Mit ‘China’ getaggte Artikel

Auf den Spuren der China-Mode in Sachsen | On the Trail of Chinese Fashion in Saxony

Montag, 16. November 2015


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Unser Forschungsprojekt „Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof“ widmet sich der wissenschaftlichen Erschließung eines einzigartigen, sehr umfangreichen und frühen Bestandes asiatischer und chinoiser Graphiken, der in einem Inventar von 1738 aufgelistet ist, und heute zur Sammlung des Kupferstich-Kabinetts gehört. Über 2500 Blätter werden nach und nach von Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang gesichtet, erfasst und erforscht. Ziel des Projektes ist ein Bestandskatalog, der unter anderem nach den wechselseitigen Einflüssen zwischen China und Europa fragt, die in vielen der untersuchten Graphiken deutlich werden.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Für eine solche Bestandserschließung ist der wissenschaftliche Austausch mit Experten grundlegend. Neben Forschungsreisen und Tagungsteilnahmen gelingt es Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang immer wieder, Kollegen aus aller Welt nach Dresden einzuladen, um über den noch wenig bekannten Bestand zu diskutieren. Im September etwa besuchte die Spezialistin für chinesische Kunstgeschichte Wen-Chin Hsu (Taiwan) unsere Kolleginnen, um sich vor allem über chinoise Motivik und Bildprogramme auszutauschen. Dazu gehörte auch eine gemeinsame Fahrt ins Schloss Lichtenwalde. Dort befinden sich farbige chinesische Zeichnungen und Holzschnitte von edel ausstaffierten Damen, die in Suzhou für ein europäisches Publikum hergestellt und exportiert wurden. Es handelt sich um eine frühe Verwendung, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts, von Einzelbildern als Wanddekoration, einem Vorläufer späterer chinesischer Tapeten. Die Raumausstattungen sind vor allem deshalb von besonderer Bedeutung, da sich weltweit nur wenige von ihnen erhalten haben. Inspiriert von der Sammelleidenschaft Augusts des Starken ist das Schloss Lichtenwalde ein weiterer Beleg dafür, dass der sächsische Hof im 18. Jahrhundert zu einem führenden europäischen Zentrum der Chinoiserie avancierte. Insbesondere August der Starke trug innerhalb kürzester Zeit eine der bis heute umfangreichsten europäischen Sammlungen an chinesischem und japanischem Porzellan, asiatischen Graphiken, chinesischen Specksteinfiguren, aber auch Textilien, Kostümen, Waffen und Lackwaren zusammen.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

MEEP 2015: Kuratieren, Präsentieren und Vermitteln | MEEP 2015: Curation, Presentation and Education

Dienstag, 10. November 2015


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Am Sonntag, 25. Oktober, nahmen wir in aller Frühe Abschied von den diesjährigen MEEP-Teilnehmern, die sich mit dem Bus nach München, der letzten Etappe des Museum Experts - Austauschs, aufmachten. Wir blicken auf eine gelungene Woche hier in Dresden zurück, in der viel gesehen, erlebt und erfahren wurde. Nachdem die chinesischen Teilnehmer am Sonntag und Montag bei Rundgängen durch die Altstadt und das Residenzschloss erste Eindrücke der Stadt und der Staatlichen Kunstsammlungen gewonnen hatten, startete am Dienstag das eigentliche Programm. Am Morgen trafen wir uns mit Astrid Nielsen, die im Mai selbst im Rahmen des Austauschprogrammes die vier Partnermuseen in China besucht hat. Sie führte die Gruppe durch die Skulpturensammlung im Albertinum und stellte die von ihr kuratierte Ausstellung „August Hudler in Dresden“ vor, was die chinesischen Wissenschaftler nutzten, um ihr viele interessante Fragen zur kuratorischen Praxis zu stellen.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Später führten Claudia Schmidt, Leiterin der Museumspädagogik und ebenfalls Teilnehmerin des diesjährigen MEEP-Austauschs, und Annabell Rink in die Vermittlungsarbeit der SKD ein und stellten dabei das Konzept des „Lernort Albertinum“ ins Zentrum.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein Höhepunkt an diesem Tag war die Führung von Michael Korey durch den Mathematisch Physikalischen Salon. Mit ansteckendem Enthusiasmus stellte er der Gruppe auf anschauliche Weise die Exponate, deren Geschichten und Präsentation in der Dauerausstellung vor.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Mittwoch ging es mit dem Bus nach Leipzig zu den Kollegen des GRASSI Museums für Völkerkunde. Nach der Begrüßung durch Vera Marusic, Referentin der Direktorin, und einem kurzen Ausblick in die Zukunft der museumspädagogischen Veranstaltungen und Events des GRASSI Museums durch Miriam Schultze und Christine Fischer, gab es eine Führung von Yu Filipiak. Anhand ihres Forschungsprojekts zu ostasiatischen Musikinstrumenten gab sie Einblick in ein besonderes Beispiel von Kulturaustausch zwischen Deutschland und China und in die einzigartigen Objektgeschichten.

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt, bei dem natürlich auch am Klangbrunnen im Hansahaus und an Auerbachs Keller Halt gemacht wurde, besuchten wir die G2 Kunsthalle. Dort stellte Anka Ziefer die von ihr geleitete Galerie und die aktuelle Ausstellung „Leipzig 2015. Sammlung Hildebrandt“ vor.

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Auf die junge Kunstszene Leipzigs eingestimmt, bildete der Besuch des Geländes der Spinnerei Leipzig einen weiteren Höhepunkt an diesem Tag. Der Rundgang führte sowohl in die Geschichte des Geländes, als auch in dessen moderne Nutzung durch Künstler verschiedenster Disziplinen ein.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Donnerstag hielt sich die Gruppe zunächst im Residenzschloss auf. Der Tag begann mit einer anregenden Einführung des Leiters der Abteilung Presse und Kommunikation, Stephan Adam, in die Arbeit seiner Abteilung. Darauf folgte eine Präsentation von Martin Zavesky, der über die digitale Kommunikation und den Umgang mit neuen Medien an den SKD berichtete und anhand der interaktiven Multimedia-Stele im Erdgeschoss des Schlosses ein konkretes Beispiel für die interessierten Zuhörer lieferte.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Nachmittag brachten Anne Böttger und Doreen Scherfke den chinesischen Besuchern am Beispiel der Sonderausstellung „500 Jahre Sixtinische Madonna“ aus dem Jahr 2012 die Aufgaben und Möglichkeiten der Marketingabteilung näher.

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach diesem Einblick in die Arbeit einiger zentraler Abteilungen der SKD ging es in die Galerie Gebr. Lehmann in der Dresdner Neustadt, wo sich die chinesischen Teilnehmer die aktuelle Ausstellung von Eberhard Havekost ansahen und die beiden Brüder zu ihrer Arbeit befragen konnten. Am Donnerstagabend waren die MEEP-Teilnehmer Gäste des Generaldirektors im Restaurant Alte Meister. Es wurden angeregte Gespräche mit den anwesenden Direktoren, Hartwig Fischer, Dirk Burghardt, Dirk Syndram und Tulga Beyerle, geführt.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der letzte offizielle Programmtag begann mit einer exklusiven Führung durch die Porzellansammlung im Zwinger. Cora Würmell und Jan Hüsgen gaben einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Exponate und der Sammlung sowie deren Präsentation. Dabei waren die ostasiatischen Bestände von besonderem Interesse.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dann hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Galerie Alte Meister zu erkunden. Andreas Henning begrüßte die Gruppe mit einer kurzen Einführung in die Geschichte und den aktuellen Umbau der Galerie. Bei der Entdeckungstour konnten sie sich an einem von Annabell Rink entworfenen Arbeitsblatt für Kinder und Jugendliche orientieren und so einen praktischen Einblick in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit der SKD bekommen. Das Wochenprogramm deckte die drei Schwerpunktthemen – Kuratieren, Präsentieren, Vermitteln – somit in unterschiedlichen Facetten ab. Die Erfahrungen, die während der Woche gesammelt wurden, beschrieben die Teilnehmer in einem abschließenden Gespräch mit Gilbert Lupfer, der zusammen mit der diesjährigen Koordinatorin des „Dresden-Programms“, Neele Dinges, die Abschlussdiskussion leitete. Im Zuge dieses Gespräches wurden besonders die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Herangehensweisen und Möglichkeiten der verschiedenen, in diesem Jahr im Fokus stehenden Abteilung deutlich. Besonders intensiv wurde auch über die Verlagerung einzelner gestalterischer Aufgaben an externe Büros erörtert, wie es in China nicht und in deutschen Museen häufig der Fall ist. Abschließend wurde die Einzigartigkeit des Museum Experts Exchange Program betont und welchen enormen Mehrwert der Expertenaustausch für alle Beteiligten bietet. Den letzten gemeinsamen Abend ließen die chinesischen Teilnehmer und deutschen Kolleginnen schließlich im mongolisch-chinesischen Restaurant „Dschingis Khan“ ausklingen. In Begleitung von informativen Tipps rund um das chinesische Essen wurden Ideen, Visitenkarten und Pläne für die Zukunft ausgetauscht. Nach einem „freien“ Samstag, war es am Sonntagmorgen leider schon Zeit, Abschied zu nehmen.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Teilnehmern, auf chinesischer wie auf deutscher Seite für die Realisierung eines spannenden und vielfältigen Programms und vor allem für den regen und interessanten Austausch bedanken. Ein besonderer Dank geht an das Goethe-Institut und an die Museum & Research Foundation, ohne deren Unterstützung das Museum Experts Exchange Program nicht möglich wäre.

Ni Hao, Dresden!

Dienstag, 20. Oktober 2015

Wir freuen uns, auch dieses Jahr im Rahmen vom Museum Experts Exchange Program (MEEP) 12 chinesische Wissenschaftler in unserem Haus empfangen zu dürfen! Nachdem die Kollegen aus dem National Museum of China, dem National Art Museum of China, dem Shanghai Museum sowie dem Guangdong Museum of Art letzte Woche Gäste der Staatlichen Museen zu Berlin waren, begrüßen wir sie nun in Dresden. Der diesjährige Austausch widmet sich den Schwerpunkten „Kuratieren, Präsentieren und Vermitteln“. Für die gemeinsame Zeit vom 18. bis zum 25. Oktober 2015 wurde ein vielfältiges Programm, bestehend aus zahlreichen Workshops, Gesprächen in den Abteilungen der SKD, Ausstellungs- und Galeriebesuchen sowie einem Ausflug zu den Kollegen des GRASSI Museums in Leipzig, vorbereitet.

Prof. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, führt die Kollegen aus China durch das Historische Grüne Gewölbe; Foto: Dirk Weber © SKD

Prof. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, führt die Kollegen aus China durch das Historische Grüne Gewölbe; Foto: Dirk Weber © SKD

Nach ihrer Ankunft am Sonntagnachmittag konnten die Teilnehmer auf einem Stadtrundgang einen ersten Eindruck von Dresden gewinnen, bevor wir sie am Montag näher mit dem Alltag unseres Hauses bekanntmachten. Ein Highlight des ersten Tages war hierbei der von Dirk Syndram geführte Rundgang durch das Residenzschloss. Dabei konnten unsere chinesischen Besucher sichtlich spannende Einblicke in die Ausstellungen des Historischen und Neuen Grünen Gewölbes, der Türckischen Cammer, des Riesensaals und des Münzkabinetts erlangen.

Eine Woche voller interessanter Begegnungen liegt vor uns, die wir im Nachgang an dieser Stelle gern teilen werden.

…und eine Pause zwischendurch; Foto: Dirk Weber © SKD

…und eine Pause zwischendurch; Foto: Dirk Weber © SKD

Gemeinsam in der Rüstkammer im Riesensaal des Residenzschlosses; Foto: Dirk Weber © SKD

Gemeinsam in der Rüstkammer im Riesensaal des Residenzschlosses; Foto: Dirk Weber © SKD

Einblicke in die aktuelle Fotokampagne in der Porzellansammlung | Impressions of current photo week in the Porcelain Collection

Samstag, 30. Mai 2015


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Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes der Porzellansammlung der SKD werden seit Oktober 2014 unsere ostasiatischen Porzellane aus der ehemaligen Königlichen Sammlung professionell fotografiert. Der größte Teil des vorhandenen Bildbestandes besteht derzeit aus Arbeitsfotos, die keine ausreichende Erfassung dreidimensionaler Objekte gewährleisten, häufig existieren nur ein bis zwei Ansichten. 8000 Objekte aus China und Japan werden jetzt erstmals systematisch fotografisch erfasst.

Nach den bisherigen Foto-Sessions im Depotbereich hatten wir im März die Möglichkeit in der nördlichen Bogengalerie der Porzellansammlung zu arbeiten, um dort eine der dichtbestücktesten Wände mit ca. 800 unterglasurblauen kangxi-zeitlichen Porzellanen zu fotografieren. Eine Aufgabe, die nur in einem gut funktionierenden Team zu stemmen ist, das ohne Fotograf Adrian Sauer und seinen Kollegen Alexander Schmidt sowie die beiden Restauratorinnen, Silke Rohmer und Magdar Kozar nicht möglich gewesen wäre. Adrian Sauer (Fotograf) ließ für diese herausfordernde Aufgabe ein speziell zugeschnittenes Fotozelt anfertigen und die Arbeit konnte beginnen.


© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Innenraum des Zeltes ermöglichte nicht nur ein effizientes Arbeiten, sondern auch fotografische Ergebnisse in höchster Qualität. Auch hier ist Teamgeist gefragt: denn für die beiden Fotografen muss das Porzellan von einer weiteren Mitarbeiterin für die Aufnahmen zunächst aufgestellt und dann gedreht werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Miniaturvasen bis zu großen Monumentalvasen wird jedes Objekt allseitig erfasst.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Bilder werden sofort nach der Aufnahme sowohl im Dateinamen als auch in den eingebetteten Metadaten mit der Inventarnummer der Porzellansammlung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach Abnahme der Porzellane von der Wand erfolgte ihre Reinigung.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dabei werden die Inventarnummern und die Maße der Objekte überprüft bzw. vervollständigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Und wenn alles abgenommen ist, erscheint die Wand völlig kahl.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Doch die Vorbereitungen zur Wiederanbringung sind bereits in vollem Gange. Die unzähligen kleinen Koppchen werden mit Wachs auf den Konsolen befestigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Anschließend werden die Teller mit einer Halterung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

...und können damit sicher an der Wand befestigt werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein großer Dank gilt ALLEN Beteiligten und Helfern, die es ermöglicht haben, diese Foto-Wochen erfolgreich zu beenden – wir konnten mehr als 850 Objekte fotografieren.

Teilnahme von Dr. Anita Wang am Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen | Dr. Anita Wang attends a Network Meeting of the Alexander von Humboldt Foundation in Bremen

Mittwoch, 20. Mai 2015


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Mit diesem Beitrag starten wir eine Reihe von Blogbeiträgen zu den Forschungsaktivitäten an den SKD. Zunächst berichten wir über das Ausstellungs- und Forschungsprogramm Europa/Welt, das von der Museum & Research Foundation unterstützt wird und derzeit acht Forschungsprojekte umfasst. Dr. Anita Wang aus dem Projekt »Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof« macht den Auftakt:

Anita Wang auf dem Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen

Dr. Anita Wang beim Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen

Mein Name ist Anita Wang und ich bin im Rahmen eines Post-Doktoranden-Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung von Januar 2015 bis Ende 2016 innerhalb des Forschungsprogramms Europa/Welt an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden tätig. Ich arbeitete gemeinsam mit Dr. Cordula Bischoff an dem Projekt »Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof«. Im Fokus meiner Forschungen stehen Werke aus der frühen Qing-Dynastie. Diese umfassen vor allem Gemälde, Holzschnitte, Kupferstiche und Grafiken aus dem Bereich chinesischer Volkskunst. In diesem Fachgebiet habe ich 2013 an der Tianjin Universität mit Schwerpunktsetzung auf chinesische Holzschnitte promoviert.
 
Vom 15. bis 17. April 2015 habe ich am Netzwerktreffen der Alexander von Humboldt-Stiftung in Bremen teilgenommen und wurde aufgefordert, meine Arbeit im Rahmen einer interdisziplinären Gruppe (Sprach- und Literaturwissenschaften, Fremdsprachen, Kultur- und Kunstwissenschaften) zu präsentieren. Das Bild zeigt mich bei der Posterpräsentation, die einige zentrale Fragen meiner Forschungsarbeit thematisierte:
 
Welche Einblicke geben die Kunstwerke in die gesellschaftlichen Strukturen Chinas?
 
Wie haben das europäische Publikum und Reiseberichterstatter diese Themen im Wandel der Zeit wahrgenommen?
 
Gibt es bestimmte Tendenzen in den Druckformaten, die von europäischen Sammlern erworben wurden und wie wirkten sich diese auf den damaligen Kunstmarkt aus?
 
In wie weit beeinflussten Nachfrage und Vorliebe der europäischen Käufer die Produktion in China für den Export-Markt?
 
Welche Unterschiede gibt es zwischen Drucken, die für den heimischen chinesischen Markt hergestellt wurden, und solchen, die exklusive für den Export nach Europa bestimmt waren?
 
In wie weit ist die etablierte strikte Trennung zwischen chinesischer Volkskunst und Hochkunst noch zeitgemäß?
 
In wie weit gab es einen Austausch zwischen der künstlerischen Elite und weiteren, traditionellen Kunstrichtungen in China?
 
Wie gestaltete sich der wachsende Einfluss der westlichen Kunsttechniken in die verschiedenen Bereiche der chinesischen Kunst?
 
Wie reflektieren die Werke die Rolle der Frau in der zeitgenössischen chinesischen Gesellschaft?

© Kupferstichkabinett, SKD  © Kupferstichkabinett, SKD

(links) Two Cats and Flowers, 耄耋富贵(Mao Die Fu Gui),Suzhou Chia, Chinesisch, (Qing-Dynastie, Ära Kangxi) 18. Jh, vor 1738, da in Inventar von 1738 genannt. Suzhou. Wood-block Chinese New Year print, Wood-cut in eight colors, 360 x 190 mm, © Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
(rechts) A Lady Throwing Fruits to Panan, 潘安掷果(Pan An Zhi Guo), Suzhou China, Chinesisch (Qing-Dynastie, Ära Kangxi), 17. Jh., Wood-block print, Wood-cut in five colors and hand-painted in three colors , 276 X 298 mm, © Kupferstich-Kabinett Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Resümee und Ausblick

Mittwoch, 07. November 2012

Dank der perfekten Organisation durch die Mitarbeiter des NMC war es möglich, innerhalb von nur drei Wochen einen guten Einblick in die aktuelle Museumslandschaft und das gegenwärtige Kunstschaffen Chinas zu gewinnen. Es konnten viele Kontakte geknüpft werden, auf deren Pflege und Vertiefung es nun ankommen wird, um diese in gemeinsame Projekte münden zu lassen. Erste Gespräche zu möglichen Kooperationen wurden bereits geführt. Vereinbart wurde der Austausch wissenschaftlicher Anfragen, etwa zum Bestand chinesischer Malerei im Kupferstich-Kabinett. Von Seiten der Ethnographischen Sammlungen wurden Kooperationen bei der Bearbeitung der sächsischen China-Bestände, insbesondere der umfangreichen Fotosammlungen sowie der zwar kleinen, jedoch aufgrund früher Akquise recht bedeutenden Minoritäten-Sammlungen angesprochen.

Auch von chinesischer Seite wurden Wünsche an uns herangetragen, so in Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Bearbeitung von Sammlungen zur Kunst Zentral- und Westafrikas, mit der sich das NMC in den vergangenen 10 Jahren ein neues Sammelgebiet erschloss. Die Mitarbeiter des National Art Museum of China (NAMOC) signalisierten ihrerseits Interesse an künftigen Kooperationen und sandten uns umgehend die jüngsten Publikationen ihres Hauses für die Ethnographischen Bibliotheken, die bereits  vor unserer eigenen Rückkehr in Dresden eintrafen.
Für die Teilnehmer des Austauschprogramms war es nicht nur eine in fachlicher Hinsicht ausgesprochen anregende Reise, sondern auch eine Möglichkeit zu vielfältigen Begegnungen mit den Kollegen in China ebenso wie mit den Mitreisenden aus Berlin und München, die uns sehr viel Freude bereitet hat.

Blick aus dem Fenster des Vortragsraum im National Museum of China auf den Eingang zur Verbotenen Stadt und das wohl weltberühmte dort angebrachte Mao-Portrait

 

Fotos: Julia Fabritius, sofern nicht anders vermerkt.

In Shanghai unterwegs

Mittwoch, 07. November 2012

Skyline des Hochhausviertels Pudong in Shanghai

In Shanghai besichtigten wir das Shanghai-Museum mit seinen berühmten Sammlungen, darunter antike Bronzen, Keramiken und Porzellane, Jadeobjekte, chinesische Malerei und eine sehr anspruchsvoll gestaltete Ausstellung zur Kunst der Minoritäten Chinas. Leider stand uns hier nur sehr wenig Zeit zur Verfügung – gebraucht hätten wir allein für dieses Museum mindestens drei Tage. So war es schade, dass die Zeit ein Zusammentreffen mit den zuständigen Kuratoren und Restauratoren der mit großer Fachkenntnis bearbeiteten Bestände nicht mehr erlaubte. Weitere Programmpunkte waren das Shanghai Museum of Contemporary Art, das Minsheng Art Museum, die in einem verwinkelten Galerienviertel gelegene ShangART Gallery und – auf besonderen Wunsch der Ethnologen – der Jadebuddhatempel.

Fassade des Shanghai Art Museums, das in Kürze auf das ehemals für die EXPO Shanghai genutzte Gelände umziehen wird.

 

Der Jadebuddhatempel

Unter den zahlreichen Programmpunkten gab es auch Skurilles: z. B. ein ‘Museum’ für Kunsthandwerk, in dem alle Objekte zum Verkauf stehen und in dessen Keller die verschiedenen Kunsthandwerker ihre Produktionsstätten haben. Besonderes Highlight für uns Dresdner: ein gesticktes Riesenbild der Sixtinischen Madonna von 1956, das 1957 in Leipzig auf einer internationalen Ausstellung gezeigt wurde.

Heimatgefühle vor dem Stickbild der Sixtinischen Madonna im Arts & Crafts Museum

Xi’an

Freitag, 26. Oktober 2012

Im Anschluss an den 14-tägigen Aufenthalt in Peking fuhren wir für drei Tage nach Xi’an, wo wir uns mit der Terrakotta-Armee von Shi Huang, des 1. Kaisers aus der Qin-Dynastie (221 – 206 v. Chr.) und der Grabwächterarmee des Kaisers Jing der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zwei der berühmtesten archäologischen Stätten des Landes mit angeschlossenen Museen ansehen konnten. Nach einem Besuch des Shaanxi History Museums, in dem uns besonders die farbigen Fresken aus Tang-zeitlichen Grabanlagen der Umgebung Xi’ans beeindruckten, ging es bereits weiter zur letzten Station unseres Aufenthalts – nach Shanghai, der schon architektonisch aufsehenerregenden Metropole am Ostchinesischen Meer.

Soldaten der Terrakotta-Armee von Kaiser Shi Huang

Die größte der Ausgrabungsstätten am Fundort der Terrakotta-Armee von Kaiser Shi Huang

Die sog. „Big Wild Goose“ Pagode in Xi’an

Der Trommelturm von Xi’an

Auf Entdeckungsreise in Peking

Mittwoch, 24. Oktober 2012

In Peking besichtigten wir auch das National Art Museum of China (NAMOC), das Capital Museum, das privat geführte Red Sandalwood Museum, waren zu Gast im Goethe-Institut und hatten Gelegenheit, in verschiedenen Museen (z. B. dem der Kunsthochschule, der Central Academy of Fine Arts (CAFA) angeschlossenen Museum und dem Beijing Today Museum) und Galerien einen Einblick in das zeitgenössische chinesischen Kunstschaffen zu gewinnen, das eine enorme Bandbreite an Themen und Reflexionsfeldern, vielfach zugleich ein durchaus kritisches Potential bot.
Neben den „offiziellen“ Programmpunkten hatte das NMC zahlreiche Besichtigungen weiterer kultureller und architektonischer „Highlights“ in und um Peking für uns organisiert und ermöglichte uns damit, Orte inner- und außerhalb des Stadtkerns kennen zu lernen. Die Verbotene Stadt hat ihrem Namen alle Ehre gemacht als wir in der Schlange am Ticketschalter standen: Die Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel war dort zu Gast und für über eine Stunde gab es keinen Einlass für Touristen in die ehemals kaiserliche Palastanlage.

Massentourismus in der Verbotenen Stadt

 

Wir haben außerdem Teile der Altstadt mit den traditionellen Hutongs gesehen, sind auf die Große Mauer „geklettert“, wie man im Chinesischen sagt, haben den Sommerpalast am Kunming-See besucht, waren auf dem ehemaligen Olympiagelände und haben den Himmelstempel mit dazugehörigem Park besichtigt – ein Ort, an dem auch die Bewohner Pekings gern ihre Freizeit verbringen. Zu guter Letzt durfte auch ein Besuch einer Aufführung der Peking-Oper nicht fehlen – ein schönes, für europäische Ohren aber doch gewöhnungsbedürftiges Klangerlebnis.

Sonntagsausflug zum Himmelstempel

 

 

Pekinger Wochenendvergnügen: Karten- und Mahjong-Spieler im Park des Himmelstempels

Das National Museum of China (NMC) stellt sich vor

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Das National Museum of China. Ansicht der Fassade vom Platz des Himmlischen Friedens

Das Programm in Peking sah sowohl das Kennenlernen ausgewählter Arbeitsbereiche und Ausstellungen des NMC vor als auch Besuche in anderen Kulturinstitutionen der Hauptstadt. In einer Überblicksvorlesung wurden wir gleich zu Beginn mit der Geschichte und der Organisationsstruktur des Hauses, das in diesem Jahr unter Einbeziehung der Vorgängermuseen sein 100-jähriges Jubiläum beging, vertraut gemacht. Das heute National Museum of China (NMC) ist hervorgegangen aus der Fusion zweier Museen, des National Museum of Chinese History und des National Museum of Chinese Revolution, und versteht sich gleichermaßen als Geschichts- und Kunstmuseum. Seit seiner Erweiterung und Wiedereröffnung im Jahr 2011 gilt das Haus als größtes Museum der Welt. Die Dimensionen sind in der Tat gigantisch: Auf einer Fläche von nahezu 200.000 m² befinden sich 48 Ausstellungshallen. Bis zu 39.000 Besucher (täglich!) besichtigen die derzeit 2 permanenten und 12 Sonderausstellungen. 1,2 Millionen Objekte werden in modernen, mit Mobiliar aus Kampferholz ausgestatteten Depots bewahrt, von denen wir zwei besichtigen konnten. Ohne Sicherheitspersonal und die große Anzahl Ehrenamtlicher einzurechnen, sind 500 Mitarbeiter in 27 Abteilungen am NMC beschäftigt.

Empfang der Gruppe durch den Generaldirektor des National Museums of China, Lu Zhangshen und Huang Zhenchun, Parteisekretär und stellvertretender Direktor, Foto: Ma, Tengfei

Einblicke in die wissenschaftliche Tätigkeit am NMC erhielten wir durch zwei Vorlesungen: Eine zur Geschichte der chinesischen Keramik und des chinesischen Porzellans – wir Dresdner vernahmen, dass „unsere“ Porzellansammlung eines von weltweit nur noch 70 vorhandenen Exemplaren des bläulich glasierten Porzellans der Yuan-Dynastie (1206-1368) beherbergt – eine andere zur Kalligraphie, klassischen Malerei und Siegelkunst. In weiteren Vorlesungen und Seminaren wurden wir mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Digitalisierung sowie der Vermittlungsarbeit vertraut gemacht. Letzteres erfolgte sehr anschaulich, indem wir selbst zu Probanden eines museumspädagogischen Programmes zu Musik und Malerei für Kinder wurden.
Selbstverständlich besichtigten wir auch alle Dauer- und Sonderausstellungen, einige unter sachkundiger Führung, andere im Selbststudium.

Sehr informativ war auch der Besuch der Restaurierungswerkstätten im Scientific and Technical Conservation Department des NMC, das in Shi Liuzhuang, etwas außerhalb der Innenstadt liegt und in dem 50 Mitarbeiter überwiegend für das NMC, aber auch für andere Museen tätig sind. Darüber hinaus waren wir zu Gast in der State Administration of Cultural Heritage unterstellten Chinese Academy of Cultural Heritage, der außerdem das National Conservation Centre for Underwater Cultural Heritage angeschlossen ist. In beiden Einrichtungen konnten wir uns in den technisch gut ausgestatteten Werkstätten und Laboren umsehen und kamen mit den jeweils Verantwortlichen ins Gespräch.

Werkstatt für Papierrestaurierung in der Chinese Academy of Cultural Heritage