Archiv für die Kategorie ‘SKD Forschung’

Wissenschaftler auf Reisen – Kerstin Stöver in Japan

Montag, 23. Januar 2017

Seit der Ausstellung „Logical Rain“ 2013/14 in der die Sammlung an japanischen Färbeschablonen/Katagami des Kunstgewerbemuseums Dresden in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurde, ist das Interesse an diesen kunstvollen, fragilen Objekten nicht abgerissen. Scheinbar plötzlich stoßen wir weltweit auf Ausstellungen, Forschungsprojekte und Tagungen.

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Im März 2016 fand am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, Abteilung Kunstgeschichte Ostasiens die Tagung „Katagami in the West“ statt, auf der sich alle namhaften internationalen Katagami-Sammlungen vorstellten. Aus einem Missverständnis heraus fehlte dabei die Einladung zur Präsentation der größten Sammlung historischer Katagami außerhalb Japans – der Sammlung des Kunstgewerbemuseums Dresden. Trotzdem nahmen neben mir noch zwei weitere Mitarbeiterinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Zuhörerinnen an der Tagung teil, konnten Wissen sammeln und Kontakte knüpfen.

Am 29./30. Oktober 2016 folgte die zweite Tagung am Art Research Center der Ritsumeikan University Kyoto. Dieses Institut wurde 1998 gegründet. Seine Aufgabe sieht es nicht nur in der theoretischen Erforschung des materiellen und immateriellen Kulturgutes Japans sondern ganz praktisch in der Organisation von Forschungsprojekten im eigenen Haus aber auch mit externen Wissenschaftlern und Institutionen sowie in der umfassenden Erfassung, Sammlung Archivierung japanischen Kulturgutes und der Vermittlung des Wissens darüber.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Diskussion über Möglichkeiten der digitalen Erfassung aller Bestände an japanischen Färbeschablonen weltweit und die Möglichkeiten der internationalen Vernetzung. Dieses Mal war auch das Kunstgewerbemuseum Dresden eingeladen. Somit erhielt ich die Möglichkeit während eines Vortrages zum Kernthema des Treffens auch unsere, aus über 16 000 Blättern bestehende Sammlung und den Prozess ihrer digitalen Erfassung im Rahmen des Daphne-Projektes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vorzustellen.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

Die Tagung selbst erwies sich im Wesentlichen als ein Treffen von Vertretern  der bedeutendsten japanischen Sammlungen und einheimischen Wissenschaftlern, die den derzeitigen Stand der digitalen Erfassung japanischen Kulturgutes aus Papier – neben den Schablonen auch Bücher, Zeichnungen, Drucke etc. Neben der japanischen Leiterin der Katagamisammlung des Bostoner Museums of Fine Arts war ich der einzige ausländische Gast. Alle sich vorstellenden Einrichtungen haben ihren Bestand elektronisch erfasst, meist in eigens für sie entwickelten Datenbanken. Allerdings fehlt eine Vernetzung untereinander sowie ein allgemein möglicher Zugriff auf die Daten wie wir es von der Online Collection der SKD kennen. Teilweise ist ein von den Museen individuell autorisierter Zugriff möglich.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Frau Dr. Yuki Ikuta, Kuratorin des Mie Prefectural Art Museum, stellte den Stand der Erfassung der auf Katagami vorhandenen Stempel und Marken vor. Dazu bereist auch sie alle großen internationalen Sammlungen. Ziel ist es, anhand der Stempel Händlerwege nachzuvollziehen und Schablonen einzelnen Werkstätten zuordnen zu können.

Im Moment läuft dieses Projekt mit finanzieller Unterstützung der Japan Foundation auch in unserem Museum. Ein erster Arbeitsbesuch von Frau Ikuta fand dazu im Dezember statt, der zweite folgt im März.

Ein Vortrag von Kyolite Design Kyoto stellte die äußerst vielseitige Verwendung von Motiven der Katagami im aktuellen Produktdesign vor. Die Palette reicht hier von Glas und Porzellan, über Möbel bis zur Raumgestaltung.

Das Art Research Center der Ritsumeikan Universität fördert nicht nur Projekte wie Arbeitsaufenthalte japanischer Wissenschaftler in weltweit renommierte Kunstsammlungen zur digitalen Erfassung des japanischen Kunstgutes, sondern ist im eigenen Haus zur Zeit damit beschäftigt, den landeseigenen, nicht in Museen befindlichen Bestand an Katagami und Buntpapieren zu digitalisieren. Eine Führung durch das temporäre Depot ergab einen ungefähren Eindruck über die Mengen an Färbeschablonen (nicht nur historischen sondern aktuell genutzten) und die Motivvielfalt der Buntpapiere.

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stö

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöve

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöver

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein besonderes Ereignis war die Fahrt nach Suzuka in der Präfektur Mie, dem historischen Zentrum der Herstellung von Ise-Katagami. Neben dem Besuch des kleinen historischen Museums und dem Treffen mit einem noch lebenden „Altmeister“ der Katagamischneidekunst erwies sich der Einblick in eine heute noch nach traditionellem Vorbild arbeitenden Werkstatt „Gesellschaft Osugi Papierindustrie“ zur Herstellung des typischen Papieres als eine Reise in vergangene Zeiten.
 

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöver

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöve

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 
 
 
 
 
 

Als einzige Nichtjapanerin tauchte ich somit in eine völlig neue Welt ein, die weit über das Sammeln von Wissen zu Katagami hinausging und ein intensiver Trip in die japanische Kultur und Lebensweise wurde, die sich sicher auf einer touristischen Reise nicht immer erschließt.

Jenseits des vollen Tagungsprogrammes bot sich jedoch auch die Möglichkeit Kyoto ein wenig zu erkunden. Schon in der Nähe der Universität im Nordwesten der Stadt, im Stadteil Kita-Ku gab es Tempel und Schreine zu entdecken. Sie sind nicht nur typischer Touristenmagnet und Oase im hektischen Getriebe einer Großstadt sondern auch heute noch selbstverständlicher Teil des Lebens vieler Kyoter.

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Vorgestellt! Magdalena Kozar, Restauratorin in der Porzellansammlung

Donnerstag, 24. November 2016

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Diese außergewöhnliche Gruppe japanischen Porzellans ist Gegenstand eines großen Restaurierungsprojektes: Dank der großzügigen Unterstützung und Kompetenz des National Research Institute for Cultural Properties, Tokyo (TOBUNKEN) konnte die Restaurierung einer sogenannten Vogelbauervase ins Auge gefasst werden. Magdalena Kozar wird den Restaurierungsprozess in Tokyo begleiten, um von den Spezialisten aus dem Ursprungsland der Vasen zu lernen. Auf dem Blog wird sie von ihren Erfahrungen rund um die Restaurierung in Dresden und Tokyo berichten.


Von Breslau nach Dresden

Nach Dresden bin ich zum ersten Mal als Schülerin gekommen. Ich habe mir schon damals die Porzellansammlung angeschaut und war davon sehr begeistert. Als sich mir durch mein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Breslau ein paar Jahre später die Möglichkeit bot, ein Austauschsemester in Dresden zu absolvieren, gab es für mich keinen Zweifel. Ich habe ein Semester lang Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden studiert und mich in der Zwischenzeit für ein Praktikum in der Porzellansammlung beworben.

Während des Praktikums war eine Figur aus der Meissener Porzellanmanufaktur meine erste Restaurierungsaufgabe: eine Darstellung von Scramuz (Figur der Italienischen Commedia dell’Arte), die 1743-1744 von Peter Reinicke in der Meissner Manufaktur hergestellt wurde. Es war sehr lustig dieselbe Figur auf meinen alten Reisebildern aus Dresden zu finden. Damals hätte ich nie davon geträumt, dass ich ein paar Jahre später diese Figur persönlich restaurieren dürfen werde.

Seit 2011 nehme ich an verschiedenen Projekten in der Porzellansammlung teil. Die Arbeit erlaubt mir nicht nur mit den wunderschönsten Porzellanstücken der Welt arbeiten zu können, sondern auch mein Wissen ständig zu vertiefen. Zurzeit arbeite ich an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Obwohl die Aufgaben sehr aufwändig sind und viel Zeit kosten, macht die schöne Atmosphäre in einem netten Team die Arbeit sehr angenehm.

Bei der Arbeit: Sortieren...

...und Anpassen der Lackfragmente

In den letzten Jahren habe ich auch im Museum für Lackkunst in Münster und in einem privaten Restaurierungsstudio für Japanischen Lack in Warschau Wissen im Bereich Lackrestaurierung gesammelt und vertieft.

Von Dresden nach Tokyo

Eine von den sogenannten Vogelbauervasen aus der Porzellansammlung befindet sich gerade im National Research Institute for Cultural Properties (TOBUNKEN) in Tokyo und wird dort restauriert. Zurzeit bereiten die dortigen Spezialisten ein Restaurierungsprojekt vor. Die richtigen Restaurierungsarbeiten sollen Anfang 2017 beginnen. Ich freue mich sehr eine Möglichkeit zu haben, den Restaurierungsprozess begleiten zu könnten und von japanischen Experten zu lernen.

Bei der Arbeit: Restaurierung Japanischer Imari Vasen mit Lackauflagen

 

 

 

 

Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس

Donnerstag, 17. November 2016


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Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierung des Damaskuszimmers ist dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation weit fortgeschritten. Bereits seit Ende 2014 ist die Konservierung der gelockerten originalen Farbschichten auf den 110 Einzelteilen abgeschlossen und damit ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des Zimmers für die Zukunft geschafft. Seither durchlaufen die kunstvoll verzierten Holzpaneele eine Reihe von Restaurierungsmaßnahmen, die von Bauteil zu Bauteil, aber auch von Farbfläche zu Farbfläche immer wieder neu abgestimmt werden müssen, weil die unterschiedlichen Farben; Metallauflagen und gefärbten Lacküberzüge in ihrem Erhaltungszustand stark schwanken. Die Gründe dafür liegen zum einen darin, dass die Materialien bei der Herstellung des Zimmers wiederkehrend frisch von Hand zubereitet wurden. Dadurch schwankt die Zusammensetzung der Farben und führte im Zusammenspiel mit den Alterungsprozessen dazu, dass manche Farbschichten noch recht stabil sind, andere jedoch äußerst empfindlich reagieren. Zum anderen variiert der Beschädigungsgrad der Holzpaneele durch die unterschiedlich starke Beanspruchung während der 90 Jahre, in denen das Zimmer als Wohnraum in Damaskus genutzt wurde. Die untere Wandzone bis zu einer Höhe von etwa 1 m ist stärker abgenutzt als die oberen Wandbereiche und die Decke. Ein Übriges taten Klimaschwankungen und durch die Decke eindringendes Wasser, als das Zimmer noch in Damaskus eingebaut war. Nicht zuletzt stellten die Restauratoren fest, dass insbesondere die karminroten Lackflächen auf den Zinnfolieauflagen bereits 1899 stark beschädigt und abgeplatzt waren. Für den Verkauf nach Deutschland wurden diese Flächen übermalt. Nach der Abnahme der Übermalungen, Leim- und Firnisschichten zeigen sich viele Paneele in erstaunlich gutem Zustand und haben nur vereinzelte weiße Fehlstellen, die farblich angepasst werden müssen. Einige der besonders aufwändig verzierten Bauteile, wie die Wandschranktüren und Schmuckpaneele, weisen die beschriebenen stärkeren Beschädigungen aus der Zeit in Damaskus auf. Diese Flächen erfordern einen größeren Retuscheumfang. Die vielen feinen Ausbrüche und Fehlstellen werden wieder mit den entsprechenden Farben ausgefüllt. Dabei werden die unterbrochenen Umrisslinien aufs Neue miteinander verbunden, damit die üppigen Ornamente ihren einstigen optischen Zusammenhalt zurückerhalten: Feinste Details sind wichtig und spielen im Kanon der Farben, Linien und Texturen eine bedeutende Rolle, um dem Zimmer als Gesamtkunstwerk seine beabsichtigte Wirkung zurückzugeben.

Blick in die Restaurierungswerkstatt im Japanischen Palais

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Detail einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Mittelpaneel einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links – linker Flügel der Wandschranktür mit Übermalungen und vergilbtem Firnis; rechts - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Wandschranktür mit Spiegeln nach der Restaurierung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Die Pracht kehrt zurück – zwei Wände des Damaskuszimmers sind fertig restauriert und aufgebaut

Nach zwei Jahren Arbeit sind die ersten beiden Wände des Damaskuszimmers fertig restauriert. Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farbkontraste sind nach mehr als 100 Jahren Dornröschenschlaf wieder sichtbar geworden. Die kunstvoll ineinander gewebten Muster, Farben und Blattmetalle vermitteln nun wieder einen Eindruck von der prachtvollen Innendekoration des Empfangszimmers. Damaszener Familien gaben einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens aus, um die für den Empfang von Gästen bestimmten Zimmer gleichermaßen luxuriös und behaglich auszustatten. Neben den exquisiten Wanddekorationen gehörten im frühen 19. Jahrhundert kostbare Teppiche, Kissen und Stickereien ebenso zum Repertoire des guten Geschmacks wie edles Kristallglas und feines Porzellan.Nach Abschluss der meisten Restaurierungsschritte wurden zwischen März und Juli 2016 zwei Wände des Dresdner Damaskuszimmers aufgerichtet und montiert. Dieser Schritt war notwendig, weil sich der Erhaltungszustand von Brett zu Brett unterscheidet und die Restauratoren das Ausmaß der Retuschen auf den nebeneinanderliegenden Wandflächen aufeinander abstimmen mussten. Anspruch der Restaurierung ist es, dass die üppige Ornamentik einerseits wieder ihre ursprünglich beabsichtigte Wirkung entfalten kann, das Zimmer jedoch nicht durch ein zu hohes Maß an Retuschen seinen Charakter als gealtertes und als Wohnraum benutztes Raumensemble verliert.

117 Jahre nach dem Ankauf des Zimmers durch den Kunstsammler Karl Ernst Osthaus wird sein Plan endlich Wirklichkeit: Ein prächtiges arabisches Zimmer wird im Museum in Deutschland ausgestellt und kündet von der Kunstfertigkeit, Schönheit und Eleganz orientalischer Wohnkultur

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Seit Sommer 2016 kann nun erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 eine größere, zusammenhängende Fläche des Dresdner Damaskuszimmers in seiner originalen Farbigkeit betrachtet werden. Interessenten sind eingeladen, sich während der Werkstattführungen an jedem letzten Donnerstag im Monat selbst einen Eindruck zu verschaffen. Eine Anmeldung ist wegen begrenzter Personenzahl in der Werkstatt erforderlich: E-Mail: besucherservice@skd.museum Tel.: +49 (0)351 49 14 20 00

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Diese Uhr kann alles – und wir wollen es zeigen!

Donnerstag, 10. November 2016

Titelseite einer Postkarte, worauf aktuelle Museumsbesucher nach Ihren Wünschen für eine zukünftige Sonderausstellung gefragt wurden.

DIE PLANETENUHR AUS DEM MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN SALON

Dr. Michael Korey, Oberkonservator am Mathematisch-Physikalischen Salon (MPS) und Dr. Samuel Gessner, Wissenschaftshistoriker aus Lissabon, suchen gemeinsam nach neuen Wegen, die Planetenuhren der Renaissance für heutige Betrachter zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Einige der Forschungsergebnisse sollen im Rahmen einer Kabinettausstellung im Mathematisch-Physikalischen Salon ab Mai 2017 zugänglich gemacht werden. Bis dahin halten wir euch mit Einblicken hinter die Kulissen auf dem Laufenden.

Wir stehen am Ende eines der Ausstellungssäle im MPS und blicken auf diese imposante „Planetenuhr“. Welches Wunderwerk der Technik verbirgt sich hier?

Der geniale Instrumentenbauer Eberhard Baldewein leitete die Anfertigung der Uhr, einer Art Himmelsmaschine, die 1563 bis 1568 in präziser Kleinstarbeit für den Kurfürst August I. von Sachsen geschaffen wurde. Damit schuf er eine technologische Spitzenleistung und ein künstlerisches Meisterwerk.

Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Begriffe und Denkweisen der Renaissance-Astronomie bilden die Grundlage für das Verständnis derartiger astronomischer Automaten. Unterdessen hat sich unser Weltbild jedoch grundlegend verändert. Genau dort setzen unsere Wissenschaftler Dr. Michael Korey und Dr. Samuel Gessner, beide Experten ihres Faches – an: Sie suchen neue Wege, für heutige Betrachter die Planetenuhren der Renaissance zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Die erste Phase des Projekts konnte dank der Unterstützung von der Museum Research Foundation im Rahmen des SKD-Forschungsprogramms „Europa/Welt“ realisiert werden. Jetzt hat das Team um Michael Korey eine Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes im Programm „Fellowship Internationales Museum“ erhalten und ist nun dabei die Planetenuhr zu untersuchen.

Komplizierteste Maschine der Renaissance

Bevor sich 2017 der Vorhang auf die Kabinettausstellung lüftet, konserviert Lothar Hasselmeyer in liebevoller Kleinarbeit Teile der „kompliziertesten Maschine der Renaissance“. Wir haben ihn in der Restaurierungswerkstatt besucht. Heute steht die sogenannte Mond-Anzeige im Mittelpunkt.

Im letzten Jahr hat Herr Hasselmeyer das Werk, das die Mondbewegung am Himmel genau nachbildet, auseinander genommen. Dabei wurden die Einzelteile sorgfältigst untersucht, behutsam gereinigt und schließlich mit einer Wachsschicht versehen. Nach Monaten mühevoller Arbeit liegen hier die Teile. Das Bild zeigt allerdings nur eines von insgesamt neun der geordneten Kästchen – allein für das Werk der Mond-Anzeige!

Jetzt ist der Restaurator dabei, die Mond-Anzeige wieder zusammenzusetzen.

 

 

Dresdner Planetenuhr: eine von vier

Hinter den Kulissen forschen Michael Korey und Samuel Gessner mit Lothar Hasselmeyer an der Dresdner Planetenuhr, die von ihrem wissenschaftlich wie technisch komplexen Aufbau her zu den raffiniertesten Artefakten der Frühen Neuzeit gehört.  Der Mechanismus war so angelegt, dass die Planetenpositionen vor dem Hintergrund der Sterne von unserer Perspektive aus  jederzeit aufs Genaueste angegeben wurden. Von den Uhren, welche darauf angelegt waren, sind weltweit insgesamt nur vier erhalten: sie befinden sich heute in Paris, Wien, Kassel und Dresden. Renaissance-Uhren mit astronomischen Anzeigen waren häufiger, zeigten aber höchstens den durchschnittlichen Lauf der Planeten, nicht ihr vor- und rückwärtiges „Wandern“ über den Himmel. Somit haben wir es hier in Dresden mit einem überaus seltenen Exemplar zu tun.

 

Noch zeigt nur das Foto von vor der Restaurierung des Mond-Anzeigewerks, wie das Ergebnis später aussehen soll. Aber in einigen Stunden hat Lothar Hasselmeier die Teile wieder richtig ineinander gebaut, und der Mond tanzt wieder. (Obwohl hier zu sagen ist, dass die Uhr aus konservatorischen Gründen in der Ausstellung nicht in Bewegung gehalten wird. Mit einer Animation werden die Bewegungen trotzdem sichtbar)

 

Gottesnähe demonstrieren

Den gestirnten Himmel zu begreifen, gehört zu den ältesten Träumen der Menschheit. Astronomen vermaßen den Himmel und entwarfen mathematische Theorien, um die Bewegungen der Gestirne exakt zu beschreiben und vorhersagbar zu machen. Mitte des 16. Jahrhunderts beschafften sich europäische Fürsten höchst komplexe Automaten, um die Bewegungen aller sichtbaren Himmelskörper ohne komplizierte Rechnungen nachvollziehen zu können. Mittels dieser seltenen Planetenuhren holten sie den Himmel auf die Erde und demonstrierten ihre Gottesnähe.

Übrigens: Auch wenn eines der Anzeigewerke in der Museumswerkstatt liegt, ist die Planetenlaufuhr weiterhin in der Ausstellung zu sehen. Besucher haben dann sogar die Möglichkeit, einen Blick in das ausgeklügelte Innenleben der Uhr zu werfen.

Jetzt bewerben: Deutsch-Amerikanisches Austauschprogramm zur Provenienzforschung, 2017-2019

Dienstag, 01. November 2016
Briefe aus dem Nachlass von Karl Buchholz (Ausschnitt), © Staatliche Museen zu Berlin/ Zentralarchiv

Briefe aus dem Nachlass von Karl Buchholz (Ausschnitt), © Staatliche Museen zu Berlin/ Zentralarchiv

Noch bis zum 18. November 2016 können sich qualifizierte Interessentinnen und Interessenten für den ersten Durchgang des „Provenance Research Exchange Program (PREP)“ 2017 bewerben.

PREP wird erstmals Museumsfachleute aus Deutschland und den USA, die mit Provenienzforschung und der Erforschung des nationalsozialistischen Kunstraubs befasst sind, für einen dreijährigen systematischen Austausch zusammenführen. Das Programm soll in beiden Ländern dazu beitragen, die Methoden und Kompetenzen der Provenienzforschung zu erweitern und somit die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu unterstützen. Zudem wird das Programm den Rahmen der NS-Provenienzforschung für die NS-Zeit, die sich bisher vorrangig auf Gemälde, Skulpturen und Judaika konzentriert, erweitern und verstärkt asiatische Kunst, Kunstgewerbe sowie Grafik/Arbeiten auf Papier einbeziehen.

Die Federführung des Programms haben die Smithsonian Institution, Washington D.C. und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin. Weitere Partner sind das Metropolitan Museum of Art, New York, das Getty Research Institute, Los Angeles, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Zentralinstitut für Kunstgeschichte München. Das neu gegründete Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) wird in beratender Funktion mitwirken.

Über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert das Programm jährlich zwei Aufenthalte für 20 Teilnehmer (10 aus den USA und 10 aus Deutschland). Der eine Woche umfassende Austausch findet 2017 bis 2019 jeweils im Februar und im September statt. 2017 werden sich 20 Teilnehmer in New York (Februar) und Berlin (September) treffen.

Informationen zum Programm, zu den Bewerbungsvoraussetzungen und zum Bewerbungsverfahren findet ihr hier:

Ankündigung

Ausschreibung

Zu sehen: „Gesichter auf Glas“ im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig

Montag, 24. Oktober 2016

Am 19. Oktober eröffnete unter reger Teilnahme vieler Fotointeressierter im GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig die Präsentation „Gesichter auf Glas. Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godeffroy“ mit einem Vortrag des Restaurators Carsten Wintermann. Mit finanzieller Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung konnte er im Frühjahr einen ganz besonderen Bestand aus der Leipziger Fotosammlung konservatorisch bearbeiten: 45 Ambrotypien mit Porträts von Menschen aus Tahiti, Fidschi und Hawai‘i. Diese unikaten Aufnahmen, vor über 150 Jahren entstanden, geben nicht nur Einblick in die frühe Medienhistorie, sondern erzählen auch vom ambivalenten Verhältnis zwischen Fotografie und Ethnologie. Die Ambrotypien stammen aus dem Bestand des Hamburger Museum Godeffroy, das 1861 als naturkundlich-ethnologische Sammlung durch das Handelshaus Johann Cesar Godeffroy & Sohn in der Hansestadt gegründet worden war. 1885 wurde das Museum aufgelöst und ein Großteil der Ethnographica samt rund 500 Fotografien nach Leipzig verkauft. Das Unikat-Verfahren der Ambrotypie fand vor allem in den USA und  England Verbreitung und wurde hauptsächlich für die Porträtfotografie eingesetzt. Ungewöhnlich aber ist der frühe Einsatz dieser in der Anwendung komplizierten Technik in der Südsee als Ort kolonialer Bestrebungen. Viele der Porträts entsprechen in den Posen westlichen, bürgerlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts. Das steht in eigentümlichem Kontrast zur rassischen Kategorisierung der indigenen fotografierten Frauen und Männer in begleitenden Textdokumenten. So sind die Ambrotypien ambivalenten Charakters: Sie changieren zwischen individuellem Porträt und ethnographischer Typenaufnahme. Die Präsentation, die bis zum 15. Januar 2017 ist in der Dauerausstellung im 2. Obergeschoss zu sehen ist, wurde im Rahmen des Forschungsprogramms »Europa/Welt« von Agnes Matthias kuratiert.

 

Blick in die Ausstellung, ©  GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Blick in die Ausstellung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Eröffnungsveranstaltung, © GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig, SES, SKD, 2016

Das Paradies auf Erden. Ein Blick hinter die Kulissen

Freitag, 07. Oktober 2016

Seit dem 1. Oktober hat die Ausstellung “Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens” in der Kunsthalle im Lipsiusbau geöffnet. Nam Nguyen hat als Praktikant in der Gemäldegalerie Alte Meister die beiden Kuratorinnen tatkräftig bei der Ausstellungsorganisation unterstützt und für uns den Aufbau der Ausstellung festgehalten.

Am 1. Oktober 2016 war es soweit: “Das Paradies auf Erden” öffnete seine Pforten in der Kunsthalle im Lipsiusbau.

Ausstellung " Das Paradies auf Erden " am 29.09.2016 im Lipsiusbau von Staatliche Kunstsammlungen Dresden . Foto: Oliver Killig

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen insbesondere die Gemälde aus der Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister, die somit eine neue Projektionsfläche erhalten und einen Einblick in die wissenschaftliche Erschließung des flämischen Gemäldebestandes der Dresdener Sammlung bieten. Dafür wurden einige Gemälde umfassend untersucht und aufwendig restauriert, sodass sie gänzlich neu wiederzuentdecken sind. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen und Druckgraphiken des Dresdener Kupferstich-Kabinetts und durch qualitätsvolle Leihgaben.

Doch bevor die Gäste in frisch gemalerten Räumen mit präziser Beleuchtung und akribisch inszenierten Werken stehen konnten, musste viel Arbeit, Zeit und natürlich Leidenschaft in den Aufbau der Ausstellung investiert werden.

Hier einige Impressionen:

Aus Weiß mach Blau…

Zwei verschiedene Blautöne kamen für die Ausstellungsräume zum Einsatz.

 

Vom Depot über den Verpackungsraum bis zum Hängeort…

Transportkisten der Ausstellungsobjekte mit eindeutigen Sicherheitswarnungen

Moderne Kunst? Nur die Verpackung des Erdglobus aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon (SKD).

 

Kurierarbeit…

Viele Leihgaben wurden von Kurieren der Institutionen begleitet, um die Hängung und Präsentation des Objektes zu beaufsichtigen. Zusammen mit dem Restaurator Christoph Schölzel wurden die Exponate auf Zustand und Transportschäden untersucht und dann unter den Auflagen der leihgebenden Institution gehängt. Hing erst einmal das Objekt, durfte es nicht mehr bewegt werden.

Fast schon stoisch beobachtet der Antwerpener Kurier die Hängung des Teniers Gemäldes.

Kuratorin Uta Neidhardt begutachtet Joachim Patinirs „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“.

 

Teamwork…

Ganze neun Männer bedurfte es, um ein großformatiges Gemälde wie die „Landschaft mit dem Brautzug“ von Lucas van Uden auf die Empore des Lipsiusbaus zu transportieren.

 

Spurenlese…

Damit jedes Objekt an seinen richtigen Platz kam, wurden für das Einrichtungsteam auf den Fußboden Abbildungen der Gemälde angebracht.

Und sie hängen…

…fast. „Dummies“ der Exponate wurden geschnitten und gehängt, um Raumwirkung und Bildabstände auszuloten.

Mit Präzision und Feingefühl werden die Abstände vom „A-Team“ ausgemessen.

Den kompletten Ausstellungsaufbau mit all seinen kleinen Tücken, wechselhaften Spannungen, Überraschungen und natürlich großen Freuden mitzuverfolgen und selbst involviert zu sein, war für mich eine neue, unglaublich spannende und wunderbare Erfahrung. Am meisten freut mich daher nun, die Exponate hängen zu sehen und das ein oder andere Lieblingsstück in seiner vollen Pracht in Zusammenspiel mit der Ausstellungsgestaltung begutachten zu können. Einen großen und herzlichen Dank möchte ich an Uta Neidhardt, Konstanze Krüger und Marion Heisterberg aussprechen und ich wünsche allen Lesern eine aufregende Zeit in der Ausstellung.

Ausstellungsansicht "Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens" (1.10.2016-15.1.2017) in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Copyright Staatliche

Wir haben die Möglichkeit in gar wundersame, atmosphärische und fantastische Welten einzutauchen, die einen sinnlich beflügeln und mit ihrer ganzen Bildgewalt in ihren Sog ziehen. Wir überschauen pittoreske Täler mit durchströmenden Flüssen, wir stehen an den Abhängen steiler Gebirge oder rasten an Wegen durch dichte Wälder – und dabei fühlen wir sämtliche Emotionen, die uns in den Sinn kommen können. Die Idee, die Landschaft als autonomes Bildmotiv dem Menschen gegenüberzustellen, etablierte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden und wurde sowohl von dem Wunsch nach Welterkenntnis als auch von ökonomisch motivierten Interessen an Geografie und Kartografie gefördert.

Ziel der Ausstellung ist die würdige und kritische Präsentation der flämischen Landschaften, die uns mitunter Aussagen über Naturauffassung, Kunstmarkt, Werkstattbetrieb und Hofpatronage treffen lassen. 144 Ausstellungsobjekte, darunter Gemälde, Zeichnungen und Graphiken, verführen uns in die sogenannten Weltlandschaften, wie sie Joachim Patinir und Pieter Bruegel d.Ä. komponierten und prägten. All diese sind jedoch kein genaues Abbild der Realität, sondern im Atelier komponierte, ideale Darstellungen, die die Künstler mit Formen aus der Natur verbanden und aus ihrer Sicht auf die natürliche Welt darstellten.

 

 

Die Spezialistinnen hinter den Kulissen | The specialists behind the scenes | الخبراء خلف الكواليس

Mittwoch, 03. August 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierungsarbeiten am Dresdner Damaskuszimmer begannen bereits 1997. Seitdem ist Anke Scharrahs als federführende Restauratorin und Projektleiterin an dem Vorhaben beteiligt. Zunächst war kaum etwas über die verwendeten Malmaterialien bekannt, so dass sich Anke Scharrahs der Erforschung der historischen Herstellungstechniken von syrischen Holzvertäfelungen aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert intensiv gewidmet hat. Einer ersten Reise nach Damaskus im Jahr 1998 folgten mehrere längere Arbeits- und Forschungsaufenthalte in Syrien sowie die Mitarbeit bei weiteren Forschungs- und Restaurierungsprojekten syrischer Holzvertäfelungen am Metropolitan Museum of Art in New York, am Museum für Islamische Kunst in Berlin, in der Sammlung Shangri La der Doris Duke Foundation of Islamic Art in Honolulu, am Los Angeles County Museum of Art und im Gayer-Anderson-Museum in Kairo. Die Faszination für diese prächtig bemalten Meisterwerke syrisch-osmanischer Innenarchitektur mündeten in der Dissertation von Anke Scharrahs, mit der sie 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden promoviert wurde.

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Seit 1998 bzw. 2002 sind die Restauratorinnen Evelyn Gärtner und Karoline Friedrich am Damaskuszimmer-Projekt beteiligt. Sie bringen ihre Erfahrungen aus der Mitarbeit am Arabicum in der Villa Gutmann in Potsdam und am Aleppo-Zimmer des Museums für Islamische Kunst in Berlin ein. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Farben und transparenten Lacke erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, um die konservatorischen Arbeitsschritte ohne Beschädigung der originalen Farbschichten durchführen zu können. Zudem ist eine ständige Feinabstimmung im Restauratorenteam erforderlich, um die Teile des Damaskuszimmers zu einem ähnlichen Endzustand zu bringen und ein homogenes Raumensemble wiedererstehen zu lassen. Dabei sollen Gebrauchsspuren des Zimmers erhalten bleiben und die Oberflächendekoration nur so weit restauriert werden, dass ihre einstige Pracht zwar wieder sichtbar wird, aber keine Totalrestaurierung aller verloren gegangenen Farbschichten erfolgt.

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Seit Februar bzw. Mai 2015 sind zwei syrische Kolleginnen in dem Projekt involviert. Samah Shtay und Layal Jazi haben 2011/12 in Damaskus beim Restaurierungsprojekt des Aga Khan Trust for Culture und des Aga Khan Cultural Services Syria in einem der bedeutendsten historischen Wohnhäuser der Damaszener Altstadt, im Haus Nizam, mitgearbeitet. Sie waren dort an der Restaurierung des berühmten Weintraubenzimmers beteiligt, eines prächtigen, für Zwecke der Repräsentation angelegten Empfangszimmers für Gäste von 1800/1835. Da es in Syrien keine akademische Restauratorenausbildung gibt, möchten sie in Deutschland studieren und bereiten sich nun in ihrem Pflichtpraktikum darauf vor. Sie werden in einem weiteren Blogbeitrag über ihre Arbeit berichten.

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Blick in die Tiefe – Spuren der Geschichte werden gelesen | Looking deeper: seeking the traces of history | نظرة في العمق، وتصبح قراءة القصة ممكنة

Dienstag, 19. Juli 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

200 Jahre sind nicht spurlos am Damaskuszimmer vorbeigegangen. Die verwendeten Materialien begannen bereits am ersten Tag zu altern – ein langsamer Prozess, den alle Kunstwerke durchlaufen. Für den Laien ist das meist nicht sichtbar. Erst wenn Farbschichten sich zu Runzeln und Falten zusammenschieben oder abzufallen drohen, werden die Folgen der stetigen Mikrobewegungen in den Kunstobjekten in drastischer Form sichtbar. Manche Veränderungen werden zudem durch chemische Reaktionen ausgelöst, z. B. wenn unedle Blattmetalle korrodieren oder Farbschichten sich entfärben. Beim Damaskuszimmer wurde eine breite Palette an Farben, Metallauflagen und gefärbten Lacküberzügen verwendet, die uns heute mit ihren komplexen Alterungserscheinungen konfrontieren. Diese müssen analysiert, verstanden und ausgewertet werden, um die richtigen Entscheidungen für die konservatorische und restauratorische Behandlung - und damit für den zukünftigen Erhalt des Zimmers - fällen zu können. In Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern wurden die Schadensphänomene erforscht und das Restaurierungskonzept erstellt. Die folgenden Fotos geben einen Einblick in die vielfältigen Veränderungen.

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, rotgoldene Blattmetallauflage auf Vase und Kartuschenrahmen gut erhalten

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2016

Details des Dresdner Damaskuszimmers, Rahmenwerk der Wandvertäfelungen mit Blumenvasenkartuschen, durch Korrosion grün verfärbte, kupferhaltige Schlagmetallauflagen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.  © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail des Wandgesimses des Damaskuszimmers. Die Blattmetallauflagen sind korrodiert und haben zu Farbveränderungen geführt: Alle hellgrünen Ornamente glänzten ursprünglich in einem rötlichen Goldton – es handelt sich um kupferhaltige Schlagmetallauflagen. Das Kupfer hat sich zu grünen Korrosionsprodukten umgewandelt. Die grauen Ornamente glänzen teilweise noch in ihrem silberigen Ton, der durch die Zinnfolienauflage entsteht. Auf einigen Ornamenten hat sich die Zinnfolie hingegen zu mattem, dunklem Grau verändert.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Detail eines Deckenpaneels des Damaskuszimmers. Die mit leuchtend blauer Smalte (gemahlenes blaues Glaspulver) bemalten Flächen haben nur dort ihr kräftiges Blau bewahrt, wo sie nicht mit einem späteren Firnis überstrichen wurden. Der Firnis verfärbt die leuchtend blaue Farbe unwiederbringlich zu einem Dunkelgrau (in den Flächen mit den weißen Ranken), da Firnisreste auch nach der Abnahme in der porösen Farbschicht verbleiben.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien

Montag, 20. Juni 2016

Am 17. Mai 2016 fand im Rahmen der beiden derzeit laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsprojekte zu den Fotobeständen der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen (Forschungsprogramm „Europa/Welt“ und DFG-Projekt „Weltsichten“ in Kooperation mit der Deutschen Fotothek/SLUB) ein interner Workshop zum Umgang mit ethnographischen Fotografien statt. Als Moderator der Veranstaltung war der Bremer Historiker Thomas Theye eingeladen, um mit den Kolleginnen und Kollegen in drei Sektionen über die Bedingungen des Ausstellens und Publizierens von im ethnographischen Kontext entstandenem oder genutztem Bildmaterial zu diskutieren. Zunächst stand das Thema Datenbank und die damit verbundenen ethischen und rechtlichen Fragen des Publizierens im Fokus. Birgit Scheps-Bretschneider führte in ihrem Impulsreferat in das besondere Beispiel Australien und das Thema Bildtabu ein, Carola Krebs berichtete von ihren Erfahrungen des „Zurückbringens“ von Fotografien nach Südasien. Nach einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung „Die Vermessung des Unmenschen. Zur Ästhetik des Rassismus“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau endete der Tag mit einem öffentlichen Vortrag von Thomas Theye zum Thema „Spurensuche: Anmerkungen zu einigen frühen Samoa-Fotografien Jan Stanisław Kubarys für das Museum Godeffroy in Hamburg“.

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Vortrag von Thomas Theye, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden