Mit ‘Dresden’ getaggte Artikel

Revolutionäres Konzept

Donnerstag, 23. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 16. August in der Kunsthalle im Lipsiusbau zu sehen.

In dem Themenbereich „Konzept“ stehen sich zwei Kleiderschränke aus den Hellerauer Werkstätten einander gegenüber. Sie sehen sich zum beinah Verwechseln ähnlich und verraten jedoch durch einen Unterschied – die verwendete Holzart – anschaulich das dahinterstehende Produktionskonzept.

Der Entwurf von Richard Riemerschmid bietet eine minimal individuelle Entscheidung zwischen Lärche und Eiche  © SKD,  Foto: Amac Garbe

Der Entwurf von Richard Riemerschmid bietet eine minimal individuelle Entscheidung zwischen Lärche und Eiche © SKD, Foto: Amac Garbe

Beide Schränke stammen aus der Serie „Das Dresdner Hausgerät“ der Deutschen Werkstätten Hellerau. Sie sind damit Teil des ersten sogenannten Maschinenmöbelprogrammes, das 1906 von den Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst auf der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden der Öffentlichkeit präsentiert worden war. Das Wohnkonzept war auf die industrielle Massenfertigung hochwertig gestalteter Möbel ausgelegt. Die dadurch bedingte Ornamentlosigkeit erforderte ein besonderes Geschick des Entwerfers: Klare Linien und ausgewogene Proportionen, die natürliche Maserung des Holzes, die stark prononcierte Rahmen-Füllungs-Konstruktion der Türen und Seitenwände sowie die funktionell als Ornamentersatz umfunktionierten Beschläge bestimmten nun die Erscheinung. Die Konsumenten konnten, je nach Geschmack und finanziellen Möglichkeiten, verschiedene Variationen auswählen und individuell zusammenstellen. So hatte zum Beispiel die Wahl der Holzart unterschiedliche Preise für das „gleiche“ Produkt zur Folge. Auf diese Weise war das Sortiment der Hellerauer Werkstätten für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Mit den zerlegbaren, flach verpackbaren und damit einfach zu transportierenden Möbeln nahmen die Hellerauer Werkstätten ein Jahre später in der Möbelherstellung gängiges Konzept vorweg. Sie haben mit der Entwicklung des Industriemöbels vor dem Bauhaus das Design revolutioniert. Sie stellen daher ein wichtiges Stück der Geschichte des europäischen Möbeldesigns dar.

Die falsche Blume – Die Sage der Lore

Freitag, 17. Juli 2015

Seit dem 27. Juni zeigt unser Kunstgewerbemuseum die Ausstellung „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“ im Wasserpalais, im Schloss Pillnitz. Begleitend zur Ausstellung findet Ihr hier die neue Blogserie zu dieser sommerlichen Schau.

Blume „Lore“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Blume „Lore“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Der bekannte Berliner Produktgestalter Hermann August Weizenegger schrieb anlässlich der Ausstellung die Sage der Lore, einer Blumenmacherin, die in der Nähe von Sebnitz gelebt haben soll, nieder. Wie so oft in den Arbeiten Hermann August Weizeneggers bleibt unklar, was an dem Märchen der Lore echt ist und was von ihm gefälscht wurde. Doch macht euch selbst ein Bild:

Es war schon Ende Mai des Jahres 1880 in der Gegend von Altendorf nahe Sebnitz in der Sächsischen Schweiz – doch der Winter wollte und wollte kein Ende nehmen. Dicke Eisschichten bedeckten das Land und fast jede Nacht schneite es erneut. Die Menschen waren verzweifelt und man munkelte bereits von einer neuen Eiszeit. Selbst das traditionelle Austreiben des Winters an Fastnacht hatte keine Veränderung gebracht. Die ärmliche Landbevölkerung litt Hunger, die Bauern konnten nicht säen und die Wintervorräte waren fast aufgebraucht. Die einzige Arbeit, die noch Einkommen brachte, war das „Blümeln”. Die Bauern saßen zu Hause in ihren Stuben und banden Kunstblumen, welche sie für den Blumenfabrikanten Louis Meiche aus der Stadt Sebnitz anfertigten. Das Geschäft mit den Kunstblumen gedieh zu dieser Zeit prächtig, da die Leute aus der Sebnitzer Gegend sich als sehr geschickt in dem Handwerk erwiesen und ihre Blumen in die ganze Welt exportiert wurden.

Unter den Blumenheimarbeitern war auch das zarte und hübsche Mädchen Lore Albrecht. Sie hatte ihr Handwerk bereits im Alter von acht Jahren erlernt. Ihre Eltern waren früh gestorben und sie lebte nun bei ihrer Großmutter auf einem kleinen Hof, der kaum das Nötigste zum Leben abwarf. Trotz ihres Alters von mittlerweile 21 Jahren war sie noch ungebunden. Von jeher war sie störrisch und dickköpfig gewesen. So kam es ihr eines Tages in den Sinn, nicht nur Blüten nach dem Vorbild der Natur zu fertigen. Angeregt vom Weiß der Schneeglöckchen – ihrer Lieblingsblumen, da sie den Frühling einläuten – ließ sie sich zu den fantastischsten und außergewöhnlichsten Blütenformen hinreißen.

Als die Großmutter die ungewöhnlichen Erzeugnisse von Lores Phantasie entdeckte, redete sie streng auf sie ein: Louis Meiche werde ihr solch merkwürdige Blüten niemals abkaufen, sie seien gegen die Natur. Ihr aller Überleben sei von dem Verdienst abhängig, deswegen solle sie die gleichen Blumen wie immer fertigen, wie es auch alle anderen täten. Lore aber zeigte keine Einsicht. Bei der Auseinandersetzung mit der Großmutter stach sie sich unachtsam mit der Nähnadel in den Finger und das Blut tropfte auf den Rand ihrer weißen Kunstblüten. Nach dem ersten Schreck fand sie Gefallen an der Verfärbung und schließlich versah sie auch alle anderen Blumen mit ihrem Blut.

Trotz schwerer Schneestürme machte sie sich am nächsten Morgen auf den Weg nach Sebnitz. Tief gebeugt zog sie ihren mit Kunstblumen beladenen Schlitten durch den Pulverschnee. Nach einigen Stunden mühseligen Wanderns sah sie endlich aus der Entfernung die Umrisse der Manufaktur. Sie hatte sich als einzige des gesamten Umlandes bei diesem stürmischen Wetter auf den Weg gemacht und wurde sofort zu Louis Meiche – von seinen Angestellten heimlich gerne „Geldsack“ genannt – vorgelassen. Als der Geschäftsmann die mit Blut verzierten Kunstblüten des Mädchens sah, war er entsetzt. Solch eine Blume kannte er nicht, sie hatte weder Ursprung noch Namen. Er weigerte sich, die Kreationen anzunehmen und schickte das Mädchen wieder nach Hause.

Dekorbild „Die falsche Blume“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Meissen Couture ®, Meissen, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Dekorbild „Die falsche Blume“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Meissen Couture ®, Meissen, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Lore war verzweifelt und bereute nun ihre Dickköpfigkeit. Da der Sturm etwas nachgelassen hatte, beschloss sie, eine Abkürzung über den zugefrorenen Sebnitzer Fluss zu nehmen. Wirre Gedanken schossen ihr durch den Kopf, als sie die Eisfläche betrat. Eigentlich hätte sie Brot von ihren Einnahmen kaufen sollen und nun stand sie mit leeren Händen da. Wie sollte sie sich und ihre Großmutter in den nächsten Tagen ernähren? Als sie schon fast das andere Ufer erreicht hatte, krachte und knackte es plötzlich im Eis, auf dem sie lief. Lore brach ein und sank bis zum Oberkörper ins Eiswasser. Sie strampelte und versuchte vergeblich, sich zurück aufs Eis zu ziehen, als ihr plötzlich der Flussteufel in den Sinn kam. Von jeher war sie ermahnt worden, nicht auf dem gefrorenen Fluss zu laufen, um den Teufel nicht zu stören. Nun rief sie in ihrer Verzweiflung laut nach ihm. In seinem Winterschlaf unterbrochen, erboste sich der Flussteufel zunächst über das schreiende und um sein Leben kämpfende Mädchen, zeigte aber schließlich doch Mitleid und gab sie mit einem Schub frei.

Zitternd und frierend schleppte Lore sich mit ihrem Schlitten den langen Weg nach Hause, wo sie in der Stube zusammenbrach. In den Armen der Großmutter erzählte das Mädchen mit hohem Fieber, was sie erlebt hatte und starb noch in derselben Nacht.

Wie es der Brauch bei verstorbenen Jungfrauen erforderte, fertigte die Großmutter einen Totenkranz. Aus der Not heraus und weil sie nichts anderes hatte, band sie das Gesteck aus Lores Phantasieblumen. Bei der Beerdigung Anfang Juni lag noch immer hoher Schnee.

Als der Sarg bei der Prozession zur Kapelle getragen wurde, fegte plötzlich ein Windstoß den Totenkranz vom Sarg. Er wirbelte durch die Luft, bis er seitlich des Weges im Schnee zu liegen kam.

Dann passierte etwas Erstaunliches. Vom Kranz aus Lores Phantasieblumen schien sich eine seltsame Wärme auszubreiten. Rings um ihn herum begann der Schnee zu schmelzen. Mehr und mehr zog sich das Eis zurück und verschwand. Schon bald kam der hartgefrorene Erdboden zum Vorschein. Die Menschen blickten sich mit offenen Mündern an, sie konnten es nicht fassen. Mehr und mehr wich der Schnee um den Leichenzug herum zurück und schon wenige Tage später war der Frühling in die gesamte Gegend eingezogen. Die Menschen konnten aufatmen, der Winter war endlich vorbei.

Lores Kranz aber bekam einen Ehrenplatz im Glaskasten der Kapelle von Lichtenhain. Vermutlich war es der Pastor, der sich nach einiger Zeit getraut hatte, ihn aufzuheben und, wie es von jeher die Tradition war, in die Vitrine zu legen. Den Menschen der Gegend blieb das Ereignis für lange Zeit in fester Erinnerung. In lang anhaltenden Wintern versammelten sie sich in der Kapelle vor dem Totenkranz. Sie schlossen das Mädchen in ihre Fürbitten ein und betrachteten dabei das seltsame Gesteck aus diesen falschen Blumen.

Anlässlich der Ausstellung hat sich Hermann August Weizenegger mit dem sogenannten „Blümeln“, der handwerklichen Kunstblumenherstellung, auseinandergesetzt und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kunstblume Sebnitz zwei zeitgemäße Blütenvarianten entwickelt.  Mit den beiden Blumen als Leitmotiv inszeniert er nun in zahlreichen Szenenbildern die Sage der Lore. Hierzu erfahrt Ihr in den kommenden Wochen noch mehr.

Blume „Sebnitzer Flussteufel“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

Blume „Sebnitzer Flussteufel“, Entwurf: Hermann August Weizenegger, Ausführung/Manufaktur: Deutsche Kunstblume Sebnitz, PTZ-Prototypenzentrum GmbH, Sebnitz, Dresden, 2015 © SKD, Foto: Ronald Bonss

 

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.

 

 

 

 

Scheinbar unendlich

Donnerstag, 09. Juli 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau wurde bis zum 16. August verlängert!

Der Bereich „Unendlich“ der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ präsentiert, fliesenartig angeordnet, unterschiedlichste japanische Druckpapiere. Wie viele dieser japanischen Papiere es in verschiedenen Sammlungen gibt, ist nicht bekannt. Ursprünglich ein Verbrauchsgut, welches in wenigen Werkstätten heute noch hergestellt wird, wurden diese Papiere Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa begeistert gesammelt. Diese Begeisterung kann man umso besser nachvollziehen, sobald man den Ausstellungsbereich betritt. Die Muster scheinen in unzählbar vielen Variationen zu existieren, man entdeckt immer wieder originelle Details und wird ständig aufs Neue überrascht.

Themenbereich „Unendlich“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Themenbereich „Unendlich“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Papier als Material wurde aus Korea nach Japan eingeführt, die Papierdrucktechnik Karakami (Druck mit Holzstempeln) hingegen aus China. Bis ins 12. Jahrhundert hinein erlebte sie eine Blüte, verschwand anschließend fast völlig, um in der Edo-Zeit (1603 –1868) vor allem für Zwischenwände, Paravents, Schiebetüren, Schachteln und Kleinmobiliar eine Wiedergeburt zu erleben. 1872 erreichte ein Gesuch der sächsischen Papierindustrie das Ministerium des Innern mit der Bitte um Erwerb von Papierproben in Japan, da eigene Initiativen fehlgeschlagen waren.  546 Musterpapiere unterschiedlicher Papierdrucktechniken kamen ein halbes Jahr später in Dresden an. Diese sowie ein ausführlicher Bericht zur Papierherstellung und ein Verzeichnis über 220 verschiedener Papiersorten wurden der Direktion der Technischen Deputation übergeben. 1875 wurden die 546 Papiere dem Museum übereignet. Laut Inventar besitzt das Kunstgewerbemuseum fast 900 Stück, beachtliche Anzahl. Bei genauer Betrachtung begeistern die beinahe unendlichen Musterkombinationen, aber es wird auch deutlich, dass nicht alles aus Japan reduziert und abstrakt ist. Vieles ist üppig oder einfach nur „herzig“. Die Identifizierung dieses Konvolutes aus dem Gesamtbestand, der Abgleich mit der Liste der Papierarten sowie die Zuordnung der einzelnen Inventarnummern wird ein spannendes Puzzle für die Mitarbeiter des Kunstgewerbemuseums nach dieser Ausstellung.

Ausstellungsansicht der japanischen Druckpapiere © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der japanischen Druckpapiere © SKD, Foto: Amac Garbe

Teil II: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Mittwoch, 17. Juni 2015

Anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Münzkabinetts sprachen wir mit dem Direktor Dr. Rainer Grund.
Hier
der erste Teil des Gesprächs zum Nachlesen.

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Welche Voraussetzungen muss ein Objekt erfüllen, damit es für Ihr Museum infrage kommt?
Im Allgemeinen kann man drei Kriterien für die Bewertung eines Objektes nennen: Die künstlerische Qualität, der Wert – der sich aus dem materiellen Wert und dem kulturgeschichtlichen Wert zusammensetzt – und die Seltenheit. Um Ankäufe zu tätigen, bedarf es natürlich auch der hierfür benötigten finanziellen Mittel, diese schränken dann die Wahl in bestimmtem Maße ein. Wir besitzen keine abgeschlossene Sammlung, da sich die numismatischen Gegenstände immer weiterentwickeln. Wir versuchen, durch Schenkungen unsere Sammlung zu erweitern. Allerdings ist es auch hier so, dass wir aus Kapazitätsgründen nicht alles aufnehmen können, denn um die Sammlungsvielfalt weiterhin zu gewährleisten, können wir nicht von einem Objekt mehrere Exemplare annehmen.

Wie sind Sie zu dieser Ausstellungskonzeption gelangt? Bei rund 300.000 Objekten ist es sicherlich ein langwieriger und schwieriger Prozess, sich zwangsläufig auf einen Bruchteil der Objekte der Sammlung beschränken zu müssen.
Die Dauerausstellung wurde nicht von einem Nullpunkt aus konzipiert. Als Grundlage diente die jahrelange Dauerausstellung im Albertinum, die durch die räumlichen Gegebenheiten nur begrenzt der Sammlungsbreite des Münzkabinetts gerecht wurde. Daher war es für uns umso wichtiger, mit dieser Neukonzeption das ganze Spektrum des Münzkabinetts  – von Münzen über Medaillen, Orden bis zum Papiergeld, von der Antike bis zu Neuzeit  -  aufzuzeigen. Aus diesem Grunde war die zukünftige Themengliederung bereits in einem relativ frühen Stadium der Planung klar. Der Auftaktraum sollte den Bergbau und die Münzprägung in Sachsen als Spiegel der Landesgeschichte repräsentieren. Diese Thematik des Raumes veranschaulicht der Annaberger Bergaltar in Perfektion und macht die historische Herstellung von Münzen für den Besucher greifbar. Außerdem war uns wichtig, auch nichtnumismatische Objekte zu zeigen, da diese die Ausstellung auflockern und die Illustrationen der Themen bereichern.

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Warum sollte uns der nächste Museumsbesuch nicht zu Liebermann, Monet und den Brücke-Malern führen, sondern zu König Sigismund III. von Polen und der ihm gewidmeten Goldmünze?
Das eine sollte das andere in keinem Falle ausschließen, ich denke der Besucher erweitert sein Blickfeld und sein Allgemeinwissen, wenn er die ganze Vielfalt der Museumslandschaft berücksichtigt.  Daher sind auch einige nichtnumismatische Dauerleihgaben aus anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vertreten, so zum Beispiel aus dem Grünen Gewölbe, dem Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Sächsische Volkskunst, der Skulpturensammlung, der Rüstkammer und in einem größeren Anteil sogar aus den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen. Es freut uns natürlich, wenn durch die Neuinszenierung des Münzkabinetts mehr Besucher auch in den doch spezielleren Bereich der Numismatik hineinschauen. Um den unterschiedlichen Interessen der Besucher gerecht zu werden, gibt es auch einen speziellen Audioguide (in Deutsch, Englisch und Russisch), der besonders für Einsteiger geeignet ist. Für Fortgeschrittene hingegen bieten wir einen interaktiven Katalog an der sukzessiv erweitert wird. Hier kann man deutlich mehr Informationen zu den Objekten erhalten als dies eine kurze Vitrinenbeschriftung vermag, sogar ein Heranzoomen an die Objekte und das Betrachten der Rückseite ist hier möglich.

Haben Sie vor, die Dauerausstellung in späteren Zeiten umzudisponieren? Ganze Vitrinen gar ganz neu zu gestalten?
Wir werden wohl zunächst einmal erleichtert aufatmen, sobald wir die neue Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentieren können. Ich denke, die jetzigen Akteure werden aller Voraussicht nach keine grundlegenden Veränderungen vornehmen. Eine Neugestaltung der Ausstellung ist zu einem späteren Zeitpunkt und bis zu einem gewissen Grad aber durchaus denkbar. auch wenn die zugeschnittene Vitrinenarchitektur dieses mögliche Vorhaben wohl etwas einschränken wird. Allerdings darf der Besucher sich auch auf neue – auch speziellere – Themenschwerpunkte in dem noch zu konzipierenden Sonderausstellungsraum freuen, dort besteht beispielsweise die Möglichkeit, Neuerwerbungen zu präsentieren.

    Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Haben Sie ein Lieblingsstück? Wenn ja, welches wäre hier zu nennen?
Ich habe bereits meine Dissertation auf dem Gebiet der historischen Medaillenkunst verfasst, daher liegt mein besonderes Interesse auch in diesem Bereich. Mich faszinieren besonders die sächsischen Medaillenkünstler des Barock und somit ihre Werke, doch kann ich mich hier nicht auf nur einen Künstler festlegen, denn es gab verschiedene herausragende Künstler in dieser Zeit, es würde die anderen Künstler zu Unrecht degradieren.

Was genau fasziniert Sie an Münzen so sehr?
Die Faszination wächst mit der Beschäftigung über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Münzen und Medaillen sind eine Welt „en miniature“, in diesen kleinen Zeugnissen spiegelt sich der Kosmos der Menschheitsgeschichte wieder und in jedem auf eine andere Art und Weise, die Gesamtheit macht es schließlich. Das fasziniert mich und so wird es wohl auch mein ganzes Leben lang bleiben.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

Teil I: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Samstag, 06. Juni 2015

Nach elfjähriger Schließzeit wird die neue Dauerausstellung des Münzkabinetts in einer einzigartigen Präsentation und mit deutlich erweitertem Umfang im zweiten Obergeschoss des Georgenbaus ab dem 7. Juni 2015 erstmalig für das Publikum zu sehen sein. Mit dieser Schatzkammer bereichert die traditionsreiche Münzsammlung, die zu den drei großen ihrer Art in Deutschland gehört und von europäischer Bedeutung ist, die Museumslandschaft in Deutschland um eine weitere wichtige Facette. Die neue, in den Rundgang im Residenzschloss eingebundene Dauerausstellung des Münzkabinetts richtet sich mit ihrer großen Bandbreite an viele weit über das Fachpublikum hinaus interessierte Besucher.

Wie wird man Direktor eines Münzkabinetts? Was geschieht hinter den Kulissen? – Wir sprachen mit Dr. Rainer Grund, seit 2002 Direktor des Münzkabinetts.

Dr. Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, im Silberwaffensaal des Residenzschlosses © SKD

Dr. Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, im Silberwaffensaal des Residenzschlosses © SKD

Wollten Sie schon zu Beginn Ihres Studiums im Museum arbeiten? Wie kam es dazu?
Die Arbeit in einem Museum war für mich bereits vor dem Studium erstrebenswert, schon in der Zeit der erweiterten Oberschule interessierte ich mich bereits für Kunstgeschichte, Museumsarbeit – und in meinem Heimatort Annaberg gibt es das Erzgebirgsmuseum, in dem ich Praktika und auch Ferienarbeit verrichtete. Das war der Beginn meiner Tätigkeit im Museumswesen.

Wie kamen Sie vom allgemeinen Heimatkundemuseum zur Numismatik?
Im Studium musste man bereits sehr früh ein erstes Pflichtpraktikum absolvieren. Ich hatte mich damals für Dresden und das Münzkabinett entschieden. Es blieb allerdings nicht bei nur einem. Im Laufe meines Studiums leistete ich erneut ein Praktikum im Münzkabinett. Hierbei eröffnete mir dessen damaliger Direktor Paul Arnold die Möglichkeit, daraus einen Beruf fürs Leben zu machen.

Wie wurden Sie Direktor des Münzkabinetts?
Nach einer kurzen Phase als wissenschaftlicher Assistent stieg ich zum wissenschaftlichen Mitarbeiter auf. Im Jahre 2002 wurde ich vom damaligen Generaldirektor Martin Roth als Direktor des Münzkabinetts eingesetzt.

Seit wann bereiten Sie die Dauerausstellung vor, solch ein Großprojekt bedarf sicherlich einer langen Vorlaufzeit?
In der Tat, solch ein Vorhaben plant man nicht kurzfristig. Im Prinzip begann alles mit der Wahl des Architekturbüros, das für die Gestaltung der Ausstellungsräume im 1. und 2. Geschoss des Georgenbaus beauftragt wurde. Diese Entscheidung fiel Ende 2007.

Blick in die Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © SKD, Foto: Hans Christian Krass

Blick in die Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © SKD, Foto: Hans Christian Krass

Wo lagen für Sie die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?
Da von Anfang an feststand, welche Räume für die Dauerausstellung in Frage kommen, war es eine Herausforderung, die Münzen – deren angemessene Präsentation nur innerhalb der Augenhöhe zu gewährleisten ist – in den hohen Schlossräumen in Szene zu setzen. Hierbei wurden auch die unterschiedlichen Blickwinkel von Wissenschaftlern und Architekten sichtbar, doch diese Differenzen waren durchaus in der Frage der Präsentationsweise der Objekte hilfreich. Denn es ist besonders wichtig, die Ausstellung immer ansprechend für den Besucher zu gestalten. So entstand auch die Idee eines Leitobjekts für jeden Ausstellungsraum, das pars pro toto für das Thema des jeweiligen Raumes steht. Es ist für einen Wissenschaftler auch eine etwas schmerzliche Erfahrung zu erkennen, dass weniger manchmal mehr ist. Man möchte schließlich sowohl Laien als auch Fachwissende mit dieser Dauerausstellung bedienen.

Welche Erkenntnis, die Sie während der Vorbereitungsphase erlangten, würden Sie gerne mit der Welt teilen?
Zuerst einmal, dass solch ein Großprojekt ohne die tatkräftige Unterstützung aller Beteiligten nicht zu stemmen wäre. Außerdem habe ich erkannt, dass es durchaus nützlich ist, in solche Planungen mit einer gewissen Naivität einzusteigen. Denn wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich wohl nicht mit solch einem Optimismus in dieses Projekt gegangen. Man muss bei solch einem komplexen Projekt immer das große Ganze – und auch den Eröffnungstermin – sehen und darf sich nicht in den täglichen Überraschungen verlieren.

Das Dresdner Münzkabinett gehört ja zu den größten Universalmünzsammlungen Deutschlands, gibt es gegenüber den anderen wichtigen numismatischen Museen eine Spezialisierung?
Wie die  Besucher auch zu Recht erwarten dürfen – und in dieser Erwartung werden sie auch nicht im Geringsten enttäuscht – präsentieren wir in der Ausstellung numismatische Objekte aus Sachsen, in aller Vielfalt. So sind beispielweise im Auftaktraum in der Mittelvitrine alle sächsischen Herrscher albertinischer Linie mit den von ihnen herausgegebenen Gedenkmünzen vertreten. Da sich das Münzkabinett gleichzeitig als eine Forschungseinrichtung versteht, gibt es sogar ein sächsisches Archivgesetz, das besagt, dass alle in Sachsen hergestellten oder beauftragten Medaillen mit einem Belegexemplar dem Münzkabinett zu übergeben sind.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Zur Person:
Dr. Rainer Grund, geboren 1959, absolvierte sein Studium der Kunstwissenschaften 1986 an der Universität Leipzig. In seiner Freizeit erkundet er gerne zusammen mit seiner Gattin historische Städte in der Umgebung, vor allem Böhmen gilt ihr besonderes Interesse. Aber auch Reisen in ferne Länder haben es ihm angetan – so sind sie auch gerne einmal abenteuerlich mit Rucksack unterwegs gewesen. Dabei steht für Rainer Grund immer im Mittelpunkt, unbekannte Reiseziele zu erschließen. Nicht nur der Urlaub dient ihm als Ausgleich zur Arbeit, sondern auch die Lektüre von schöngeistiger Literatur.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation ©SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

 

Zeitstücke – Ganz in sich, aber nicht vollständig

Freitag, 22. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Der Themenbereich „Zeitstücke“ der Schau empfängt den Besucher mit leisem Ticken. Dieses sanfte Geräusch stammt aus dem Inneren der Ausstellungsarchitektur. Man spielt hier mit dem bereits längst vergangenen Nutzen dieser Objekte, denn in diesem Bereich stehen Uhrgehäuse, Uhrwerke, Uhrzeiger und Zifferblätter getrennt nebeneinander und es ist klar, dass sie nur in ihrer Kombination ihrem eigentlichen Zweck, der Zeitmessung, gerecht werden.

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Politik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in den 1960er-Jahren ihre Sammlungen stringenter zu organisieren, führte zu nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen. Ein besonders absurdes Beispiel dafür ist die Caffieri-Uhr, die eine Vereinigung verschiedener Materialien und Künstlerarbeiten ist und nach Materialien aufgeteilt und somit „unlesbar“ gemacht wurde. Benannt ist die Uhr nach dem im Stil des berühmten französischen Bronzebildhauers Jean-Jacques Caffieri (1725 –1792) gearbeiteten, reich bewegten Gehäuse aus gegossener und feuervergoldeter Bronze, das ein hervorragendes Zeugnis des Pariser Kunsthandwerks der 1740er-Jahre ist. Die für diese Uhr passgenau geschaffenen drei Harlekine auf dem Sockel gingen aus der Meissner Porzellanmanufaktur hervor und sind Arbeiten von Johann Joachim Kändler (1706 –1775). Das (verlorene) Uhrwerk stammte wohl von dem französischen Uhrmacher Etienne-Claude Couturier (1768 –1823). Im Zuge der Sammlungsbereinigungen wurde die prachtvolle Uhr schließlich auseinandergerissen: Die Harlekine verblieben in der Porzellansammlung, das Bronzegehäuse wurde 1969 nach Pillnitz abgegeben und ob in diesem Zusammenhang das Uhrwerk an den Mathematisch-Physikalischen Salon weitergegeben wurde oder zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort verloren ging, ist nicht mehr rekonstruierbar.

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

Anders ist es beiden 1880 von „Herrn Hofuhrmacher Weisse“ angekauften, einzelnen Uhrzeigern. Sie wurden im Sinne der Vorbildsammlung losgelöst von den Uhren angekauft, um den damaligen Stand der Metallverarbeitung zu dokumentieren und zur weiteren Erforschung zugänglich zu machen. Nicht nur haben diese Zeiger ihre Uhr und damit ihre Funktion verloren, auch kam ein Großteil des einst 26 Stück umfassenden Konvoluts im Zuge des Zweiten Weltkriegs abhanden.
Insgesamt um 60 Objekte wurde damals die Vorbildersammlung für die Studenten der angegliederten Kunstgewerbeschule erweitert. Neben wertvollen historischen Uhren gehörten auch Einzelteile dazu, darunter 26 Uhrzeiger, von denen heute nur noch fünf vorhanden sind.

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

Und dann gibt es in diesem Bereich noch Gehäuse von Pendule-Uhren. Ihnen wurden aus bisher nicht zu klärenden Gründen die Uhrwerke entnommen. Dadurch wird die aufwändige Boulle-Marketerie, die sonst hinter den Uhrwerken verborgen war, sichtbar. Die Leerstelle im Uhrgehäuse definiert das Objekt funktional wie ästhetisch neu. Die Gehäuse, zu deren Uhrwerken bis auf eine Ausnahme jede Spur fehlt, sind nach dem Zweiten Weltkrieg auf sehr unterschiedlichen Wegen in die Sammlung des Kunstgewerbemuseums gekommen. Ein recht großer Teil stammt aus dem Bestand des Dresdner Residenzschlosses: Ausgelagert in Bergungsdepots im Umland von Dresden hatten die Pendulen das Bombardement überstanden. Jedoch wurden viele dieser Depots aufgebrochen, verwüstet und die Objekte stark beschädigt. Auch später kam es dazu, dass noch vollständige Uhren fragmentiert wurden, indem die Uhrwerke entnommen und willkürlich abgelegt wurden. Durch ihre aufwendige Gestaltung mit kostbarer Marketerie aus Schildpatt, Messing sowie Perlmutt und zuweilen sogar farbig unterlegtem Horn sind die Gehäuse – wenn auch zum Teil nur fragmentarisch erhalten – doch vielsagende Zeugnisse der hohen Qualität des Pariser Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts. Die plastisch durchgebildeten Beschläge bzw. vollplastischen Aufsatzfiguren aus vergoldetem Messing stellen meist auf die Ikonographie der Zeit abgestimmte Motive dar: Häufig schmückt der Gott der Zeit – Kronos – die Pendulen.

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Und nicht verpassen: Wir haben zeitnah ganz besondere Angebote für Euch:

23. Mai 2015 – Öffentlicher Rundgang
Treffpunkt Foyer – 11 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

23. Mai 2015 – Familiennachmittag von 15–17 Uhr
Treffpunkt Foyer – 15 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

26. Mai 2015 – Expertinnenführung: Mitarbeiterinnen des Kunstgewerbemuseums führen durch die Ausstellung und stellen ihre Spezialgebiete vor. Mit Katrin Lauterbach, Schwerpunkt Keramik
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Keine Führungsgebühr

29. Mai 2015 – Direktorinnenführung mit Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums und  Kuratorin der Ausstellung, führt durch die Sonderausstellung.
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

Alle Preise gelten pro Person, Kinder unter 7 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Muster(bücher) der Reformzeit

Freitag, 08. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Ein erfreuliches Angebot ermöglichte es im Jahr 2014 vier Glasurmusterbücher für Kachelöfen der Meißner Teichert-Werke (um 1910 – 20) mit einigen Katalogdokumenten aus der Hinterlassenschaft eines sächsischen Ofensetzers mit Hilfe des Freundeskreises des Kunstgewerbemuseums anzukaufen.

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Kundschaft konnte mittels der Musterbücher aus dem reichen Farbspektrum wählen. Im Meißner Farben- und Glasurenwerk „Bidtelia“ erprobten Professoren und Studenten der Dresdner Kunstgewerbeschule ihre Ideen und führten ebenso Ofenentwürfe für die vier großen Teichert-Werke aus. Auch anerkannte Künstler wie Peter Behrens, Fritz Schuhmacher oder Ludwig Vierthaler wurden mit Ofen und Kaminentwürfen beauftragt. Die auf der Jahresschau Deutscher Arbeit 1925 in Dresden gezeigten Teichert-Öfen erhielten höchstes Lob, sie seien technisch kaum zu übertreffen und auch die Glasuren und Formen verbänden technische Vollendung mit künstlerischem Geschmack, hieß es. Die dem zeitlichen Verfall widerstehenden Glasuren geben heute exzellent die bevorzugte Farbigkeit der Reformzeit wieder. Daher sind die Musterbücher trotz ihrer Unscheinbarkeit und ihrem leicht zerschlissenen Zustand für die Forschung wertvoll, da sie es dank ihres bekannten Entstehungsdatums ermöglichen, andere Kacheln der Sammlung genauer einzuordnen.

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20  © SKD

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20 © SKD

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Schritt für Schritt zur alten Schönheit – Step-by-step: revealing original resplendence – خطوة بخطوة نحو الجمال القديم

Mittwoch, 15. April 2015


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Herzlich Willkommen zu unserer neuen Blog-Reihe, in der wir über die Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers berichten.

Zu Beginn der Arbeiten waren alle einhundert Bauteile des Zimmers in ihrem Bestand gefährdet. Die plastisch erhabenen Reliefverzierungen und die aufwändigen Bemalungen hatten ihre Verbindung zum Holzuntergrund verloren und drohten großflächig abzufallen. Deshalb stand am Beginn des Restaurierungsprojekts die sorgfältige Konsolidierung der originalen Farbschichten.

Abblätterende Farbschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2014

Abblätterende Farbschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2014

Roja Zaroodi beim Festigen der Bemalung © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2014

Roja Zaroodi beim Festigen der Bemalung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2014

Während der Konsolidierung der Farbschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2014

Während der Konsolidierung der Farbschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2014

Nach der Festigung der gelockerten Bemalung werden Leim- und Harzüberzüge abgenommen, die 1899 für den Verkauf des Zimmers nach Deutschland zum Auffrischen der Farben aufgetragen wurden. Diese ursprünglich transparenten Überzüge haben sich durch Alterungsprozesse braun verfärbt und entwickeln Spannungen, die zu Beschädigungen der darunterliegenden Originalfarben führen. Nach der Abnahme dieser späteren Schichten sind nun erstmals seit 100 Jahren wieder die leuchtenden Originalfarben sichtbar.

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Während der Abnahme von Leim- und Firnisschichten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Kleine, weiß hervorblitzende Fehlstellen werden mit Aquarellfarbe eingetönt, um der kunstvollen Gesamtkomposition wieder ihre ursprüngliche Wirkung zurückzugeben. Dabei wird nicht jeder Schaden unsichtbar gemacht, sondern nur die besonders ins Auge fallenden Fehlstellen farblich integriert. Das Zimmer soll mit den Spuren seiner Geschichte als gealtertes Kunstwerk erfahrbar bleiben.

Restauratorin Karoline Friedrich während der Retusche © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Restauratorin Karoline Friedrich während der Retusche

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Wandpaneels während der Retusche © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Wandpaneels während der Retusche

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Hier besteht die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Zerlegbar – ob Kachelofen, Pokal oder Schrank

Freitag, 10. April 2015

Herzlich Willkommen zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Im Ausstellungsbereich „Zerlegbar“ werden Stücke gezeigt, die aus unterschiedlichsten Gründen mehrteilig konzipiert sind. Bei einem Systemmöbel wie der MDW-Wand (Montagewand Deutsche Werkstätten) erstaunt die Zerlegbarkeit kaum jemanden. Ein flach ausgelegter Kachelofen ist allerdings schon ungewöhnlicher, wurden doch solch massiven Öfen in der Regel an ihrem Zielort gesetzt und sind dann dort verblieben. Um wieder seinen vollständigen Zusammenhang zu bekommen und restauriert zu werden, musste das Objekt erst einige Hürden überwinden:

In den 1960er-Jahren gründete Lothar Berfelde, auch bekannt als Charlotte von Mahlsdorf, entgegen allem künstlerischen und politischen Zeitgeschmack ein privates Gründerzeitmuseum in Berlin Mahlsdorf (DDR). 1974 wollte der Staat das Museum in seinen Besitz bringen. Durch unbillige Steuerforderungen unter Druck gesetzt, verschenkte die Gründerin die Sammlung Stück für Stück. Der Kachelofen kam im Zuge dessen 1978 als Schenkung in die Sammlung des Dresdner Kunstgewerbemuseums und lagerte seitdem in den Depots. Durch die überraschende Flutung der Kellerräume im Schloss Pillnitz 2002 wurden viele Kacheln verschmutzt oder umdeponiert. So kam es zu einer gründlichen Säuberung und Sortierung von über 1.000 Kacheln. Dabei trat erstmals ein ganzheitliches Bild des 3,50 m hohen Neorokoko- Ofens zum Vorschein. Er besteht aus 40 Einzelteilen, die bis zu 25 kg schwer sind.

#43648 –23, Kachelofen als „Flachware“ in der Ausstellung © SKD,  Foto: Amac Garbe

#43648 –23, Kachelofen als „Flachware“ in der Ausstellung © SKD, Foto: Amac Garbe

Ein raffinierterer Grund, ein Werk zerlegbar zu machen, steckt hinter dem „Willkomm der Hofkellerei Dresden“, einem opulent gearbeiteten Deckelpokal. Er wurde im 18. Jahrhundert von August dem Starken bei der Dresdner Glashütte in Auftrag gegeben und 1768 zum „Willkomm der Chur-Fürstl. Kellerey“ bestimmt. Zur Verwendung des Pokals ist die Zerlegbarkeit nicht von Nöten, dennoch besitzt er an Schaft und Deckelknauf Glasgewinde, durch die er sich in vier Teile auseinanderschrauben lässt. Diese wurden lediglich angebracht, um das Schliffdekor bis in den äußersten Winkel des Gefäßes eingravieren zu können. Dem „Willkomm“ steht ein weiterer Pokal böhmischer Herkunft gegenüber, um den demontierten Zustand eines solchen Stücks zu veranschaulichen.

#37274 Willkomm der Hofkellerei Dresden / Glasschneider Heinrich Volckert zugeschrieben, Glashütte Dresden, 1716–17

#37274 Willkomm der Hofkellerei Dresden / Glasschneider Heinrich Volckert zugeschrieben, Glashütte Dresden, 1716–17

Der plausibelste Grund, ein Objekt zu zerteilen, spiegelt sich in einem massiven Barockschrank aus dem frühen 18. Jh. wider: Transportierbarkeit. Dieser und ähnliche monumentalen Schränke gliedern sich in einen auf stark bauchig ausgeformten Füßen stehenden Sockel, einen Hauptteil mit der charakteristischen Verzierung und ein Gesims, nach dem auch die unterschiedlichen Typen bestimmt werden. Sie werden lediglich durch kleine Keil-, Nut- oder Hakenverbindungen zusammengehalten und nach dem niederdeutschen Wort für Schrank auch „Schapp“ genannt. Die reichen Schnitzereien sind meist von christlich-religiösem Inhalt. So zeigt das Giebelrelief des ausgestellten Danziger Schapps (trapezförmiger Giebel) die christliche Kardinaltugend der Nächstenliebe (Caritas).

Die Zerlegung des mehrere hundert Kilo schweren und 280 x 274 cm großen Schranks in seine Einzelteile, der Transport und das Wiederzusammenfügen ist bis heute mit enormem Kraftaufwand verbunden.

Präzisionsarbeit: Aufbau des Barockschranks in der Ausstellungshalle

Präzisionsarbeit: Aufbau des Barockschranks in der Ausstellungshalle

Diese ursprüngliche Idee, einen Schrank für den praktischen Nutzen zerlegbar zu machen, wurde zur Produktion der Montagewand Deutsche Werkstätten, kurz MDW, erweitert. Rudolf Horn, einer der wichtigsten Designer der DDR, erhielt Anfang der 1960er-Jahre gemeinsam mit seinen Kollegen Eberhard Wüstner, Helmut Kesselring und Erhard Schumann den Auftrag, für den VEB Deutsche Werkstätten ein industriell effizient herzustellendes und dennoch attraktives Möbelprogramm zu entwickeln. Dieses sollte den neuen Wohnbedürfnissen der Menschen, unter anderem in den Plattenbausiedlungen, gerecht werden. Der Auftrag gab Horn die Möglichkeit, seinem Ideal entsprechend praktisch-nützliche Möbel für die breite Masse zu entwerfen. Das einfache wie geniale Prinzip der MDW-Wand ist, dass es auf einem Rasterprinzip aufbauende Normteile gibt, aus denen unendlich viele Kombinationen abgeleitet werden können. Die MDW-Wand wurde erstmals 1967 vorgestellt und ging schließlich 1968 in die Serienproduktion. Sie wurde in immer wieder aktualisierten Varianten bis 1991 (MDW 90) produziert und zählt damit zu den erfolgreichsten Möbelprogrammen, die je gefertigt wurden.

#55068 MDW – Montagewand Deutsche Werkstätten /Entwurf: Rudolf Horn, Mitarbeiter des Instituts f. Möbel- & Ausbaugestaltung, Hochschule f. industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein; Ausführung: Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden-Hellerau, nach 1968

#55068 MDW – Montagewand Deutsche Werkstätten /Entwurf: Rudolf Horn, Mitarbeiter des Instituts f. Möbel- & Ausbaugestaltung, Hochschule f. industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein; Ausführung: Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden-Hellerau, nach 1968

Die Objekte in diesem Bereich der Ausstellung verbindet neben ihrer Zerlegbarkeit auch die Tatsache, dass die einzelnen Segmente eines jeden Objekts nicht für sich allein, sondern nur im Ensemble wirken können.

Damaskuszimmer:Ein schlafender Schatz erwacht-Damascus Room:Awakening of a slumbering treasure-الغرفةالدمشقية:إيقاظ الكنزالنائم

Donnerstag, 02. April 2015


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In der neuen Blog-Reihe zeigen wir Euch, wie das Dresdner Damaskuszimmer restauriert wird – und so die volle Schönheit wiederkehrt.

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits einige Teile des Dresdner Damaskuszimmers in halb restauriertem Zustand der Öffentlichkeit präsentiert wurden, wird nun dank der Unterstützung durch die Museum and Research Foundation im Rahmen des Forschungs- und Ausstellungsprogramms Europa/Welt in großen Schritten an der vollständigen Restaurierung des Zimmers gearbeitet. Farbenfrohe Malereien lagen mehr als 100 Jahre unter verbräunten Leim- und Firnisschichten verborgen. Diese werden nach der sorgfältigen Konservierung wieder freigelegt und erlauben einen Einblick in die Lebenswelt einer Damaszener Familie im frühen 19. Jahrhundert.

Ausschnitt einer Wandvertäfelung während der Abnahme von Leim- und Firnisüberzügen © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Ausschnitt einer Wandvertäfelung während der Abnahme von Leim- und Firnisüberzügen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Das Damaskuszimmer besteht aus einer prächtig bemalten Wand- und Deckenvertäfelung, die einst einen Empfangsraum für Gäste in einem Wohnhaus in Damaskus schmückte (datiert 1225 in islamischer Zeitrechnung, entspricht 1810-11 christlicher Zeitrechnung). Der Name der Familie ist nicht bekannt, aber auf Grund der überdurchschnittlich reichen Verzierung und des Inhalts der kalligraphischen Inschriften war der Bauherr vermutlich ein vermögender Kaufmann.

Auf der letzten Inschriftentafel des Gedichts in goldener Kalligrafie befindet sich unten links das Datum١٢٢٥ (1225). Die Inschrift enthält die Anfangsverse der qasida al-munfarija, die dem berühmten Dichter al-Ghazali zugeschrieben werden. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2007

Auf der letzten Inschriftentafel des Gedichts in goldener Kalligrafie befindet sich unten links das Datum١٢٢٥ (1225). Die Inschrift enthält die Anfangsverse der qasida al-munfarija, die dem berühmten Dichter al-Ghazali zugeschrieben werden.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2007

1997 wurden die einhundert Einzelteile aus dem Depot des Museums für Völkerkunde geholt, um die Restaurierung und den Wiederaufbau als Raumensemble in Angriff zu nehmen. Nur wenige Museen weltweit besitzen eine solche authentische Raumkreation aus dem Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches. Zu Beginn war nicht bekannt, wie die bemalten Einzelteile zusammengehören. Ulrike Siegel und Antje Werner, zwei Architekturstudentinnen von der Technischen Universität Dresden, haben sich 1997 des Riesenpuzzles angenommen. Mit Hilfe von Holzverbindungen, Ornamentübereinstimmungen, Nagellöchern und eines rückseitigen Nummerncodes konnte der Bauplan des Zimmers rekonstruiert werden. Seit Februar 1998 veranschaulicht ein Architekturmodell im Maßstab 1:10 die Dimensionen und den Aufbau des Zimmers. Die Grundfläche beträgt 4 m x 5,50 m, die Raumhöhe ist 5,40 m. Wichtigster Teil des Empfangsraums für Gäste ist die erhöhte Plattform, die als große Sitzfläche diente und deshalb mit einem Teppich, Kissen und weiteren kostbaren Textilien prächtig ausgestattet war. Hier nahmen die Gäste Platz, konnten die fantasievollen Malereien bewundern und genossen die Gastfreundschaft der Familie.

Teile des Damaskuszimmers 1997 © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Eva Winkler

Teile des Damaskuszimmers 1997

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Eva Winkler

Architekturmodell von Ulrike Siegel und Antje Werner, 1998 © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2001

Architekturmodell von Ulrike Siegel und Antje Werner, 1998

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2001

Hier habt Ihr die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Die nächste Führung findet am Donnerstag den 30.April 2015 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin