Mit ‘Damaskuszimmer’ getaggte Artikel

Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس

Dienstag, 04. April 2017


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Ein Prunkzimmer kehrt zurück - drei fertig restaurierte Wände des Damaskuszimmers sind erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 in ihrer originalen Farbigkeit zu sehen

Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Nach drei Jahren intensiver Arbeit eines deutsch-syrischen Restauratorenteams ist es endlich soweit: Drei Wände und die Decke des Damaskuszimmers sind dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation GmbH und die Gerda Henkel Stiftung fertig restauriert! Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farben lagen jahrzehntelang unter dicken Schichten von Staub, Schimmel, dunklen Leim- und Firnisüberzügen verborgen und sind nun erstmals seit dem Verkauf des Zimmers nach Deutschland 1899 wieder in ihrer originalen Pracht zu sehen. Seit wenigen Tagen sind drei Wände des Zimmers aufgerichtet und vermitteln einen einzigartigen Eindruck von der Kunstfertigkeit und Eleganz Damaszener Innenarchitektur. Das Spiel des Lichts auf den unterschiedlich glänzenden und glitzernden Oberflächenverzierungen zeugt von der raffinierten Dekorationstechnik dieser Prunkzimmer, die im Damaskus des 18. und frühen 19. Jahrhunderts zu hoher Meisterschaft gelangte und den Reichtum, erlesenen Geschmack und gehobenen sozialen Status der Bauherrn reflektierten.
Zwischen 5. März und 4. Juni 2017 ist das Damaskuszimmer an elf Sonntagen jeweils von 13:00 bis 17:00 Uhr exklusiv geöffnet. Sonderveranstaltungen und Vorträge laden zu abwechslungsreichen Entdeckungstouren ein – und es ist wohl einmalig in der Welt, dass man ein solches Zimmer auch von der Rückseite sehen kann. Nun wartet nur noch die letzte Wand auf ihre Restaurierung, um das Zimmer zu vollenden.

Beginn der Montage des Damaskuszimmers an die neue Unterkonstruktion © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Beginn der Montage des Damaskuszimmers an die neue Unterkonstruktion

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Das Damaskuszimmer wächst und wird allmählich zum Raum © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Das Damaskuszimmer wächst und wird allmählich zum Raum

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Museumstechniker bei der Montage der Fensterwand – Hagen Friede, Cai Schneider und Matthias Koalick © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Museumstechniker bei der Montage der Fensterwand – Hagen Friede, Cai Schneider und Matthias Koalick

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Fensterwand ist erstmals seit 1899 wieder vollständig montiert © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Fensterwand ist erstmals seit 1899 wieder vollständig montiert

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Drei Wände sind aufgerichtet – das Zimmer ist zurück © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Drei Wände sind aufgerichtet – das Zimmer ist zurück

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Rückseiten der Paneele erzählen detailreich von der  Geschichte des Zimmers – alte Wasserschäden, geheimnisvolle Nummerierungen, jede Menge Werkzeugspuren © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Die Rückseiten der Paneele erzählen detailreich von der Geschichte des Zimmers – alte Wasserschäden, geheimnisvolle Nummerierungen, jede Menge Werkzeugspure

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Farbenpracht und Dekorfülle laden zum Schwelgen ein © Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

Farbenpracht und Dekorfülle laden zum Schwelgen ein

© Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Anke Scharrahs, 2017

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Donnerstag, 17. November 2016


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Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierung des Damaskuszimmers ist dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation weit fortgeschritten. Bereits seit Ende 2014 ist die Konservierung der gelockerten originalen Farbschichten auf den 110 Einzelteilen abgeschlossen und damit ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des Zimmers für die Zukunft geschafft. Seither durchlaufen die kunstvoll verzierten Holzpaneele eine Reihe von Restaurierungsmaßnahmen, die von Bauteil zu Bauteil, aber auch von Farbfläche zu Farbfläche immer wieder neu abgestimmt werden müssen, weil die unterschiedlichen Farben; Metallauflagen und gefärbten Lacküberzüge in ihrem Erhaltungszustand stark schwanken. Die Gründe dafür liegen zum einen darin, dass die Materialien bei der Herstellung des Zimmers wiederkehrend frisch von Hand zubereitet wurden. Dadurch schwankt die Zusammensetzung der Farben und führte im Zusammenspiel mit den Alterungsprozessen dazu, dass manche Farbschichten noch recht stabil sind, andere jedoch äußerst empfindlich reagieren. Zum anderen variiert der Beschädigungsgrad der Holzpaneele durch die unterschiedlich starke Beanspruchung während der 90 Jahre, in denen das Zimmer als Wohnraum in Damaskus genutzt wurde. Die untere Wandzone bis zu einer Höhe von etwa 1 m ist stärker abgenutzt als die oberen Wandbereiche und die Decke. Ein Übriges taten Klimaschwankungen und durch die Decke eindringendes Wasser, als das Zimmer noch in Damaskus eingebaut war. Nicht zuletzt stellten die Restauratoren fest, dass insbesondere die karminroten Lackflächen auf den Zinnfolieauflagen bereits 1899 stark beschädigt und abgeplatzt waren. Für den Verkauf nach Deutschland wurden diese Flächen übermalt. Nach der Abnahme der Übermalungen, Leim- und Firnisschichten zeigen sich viele Paneele in erstaunlich gutem Zustand und haben nur vereinzelte weiße Fehlstellen, die farblich angepasst werden müssen. Einige der besonders aufwändig verzierten Bauteile, wie die Wandschranktüren und Schmuckpaneele, weisen die beschriebenen stärkeren Beschädigungen aus der Zeit in Damaskus auf. Diese Flächen erfordern einen größeren Retuscheumfang. Die vielen feinen Ausbrüche und Fehlstellen werden wieder mit den entsprechenden Farben ausgefüllt. Dabei werden die unterbrochenen Umrisslinien aufs Neue miteinander verbunden, damit die üppigen Ornamente ihren einstigen optischen Zusammenhalt zurückerhalten: Feinste Details sind wichtig und spielen im Kanon der Farben, Linien und Texturen eine bedeutende Rolle, um dem Zimmer als Gesamtkunstwerk seine beabsichtigte Wirkung zurückzugeben.

Blick in die Restaurierungswerkstatt im Japanischen Palais

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Detail einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Mittelpaneel einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links – linker Flügel der Wandschranktür mit Übermalungen und vergilbtem Firnis; rechts - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Wandschranktür mit Spiegeln nach der Restaurierung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Die Pracht kehrt zurück – zwei Wände des Damaskuszimmers sind fertig restauriert und aufgebaut

Nach zwei Jahren Arbeit sind die ersten beiden Wände des Damaskuszimmers fertig restauriert. Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farbkontraste sind nach mehr als 100 Jahren Dornröschenschlaf wieder sichtbar geworden. Die kunstvoll ineinander gewebten Muster, Farben und Blattmetalle vermitteln nun wieder einen Eindruck von der prachtvollen Innendekoration des Empfangszimmers. Damaszener Familien gaben einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens aus, um die für den Empfang von Gästen bestimmten Zimmer gleichermaßen luxuriös und behaglich auszustatten. Neben den exquisiten Wanddekorationen gehörten im frühen 19. Jahrhundert kostbare Teppiche, Kissen und Stickereien ebenso zum Repertoire des guten Geschmacks wie edles Kristallglas und feines Porzellan.Nach Abschluss der meisten Restaurierungsschritte wurden zwischen März und Juli 2016 zwei Wände des Dresdner Damaskuszimmers aufgerichtet und montiert. Dieser Schritt war notwendig, weil sich der Erhaltungszustand von Brett zu Brett unterscheidet und die Restauratoren das Ausmaß der Retuschen auf den nebeneinanderliegenden Wandflächen aufeinander abstimmen mussten. Anspruch der Restaurierung ist es, dass die üppige Ornamentik einerseits wieder ihre ursprünglich beabsichtigte Wirkung entfalten kann, das Zimmer jedoch nicht durch ein zu hohes Maß an Retuschen seinen Charakter als gealtertes und als Wohnraum benutztes Raumensemble verliert.

117 Jahre nach dem Ankauf des Zimmers durch den Kunstsammler Karl Ernst Osthaus wird sein Plan endlich Wirklichkeit: Ein prächtiges arabisches Zimmer wird im Museum in Deutschland ausgestellt und kündet von der Kunstfertigkeit, Schönheit und Eleganz orientalischer Wohnkultur

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Seit Sommer 2016 kann nun erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 eine größere, zusammenhängende Fläche des Dresdner Damaskuszimmers in seiner originalen Farbigkeit betrachtet werden. Interessenten sind eingeladen, sich während der Werkstattführungen an jedem letzten Donnerstag im Monat selbst einen Eindruck zu verschaffen. Eine Anmeldung ist wegen begrenzter Personenzahl in der Werkstatt erforderlich: E-Mail: besucherservice@skd.museum Tel.: +49 (0)351 49 14 20 00

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Die Spezialistinnen hinter den Kulissen | The specialists behind the scenes | الخبراء خلف الكواليس

Mittwoch, 03. August 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierungsarbeiten am Dresdner Damaskuszimmer begannen bereits 1997. Seitdem ist Anke Scharrahs als federführende Restauratorin und Projektleiterin an dem Vorhaben beteiligt. Zunächst war kaum etwas über die verwendeten Malmaterialien bekannt, so dass sich Anke Scharrahs der Erforschung der historischen Herstellungstechniken von syrischen Holzvertäfelungen aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert intensiv gewidmet hat. Einer ersten Reise nach Damaskus im Jahr 1998 folgten mehrere längere Arbeits- und Forschungsaufenthalte in Syrien sowie die Mitarbeit bei weiteren Forschungs- und Restaurierungsprojekten syrischer Holzvertäfelungen am Metropolitan Museum of Art in New York, am Museum für Islamische Kunst in Berlin, in der Sammlung Shangri La der Doris Duke Foundation of Islamic Art in Honolulu, am Los Angeles County Museum of Art und im Gayer-Anderson-Museum in Kairo. Die Faszination für diese prächtig bemalten Meisterwerke syrisch-osmanischer Innenarchitektur mündeten in der Dissertation von Anke Scharrahs, mit der sie 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden promoviert wurde.

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Seit 1998 bzw. 2002 sind die Restauratorinnen Evelyn Gärtner und Karoline Friedrich am Damaskuszimmer-Projekt beteiligt. Sie bringen ihre Erfahrungen aus der Mitarbeit am Arabicum in der Villa Gutmann in Potsdam und am Aleppo-Zimmer des Museums für Islamische Kunst in Berlin ein. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Farben und transparenten Lacke erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, um die konservatorischen Arbeitsschritte ohne Beschädigung der originalen Farbschichten durchführen zu können. Zudem ist eine ständige Feinabstimmung im Restauratorenteam erforderlich, um die Teile des Damaskuszimmers zu einem ähnlichen Endzustand zu bringen und ein homogenes Raumensemble wiedererstehen zu lassen. Dabei sollen Gebrauchsspuren des Zimmers erhalten bleiben und die Oberflächendekoration nur so weit restauriert werden, dass ihre einstige Pracht zwar wieder sichtbar wird, aber keine Totalrestaurierung aller verloren gegangenen Farbschichten erfolgt.

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Seit Februar bzw. Mai 2015 sind zwei syrische Kolleginnen in dem Projekt involviert. Samah Shtay und Layal Jazi haben 2011/12 in Damaskus beim Restaurierungsprojekt des Aga Khan Trust for Culture und des Aga Khan Cultural Services Syria in einem der bedeutendsten historischen Wohnhäuser der Damaszener Altstadt, im Haus Nizam, mitgearbeitet. Sie waren dort an der Restaurierung des berühmten Weintraubenzimmers beteiligt, eines prächtigen, für Zwecke der Repräsentation angelegten Empfangszimmers für Gäste von 1800/1835. Da es in Syrien keine akademische Restauratorenausbildung gibt, möchten sie in Deutschland studieren und bereiten sich nun in ihrem Pflichtpraktikum darauf vor. Sie werden in einem weiteren Blogbeitrag über ihre Arbeit berichten.

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Blick in die Tiefe – Spuren der Geschichte werden gelesen | Looking deeper: seeking the traces of history | نظرة في العمق، وتصبح قراءة القصة ممكنة

Dienstag, 19. Juli 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

200 Jahre sind nicht spurlos am Damaskuszimmer vorbeigegangen. Die verwendeten Materialien begannen bereits am ersten Tag zu altern – ein langsamer Prozess, den alle Kunstwerke durchlaufen. Für den Laien ist das meist nicht sichtbar. Erst wenn Farbschichten sich zu Runzeln und Falten zusammenschieben oder abzufallen drohen, werden die Folgen der stetigen Mikrobewegungen in den Kunstobjekten in drastischer Form sichtbar. Manche Veränderungen werden zudem durch chemische Reaktionen ausgelöst, z. B. wenn unedle Blattmetalle korrodieren oder Farbschichten sich entfärben. Beim Damaskuszimmer wurde eine breite Palette an Farben, Metallauflagen und gefärbten Lacküberzügen verwendet, die uns heute mit ihren komplexen Alterungserscheinungen konfrontieren. Diese müssen analysiert, verstanden und ausgewertet werden, um die richtigen Entscheidungen für die konservatorische und restauratorische Behandlung - und damit für den zukünftigen Erhalt des Zimmers - fällen zu können. In Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern wurden die Schadensphänomene erforscht und das Restaurierungskonzept erstellt. Die folgenden Fotos geben einen Einblick in die vielfältigen Veränderungen.

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.  © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin