Lara Wernert: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht

Textildesign – vom Experiment zur Serie

Ausstellung des Kunstgewerbemuseums
in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Schloss Pillnitz, Wasserpalais
1. Juli 2017 bis 1. November 2017

 

Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir ab dem 02.06.2017 die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Heute: Lara Wernert: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht

Nadelfilzflächen aus Wollresten industrieller Produktion, 100% Wolle, rechts 85 x 100 cm, links 72 x 134 cm (aus dem Projekt: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht)

Nadelfilzflächen aus Wollresten industrieller Produktion, 100% Wolle, rechts 85 x 100 cm, links 72 x 134 cm (aus dem Projekt: Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht)

Mit ihrem Projekt Hotpot – Ein fragmentarischer Reisebericht experimentierte die Designerin Lara Wernert zunächst mit der Weiterverarbeitung von wollenen Webkanten, einem Abfallprodukt der Textilindustrie, zu eigenständigen Textilien. Aus einer ideellen Auseinandersetzung mit dem Konsumverhalten und materiellen Überfluss im 21. Jahrhundert resultierte im Jahr 2015, gemeinsam mit Tina Wendler, die Gründung der Teppichmanufaktur 13rugs. Die Manufaktur widmet sich als Tochterfirma des traditionsreichen Unternehmens rohi nach wie vor der nachhaltigen Produktion von hochwertigen und individuellen Teppichunikaten.

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Im Kontext des heutigen Konsumverhaltens und des materiellen Überflusses setzen die Fragen, ob Design als Konsumprodukt überhaupt konsumkritisch sein kann und ob es einen Zusammenhang zwischen emotionaler Überforderung (Stress) und materiellen Überfluss gibt, theoretische Ausgangspunkte für die Untersuchung, die von Lara Wernert in Hong-Kong durchgeführt wurde. Ein kreativer Ansatz war der Gedanke des Resteessens, d.h. aus essbaren Überresten schmackhafte Gerichte zu kreieren. In Hongkong beobachtete sie die hotpot Esskultur, bei der aus kleinsten Zutaten ein großes Mahl wird. Davon inspiriert und gleichzeitig schockiert von dem Umgang mit den Massen an Produktionsresten der textilen Ketten, entstand der Wunsch bei Lara Wernert, diesem Zustand entgegenzuwirken. Die Verwertung von Resten rückt ins Zentrum der praktischen Arbeit – etwas Gutes aus Abfallmaterial zu erzeugen – gut als etwas, das schön gestaltet und wieder in den Kreislauf eingefügt werden kann.

 

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Die Wahl fiel auf wollene Webkanten, die im industriellen Prozess im Regelfall entsorgt oder für minderwertige Reißwollprodukte genutzt werden. Diese wurden im Rahmen des Projektes von Lara Wernert mittels der Technologie des Nadelfilzens aufgewertet. Die Vernadelung der Webkanten benötigt dabei kein Wasser, lediglich eine entsprechende Positionierung der Streifen und eine minimale Fixierung. Das Endprodukt bleibt ein Monomaterial aus 100% Wolle.

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

In der Gesamtauswertung der Erkenntnisse werden dabei Ideen des Upcyclings (Wiederverwertung, Aufwertung, Langlebigkeit) kritisch betrachtet und ein anderer Umgang mit Materialien aufgezeigt. Auf dieser Basis stellen sich die Kernfragen nach dem Einfluss gesellschaftlicher Parameter auf die Wahrnehmung und nach den Zukunftspotenzialen der Nutzung von Material, das eigentlich seinen Zweck erfüllt hat.
Ihre Vision fand sowohl unter Kolleginnen und Kollegen, als auch auf einem nachhaltig und ökologisch reflektierten Markt schnell anklang. Deshalb gründete die junge Designerin im Jahr 2015 mit Tina Wendler unter dem Dach von rohi das Subunternehmen 13rugs, das sich der Weiterentwicklung ihres mehrstufigen Filzverfahrens widmet und heute individuelle Objekte produziert, die nachhaltig und einzigartig sind. Die Vision, dass der nachhaltige Gestaltungsansatz in der Textilindustrie Anwendung finden könnte, ist durch die Zusammenarbeit mit rohi Realität geworden.
Jeder Teppich wird in kunstvoller Handarbeit aus den Webkanten der Wollweberei rohi zu faszinierenden Teppichunikaten verarbeitet: „Kunstwerken für den Boden. Durch ihre Wärme und Wertigkeit sind sie Oasen des Wohlfühlens und unterstreichen als spannender Akzent im Raum die Individualität ihres Besitzers.“ (13rugs.com)

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Teppich Milan_02, reine Schurwolle, 180 x 200cm, Nachweis: 13rugs.com

Lara Wernert

Die 1986 geborene Berlinerin studierte Modedesign an der HTW Berlin und Conceptual Textile Design an der Burg Giebichenstein in Halle. Ihre Arbeiten vereinen ruhige Bodenständigkeit mit kreativer Spontaneität und sind geprägt von nachhaltigen Designansätzen und der Vision geschlossener Textilkreisläufe in der Industrie. (13rugs.com)

Weitere Links:
http://www.13rugs.com/
https://www.facebook.com/lara.sohreh
http://www.sohreh-design.de/
https://www.youtube.com/watch?v=fXjO226V0Oc

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Textildesign – vom Experiment zur Serie

Ausstellung des Kunstgewerbemuseums

in Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Schloss Pillnitz, Wasserpalais

1. Juli 2017 bis 1. November 2017

Im wöchentlichen Rhythmus stellen wir Euch die Projekte der jungen Designerinnen und Designern vor und erzählen welche Stories hinter den Produkten stecken und welche Impulse aus den experimentellen hervorgegangen sind.

Im Mittelpunkt der Ausstellung »Textildesign heute – Vom Experiment zur Serie« stehen der Umgang mit dem Werkstoff Textil und dessen vielfältiger Gebrauch. In exemplarischen Arbeiten des Studiengangs Textil der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ebenso wie in Beispielen aus der industriellen Produktion vermittelt das Kunstgewerbemuseum einen umfassenden Überblick über Gestaltung und Verwendung von textilen Produkten: Das Panorama der ausgestellten Objekte erstreckt sich von innovativen und nachhaltig produzierten Stoffen aus recycelten Kunststoffen und natürlichen Rohstoffen über 3D-gedruckte Bekleidung und funktionsorientierte Smart Textiles. Künstlerisch-experimentelle Auseinandersetzungen mit Traditionen, anderen Kulturen oder Techniken bilden das Gerüst der methodischen Herangehensweisen, die zu wegweisenden Lösungen führen, die in der Ausstellung zu sehen sind.

 

Über Pamela Rohde

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