Archiv für die Kategorie ‘Europa/Welt’

Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس

Donnerstag, 17. November 2016


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Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierung des Damaskuszimmers ist dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation weit fortgeschritten. Bereits seit Ende 2014 ist die Konservierung der gelockerten originalen Farbschichten auf den 110 Einzelteilen abgeschlossen und damit ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des Zimmers für die Zukunft geschafft. Seither durchlaufen die kunstvoll verzierten Holzpaneele eine Reihe von Restaurierungsmaßnahmen, die von Bauteil zu Bauteil, aber auch von Farbfläche zu Farbfläche immer wieder neu abgestimmt werden müssen, weil die unterschiedlichen Farben; Metallauflagen und gefärbten Lacküberzüge in ihrem Erhaltungszustand stark schwanken. Die Gründe dafür liegen zum einen darin, dass die Materialien bei der Herstellung des Zimmers wiederkehrend frisch von Hand zubereitet wurden. Dadurch schwankt die Zusammensetzung der Farben und führte im Zusammenspiel mit den Alterungsprozessen dazu, dass manche Farbschichten noch recht stabil sind, andere jedoch äußerst empfindlich reagieren. Zum anderen variiert der Beschädigungsgrad der Holzpaneele durch die unterschiedlich starke Beanspruchung während der 90 Jahre, in denen das Zimmer als Wohnraum in Damaskus genutzt wurde. Die untere Wandzone bis zu einer Höhe von etwa 1 m ist stärker abgenutzt als die oberen Wandbereiche und die Decke. Ein Übriges taten Klimaschwankungen und durch die Decke eindringendes Wasser, als das Zimmer noch in Damaskus eingebaut war. Nicht zuletzt stellten die Restauratoren fest, dass insbesondere die karminroten Lackflächen auf den Zinnfolieauflagen bereits 1899 stark beschädigt und abgeplatzt waren. Für den Verkauf nach Deutschland wurden diese Flächen übermalt. Nach der Abnahme der Übermalungen, Leim- und Firnisschichten zeigen sich viele Paneele in erstaunlich gutem Zustand und haben nur vereinzelte weiße Fehlstellen, die farblich angepasst werden müssen. Einige der besonders aufwändig verzierten Bauteile, wie die Wandschranktüren und Schmuckpaneele, weisen die beschriebenen stärkeren Beschädigungen aus der Zeit in Damaskus auf. Diese Flächen erfordern einen größeren Retuscheumfang. Die vielen feinen Ausbrüche und Fehlstellen werden wieder mit den entsprechenden Farben ausgefüllt. Dabei werden die unterbrochenen Umrisslinien aufs Neue miteinander verbunden, damit die üppigen Ornamente ihren einstigen optischen Zusammenhalt zurückerhalten: Feinste Details sind wichtig und spielen im Kanon der Farben, Linien und Texturen eine bedeutende Rolle, um dem Zimmer als Gesamtkunstwerk seine beabsichtigte Wirkung zurückzugeben.

Blick in die Restaurierungswerkstatt im Japanischen Palais

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Detail einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Mittelpaneel einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links – linker Flügel der Wandschranktür mit Übermalungen und vergilbtem Firnis; rechts - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Wandschranktür mit Spiegeln nach der Restaurierung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Die Pracht kehrt zurück – zwei Wände des Damaskuszimmers sind fertig restauriert und aufgebaut

Nach zwei Jahren Arbeit sind die ersten beiden Wände des Damaskuszimmers fertig restauriert. Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farbkontraste sind nach mehr als 100 Jahren Dornröschenschlaf wieder sichtbar geworden. Die kunstvoll ineinander gewebten Muster, Farben und Blattmetalle vermitteln nun wieder einen Eindruck von der prachtvollen Innendekoration des Empfangszimmers. Damaszener Familien gaben einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens aus, um die für den Empfang von Gästen bestimmten Zimmer gleichermaßen luxuriös und behaglich auszustatten. Neben den exquisiten Wanddekorationen gehörten im frühen 19. Jahrhundert kostbare Teppiche, Kissen und Stickereien ebenso zum Repertoire des guten Geschmacks wie edles Kristallglas und feines Porzellan.Nach Abschluss der meisten Restaurierungsschritte wurden zwischen März und Juli 2016 zwei Wände des Dresdner Damaskuszimmers aufgerichtet und montiert. Dieser Schritt war notwendig, weil sich der Erhaltungszustand von Brett zu Brett unterscheidet und die Restauratoren das Ausmaß der Retuschen auf den nebeneinanderliegenden Wandflächen aufeinander abstimmen mussten. Anspruch der Restaurierung ist es, dass die üppige Ornamentik einerseits wieder ihre ursprünglich beabsichtigte Wirkung entfalten kann, das Zimmer jedoch nicht durch ein zu hohes Maß an Retuschen seinen Charakter als gealtertes und als Wohnraum benutztes Raumensemble verliert.

117 Jahre nach dem Ankauf des Zimmers durch den Kunstsammler Karl Ernst Osthaus wird sein Plan endlich Wirklichkeit: Ein prächtiges arabisches Zimmer wird im Museum in Deutschland ausgestellt und kündet von der Kunstfertigkeit, Schönheit und Eleganz orientalischer Wohnkultur

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Seit Sommer 2016 kann nun erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 eine größere, zusammenhängende Fläche des Dresdner Damaskuszimmers in seiner originalen Farbigkeit betrachtet werden. Interessenten sind eingeladen, sich während der Werkstattführungen an jedem letzten Donnerstag im Monat selbst einen Eindruck zu verschaffen. Eine Anmeldung ist wegen begrenzter Personenzahl in der Werkstatt erforderlich: E-Mail: besucherservice@skd.museum Tel.: +49 (0)351 49 14 20 00

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Diese Uhr kann alles – und wir wollen es zeigen!

Donnerstag, 10. November 2016

Titelseite einer Postkarte, worauf aktuelle Museumsbesucher nach Ihren Wünschen für eine zukünftige Sonderausstellung gefragt wurden.

DIE PLANETENUHR AUS DEM MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN SALON

Dr. Michael Korey, Oberkonservator am Mathematisch-Physikalischen Salon (MPS) und Dr. Samuel Gessner, Wissenschaftshistoriker aus Lissabon, suchen gemeinsam nach neuen Wegen, die Planetenuhren der Renaissance für heutige Betrachter zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Einige der Forschungsergebnisse sollen im Rahmen einer Kabinettausstellung im Mathematisch-Physikalischen Salon ab Mai 2017 zugänglich gemacht werden. Bis dahin halten wir euch mit Einblicken hinter die Kulissen auf dem Laufenden.

Wir stehen am Ende eines der Ausstellungssäle im MPS und blicken auf diese imposante „Planetenuhr“. Welches Wunderwerk der Technik verbirgt sich hier?

Der geniale Instrumentenbauer Eberhard Baldewein leitete die Anfertigung der Uhr, einer Art Himmelsmaschine, die 1563 bis 1568 in präziser Kleinstarbeit für den Kurfürst August I. von Sachsen geschaffen wurde. Damit schuf er eine technologische Spitzenleistung und ein künstlerisches Meisterwerk.

Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Begriffe und Denkweisen der Renaissance-Astronomie bilden die Grundlage für das Verständnis derartiger astronomischer Automaten. Unterdessen hat sich unser Weltbild jedoch grundlegend verändert. Genau dort setzen unsere Wissenschaftler Dr. Michael Korey und Dr. Samuel Gessner, beide Experten ihres Faches – an: Sie suchen neue Wege, für heutige Betrachter die Planetenuhren der Renaissance zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Die erste Phase des Projekts konnte dank der Unterstützung von der Museum Research Foundation im Rahmen des SKD-Forschungsprogramms „Europa/Welt“ realisiert werden. Jetzt hat das Team um Michael Korey eine Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes im Programm „Fellowship Internationales Museum“ erhalten und ist nun dabei die Planetenuhr zu untersuchen.

Komplizierteste Maschine der Renaissance

Bevor sich 2017 der Vorhang auf die Kabinettausstellung lüftet, konserviert Lothar Hasselmeyer in liebevoller Kleinarbeit Teile der „kompliziertesten Maschine der Renaissance“. Wir haben ihn in der Restaurierungswerkstatt besucht. Heute steht die sogenannte Mond-Anzeige im Mittelpunkt.

Im letzten Jahr hat Herr Hasselmeyer das Werk, das die Mondbewegung am Himmel genau nachbildet, auseinander genommen. Dabei wurden die Einzelteile sorgfältigst untersucht, behutsam gereinigt und schließlich mit einer Wachsschicht versehen. Nach Monaten mühevoller Arbeit liegen hier die Teile. Das Bild zeigt allerdings nur eines von insgesamt neun der geordneten Kästchen – allein für das Werk der Mond-Anzeige!

Jetzt ist der Restaurator dabei, die Mond-Anzeige wieder zusammenzusetzen.

 

 

Dresdner Planetenuhr: eine von vier

Hinter den Kulissen forschen Michael Korey und Samuel Gessner mit Lothar Hasselmeyer an der Dresdner Planetenuhr, die von ihrem wissenschaftlich wie technisch komplexen Aufbau her zu den raffiniertesten Artefakten der Frühen Neuzeit gehört.  Der Mechanismus war so angelegt, dass die Planetenpositionen vor dem Hintergrund der Sterne von unserer Perspektive aus  jederzeit aufs Genaueste angegeben wurden. Von den Uhren, welche darauf angelegt waren, sind weltweit insgesamt nur vier erhalten: sie befinden sich heute in Paris, Wien, Kassel und Dresden. Renaissance-Uhren mit astronomischen Anzeigen waren häufiger, zeigten aber höchstens den durchschnittlichen Lauf der Planeten, nicht ihr vor- und rückwärtiges „Wandern“ über den Himmel. Somit haben wir es hier in Dresden mit einem überaus seltenen Exemplar zu tun.

 

Noch zeigt nur das Foto von vor der Restaurierung des Mond-Anzeigewerks, wie das Ergebnis später aussehen soll. Aber in einigen Stunden hat Lothar Hasselmeier die Teile wieder richtig ineinander gebaut, und der Mond tanzt wieder. (Obwohl hier zu sagen ist, dass die Uhr aus konservatorischen Gründen in der Ausstellung nicht in Bewegung gehalten wird. Mit einer Animation werden die Bewegungen trotzdem sichtbar)

 

Gottesnähe demonstrieren

Den gestirnten Himmel zu begreifen, gehört zu den ältesten Träumen der Menschheit. Astronomen vermaßen den Himmel und entwarfen mathematische Theorien, um die Bewegungen der Gestirne exakt zu beschreiben und vorhersagbar zu machen. Mitte des 16. Jahrhunderts beschafften sich europäische Fürsten höchst komplexe Automaten, um die Bewegungen aller sichtbaren Himmelskörper ohne komplizierte Rechnungen nachvollziehen zu können. Mittels dieser seltenen Planetenuhren holten sie den Himmel auf die Erde und demonstrierten ihre Gottesnähe.

Übrigens: Auch wenn eines der Anzeigewerke in der Museumswerkstatt liegt, ist die Planetenlaufuhr weiterhin in der Ausstellung zu sehen. Besucher haben dann sogar die Möglichkeit, einen Blick in das ausgeklügelte Innenleben der Uhr zu werfen.

Zu sehen: „Gesichter auf Glas“ im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig

Montag, 24. Oktober 2016

Am 19. Oktober eröffnete unter reger Teilnahme vieler Fotointeressierter im GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig die Präsentation „Gesichter auf Glas. Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godeffroy“ mit einem Vortrag des Restaurators Carsten Wintermann. Mit finanzieller Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung konnte er im Frühjahr einen ganz besonderen Bestand aus der Leipziger Fotosammlung konservatorisch bearbeiten: 45 Ambrotypien mit Porträts von Menschen aus Tahiti, Fidschi und Hawai‘i. Diese unikaten Aufnahmen, vor über 150 Jahren entstanden, geben nicht nur Einblick in die frühe Medienhistorie, sondern erzählen auch vom ambivalenten Verhältnis zwischen Fotografie und Ethnologie. Die Ambrotypien stammen aus dem Bestand des Hamburger Museum Godeffroy, das 1861 als naturkundlich-ethnologische Sammlung durch das Handelshaus Johann Cesar Godeffroy & Sohn in der Hansestadt gegründet worden war. 1885 wurde das Museum aufgelöst und ein Großteil der Ethnographica samt rund 500 Fotografien nach Leipzig verkauft. Das Unikat-Verfahren der Ambrotypie fand vor allem in den USA und  England Verbreitung und wurde hauptsächlich für die Porträtfotografie eingesetzt. Ungewöhnlich aber ist der frühe Einsatz dieser in der Anwendung komplizierten Technik in der Südsee als Ort kolonialer Bestrebungen. Viele der Porträts entsprechen in den Posen westlichen, bürgerlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts. Das steht in eigentümlichem Kontrast zur rassischen Kategorisierung der indigenen fotografierten Frauen und Männer in begleitenden Textdokumenten. So sind die Ambrotypien ambivalenten Charakters: Sie changieren zwischen individuellem Porträt und ethnographischer Typenaufnahme. Die Präsentation, die bis zum 15. Januar 2017 ist in der Dauerausstellung im 2. Obergeschoss zu sehen ist, wurde im Rahmen des Forschungsprogramms »Europa/Welt« von Agnes Matthias kuratiert.

 

Blick in die Ausstellung, ©  GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Blick in die Ausstellung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Das Paradies auf Erden. Ein Blick hinter die Kulissen

Freitag, 07. Oktober 2016

Seit dem 1. Oktober hat die Ausstellung “Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens” in der Kunsthalle im Lipsiusbau geöffnet. Nam Nguyen hat als Praktikant in der Gemäldegalerie Alte Meister die beiden Kuratorinnen tatkräftig bei der Ausstellungsorganisation unterstützt und für uns den Aufbau der Ausstellung festgehalten.

Am 1. Oktober 2016 war es soweit: “Das Paradies auf Erden” öffnete seine Pforten in der Kunsthalle im Lipsiusbau.

Ausstellung " Das Paradies auf Erden " am 29.09.2016 im Lipsiusbau von Staatliche Kunstsammlungen Dresden . Foto: Oliver Killig

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen insbesondere die Gemälde aus der Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister, die somit eine neue Projektionsfläche erhalten und einen Einblick in die wissenschaftliche Erschließung des flämischen Gemäldebestandes der Dresdener Sammlung bieten. Dafür wurden einige Gemälde umfassend untersucht und aufwendig restauriert, sodass sie gänzlich neu wiederzuentdecken sind. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen und Druckgraphiken des Dresdener Kupferstich-Kabinetts und durch qualitätsvolle Leihgaben.

Doch bevor die Gäste in frisch gemalerten Räumen mit präziser Beleuchtung und akribisch inszenierten Werken stehen konnten, musste viel Arbeit, Zeit und natürlich Leidenschaft in den Aufbau der Ausstellung investiert werden.

Hier einige Impressionen:

Aus Weiß mach Blau…

Zwei verschiedene Blautöne kamen für die Ausstellungsräume zum Einsatz.

 

Vom Depot über den Verpackungsraum bis zum Hängeort…

Transportkisten der Ausstellungsobjekte mit eindeutigen Sicherheitswarnungen

Moderne Kunst? Nur die Verpackung des Erdglobus aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon (SKD).

 

Kurierarbeit…

Viele Leihgaben wurden von Kurieren der Institutionen begleitet, um die Hängung und Präsentation des Objektes zu beaufsichtigen. Zusammen mit dem Restaurator Christoph Schölzel wurden die Exponate auf Zustand und Transportschäden untersucht und dann unter den Auflagen der leihgebenden Institution gehängt. Hing erst einmal das Objekt, durfte es nicht mehr bewegt werden.

Fast schon stoisch beobachtet der Antwerpener Kurier die Hängung des Teniers Gemäldes.

Kuratorin Uta Neidhardt begutachtet Joachim Patinirs „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“.

 

Teamwork…

Ganze neun Männer bedurfte es, um ein großformatiges Gemälde wie die „Landschaft mit dem Brautzug“ von Lucas van Uden auf die Empore des Lipsiusbaus zu transportieren.

 

Spurenlese…

Damit jedes Objekt an seinen richtigen Platz kam, wurden für das Einrichtungsteam auf den Fußboden Abbildungen der Gemälde angebracht.

Und sie hängen…

…fast. „Dummies“ der Exponate wurden geschnitten und gehängt, um Raumwirkung und Bildabstände auszuloten.

Mit Präzision und Feingefühl werden die Abstände vom „A-Team“ ausgemessen.

Den kompletten Ausstellungsaufbau mit all seinen kleinen Tücken, wechselhaften Spannungen, Überraschungen und natürlich großen Freuden mitzuverfolgen und selbst involviert zu sein, war für mich eine neue, unglaublich spannende und wunderbare Erfahrung. Am meisten freut mich daher nun, die Exponate hängen zu sehen und das ein oder andere Lieblingsstück in seiner vollen Pracht in Zusammenspiel mit der Ausstellungsgestaltung begutachten zu können. Einen großen und herzlichen Dank möchte ich an Uta Neidhardt, Konstanze Krüger und Marion Heisterberg aussprechen und ich wünsche allen Lesern eine aufregende Zeit in der Ausstellung.

Ausstellungsansicht "Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens" (1.10.2016-15.1.2017) in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Copyright Staatliche

Wir haben die Möglichkeit in gar wundersame, atmosphärische und fantastische Welten einzutauchen, die einen sinnlich beflügeln und mit ihrer ganzen Bildgewalt in ihren Sog ziehen. Wir überschauen pittoreske Täler mit durchströmenden Flüssen, wir stehen an den Abhängen steiler Gebirge oder rasten an Wegen durch dichte Wälder – und dabei fühlen wir sämtliche Emotionen, die uns in den Sinn kommen können. Die Idee, die Landschaft als autonomes Bildmotiv dem Menschen gegenüberzustellen, etablierte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden und wurde sowohl von dem Wunsch nach Welterkenntnis als auch von ökonomisch motivierten Interessen an Geografie und Kartografie gefördert.

Ziel der Ausstellung ist die würdige und kritische Präsentation der flämischen Landschaften, die uns mitunter Aussagen über Naturauffassung, Kunstmarkt, Werkstattbetrieb und Hofpatronage treffen lassen. 144 Ausstellungsobjekte, darunter Gemälde, Zeichnungen und Graphiken, verführen uns in die sogenannten Weltlandschaften, wie sie Joachim Patinir und Pieter Bruegel d.Ä. komponierten und prägten. All diese sind jedoch kein genaues Abbild der Realität, sondern im Atelier komponierte, ideale Darstellungen, die die Künstler mit Formen aus der Natur verbanden und aus ihrer Sicht auf die natürliche Welt darstellten.

 

 

Die Spezialistinnen hinter den Kulissen | The specialists behind the scenes | الخبراء خلف الكواليس

Mittwoch, 03. August 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierungsarbeiten am Dresdner Damaskuszimmer begannen bereits 1997. Seitdem ist Anke Scharrahs als federführende Restauratorin und Projektleiterin an dem Vorhaben beteiligt. Zunächst war kaum etwas über die verwendeten Malmaterialien bekannt, so dass sich Anke Scharrahs der Erforschung der historischen Herstellungstechniken von syrischen Holzvertäfelungen aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert intensiv gewidmet hat. Einer ersten Reise nach Damaskus im Jahr 1998 folgten mehrere längere Arbeits- und Forschungsaufenthalte in Syrien sowie die Mitarbeit bei weiteren Forschungs- und Restaurierungsprojekten syrischer Holzvertäfelungen am Metropolitan Museum of Art in New York, am Museum für Islamische Kunst in Berlin, in der Sammlung Shangri La der Doris Duke Foundation of Islamic Art in Honolulu, am Los Angeles County Museum of Art und im Gayer-Anderson-Museum in Kairo. Die Faszination für diese prächtig bemalten Meisterwerke syrisch-osmanischer Innenarchitektur mündeten in der Dissertation von Anke Scharrahs, mit der sie 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden promoviert wurde.

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Seit 1998 bzw. 2002 sind die Restauratorinnen Evelyn Gärtner und Karoline Friedrich am Damaskuszimmer-Projekt beteiligt. Sie bringen ihre Erfahrungen aus der Mitarbeit am Arabicum in der Villa Gutmann in Potsdam und am Aleppo-Zimmer des Museums für Islamische Kunst in Berlin ein. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Farben und transparenten Lacke erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, um die konservatorischen Arbeitsschritte ohne Beschädigung der originalen Farbschichten durchführen zu können. Zudem ist eine ständige Feinabstimmung im Restauratorenteam erforderlich, um die Teile des Damaskuszimmers zu einem ähnlichen Endzustand zu bringen und ein homogenes Raumensemble wiedererstehen zu lassen. Dabei sollen Gebrauchsspuren des Zimmers erhalten bleiben und die Oberflächendekoration nur so weit restauriert werden, dass ihre einstige Pracht zwar wieder sichtbar wird, aber keine Totalrestaurierung aller verloren gegangenen Farbschichten erfolgt.

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Seit Februar bzw. Mai 2015 sind zwei syrische Kolleginnen in dem Projekt involviert. Samah Shtay und Layal Jazi haben 2011/12 in Damaskus beim Restaurierungsprojekt des Aga Khan Trust for Culture und des Aga Khan Cultural Services Syria in einem der bedeutendsten historischen Wohnhäuser der Damaszener Altstadt, im Haus Nizam, mitgearbeitet. Sie waren dort an der Restaurierung des berühmten Weintraubenzimmers beteiligt, eines prächtigen, für Zwecke der Repräsentation angelegten Empfangszimmers für Gäste von 1800/1835. Da es in Syrien keine akademische Restauratorenausbildung gibt, möchten sie in Deutschland studieren und bereiten sich nun in ihrem Pflichtpraktikum darauf vor. Sie werden in einem weiteren Blogbeitrag über ihre Arbeit berichten.

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Blick in die Tiefe – Spuren der Geschichte werden gelesen | Looking deeper: seeking the traces of history | نظرة في العمق، وتصبح قراءة القصة ممكنة

Dienstag, 19. Juli 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

200 Jahre sind nicht spurlos am Damaskuszimmer vorbeigegangen. Die verwendeten Materialien begannen bereits am ersten Tag zu altern – ein langsamer Prozess, den alle Kunstwerke durchlaufen. Für den Laien ist das meist nicht sichtbar. Erst wenn Farbschichten sich zu Runzeln und Falten zusammenschieben oder abzufallen drohen, werden die Folgen der stetigen Mikrobewegungen in den Kunstobjekten in drastischer Form sichtbar. Manche Veränderungen werden zudem durch chemische Reaktionen ausgelöst, z. B. wenn unedle Blattmetalle korrodieren oder Farbschichten sich entfärben. Beim Damaskuszimmer wurde eine breite Palette an Farben, Metallauflagen und gefärbten Lacküberzügen verwendet, die uns heute mit ihren komplexen Alterungserscheinungen konfrontieren. Diese müssen analysiert, verstanden und ausgewertet werden, um die richtigen Entscheidungen für die konservatorische und restauratorische Behandlung - und damit für den zukünftigen Erhalt des Zimmers - fällen zu können. In Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern wurden die Schadensphänomene erforscht und das Restaurierungskonzept erstellt. Die folgenden Fotos geben einen Einblick in die vielfältigen Veränderungen.

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.  © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien

Montag, 20. Juni 2016

Am 17. Mai 2016 fand im Rahmen der beiden derzeit laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsprojekte zu den Fotobeständen der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (Forschungsprogramm „Europa/Welt“ und DFG-Projekt „Weltsichten“ in Kooperation mit der Deutschen Fotothek/SLUB) ein interner Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien statt. Als Moderator der Veranstaltung war der Bremer Historiker Thomas Theye eingeladen, um mit den Kolleginnen und Kollegen in drei Sektionen über die Bedingungen des Ausstellens und Publizierens von im ethnographischen Kontext entstandenem oder genutztem Bildmaterial zu diskutieren. Zunächst stand das Thema Datenbank und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen des Publizierens im Fokus. Birgit Scheps-Bretschneider führte in ihrem Impulsreferat in das besondere Beispiel Australien und das Thema Bildtabu ein, Carola Krebs berichtete von ihren Erfahrungen des „Zurückbringens“ von Fotografien nach Südasien. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rassismus“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau endete der Tag mit einem öffentlichen Vortrag von Thomas Theye zum Thema „Spurensuche: Anmerkungen zu einigen frühen Samoa-Fotografien Jan Stanisław Kubarys für das Museum Godeffroy in Hamburg“.

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Fellowship-Programm mit dem International Training Programme des British Museum 2015: Aufenthalt der diesjährigen Research Fellows und des „Dresden Fellows“ in Dresden und Leipzig | Fellowship programme with the British Museum’s International Training Programme 2015: The stay of this year’s research fellows and the “Dresden Fellow” in Dresden and Leipzig

Freitag, 26. Februar 2016


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Das British Museum betreibt seit 2006 das International Training Programme (ITP), ein auf sechs Wochen angelegtes Studienprogramm, das jährlich in London und in ausgewählten Museen Englands stattfindet und sich insbesondere an außereuropäische Museumsfachleute und Wissenschaftler wendet. Seit 2014 kooperieren wir mit dem ITP und können für den Austausch mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf ein Netzwerk internationaler Wissenschaftler und Kuratoren zugreifen. Noch bis 2016 vergeben die SKD jährlich zwei Research Fellowships, die für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten nach Dresden oder Leipzig eingeladen werden, um dort mit den Kolleginnen und Kollegen der SKD an ausgewählten Projekten zusammenzuarbeiten und zu forschen. Außerdem unterstützen wir von 2013 bis 2015 jährlich einen Teilnehmer des ITP, der das Londoner Programm als „Dresden Fellow“ absolviert und im Anschluss auch die SKD besucht. Die Bewerbungsphase für die diesjährigen Research Fellowships läuft gerade – wir sind sehr gespannt, wer dieses Jahr teilnehmen wird.

Doch jetzt möchten wir kurz von den spannenden Begegnungen in 2015 berichten. Im letzten Jahr waren wieder zwei Research Fellows zu Gast in Dresden. Ayman Al-Shweiki aus Palästina arbeitete von September bis Dezember mit Anke Scharrahs am Projekt „Damascus Room – Daily life in the 19th century in Syria and Palestine“ im Japanischen Palais. Er recherchierte und untersuchte Quellen wie Fotos und Schriften, die das Leben in Bilad al-Sham im 19. Jahrhundert reflektieren, um die Funktion und den historischen Kontext syrischer Empfangszimmer besser zu verstehen. Darüber hinaus sollen die Quellen Aufschluss über den sozialen Status aber auch über den typischen Stil der Bewohner geben. Damit unterstützte Ayman die Erforschung des Dresdner Damaskuszimmers, das seit einigen Jahren von Anke und ihrem Team restauriert wird (s. Blogeintrag vom 15.07.15). Ayman ist seit 2014 als Assistant of Collections Director im Yasser Arafat Museum tätig und u.a. für die Archivierung der Objekte aber auch für wissenschaftliche Recherchen zuständig. Nebenbei unterstützt er als Collections Curator im Birzeit University Museum die Vorbereitung und Installation von Ausstellungen.

Ayman und Anke Scharrahs in der Restaurierungswerkstatt des Damaskus Zimmers

Ayman und Anke Scharrahs in der Restaurierungswerkstatt des Damaskus Zimmers

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Dana Korzuschek,

Costas Vasiliadis aus Athen besuchte Dresden nun schon zum zweiten Mal. Seit 2000 arbeitet Costas am Acropolis Museum in der Konservierung von Skulpturen und leitet das Team, das die Skulpturen der Akropolis mit Laserverfahren reinigt. Bereits im vergangenen Jahr war er als „Dresden Fellow“ für einige Tage in Dresden, um die Kuratoren und vor allem Restauratoren der Skulpturensammlung kennenzulernen und eine Einführung in die Werkstatt und Restaurierungsprojekte der Sammlung zu bekommen. Die Zusammenarbeit verlief in diesen wenigen Tagen so positiv, dass die SKD sich entschieden haben, Costas 2015 als Research Fellow nach Dresden einzuladen. Bei seinem vierwöchigen Aufenthalt im Herbst arbeitete er an der Restaurierung der Skulptur Ölausgießender Athlet, Typus Dresden-Florenz und konnte mittels unterschiedlicher Untersuchungen entscheidende Restaurierungsmaßnahmen festlegen und auch durchführen.

Costas neben der Skulptur Ölausgießender Athlet, Typus Dresden-Florenz, für deren Restaurierung er während seines Aufenthalts zuständig war

Costas neben der Skulptur Ölausgießender Athlet, Typus Dresden-Florenz, für deren Restaurierung er während seines Aufenthalts zuständig war

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Dana Korzuschek,

„Dresden Fellow 2015“ war Davit Poghosyan aus Armenien. In seiner Heimat arbeitet Davit als Dozent am Lehrstuhl für Museologie an der Armenian Pedagogical University in Yerevan. Vom 1. bis 7. November folgte er der Einladung der SKD ins GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, wo er Christine Fischer, Mitarbeiterin im Bereich Veranstaltungs- und Publikumsentwicklung, begleitete und Einblicke in die Eventorganisation aber auch Methoden der Museumspädagogik des Museums erhielt. Während eines Tagesausflugs nach Dresden besuchte er die Museen im Zwinger und Residenzschloss und lernte bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken die Research Fellows Ayman und Costas kennen. Das Netzwerk spinnt sich weiter…

Global Networking: Die diesjährigen Fellows Ayman, Davit und Costas (v.l.n.r.) beim gemeinsamen Kaffeetrinken in Dresden

Global Networking: Die diesjährigen Fellows Ayman, Davit und Costas (v.l.n.r.) beim gemeinsamen Kaffeetrinken in Dresden

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Dana Korzuschek,

Auf den Spuren der China-Mode in Sachsen | On the Trail of Chinese Fashion in Saxony

Montag, 16. November 2015


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Unser Forschungsprojekt „Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof“ widmet sich der wissenschaftlichen Erschließung eines einzigartigen, sehr umfangreichen und frühen Bestandes asiatischer und chinoiser Graphiken, der in einem Inventar von 1738 aufgelistet ist, und heute zur Sammlung des Kupferstich-Kabinetts gehört. Über 2500 Blätter werden nach und nach von Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang gesichtet, erfasst und erforscht. Ziel des Projektes ist ein Bestandskatalog, der unter anderem nach den wechselseitigen Einflüssen zwischen China und Europa fragt, die in vielen der untersuchten Graphiken deutlich werden.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Für eine solche Bestandserschließung ist der wissenschaftliche Austausch mit Experten grundlegend. Neben Forschungsreisen und Tagungsteilnahmen gelingt es Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang immer wieder, Kollegen aus aller Welt nach Dresden einzuladen, um über den noch wenig bekannten Bestand zu diskutieren. Im September etwa besuchte die Spezialistin für chinesische Kunstgeschichte Wen-Chin Hsu (Taiwan) unsere Kolleginnen, um sich vor allem über chinoise Motivik und Bildprogramme auszutauschen. Dazu gehörte auch eine gemeinsame Fahrt ins Schloss Lichtenwalde. Dort befinden sich farbige chinesische Zeichnungen und Holzschnitte von edel ausstaffierten Damen, die in Suzhou für ein europäisches Publikum hergestellt und exportiert wurden. Es handelt sich um eine frühe Verwendung, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts, von Einzelbildern als Wanddekoration, einem Vorläufer späterer chinesischer Tapeten. Die Raumausstattungen sind vor allem deshalb von besonderer Bedeutung, da sich weltweit nur wenige von ihnen erhalten haben. Inspiriert von der Sammelleidenschaft Augusts des Starken ist das Schloss Lichtenwalde ein weiterer Beleg dafür, dass der sächsische Hof im 18. Jahrhundert zu einem führenden europäischen Zentrum der Chinoiserie avancierte. Insbesondere August der Starke trug innerhalb kürzester Zeit eine der bis heute umfangreichsten europäischen Sammlungen an chinesischem und japanischem Porzellan, asiatischen Graphiken, chinesischen Specksteinfiguren, aber auch Textilien, Kostümen, Waffen und Lackwaren zusammen.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Forschung als Kooperation: „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ | Research as Cooperation: Asian Women on Display

Dienstag, 10. November 2015


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Willkommen zurück zu unserer Blogserie zum Forschungsprogramm Europa/Welt. Ein weiteres Projekt widmet sich der digitalen Erschließung eines umfangreichen Fotobestandes. Mit rund 260.000 Fotografien aus nahezu allen Regionen der Welt besitzen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) mit den Standorten Leipzig, Dresden und Herrnhut einen beeindruckenden Bestand an visuellem Material zur Geschichte und Methodik ihres Fachgebietes. Reise- und Expeditionsfotografie, anthropologische Aufnahmen und Studiofotografien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind darin ebenso zu finden wie aktuelle Beispiele fotobasierter Feldforschungen. Agnes Matthias, Leiterin des Projektes, ist bei der Sichtung und Auswertung der Fotografien auf zahlreiche spannende Konvolute gestoßen. So auch auf eine Reihe von Fotografien japanischer und chinesischer Schönheiten, die sich – dies wurde im sammlungsübergreifenden Austausch deutlich – auf ganz ähnliche Weise auf japanischen und chinesischen Export-Porzellanen finden lassen. Zusammen mit Cora Würmell, Leiterin des Forschungsprojekts „Ostasiatisches Porzellan und seine Bedeutung für die Europäische Kultur“, entstand die Idee, sich diesen Darstellungen einmal genauer und im Vergleich anzusehen.

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) © Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722)

© Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer


Aus einer ersten Idee ist mittlerweile eine Kooperation in Vorbereitung einer kleinen Ausstellung zum Thema „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ entstanden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für die Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Heidelberg konnten im September und Oktober Gäste in der Fotosammlung im Museum für Völkerkunde Dresden in Klotzsche empfangen werden.

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Gemeinsam mit Mio Wakita, Expertin für die Souvenirfotografie der Meiji-Zeit (1868–1912), sichteten Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias und Anne Vieth die Bestände japanischer Fotografien. Manch eine Aufnahme konnte dabei einem Fotografen neu zugeschrieben werden.

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Weltreisenden zusammengestellte Alben mit prachtvollen Lackeinbänden bergen vielfache Einblicke in die japanische Kultur, allerdings meist aus Sicht europäischer Fotografen, die ihre Bilder für ein überwiegend westliches Publikum fertigten. Und so verschmelzen insbesondere in der Darstellung japanischer Frauen Fantasievorstellungen mit traditioneller Ikonographie. Der Besuch von Cecilia Zi Guo Qiuzi war der fotografischen Repräsentation der chinesischen Frau gewidmet. Unterschiede zur japanischen Fotografie wurden diskutiert, Gemeinsamkeiten festgestellt – ein anregender Austausch, der fortgesetzt wird…

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD