur auf meinen alten Reisebildern aus Dresden zu finden. Damals hätte ich nie davon geträumt, dass ich ein paar Jahre später diese Figur persönlich restaurieren dürfen werde.

Seit 2011 nehme ich an verschiedenen Projekten in der Porzellansammlung teil. Die Arbeit erlaubt mir nicht nur mit den wunderschönsten Porzellanstücken der Welt arbeiten zu können, sondern auch mein Wissen ständig zu vertiefen. Zurzeit arbeite ich an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Obwohl die Aufgaben sehr aufwändig sind und viel Zeit kosten, macht die schöne Atmosphäre in einem netten Team die Arbeit sehr angenehm.

Bei der Arbeit: Sortieren...

...und Anpassen der Lackfragmente

In den letzten Jahren habe ich auch im Museum für Lackkunst in Münster und in einem privaten Restaurierungsstudio für Japanischen Lack in Warschau Wissen im Bereich Lackrestaurierung gesammelt und vertieft.

Von Dresden nach Tokyo

Eine von den sogenannten Vogelbauervasen aus der Porzellansammlung befindet sich gerade im National Research Institute for Cultural Properties (TOBUNKEN) in Tokyo und wird dort restauriert. Zurzeit bereiten die dortigen Spezialisten ein Restaurierungsprojekt vor. Die richtigen Restaurierungsarbeiten sollen Anfang 2017 beginnen. Ich freue mich sehr eine Möglichkeit zu haben, den Restaurierungsprozess begleiten zu könnten und von japanischen Experten zu lernen.

Bei der Arbeit: Restaurierung Japanischer Imari Vasen mit Lackauflagen

 

 

 

 

Tagungsband „Forschungen zu Hans Posse“ erschienen

Donnerstag, 17. September 2015

Im Dezember 2013 fand in der Kapelle des Dresdner Residenzschlosses die Tagung „Forschungen zu Hans Posse“ statt – gut besucht und viel beachtet, auch wegen des damals gerade offenbar gewordenen „Schwabinger Bilderfundes“ (auch bekannt als „Fall Gurlitt“). Nun ist der Dresdner Sammelband zu Hans Posse erschienen. Er fußt auf den Vorträgen der Tagung, geht aber inhaltlich weit darüber hinaus: die Beiträge wurden für den Druck überarbeitet und erweitert, zusätzliche Aufsätze und ein umfangreicher Quellenanhang wurden aufgenommen.

Hans Posse (geboren 1879 in Dresden, gestorben 1942 in Berlin) ist eine der wichtigsten und gleichzeitig eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Museumsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Dresdner Gemäldegalerie, der er von 1910 bis zu seinem Tode 1942 als Direktor vorstand, modernisierte er behutsam und prägte sie nachhaltig. Einerseits war er als Kenner altmeisterlicher Kunst, vor allem der italienischen, aber auch der deutschen und holländischen, früh international geschätzt. Andererseits aber war Hans Posse seit 1939 tief in das europaweite System des NS-Kunstraubes verstrickt.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf Hans Posses Verhältnis zur (damals) zeitgenössischen Kunst, zu den Werken beispielsweise von Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Edvard Munch und Otto Dix, von Ernst Ludwig Kirchner und anderen Künstlern der „Brücke“, aber auch zu denen von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. Erworben hat er deren Bilder mit abwartender Zurückhaltung und in geringer Zahl, doch er stellte sie immerhin als Leihgaben der Stadt Dresden und des Patronatsvereins der Gemäldegalerie aus. Zudem repräsentierte er die Weimarer Republik als Kurator der Internationalen Dresdner Kunstausstellung 1926 und als Kommissar des deutschen Pavillons auf den venezianischen Biennalen 1922 und 1930 – gewissermaßen als Kulturbotschafter des Deutschen Reiches –, indem er den aktuellen Kanon zeitgenössischer deutscher Kunst auf internationalem Parkett vorführte. Nach dem Machtantritt der NSDAP erwies er sich als überraschend resistent gegenüber Eingriffsversuchen der NSDAP in die Bestände und die Hängung der Galerie – was angesichts seiner persönlichen Entwicklung ab 1939 erstaunlich ist. In der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Dresdner Rathauses waren im Herbst 1933 keine Galeriebilder zu sehen. Noch bis Juli 1937 zeigte er in der Sempergalerie Werke von Nolde, Kokoschka, Hofer und Dix. Die Bilder des von ihm hoch geschätzten Max Liebermann entfernte er erst nach ausdrücklicher Aufforderung des ihm vorgesetzten Ministeriums am 3. August 1937, gab sie aber nicht heraus, sondern deponierte sie.

Der zweite Schwerpunkt des Bandes thematisiert Hans Posses verhängnisvolle Rolle als Adolf Hitlers Sonderbeauftragter für ein „Führermuseum“ und den „Sonderauftrag Linz“. Obwohl zeitlebens kein Nationalsozialist im ideologischen, parteipolitischen Sinne und – nach einem gescheiterten Versuch dazu 1933/34 – auch nie Mitglied der NSDAP, war Posse ab Juni 1939 als Sonderbeauftragter der führende Kunstbeschaffer des NS-Regimes. Diesen Auftrag übernahm er ohne erkennbare Skrupel oder Hemmungen und setzte dabei all seine Professionalität, sein Wissen und Können ein. Europaweit reklamierte und akquirierte er für den Sonderauftrag geraubte Kunstwerke jüdischer Sammler im vollen Bewusstsein von Herkunft und Entziehungskontext; durch ihn wurde das Linz-Projekt zu einem Hauptelement des internationalen NS-Kunstraubs.

Angesichts der mit dem „Fall Gurlitt“ intensivierten, ja zugespitzten Diskussionen über den Umgang mit NS-Raubkunst und mit „entarteter“ Kunst sind die Themen und Thesen der Dresdner „Forschungen zu Hans Posse“ von großer Aktualität. Denn gerade der mediale und politische Umgang mit dem „Fall Gurlitt“ hat einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, dass es zu einer kompetenten und zielführenden Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe der deutschen Geschichte weiterer Grundlagenforschungen bedarf.

Kennerschaft zwischen Macht und Moral.
Annäherungen an Hans Posse (1879-1942).

Herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Gilbert Lupfer und Thomas Rudert.
436 Seiten, 52 farb. und 45 s/w-Abb.
Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien 2015.
ISBN 978-3-412-22424-0.
€ 39,90

Einblicke in die aktuelle Fotokampagne in der Porzellansammlung | Impressions of current photo week in the Porcelain Collection

Samstag, 30. Mai 2015


deutsch english

Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes der Porzellansammlung der SKD werden seit Oktober 2014 unsere ostasiatischen Porzellane aus der ehemaligen Königlichen Sammlung professionell fotografiert. Der größte Teil des vorhandenen Bildbestandes besteht derzeit aus Arbeitsfotos, die keine ausreichende Erfassung dreidimensionaler Objekte gewährleisten, häufig existieren nur ein bis zwei Ansichten. 8000 Objekte aus China und Japan werden jetzt erstmals systematisch fotografisch erfasst.

Nach den bisherigen Foto-Sessions im Depotbereich hatten wir im März die Möglichkeit in der nördlichen Bogengalerie der Porzellansammlung zu arbeiten, um dort eine der dichtbestücktesten Wände mit ca. 800 unterglasurblauen kangxi-zeitlichen Porzellanen zu fotografieren. Eine Aufgabe, die nur in einem gut funktionierenden Team zu stemmen ist, das ohne Fotograf Adrian Sauer und seinen Kollegen Alexander Schmidt sowie die beiden Restauratorinnen, Silke Rohmer und Magdar Kozar nicht möglich gewesen wäre. Adrian Sauer (Fotograf) ließ für diese herausfordernde Aufgabe ein speziell zugeschnittenes Fotozelt anfertigen und die Arbeit konnte beginnen.


© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Innenraum des Zeltes ermöglichte nicht nur ein effizientes Arbeiten, sondern auch fotografische Ergebnisse in höchster Qualität. Auch hier ist Teamgeist gefragt: denn für die beiden Fotografen muss das Porzellan von einer weiteren Mitarbeiterin für die Aufnahmen zunächst aufgestellt und dann gedreht werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Miniaturvasen bis zu großen Monumentalvasen wird jedes Objekt allseitig erfasst.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Bilder werden sofort nach der Aufnahme sowohl im Dateinamen als auch in den eingebetteten Metadaten mit der Inventarnummer der Porzellansammlung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach Abnahme der Porzellane von der Wand erfolgte ihre Reinigung.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dabei werden die Inventarnummern und die Maße der Objekte überprüft bzw. vervollständigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Und wenn alles abgenommen ist, erscheint die Wand völlig kahl.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Doch die Vorbereitungen zur Wiederanbringung sind bereits in vollem Gange. Die unzähligen kleinen Koppchen werden mit Wachs auf den Konsolen befestigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Anschließend werden die Teller mit einer Halterung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

...und können damit sicher an der Wand befestigt werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein großer Dank gilt ALLEN Beteiligten und Helfern, die es ermöglicht haben, diese Foto-Wochen erfolgreich zu beenden – wir konnten mehr als 850 Objekte fotografieren.

„Die Biografie der Objekte“ erforschen und erzählen – Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes

Donnerstag, 28. Mai 2015

Was hat ein ‎expressionistisches Gemälde mit der Himmelsscheibe von Nebra zu tun, was ein Ziegelscherben aus ‎dem Irak mit einem Federschmuck aus den Anden? Ganz einfach: Sie fanden alle Eingang in Museumssammlungen und besitzen doch jeweils eine ganz individuelle Biografie. Somit sind sie, wie unzählige andere Objekte in Ausstellungen und Depots von Museen, Gegenstand der Provenienzforschung, die diese jeweilige Geschichte der Objekte untersucht und beschreibt.

„Die Biografie der Objekte“, so lautete das Thema der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes, die vom 3. bis 6. Mai in Essen stattfand. Eindrucksvoller Rahmen waren die Gebäude der  Zeche Zollverein, in denen heute u.a. das Ruhr Museum untergebracht ist.

Vor der Kulisse der Zeche Zollverein v.l.n.r.: Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor der Stiftung Ruhr Museum), Reinhard Paß (Oberbürgermeister der Stadt Essen), Anne Henk-Hollstein (Landschaftsverband Rheinland), Prof. Dr. Eckart Köhne (Präsident des Deutschen Museumsverbundes), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien) und Isabel Pfeiffer-Poensgen (Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder); Foto: Michael Rasche, Dortmund

Vor der Kulisse der Zeche Zollverein v.l.n.r.: Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor der Stiftung Ruhr Museum), Reinhard Paß (Oberbürgermeister der Stadt Essen), Anne Henk-Hollstein (Landschaftsverband Rheinland), Prof. Dr. Eckart Köhne (Präsident des Deutschen Museumsverbundes), Prof. Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien) und Isabel Pfeiffer-Poensgen (Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder); Foto: Michael Rasche, Dortmund

Kulturstaatsministerin Monika Grütters, selbst erfahren in der Museumsarbeit, beschrieb in ihrer Eröffnungsgerede ein wachsendes Interesse der Öffentlichkeit im Allgemeinen und der Museumsbesucher im Besonderen an diesen Objektgeschichten – und konstatierte, dass Museen zunehmend bereit seien, sich mit den Provenienzen ihrer Schätze forschend auseinander zu setzen, und hier auch bereits von sich aus aktiv seien. An die Medien appellierte sie, endlich wahrzunehmen, dass die Museen in Deutschland sich ihrer Verantwortung für die Suche nach NS-Raubkunst bewusst sind. Unterstützung bei ihrer Arbeit in diesem Bereich würden sie u.a. durch die neu gegründete Stiftung „Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ in Magdeburg erfahren. Die NS-Raubkunst sei dabei aber keineswegs das einzige Thema für die Provenienzforschung, daneben eröffneten sich noch andere, neue Tätigkeitsfelder.

Ihnen waren die einzelnen Panels der Jahrestagung am Montag und Dienstag, 4. und 5. Mai, gewidmet. Dazu gehören die Objektbiografien des sogenannten Kulturguts aus der Kolonialzeit, also außereuropäische Objekte unterschiedlichster Art, die vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert in die Museen kamen, als systematische Erwerbungen von wissenschaftlichen Expeditionen ebenso wie beispielsweise als Erinnerungsstücke von Missionaren. Viele Erwerbungswege sind zumindest aus heutiger Sicht höchst fragwürdig, erscheinen unmoralisch, illegitim oder illegal. Die „human remains“, Überreste von Menschen, die westliche Museen wie selbstverständlich sammelten, bilden dabei nur die makabere Spitze des Eisberges. Besonders für sie gibt es seit einigen Jahren Rückgabeforderungen aus manchen Herkunftsländern. Wie damit umzugehen ist, dafür haben die Museen bisher noch kaum allgemeingültige Lösungen, Patentrezepte gibt es nicht.

Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Durch die politischen Ereignisse in Syrien und im Irak sind in den letzten Monaten archäologische Kulturgüter in den Fokus gerückt, die oftmals aus Raubgrabungen stammen und illegal in den Kunsthandel eingeschleust werden. Nicht nur der Nahe Osten ist davon betroffen, sondern genauso Italien und Griechenland oder Südamerika. Deutschland ist durch seine großzügige Gesetzgebung eine Drehscheibe für den Handel mit Raubgrabgut, und so erwarten die Museen hier einiges von einer geplanten Gesetzesänderung. Bis dahin, so ein Vorschlag der lebhaften Diskussion während der Tagung, sollte auf den Erwerb archäologischer Objekte am besten verzichtet werden.

Auftakt der Podiumsdiskussion Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Auftakt der Podiumsdiskussion Teilnehmer an der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes; Foto: Michael Rasche, Dortmund

Ein weiteres, wieder ganz anderes Problemfeld hingegen eröffnete die Frage, wie mit Kunstwerken umgegangen werden soll, die in der DDR entzogen oder enteignet wurden. Das ist keineswegs ein spezielles Problem ostdeutscher Museen, denn viele dieser Werke wurden zum Zwecke der Devisenbeschaffung (Stichwort: Schalck-Golodkowski) in den Westen verkauft. So deutlich wie auf dieser Tagung war das zuvor selten gesagt worden. Auf diesem Feld war auch die langjährige Erfahrung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden besonders gefragt. Als Teilnehmer an diesem Panel konnte ich skizzieren, wie die Handlungsspielräume der Museen aussehen: Sie sind Beteiligte in einem gesetzlich geregelten Verfahren und können keineswegs frei über Restitutionen entscheiden.

Die Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes hat keine einfachen Lösungen für die vielfältigen Probleme präsentiert – statt dessen hat sie gezeigt, dass es notwendig ist, die Provenienzforschung insgesamt weiter zu stärken, dass ihre Themen vielfältiger sind als in der Öffentlichkeit bisher bekannt und dass die Museen selbstbewusster ihre Möglichkeiten und Grenzen in diesem Bereich einschätzen und benennen sollten.

Autor: Prof. Dr. Gilbert Lupfer - Leiter Forschung und wissenschaftliche Kooperation der SKD; Foto: Jürgen Lösel

Autor: Prof. Dr. Gilbert Lupfer - Leiter Forschung und wissenschaftliche Kooperation der SKD; Foto: Jürgen Lösel

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilnahme von Dr. Anita Wang am Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen | Dr. Anita Wang attends a Network Meeting of the Alexander von Humboldt Foundation in Bremen

Mittwoch, 20. Mai 2015


deutsch english

Mit diesem Beitrag starten wir eine Reihe von Blogbeiträgen zu den Forschungsaktivitäten an den SKD. Zunächst berichten wir über das Ausstellungs- und Forschungsprogramm Europa/Welt, das von der Museum & Research Foundation unterstützt wird und derzeit acht Forschungsprojekte umfasst. Dr. Anita Wang aus dem Projekt »Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof« macht den Auftakt:

Anita Wang auf dem Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen

Dr. Anita Wang beim Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen

Mein Name ist Anita Wang und ich bin im Rahmen eines Post-Doktoranden-Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung von Januar 2015 bis Ende 2016 innerhalb des Forschungsprogramms Europa/Welt an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden tätig. Ich arbeitete gemeinsam mit Dr. Cordula Bischoff an dem Projekt »Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof«. Im Fokus meiner Forschungen stehen Werke aus der frühen Qing-Dynastie. Diese umfassen vor allem Gemälde, Holzschnitte, Kupferstiche und Grafiken aus dem Bereich chinesischer Volkskunst. In diesem Fachgebiet habe ich 2013 an der Tianjin Universität mit Schwerpunktsetzung auf chinesische Holzschnitte promoviert.
 
Vom 15. bis 17. April 2015 habe ich am Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen teilgenommen und wurde aufgefordert, meine Arbeit im Rahmen einer interdisziplinären Gruppe (Sprach- und Literaturwissenschaften, Fremdsprachen, Kultur- und Kunstwissenschaften) zu präsentieren. Das Bild zeigt mich bei der Posterpräsentation, die einige zentrale Fragen meiner Forschungsarbeit thematisierte:
 
Welche Einblicke geben die Kunstwerke in die gesellschaftlichen Strukturen Chinas?
 
Wie haben das europäische Publikum und Reiseberichterstatter diese Themen im Wandel der Zeit wahrgenommen?
 
Gibt es bestimmte Tendenzen in den Druckformaten, die von europäischen Sammlern erworben wurden und wie wirkten sich diese auf den damaligen Kunstmarkt aus?
 
In wie weit beeinflussten Nachfrage und Vorliebe der europäischen Käufer die Produktion in China für den Export-Markt?
 
Welche Unterschiede gibt es zwischen Drucken, die für den heimischen chinesischen Markt hergestellt wurden, und solchen, die exklusive für den Export nach Europa bestimmt waren?
 
In wie weit ist die etablierte strikte Trennung zwischen chinesischer Volkskunst und Hochkunst noch zeitgemäß?
 
In wie weit gab es einen Austausch zwischen der künstlerischen Elite und weiteren, traditionellen Kunstrichtungen in China?
 
Wie gestaltete sich der wachsende Einfluss der westlichen Kunsttechniken in die verschiedenen Bereiche der chinesischen Kunst?
 
Wie reflektieren die Werke die Rolle der Frau in der zeitgenössischen chinesischen Gesellschaft?

© Kupferstichkabinett, SKD  © Kupferstichkabinett, SKD

(links) Two Cats and Flowers, 耄耋富贵(Mao Die Fu Gui),Suzhou Chia, Chinesisch, (Qing-Dynastie, Ära Kangxi) 18. Jh, vor 1738, da in Inventar von 1738 genannt. Suzhou. Wood-block Chinese New Year print, Wood-cut in eight colors, 360 x 190 mm, © Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
(rechts) A Lady Throwing Fruits to Panan, 潘安掷果(Pan An Zhi Guo), Suzhou China, Chinesisch (Qing-Dynastie, Ära Kangxi), 17. Jh., Wood-block print, Wood-cut in five colors and hand-painted in three colors , 276 X 298 mm, © Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden