Archiv für die Kategorie ‘SKD Unterwegs!’

Wissenschaftler auf Reisen – Kerstin Stöver in Japan

Montag, 23. Januar 2017

Seit der Ausstellung „Logical Rain“ 2013/14 in der die Sammlung an japanischen Färbeschablonen/Katagami des Kunstgewerbemuseums Dresden in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurde, ist das Interesse an diesen kunstvollen, fragilen Objekten nicht abgerissen. Scheinbar plötzlich stoßen wir weltweit auf Ausstellungen, Forschungsprojekte und Tagungen.

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

Ausschnitt mit Hasen eines Katagami aus der Sammlung des KGM © SKD, Foto: Kerstin Stöver

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Im März 2016 fand am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich, Abteilung Kunstgeschichte Ostasiens die Tagung „Katagami in the West“ statt, auf der sich alle namhaften internationalen Katagami-Sammlungen vorstellten. Aus einem Missverständnis heraus fehlte dabei die Einladung zur Präsentation der größten Sammlung historischer Katagami außerhalb Japans – der Sammlung des Kunstgewerbemuseums Dresden. Trotzdem nahmen neben mir noch zwei weitere Mitarbeiterinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Zuhörerinnen an der Tagung teil, konnten Wissen sammeln und Kontakte knüpfen.

Am 29./30. Oktober 2016 folgte die zweite Tagung am Art Research Center der Ritsumeikan University Kyoto. Dieses Institut wurde 1998 gegründet. Seine Aufgabe sieht es nicht nur in der theoretischen Erforschung des materiellen und immateriellen Kulturgutes Japans sondern ganz praktisch in der Organisation von Forschungsprojekten im eigenen Haus aber auch mit externen Wissenschaftlern und Institutionen sowie in der umfassenden Erfassung, Sammlung Archivierung japanischen Kulturgutes und der Vermittlung des Wissens darüber.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Diskussion über Möglichkeiten der digitalen Erfassung aller Bestände an japanischen Färbeschablonen weltweit und die Möglichkeiten der internationalen Vernetzung. Dieses Mal war auch das Kunstgewerbemuseum Dresden eingeladen. Somit erhielt ich die Möglichkeit während eines Vortrages zum Kernthema des Treffens auch unsere, aus über 16 000 Blättern bestehende Sammlung und den Prozess ihrer digitalen Erfassung im Rahmen des Daphne-Projektes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vorzustellen.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

Die Tagung selbst erwies sich im Wesentlichen als ein Treffen von Vertretern  der bedeutendsten japanischen Sammlungen und einheimischen Wissenschaftlern, die den derzeitigen Stand der digitalen Erfassung japanischen Kulturgutes aus Papier – neben den Schablonen auch Bücher, Zeichnungen, Drucke etc. Neben der japanischen Leiterin der Katagamisammlung des Bostoner Museums of Fine Arts war ich der einzige ausländische Gast. Alle sich vorstellenden Einrichtungen haben ihren Bestand elektronisch erfasst, meist in eigens für sie entwickelten Datenbanken. Allerdings fehlt eine Vernetzung untereinander sowie ein allgemein möglicher Zugriff auf die Daten wie wir es von der Online Collection der SKD kennen. Teilweise ist ein von den Museen individuell autorisierter Zugriff möglich.

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

Frau Dr. Yuki Ikuta zu Besuch in Dresden

 

 

 

 

 

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Signatur auf den Katagamit, Foto: Kerstin Stöver

Frau Dr. Yuki Ikuta, Kuratorin des Mie Prefectural Art Museum, stellte den Stand der Erfassung der auf Katagami vorhandenen Stempel und Marken vor. Dazu bereist auch sie alle großen internationalen Sammlungen. Ziel ist es, anhand der Stempel Händlerwege nachzuvollziehen und Schablonen einzelnen Werkstätten zuordnen zu können.

Im Moment läuft dieses Projekt mit finanzieller Unterstützung der Japan Foundation auch in unserem Museum. Ein erster Arbeitsbesuch von Frau Ikuta fand dazu im Dezember statt, der zweite folgt im März.

Ein Vortrag von Kyolite Design Kyoto stellte die äußerst vielseitige Verwendung von Motiven der Katagami im aktuellen Produktdesign vor. Die Palette reicht hier von Glas und Porzellan, über Möbel bis zur Raumgestaltung.

Das Art Research Center der Ritsumeikan Universität fördert nicht nur Projekte wie Arbeitsaufenthalte japanischer Wissenschaftler in weltweit renommierte Kunstsammlungen zur digitalen Erfassung des japanischen Kunstgutes, sondern ist im eigenen Haus zur Zeit damit beschäftigt, den landeseigenen, nicht in Museen befindlichen Bestand an Katagami und Buntpapieren zu digitalisieren. Eine Führung durch das temporäre Depot ergab einen ungefähren Eindruck über die Mengen an Färbeschablonen (nicht nur historischen sondern aktuell genutzten) und die Motivvielfalt der Buntpapiere.

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stö

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

Katagami aus noch bestehenden Werkstätten zur digitalen Erfassung im Institut, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöver

Japanisches Buntpapier, Foto: Kerstin Stöve

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöver

Vorführung Katagamirestaurierung, Foto: Kerstin Stöve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein besonderes Ereignis war die Fahrt nach Suzuka in der Präfektur Mie, dem historischen Zentrum der Herstellung von Ise-Katagami. Neben dem Besuch des kleinen historischen Museums und dem Treffen mit einem noch lebenden „Altmeister“ der Katagamischneidekunst erwies sich der Einblick in eine heute noch nach traditionellem Vorbild arbeitenden Werkstatt „Gesellschaft Osugi Papierindustrie“ zur Herstellung des typischen Papieres als eine Reise in vergangene Zeiten.
 

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Ise-Katagami-Museum, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

Bottiche mit Khakisaft in unterschiedlichen Gärungsstufen, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Bretter als Unterlage für die Herstellung der Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

Pinseln bestreichen der Papierfliese mit Khakisaft, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöver

Verkleben einzelner Papierfliese mit Hilfe des Khakisaftes, Foto: Kerstin Stöve

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

Fertige Papiere, Foto: Kerstin Stöver

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 
 
 
 
 
 

Als einzige Nichtjapanerin tauchte ich somit in eine völlig neue Welt ein, die weit über das Sammeln von Wissen zu Katagami hinausging und ein intensiver Trip in die japanische Kultur und Lebensweise wurde, die sich sicher auf einer touristischen Reise nicht immer erschließt.

Jenseits des vollen Tagungsprogrammes bot sich jedoch auch die Möglichkeit Kyoto ein wenig zu erkunden. Schon in der Nähe der Universität im Nordwesten der Stadt, im Stadteil Kita-Ku gab es Tempel und Schreine zu entdecken. Sie sind nicht nur typischer Touristenmagnet und Oase im hektischen Getriebe einer Großstadt sondern auch heute noch selbstverständlicher Teil des Lebens vieler Kyoter.

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Kinkaku-ji - Der Goldene Pavillon. Buddistischer Tempel nahe der Universität, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Einer von vielen Shintoschreinen Kyotos, Foto: Kerstin Stöver

Vorgestellt! Magdalena Kozar, Restauratorin in der Porzellansammlung

Donnerstag, 24. November 2016

Magdalena Kozar ist Restauratorin in der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zurzeit arbeitet sie an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Diese außergewöhnliche Gruppe japanischen Porzellans ist Gegenstand eines großen Restaurierungsprojektes: Dank der großzügigen Unterstützung und Kompetenz des National Research Institute for Cultural Properties, Tokyo (TOBUNKEN) konnte die Restaurierung einer sogenannten Vogelbauervase ins Auge gefasst werden. Magdalena Kozar wird den Restaurierungsprozess in Tokyo begleiten, um von den Spezialisten aus dem Ursprungsland der Vasen zu lernen. Auf dem Blog wird sie von ihren Erfahrungen rund um die Restaurierung in Dresden und Tokyo berichten.


Von Breslau nach Dresden

Nach Dresden bin ich zum ersten Mal als Schülerin gekommen. Ich habe mir schon damals die Porzellansammlung angeschaut und war davon sehr begeistert. Als sich mir durch mein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Breslau ein paar Jahre später die Möglichkeit bot, ein Austauschsemester in Dresden zu absolvieren, gab es für mich keinen Zweifel. Ich habe ein Semester lang Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden studiert und mich in der Zwischenzeit für ein Praktikum in der Porzellansammlung beworben.

Während des Praktikums war eine Figur aus der Meissener Porzellanmanufaktur meine erste Restaurierungsaufgabe: eine Darstellung von Scramuz (Figur der Italienischen Commedia dell’Arte), die 1743-1744 von Peter Reinicke in der Meissner Manufaktur hergestellt wurde. Es war sehr lustig dieselbe Figur auf meinen alten Reisebildern aus Dresden zu finden. Damals hätte ich nie davon geträumt, dass ich ein paar Jahre später diese Figur persönlich restaurieren dürfen werde.

Seit 2011 nehme ich an verschiedenen Projekten in der Porzellansammlung teil. Die Arbeit erlaubt mir nicht nur mit den wunderschönsten Porzellanstücken der Welt arbeiten zu können, sondern auch mein Wissen ständig zu vertiefen. Zurzeit arbeite ich an einem Restaurierungsprojekt zu Japanischen Imari Vasen mit Lackauflagen, die um 1700 in Arita hergestellt wurden. Obwohl die Aufgaben sehr aufwändig sind und viel Zeit kosten, macht die schöne Atmosphäre in einem netten Team die Arbeit sehr angenehm.

Bei der Arbeit: Sortieren...

...und Anpassen der Lackfragmente

In den letzten Jahren habe ich auch im Museum für Lackkunst in Münster und in einem privaten Restaurierungsstudio für Japanischen Lack in Warschau Wissen im Bereich Lackrestaurierung gesammelt und vertieft.

Von Dresden nach Tokyo

Eine von den sogenannten Vogelbauervasen aus der Porzellansammlung befindet sich gerade im National Research Institute for Cultural Properties (TOBUNKEN) in Tokyo und wird dort restauriert. Zurzeit bereiten die dortigen Spezialisten ein Restaurierungsprojekt vor. Die richtigen Restaurierungsarbeiten sollen Anfang 2017 beginnen. Ich freue mich sehr eine Möglichkeit zu haben, den Restaurierungsprozess begleiten zu könnten und von japanischen Experten zu lernen.

Bei der Arbeit: Restaurierung Japanischer Imari Vasen mit Lackauflagen

 

 

 

 

Schülerinnen und Schüler bloggen aus der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Dienstag, 06. August 2013

Nicht nur im Schloss – Die Jagd in Wermsdorf

Auch heute ist die Jagd ein sehr beliebter Sport. In Wermsdorf findet einmal im Jahr ein Hundetreiben statt, da werden allerdings keine Tiere mehr gejagt. Dabei folgen 100 Hunde einer Anisspur quer durch unser Dorf und das darum liegende Waldgebiet. Die Wermsdorfer Schleppjagd können Sie dieses Jahr am 31. August beobachten.

In der Zeit August III. gab es unterschiedliche Jagdformen wie die z. B. die Parforcejagd oder das “Deutsche / Eingestellte Jagen”. Vor der Parforcejagd war besonders das sogenannte “Deutsche Jagen” sehr beliebt. Hierfür wurde ein Waldgebiet von Lappen umhängt. Manchmal wurden von den Dienern extra noch Tiere in dieses Waldgebiet gebracht. Nachdem alle Tiere in eine Richtung gejagt worden waren, schossen die Jäger auf die Tiere. Es kam auch mal vor, dass Tiere entwischten – daher kommt das Sprichwort: “Durch die Lappen gehen”.

Im Gegensatz zum “Deutschen Jagen” wird bei der Parforcejagd nur ein Hirsch gejagt. Dieser wird kilometerweit durch Wälder, Flüsse und über Äcker gehetzt. August III. ließ hierfür viele gerade Wege in den Wermsdorfer Wald schlagen. Dies kann man auch heute noch sehen. Die Jagd war nicht nur ein Vergnügen für die Männer. Selbst die Tochter von August III. war eine begeisterte Jägerin. Sie ließ sich auch als Jagdgöttin Diana malen. Die Darstellung der Diana war ein beliebtes Motiv in der Ausstattung der Jagdschlösser.

Wandteppich mit der Darstellung von Diana auf der Jagd; Frankreich, Gobelinmanufaktur, 1. Hälfte 18. Jh.; Gobelinweberei in vielfarbiger Wolle; 300 x 273 cm; © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Wandteppich mit der Darstellung von Diana auf der Jagd; Frankreich, Gobelinmanufaktur, 1. Hälfte 18. Jh., © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Elke Estel/ Hans-Peter Klut

Zuviel wollen wir hier aber nicht verraten. In der Ausstellung Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763 können Sie mehr über die unterschiedlichen Jagdformen und ihren genauen Ablauf, vom “Deutschen Jagen” auf viele Tiere bis zur Parforcejagd auf nur einen einzelnen Hirsch, erfahren.  So sehen sie zum Beispiel die besonders prunkvoll gestalteten Hirschfänger oder Waidmesser.

Weidbesteck; Unbekannte deutsche Werkstatt, vor 1730; © Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Weidbesteck; Unbekannte deutsche Werkstatt, vor 1730; © Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

 

Autorin:  Julianne Sch. / Klasse 9 / Mittelschule Wermsdorf

Schülerinnen und Schüler bloggen aus der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Dienstag, 28. Mai 2013

Seit April 2013 lockt die Sonderausstellung Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763 der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) nach Wermsdorf.
Zusammen mit der Museumspädagogik der SKD erarbeiten wir – die Klassen 9a und 9b der Mittelschule Wermsdorf – während der Laufzeit der Ausstellung Beiträge für den Blog der SKD. Im Zentrum werden hauptsächlich Texte über einzelne Ausstellungsstücke stehen, die wir mit der Methode des kreativen Schreibens vorstellen möchten. Zudem wollen wir von unseren Projekten, z. B. einer Geocachingtour für die Besucher des Schlossgeländes berichten.

Jagdresidenz Schloss Hubertusburg in Wermsdorf

Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf

Sie können sich die Sonderausstellung bis zum 5. Oktober 2013 in der Jagdresidenz Hubertusburg in Wermsdorf anschauen. Dafür wurden sechs Räume in der Beletage des Schlosses renoviert. Die Ausstellung zeigt die drei großen Themenbereiche: Jagd, Höfische Kunst und Musik aus der Zeit August III., sowie die Geschichte des Siebenjährigen Krieges und des Hubertusburger Friedensschlusses. Außerdem kann man sich im Schoss den Ovalsaal, die Königsloge und die Kapelle ansehen. Es gibt natürlich noch viel mehr im Schloss und auf den Gelände der Hubertusburg zu entdecken.

Die Museumspädagogik erwartet die verschiedenen Besuchergruppen mit einem umfangreichen inhaltlichen Programm. Besonders für Kindergruppen und Schulklassen wird in speziellen Veranstaltungsprogrammen Wissenswertes rund um die Themen Jagd, Alltag und Absolutismus angeboten und zur kreativen Gestaltung angeregt. Die museumspädagosische Arbeit zu diesem Projekt wird von der Sächsischen Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Leipzig gefördert. So wird z. B. ein Zuschuss zum Bustransfer an die ersten 45 angemeldeten Gruppen bezahlt. Kinder und Jugendliche können so in unterschiedlichen Programmen und Veranstaltungsreihen z.B das Porzellanmalen ausprobieren, oder auch mit Wildschwein Willi auf die Jagd gehen.

Mit Wildschwein Willi auf Schloss Hubertusburg auf die Jagd gehen, Illustration: midori-design

Mit Wildschwein Willi auf Schloss Hubertusburg auf die Jagd gehen, Illustration: midori-design

Das vollständige Programm finden Sie hier. Ein Besuch lohnt sich. Kommen Sie also mit uns zurück in die Zeit von August III.

Autorinnen: Paula, Mary, Justine

Resümee und Ausblick

Mittwoch, 07. November 2012

Dank der perfekten Organisation durch die Mitarbeiter des NMC war es möglich, innerhalb von nur drei Wochen einen guten Einblick in die aktuelle Museumslandschaft und das gegenwärtige Kunstschaffen Chinas zu gewinnen. Es konnten viele Kontakte geknüpft werden, auf deren Pflege und Vertiefung es nun ankommen wird, um diese in gemeinsame Projekte münden zu lassen. Erste Gespräche zu möglichen Kooperationen wurden bereits geführt. Vereinbart wurde der Austausch wissenschaftlicher Anfragen, etwa zum Bestand chinesischer Malerei im Kupferstich-Kabinett. Von Seiten der Ethnographischen Sammlungen wurden Kooperationen bei der Bearbeitung der sächsischen China-Bestände, insbesondere der umfangreichen Fotosammlungen sowie der zwar kleinen, jedoch aufgrund früher Akquise recht bedeutenden Minoritäten-Sammlungen angesprochen.

Auch von chinesischer Seite wurden Wünsche an uns herangetragen, so in Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Bearbeitung von Sammlungen zur Kunst Zentral- und Westafrikas, mit der sich das NMC in den vergangenen 10 Jahren ein neues Sammelgebiet erschloss. Die Mitarbeiter des National Art Museum of China (NAMOC) signalisierten ihrerseits Interesse an künftigen Kooperationen und sandten uns umgehend die jüngsten Publikationen ihres Hauses für die Ethnographischen Bibliotheken, die bereits  vor unserer eigenen Rückkehr in Dresden eintrafen.
Für die Teilnehmer des Austauschprogramms war es nicht nur eine in fachlicher Hinsicht ausgesprochen anregende Reise, sondern auch eine Möglichkeit zu vielfältigen Begegnungen mit den Kollegen in China ebenso wie mit den Mitreisenden aus Berlin und München, die uns sehr viel Freude bereitet hat.

Blick aus dem Fenster des Vortragsraum im National Museum of China auf den Eingang zur Verbotenen Stadt und das wohl weltberühmte dort angebrachte Mao-Portrait

 

Fotos: Julia Fabritius, sofern nicht anders vermerkt.

In Shanghai unterwegs

Mittwoch, 07. November 2012

Skyline des Hochhausviertels Pudong in Shanghai

In Shanghai besichtigten wir das Shanghai-Museum mit seinen berühmten Sammlungen, darunter antike Bronzen, Keramiken und Porzellane, Jadeobjekte, chinesische Malerei und eine sehr anspruchsvoll gestaltete Ausstellung zur Kunst der Minoritäten Chinas. Leider stand uns hier nur sehr wenig Zeit zur Verfügung – gebraucht hätten wir allein für dieses Museum mindestens drei Tage. So war es schade, dass die Zeit ein Zusammentreffen mit den zuständigen Kuratoren und Restauratoren der mit großer Fachkenntnis bearbeiteten Bestände nicht mehr erlaubte. Weitere Programmpunkte waren das Shanghai Museum of Contemporary Art, das Minsheng Art Museum, die in einem verwinkelten Galerienviertel gelegene ShangART Gallery und – auf besonderen Wunsch der Ethnologen – der Jadebuddhatempel.

Fassade des Shanghai Art Museums, das in Kürze auf das ehemals für die EXPO Shanghai genutzte Gelände umziehen wird.

 

Der Jadebuddhatempel

Unter den zahlreichen Programmpunkten gab es auch Skurilles: z. B. ein ‘Museum’ für Kunsthandwerk, in dem alle Objekte zum Verkauf stehen und in dessen Keller die verschiedenen Kunsthandwerker ihre Produktionsstätten haben. Besonderes Highlight für uns Dresdner: ein gesticktes Riesenbild der Sixtinischen Madonna von 1956, das 1957 in Leipzig auf einer internationalen Ausstellung gezeigt wurde.

Heimatgefühle vor dem Stickbild der Sixtinischen Madonna im Arts & Crafts Museum

Xi’an

Freitag, 26. Oktober 2012

Im Anschluss an den 14-tägigen Aufenthalt in Peking fuhren wir für drei Tage nach Xi’an, wo wir uns mit der Terrakotta-Armee von Shi Huang, des 1. Kaisers aus der Qin-Dynastie (221 – 206 v. Chr.) und der Grabwächterarmee des Kaisers Jing der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zwei der berühmtesten archäologischen Stätten des Landes mit angeschlossenen Museen ansehen konnten. Nach einem Besuch des Shaanxi History Museums, in dem uns besonders die farbigen Fresken aus Tang-zeitlichen Grabanlagen der Umgebung Xi’ans beeindruckten, ging es bereits weiter zur letzten Station unseres Aufenthalts – nach Shanghai, der schon architektonisch aufsehenerregenden Metropole am Ostchinesischen Meer.

Soldaten der Terrakotta-Armee von Kaiser Shi Huang

Die größte der Ausgrabungsstätten am Fundort der Terrakotta-Armee von Kaiser Shi Huang

Die sog. „Big Wild Goose“ Pagode in Xi’an

Der Trommelturm von Xi’an

Auf Entdeckungsreise in Peking

Mittwoch, 24. Oktober 2012

In Peking besichtigten wir auch das National Art Museum of China (NAMOC), das Capital Museum, das privat geführte Red Sandalwood Museum, waren zu Gast im Goethe-Institut und hatten Gelegenheit, in verschiedenen Museen (z. B. dem der Kunsthochschule, der Central Academy of Fine Arts (CAFA) angeschlossenen Museum und dem Beijing Today Museum) und Galerien einen Einblick in das zeitgenössische chinesischen Kunstschaffen zu gewinnen, das eine enorme Bandbreite an Themen und Reflexionsfeldern, vielfach zugleich ein durchaus kritisches Potential bot.
Neben den „offiziellen“ Programmpunkten hatte das NMC zahlreiche Besichtigungen weiterer kultureller und architektonischer „Highlights“ in und um Peking für uns organisiert und ermöglichte uns damit, Orte inner- und außerhalb des Stadtkerns kennen zu lernen. Die Verbotene Stadt hat ihrem Namen alle Ehre gemacht als wir in der Schlange am Ticketschalter standen: Die Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel war dort zu Gast und für über eine Stunde gab es keinen Einlass für Touristen in die ehemals kaiserliche Palastanlage.

Massentourismus in der Verbotenen Stadt

 

Wir haben außerdem Teile der Altstadt mit den traditionellen Hutongs gesehen, sind auf die Große Mauer „geklettert“, wie man im Chinesischen sagt, haben den Sommerpalast am Kunming-See besucht, waren auf dem ehemaligen Olympiagelände und haben den Himmelstempel mit dazugehörigem Park besichtigt – ein Ort, an dem auch die Bewohner Pekings gern ihre Freizeit verbringen. Zu guter Letzt durfte auch ein Besuch einer Aufführung der Peking-Oper nicht fehlen – ein schönes, für europäische Ohren aber doch gewöhnungsbedürftiges Klangerlebnis.

Sonntagsausflug zum Himmelstempel

 

 

Pekinger Wochenendvergnügen: Karten- und Mahjong-Spieler im Park des Himmelstempels

Das National Museum of China (NMC) stellt sich vor

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Das National Museum of China. Ansicht der Fassade vom Platz des Himmlischen Friedens

Das Programm in Peking sah sowohl das Kennenlernen ausgewählter Arbeitsbereiche und Ausstellungen des NMC vor als auch Besuche in anderen Kulturinstitutionen der Hauptstadt. In einer Überblicksvorlesung wurden wir gleich zu Beginn mit der Geschichte und der Organisationsstruktur des Hauses, das in diesem Jahr unter Einbeziehung der Vorgängermuseen sein 100-jähriges Jubiläum beging, vertraut gemacht. Das heute National Museum of China (NMC) ist hervorgegangen aus der Fusion zweier Museen, des National Museum of Chinese History und des National Museum of Chinese Revolution, und versteht sich gleichermaßen als Geschichts- und Kunstmuseum. Seit seiner Erweiterung und Wiedereröffnung im Jahr 2011 gilt das Haus als größtes Museum der Welt. Die Dimensionen sind in der Tat gigantisch: Auf einer Fläche von nahezu 200.000 m² befinden sich 48 Ausstellungshallen. Bis zu 39.000 Besucher (täglich!) besichtigen die derzeit 2 permanenten und 12 Sonderausstellungen. 1,2 Millionen Objekte werden in modernen, mit Mobiliar aus Kampferholz ausgestatteten Depots bewahrt, von denen wir zwei besichtigen konnten. Ohne Sicherheitspersonal und die große Anzahl Ehrenamtlicher einzurechnen, sind 500 Mitarbeiter in 27 Abteilungen am NMC beschäftigt.

Empfang der Gruppe durch den Generaldirektor des National Museums of China, Lu Zhangshen und Huang Zhenchun, Parteisekretär und stellvertretender Direktor, Foto: Ma, Tengfei

Einblicke in die wissenschaftliche Tätigkeit am NMC erhielten wir durch zwei Vorlesungen: Eine zur Geschichte der chinesischen Keramik und des chinesischen Porzellans – wir Dresdner vernahmen, dass „unsere“ Porzellansammlung eines von weltweit nur noch 70 vorhandenen Exemplaren des bläulich glasierten Porzellans der Yuan-Dynastie (1206-1368) beherbergt – eine andere zur Kalligraphie, klassischen Malerei und Siegelkunst. In weiteren Vorlesungen und Seminaren wurden wir mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Digitalisierung sowie der Vermittlungsarbeit vertraut gemacht. Letzteres erfolgte sehr anschaulich, indem wir selbst zu Probanden eines museumspädagogischen Programmes zu Musik und Malerei für Kinder wurden.
Selbstverständlich besichtigten wir auch alle Dauer- und Sonderausstellungen, einige unter sachkundiger Führung, andere im Selbststudium.

Sehr informativ war auch der Besuch der Restaurierungswerkstätten im Scientific and Technical Conservation Department des NMC, das in Shi Liuzhuang, etwas außerhalb der Innenstadt liegt und in dem 50 Mitarbeiter überwiegend für das NMC, aber auch für andere Museen tätig sind. Darüber hinaus waren wir zu Gast in der State Administration of Cultural Heritage unterstellten Chinese Academy of Cultural Heritage, der außerdem das National Conservation Centre for Underwater Cultural Heritage angeschlossen ist. In beiden Einrichtungen konnten wir uns in den technisch gut ausgestatteten Werkstätten und Laboren umsehen und kamen mit den jeweils Verantwortlichen ins Gespräch.

Werkstatt für Papierrestaurierung in der Chinese Academy of Cultural Heritage

Unterwegs in China – Das Kulturaustauschprogramm unser Resümee

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Als Teil eines Kulturaustauschprogramms mit dem National Museum of China (NMC), Peking haben 11 Volontäre und wissenschaftliche Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Staatlichen Museen zu Berlin und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München Peking, Xi’an und Shanghai, China bereist.

Gruppenfoto mit dem Generaldirektor des National Museums of China, Lu Zhangshen (Mitte) und Huang Zhenchun, Parteisekretär und stellvertretender Direktor (4. von links) Foto: Ma, Tengfei

Julia Fabritius, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Forschung & Wissenschaftliche Kooperation und Petra Martin, Kustodin für die Südostasien-Sammlungen berichten nun abschließend in einer fünfteiligen Serie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.