Archiv für März 2014

Ein Blick zurück

Donnerstag, 20. März 2014

Jörn Brunotte, Betreiber des Blogs Culture to go, führte ein Interview mit Dr. Stephan Adam zu den Social-Media-Aktivitäten der SKD

Dr. Stephan Adam ist Leiter der Abteilung Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Neben der klassischen Pressearbeit leitet Stephan Adam den Aufbau und die strategische Nutzung der Social Media für die SKD. Mit ihm hatten wir bereits 2011 über die Vorteile und Perspektiven gesprochen, die das Web 2.0 für Museen und Kulturinstitutionen bietet. Im folgenden Interview zieht er eine erste Bilanz und gibt einen Ausblick über die zukünftige Ausrichtung:

Jörn Brunotte: Wenn Sie auf die vergangenen Jahre Ihres Engagements in den Social Media zurückblicken: Was hat sich aus Ihrer Sicht bewährt? Wo liegen die Stärken und Chancen der Social Media für die Museen?
Dr. Stephan Adam: Der wesentliche Aspekt war von Beginn an und ist nach wie vor die Chance des direkten Austauschs mit den Kunstliebhabern, die die Social Media nutzen. Man erreicht diese Zielgruppe schnell und ohne den „Umweg“ über vermittelnde Medien. Wir können dort auch über Themen sprechen, die die Medien nicht oder nur vereinzelt aufgreifen. Wobei diese Medien damit nicht unbedingt Desinteresse zum Ausdruck bringen, es fehlt ihnen oftmals schlicht der Platz, um alles darzustellen, was wir für berichtenswert halten oder von dem wir annehmen, dass es die in den Social Media aktiven Follower ansprechen könnte.

Auf der anderen Seite ist für jedes Museum das Feedback von Besucherinnen und Besuchern bzw. Menschen, die sich mit unseren Ausstellungen oder Bildungsangeboten auseinandersetzen, von besonderem Wert. Das gilt zwar für ausgelegte Besucherbücher in Ausstellungsräumen nicht anders als für Reaktionen in den Social Media. Aber im Unterschied zum Besucherbuch als Forum für Resonanz gibt es ein besonderes Moment der Social Media: Hier bietet sich die Möglichkeit auf Feedback unmittelbar zu reagieren.

Und auch wer die Dauer- bzw. Sonderausstellungen nicht besuchen kann, ist in das Geschehen involviert und hat in seinem Alltag dennoch eine Teilhabe. Dieser Gedanke wiederum ist nicht nur für unsere Kommunikation in den Social Media prägend, sondern er wirkt auch über die mittels unseres Webauftritts zugänglichen Panoramarundgänge, die Mediathek, die Online Collection oder die Beteiligung am Google Art Project, um weitere wesentliche Facetten der digitalen Kommunikation der SKD anzusprechen.

Eine besondere Chance liegt überdies in der Tatsache, dass wir über die Social Media vor allem ein junges Publikum erreichen. Ein Drittel der „Fans“ der SKD-Facebook-Fanpage – und damit die mit Abstand größte Gruppe – ist zwischen 25 und 34 Jahren alt.

JB: Evaluieren die Staatlichen Kunstsammlungen ihre Social Media-Aktivitäten regelmäßig, welche Erfolgskriterien wurden dafür entwickelt?
SA: Die Zahl der Personen, die uns auf den verschiedenen Kanälen folgen, ist das naheliegendste Kriterium. Hier zeigt sich ein stetiger Trend nach oben, auch wenn wir rein nach Zahlen nicht zu den Spitzenreitern zählen – da ist fraglos noch Raum für Wachstum. Angesichts der noch überschaubaren Größenordnungen evaluieren wir etwa die Nutzerstruktur, wie das Alter und die Herkunft unserer Follower mit Hilfe der von den jeweiligen Kanälen oder externen Diensten zur Verfügung gestellten Statistik-Instrumente. Im Übrigen schauen wir aufmerksam, mit welchen Themen wir besondere Resonanz erzeugen. Wichtiger noch als das Kennen der soziodemografischen Daten ist das Beobachten der Stimmungslage und die Erkenntnis, dass nicht selten ein ansprechendes Bildmotiv mit einem knappen Kommentar mehr Reaktionen erzeugt als eine lange Erklärung.

JB: Betreiben Sie auch direktes Online-Marketing über die Social Media?
SA: Auf Marketing-Aktivitäten via Social Media haben wir bisher verzichtet. In naher Zukunft planen wir jedoch Anzeigenkampagnen, die auf aktuelle Sonderausstellungen und unsere Museen aufmerksam machen sollen. Diese haben das Ziel, die Bekanntheit unserer Fanpage und unserer Aktivitäten innerhalb der Plattform zu steigern.

JB: In welcher Form sind die einzelnen Häuser der SKD in den Social Media präsent?
SA: Wir hatten uns seinerzeit bei unserem Beitritt zu den sozialen Netzwerken entschieden, allein auf die Dachmarke „Staatliche Kunstsammlungen Dresden“ zu setzen, also den Verbund als Plattform zu etablieren. Es ist zu überlegen, ob und inwieweit wir über eine Präsenz auch einzelner unserer Museen in den Social Media die SKD-Fanpages bei Facebook und Twitter qua entsprechender Verlinkungen stärken könnten. Die von den SKD zu kommunizierenden Inhalte sind so vielfältig wie deren Museen und viele Social-Media-Nutzer dürften in ihren jeweiligen Interessengebieten „unterwegs sein“ und gerade dort Verknüpfungen suchen, ob nun auf dem Gebiet von Design oder Gemälden alter Meister. Vielleicht liegt hier ein noch ungenutztes Potential. Allerdings muss auch diskutiert werden, wie wir einen solchen Schritt im Rahmen unserer Möglichkeiten und all unserer anderen Kommunikationsvorhaben leisten könnten.

JB: Welche Rolle spielt Ihr Blog in der Gesamtstrategie?
SA: Der Blog der SDK ist der Ort, um weiter auszuholen, um etwas vertieft auszuführen. Wir sehen ihn auch von Fall zu Fall als eine Verlängerung der jeweiligen Sonderausstellungsseite des SKD-Webportals. Er ist ein ergänzendes Werkzeug in unserer Kommunikation und unserem Bestreben, den Interessierten weitere und tiefergehende Informationen anzubieten, die über die Ausstellungsseiten hinausgehen.

Der Blog ist zugleich ein Bestandteil thematischer Kampagnen-Kommunikation: So war er während der Wiedereröffnung des Mathematisch-Physikalischen Salons 2013 einer der Schauplätze, an welchem wir im Vorfeld der Eröffnung über die Vorbereitungen berichtet haben.

Im Blog zeigen wir darüber hinaus Ergebnisse von Workshops aus unserem museumspädagogischen Programm, z.B. Zeichnungen von Schülern, oder präsentieren ein „Kunstwerk der Woche“ bzw. den dazugehörigen Künstler aus Anlass von Sonderausstellungen.

JB: Wie häufig berichten Sie denn? Und worüber konkret?
SA: Bei Facebook und Twitter berichten wir nahezu täglich, im Blog sind die Abstände aufgrund der Vorarbeit und des redaktionellen Aufwands größer.

Im Zentrum steht zum einen das Bereitstellen von Hintergrundinformationen zu unseren aktuellen Sonderausstellungen als auch zu den Dauerpräsentationen unserer Museen. So gewähren wir dort den berühmten „Blick hinter die Kulissen“, z. B. beim Ausstellungsaufbau oder im Kuratorengespräch.

Darüber hinaus greifen wir tagesaktuelle Ereignisse oder Gedenktage auf, indem wir mit diesen in inhaltlichem Bezug stehende Sammlungsobjekte in den Blick nehmen und reflektieren. Nicht zuletzt haben wir die Möglichkeit unkonventionell und kurzfristig über aktuelle Veranstaltungen oder auch Programmänderungen zu informieren.

JB: Wie haben Social Media Ihre Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren verändert?
SA: Sie sind ein Aspekt einer breit gefächerten Kommunikation. Sie gehören längst ganz selbstverständlich zum Instrumentarium der Kommunikation neben zahlreichen anderen Elementen. Wir schätzen diese Möglichkeit des Austausches.

Es gibt allerdings viele andere Innovationen, mit denen wir auf die veränderte Medienlandschaft und die zunehmende Digitalisierung reagiert haben. Die mobile Website, der Auf- und Ausbau der SKD-Online Collection, die Beteiligung der SKD am Google Art Project oder die Schaffung eines barrierefreien Webauftritts der SKD – all dies sind ganz wesentliche Entwicklungen. Die erste Generation unserer Panoramarundgänge wird in Kürze durch technische und in ihrer Vermittlungsleistung verbesserte Rundgänge ersetzt, die dann auch mehr Museen der SKD als bisher im Internet erlebbar machen.

berdies bedingen unsere sächsischen Standorte in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tschechien und Polen, ebenso wie die große Zahl russischsprachiger Besucherinnen und Besucher in unseren Museen, sowie die Gäste aus anderen Ländern spezifische Kommunikationsstrategien. Dazu zählen Microsites unseres Webportals in den jeweiligen Sprachen und eine intensive, sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit den Medien dieser Länder, nicht jedoch die Social Media.

Generell sind die Social Media für die SKD aktuell keine für die internationale Kommunikation relevanten Kanäle. Regional und bundesweit betrachtet ist es wiederum für uns nach wie vor sehr wichtig, wenn sich die klassischen Medien, vom Feuilleton über Reiseseiten bis zu den Nachrichtenformaten, für Themen der SDK interessieren und über diese berichten. Umfragen zu zwei unserer großen und vom Publikum stark besuchten Sonderausstellungen des letzten Jahres haben dies erneut belegt.

Dies sind, um den Rahmen nicht zu sprengen, nur Andeutungen, um zu zeigen, dass die Social Media zwar zu einer festen Größe in der Kommunikation der SKD wurden, sie aber andererseits integraler Bestandteil vieler weiterer Kommunikations- und Vermittlungswege sind.

JB: Wie sehen Sie die Zukunft der Social Media für die Museen?
SA: Was „die Museen“ (in Deutschland) betrifft, werden die Social Media vermutlich weiter an Verbreitung und Bedeutung gewinnen. Facebook feierte unlängst sein 10-jähriges Bestehen, und so erweisen sich die Social Media jetzt schon als beständig. Eine sichere Prognose in einer sich rasant wandelnden, äußerst dynamischen digitalen Kommunikationswelt möchte ich nicht wagen.

Werden die Erkenntnisse über das Ausspähen von Daten durch Geheimdienste ohne Auswirkungen auf das Nutzerverhalten bleiben? Eine mögliche Frage neben manch anderen. Für die Kommunikation von Museen, so viel scheint mir sicher, werden jedenfalls noch auf längere Sicht die klassischen Medien eine große Rolle für eine weit reichende, internationale Verbreitung von Informationen spielen, ob nun in den tradierten Formen der Medien oder über dieselben im Internet abrufbaren Inhalte (von den Mediatheken bis zum E-Paper). Hinzu kommt die große Zahl der Onlineredaktionen.

Von solchen grundsätzlichen Erwägungen abgesehen, bleibt eine individuelle Betrachtung wichtig. Man kann nicht alle Museen über einen Kamm scheren. Jedes Museum muss seine Kommunikation auf seine spezifischen Gegebenheiten einstellen.

JB: Herr Dr. Adam, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview erschien am 20.3.2014 im Blog Culture to go.

Mit August dem Starken durch die Galaxie

Mittwoch, 12. März 2014
Michael Hering und Claudia Schnitzer vor einer Fotografie von Thomas Ruff

Michael Hering und Claudia Schnitzer vor einer Fotografie von Thomas Ruff

Das Kupferstich-Kabinett eröffnet am 13. März mit „Constellatio Felix – Planetenfeste Augusts des Starken – Sternenbilder von Thomas Ruff“ eine Ausstellung, die sich mit den barocken Festlichkeiten am Hofe des sächsischen Kurfürsten im September 1719 beschäftigt. In diesem Zusammenhang werden die Sternenbilder des Düsseldorfer Fotografen Ruff gegenübergestellt.

Im Vorfeld der Ausstellung standen die Kuratoren Claudia Schnitzer und Michael Hering Rede und Antwort. Sie erklären, welche Verbindung zwischen dem Kurfürsten und dem Künstler besteht und welche Begeisterung sie für das Universum teilen.

Frau Schnitzer, aus welchem Grund feierte August der Starke einen ganzen Monat diese Planetenfeste in Dresden?
Claudia Schnitzer: Der Anlass dieser Feste war die Hochzeit seines Sohnes, Friedrich August von Sachsen, mit der Prinzessin Maria Josepha von Österreich. Er erhoffte sich durch diese Verbindung die Kaiserkrone für sein Haus.

Welche barocken Werke können in der Ausstellung bewundert werden?
Claudia Schnitzer: Die Ausstellung präsentiert die Vorarbeiten zu dem von August dem Starken geplanten Festbericht. Der König wollte damit den Zeitgenossen und Regenten anderer europäischer Höfe eine Vorstellung von den prächtigen, aber vergänglichen Planetenfesten geben und diese auch für die Nachwelt erhalten. August der Starke beschäftigte hierfür eine Vielzahl von Künstlern. Bis zu seinem Tod 1733 arbeitete er unermüdlich an dem Publikationsprojekt. Übrig blieben die Vorzeichnungen und bereits ausgeführte Kupferstiche.

Johann August Corvinus nach Matthäus Daniel Pöppelmann (?), Feuerwerk auf der Elbe hinter dem Holländischen Palais, Radierung und Kupferstich

Johann August Corvinus nach Matthäus Daniel Pöppelmann (?), Feuerwerk auf der Elbe hinter dem Holländischen Palais, Radierung und Kupferstich

Wie ist die Ausstellung aufgebaut?
Claudia Schnitzer: Die Ausstellung ist zweigeteilt, und bei circa 230 Blättern musste eine Auswahl getroffen werden. Im Ausstellungsteil des Kupferstich-Kabinetts sind die Darstellungen zu den sieben Planetenfesten zu sehen, im Sponselraum des Neuen Grünen Gewölbes wird der Einzug der Braut in das Residenzschloss thematisiert. Diese Blätter sind unersetzlich für die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Paradeappartements und auch, um eine Vorstellung vom barocken Dresden jener Zeit zu gewinnen.

Wie kommen in diesem Zusammenhang Thomas Ruffs Fotografien ins Spiel?
Michael Hering: Wir Menschen greifen allzu gerne nach den Sternen. Thomas Ruffs Sternenbilder führen den Besuchern auf einer sinnlichen und zugleich analytischen Ebene die eigene emotionale Ambivalenz vor Augen, wenn wir in den Himmel blicken. Die Sterne und das unendliche Weltall sind Sehnsuchtsmotive, die zugleich Ohnmacht und Faszination auslösen – Aspekte, die uns dazu bewogen haben, sie als zeitgenössische künstlerische Position dem barocken Fest der „Constellatio Felix“ in der Ausstellung gegenüberzustellen.

Thomas Ruff, Sterne 3.38 00 h 46m/-30°, 1992, C-Print, gerahmt, 260 × 188 cm, Edition 1/2, copyright: VG-Bildkunst Bonn 2014

Thomas Ruff, Sterne 3.38 00 h 46m/-30°, 1992, C-Print, gerahmt, 260 × 188 cm, Edition 1/2, copyright: VG-Bildkunst Bonn 2014

Wieso fasziniert das Thema im Barock, wie auch in der Gegenwart die Menschen gleichermaßen?
Michael Hering: Die Vorstellung, dass die Planeten mit Gottheiten gleichzusetzen sind, reicht bis in die Antike zurück. Könige und Herrscher inszenierten sich nicht zuletzt als sogenannte Planetengötter um einen irdischen Machtanspruch zu legitimieren. Bis heute sind die Planeten jedoch kaum erforscht, so dass sie romantische Projektionsflächen für unsere Träume bleiben. Was es aber wirklich heißt, mit dem Raumschiff Enterprise in die Unendlichkeit zu fliegen, bleibt unvorstellbar.

Was kann der Besucher noch entdecken?
Claudia Schnitzer: Es wird eine Klanginstallation geben. Man hört den Start des Space Shuttle Challenger. Kombiniert wird die Sequenz mit den sphärischen Klängen der Toccata Johann Sebastian Bachs und Weltraumklängen.

Wer soll mit dieser Ausstellung angesprochen werden?
Michael Hering: Unser Wunsch ist es, dass die Freunde der alten Kunst und der Kunst der Gegenwart sich im wahrsten Sinne des Wortes auf eine gegensätzliche Zeitreise begeben und auf eine andere Epoche einlassen. Daneben veranschaulicht die Ausstellung einmal mehr die Lebendigkeit der Dresdener Sammlungen und die Idee von Modernität, wie sie schon zur Zeit der Regentschaft Augusts des Starken als eine wichtige Quelle der Inspiration diente.
Claudia Schnitzer: Wir sind Menschen der Gegenwart, aber die Gegenwart ist auch von der Vergangenheit bestimmt. Es ist interessant zu sehen, dass einige Dinge einfach bleiben, gewissermaßen zeitlos sind, wie die Musik Bachs – oder eben die Faszination für Sterne.

Das Interview führte Marie-Luise Kunze.