Archiv für Oktober 2012

Xi’an

Freitag, 26. Oktober 2012

Im Anschluss an den 14-tägigen Aufenthalt in Peking fuhren wir für drei Tage nach Xi’an, wo wir uns mit der Terrakotta-Armee von Shi Huang, des 1. Kaisers aus der Qin-Dynastie (221 – 206 v. Chr.) und der Grabwächterarmee des Kaisers Jing der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zwei der berühmtesten archäologischen Stätten des Landes mit angeschlossenen Museen ansehen konnten. Nach einem Besuch des Shaanxi History Museums, in dem uns besonders die farbigen Fresken aus Tang-zeitlichen Grabanlagen der Umgebung Xi’ans beeindruckten, ging es bereits weiter zur letzten Station unseres Aufenthalts – nach Shanghai, der schon architektonisch aufsehenerregenden Metropole am Ostchinesischen Meer.

Soldaten der Terrakotta-Armee von Kaiser Shi Huang

Die größte der Ausgrabungsstätten am Fundort der Terrakotta-Armee von Kaiser Shi Huang

Die sog. „Big Wild Goose“ Pagode in Xi’an

Der Trommelturm von Xi’an

Auf Entdeckungsreise in Peking

Mittwoch, 24. Oktober 2012

In Peking besichtigten wir auch das National Art Museum of China (NAMOC), das Capital Museum, das privat geführte Red Sandalwood Museum, waren zu Gast im Goethe-Institut und hatten Gelegenheit, in verschiedenen Museen (z. B. dem der Kunsthochschule, der Central Academy of Fine Arts (CAFA) angeschlossenen Museum und dem Beijing Today Museum) und Galerien einen Einblick in das zeitgenössische chinesischen Kunstschaffen zu gewinnen, das eine enorme Bandbreite an Themen und Reflexionsfeldern, vielfach zugleich ein durchaus kritisches Potential bot.
Neben den „offiziellen“ Programmpunkten hatte das NMC zahlreiche Besichtigungen weiterer kultureller und architektonischer „Highlights“ in und um Peking für uns organisiert und ermöglichte uns damit, Orte inner- und außerhalb des Stadtkerns kennen zu lernen. Die Verbotene Stadt hat ihrem Namen alle Ehre gemacht als wir in der Schlange am Ticketschalter standen: Die Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel war dort zu Gast und für über eine Stunde gab es keinen Einlass für Touristen in die ehemals kaiserliche Palastanlage.

Massentourismus in der Verbotenen Stadt

 

Wir haben außerdem Teile der Altstadt mit den traditionellen Hutongs gesehen, sind auf die Große Mauer „geklettert“, wie man im Chinesischen sagt, haben den Sommerpalast am Kunming-See besucht, waren auf dem ehemaligen Olympiagelände und haben den Himmelstempel mit dazugehörigem Park besichtigt – ein Ort, an dem auch die Bewohner Pekings gern ihre Freizeit verbringen. Zu guter Letzt durfte auch ein Besuch einer Aufführung der Peking-Oper nicht fehlen – ein schönes, für europäische Ohren aber doch gewöhnungsbedürftiges Klangerlebnis.

Sonntagsausflug zum Himmelstempel

 

 

Pekinger Wochenendvergnügen: Karten- und Mahjong-Spieler im Park des Himmelstempels

Das National Museum of China (NMC) stellt sich vor

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Das National Museum of China. Ansicht der Fassade vom Platz des Himmlischen Friedens

Das Programm in Peking sah sowohl das Kennenlernen ausgewählter Arbeitsbereiche und Ausstellungen des NMC vor als auch Besuche in anderen Kulturinstitutionen der Hauptstadt. In einer Überblicksvorlesung wurden wir gleich zu Beginn mit der Geschichte und der Organisationsstruktur des Hauses, das in diesem Jahr unter Einbeziehung der Vorgängermuseen sein 100-jähriges Jubiläum beging, vertraut gemacht. Das heute National Museum of China (NMC) ist hervorgegangen aus der Fusion zweier Museen, des National Museum of Chinese History und des National Museum of Chinese Revolution, und versteht sich gleichermaßen als Geschichts- und Kunstmuseum. Seit seiner Erweiterung und Wiedereröffnung im Jahr 2011 gilt das Haus als größtes Museum der Welt. Die Dimensionen sind in der Tat gigantisch: Auf einer Fläche von nahezu 200.000 m² befinden sich 48 Ausstellungshallen. Bis zu 39.000 Besucher (täglich!) besichtigen die derzeit 2 permanenten und 12 Sonderausstellungen. 1,2 Millionen Objekte werden in modernen, mit Mobiliar aus Kampferholz ausgestatteten Depots bewahrt, von denen wir zwei besichtigen konnten. Ohne Sicherheitspersonal und die große Anzahl Ehrenamtlicher einzurechnen, sind 500 Mitarbeiter in 27 Abteilungen am NMC beschäftigt.

Empfang der Gruppe durch den Generaldirektor des National Museums of China, Lu Zhangshen und Huang Zhenchun, Parteisekretär und stellvertretender Direktor, Foto: Ma, Tengfei

Einblicke in die wissenschaftliche Tätigkeit am NMC erhielten wir durch zwei Vorlesungen: Eine zur Geschichte der chinesischen Keramik und des chinesischen Porzellans – wir Dresdner vernahmen, dass „unsere“ Porzellansammlung eines von weltweit nur noch 70 vorhandenen Exemplaren des bläulich glasierten Porzellans der Yuan-Dynastie (1206-1368) beherbergt – eine andere zur Kalligraphie, klassischen Malerei und Siegelkunst. In weiteren Vorlesungen und Seminaren wurden wir mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Digitalisierung sowie der Vermittlungsarbeit vertraut gemacht. Letzteres erfolgte sehr anschaulich, indem wir selbst zu Probanden eines museumspädagogischen Programmes zu Musik und Malerei für Kinder wurden.
Selbstverständlich besichtigten wir auch alle Dauer- und Sonderausstellungen, einige unter sachkundiger Führung, andere im Selbststudium.

Sehr informativ war auch der Besuch der Restaurierungswerkstätten im Scientific and Technical Conservation Department des NMC, das in Shi Liuzhuang, etwas außerhalb der Innenstadt liegt und in dem 50 Mitarbeiter überwiegend für das NMC, aber auch für andere Museen tätig sind. Darüber hinaus waren wir zu Gast in der State Administration of Cultural Heritage unterstellten Chinese Academy of Cultural Heritage, der außerdem das National Conservation Centre for Underwater Cultural Heritage angeschlossen ist. In beiden Einrichtungen konnten wir uns in den technisch gut ausgestatteten Werkstätten und Laboren umsehen und kamen mit den jeweils Verantwortlichen ins Gespräch.

Werkstatt für Papierrestaurierung in der Chinese Academy of Cultural Heritage

Unterwegs in China – Das Kulturaustauschprogramm unser Resümee

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Als Teil eines Kulturaustauschprogramms mit dem National Museum of China (NMC), Peking haben 11 Volontäre und wissenschaftliche Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Staatlichen Museen zu Berlin und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München Peking, Xi’an und Shanghai, China bereist.

Gruppenfoto mit dem Generaldirektor des National Museums of China, Lu Zhangshen (Mitte) und Huang Zhenchun, Parteisekretär und stellvertretender Direktor (4. von links) Foto: Ma, Tengfei

Julia Fabritius, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Forschung & Wissenschaftliche Kooperation und Petra Martin, Kustodin für die Südostasien-Sammlungen berichten nun abschließend in einer fünfteiligen Serie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.