Die falsche Blume – Geldsack

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“. Die Schau kann noch bis zum 13. September im Wasserpalais in Pillnitz bestaunt werden.

Heute setzen wir die Reise fort und begeben uns an die Stelle der Geschichte, in der Lore die Manufaktur von Louis Meiche aufsucht. Der Blumenfabrikant wird von seinen Angestellten heimlich „Geldsack“ genannt. Diesen Reichtum repräsentiert auch die Einrichtung der zweiten Szene. Eine aufwendig gearbeitete Tapete, Stühle aus hochwertigem Holz und ein Tisch gedeckt mit einem edlen Tafelservice.

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die zweite Szene „Geldsack“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Geldsack“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Der Barhocker „Devon“, der links in der Ecke des Raumes zu sehen ist, stammt aus der Manufaktur Sitzmöbelhandwerk Oelsa eG. In den Meisterwerkstätten werden Stühle und Tische aller Art sowie Kleinmöbel auf Kundenwunsch handwerklich gefertigt und repariert. Seite über 50 Jahren führt die Genossenschaft damit die Stuhlbauer-Tradition der Rabenauer Gegend fort. Die Produktionsgemeinschaft ist ein Verbund von Stuhlbauern, Holzbildhauern, Flechtern, Polierern und Polsterern und wurde 1958 von 55 Meistern gegründet. Heute bewahren 9 Mitglieder mit 29 Beschäftigten die Handwerkskunst. Ihre Produkte und Dienstleistungen werden seit 1998 unter der Marke „Die Meister des Stuhlbaus. Traditionell in Sachsen®“ geführt.

Für die Konstruktion fertigt der Stuhlbauer zunächst Schablonen an. Mit der Bandsäge, Hobel- und Fräsmaschinen werden die einzelnen Gestellteile dann hergestellt. Diese werden durch Zapfen- und Dübelverbindungen unter Zuhilfenahme von Zwingen verleimt und anschließend an den Verbindungsstellen verputzt. Darauf folgen aufwändige, von Hand ausgeführte Schleifarbeiten, um die Form der Rundungen zu modellieren.

Die mit aus Blattmetall gearbeiteten Blumen verzierte Tapete „Dresden“ wurde in der Welter ® Manufaktur für Wandunikate hergestellt. Das Unternehmen fertigt seit seiner Gründung vor über 30 Jahren von Ulrich Welter in Berlin hochwertige Wandbekleidung. So statteten Sie bereits zu verschiedenen Gelegenheiten beispielsweise Boutiquen von Chanel, Waldorf Astoria Hotels oder die Golden Globes aus. Die Manufaktur bietet hauseigene Kollektionen von handgearbeiteten Tapeten und Wandpaneelen sowie Maßfertigungen für Firmenkunden. Dabei kommen vielfältige Materialien und Techniken zum Einsatz. Neben Blattmetall werden auch Perlen, Kristalle, Minerale und Glas verarbeitet.

Im ersten Schritt zur Tapete wird das Blumenmotiv für die Übertragung in ein rapportfähiges Muster umgewandelt. Rapportfähig ist ein Einzelteil dann, wenn es in alle Richtungen unendlich angeordnet werden kann. Dann wird die eigens angemischte, dunkelblaue Grundierung auf die Tapetenbahnen aus Vlies aufgetragen. Darauf wird in einem Siebdruckverfahren das Blumenmuster in Spezialkleber aufgedruckt. Auf diesen wird schließlich von Hand Blattmetall in Silber aufgelegt.

Auflegen des Blattmetalls von Hand © Welter ® Manufaktur für Wandunikate

Auflegen des Blattmetalls von Hand © Welter ® Manufaktur für Wandunikate

Im zweiten Druckvorgang wird auf das Muster eine Patinierung aufgebracht – so entsteht eine künstliche Schicht, die in Farbe und Muster Alterungserscheinungen des Materials und damit eine historisch gewachsene Hochwertigkeit nachahmt. Nachdem alles getrocknet ist und die Klebeverbindungen stabil sind, werden in einem dritten Druckdurchgang die Konturen des Musters aufgedruckt.

Die drei Gläser „Klimax“, die auf dem Tisch zu sehen sind, stammen aus der Kristallglasmanufaktur Theresienthal GmbH. Dort arbeiten seit 1836 Glasmacher, Schleifer, Graveure, Maler und Handwerker weiterer Fachberufe des Glasgewerbes. Sie verfügen über großes Wissen und Erfahrung, die sie für die Herstellung wertvoller Gläser benötigen. Viele Arbeiter sind schon seit Jahrzehnten und nicht wenige in vierter, fünfter Generation in Theresienthal tätig. Sie stellen ihre Gläser nach wie vor ausschließlich in Handarbeit und vollständig vor Ort her – so können sie die hohe Qualität des Endprodukts garantieren.

Nach der Anfertigung des Holzmodels entnimmt der Glasmacher dem Ofen einen Glasklumpen und bringt diesen mittels Blasen, Drehen und gezielter Kühlung in die Form des Trinkglases. Am schwierigsten ist hierbei die Fertigung des Bodens und des Stieles. Auf der erkalteten Glasoberfläche wird dann das Blumenmuster zuerst angezeichnet. Anschließend arbeitet der Graveur an einem maschinell angetriebenen Diamantgravurrad freihändig das vorgezeichnete Muster heraus.

Freihändiges einarbeiten des Musters mithilfe eines Diamantgravurrads © Kristallglasmanufaktur Theresienthal GmbH

Freihändiges Einarbeiten des Musters mithilfe eines Diamantgravurrads © Kristallglasmanufaktur Theresienthal GmbH

Weitere Mitwirkende Manufakturen in dieser Szene waren unter anderem Heinz Möbelbau in Handarbeit, Jende Posamenten Manufaktur, Meissen Couture ®, Rohleder Möbelstoffweberei GmbH, Weissfee GmbH und Gotthard-Glas, diese werden wir in einem der kommenden Beiträge vorstellen oder wurden bereits vorgestellt.

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.

 

 

 

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