Archiv für November 2015

Auf den Spuren der China-Mode in Sachsen | On the Trail of Chinese Fashion in Saxony

Montag, 16. November 2015


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Unser Forschungsprojekt „Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof“ widmet sich der wissenschaftlichen Erschließung eines einzigartigen, sehr umfangreichen und frühen Bestandes asiatischer und chinoiser Graphiken, der in einem Inventar von 1738 aufgelistet ist, und heute zur Sammlung des Kupferstich-Kabinetts gehört. Über 2500 Blätter werden nach und nach von Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang gesichtet, erfasst und erforscht. Ziel des Projektes ist ein Bestandskatalog, der unter anderem nach den wechselseitigen Einflüssen zwischen China und Europa fragt, die in vielen der untersuchten Graphiken deutlich werden.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Für eine solche Bestandserschließung ist der wissenschaftliche Austausch mit Experten grundlegend. Neben Forschungsreisen und Tagungsteilnahmen gelingt es Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang immer wieder, Kollegen aus aller Welt nach Dresden einzuladen, um über den noch wenig bekannten Bestand zu diskutieren. Im September etwa besuchte die Spezialistin für chinesische Kunstgeschichte Wen-Chin Hsu (Taiwan) unsere Kolleginnen, um sich vor allem über chinoise Motivik und Bildprogramme auszutauschen. Dazu gehörte auch eine gemeinsame Fahrt ins Schloss Lichtenwalde. Dort befinden sich farbige chinesische Zeichnungen und Holzschnitte von edel ausstaffierten Damen, die in Suzhou für ein europäisches Publikum hergestellt und exportiert wurden. Es handelt sich um eine frühe Verwendung, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts, von Einzelbildern als Wanddekoration, einem Vorläufer späterer chinesischer Tapeten. Die Raumausstattungen sind vor allem deshalb von besonderer Bedeutung, da sich weltweit nur wenige von ihnen erhalten haben. Inspiriert von der Sammelleidenschaft Augusts des Starken ist das Schloss Lichtenwalde ein weiterer Beleg dafür, dass der sächsische Hof im 18. Jahrhundert zu einem führenden europäischen Zentrum der Chinoiserie avancierte. Insbesondere August der Starke trug innerhalb kürzester Zeit eine der bis heute umfangreichsten europäischen Sammlungen an chinesischem und japanischem Porzellan, asiatischen Graphiken, chinesischen Specksteinfiguren, aber auch Textilien, Kostümen, Waffen und Lackwaren zusammen.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Forschung als Kooperation: „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ | Research as Cooperation: Asian Women on Display

Dienstag, 10. November 2015


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Willkommen zurück zu unserer Blogserie zum Forschungsprogramm Europa/Welt. Ein weiteres Projekt widmet sich der digitalen Erschließung eines umfangreichen Fotobestandes. Mit rund 260.000 Fotografien aus nahezu allen Regionen der Welt besitzen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) mit den Standorten Leipzig, Dresden und Herrnhut einen beeindruckenden Bestand an visuellem Material zur Geschichte und Methodik ihres Fachgebietes. Reise- und Expeditionsfotografie, anthropologische Aufnahmen und Studiofotografien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind darin ebenso zu finden wie aktuelle Beispiele fotobasierter Feldforschungen. Agnes Matthias, Leiterin des Projektes, ist bei der Sichtung und Auswertung der Fotografien auf zahlreiche spannende Konvolute gestoßen. So auch auf eine Reihe von Fotografien japanischer und chinesischer Schönheiten, die sich – dies wurde im sammlungsübergreifenden Austausch deutlich – auf ganz ähnliche Weise auf japanischen und chinesischen Export-Porzellanen finden lassen. Zusammen mit Cora Würmell, Leiterin des Forschungsprojekts „Ostasiatisches Porzellan und seine Bedeutung für die Europäische Kultur“, entstand die Idee, sich diesen Darstellungen einmal genauer und im Vergleich anzusehen.

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) © Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722)

© Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer


Aus einer ersten Idee ist mittlerweile eine Kooperation in Vorbereitung einer kleinen Ausstellung zum Thema „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ entstanden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für die Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Heidelberg konnten im September und Oktober Gäste in der Fotosammlung im Museum für Völkerkunde Dresden in Klotzsche empfangen werden.

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Gemeinsam mit Mio Wakita, Expertin für die Souvenirfotografie der Meiji-Zeit (1868–1912), sichteten Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias und Anne Vieth die Bestände japanischer Fotografien. Manch eine Aufnahme konnte dabei einem Fotografen neu zugeschrieben werden.

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Weltreisenden zusammengestellte Alben mit prachtvollen Lackeinbänden bergen vielfache Einblicke in die japanische Kultur, allerdings meist aus Sicht europäischer Fotografen, die ihre Bilder für ein überwiegend westliches Publikum fertigten. Und so verschmelzen insbesondere in der Darstellung japanischer Frauen Fantasievorstellungen mit traditioneller Ikonographie. Der Besuch von Cecilia Zi Guo Qiuzi war der fotografischen Repräsentation der chinesischen Frau gewidmet. Unterschiede zur japanischen Fotografie wurden diskutiert, Gemeinsamkeiten festgestellt – ein anregender Austausch, der fortgesetzt wird…

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

 

MEEP 2015: Kuratieren, Präsentieren und Vermitteln | MEEP 2015: Curation, Presentation and Education

Dienstag, 10. November 2015


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Am Sonntag, 25. Oktober, nahmen wir in aller Frühe Abschied von den diesjährigen MEEP-Teilnehmern, die sich mit dem Bus nach München, der letzten Etappe des Museum Experts - Austauschs, aufmachten. Wir blicken auf eine gelungene Woche hier in Dresden zurück, in der viel gesehen, erlebt und erfahren wurde. Nachdem die chinesischen Teilnehmer am Sonntag und Montag bei Rundgängen durch die Altstadt und das Residenzschloss erste Eindrücke der Stadt und der Staatlichen Kunstsammlungen gewonnen hatten, startete am Dienstag das eigentliche Programm. Am Morgen trafen wir uns mit Astrid Nielsen, die im Mai selbst im Rahmen des Austauschprogrammes die vier Partnermuseen in China besucht hat. Sie führte die Gruppe durch die Skulpturensammlung im Albertinum und stellte die von ihr kuratierte Ausstellung „August Hudler in Dresden“ vor, was die chinesischen Wissenschaftler nutzten, um ihr viele interessante Fragen zur kuratorischen Praxis zu stellen.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Später führten Claudia Schmidt, Leiterin der Museumspädagogik und ebenfalls Teilnehmerin des diesjährigen MEEP-Austauschs, und Annabell Rink in die Vermittlungsarbeit der SKD ein und stellten dabei das Konzept des „Lernort Albertinum“ ins Zentrum.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein Höhepunkt an diesem Tag war die Führung von Michael Korey durch den Mathematisch Physikalischen Salon. Mit ansteckendem Enthusiasmus stellte er der Gruppe auf anschauliche Weise die Exponate, deren Geschichten und Präsentation in der Dauerausstellung vor.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Mittwoch ging es mit dem Bus nach Leipzig zu den Kollegen des GRASSI Museums für Völkerkunde. Nach der Begrüßung durch Vera Marusic, Referentin der Direktorin, und einem kurzen Ausblick in die Zukunft der museumspädagogischen Veranstaltungen und Events des GRASSI Museums durch Miriam Schultze und Christine Fischer, gab es eine Führung von Yu Filipiak. Anhand ihres Forschungsprojekts zu ostasiatischen Musikinstrumenten gab sie Einblick in ein besonderes Beispiel von Kulturaustausch zwischen Deutschland und China und in die einzigartigen Objektgeschichten.

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt, bei dem natürlich auch am Klangbrunnen im Hansahaus und an Auerbachs Keller Halt gemacht wurde, besuchten wir die G2 Kunsthalle. Dort stellte Anka Ziefer die von ihr geleitete Galerie und die aktuelle Ausstellung „Leipzig 2015. Sammlung Hildebrandt“ vor.

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Auf die junge Kunstszene Leipzigs eingestimmt, bildete der Besuch des Geländes der Spinnerei Leipzig einen weiteren Höhepunkt an diesem Tag. Der Rundgang führte sowohl in die Geschichte des Geländes, als auch in dessen moderne Nutzung durch Künstler verschiedenster Disziplinen ein.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Donnerstag hielt sich die Gruppe zunächst im Residenzschloss auf. Der Tag begann mit einer anregenden Einführung des Leiters der Abteilung Presse und Kommunikation, Stephan Adam, in die Arbeit seiner Abteilung. Darauf folgte eine Präsentation von Martin Zavesky, der über die digitale Kommunikation und den Umgang mit neuen Medien an den SKD berichtete und anhand der interaktiven Multimedia-Stele im Erdgeschoss des Schlosses ein konkretes Beispiel für die interessierten Zuhörer lieferte.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Nachmittag brachten Anne Böttger und Doreen Scherfke den chinesischen Besuchern am Beispiel der Sonderausstellung „500 Jahre Sixtinische Madonna“ aus dem Jahr 2012 die Aufgaben und Möglichkeiten der Marketingabteilung näher.

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach diesem Einblick in die Arbeit einiger zentraler Abteilungen der SKD ging es in die Galerie Gebr. Lehmann in der Dresdner Neustadt, wo sich die chinesischen Teilnehmer die aktuelle Ausstellung von Eberhard Havekost ansahen und die beiden Brüder zu ihrer Arbeit befragen konnten. Am Donnerstagabend waren die MEEP-Teilnehmer Gäste des Generaldirektors im Restaurant Alte Meister. Es wurden angeregte Gespräche mit den anwesenden Direktoren, Hartwig Fischer, Dirk Burghardt, Dirk Syndram und Tulga Beyerle, geführt.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der letzte offizielle Programmtag begann mit einer exklusiven Führung durch die Porzellansammlung im Zwinger. Cora Würmell und Jan Hüsgen gaben einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Exponate und der Sammlung sowie deren Präsentation. Dabei waren die ostasiatischen Bestände von besonderem Interesse.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dann hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Galerie Alte Meister zu erkunden. Andreas Henning begrüßte die Gruppe mit einer kurzen Einführung in die Geschichte und den aktuellen Umbau der Galerie. Bei der Entdeckungstour konnten sie sich an einem von Annabell Rink entworfenen Arbeitsblatt für Kinder und Jugendliche orientieren und so einen praktischen Einblick in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit der SKD bekommen. Das Wochenprogramm deckte die drei Schwerpunktthemen – Kuratieren, Präsentieren, Vermitteln – somit in unterschiedlichen Facetten ab. Die Erfahrungen, die während der Woche gesammelt wurden, beschrieben die Teilnehmer in einem abschließenden Gespräch mit Gilbert Lupfer, der zusammen mit der diesjährigen Koordinatorin des „Dresden-Programms“, Neele Dinges, die Abschlussdiskussion leitete. Im Zuge dieses Gespräches wurden besonders die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Herangehensweisen und Möglichkeiten der verschiedenen, in diesem Jahr im Fokus stehenden Abteilung deutlich. Besonders intensiv wurde auch über die Verlagerung einzelner gestalterischer Aufgaben an externe Büros erörtert, wie es in China nicht und in deutschen Museen häufig der Fall ist. Abschließend wurde die Einzigartigkeit des Museum Experts Exchange Program betont und welchen enormen Mehrwert der Expertenaustausch für alle Beteiligten bietet. Den letzten gemeinsamen Abend ließen die chinesischen Teilnehmer und deutschen Kolleginnen schließlich im mongolisch-chinesischen Restaurant „Dschingis Khan“ ausklingen. In Begleitung von informativen Tipps rund um das chinesische Essen wurden Ideen, Visitenkarten und Pläne für die Zukunft ausgetauscht. Nach einem „freien“ Samstag, war es am Sonntagmorgen leider schon Zeit, Abschied zu nehmen.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Teilnehmern, auf chinesischer wie auf deutscher Seite für die Realisierung eines spannenden und vielfältigen Programms und vor allem für den regen und interessanten Austausch bedanken. Ein besonderer Dank geht an das Goethe-Institut und an die Museum & Research Foundation, ohne deren Unterstützung das Museum Experts Exchange Program nicht möglich wäre.