Archiv für September 2015

Tagungsband „Forschungen zu Hans Posse“ erschienen

Donnerstag, 17. September 2015

Im Dezember 2013 fand in der Kapelle des Dresdner Residenzschlosses die Tagung „Forschungen zu Hans Posse“ statt – gut besucht und viel beachtet, auch wegen des damals gerade offenbar gewordenen „Schwabinger Bilderfundes“ (auch bekannt als „Fall Gurlitt“). Nun ist der Dresdner Sammelband zu Hans Posse erschienen. Er fußt auf den Vorträgen der Tagung, geht aber inhaltlich weit darüber hinaus: die Beiträge wurden für den Druck überarbeitet und erweitert, zusätzliche Aufsätze und ein umfangreicher Quellenanhang wurden aufgenommen.

Hans Posse (geboren 1879 in Dresden, gestorben 1942 in Berlin) ist eine der wichtigsten und gleichzeitig eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Museumsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Dresdner Gemäldegalerie, der er von 1910 bis zu seinem Tode 1942 als Direktor vorstand, modernisierte er behutsam und prägte sie nachhaltig. Einerseits war er als Kenner altmeisterlicher Kunst, vor allem der italienischen, aber auch der deutschen und holländischen, früh international geschätzt. Andererseits aber war Hans Posse seit 1939 tief in das europaweite System des NS-Kunstraubes verstrickt.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf Hans Posses Verhältnis zur (damals) zeitgenössischen Kunst, zu den Werken beispielsweise von Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Edvard Munch und Otto Dix, von Ernst Ludwig Kirchner und anderen Künstlern der „Brücke“, aber auch zu denen von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. Erworben hat er deren Bilder mit abwartender Zurückhaltung und in geringer Zahl, doch er stellte sie immerhin als Leihgaben der Stadt Dresden und des Patronatsvereins der Gemäldegalerie aus. Zudem repräsentierte er die Weimarer Republik als Kurator der Internationalen Dresdner Kunstausstellung 1926 und als Kommissar des deutschen Pavillons auf den venezianischen Biennalen 1922 und 1930 – gewissermaßen als Kulturbotschafter des Deutschen Reiches –, indem er den aktuellen Kanon zeitgenössischer deutscher Kunst auf internationalem Parkett vorführte. Nach dem Machtantritt der NSDAP erwies er sich als überraschend resistent gegenüber Eingriffsversuchen der NSDAP in die Bestände und die Hängung der Galerie – was angesichts seiner persönlichen Entwicklung ab 1939 erstaunlich ist. In der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Dresdner Rathauses waren im Herbst 1933 keine Galeriebilder zu sehen. Noch bis Juli 1937 zeigte er in der Sempergalerie Werke von Nolde, Kokoschka, Hofer und Dix. Die Bilder des von ihm hoch geschätzten Max Liebermann entfernte er erst nach ausdrücklicher Aufforderung des ihm vorgesetzten Ministeriums am 3. August 1937, gab sie aber nicht heraus, sondern deponierte sie.

Der zweite Schwerpunkt des Bandes thematisiert Hans Posses verhängnisvolle Rolle als Adolf Hitlers Sonderbeauftragter für ein „Führermuseum“ und den „Sonderauftrag Linz“. Obwohl zeitlebens kein Nationalsozialist im ideologischen, parteipolitischen Sinne und – nach einem gescheiterten Versuch dazu 1933/34 – auch nie Mitglied der NSDAP, war Posse ab Juni 1939 als Sonderbeauftragter der führende Kunstbeschaffer des NS-Regimes. Diesen Auftrag übernahm er ohne erkennbare Skrupel oder Hemmungen und setzte dabei all seine Professionalität, sein Wissen und Können ein. Europaweit reklamierte und akquirierte er für den Sonderauftrag geraubte Kunstwerke jüdischer Sammler im vollen Bewusstsein von Herkunft und Entziehungskontext; durch ihn wurde das Linz-Projekt zu einem Hauptelement des internationalen NS-Kunstraubs.

Angesichts der mit dem „Fall Gurlitt“ intensivierten, ja zugespitzten Diskussionen über den Umgang mit NS-Raubkunst und mit „entarteter“ Kunst sind die Themen und Thesen der Dresdner „Forschungen zu Hans Posse“ von großer Aktualität. Denn gerade der mediale und politische Umgang mit dem „Fall Gurlitt“ hat einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, dass es zu einer kompetenten und zielführenden Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe der deutschen Geschichte weiterer Grundlagenforschungen bedarf.

Kennerschaft zwischen Macht und Moral.
Annäherungen an Hans Posse (1879-1942).

Herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Gilbert Lupfer und Thomas Rudert.
436 Seiten, 52 farb. und 45 s/w-Abb.
Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien 2015.
ISBN 978-3-412-22424-0.
€ 39,90

Die falsche Blume – Klangwelt & Tanz

Freitag, 11. September 2015

Zum Abschluss der Ausstellung „Die falsche Blume“ und der ihr gewidmeten Blogserie folgt heute unser abschließender Beitrag mit den beiden letzten Szenen „Klangwelt“ und „Tanz“. Am Sonntag, den 13. September, endet die Schau!

Die beiden Szenen thematisiert das eigens für die Ausstellung entstandene Balettstück, das die Erlebnisse der Blumenmacherin Lore beinhaltet. Der Tanz wurde von Mikel Aristegui choreographiert, die Musik von Artiom Ordiyants komponiert. In der Szene „Klangwelt“ hört man das komponierte Stück über Kopfhörer. Dabei fällt der Blick auf einen großen Bildschirm an der Wand, auf dem sich ein 3D-Rendering des Lore-Entwurfs dreht.

In der darauffolgenden Szene „Tanz“ sind die Kostüme aus der dazugehörigen Ballettchoreographie auf Kleiderpuppen zu sehen. Parallel dazu läuft das Video des Tanzes über eine Beamerpräsentation.

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Tanz“ © SKD Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Tanz“ © SKD Foto: Ronald Bonss

Die Hemden aus Baumwolle mit Digitaldruck, Schals, Tücher, Strumpfhosen aus Jersey mit Digitaldruck und das Cape aus Seide mit Digitaldruck stammen alle aus dem Hause Color Textil.

Die Manufaktur besteht aus führenden Druckern und Veredlern von hochwertigen, innovativen Textilien. Sie entwickeln und produzieren Textildrucke mit komplexen Druck- und Veredelungsanforderungen für die Bereiche Mode, Heim- und technische Textilien. Dabei kommen verschieden Druckverfahren zum Einsatz. Gegründet 1899, produziert das Unternehmen heute mit 190 Mitarbeitern jährlich ca. 9 Mio. laufende Meter Stoff.

Die Textildesigner übertragen den digitalen Entwurf Hermann August Weizeneggers in maschinenlesbare Daten. Im Digitaldruckverfahren wird dieser schließlich ohne Druckschablone auf die Stoffbahnen aufgetragen. Hierbei ist das Besondere, dass eigens für die Bedürfnisse der Firma eine Druckmaschine angefertigt wurde. Für „Die falsche Blume“ wurden Interlock Jersey, Seidenkrepp-Satin und Baumwoll-Batist bedruckt.

Im Anschluss an den Druck werden die Textilien gedämpft, gewaschen, getrocknet, über Spannrahmen gezogen und chemisch behandelt. Erst dadurch erhalten die bedruckten Textilien ihr endgültiges Maß, einen weichen „Griff“ sowie die gewünschte Strahlkraft.

Im oberfränkischen Konradsreuth liegt eine der führenden und modernsten Möbelstoffwebereien Europas – die Hitex®–Manufaktur Rohleder. Hier wurden die in der Szene zu sehenden Stücke wie Sakkos, Weste, Cape aus Velours mit Digitaldruck, Oberteil und Rock aus Vorhangstoff hergestellt.

Stoff eines Sakkos aus Velours mit Digitaldruck © Rohleder Möbelstoffweberei GmbH, 2015

Stoff eines Sakkos aus Velours mit Digitaldruck © Rohleder Möbelstoffweberei GmbH, 2015

Inhaber Klaus Rohleder und Geschäftsführer Hans Schüssel leiten das 1946 gegründete Unternehmen in der zweiten Generation. Mit über 70 Mitarbeitern fertigt die Firma Florgewebe wie Epinglé und Velours genauso wie Flachgewebe in Jacquard-Webtechnik oder auch Dekorationstextilien an.

Das für die Vorhänge und somit auch für die Röcke verwendete Viskoseveloursgewebe wird auf einer eigens für Rohleder gefertigten Maschine hergestellt, die eine besonders dichte Webeinstellung ermöglicht. Nach dem Weben werden die Stoffe digital bedruckt. Die Kombination der beiden Verfahren erzeugt ein gleichermaßen weiches und brillantes Textil.

Bei den Gardinenstoffen handelt es sich um sogenannte „Drehergewebe“. Dabei liegen die Kettfäden in größeren Abständen von rund 4mm. Im Webevorgang werden sie miteinander verdreht und halten dadurch den Schussfaden. Das Ergebnis ist ein Gewebe, das transparent aber doch „schiebefest“ – also in sich stabil – ist. Abschließend werden auch diese Textilien digital bedruckt.

Das Zentrum des Aufbaus © SKD Foto: Torsten-Pieter Rösler

Das Zentrum des Aufbaus © SKD Foto: Torsten-Pieter Rösler

Zum Schluss des Rundgangs gelangt man schließlich in die Mitte des Rondells. Dort befinden sich an den Seitenwänden die Infotafeln zu den Firmen, sowie zentral eine Loreblume in einer gläsernen Vase. Das Märchen wird in den letzen Szenebildern auf sinnliche Weise, ohne Worte, noch einmal erlebbar, sodass der Besucher das Erfahrene synästhetisch noch einmal Revue passieren lassen kann.

Weitere Mitwirkende Manufakturen in diesen Szenen waren unter anderem Weissfee GmbH und Deutsche Kunstblume Sebnitz.

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.

Die falsche Blume – Frühlingszauber & Fürbitten

Freitag, 04. September 2015

Herzlich Willkommen (zurück) zu unserer Blogserie anlässlich der Ausstellung „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“. Die Schau kann noch bis zum 13. September im Wasserpalais, im Schloss Pillnitz bestaunt werden.

Heute setzen wir die Reise fort und begeben uns an die Stelle der Geschichte, an der Lore aufgrund des hohen Fiebers und der Erschöpfung noch in derselben Nacht nach ihrer Heimkehr verstirbt. Die Szene Frühlingszauber spiegelt das wundersame Ereignis des plötzlichen Frühlingserwachens, der von Lores Totenkranz ausgeht, in der ganzen Gegend wieder.

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Frühlingszauber“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Frühlingszauber“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

In langanhaltenden Wintern entwickelte sich daher die Tradition, dass sich alle Menschen der Gegend in der Kapelle versammelten und Lore in ihre Fürbitten einschlossen. Der Totenkranz und die Kapelle werden daher in der Szene „Fürbitten“ nachempfunden.

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Fürbitten“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht „Die falsche Blume. Ein Designmärchen von Hermann August Weizenegger“, Blick in die Szene „Fürbitten“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Der Intarsien-Fußboden „Flora“ stammt aus der Werkstatt von Gunter Ludwig. Der Handwerksmeister und geprüfte Restaurator fertigt in Schmiedeberg neue, hochwertige Fußböden oder frischt bestehende, wertvolle Holzfußböden oder Dielungen fachmännisch auf. Aus verschiedenen Hölzern fertigt er zudem kunstvolle Intarsien nach Kundenwunsch.

Zunächst wird der grafische Entwurf der Blume in ein Schablonenmuster übertragen. Hierbei wird festgelegt, welche Farbigkeit durch welche Hölzer bewirkt wird und welche Maße die einzelnen Teile haben sollen. Bis ins kleinste Detail wird die feingliedrige Musteradaption geplant. Aus Esche, Roteiche und Eiche werden die einzelnen Elemente in Form flacher Plättchen zurechtgesägt, im Motiv angeordnet und anschließend so auf dem Trägermaterial verleimt, dass die eingelegten Holzstückchen bündig mit der Oberfläche abschließen. Zum Schluss erfolgt eine pflegende Nachbehandlung.

Die vier Wanddekor-Platten stammen aus dem Hause Meissen Couture®. Gegründet durch August den Starken im Jahre 1710, ist die Manufaktur Meissen® die älteste Porzellanmanufaktur in Europa. In den letzten Jahren entwickelte sie sich zu einer Luxusmarke, die unter dem Namen Meissen Couture® firmiert. Die Manufaktur Meissen® mit Sitz in Sachsen ist das Kompetenzzentrum für die Produktion hochwertiger Porzellanobjekte sowie für künstlerische Handmalerei in Perfektion. Seit 1918 ist die Gruppe Meissen Couture® im Besitz des Freistaates Sachsen und beschäftigt heute etwa 650 Mitarbeiter.

Teller mit der Loreblume in Aufglasur, © Meissen

Teller mit der Loreblume in Aufglasur, © Meissen

Nach der Zeichenschulausbildung erlernt der Porzellanmaler die traditionelle Meissener Handmalerei. Das Ausarbeiten von Dekoren kann vor dem Brand in Unterglasur- oder nach dem Brand in Aufglasurmalerei auf die Oberfläche des Porzellans erfolgen. Bei der Unterglasurmalerei ist zu beachten, dass sich die Farbpigmente durch den Brand verändern. Die Technik ist hierbei die selbe, wie bei der Aufglasur der 3 Teller „Flussteufel“ in der Szene „Geldsack“.

Doch nicht nur die Porzellanmalerei gehört zu dem Fachgebiet von Meissen Couture©, so fertigte die Manufaktur verschiedene Schmuckelemente für die Hängeleuchte „Meissenland“ in der Szene „Geldsack“.

Ausstellungsansicht der Hängeleuchte „Meissenland“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Ausstellungsansicht der Hängeleuchte „Meissenland“ © SKD, Foto: Ronald Bonss

Da Porzellanfiguren nicht im Ganzen gefertigt werden können, formt man zunächst Einzelteile aus Porzellanmasse. Der Bossierer überarbeitet diese Einzelelemente und fürgt sie zu einem Ganzen zusammen. Schmluckelemente, wie etwa die Blüten, modelliert der Bossierer frei in der Handfläche oder mit Ausformhilfen.

Inzwischen bietet Meissen Couture© seinen Kunden eine Vielfalt von Produkten, so wurde die Produktpalette deutlich erweitert und reicht derzeit von Textilmode wie Braut- oder Abendkleider, über Accessoires wie Hand- und Brieftaschen bis hin zu Einstecktüchern

Weitere Mitwirkende Manufakturen in diesen Szenen waren unter anderem Deutsche Kunstblume Sebnitz und Rohleder Möbelstoffweberei GmbH, diese werden wir in einem der kommenden Beiträge vorstellen oder wurden bereits vorgestellt.

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Hermann August Weizenegger auf der Eröffnungsfeier von "Die falsche Blume" © SKD, Foto: Ronald Bonss

Über die Person und Werke von Hermann August Weizenegger könnt Ihr mehr auf seiner persönlichen Webseite erfahren.