Upcycling – Aus alt mach neu

Jeder kennt es. Der innere Schweinehund hat sich doch einmal durchgeboxt oder der Frühling steht vor der Tür und man möchte in seinen vier Wänden Platz für Neues schaffen. Ausmisten steht an! Doch was tun mit den aussortierten Dingen? Wegschmeißen, weiter verschenken oder verkaufen wären sicherlich Optionen.

Upcycling allerdings auch. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Es geht beim Upcyceln darum, nicht mehr benötigten Gegenständen durch gezielte Aufwertung neues Leben einzuhauchen. Nachdem Upcycling in den 1970er Jahren zunächst als Alternativbewegung ins Leben gerufen wurde, findet es mittlerweile mit „Do-it-yourself“-Anleitungen auf YouTube, der Verkaufsplattform DaWanda und Co. seinen festen Platz in der Gesellschaft. Oftmals wird es gar zur Lebenseinstellung.

Antje Schöne – wenn Upcycling zur Lebenseinstellung wird

Genauso ist es auch bei der 32-jährigen Antje Schöne aus Dresden, die sich ganz dem Upcycling verschrieben hat. Unter dem Pseudonym „Madolescent“ nutzt die studierte Kulturwissenschaftlerin Plattformen wie Etsy oder DaWanda, um ihre Produkte an den Mann und die Frau zu bringen und gleichzeitig so einen Beitrag gegen die Wegwerfgesellschaft zu leisten. Ressourcen schonen heißt die Devise.

Antje Schöne in der Ausstellung „Volkskunst jetzt! Made by me in Saxony“. © SKD

Ihre Anfänge als „Upcycling-Künstlerin“ sieht Antje derweil bereits in ihrer Kindheit. Ihr Vater, Tischler von Beruf und ihre Mutter, eine Beamtin mit einer Leidenschaft für Innenarchitektur, gaben ihr handwerkliches Geschick und die Lust am Verändern mit auf den Lebensweg. So begegnet man ihr oft in Trödelhallen oder auf Flohmärkten, wo sie sich neues Material für ihre Upcycling-Objekte zusammensammelt. Von Spaziergängen an der Elbe bringt sie sich zudem Treibholz mit, das sie meist zu maritimen Objekten wie Leuchttürmen verarbeitet.

Upcycling als Geschäftsidee

Die Initialzündung für den Aufbau eines eigenen Gewerbes kam mit dem Fund von kistenweisen alten Notenblättern. Viel zu schade zum Wegschmeißen und sicher noch zu gebrauchen, dachte sich Antje Schöne. Es entstanden Papierblumen, wie sie auch in der Ausstellung „Volkskunst jetzt! Made by me in Saxony“ im Museum für Sächsische Volkskunst derzeit zu finden sind. Nach dem Besuch eines Gründerseminars wagte sie zunächst allein mit dem „schubLaden“ in der Kunsthofpassage den Schritt in die Selbstständigkeit. Seit Mai 2015 unterhält sie nun zusammen mit Anne Fiegert das Geschäft „Handmade²“ im Dresdner Hechtviertel. Dort stehen unter anderem besagte Treibholzobjekte neben Schalen und Uhren, welche aus alten Schallplatten hergestellt wurden, und Briefumschlägen aus alten Zeitschriften, Katalogen und Wanderkarten zum Verkauf. Neben der Verkaufsfläche, die auch von Partnern und kreativen Nachbarn genutzt werden kann, steht der Laden auch als Werkstatt zur Verfügung. Da verwundert es nicht, dass Antje und Anne auch Upcyclingkurse und Workshops anbieten, um ihre Liebe zur Zweckentfremdung weiterzugeben.

Blick in die Ausstellung „Volkskunst jetzt! Made by me in Saxony“. © SKD

Dass Upcycling nicht mehr eine Randbewegung ist, zeigt auch, dass seit letztem Jahr das Upcycling-Festival „Trash up“ in Dortmund veranstaltet wird. Das Ganze findet im Depot Kulturort, einer ehemaligen Straßenbahnwerkstatt statt. Upgecycelt eben.

Handmade²“ (Rudolf-Leonhard-Str. 34, 01097 Dresden) http://handmadehochzwei.blogspot.de/

Upcycling Festival „Trash up“ 11.-12.Nov.2017 in Dortmund

https://trash-up.jimdo.com/

 

Zur Bloggerin: Jeanette Gründer ist Historikerin und absolviert derzeit im Museum für Sächsische Volkskunst ein Praktikum. Aufgrund ihres Studiums beschäftigt sie sich fortwährend mit gesellschaftskritischen Ansätzen in Vergangenheit und Gegenwart.

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