23.06. – Annegret Lembcke: Die Ikattechnik in Aleppo

Das Ikat ist eine textile Webtechnik, bei der Kett- und/oder Schussfäden in Vorbereitung auf das Weben abgebunden und gefärbt werden, sodass unscharfe Kanten entstehen. Bei diesem Reservemusterungsverfahren werden Garnstränge (Kett- und/oder Schussfäden) aufgespannt und mustermäßig abgebunden, wobei nur die nicht abgebundenen Stellen gefärbt werden. Das Verfahren ist arbeitsintensiv, komplex in der Konstruktion und der Verbindung der einzelnen aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte und erfordert handwerkliche Perfektion, um am Ende ein einzigartiges Gewebe zu erhalten.

Ikatgewebe, 100% Seide, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien, 450 x 88 cm

Das Textilhandwerk in Aleppo geht seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und dem Aufkommen von importierten, westlich orientierten sowie industriell gefertigten Textilien immer stärker zurück.

Morgenmantel, 100% Seide, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien

Mit ihrem Projekt beabsichtigte Annegret Lembcke die Verfolgung von zwei Zielen: zum einen wollte die junge Designerin auf das Kulturgut Textil in Aleppo aufmerksam machen und zum anderen mit der Produktion zweier Ikats in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Handwerkern die Machbarkeit beispielhaft vor Augen führen.

Badetuch, 100% Baumwolle, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien

Als Ausgangspunkt diente das Buch Die Ikattechnik in Aleppo von Reinhard-Johannes Moser (1974), das sich als reiche Quelle zum Erlernen der Technik erwies. Bis zu Annegret Lembckes Projekt war kein Ikatteur mehr in Aleppo tätig. Die Tragik, dass diese Aufbauarbeit nun aufgrund des verheerenden Bürgerkrieges in Syrien in Schutt und Asche liegt und der Gedanke an Normalität weit entfernt scheint, sollte keinesfalls dazu führen, das bereits Entstandene wieder hinter sich zu lassen.

Ikatgewebe, 100% Baumwolle, Kettikat, handgefärbt und handgewebt in Aleppo, Syrien

Weitere Links:

http://www.annegreat.de/ikat.html

https://www.giz.de/de/html/index.html

http://www.burg-halle.de/design/conceptual-fashion-design/conceptual-textile-design/international/

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Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Textildesign – vom Experiment zur Serie
Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

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