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Teil II: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Mittwoch, 17. Juni 2015

Anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Münzkabinetts sprachen wir mit dem Direktor Dr. Rainer Grund.
Hier
der erste Teil des Gesprächs zum Nachlesen.

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Welche Voraussetzungen muss ein Objekt erfüllen, damit es für Ihr Museum infrage kommt?
Im Allgemeinen kann man drei Kriterien für die Bewertung eines Objektes nennen: Die künstlerische Qualität, der Wert – der sich aus dem materiellen Wert und dem kulturgeschichtlichen Wert zusammensetzt – und die Seltenheit. Um Ankäufe zu tätigen, bedarf es natürlich auch der hierfür benötigten finanziellen Mittel, diese schränken dann die Wahl in bestimmtem Maße ein. Wir besitzen keine abgeschlossene Sammlung, da sich die numismatischen Gegenstände immer weiterentwickeln. Wir versuchen, durch Schenkungen unsere Sammlung zu erweitern. Allerdings ist es auch hier so, dass wir aus Kapazitätsgründen nicht alles aufnehmen können, denn um die Sammlungsvielfalt weiterhin zu gewährleisten, können wir nicht von einem Objekt mehrere Exemplare annehmen.

Wie sind Sie zu dieser Ausstellungskonzeption gelangt? Bei rund 300.000 Objekten ist es sicherlich ein langwieriger und schwieriger Prozess, sich zwangsläufig auf einen Bruchteil der Objekte der Sammlung beschränken zu müssen.
Die Dauerausstellung wurde nicht von einem Nullpunkt aus konzipiert. Als Grundlage diente die jahrelange Dauerausstellung im Albertinum, die durch die räumlichen Gegebenheiten nur begrenzt der Sammlungsbreite des Münzkabinetts gerecht wurde. Daher war es für uns umso wichtiger, mit dieser Neukonzeption das ganze Spektrum des Münzkabinetts  – von Münzen über Medaillen, Orden bis zum Papiergeld, von der Antike bis zu Neuzeit  -  aufzuzeigen. Aus diesem Grunde war die zukünftige Themengliederung bereits in einem relativ frühen Stadium der Planung klar. Der Auftaktraum sollte den Bergbau und die Münzprägung in Sachsen als Spiegel der Landesgeschichte repräsentieren. Diese Thematik des Raumes veranschaulicht der Annaberger Bergaltar in Perfektion und macht die historische Herstellung von Münzen für den Besucher greifbar. Außerdem war uns wichtig, auch nichtnumismatische Objekte zu zeigen, da diese die Ausstellung auflockern und die Illustrationen der Themen bereichern.

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Warum sollte uns der nächste Museumsbesuch nicht zu Liebermann, Monet und den Brücke-Malern führen, sondern zu König Sigismund III. von Polen und der ihm gewidmeten Goldmünze?
Das eine sollte das andere in keinem Falle ausschließen, ich denke der Besucher erweitert sein Blickfeld und sein Allgemeinwissen, wenn er die ganze Vielfalt der Museumslandschaft berücksichtigt.  Daher sind auch einige nichtnumismatische Dauerleihgaben aus anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vertreten, so zum Beispiel aus dem Grünen Gewölbe, dem Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Sächsische Volkskunst, der Skulpturensammlung, der Rüstkammer und in einem größeren Anteil sogar aus den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen. Es freut uns natürlich, wenn durch die Neuinszenierung des Münzkabinetts mehr Besucher auch in den doch spezielleren Bereich der Numismatik hineinschauen. Um den unterschiedlichen Interessen der Besucher gerecht zu werden, gibt es auch einen speziellen Audioguide (in Deutsch, Englisch und Russisch), der besonders für Einsteiger geeignet ist. Für Fortgeschrittene hingegen bieten wir einen interaktiven Katalog an der sukzessiv erweitert wird. Hier kann man deutlich mehr Informationen zu den Objekten erhalten als dies eine kurze Vitrinenbeschriftung vermag, sogar ein Heranzoomen an die Objekte und das Betrachten der Rückseite ist hier möglich.

Haben Sie vor, die Dauerausstellung in späteren Zeiten umzudisponieren? Ganze Vitrinen gar ganz neu zu gestalten?
Wir werden wohl zunächst einmal erleichtert aufatmen, sobald wir die neue Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentieren können. Ich denke, die jetzigen Akteure werden aller Voraussicht nach keine grundlegenden Veränderungen vornehmen. Eine Neugestaltung der Ausstellung ist zu einem späteren Zeitpunkt und bis zu einem gewissen Grad aber durchaus denkbar. auch wenn die zugeschnittene Vitrinenarchitektur dieses mögliche Vorhaben wohl etwas einschränken wird. Allerdings darf der Besucher sich auch auf neue – auch speziellere – Themenschwerpunkte in dem noch zu konzipierenden Sonderausstellungsraum freuen, dort besteht beispielsweise die Möglichkeit, Neuerwerbungen zu präsentieren.

    Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Haben Sie ein Lieblingsstück? Wenn ja, welches wäre hier zu nennen?
Ich habe bereits meine Dissertation auf dem Gebiet der historischen Medaillenkunst verfasst, daher liegt mein besonderes Interesse auch in diesem Bereich. Mich faszinieren besonders die sächsischen Medaillenkünstler des Barock und somit ihre Werke, doch kann ich mich hier nicht auf nur einen Künstler festlegen, denn es gab verschiedene herausragende Künstler in dieser Zeit, es würde die anderen Künstler zu Unrecht degradieren.

Was genau fasziniert Sie an Münzen so sehr?
Die Faszination wächst mit der Beschäftigung über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Münzen und Medaillen sind eine Welt „en miniature“, in diesen kleinen Zeugnissen spiegelt sich der Kosmos der Menschheitsgeschichte wieder und in jedem auf eine andere Art und Weise, die Gesamtheit macht es schließlich. Das fasziniert mich und so wird es wohl auch mein ganzes Leben lang bleiben.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

 

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

Teil I: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Samstag, 06. Juni 2015

Nach elfjähriger Schließzeit wird die neue Dauerausstellung des Münzkabinetts in einer einzigartigen Präsentation und mit deutlich erweitertem Umfang im zweiten Obergeschoss des Georgenbaus ab dem 7. Juni 2015 erstmalig für das Publikum zu sehen sein. Mit dieser Schatzkammer bereichert die traditionsreiche Münzsammlung, die zu den drei großen ihrer Art in Deutschland gehört und von europäischer Bedeutung ist, die Museumslandschaft in Deutschland um eine weitere wichtige Facette. Die neue, in den Rundgang im Residenzschloss eingebundene Dauerausstellung des Münzkabinetts richtet sich mit ihrer großen Bandbreite an viele weit über das Fachpublikum hinaus interessierte Besucher.

Wie wird man Direktor eines Münzkabinetts? Was geschieht hinter den Kulissen? – Wir sprachen mit Dr. Rainer Grund, seit 2002 Direktor des Münzkabinetts.

Dr. Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, im Silberwaffensaal des Residenzschlosses © SKD

Dr. Rainer Grund, Direktor des Münzkabinetts, im Silberwaffensaal des Residenzschlosses © SKD

Wollten Sie schon zu Beginn Ihres Studiums im Museum arbeiten? Wie kam es dazu?
Die Arbeit in einem Museum war für mich bereits vor dem Studium erstrebenswert, schon in der Zeit der erweiterten Oberschule interessierte ich mich bereits für Kunstgeschichte, Museumsarbeit – und in meinem Heimatort Annaberg gibt es das Erzgebirgsmuseum, in dem ich Praktika und auch Ferienarbeit verrichtete. Das war der Beginn meiner Tätigkeit im Museumswesen.

Wie kamen Sie vom allgemeinen Heimatkundemuseum zur Numismatik?
Im Studium musste man bereits sehr früh ein erstes Pflichtpraktikum absolvieren. Ich hatte mich damals für Dresden und das Münzkabinett entschieden. Es blieb allerdings nicht bei nur einem. Im Laufe meines Studiums leistete ich erneut ein Praktikum im Münzkabinett. Hierbei eröffnete mir dessen damaliger Direktor Paul Arnold die Möglichkeit, daraus einen Beruf fürs Leben zu machen.

Wie wurden Sie Direktor des Münzkabinetts?
Nach einer kurzen Phase als wissenschaftlicher Assistent stieg ich zum wissenschaftlichen Mitarbeiter auf. Im Jahre 2002 wurde ich vom damaligen Generaldirektor Martin Roth als Direktor des Münzkabinetts eingesetzt.

Seit wann bereiten Sie die Dauerausstellung vor, solch ein Großprojekt bedarf sicherlich einer langen Vorlaufzeit?
In der Tat, solch ein Vorhaben plant man nicht kurzfristig. Im Prinzip begann alles mit der Wahl des Architekturbüros, das für die Gestaltung der Ausstellungsräume im 1. und 2. Geschoss des Georgenbaus beauftragt wurde. Diese Entscheidung fiel Ende 2007.

Blick in die Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © SKD, Foto: Hans Christian Krass

Blick in die Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © SKD, Foto: Hans Christian Krass

Wo lagen für Sie die größten Herausforderungen bei diesem Projekt?
Da von Anfang an feststand, welche Räume für die Dauerausstellung in Frage kommen, war es eine Herausforderung, die Münzen – deren angemessene Präsentation nur innerhalb der Augenhöhe zu gewährleisten ist – in den hohen Schlossräumen in Szene zu setzen. Hierbei wurden auch die unterschiedlichen Blickwinkel von Wissenschaftlern und Architekten sichtbar, doch diese Differenzen waren durchaus in der Frage der Präsentationsweise der Objekte hilfreich. Denn es ist besonders wichtig, die Ausstellung immer ansprechend für den Besucher zu gestalten. So entstand auch die Idee eines Leitobjekts für jeden Ausstellungsraum, das pars pro toto für das Thema des jeweiligen Raumes steht. Es ist für einen Wissenschaftler auch eine etwas schmerzliche Erfahrung zu erkennen, dass weniger manchmal mehr ist. Man möchte schließlich sowohl Laien als auch Fachwissende mit dieser Dauerausstellung bedienen.

Welche Erkenntnis, die Sie während der Vorbereitungsphase erlangten, würden Sie gerne mit der Welt teilen?
Zuerst einmal, dass solch ein Großprojekt ohne die tatkräftige Unterstützung aller Beteiligten nicht zu stemmen wäre. Außerdem habe ich erkannt, dass es durchaus nützlich ist, in solche Planungen mit einer gewissen Naivität einzusteigen. Denn wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich wohl nicht mit solch einem Optimismus in dieses Projekt gegangen. Man muss bei solch einem komplexen Projekt immer das große Ganze – und auch den Eröffnungstermin – sehen und darf sich nicht in den täglichen Überraschungen verlieren.

Das Dresdner Münzkabinett gehört ja zu den größten Universalmünzsammlungen Deutschlands, gibt es gegenüber den anderen wichtigen numismatischen Museen eine Spezialisierung?
Wie die  Besucher auch zu Recht erwarten dürfen – und in dieser Erwartung werden sie auch nicht im Geringsten enttäuscht – präsentieren wir in der Ausstellung numismatische Objekte aus Sachsen, in aller Vielfalt. So sind beispielweise im Auftaktraum in der Mittelvitrine alle sächsischen Herrscher albertinischer Linie mit den von ihnen herausgegebenen Gedenkmünzen vertreten. Da sich das Münzkabinett gleichzeitig als eine Forschungseinrichtung versteht, gibt es sogar ein sächsisches Archivgesetz, das besagt, dass alle in Sachsen hergestellten oder beauftragten Medaillen mit einem Belegexemplar dem Münzkabinett zu übergeben sind.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Zur Person:
Dr. Rainer Grund, geboren 1959, absolvierte sein Studium der Kunstwissenschaften 1986 an der Universität Leipzig. In seiner Freizeit erkundet er gerne zusammen mit seiner Gattin historische Städte in der Umgebung, vor allem Böhmen gilt ihr besonderes Interesse. Aber auch Reisen in ferne Länder haben es ihm angetan – so sind sie auch gerne einmal abenteuerlich mit Rucksack unterwegs gewesen. Dabei steht für Rainer Grund immer im Mittelpunkt, unbekannte Reiseziele zu erschließen. Nicht nur der Urlaub dient ihm als Ausgleich zur Arbeit, sondern auch die Lektüre von schöngeistiger Literatur.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation ©SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

 

Freut Euch auf den zweiten Teil des Interviews, der in Kürze hier erscheinen wird.

Zeitstücke – Ganz in sich, aber nicht vollständig

Freitag, 22. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Der Themenbereich „Zeitstücke“ der Schau empfängt den Besucher mit leisem Ticken. Dieses sanfte Geräusch stammt aus dem Inneren der Ausstellungsarchitektur. Man spielt hier mit dem bereits längst vergangenen Nutzen dieser Objekte, denn in diesem Bereich stehen Uhrgehäuse, Uhrwerke, Uhrzeiger und Zifferblätter getrennt nebeneinander und es ist klar, dass sie nur in ihrer Kombination ihrem eigentlichen Zweck, der Zeitmessung, gerecht werden.

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Politik der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in den 1960er-Jahren ihre Sammlungen stringenter zu organisieren, führte zu nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen. Ein besonders absurdes Beispiel dafür ist die Caffieri-Uhr, die eine Vereinigung verschiedener Materialien und Künstlerarbeiten ist und nach Materialien aufgeteilt und somit „unlesbar“ gemacht wurde. Benannt ist die Uhr nach dem im Stil des berühmten französischen Bronzebildhauers Jean-Jacques Caffieri (1725 –1792) gearbeiteten, reich bewegten Gehäuse aus gegossener und feuervergoldeter Bronze, das ein hervorragendes Zeugnis des Pariser Kunsthandwerks der 1740er-Jahre ist. Die für diese Uhr passgenau geschaffenen drei Harlekine auf dem Sockel gingen aus der Meissner Porzellanmanufaktur hervor und sind Arbeiten von Johann Joachim Kändler (1706 –1775). Das (verlorene) Uhrwerk stammte wohl von dem französischen Uhrmacher Etienne-Claude Couturier (1768 –1823). Im Zuge der Sammlungsbereinigungen wurde die prachtvolle Uhr schließlich auseinandergerissen: Die Harlekine verblieben in der Porzellansammlung, das Bronzegehäuse wurde 1969 nach Pillnitz abgegeben und ob in diesem Zusammenhang das Uhrwerk an den Mathematisch-Physikalischen Salon weitergegeben wurde oder zu einem anderen Zeitpunkt an einem anderen Ort verloren ging, ist nicht mehr rekonstruierbar.

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

#53666 Uhr / Unbekannter Künstler, Paris, 1745 –1749 /Porzellansammlung / # PE 118, PE 250, PE 257 Drei Harlekin-Figuren / Johann Joachim Kaendler, Meißen, um 1740

Anders ist es beiden 1880 von „Herrn Hofuhrmacher Weisse“ angekauften, einzelnen Uhrzeigern. Sie wurden im Sinne der Vorbildsammlung losgelöst von den Uhren angekauft, um den damaligen Stand der Metallverarbeitung zu dokumentieren und zur weiteren Erforschung zugänglich zu machen. Nicht nur haben diese Zeiger ihre Uhr und damit ihre Funktion verloren, auch kam ein Großteil des einst 26 Stück umfassenden Konvoluts im Zuge des Zweiten Weltkriegs abhanden.
Insgesamt um 60 Objekte wurde damals die Vorbildersammlung für die Studenten der angegliederten Kunstgewerbeschule erweitert. Neben wertvollen historischen Uhren gehörten auch Einzelteile dazu, darunter 26 Uhrzeiger, von denen heute nur noch fünf vorhanden sind.

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

#12580 Stundenzeiger / Deutschland, 18. Jh. / Messing, vergoldet / L.10,3 cm /Ankauf, Hofuhrmacher Weisse, Dresden, 1880

Und dann gibt es in diesem Bereich noch Gehäuse von Pendule-Uhren. Ihnen wurden aus bisher nicht zu klärenden Gründen die Uhrwerke entnommen. Dadurch wird die aufwändige Boulle-Marketerie, die sonst hinter den Uhrwerken verborgen war, sichtbar. Die Leerstelle im Uhrgehäuse definiert das Objekt funktional wie ästhetisch neu. Die Gehäuse, zu deren Uhrwerken bis auf eine Ausnahme jede Spur fehlt, sind nach dem Zweiten Weltkrieg auf sehr unterschiedlichen Wegen in die Sammlung des Kunstgewerbemuseums gekommen. Ein recht großer Teil stammt aus dem Bestand des Dresdner Residenzschlosses: Ausgelagert in Bergungsdepots im Umland von Dresden hatten die Pendulen das Bombardement überstanden. Jedoch wurden viele dieser Depots aufgebrochen, verwüstet und die Objekte stark beschädigt. Auch später kam es dazu, dass noch vollständige Uhren fragmentiert wurden, indem die Uhrwerke entnommen und willkürlich abgelegt wurden. Durch ihre aufwendige Gestaltung mit kostbarer Marketerie aus Schildpatt, Messing sowie Perlmutt und zuweilen sogar farbig unterlegtem Horn sind die Gehäuse – wenn auch zum Teil nur fragmentarisch erhalten – doch vielsagende Zeugnisse der hohen Qualität des Pariser Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts. Die plastisch durchgebildeten Beschläge bzw. vollplastischen Aufsatzfiguren aus vergoldetem Messing stellen meist auf die Ikonographie der Zeit abgestimmte Motive dar: Häufig schmückt der Gott der Zeit – Kronos – die Pendulen.

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht der Pendulen-Gehäuse im Themenbereich „Zeitstücke“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Und nicht verpassen: Wir haben zeitnah ganz besondere Angebote für Euch:

23. Mai 2015 – Öffentlicher Rundgang
Treffpunkt Foyer – 11 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

23. Mai 2015 – Familiennachmittag von 15–17 Uhr
Treffpunkt Foyer – 15 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

26. Mai 2015 – Expertinnenführung: Mitarbeiterinnen des Kunstgewerbemuseums führen durch die Ausstellung und stellen ihre Spezialgebiete vor. Mit Katrin Lauterbach, Schwerpunkt Keramik
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Keine Führungsgebühr

29. Mai 2015 – Direktorinnenführung mit Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums und  Kuratorin der Ausstellung, führt durch die Sonderausstellung.
Treffpunkt Foyer – 16.30 Uhr
Führungsbeitrag 3 Euro

Alle Preise gelten pro Person, Kinder unter 7 Jahren sind frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Muster(bücher) der Reformzeit

Freitag, 08. Mai 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Ein erfreuliches Angebot ermöglichte es im Jahr 2014 vier Glasurmusterbücher für Kachelöfen der Meißner Teichert-Werke (um 1910 – 20) mit einigen Katalogdokumenten aus der Hinterlassenschaft eines sächsischen Ofensetzers mit Hilfe des Freundeskreises des Kunstgewerbemuseums anzukaufen.

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Draufsicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Die Kundschaft konnte mittels der Musterbücher aus dem reichen Farbspektrum wählen. Im Meißner Farben- und Glasurenwerk „Bidtelia“ erprobten Professoren und Studenten der Dresdner Kunstgewerbeschule ihre Ideen und führten ebenso Ofenentwürfe für die vier großen Teichert-Werke aus. Auch anerkannte Künstler wie Peter Behrens, Fritz Schuhmacher oder Ludwig Vierthaler wurden mit Ofen und Kaminentwürfen beauftragt. Die auf der Jahresschau Deutscher Arbeit 1925 in Dresden gezeigten Teichert-Öfen erhielten höchstes Lob, sie seien technisch kaum zu übertreffen und auch die Glasuren und Formen verbänden technische Vollendung mit künstlerischem Geschmack, hieß es. Die dem zeitlichen Verfall widerstehenden Glasuren geben heute exzellent die bevorzugte Farbigkeit der Reformzeit wieder. Daher sind die Musterbücher trotz ihrer Unscheinbarkeit und ihrem leicht zerschlissenen Zustand für die Forschung wertvoll, da sie es dank ihres bekannten Entstehungsdatums ermöglichen, andere Kacheln der Sammlung genauer einzuordnen.

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20  © SKD

#55433 Musterbuch für Kachelofenglasuren / Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, vorm. C. Teichert, Meißen, um 1910 –20 © SKD

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD,  Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht Bereich „Muster“ © SKD, Foto: Amac Garbe

Zerlegbar – ob Kachelofen, Pokal oder Schrank

Freitag, 10. April 2015

Herzlich Willkommen zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung “Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“. Die Schau ist noch bis zum 21. Juni in der Kunsthalle im  Lipsiusbau zu sehen.

Im Ausstellungsbereich „Zerlegbar“ werden Stücke gezeigt, die aus unterschiedlichsten Gründen mehrteilig konzipiert sind. Bei einem Systemmöbel wie der MDW-Wand (Montagewand Deutsche Werkstätten) erstaunt die Zerlegbarkeit kaum jemanden. Ein flach ausgelegter Kachelofen ist allerdings schon ungewöhnlicher, wurden doch solch massiven Öfen in der Regel an ihrem Zielort gesetzt und sind dann dort verblieben. Um wieder seinen vollständigen Zusammenhang zu bekommen und restauriert zu werden, musste das Objekt erst einige Hürden überwinden:

In den 1960er-Jahren gründete Lothar Berfelde, auch bekannt als Charlotte von Mahlsdorf, entgegen allem künstlerischen und politischen Zeitgeschmack ein privates Gründerzeitmuseum in Berlin Mahlsdorf (DDR). 1974 wollte der Staat das Museum in seinen Besitz bringen. Durch unbillige Steuerforderungen unter Druck gesetzt, verschenkte die Gründerin die Sammlung Stück für Stück. Der Kachelofen kam im Zuge dessen 1978 als Schenkung in die Sammlung des Dresdner Kunstgewerbemuseums und lagerte seitdem in den Depots. Durch die überraschende Flutung der Kellerräume im Schloss Pillnitz 2002 wurden viele Kacheln verschmutzt oder umdeponiert. So kam es zu einer gründlichen Säuberung und Sortierung von über 1.000 Kacheln. Dabei trat erstmals ein ganzheitliches Bild des 3,50 m hohen Neorokoko- Ofens zum Vorschein. Er besteht aus 40 Einzelteilen, die bis zu 25 kg schwer sind.

#43648 –23, Kachelofen als „Flachware“ in der Ausstellung © SKD,  Foto: Amac Garbe

#43648 –23, Kachelofen als „Flachware“ in der Ausstellung © SKD, Foto: Amac Garbe

Ein raffinierterer Grund, ein Werk zerlegbar zu machen, steckt hinter dem „Willkomm der Hofkellerei Dresden“, einem opulent gearbeiteten Deckelpokal. Er wurde im 18. Jahrhundert von August dem Starken bei der Dresdner Glashütte in Auftrag gegeben und 1768 zum „Willkomm der Chur-Fürstl. Kellerey“ bestimmt. Zur Verwendung des Pokals ist die Zerlegbarkeit nicht von Nöten, dennoch besitzt er an Schaft und Deckelknauf Glasgewinde, durch die er sich in vier Teile auseinanderschrauben lässt. Diese wurden lediglich angebracht, um das Schliffdekor bis in den äußersten Winkel des Gefäßes eingravieren zu können. Dem „Willkomm“ steht ein weiterer Pokal böhmischer Herkunft gegenüber, um den demontierten Zustand eines solchen Stücks zu veranschaulichen.

#37274 Willkomm der Hofkellerei Dresden / Glasschneider Heinrich Volckert zugeschrieben, Glashütte Dresden, 1716–17

#37274 Willkomm der Hofkellerei Dresden / Glasschneider Heinrich Volckert zugeschrieben, Glashütte Dresden, 1716–17

Der plausibelste Grund, ein Objekt zu zerteilen, spiegelt sich in einem massiven Barockschrank aus dem frühen 18. Jh. wider: Transportierbarkeit. Dieser und ähnliche monumentalen Schränke gliedern sich in einen auf stark bauchig ausgeformten Füßen stehenden Sockel, einen Hauptteil mit der charakteristischen Verzierung und ein Gesims, nach dem auch die unterschiedlichen Typen bestimmt werden. Sie werden lediglich durch kleine Keil-, Nut- oder Hakenverbindungen zusammengehalten und nach dem niederdeutschen Wort für Schrank auch „Schapp“ genannt. Die reichen Schnitzereien sind meist von christlich-religiösem Inhalt. So zeigt das Giebelrelief des ausgestellten Danziger Schapps (trapezförmiger Giebel) die christliche Kardinaltugend der Nächstenliebe (Caritas).

Die Zerlegung des mehrere hundert Kilo schweren und 280 x 274 cm großen Schranks in seine Einzelteile, der Transport und das Wiederzusammenfügen ist bis heute mit enormem Kraftaufwand verbunden.

Präzisionsarbeit: Aufbau des Barockschranks in der Ausstellungshalle

Präzisionsarbeit: Aufbau des Barockschranks in der Ausstellungshalle

Diese ursprüngliche Idee, einen Schrank für den praktischen Nutzen zerlegbar zu machen, wurde zur Produktion der Montagewand Deutsche Werkstätten, kurz MDW, erweitert. Rudolf Horn, einer der wichtigsten Designer der DDR, erhielt Anfang der 1960er-Jahre gemeinsam mit seinen Kollegen Eberhard Wüstner, Helmut Kesselring und Erhard Schumann den Auftrag, für den VEB Deutsche Werkstätten ein industriell effizient herzustellendes und dennoch attraktives Möbelprogramm zu entwickeln. Dieses sollte den neuen Wohnbedürfnissen der Menschen, unter anderem in den Plattenbausiedlungen, gerecht werden. Der Auftrag gab Horn die Möglichkeit, seinem Ideal entsprechend praktisch-nützliche Möbel für die breite Masse zu entwerfen. Das einfache wie geniale Prinzip der MDW-Wand ist, dass es auf einem Rasterprinzip aufbauende Normteile gibt, aus denen unendlich viele Kombinationen abgeleitet werden können. Die MDW-Wand wurde erstmals 1967 vorgestellt und ging schließlich 1968 in die Serienproduktion. Sie wurde in immer wieder aktualisierten Varianten bis 1991 (MDW 90) produziert und zählt damit zu den erfolgreichsten Möbelprogrammen, die je gefertigt wurden.

#55068 MDW – Montagewand Deutsche Werkstätten /Entwurf: Rudolf Horn, Mitarbeiter des Instituts f. Möbel- & Ausbaugestaltung, Hochschule f. industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein; Ausführung: Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden-Hellerau, nach 1968

#55068 MDW – Montagewand Deutsche Werkstätten /Entwurf: Rudolf Horn, Mitarbeiter des Instituts f. Möbel- & Ausbaugestaltung, Hochschule f. industr. Formgestaltung Burg Giebichenstein; Ausführung: Deutsche Werkstätten Hellerau, Dresden-Hellerau, nach 1968

Die Objekte in diesem Bereich der Ausstellung verbindet neben ihrer Zerlegbarkeit auch die Tatsache, dass die einzelnen Segmente eines jeden Objekts nicht für sich allein, sondern nur im Ensemble wirken können.

Übernahmen und verkannte Geschenke

Freitag, 27. März 2015

Der Bereich „Übernahme“ der Ausstellung „Die Teile des Ganzen“ beschäftigt sich mit Objekten, die nicht gezielt gesammelt, sondern dem Kunstgewerbemuseum übertragen wurden.

So gelangte etwa ein diplomatisches Geschenk aus Japan 1975 in die Sammlung. Es handelt sich um ein Konvolut japanischer Keramikvasen und –schalen mit dazugehörigen Verpackungskisten. Niemand ahnte damals, dass es sich dabei um Meisterleistungen der japanischen, überwiegend Kyoter, Keramikszene der 1970er-Jahre handelt. Stattdessen wurden die Stücke als von „durchschnittlicher Warenhausqualität“ beurteilt. Erst 35 Jahre später erkannte man den künstlerischen Wert der Vasen und ihrer Holzkisten.(1) Bei den Boxen handelt es sich um sogenannte Kiribako-Kisten, die sich durch eine handschriftliche Signatur und das Siegel des Künstlers auszeichnen und somit Teil des Kunstwerks sind. Nur durch den Ressourcenmangel in der DDR wurden die meisten Kisten aufbewahrt – sie wurden zweckentfremdet und als Transportkisten genutzt. Forschungen zeigten mittlerweile, dass einige Werke von Künstlern mit höchsten staatlichen Auszeichnungen (sog. „Lebender Nationalschatz“) stammen. Neben der kunsthandwerklichen Qualität ist auch die Vielfalt in Material, Form und Dekor beachtlich. Durch die Präsentation der Gefäße in der Ausstellung in Form eines „Vasenturmes“ sieht man allerdings auch, dass es nicht gelungen ist, alle Kunstwerke in ihrer Gesamtheit zu bewahren. Manchen Vasen kamen die zugehörigen Holzkisten abhanden, sie repräsentieren somit eine brüchige Einheit.

Konvolut japanischer Keramikvasen mit zugehörigen, vom Künstler gesiegelten und signierten und mit Gurtbändern (Sanadahimo) verschnürten Holzkisten (Kiribako) © SKD, Foto: Katrin Lauterbach

Konvolut japanischer Keramikvasen mit zugehörigen, vom Künstler gesiegelten und signierten und mit Gurtbändern (Sanadahimo) verschnürten Holzkisten (Kiribako) © SKD, Foto: Katrin Lauterbach

Ausstellungsansicht mit Vasenturm © SKD, Foto: Amac Garbe

Ausstellungsansicht mit Vasenturm © SKD, Foto: Amac Garbe

Ein anderes Konvolut im Bereich „Übernahme“ zeigt Stücke der sogenannten „Arbeitsgemeinschaft Winde“, einer Gruppe von Studierenden rund um den Gestalter Theodor Artur Winde an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe. Durch die Anordnung der Stücke im Raum wird verdeutlicht, welch prägende Wirkung der Lehrer in der Zwischenkriegszeit auf seine Schüler hatte und welche Wege die Schüler später nahmen. Obwohl das Studium bei Winde für die meisten Schüler nur einen kurzen Abschnitt des Ausbildungsweges bedeutete, sind namhafte Gestalter aus seiner „Arbeitsgemeinschaft“ hervorgegangen. So etwa Rudi Högner, der die Designausbildung der DDR wegweisend prägte, oder Siegmund Schütz, der als Porzellangestalter an der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin arbeitete. Das Spektrum der Berufswege reicht von Design über Holzbearbeitung und Bühnenbild bis hin zur Porzellangestaltung.

Tisch mit Arbeiten der „Arbeitsgemeinschaft Winde“. Im Zentrum steht ein Leuchter von Theodor Arthur Winde, um ihn herum sind Arbeiten seiner Schüler positioniert © SKD, Foto: Amac Garbe

Tisch mit Arbeiten der „Arbeitsgemeinschaft Winde“. Im Zentrum steht ein Leuchter von Theodor Arthur Winde, um ihn herum sind Arbeiten seiner Schüler positioniert © SKD, Foto: Amac Garbe

Als drittes Konvolut im Ausstellungsbereich „Übernahme“ werden drei Wandteppiche der ostdeutschen Gestalterin Margarita Pellegrin präsentiert. Mit ihrer Form- und Farbensprache zeugen sie von Pellegrins Jahren in Chile, wo sie mit ihrem Mann lebte und an der Universidad de Chile in Antofagasta lehrte. Die Teppiche sind eine Auftragsarbeit für den Rat des Bezirkes Dresden und waren für die Ausstattung öffentlicher Gebäude gedacht. Sie gelangten 1998 über den Kunstfonds des Freistaats Sachsen das Kunstgewerbemuseum.

Wandteppich „Demonstration“, Margarita Pellegrin, Dresden, 1976

Wandteppich „Demonstration“, Margarita Pellegrin, Dresden, 1976

Alle Übernahmen haben gemein, dass sie gewissermaßen ungefragt an das Museum herangetragen wurden und die Sammlung heute bereichern, stammen sie doch oftmals aus Zeiträumen, die in der Sammlung unterrepräsentiert sind. Sie erzählen viel darüber, wie diskontinuierlich und unsystematisch Sammlungen häufig aufgebaut werden. Nicht zuletzt zeigen sie auch, dass des Öfteren erst spätere Generationen von Forschern und Forscherinnen zu einer richtigen Beurteilung der Stücke gelangen.

(1) Vgl. Lauterbach, Katrin und Simonis, Sonja: Ein verkanntes Geschenk. Zeitgenössische japanische Keramik der 1970er Jahre, in: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (2014): Dresdener Kunstblätter 3/2014, Kunstgewerbemuseum, Dresden, Sandstein-Verlag, S. 40-51.

Vielheit in Gestaltung, Einheit in Funktion

Montag, 23. März 2015

Im Bereich „Vielheit“, einem Teil der Ausstellung „Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums”, stehen sich eine Auswahl von Messern und ein vollständiges Besteckset gegenüber. Ausgehend von nur einem (vermeintlich) archetypischen Gegenstand lässt sich Grundlegendes über Gestaltung und ihre Parameter nachvollziehen, denn bei aller funktionalen Einfachheit bleibt erstaunlich viel Raum für unterschiedliche Gestaltungsansätze offen.

50 Messer erzählen davon, wie sich Gestaltung mit der Zeit, veränderten Bedürfnissen, technischen Neuerungen oder sozialen Verschiebungen wandelt. Die zum Großteil handgegossenen und handgeschliffenen Messer sind durch Material, Formgebung und zeittypische Dekore – oder die Abwesenheit des Dekors – gut historisch einzuordnen. Während des 18. Jahrhunderts war etwa in Kreisen des wohlhabenden Bürgertums ausschließlich Silberbesteck gebräuchlich; im darauffolgenden Jahrhundert hingegen kam die kostengünstigere Variante des Neusilbers (Alpacca) zum Einsatz. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Silber- beziehungsweise versilberte Besteck durch Edelstahl ersetzt. Die Abfolge der Messer erzählt eine komprimierte Designgeschichte und es wird deutlich, dass ein Messer kein Archetyp ist.

Zehn Messer aus 16. - 20. Jh.: #51518, 55639 -1, 55624-1, 53641-1, 55531, 55574-1, 52055-1, 55545-1, 55586-1, 51510-1

Zehn Messer aus 16. - 20. Jh.: #51518, 55639 -1, 55624-1, 53641-1, 55531, 55574-1, 52055-1, 55545-1, 55586-1, 51510-1

Ergänzend wird ein 25-teiliges Besteckset für die Verwendung in Restaurants und Hotels der gehobenen Klasse in der DDR gezeigt. Das Besondere an dem „Modell 120“ nach einem Entwurf von Christa Petroff-Bohne ist seine schlichte Gestaltung, dadurch konnte es mühelos über den langen Zeitraum von 1961 bis 1989 zum Einsatz kommen. Petroff-Bohne gilt durch ihre Lehrtätigkeit in Berlin-Weißensee und ihre klassisch-eleganten Arbeiten, die sich nahtlos in das zeitgenössische internationale Qualitätsdesign einreihen, als richtungsweisend für das DDR-Design.

Ausstellungsansicht: Historische Aufreihung der 50 Messer © SKD, Foto: Amac Garbe

#44352–44376: Besteckset „Modell 120“, 25-teilig, Entwurf: Christa Petroff-Bohne, 1960; Ausführung: VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS), Aue © SKD, Foto: Amac Garbe

Der Bereich „Vielheit“ lädt dazu ein, Alltagsobjekte genau zu betrachten und verschiedene Gestaltungsparameter an ihnen auszumachen.

Ausstellungsansicht: Historische Aufreihung der 50 Messer © SKD, Foto: Amac Garbe

Fragmente. Keramikhäuschen, Krabbe, Seidengewebe

Freitag, 06. März 2015

Ab jetzt stellen wir Euch in regelmäßigen Abständen kurze Geschichten zu den besonderen Objekten der Ausstellung „Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums” vor. Heute widmen wir uns diversen Fragmenten aus dem gleichnamigen Ausstellungsbereich.

Als Gegenstände kunsthandwerklicher Gestaltung findet sich auch Spielzeug in der Sammlung des Kunstgewerbemuseums. Darunter ein keramisches Häuschen, das einst mit 76 weiteren Teilen inventarisiert wurde. Angefertigt wurde die Spielzeugstadt in der Keramischen Werkstätte Johannes Reh Kamenz um 1923-1925 nach einem Entwurf von Rudolf Gerbert, einem vielfach ausgezeichneten Bildhauer. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges kam dem Haus allerdings die umgebende Stadt abhanden, bis zuletzt war nur ein einziges Teil auffindbar und warf viele Fragen auf: Wie ordnet man dieses Fragment ein, wie kann man seinen Verwendungszusammenhang rund ein Jahrhundert später interpretieren? Was ist ein Haus ohne Stadt? Was macht überhaupt eine Stadt aus?
Bis vor kurzem fehlte jegliche Spur von den verbliebenen Teilen, dann wurden weitere Häuser dieser Art im Museum für Sächsische Volkskunst ausgemacht. Der Fund innerhalb des Museumsverbundes ist eine erfreuliche Entdeckung, die den beharrlichen Forschungen einzelner Wissenschaftlerinnen zu verdanken ist und nun weitere Forschungen nach sich zieht.

#33885 Rotes Spielzeughäuschen nach Rudolf Gerbert, um 1924 © SKD, Foto: Amac Garbe

Oftmals können nicht alle Fragestellungen zu Objekten geklärt werden. Oft ist man auf Mutmaßungen oder Referenzbeispiele angewiesen – in vielen Fällen zeigt sich, dass die Distanz einer späteren Generation manchmal hilfreich ist, um Arbeiten richtig einschätzen zu können.

Davon zeugt auch eine Krabbe aus Kupfer. Sie wurde gemeinsam mit Kleinteilen japanischer Schwerter ins Museum gebracht und deshalb nahm man an, es handle sich um ein Menuki, ein Ornament am Griff von Samuraischwertern. Doch aufgrund ihrer vollplastischen Ausführung musste die These des Menuki verworfen werden. So kam man zu der Feststellung, es handle sich um ein Okimono, eine Tierplastik. Oftmals werden solche Tierplastiken als Schmuckelement an einem Gefäß angebracht. Dann allerdings sind sie nicht mehr als Okimono zu betrachten, sondern wechseln mit der Funktion ihren Namen. So zeigt sich anhand eines so winzigen Objekts von gerade mal 1,55 x 3,5 cm eine ganz grundsätzliche Herausforderung von Wissenschaftlern, nämlich Objekte aus einer anderen Kultur zu verstehen und einzuordnen.

Kupfer-Krabbe, Japan, vor 1884

Platzieren der Krabbe im Ausstellungskasten

Doch im Bereich „Fragmente“ trifft man nicht nur auf Objekte mit ungelösten Fragen. Gleichermaßen findet man hier ein Stück eines Seidengewebes mit Chrysanthemenmuster, das mit hoher Gewissheit aus der ursprünglichen Raumgestaltung des Damenschlafzimmers des Neuen Palais in Potsdam stammt. Diese Sicherheit basiert darauf, dass Kaiser Wilhelm II. 1893 das Nachweben des Motives in Auftrag gab und im gleichen Jahr auch dieses Seidengewebefragment vom Museum angekauft wurde. Das Objekt stammt aus dem 18. Jahrhundert und war Teil einer Innenausstattung. Die Raumgestaltung eines Zimmers galt zu damaligen Zeiten als Gesamtkunstwerk, deshalb verwendete man jeweils nur ein Gewebe zur textilen Ausstattung eines Wohnraumes. Anhand des Fragmentes lässt sich der Rapport des Musters vollständig ableiten und man besitzt gleichzeitig ein Beispiel der preußischen Seidenwebkunst des Rokoko, die unter Friedrich II. zu außergewöhnlichen künstlerischem und wirtschaftlichem Aufschwung gelangte.

#24553 Paillefarbenes Seidengewebefragment mit Chrysanthemenblüten an einer Ranke, Berlin, 1760er Jahre

Diese Objekte sind anschauliche Beispiele dafür, wie Fragmente in Bezug zu einem übergeordneten Ganzen gesetzt werden können. Außerdem erzählen sie von den Herausforderungen, mit denen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kunstgewerbemuseums täglich konfrontiert sind. Als Besucher kommt man kaum umhin, selbst nach Antworten auf offene Fragen zu suchen.

Ausstellungsansicht "Die Teile des Ganzen", 7. März - 21. Juni 2015, Kunsthalle im Lipsiusbau © SKD, Foto: Amac Garbe

Es ist soweit! Die Aufbauarbeiten in der Kunsthalle im Lipsiusbau nahen ihrem Ende

Freitag, 27. Februar 2015

Ab dem 7. März zeigt unser Kunstgewerbemuseum seine Ausstellung „Die Teile des Ganzen. Geschichten aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums“ im Lipsiusbau. Damit ist das Museum nach langer Zeit am Stadtrand in Pillnitz wieder in der Innenstadt präsent.

Die Aufbauarbeiten sind in vollem Gange – die Gestaltung der Ausstellung stammt vom Wiener Architekturbüro „the next ENTERprise“ und den Grafikdesignern des Berliner Studios „Fons Hickmann m23“. Kuratiert wurde die Ausstellung von Tulga Beyerle, der Direktorin des Kunstgewerbemuseums.

Ausschnitt der Wandbespannung mit den Objektnummern #1 (1873) bis #55.712 (2014)

Ausschnitt der Wandbespannung mit den Objektnummern #1 (1873) bis #55.712 (2014)

Die gesamte Kunsthalle ist innen mit einer Wandbespannung verkleidet, welche alle bislang vergebenen Inventarnummern des Kunstgewerbemuseums abbildet. Sie symbolisiert damit den „Objektspeicher“, mit dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums täglich arbeiten. Mehrere Codierungen sind in die Bespannung eingearbeitet. Schwarz durchgestrichene Nummern bezeichnen Verluste; orange durchgestrichen sind abgegebene Objekte; schwarz umrandete Nummern repräsentieren die ausgestellten Objekte. Eine Nummer steht allerdings nicht immer für nur ein Objekt, oft verbergen sich hinter einer Nummer mehrere gleiche Objekte oder Teile eines Ganzen.

1873 inventarisierte man die erste Nummer des damals noch nicht existierenden Museums, erst drei Jahre später wurde das Kunstgewerbemuseum gegründet. Die Wandbespannung endet mit der Zahl 55.712, doch seit dieser Eintragung am 30. November 2014 wurden bereits vier weitere Nummern inventarisiert. Es zeigt sich, dass die Sammlung weiter stetig wächst.

Es ist der Ansatz des Kunstgewerbemuseums, „Alltagsobjekte“ neu zu befragen und zur Diskussion zu stellen. Ein zentrales kuratorisches Element der Ausstellung sind daher die Geschichten zu den Objekten. In ihnen werden Widersprüche diskutiert, Fragen gestellt, Antworten gegeben, Assoziationen entwickelt oder die Herausforderungen der Wissenschaftlerinnen greifbar dargestellt.
Wir laden Euch ein, neue Sichtweisen, ein spannendes Haus und eine vielfältige Sammlung zu entdecken, die weit über barocken Prunk hinausreicht!

Übrigens: Am 13.03.2015 findet die nächste Lipsius Vibes der JUNGEN FREUNDE in der Kunsthalle im Lipsiusbau anlässlich der Eröffnung der Ausstellung statt. Wir freuen uns über den Stargast Friedrich Liechtenstein!

Eingang zur Ausstellungshalle, Lipsiusbau

Eingang zur Ausstellungshalle, Lipsiusbau

Der sogenannte „Vasenturm“ mit Meisterleistungen der japanischen Keramikszene der 1970er-Jahre und zugehörigen Holzkisten

Der sogenannte „Vasenturm“ mit Meisterleistungen der japanischen Keramikszene der 1970er-Jahre und zugehörigen Holzkisten

Ausstellungsaufbau “My Joburg. Kunstszene Johannesburg”

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Ab 26. Oktober 2013 zeigt euch unsere Sonderausstellung My Joburg zeitgenössische Kunst aus Südafrika. Einige Künstler haben wir vorab bei der Installation ihrer Arbeiten im Lipsiusbau getroffen.

In der Arbeit von Kemang Wa-Lehulere (*1984) sind Schrift, Zeichnung und Performance auf das Engste verbunden und befruchten sich gegenseitig. Literarische Zitate oder Gedichte von Autoren wie Lesego Rampolokeng oder R.R.R. Dhlomo liefern zuweilen das Stichwort für knappe Erzählungen, die er mit Kreide auf die Wand schreibt. Diese schriftlichen Aufzeichnungen verbindet er mit den geheimnisvollen Zeichen seiner persönlichen Mythologie – gesichtslosen Wesen, die weder Mensch noch Tier sind, Gebeinen, Flaschen, fliegenden Drachen usw. –, die er von Werk zu Werk in unendlichen Variationen neu kombiniert.

Kemang Wa-Lehulere fertigt Kreidezeichnungen auf einer großen Wandfläche an. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Kemang Wa-Lehulere fertigt Kreidezeichnungen auf einer großen Wandfläche an. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dineo Seshee Bopapes (*1981) kurzlebige, fragile Installationen aus Alltagsgegenständen sind geheimnisvoll und poetisch zugleich. Queen of Necklace evoziert mit ihrem Gehänge den Glamour von früher, wie ihn Nelson Mandelas erste Ehefrau Winnie verkörperte. Doch die eingestreuten Werkzeuge (Nadeln, Nähfuß, Spieße, Flaschen usw.) verleihen dem Werk eine ambivalente Note, denn sie wirken seltsam vertraut und bedrohlich zugleich und suggerieren unterschwellig Gewalt.

Dineo Seshee Bopape bei der Installation ihres Werkes "Queen of Necklace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dineo Seshee Bopape bei der Installation ihres Werkes "Queen of Necklace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Die Statue The Angel of Peace, die auf dem Georg-Treu-Platz zwischen Albertinum und der Kunsthalle im Lipsiusbau steht, hat der Autodidakt Winston Luthuli (*1968) vor Ort eigens für die Ausstellung angefertigt. Seine ersten Zementskulpturen entstanden 2003 vornehmlich für den öffentlichen Raum. Ähnliche Werke wie dieses thronen an prominenten Plätzen im Zentrum von Johannesburg und verkünden optimistische und wohlmeinende Botschaften.

Winston Luthuli arbeitet auf dem Vorplatz des Lipsiusbaus an seiner Skulptur "The Angel of Peace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Winston Luthuli arbeitet auf dem Vorplatz des Lipsiusbaus an seiner Skulptur "The Angel of Peace". © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Die unter der Apartheid eingeführte Rassentrennung hat Narben in der Stadt hinterlassen und ließ Parallelgesellschaften entstehen, die einander fremd sind. Die Folge ist, dass sich die Menschen aus Angst immer stärker verbarrikadieren, im Übrigen ein Phänomen, das nicht nur in Südafrika anzutreffen ist, sondern in allen Ländern, wo die soziale Ungleichheit groß ist und die Reichen die Begehrlichkeit der Ärmsten fürchten. Der zweireihige Maschendrahtzaun der Installation Security von Jane Alexander (*1959) ist vielsagend und lässt an Grenzen, Militärlager, Warendepots denken, oder auch an die übermächtige Sicherheitsindustrie, die ihre Aufgabe gewissenhaft ausführt. Hier umschließt der Zaun allerdings eine Parzelle, auf der Weizen wächst und eine Figur steht, die teils menschliche, teils tierische Züge aufweist. Ist diese Figur in Gefahr oder gefährlich? Geschützt oder eingesperrt? Zwischen den Zaunreihen liegen Tausende von Macheten, Sicheln und Handschuhen. Sie lassen an körperlich schwere Feldarbeit und Ernte denken, rufen aber auch ambivalente Assoziationen an Gewalt wach.

Jane Alexanders "Security" besteht aus einem gedeihenden Weizenfeld, umzäunt von Maschendraht und Macheten. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Jane Alexanders "Security" besteht aus einem gedeihenden Weizenfeld, umzäunt von Maschendraht und Macheten. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Bettina Malcomess (*1977) und Dorothee Kreutzfeldt (*1970) sind Kuratorinnen und Künstlerinnen. Ihre künstlerische Zusammenarbeit mündete in der Publikation: Not No Place: Johannesburg, Fragments of Spaces and Times (2013), deren erster Satz lautet: »Dieses Buch beginnt mit der Stadt als Material«. Es bildet die Grundlage für das Glossar, das die Künstlerinnen für den Katalog zur Ausstellung verfasst haben, und für ihre Installation. Letztere beginnt mit einem Video von Phybia Dlamini, das den Besucher von der Innenstadt nach Soweto führt. Eine Inspirationsquelle für Not No Place war die große Fülle der »Ephemere« aus vergangener wie aus jüngster Zeit, die Joburgs ungleichartige, riesige Einwohnerschaft generiert: Bücher, Urkunden, Fotos, Zeitungen, Broschüren, Telefonbücher, Pläne, Berichte, Protokolle von Gerichtsverfahren, Stadtratsbeschlüsse usw. Das ist Geschichte im Rohzustand. Ausgehend von diesem »archäologischen Material« vermischten Malcomess und Kreutzfeldt schriftliche und bildliche Fragmente und ließen sich bei ihrer Vorgehensweise von dem unvollendeten Passagenwerk über »Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts« von Walter Benjamin inspirieren.

Dorothee Kreutzfeld beim Einrichten des Dokumentationsraumes. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dorothee Kreutzfeld beim Einrichten des Dokumentationsraumes. © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster