Teil II: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature

Anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Münzkabinetts sprachen wir mit dem Direktor Dr. Rainer Grund.
Hier
der erste Teil des Gesprächs zum Nachlesen.

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Diesen Ausblick auf die Schloßstraße genießt Herr Grund aus seinem Büro © SKD

Welche Voraussetzungen muss ein Objekt erfüllen, damit es für Ihr Museum infrage kommt?
Im Allgemeinen kann man drei Kriterien für die Bewertung eines Objektes nennen: Die künstlerische Qualität, der Wert – der sich aus dem materiellen Wert und dem kulturgeschichtlichen Wert zusammensetzt – und die Seltenheit. Um Ankäufe zu tätigen, bedarf es natürlich auch der hierfür benötigten finanziellen Mittel, diese schränken dann die Wahl in bestimmtem Maße ein. Wir besitzen keine abgeschlossene Sammlung, da sich die numismatischen Gegenstände immer weiterentwickeln. Wir versuchen, durch Schenkungen unsere Sammlung zu erweitern. Allerdings ist es auch hier so, dass wir aus Kapazitätsgründen nicht alles aufnehmen können, denn um die Sammlungsvielfalt weiterhin zu gewährleisten, können wir nicht von einem Objekt mehrere Exemplare annehmen.

Wie sind Sie zu dieser Ausstellungskonzeption gelangt? Bei rund 300.000 Objekten ist es sicherlich ein langwieriger und schwieriger Prozess, sich zwangsläufig auf einen Bruchteil der Objekte der Sammlung beschränken zu müssen.
Die Dauerausstellung wurde nicht von einem Nullpunkt aus konzipiert. Als Grundlage diente die jahrelange Dauerausstellung im Albertinum, die durch die räumlichen Gegebenheiten nur begrenzt der Sammlungsbreite des Münzkabinetts gerecht wurde. Daher war es für uns umso wichtiger, mit dieser Neukonzeption das ganze Spektrum des Münzkabinetts  – von Münzen über Medaillen, Orden bis zum Papiergeld, von der Antike bis zu Neuzeit  -  aufzuzeigen. Aus diesem Grunde war die zukünftige Themengliederung bereits in einem relativ frühen Stadium der Planung klar. Der Auftaktraum sollte den Bergbau und die Münzprägung in Sachsen als Spiegel der Landesgeschichte repräsentieren. Diese Thematik des Raumes veranschaulicht der Annaberger Bergaltar in Perfektion und macht die historische Herstellung von Münzen für den Besucher greifbar. Außerdem war uns wichtig, auch nichtnumismatische Objekte zu zeigen, da diese die Ausstellung auflockern und die Illustrationen der Themen bereichern.

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Blick auf den Annaberger Bergaltar im Auftaktraum der Dauerausstellung des Münzkabinetts, Auftaktraum: Bergbau und Münzprägung in Sachsen, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Warum sollte uns der nächste Museumsbesuch nicht zu Liebermann, Monet und den Brücke-Malern führen, sondern zu König Sigismund III. von Polen und der ihm gewidmeten Goldmünze?
Das eine sollte das andere in keinem Falle ausschließen, ich denke der Besucher erweitert sein Blickfeld und sein Allgemeinwissen, wenn er die ganze Vielfalt der Museumslandschaft berücksichtigt.  Daher sind auch einige nichtnumismatische Dauerleihgaben aus anderen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vertreten, so zum Beispiel aus dem Grünen Gewölbe, dem Kunstgewerbemuseum, dem Museum für Sächsische Volkskunst, der Skulpturensammlung, der Rüstkammer und in einem größeren Anteil sogar aus den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen. Es freut uns natürlich, wenn durch die Neuinszenierung des Münzkabinetts mehr Besucher auch in den doch spezielleren Bereich der Numismatik hineinschauen. Um den unterschiedlichen Interessen der Besucher gerecht zu werden, gibt es auch einen speziellen Audioguide (in Deutsch, Englisch und Russisch), der besonders für Einsteiger geeignet ist. Für Fortgeschrittene hingegen bieten wir einen interaktiven Katalog an der sukzessiv erweitert wird. Hier kann man deutlich mehr Informationen zu den Objekten erhalten als dies eine kurze Vitrinenbeschriftung vermag, sogar ein Heranzoomen an die Objekte und das Betrachten der Rückseite ist hier möglich.

Haben Sie vor, die Dauerausstellung in späteren Zeiten umzudisponieren? Ganze Vitrinen gar ganz neu zu gestalten?
Wir werden wohl zunächst einmal erleichtert aufatmen, sobald wir die neue Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentieren können. Ich denke, die jetzigen Akteure werden aller Voraussicht nach keine grundlegenden Veränderungen vornehmen. Eine Neugestaltung der Ausstellung ist zu einem späteren Zeitpunkt und bis zu einem gewissen Grad aber durchaus denkbar. auch wenn die zugeschnittene Vitrinenarchitektur dieses mögliche Vorhaben wohl etwas einschränken wird. Allerdings darf der Besucher sich auch auf neue – auch speziellere – Themenschwerpunkte in dem noch zu konzipierenden Sonderausstellungsraum freuen, dort besteht beispielsweise die Möglichkeit, Neuerwerbungen zu präsentieren.

    Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Ausstellungsansicht der aktuellen Sonderausstellung „Wettstreit in Erz“ vom 7. Juni 2015 bis 17. Januar 2016 im Silberwaffensaal, Georgenbau im Residenzschloss, Münzkabinett © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans Christian Krass

Haben Sie ein Lieblingsstück? Wenn ja, welches wäre hier zu nennen?
Ich habe bereits meine Dissertation auf dem Gebiet der historischen Medaillenkunst verfasst, daher liegt mein besonderes Interesse auch in diesem Bereich. Mich faszinieren besonders die sächsischen Medaillenkünstler des Barock und somit ihre Werke, doch kann ich mich hier nicht auf nur einen Künstler festlegen, denn es gab verschiedene herausragende Künstler in dieser Zeit, es würde die anderen Künstler zu Unrecht degradieren.

Was genau fasziniert Sie an Münzen so sehr?
Die Faszination wächst mit der Beschäftigung über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Münzen und Medaillen sind eine Welt „en miniature“, in diesen kleinen Zeugnissen spiegelt sich der Kosmos der Menschheitsgeschichte wieder und in jedem auf eine andere Art und Weise, die Gesamtheit macht es schließlich. Das fasziniert mich und so wird es wohl auch mein ganzes Leben lang bleiben.

Lieber Herr Grund, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation © SKD

Das Interview führte Madeleine Schneider, Bundesfreiwilligendienstleistende im Bereich Presse und Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

 

 

 

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Eine Antwort zu “Teil II: Münzen und Medaillen – eine Welt en miniature”

  1. Hallo! Danke für diesen Artikel. Diese Austellung hört sich ja sehr Interessant an, als großer numismatik Fan freue ich mich schon sie hoffentlich bald besuchen zu können.

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