Archiv für die Kategorie ‘SKD Forschung’

Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien

Montag, 20. Juni 2016

Am 17. Mai 2016 fand im Rahmen der beiden derzeit laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsprojekte zu den Fotobeständen der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (Forschungsprogramm „Europa/Welt“ und DFG-Projekt „Weltsichten“ in Kooperation mit der Deutschen Fotothek/SLUB) ein interner Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien statt. Als Moderator der Veranstaltung war der Bremer Historiker Thomas Theye eingeladen, um mit den Kolleginnen und Kollegen in drei Sektionen über die Bedingungen des Ausstellens und Publizierens von im ethnographischen Kontext entstandenem oder genutztem Bildmaterial zu diskutieren. Zunächst stand das Thema Datenbank und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen des Publizierens im Fokus. Birgit Scheps-Bretschneider führte in ihrem Impulsreferat in das besondere Beispiel Australien und das Thema Bildtabu ein, Carola Krebs berichtete von ihren Erfahrungen des „Zurückbringens“ von Fotografien nach Südasien. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rassismus“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau endete der Tag mit einem öffentlichen Vortrag von Thomas Theye zum Thema „Spurensuche: Anmerkungen zu einigen frühen Samoa-Fotografien Jan Stanisław Kubarys für das Museum Godeffroy in Hamburg“.

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Fellowship-Programm mit dem International Training Programme des British Museum 2015: Aufenthalt der diesjährigen Research Fellows und des „Dresden Fellows“ in Dresden und Leipzig | Fellowship programme with the British Museum’s International Training Programme 2015: The stay of this year’s research fellows and the “Dresden Fellow” in Dresden and Leipzig

Freitag, 26. Februar 2016


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Das British Museum betreibt seit 2006 das International Training Programme (ITP), ein auf sechs Wochen angelegtes Studienprogramm, das jährlich in London und in ausgewählten Museen Englands stattfindet und sich insbesondere an außereuropäische Museumsfachleute und Wissenschaftler wendet. Seit 2014 kooperieren wir mit dem ITP und können für den Austausch mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf ein Netzwerk internationaler Wissenschaftler und Kuratoren zugreifen. Noch bis 2016 vergeben die SKD jährlich zwei Research Fellowships, die für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten nach Dresden oder Leipzig eingeladen werden, um dort mit den Kolleginnen und Kollegen der SKD an ausgewählten Projekten zusammenzuarbeiten und zu forschen. Außerdem unterstützen wir von 2013 bis 2015 jährlich einen Teilnehmer des ITP, der das Londoner Programm als „Dresden Fellow“ absolviert und im Anschluss auch die SKD besucht. Die Bewerbungsphase für die diesjährigen Research Fellowships läuft gerade – wir sind sehr gespannt, wer dieses Jahr teilnehmen wird.

Doch jetzt möchten wir kurz von den spannenden Begegnungen in 2015 berichten. Im letzten Jahr waren wieder zwei Research Fellows zu Gast in Dresden. Ayman Al-Shweiki aus Palästina arbeitete von September bis Dezember mit Anke Scharrahs am Projekt „Damascus Room – Daily life in the 19th century in Syria and Palestine“ im Japanischen Palais. Er recherchierte und untersuchte Quellen wie Fotos und Schriften, die das Leben in Bilad al-Sham im 19. Jahrhundert reflektieren, um die Funktion und den historischen Kontext syrischer Empfangszimmer besser zu verstehen. Darüber hinaus sollen die Quellen Aufschluss über den sozialen Status aber auch über den typischen Stil der Bewohner geben. Damit unterstützte Ayman die Erforschung des Dresdner Damaskuszimmers, das seit einigen Jahren von Anke und ihrem Team restauriert wird (s. Blogeintrag vom 15.07.15). Ayman ist seit 2014 als Assistant of Collections Director im Yasser Arafat Museum tätig und u.a. für die Archivierung der Objekte aber auch für wissenschaftliche Recherchen zuständig. Nebenbei unterstützt er als Collections Curator im Birzeit University Museum die Vorbereitung und Installation von Ausstellungen.

Ayman und Anke Scharrahs in der Restaurierungswerkstatt des Damaskus Zimmers

Ayman und Anke Scharrahs in der Restaurierungswerkstatt des Damaskus Zimmers

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Dana Korzuschek,

Costas Vasiliadis aus Athen besuchte Dresden nun schon zum zweiten Mal. Seit 2000 arbeitet Costas am Acropolis Museum in der Konservierung von Skulpturen und leitet das Team, das die Skulpturen der Akropolis mit Laserverfahren reinigt. Bereits im vergangenen Jahr war er als „Dresden Fellow“ für einige Tage in Dresden, um die Kuratoren und vor allem Restauratoren der Skulpturensammlung kennenzulernen und eine Einführung in die Werkstatt und Restaurierungsprojekte der Sammlung zu bekommen. Die Zusammenarbeit verlief in diesen wenigen Tagen so positiv, dass die SKD sich entschieden haben, Costas 2015 als Research Fellow nach Dresden einzuladen. Bei seinem vierwöchigen Aufenthalt im Herbst arbeitete er an der Restaurierung der Skulptur Ölausgießender Athlet, Typus Dresden-Florenz und konnte mittels unterschiedlicher Untersuchungen entscheidende Restaurierungsmaßnahmen festlegen und auch durchführen.

Costas neben der Skulptur Ölausgießender Athlet, Typus Dresden-Florenz, für deren Restaurierung er während seines Aufenthalts zuständig war

Costas neben der Skulptur Ölausgießender Athlet, Typus Dresden-Florenz, für deren Restaurierung er während seines Aufenthalts zuständig war

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Dana Korzuschek,

„Dresden Fellow 2015“ war Davit Poghosyan aus Armenien. In seiner Heimat arbeitet Davit als Dozent am Lehrstuhl für Museologie an der Armenian Pedagogical University in Yerevan. Vom 1. bis 7. November folgte er der Einladung der SKD ins GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, wo er Christine Fischer, Mitarbeiterin im Bereich Veranstaltungs- und Publikumsentwicklung, begleitete und Einblicke in die Eventorganisation aber auch Methoden der Museumspädagogik des Museums erhielt. Während eines Tagesausflugs nach Dresden besuchte er die Museen im Zwinger und Residenzschloss und lernte bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken die Research Fellows Ayman und Costas kennen. Das Netzwerk spinnt sich weiter…

Global Networking: Die diesjährigen Fellows Ayman, Davit und Costas (v.l.n.r.) beim gemeinsamen Kaffeetrinken in Dresden

Global Networking: Die diesjährigen Fellows Ayman, Davit und Costas (v.l.n.r.) beim gemeinsamen Kaffeetrinken in Dresden

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Dana Korzuschek,

Auf den Spuren der China-Mode in Sachsen | On the Trail of Chinese Fashion in Saxony

Montag, 16. November 2015


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Unser Forschungsprojekt „Frühe Asiatica und Chinoiserien am sächsischen Hof“ widmet sich der wissenschaftlichen Erschließung eines einzigartigen, sehr umfangreichen und frühen Bestandes asiatischer und chinoiser Graphiken, der in einem Inventar von 1738 aufgelistet ist, und heute zur Sammlung des Kupferstich-Kabinetts gehört. Über 2500 Blätter werden nach und nach von Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang gesichtet, erfasst und erforscht. Ziel des Projektes ist ein Bestandskatalog, der unter anderem nach den wechselseitigen Einflüssen zwischen China und Europa fragt, die in vielen der untersuchten Graphiken deutlich werden.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

Dame am Schreibtisch, Farbholzschnitt, Suzhou (China), 1. H. 18. Jh., Kupferstich-Kabinett, Ca 159. Solche Blätter sind in China für den Export nach Europa hergestellt worden, wo sie häufig, wie in Lichtenwalde, als Wanddekoration verwendet wurden. In der Darstellung zeigen sich westliche Einflüsse, etwa in Schraffuren und in zentralperspektivischer Verkürzung.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Für eine solche Bestandserschließung ist der wissenschaftliche Austausch mit Experten grundlegend. Neben Forschungsreisen und Tagungsteilnahmen gelingt es Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang immer wieder, Kollegen aus aller Welt nach Dresden einzuladen, um über den noch wenig bekannten Bestand zu diskutieren. Im September etwa besuchte die Spezialistin für chinesische Kunstgeschichte Wen-Chin Hsu (Taiwan) unsere Kolleginnen, um sich vor allem über chinoise Motivik und Bildprogramme auszutauschen. Dazu gehörte auch eine gemeinsame Fahrt ins Schloss Lichtenwalde. Dort befinden sich farbige chinesische Zeichnungen und Holzschnitte von edel ausstaffierten Damen, die in Suzhou für ein europäisches Publikum hergestellt und exportiert wurden. Es handelt sich um eine frühe Verwendung, wohl Mitte des 18. Jahrhunderts, von Einzelbildern als Wanddekoration, einem Vorläufer späterer chinesischer Tapeten. Die Raumausstattungen sind vor allem deshalb von besonderer Bedeutung, da sich weltweit nur wenige von ihnen erhalten haben. Inspiriert von der Sammelleidenschaft Augusts des Starken ist das Schloss Lichtenwalde ein weiterer Beleg dafür, dass der sächsische Hof im 18. Jahrhundert zu einem führenden europäischen Zentrum der Chinoiserie avancierte. Insbesondere August der Starke trug innerhalb kürzester Zeit eine der bis heute umfangreichsten europäischen Sammlungen an chinesischem und japanischem Porzellan, asiatischen Graphiken, chinesischen Specksteinfiguren, aber auch Textilien, Kostümen, Waffen und Lackwaren zusammen.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

Forschung vor Ort: Anita Xiaoming Wang fotografiert und dokumentiert die prachtvolle chinoise Wandverkleidung mit vollem Körpereinsatz.

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

Von links: Wen-Chin Hsu, Cordula Bischoff und Anita Xiaoming Wang

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Forschung als Kooperation: „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ | Research as Cooperation: Asian Women on Display

Dienstag, 10. November 2015


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Willkommen zurück zu unserer Blogserie zum Forschungsprogramm Europa/Welt. Ein weiteres Projekt widmet sich der digitalen Erschließung eines umfangreichen Fotobestandes. Mit rund 260.000 Fotografien aus nahezu allen Regionen der Welt besitzen die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (SES) mit den Standorten Leipzig, Dresden und Herrnhut einen beeindruckenden Bestand an visuellem Material zur Geschichte und Methodik ihres Fachgebietes. Reise- und Expeditionsfotografie, anthropologische Aufnahmen und Studiofotografien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind darin ebenso zu finden wie aktuelle Beispiele fotobasierter Feldforschungen. Agnes Matthias, Leiterin des Projektes, ist bei der Sichtung und Auswertung der Fotografien auf zahlreiche spannende Konvolute gestoßen. So auch auf eine Reihe von Fotografien japanischer und chinesischer Schönheiten, die sich – dies wurde im sammlungsübergreifenden Austausch deutlich – auf ganz ähnliche Weise auf japanischen und chinesischen Export-Porzellanen finden lassen. Zusammen mit Cora Würmell, Leiterin des Forschungsprojekts „Ostasiatisches Porzellan und seine Bedeutung für die Europäische Kultur“, entstand die Idee, sich diesen Darstellungen einmal genauer und im Vergleich anzusehen.

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722) © Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer

China, Jingdezhen, Qing-Zeit (1644–1911), Ära Kangxi (1662 - 1722)

© Porzellansammlung, SKD, Foto: Adrian Sauer


Aus einer ersten Idee ist mittlerweile eine Kooperation in Vorbereitung einer kleinen Ausstellung zum Thema „Bild(er) der Weiblichkeit. Asian Women on Display“ entstanden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für die Kunstgeschichte Ostasiens der Universität Heidelberg konnten im September und Oktober Gäste in der Fotosammlung im Museum für Völkerkunde Dresden in Klotzsche empfangen werden.

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Unbekannter Fotograf, „Whispering“, 1880–1990, Albuminpapier, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

Gemeinsam mit Mio Wakita, Expertin für die Souvenirfotografie der Meiji-Zeit (1868–1912), sichteten Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias und Anne Vieth die Bestände japanischer Fotografien. Manch eine Aufnahme konnte dabei einem Fotografen neu zugeschrieben werden.

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von links: Mio Wakita, Cora Würmell, Anita Wang, Agnes Matthias

© Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Weltreisenden zusammengestellte Alben mit prachtvollen Lackeinbänden bergen vielfache Einblicke in die japanische Kultur, allerdings meist aus Sicht europäischer Fotografen, die ihre Bilder für ein überwiegend westliches Publikum fertigten. Und so verschmelzen insbesondere in der Darstellung japanischer Frauen Fantasievorstellungen mit traditioneller Ikonographie. Der Besuch von Cecilia Zi Guo Qiuzi war der fotografischen Repräsentation der chinesischen Frau gewidmet. Unterschiede zur japanischen Fotografie wurden diskutiert, Gemeinsamkeiten festgestellt – ein anregender Austausch, der fortgesetzt wird…

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Unbekannter Fotograf: „Playing of Musical Instruments“, 1880–1900, Albuminpapier, koloriert, aus dem Fotoalbum „Japan III“

© Museum für Völkerkunde Dresden, SES/SKD

 

MEEP 2015: Kuratieren, Präsentieren und Vermitteln | MEEP 2015: Curation, Presentation and Education

Dienstag, 10. November 2015


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Am Sonntag, 25. Oktober, nahmen wir in aller Frühe Abschied von den diesjährigen MEEP-Teilnehmern, die sich mit dem Bus nach München, der letzten Etappe des Museum Experts - Austauschs, aufmachten. Wir blicken auf eine gelungene Woche hier in Dresden zurück, in der viel gesehen, erlebt und erfahren wurde. Nachdem die chinesischen Teilnehmer am Sonntag und Montag bei Rundgängen durch die Altstadt und das Residenzschloss erste Eindrücke der Stadt und der Staatlichen Kunstsammlungen gewonnen hatten, startete am Dienstag das eigentliche Programm. Am Morgen trafen wir uns mit Astrid Nielsen, die im Mai selbst im Rahmen des Austauschprogrammes die vier Partnermuseen in China besucht hat. Sie führte die Gruppe durch die Skulpturensammlung im Albertinum und stellte die von ihr kuratierte Ausstellung „August Hudler in Dresden“ vor, was die chinesischen Wissenschaftler nutzten, um ihr viele interessante Fragen zur kuratorischen Praxis zu stellen.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Später führten Claudia Schmidt, Leiterin der Museumspädagogik und ebenfalls Teilnehmerin des diesjährigen MEEP-Austauschs, und Annabell Rink in die Vermittlungsarbeit der SKD ein und stellten dabei das Konzept des „Lernort Albertinum“ ins Zentrum.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein Höhepunkt an diesem Tag war die Führung von Michael Korey durch den Mathematisch Physikalischen Salon. Mit ansteckendem Enthusiasmus stellte er der Gruppe auf anschauliche Weise die Exponate, deren Geschichten und Präsentation in der Dauerausstellung vor.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Mittwoch ging es mit dem Bus nach Leipzig zu den Kollegen des GRASSI Museums für Völkerkunde. Nach der Begrüßung durch Vera Marusic, Referentin der Direktorin, und einem kurzen Ausblick in die Zukunft der museumspädagogischen Veranstaltungen und Events des GRASSI Museums durch Miriam Schultze und Christine Fischer, gab es eine Führung von Yu Filipiak. Anhand ihres Forschungsprojekts zu ostasiatischen Musikinstrumenten gab sie Einblick in ein besonderes Beispiel von Kulturaustausch zwischen Deutschland und China und in die einzigartigen Objektgeschichten.

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Leipziger Innenstadt, bei dem natürlich auch am Klangbrunnen im Hansahaus und an Auerbachs Keller Halt gemacht wurde, besuchten wir die G2 Kunsthalle. Dort stellte Anka Ziefer die von ihr geleitete Galerie und die aktuelle Ausstellung „Leipzig 2015. Sammlung Hildebrandt“ vor.

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Dirk Weber, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Auf die junge Kunstszene Leipzigs eingestimmt, bildete der Besuch des Geländes der Spinnerei Leipzig einen weiteren Höhepunkt an diesem Tag. Der Rundgang führte sowohl in die Geschichte des Geländes, als auch in dessen moderne Nutzung durch Künstler verschiedenster Disziplinen ein.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Donnerstag hielt sich die Gruppe zunächst im Residenzschloss auf. Der Tag begann mit einer anregenden Einführung des Leiters der Abteilung Presse und Kommunikation, Stephan Adam, in die Arbeit seiner Abteilung. Darauf folgte eine Präsentation von Martin Zavesky, der über die digitale Kommunikation und den Umgang mit neuen Medien an den SKD berichtete und anhand der interaktiven Multimedia-Stele im Erdgeschoss des Schlosses ein konkretes Beispiel für die interessierten Zuhörer lieferte.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Am Nachmittag brachten Anne Böttger und Doreen Scherfke den chinesischen Besuchern am Beispiel der Sonderausstellung „500 Jahre Sixtinische Madonna“ aus dem Jahr 2012 die Aufgaben und Möglichkeiten der Marketingabteilung näher.

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach diesem Einblick in die Arbeit einiger zentraler Abteilungen der SKD ging es in die Galerie Gebr. Lehmann in der Dresdner Neustadt, wo sich die chinesischen Teilnehmer die aktuelle Ausstellung von Eberhard Havekost ansahen und die beiden Brüder zu ihrer Arbeit befragen konnten. Am Donnerstagabend waren die MEEP-Teilnehmer Gäste des Generaldirektors im Restaurant Alte Meister. Es wurden angeregte Gespräche mit den anwesenden Direktoren, Hartwig Fischer, Dirk Burghardt, Dirk Syndram und Tulga Beyerle, geführt.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

© Neele Dinges, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der letzte offizielle Programmtag begann mit einer exklusiven Führung durch die Porzellansammlung im Zwinger. Cora Würmell und Jan Hüsgen gaben einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Exponate und der Sammlung sowie deren Präsentation. Dabei waren die ostasiatischen Bestände von besonderem Interesse.

© Vivien Kluge, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dann hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Galerie Alte Meister zu erkunden. Andreas Henning begrüßte die Gruppe mit einer kurzen Einführung in die Geschichte und den aktuellen Umbau der Galerie. Bei der Entdeckungstour konnten sie sich an einem von Annabell Rink entworfenen Arbeitsblatt für Kinder und Jugendliche orientieren und so einen praktischen Einblick in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit der SKD bekommen. Das Wochenprogramm deckte die drei Schwerpunktthemen – Kuratieren, Präsentieren, Vermitteln – somit in unterschiedlichen Facetten ab. Die Erfahrungen, die während der Woche gesammelt wurden, beschrieben die Teilnehmer in einem abschließenden Gespräch mit Gilbert Lupfer, der zusammen mit der diesjährigen Koordinatorin des „Dresden-Programms“, Neele Dinges, die Abschlussdiskussion leitete. Im Zuge dieses Gespräches wurden besonders die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Herangehensweisen und Möglichkeiten der verschiedenen, in diesem Jahr im Fokus stehenden Abteilung deutlich. Besonders intensiv wurde auch über die Verlagerung einzelner gestalterischer Aufgaben an externe Büros erörtert, wie es in China nicht und in deutschen Museen häufig der Fall ist. Abschließend wurde die Einzigartigkeit des Museum Experts Exchange Program betont und welchen enormen Mehrwert der Expertenaustausch für alle Beteiligten bietet. Den letzten gemeinsamen Abend ließen die chinesischen Teilnehmer und deutschen Kolleginnen schließlich im mongolisch-chinesischen Restaurant „Dschingis Khan“ ausklingen. In Begleitung von informativen Tipps rund um das chinesische Essen wurden Ideen, Visitenkarten und Pläne für die Zukunft ausgetauscht. Nach einem „freien“ Samstag, war es am Sonntagmorgen leider schon Zeit, Abschied zu nehmen.

© Wei Feng, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Teilnehmern, auf chinesischer wie auf deutscher Seite für die Realisierung eines spannenden und vielfältigen Programms und vor allem für den regen und interessanten Austausch bedanken. Ein besonderer Dank geht an das Goethe-Institut und an die Museum & Research Foundation, ohne deren Unterstützung das Museum Experts Exchange Program nicht möglich wäre.

Ni Hao, Dresden!

Dienstag, 20. Oktober 2015

Wir freuen uns, auch dieses Jahr im Rahmen vom Museum Experts Exchange Program (MEEP) 12 chinesische Wissenschaftler in unserem Haus empfangen zu dürfen! Nachdem die Kollegen aus dem National Museum of China, dem National Art Museum of China, dem Shanghai Museum sowie dem Guangdong Museum of Art letzte Woche Gäste der Staatlichen Museen zu Berlin waren, begrüßen wir sie nun in Dresden. Der diesjährige Austausch widmet sich den Schwerpunkten „Kuratieren, Präsentieren und Vermitteln“. Für die gemeinsame Zeit vom 18. bis zum 25. Oktober 2015 wurde ein vielfältiges Programm, bestehend aus zahlreichen Workshops, Gesprächen in den Abteilungen der SKD, Ausstellungs- und Galeriebesuchen sowie einem Ausflug zu den Kollegen des GRASSI Museums in Leipzig, vorbereitet.

Prof. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, führt die Kollegen aus China durch das Historische Grüne Gewölbe; Foto: Dirk Weber © SKD

Prof. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, führt die Kollegen aus China durch das Historische Grüne Gewölbe; Foto: Dirk Weber © SKD

Nach ihrer Ankunft am Sonntagnachmittag konnten die Teilnehmer auf einem Stadtrundgang einen ersten Eindruck von Dresden gewinnen, bevor wir sie am Montag näher mit dem Alltag unseres Hauses bekanntmachten. Ein Highlight des ersten Tages war hierbei der von Dirk Syndram geführte Rundgang durch das Residenzschloss. Dabei konnten unsere chinesischen Besucher sichtlich spannende Einblicke in die Ausstellungen des Historischen und Neuen Grünen Gewölbes, der Türckischen Cammer, des Riesensaals und des Münzkabinetts erlangen.

Eine Woche voller interessanter Begegnungen liegt vor uns, die wir im Nachgang an dieser Stelle gern teilen werden.

…und eine Pause zwischendurch; Foto: Dirk Weber © SKD

…und eine Pause zwischendurch; Foto: Dirk Weber © SKD

Gemeinsam in der Rüstkammer im Riesensaal des Residenzschlosses; Foto: Dirk Weber © SKD

Gemeinsam in der Rüstkammer im Riesensaal des Residenzschlosses; Foto: Dirk Weber © SKD

Tagungsband „Forschungen zu Hans Posse“ erschienen

Donnerstag, 17. September 2015

Im Dezember 2013 fand in der Kapelle des Dresdner Residenzschlosses die Tagung „Forschungen zu Hans Posse“ statt – gut besucht und viel beachtet, auch wegen des damals gerade offenbar gewordenen „Schwabinger Bilderfundes“ (auch bekannt als „Fall Gurlitt“). Nun ist der Dresdner Sammelband zu Hans Posse erschienen. Er fußt auf den Vorträgen der Tagung, geht aber inhaltlich weit darüber hinaus: die Beiträge wurden für den Druck überarbeitet und erweitert, zusätzliche Aufsätze und ein umfangreicher Quellenanhang wurden aufgenommen.

Hans Posse (geboren 1879 in Dresden, gestorben 1942 in Berlin) ist eine der wichtigsten und gleichzeitig eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Museumsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Dresdner Gemäldegalerie, der er von 1910 bis zu seinem Tode 1942 als Direktor vorstand, modernisierte er behutsam und prägte sie nachhaltig. Einerseits war er als Kenner altmeisterlicher Kunst, vor allem der italienischen, aber auch der deutschen und holländischen, früh international geschätzt. Andererseits aber war Hans Posse seit 1939 tief in das europaweite System des NS-Kunstraubes verstrickt.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf Hans Posses Verhältnis zur (damals) zeitgenössischen Kunst, zu den Werken beispielsweise von Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Edvard Munch und Otto Dix, von Ernst Ludwig Kirchner und anderen Künstlern der „Brücke“, aber auch zu denen von Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. Erworben hat er deren Bilder mit abwartender Zurückhaltung und in geringer Zahl, doch er stellte sie immerhin als Leihgaben der Stadt Dresden und des Patronatsvereins der Gemäldegalerie aus. Zudem repräsentierte er die Weimarer Republik als Kurator der Internationalen Dresdner Kunstausstellung 1926 und als Kommissar des deutschen Pavillons auf den venezianischen Biennalen 1922 und 1930 – gewissermaßen als Kulturbotschafter des Deutschen Reiches –, indem er den aktuellen Kanon zeitgenössischer deutscher Kunst auf internationalem Parkett vorführte. Nach dem Machtantritt der NSDAP erwies er sich als überraschend resistent gegenüber Eingriffsversuchen der NSDAP in die Bestände und die Hängung der Galerie – was angesichts seiner persönlichen Entwicklung ab 1939 erstaunlich ist. In der diffamierenden Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Dresdner Rathauses waren im Herbst 1933 keine Galeriebilder zu sehen. Noch bis Juli 1937 zeigte er in der Sempergalerie Werke von Nolde, Kokoschka, Hofer und Dix. Die Bilder des von ihm hoch geschätzten Max Liebermann entfernte er erst nach ausdrücklicher Aufforderung des ihm vorgesetzten Ministeriums am 3. August 1937, gab sie aber nicht heraus, sondern deponierte sie.

Der zweite Schwerpunkt des Bandes thematisiert Hans Posses verhängnisvolle Rolle als Adolf Hitlers Sonderbeauftragter für ein „Führermuseum“ und den „Sonderauftrag Linz“. Obwohl zeitlebens kein Nationalsozialist im ideologischen, parteipolitischen Sinne und – nach einem gescheiterten Versuch dazu 1933/34 – auch nie Mitglied der NSDAP, war Posse ab Juni 1939 als Sonderbeauftragter der führende Kunstbeschaffer des NS-Regimes. Diesen Auftrag übernahm er ohne erkennbare Skrupel oder Hemmungen und setzte dabei all seine Professionalität, sein Wissen und Können ein. Europaweit reklamierte und akquirierte er für den Sonderauftrag geraubte Kunstwerke jüdischer Sammler im vollen Bewusstsein von Herkunft und Entziehungskontext; durch ihn wurde das Linz-Projekt zu einem Hauptelement des internationalen NS-Kunstraubs.

Angesichts der mit dem „Fall Gurlitt“ intensivierten, ja zugespitzten Diskussionen über den Umgang mit NS-Raubkunst und mit „entarteter“ Kunst sind die Themen und Thesen der Dresdner „Forschungen zu Hans Posse“ von großer Aktualität. Denn gerade der mediale und politische Umgang mit dem „Fall Gurlitt“ hat einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, dass es zu einer kompetenten und zielführenden Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe der deutschen Geschichte weiterer Grundlagenforschungen bedarf.

Kennerschaft zwischen Macht und Moral.
Annäherungen an Hans Posse (1879-1942).

Herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
Gilbert Lupfer und Thomas Rudert.
436 Seiten, 52 farb. und 45 s/w-Abb.
Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien 2015.
ISBN 978-3-412-22424-0.
€ 39,90

Mitarbeit von Nachwuchskräften gefragt – Studenten aus Amsterdam und Dresden beschäftigen sich mit Aspekten des Damaskuszimmers. | Young academics at work: students from Amsterdam and Dresden turn their focus to the Damascus Room | الأكاديميون الشباب في العمل: حولت طالبتان من أمستردام ودرسدن اهتمامهما تجاه الغرفة الدمشقية

Mittwoch, 15. Juli 2015


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Postgraduierten-Forschungsprojekt der Restauratorin Jessica Hensel, Universität Amsterdam

Von Februar bis Mai 2015 erforscht und restauriert Jessica Hensel den äußeren Deckenrahmen des Damaskuszimmers. Diese Deckenbretter sind mit einem faszinierenden Pigment bemalt, das aufgrund seiner leuchtend goldgelben Farbe jahrhundertelang hoch geschätzt war. Heute ist das Auripigment in Vergessenheit geraten, da es wegen seiner Giftigkeit seit dem 19. Jahrhundert kaum noch verwendet wurde. Die glitzernden Kristalle erzeugen jedoch unvergleichliche Effekte in den Malereien und sind in vielen Details und Ornamenten des Damaskuszimmers bildbestimmend. Die konservatorische Bearbeitung war auf Grund der kristallinen Struktur und der empfindlichen Bindemittel anspruchsvoll. Dicke Leim- und Firnisschichten, die im Zuge von Renovierungen im 19. Jahrhundert aufgestrichen wurden, gefährdeten das Original und mussten abgenommen werden. Die Leuchtkraft der gelben Farbe kann nun wieder bewundert werden. Andere Materialien hingegen, wie Blattkupfer oder Zinnfolie, sind stellenweise korrodiert und haben dadurch ihren metallischen Glanz verloren. Die ursprünglich azurblauen Malereien, die aus blauem Glaspulver (Smalte) bestehen, sind grau geworden. Zur Veranschaulichung der originalen Gestaltungsintention wird eine maltechnische Rekonstruktion dieses Deckenbrettdekors angefertigt. Maltechnische Forschung und restauratorische Arbeit gehen hier Hand in Hand.

Jessica Hensel nimmt verbräunte Leim- und Firnisüberzüge von leuchtend gelben Auripigmentmalschichten ab. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Jessica Hensel nimmt verbräunte Leim- und Firnisüberzüge von leuchtend gelben Auripigmentmalschichten ab. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Jessica Hensel nimmt verbräunte Leim- und Firnisüberzüge von leuchtend gelben Auripigmentmalschichten ab.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Maltechnische Kopie eines Paneels mit vergoldeter arabischer Kalligrafie aus dem Damaskuszimmer

Sina Krol, Restaurierungsstudentin im 4. Studienjahr an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, hat sich im Februar/März 2015 mit spannenden Detailfragen zum Herstellungsprozess des Damaskuszimmers beschäftigt. Sie hat unter anderem erforscht, wie die homogenen blauen Farbflächen erzeugt wurden, mit denen die goldenen Buchstaben eingefasst sind. Die Farbschicht besteht bekannterweise aus gemahlenem blauen Glas (Smalte), doch wie haben die Künstler daraus eine Farbe gemacht, mit der man so gleichmäßig malen konnte? Um diese Frage zu beantworten, wurden maltechnische Versuche durchgeführt und unterschiedliche Bindemittelmischungen aus Eiklar, Stärke, Gummi arabicum und Hautleim getestet. Mit der Mischung von Hautleim und Eiweiß konnten ähnliche Farbschichten erzeugt werden wie im Original. Eine weitere spannende Frage betraf die Zusammensetzung der farbigen Lacküberzüge, mit denen die mit Zinnfolie belegten Reliefornamente verziert sind. Die aus Naturmaterialien hergestellten Lacke mussten farbintensiv sein, um die ursprüngliche Farbbrillanz zu erzeugen, und vor allem rasch trocknen, um einen gleichmäßigen Lacküberzug zu erzeugen. Diese und andere knifflige maltechnische Fragestellungen konnten durch das Studentenprojekt beantwortet werden.

Sina Krol während der maltechnischen Kopie eines Inschriftenpanels des Dresdner Damaskuszimmers, © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Sina Krol während der maltechnischen Kopie eines Inschriftenpanels des Dresdner Damaskuszimmers, © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Sina Krol während der maltechnischen Kopie eines Inschriftenpanels des Dresdner Damaskuszimmers

© Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Schrifttafel aus dem Damaskuszimmer, die ursprüngliche Leuchtkraft der Farben ist durch die Alterung der verwendeten Farben und die Korrosion der Metallauflagen aus Kupfer und Zinn nicht mehr sichtbar. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Die maltechnische Kopie dient deshalb zur Veranschaulichung der ursprünglichen Erscheinungsbildes und zeigt in der rechten Hälfte die einzelnen Schritte des Herstellungsprozesses. © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Schrifttafel aus dem Damaskuszimmer, die ursprüngliche Leuchtkraft der Farben ist durch die Alterung der verwendeten Farben und die Korrosion der Metallauflagen aus Kupfer und Zinn nicht mehr sichtbar. Die maltechnische Kopie dient deshalb zur Veranschaulichung der ursprünglichen Erscheinungsbildes und zeigt in der rechten Hälfte die einzelnen Schritte des Herstellungsprozesses.

(oben) © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015 (unten) © Hochschule für Bildende Künste Dresden, Foto: Sina Krol, 2015

Hier besteht die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Die nächste Führung findet am 27.08.2015 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Markierungen – Verborgene Geschichtenerzähler | Marks – Hidden storytellers and their tales | الغرفة الدمشقية: إيقاظ الكنز النائم

Montag, 29. Juni 2015


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Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Auf Vorder- und Rückseiten der Vertäfelungsteile kann man verschiedene Systeme von Nummerierungen erkennen. Einige Nummern stammen vom Herstellungsprozess des Zimmers, andere wurden aufgeklebt oder darauf geschrieben, als man das Zimmer für den Verkauf nach Deutschland präparierte. Eine weitere Nummer erhielten die Holzteile, als sie als Schenkung an das Dresdener Völkerkundemuseum gelangten.

Indisch-arabische Ziffern geben die Reihenfolge der Inschriftenpaneele an; hier stehen die drei Striche (indisch-arabisch ١ entspricht der Ziffer 1) und der Kreis (indisch-arabisch ٥ entspricht der Ziffer 5) für die Tafel 8. Diese Nummerierung diente als Orientierung für den Kalligrafen. So konnte er die Verse in der richtigen Reihenfolge auf die zehn Inschriftenpaneele schreiben.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Zwei Pfeile mit der darunter geschriebenen indisch-arabischen Ziffer ٧ (7), diese Markierungen wurden in Vorbereitung der Demontage für den Verkauf nach Deutschland vorgenommen.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Aufkleber mit Pfeil und Ziffern ٢٧/ 27, nach der Demontage
auf der Rückseite der Teile angebracht.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Markierungen mit lateinischen Buchstaben sowie römischen und arabischen Ziffern als Grundlage für den Zusammenbau des Zimmers in Deutschland. Der Buchstabe D bedeutet Decke, das E steht für Eingang. Die Markierungen werden während der Restaurierungsarbeit kartiert und liefern wichtige Hinweise für den Zusammenbau des Zimmers nach Abschluss der Restaurierung.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Hier besteht die Möglichkeit, den Fortgang der Restaurierungsarbeiten kontinuierlich zu verfolgen. Das Museum bietet spezielle Führungen mit Rundgängen durch die „Schauwerkstatt“ der Restauratoren an. Die nächste Führung findet am 27.08.2015 um 15:00 Uhr statt. Anmeldung beim Besucherservice erforderlich; maximale Teilnehmeranzahl: 15 Personen. Für mehr Informationen zu den Führungen bitte hier klicken.

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Einblicke in die aktuelle Fotokampagne in der Porzellansammlung | Impressions of current photo week in the Porcelain Collection

Samstag, 30. Mai 2015


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Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes der Porzellansammlung der SKD werden seit Oktober 2014 unsere ostasiatischen Porzellane aus der ehemaligen Königlichen Sammlung professionell fotografiert. Der größte Teil des vorhandenen Bildbestandes besteht derzeit aus Arbeitsfotos, die keine ausreichende Erfassung dreidimensionaler Objekte gewährleisten, häufig existieren nur ein bis zwei Ansichten. 8000 Objekte aus China und Japan werden jetzt erstmals systematisch fotografisch erfasst.

Nach den bisherigen Foto-Sessions im Depotbereich hatten wir im März die Möglichkeit in der nördlichen Bogengalerie der Porzellansammlung zu arbeiten, um dort eine der dichtbestücktesten Wände mit ca. 800 unterglasurblauen kangxi-zeitlichen Porzellanen zu fotografieren. Eine Aufgabe, die nur in einem gut funktionierenden Team zu stemmen ist, das ohne Fotograf Adrian Sauer und seinen Kollegen Alexander Schmidt sowie die beiden Restauratorinnen, Silke Rohmer und Magdar Kozar nicht möglich gewesen wäre. Adrian Sauer (Fotograf) ließ für diese herausfordernde Aufgabe ein speziell zugeschnittenes Fotozelt anfertigen und die Arbeit konnte beginnen.


© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der Innenraum des Zeltes ermöglichte nicht nur ein effizientes Arbeiten, sondern auch fotografische Ergebnisse in höchster Qualität. Auch hier ist Teamgeist gefragt: denn für die beiden Fotografen muss das Porzellan von einer weiteren Mitarbeiterin für die Aufnahmen zunächst aufgestellt und dann gedreht werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Von Miniaturvasen bis zu großen Monumentalvasen wird jedes Objekt allseitig erfasst.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Bilder werden sofort nach der Aufnahme sowohl im Dateinamen als auch in den eingebetteten Metadaten mit der Inventarnummer der Porzellansammlung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Nach Abnahme der Porzellane von der Wand erfolgte ihre Reinigung.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Dabei werden die Inventarnummern und die Maße der Objekte überprüft bzw. vervollständigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Und wenn alles abgenommen ist, erscheint die Wand völlig kahl.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Doch die Vorbereitungen zur Wiederanbringung sind bereits in vollem Gange. Die unzähligen kleinen Koppchen werden mit Wachs auf den Konsolen befestigt.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Anschließend werden die Teller mit einer Halterung versehen.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

...und können damit sicher an der Wand befestigt werden.

© Barbara Bechter, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ein großer Dank gilt ALLEN Beteiligten und Helfern, die es ermöglicht haben, diese Foto-Wochen erfolgreich zu beenden – wir konnten mehr als 850 Objekte fotografieren.