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Die Pascaline hautnah erleben

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ihr Erscheinungsbild beeindruckt und ihre Technik war eine Sensation des 17. Jahrhunderts: die Rechenmaschine des Franzosen Blaise Pascal, auch „Pascaline“ genannt. Mit ihrer feuervergoldeten Hülle und ihrer innovativen Mechanik gehört das fast 50 cm breite Recheninstrument definitiv zu den Highlights der Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons (MPS). Selbstverständlich bekommt sie einen besonderen Platz in der neuen Dauerausstellung. Dort werden die Besucher die Möglichkeit haben, unmittelbar neben der Originalmaschine an einem digitalen Nachbau auf einem großen Touchscreen selbst aktiv zu werden, eigene Rechnungen auszuführen und in die Fußstapfen des großen Blaise Pascal zu treten.

Zur Vorschau der virtuellen Pascaline …

Derzeit befindet sich die interaktive Software-Anwendung der Pascaline in den letzten Produktionszügen. Die digitale Pascaline, sowie insgesamt 12 weitere Medienanwendungen in der neuen Dauerausstellung, sind das Ergebnis einer langjährigen Projekt-Kooperation zwischen dem MPS und dem Team von Computergrafikern um Prof. Markus Wacker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden). Eine Reihe dieser Anwendungen geht auf vom MPS und der Hochschule gemeinsam betreute Diplomarbeiten zurück.

Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) arbeiten an der Visualisierung der Pascaline

Um die Medienanwendungen für den musealen Bereich zu optimieren, arbeiten die Wissenschaftler und Computergrafiker unter Leitung von Oberkonservator Dr. Michael Korey vom MPS und Prof. Markus Wacker von der HTW Dresden eng zusammen. In vielen gemeinsamen Produktionssitzungen werden intensiv die bestmögliche Visualisierung, Funktionsweise und Benutzerfreundlichkeit der einzelnen Anwendungen diskutiert und immer weiter verbessert.

Arbeitstreffen mit Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) und Michael Korey (MPS)

Arbeitstreffen von Claudia Bergmann und Markus Wacker (HTW Dresden) mit Michael Korey (MPS)

Interview mit Claudia Bergmann (HTW Dresden)

Claudia Bergmann, Dipl.-Medieninformatikerin an der HTW Dresden, ist die Hauptverantwortliche für die Produktion der digitalen Pascaline. Diese basiert auf ihrer Diplomarbeit, für die Claudia den vom Fachbereichstag Informatik an Fachhochschulen ausgeschriebenen Informatikpreis 2010 in der Kategorie Bachelor-/Diplomarbeit erhalten hat. Wir haben mit Claudia gesprochen:

Claudia, wir sind begeistert von deiner virtuellen Pascaline. Du arbeitest bereits seit einiger Zeit an der Anwendung – Hand aufs Herz, bist Du froh, wenn das Projekt Pascaline abgeschlossen ist?

Es hat mir schon während meiner Diplomzeit Spaß gemacht, die Pascaline „auseinanderzunehmen“ und so aufzubereiten, dass Groß und Klein die digitale Maschine kennenlernen können. Jetzt habe ich die Möglichkeit die Anwendung zu optimieren und finde die Wirkung der Pascaline auf andere immer wieder spannend und bin nach wie vor fasziniert von der Mechanik.

Woher kam die Intention, eine Diplomarbeit über eine Museumsanwendung zu erstellen? Warum ausgerechnet die Pascaline?

Ich wollte meine Diplomarbeit nicht für die Schublade schreiben, sondern etwas machen, dass „bunt“ ist und zum Einsatz kommt. Bunt meint, dass ich Modellierung, Animation, Programmierung und Gestaltung zusammenbringen konnte. Und da ich selbst gern in Museen gehe und mir hier häufig Ideen für interaktive Stationen kommen, habe ich bei den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) angefragt, ob Interesse an einer Anwendung für die Rechentechnikabteilung besteht. Durch einen Zufall kam es dann dazu, dass ich für die Museen TSD und MPS eine Medienstation über die Pascaline erstellt habe.

Sicherlich ist eine derartige Anwendung kein leichtes Unterfangen. Wo lagen für Dich die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Anwendung so zu erstellen, dass alle Museumsbesucher einen Mehrwert daraus ziehen können. D.h. dass man neugierig die Maschine bedienen kann, die Mechanik auch ohne Vorkenntnisse verstehen lernt und Interessierte noch Hintergrundwissen abfragen können.
In der Konzeptionsphase haben wir bereits einen Nutzertest durchgeführt, um sicher zu gehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und nicht „betriebsblind“ werden. Und dabei kamen so erstaunliche Dinge zum Vorschein wie die Tatsache, dass junge Leute das Prinzip der Telefon-Wählscheiben nicht mehr kennen, das der Eingabe an der Pascaline ähnelt.

Inwiefern unterscheidet sich eine Museumsanwendung wie diese von „herkömmlichen“ Medienanwendungen? Worauf musste man als Produzentin besonders achten?

Einen Unterschied bietet schon das Museumsumfeld selbst. Die Besucher sind sehr unterschiedlich von ihrem Vorwissen im Bezug auf die dargestellten Themen und Exponate, aber auch bezüglich der modernen Präsentationstechnik. Die Anwendung muss für jeden etwas sein und kurzweilig.

Vielen Dank für das Interview!