Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Aufgedeckt! Alte Meister neu entdeckt

Mittwoch, 07. Dezember 2016

Flämische Landschaftsbilder des 16. und 17. Jahrhunderts zählen zu den besonderen Schätzen der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister. Trotz ihrer großen Zahl und hohen Qualität sind sie jedoch kaum bekannt. Die Ausstellung DAS PARADIES AUF ERDEN rückt diese Meisterwerke nun endlich ins rechte Licht. Nach umfassenden Untersuchungen und Restaurierungen sind viele Werke in der Ausstellung ganz neu zu entdecken. Wir stellen euch hier zentrale Befunde der Restaurierung von zwei Werken vor.

1) “Landschaft mit dem Urteil des Midas” von Gillis van Coninxloo und Karel van Mander

Landschaft mit dem Urteil des Midas · Öl auf Eichenholz · 119,5  x 203 cm · Gemäldegalerie Alte Meister
  • Neudatierung:

Das Datum wurde durch die Firnisabnahme besser lesbar: Es lautet 1598 (und nicht 1588) und fällt somit in die Zeit, in der der flämische Landschaftsmaler Gillis van Coninxloo nicht mehr im pfälzischen Frankenthal lebte, sondern bereits nach Amsterdam übersiedelt war.

  • Die Identität des Figurenmalers konnte durch das Auffinden einer weiteren Signatur geklärt werden

Niemand geringerer als der Künstlerbiograf  Karel van Mander fügte diese Staffage hinzu–  ein Sachverhalt, der bisher immer aufgrund der Stilistik vermutet wurde und nun durch das Auffinden seiner ligierten Signatur „KM“, die sinnträchtig auf der Harfe des virtuos spielenden Gottes der Künste/Apoll positioniert wurde, eindeutig zu belegen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

2) "Vor der Sintflut" von Roelant Savery

Feststellung einer Programmänderung in der Unterzeichnung durch Infrarotuntersuchung

Das „Vor der Sintflut“ betitelte Gemälde von Roelant Saverys (1620), welches im Rahmen der Ausstellung restauriert und mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht wurde, war zunächst wohl als Paradies­landschaft im klassischen Sinne angelegt: Das Infrarotreflektogramm, welches ermöglicht, durch die Malschichten hindurch tieferliegende Vorzeichnungen und frühere Malzustände auf der Grundierung sichtbar zu machen, zeigt, dass an Stelle der zentral platzierten Arche zunächst wohl ein bewaldeter Felsen zu sehen war.

Das Frühschwund-Craquelé, eine Rissbildung die entsteht, wenn noch nicht trockene Malschichten übereinander gelegt werden, legt wiederum nahe, dass der Fels zu einem relativ frühen Zeitpunkt – wahrscheinlich von Savery selbst und möglicherweise auf Wunsch des Auftraggebers der Tafel – mit der Arche übermalt wurde.

Jan Brueghel d. Ä. hatte Ende des 16. Jahrhunderts begonnen, szenische Landschaftsdarstellungen derart opulent mit den unterschiedlichster Tieren zu beleben, dass die biblischen oder mythologischen Episoden (wie der Sündenfall, die Erschaffung des Menschen, aber auch Orpheus unter den Tieren) zunehmend ins Hintertreffen gerieten. In dieser Tendenz stellt Saverys „Vor der Sintflut“ mit seiner fast enzyklopädischen Tierfülle einen uneingeschränkten Höhepunkt dar: Der Biologe Michael Gruschwitz konnten über 100 unterschiedliche Tiere auf der Tafel identifizieren – darunter so exotische Exemplare wie der erst 1597 aus Neuguinea nach Europa gelangte Helmkasuar. Der Auftraggeber, der das aus einem einzigen Brett (!) gefertigte großformatige Tafelbild in Auftrag gab, ist im Kreise der zeitgenössischen gelehrten Sammler zu verorten, in deren Kabinetten Naturalia und Kunstwerke als zwei sich ergänzende Erkenntnisbereiche gemeinsam präsentiert wurden.

Infrarotreflektogramm mit unter der Arche ursprünglich angelegten Baumkronen

Infrarotreflektogramm mit unter der Arche ursprünglich angelegten Baumkronen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Roelant Savery · Vor der Sintflut ·  Öl auf Eichenholz ·  82 × 137 cm · Staatliche Kunstsammlungen Dresden ·  Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 932

Roelant Savery, Vor der Sintflut, Öl auf Eichenholz, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister

 

Flämische Landschaften in Dresden

Freitag, 02. Dezember 2016

Von Bernhard Schulz

So groß wie ein DIN A5-Blatt sind die Gouachen, die der Flame Hans Bol ab 1580 größtenteils mit biblischen wie antiken Historien auf Pergament gemalt und dann auf Eichenholz aufgezogen hat. 1587 wurden 16 solcher kleinformatigen Gemälde von Bol für die vom sächsischen Kurfürsten August 1560 in Dresden begründete Kunstkammer erworben, dessen erstes Verzeichnis aus eben dem Jahr 1587 sie als „schöne gemalete täflein“ beschreibt. Was sie so besonders macht, spielt sich im Hintergrund ab: Es ist die Landschaft. Bol, 1534 in Mechelen geboren und 1593 in Amsterdam verstorben, entstammt einer der damals höchstentwickelten Gegenden Europas, dicht besiedelt und mit Städten und stattlichen Dörfern reich ausgestattet. So sind die Landschaften, die Bol in feinsten Strichen malt, denn auch keine unberührte Natur, sondern Zeugnis ihrer Kultivierung durch den Menschen. Nur auf einer Jagdszene nach Ovids „Metamorphosen“, diesem unerschöpflichen Quell von Bildthemen vom Beginn der Renaissance bis zum Ende des Barock, trägt die dargestellte Waldlandschaft keine Spuren menschlicher Veränderung, ohne deswegen rau oder gar bedrohlich zu wirken.

 

Hans Bol, Abraham und die drei Engel, 1586, Gouache auf Pergament auf Eichenholz, 14,1 x 21,2 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Hans Bol, Abraham und die drei Engel, 1586, Gouache auf Pergament auf Eichenholz, 14,1 x 21,2 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

1587 ist der Höhepunkt der Renaissance, was künstlerische Invention anbelangt, längst überschritten; ihre Errungenschaften, ihre Sichtweisen sind Gemeingut geworden. Das Staunen angesichts der Landschaft jenseits beschützender Mauern, das die Frührenaissance tatsächlich als ein Erwachen nach langer Dunkelheit erscheinen lässt, ist der sicheren Beherrschung der Natur gewichen. Jedenfalls in den Niederlanden, in deren südlichem Teil Flandern die Landschaftsmalerei in Blüte steht, wiewohl sie auch dort traumatische, die Kriege und Konflikte einer unruhigen politischen Gegenwart in spiegelnde Züge annehmen kann.

Aus der Kunstkammer und den weiteren kurfürstlichen „Kammern“ wie der nach ihrem Standort als „Grünes Gewölbe“ bezeichneten Schatzkammer gingen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) hervor, die in ihrem Ausstellungshaus auf der Brühlschen Terrasse, dem vom Krieg schwer gezeichneten und in versehrtem Zustand belassenen Lipsiusbau, die Ausstellung „Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens“ unter dem Obertitel „Das Paradies auf Erden“ ausrichten. Die Ausstellung ist überwiegend aus eigenem Bestand, dem der zur Zeit in Renovierung befindlichen Gemäldegalerie Alte Meister, zusammengestellt; sie gibt – wie ihr Direktor Stephan Koja im wunderschönen Katalog mitteilt – „Gelegenheit, Gemälden zu begegnen, die aufgrund des Platzmangels der Gemäldegalerie Alte Meister seit Jahrzehnten, teilweise sogar seit Jahrhunderten nicht mehr zu sehen waren“. Du, glückliches Dresden, möchte man ausrufen: dass du solche Schätze vernachlässigen konntest ob der Fülle dessen, was an ihrer Statt zu sehen war!

Ausstellungsansicht, Kunsthalle im Lipsiusbau, Foto: Oliver Killig

Ausstellungsansicht, Kunsthalle im Lipsiusbau, Foto: Oliver Killig

 

Was Kuratorin Uta Neidhardt unter Mitarbeit von Konstanze Krüger im Zuge des 2011 begonnenen Forschungsprojekts „Flämische Malerei in der Gemäldegalerie Alte Meister“ aus dem Bestand von rund 380 flämische  Gemälden ausgewählt haben, lässt denn auch wünschen, diese Auswahl auf Dauer besichtigen zu können. Im Lipsiusbau ist die Auswahl durch Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen wie dem Frankfurter Städel oder dem Kunsthistorischen Museum Wien abgerundet worden, denn Fehlstellen gibt es in einer aus fürstlichem Sammeleifer, aber naturgemäß noch ohne das kunsthistorische Instrumentarium der Jetztzeit erwachsenen Sammlung immer wieder. Eine der Bol-Täfelchen beispielsweise wird heute dessen Schüler Jacob Savery zugeschrieben, doch scheint „Die Stadt an der Seebucht“ dem Betrachter ohne weiteres von gleicher Hand zu stammen. Dass im Katalog als Unterscheidungsmerkmal ausgeführt wird, Bol leite Straßen „meist in die Bildtiefe und auf den Hintergrund zu, während sie bei seinem Schüler durch Architektur oft versperrt sind“, klingt reichlich gesucht – beweisstark ist hingegen die winzige Signatur Saverys im rechten oberen Eck, die dem kurfürstlichen Erwerber und seinen Agenten ganz offenbar entgangen war.

Das ist gewiss eine Petitesse, aber sie mahnt doch, die Grenzen interpretatorischen Scharfsinns eng zu ziehen. Immer wieder sind in früheren Zeiten Kunstwerke falsch zugeschrieben worden. So ist die grandiose „Landschaft mit dem Urteil des Midas“, ein Gemeinschaftswerk des Landschafters Gillis van Coninxloo und des Figurenmalers Karel van Mander, nach Erwerbung durch einen französischen Agenten in Dresden 1707 als Landschaft „von Breugell, Figuren von Golzio“ verzeichnet. Das erwähnte Forschungsvorhaben brachte Aufschluss über die Autorschaft und vor allem das Entstehungsjahr 1598, als Coninxloo als protestantischer Glaubensflüchtling in Amsterdam seine letzte Lebensstation erreicht hatte. Die im Bildvordergrund geschilderte Szene des Musikwettstreits zwischen Apoll und Pan – natürlich wieder bei Ovid zu finden – ließe sich ohne weiteres wegdenken, so dass eine von erhöhtem Standpunkt aus sich entfaltende „Weltlandschaft“ übrig bliebe, eine Gesamtdarstellung des Irdischen mit Gewässern, Bergen, Wäldern, Tieren und menschlichen Behausungen und Tätigkeiten. Solche Weltlandschaften zeigt die Ausstellung mehrere; ihnen gegenüber stehen die eher als „Genre“ zu bezeichnenden Kompositionen, insbesondere derjenigen winterlicher Begebenheiten, unter denen Lucas van Valckenborchs „Winterlandschaft bei Antwerpen“ von 1575 als überhaupt erst zweiter Darstellung von Schneefall heraussticht. Da ist aber auch alles versammelt, was den Winter schön und schrecklich machen konnte, vom Schlittenziehen und Hockeyspiel auf dem Eis bis zum Brand einer Scheune, zu dem Löschwasser aus einem eilig aufgehackten Loch herangeschleppt werden muss.

Gillis van Coninxloo und Karel van Mander, Landschaft mit dem Urteil des Midas, 1588, Öl auf Eichenholz, 119, 5 x 203 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Gillis van Coninxloo und Karel van Mander, Landschaft mit dem Urteil des Midas, 1588, Öl auf Eichenholz, 119, 5 x 203 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Vom Brand einer Scheune zum Weltenbrand ist es nur ein Schritt. Jan Brueghel d. Ä. ist mit einer „Versuchung des heiligen Antonius“ von 1604 vertreten, einem seit Hieronymus Bosch häufigen Thema, das der Fantasie wahrlich freien Raum ließ. Dass es dem jüngeren Mitglied der Malerfamilie Brueghel weniger um religiöse Mahnung zu tun war als um die Zufriedenstellung seiner Auftraggeber und Käufer, legt die nach mehrjährigem Italien- und Romaufenthalt gemeinsam mit dem dort kennengelernten Hans Rottenhammer gemalte Szene „Juno in der Unterwelt“ nahe. Auch da brennt es im Hintergrund lichterloh, bevölkern fratzenhafte Schreckenswesen die Szenerie. Doch die ist wiederum bei Ovid gefunden und wortgetreu ins Bild gesetzt. Einzelne Motive sind von Tintoretto und anderen venezianischen Malern abgeschaut: ein schönes Beispiel für den Kulturtransfer über die Alpen hinweg, zumal Jan Brueghel vielfach Sammler in Italien bediente.

Zuallererst zieht den eintretenden Besucher im Lipsiusbau jedoch das Gemälde „Vor der Sintflut“ an, das der für seine Tierdarstellungen berühmte Roelant Savery 1620 gemalt hat und das seit 1754 in Dresden nachgewiesen ist. Es ist mit 82 mal 137 Zentimetern bereits eines der größeren Formate der Ausstellung. Savery (um 1576-1639) benötigte den Platz, um all die Tiere vorzuführen, von denen er Kenntnis besaß, war ihm doch als Hofmaler Kaiser Rudolfs II. Zutritt zu dessen Menagerien in Prag gestattet. Nur der in Zoologie Bewanderte vermag die seinerzeit gerade erst entdeckten Arten, wie den aus Neuguinea stammenden Laufvogel namens Helmkasuar, zu benennen. Wiederum dem Forschungsprojekt verdankt sich die Erkenntnis, dass Savery ursprünglich den Paradiesgarten gemalt hatte, ehe er die mächtige Arche in die Bildmitte setzte, wo sie heute als das gar nicht wegzudenkende Zentrum der Komposition erscheint.

Roelant Savery Vor der Sintflut, 1620, Öl auf Eichenholz, 82 x 137 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Roelant Savery Vor der Sintflut, 1620, Öl auf Eichenholz, 82 x 137 cm Gemäldegalerie Alte Meister, Copyright: SKD

Das Landschaftsthema verlässt schließlich die Niederlande in der Darstellung des Klosterschlosses San Lorenzo de El Escorial, die auf Peter Paul Rubens zurückgeht und in Dresden in einer von Schülerhand ausgeführten Fassung vorliegt, freilich 1742 als originaler Rubens angekauft wurde. Rubens hatte den Escorial gesehen, von einem erhöhten Punkt in den Bergen über der einsamen Landschaft nahe Madrid; der Katalog verschweigt leider das Datum, so dass sich als terminus ante quem nur Rubens’ Tod 1640 festhalten lässt. Einerlei; die Darstellung geht ins Fantastische, insofern sie die bergige Landschaft stark überhöht und die Wolken, die Rubens allerdings als unter ihm dahinziehend beschrieben hat, wirkungsvoll dramatisiert. Der Escorial war nichts weniger als das Regierungszentrum des spanischen Weltreichs, und doch liegt er hier geradezu beiläufig und schutzlos inmitten der bewegten Natur. Vollends in die Ferne entführen den Besucher Maler wie Adriaen Fransz. Boudewijns, der Ende des 17. Jahrhunderts einen „Römischen Triumphbogen am Kai des Seehafens“ malt, oder Bonaventura Peeters, der 1652 eine „Orientalische Seebucht“ vorstellt, die wohl eher im seinerzeit unter osmanischer Herrschaft stehenden östlichen Mittelmeerraum anzusiedeln ist. Da sind die Niederländer ganz bei sich, als Handel treibende Seefahrernation, worauf das in der Bildmitte stolz die Flagge der Republik zeigende Schiff verweist.

Willem Jansz. Blaeu / Joan Blaeu, Erdglobus, um 1645-1648, Durchmesser: 68 cm, H 110 cm, Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: SKD

Willem Jansz. Blaeu / Joan Blaeu, Erdglobus, um 1645-1648, Durchmesser: 68 cm, H 110 cm, Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: SKD

Wer Handel treibt und zur See fährt, benötigt Landkarten und Globen, und es ist ein wunderbarer Einfall der Gestalter, in die Mitte des in zwei kühlen Graublautönen gehaltenen Inneren des Lipsiusbaus einen Kubus zu stellen, in dem in gedämpften Licht der zeitgenössische, kurz vor 1650 geschaffene Erdglobus von Willem Blaeu und seinem Sohn Joan Blaeu den Mittelpunkt bildet. Die damals gerade erst gemachten Entdeckungen der nordjapanischen Insel Hokkaido und der angrenzenden Kurilen ließ Joan Blaeu nachstechen und als Aktualisierung auf den Globus kleben. Er wird heute im Mathematisch-Physikalischen Salon bewahrt und zeigt quasi nebenbei, wie universell die Dresdner Kunstsammlungen angelegt sind und wie großartig ihr Bestand.

Dresden, Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, bis 15. Januar 2017. Katalog im Sandstein Verlag, 28 € (Museumsausgabe)/ 39,80 € (Buchhandel).

Bernhard Schulz ist Redakteur im Feuilleton des Tagesspiegel (Berlin)

Willkommen in der Restauratorenwerkstatt – ein Blick hinter die Kulissen | Welcome to the conservation lab – a view behind the scenes | مرحباً بكم في ورشة عمل الترميم – نظرة من خلف الكواليس

Donnerstag, 17. November 2016


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Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierung des Damaskuszimmers ist dank der großzügigen Unterstützung durch die Museum and Research Foundation weit fortgeschritten. Bereits seit Ende 2014 ist die Konservierung der gelockerten originalen Farbschichten auf den 110 Einzelteilen abgeschlossen und damit ein wichtiger Schritt zur Bewahrung des Zimmers für die Zukunft geschafft. Seither durchlaufen die kunstvoll verzierten Holzpaneele eine Reihe von Restaurierungsmaßnahmen, die von Bauteil zu Bauteil, aber auch von Farbfläche zu Farbfläche immer wieder neu abgestimmt werden müssen, weil die unterschiedlichen Farben; Metallauflagen und gefärbten Lacküberzüge in ihrem Erhaltungszustand stark schwanken. Die Gründe dafür liegen zum einen darin, dass die Materialien bei der Herstellung des Zimmers wiederkehrend frisch von Hand zubereitet wurden. Dadurch schwankt die Zusammensetzung der Farben und führte im Zusammenspiel mit den Alterungsprozessen dazu, dass manche Farbschichten noch recht stabil sind, andere jedoch äußerst empfindlich reagieren. Zum anderen variiert der Beschädigungsgrad der Holzpaneele durch die unterschiedlich starke Beanspruchung während der 90 Jahre, in denen das Zimmer als Wohnraum in Damaskus genutzt wurde. Die untere Wandzone bis zu einer Höhe von etwa 1 m ist stärker abgenutzt als die oberen Wandbereiche und die Decke. Ein Übriges taten Klimaschwankungen und durch die Decke eindringendes Wasser, als das Zimmer noch in Damaskus eingebaut war. Nicht zuletzt stellten die Restauratoren fest, dass insbesondere die karminroten Lackflächen auf den Zinnfolieauflagen bereits 1899 stark beschädigt und abgeplatzt waren. Für den Verkauf nach Deutschland wurden diese Flächen übermalt. Nach der Abnahme der Übermalungen, Leim- und Firnisschichten zeigen sich viele Paneele in erstaunlich gutem Zustand und haben nur vereinzelte weiße Fehlstellen, die farblich angepasst werden müssen. Einige der besonders aufwändig verzierten Bauteile, wie die Wandschranktüren und Schmuckpaneele, weisen die beschriebenen stärkeren Beschädigungen aus der Zeit in Damaskus auf. Diese Flächen erfordern einen größeren Retuscheumfang. Die vielen feinen Ausbrüche und Fehlstellen werden wieder mit den entsprechenden Farben ausgefüllt. Dabei werden die unterbrochenen Umrisslinien aufs Neue miteinander verbunden, damit die üppigen Ornamente ihren einstigen optischen Zusammenhalt zurückerhalten: Feinste Details sind wichtig und spielen im Kanon der Farben, Linien und Texturen eine bedeutende Rolle, um dem Zimmer als Gesamtkunstwerk seine beabsichtigte Wirkung zurückzugeben.

Blick in die Restaurierungswerkstatt im Japanischen Palais

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Detail einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links - Mittelpaneel einer Wandschranktür mit roten und silbrigen Übermalungen und vergilbtem Firnis; Mitte - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche; rechts - nach der Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Drei Arbeitsstadien während der Restaurierung: links – linker Flügel der Wandschranktür mit Übermalungen und vergilbtem Firnis; rechts - nach der Abnahme von Firnis, Leim und Übermalungen und begonnener Retusche der Fehlstellen

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Wandschranktür mit Spiegeln nach der Restaurierung

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Die Pracht kehrt zurück – zwei Wände des Damaskuszimmers sind fertig restauriert und aufgebaut

Nach zwei Jahren Arbeit sind die ersten beiden Wände des Damaskuszimmers fertig restauriert. Die filigranen Malereien, feinen Vergoldungen und opulenten Farbkontraste sind nach mehr als 100 Jahren Dornröschenschlaf wieder sichtbar geworden. Die kunstvoll ineinander gewebten Muster, Farben und Blattmetalle vermitteln nun wieder einen Eindruck von der prachtvollen Innendekoration des Empfangszimmers. Damaszener Familien gaben einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens aus, um die für den Empfang von Gästen bestimmten Zimmer gleichermaßen luxuriös und behaglich auszustatten. Neben den exquisiten Wanddekorationen gehörten im frühen 19. Jahrhundert kostbare Teppiche, Kissen und Stickereien ebenso zum Repertoire des guten Geschmacks wie edles Kristallglas und feines Porzellan.Nach Abschluss der meisten Restaurierungsschritte wurden zwischen März und Juli 2016 zwei Wände des Dresdner Damaskuszimmers aufgerichtet und montiert. Dieser Schritt war notwendig, weil sich der Erhaltungszustand von Brett zu Brett unterscheidet und die Restauratoren das Ausmaß der Retuschen auf den nebeneinanderliegenden Wandflächen aufeinander abstimmen mussten. Anspruch der Restaurierung ist es, dass die üppige Ornamentik einerseits wieder ihre ursprünglich beabsichtigte Wirkung entfalten kann, das Zimmer jedoch nicht durch ein zu hohes Maß an Retuschen seinen Charakter als gealtertes und als Wohnraum benutztes Raumensemble verliert.

117 Jahre nach dem Ankauf des Zimmers durch den Kunstsammler Karl Ernst Osthaus wird sein Plan endlich Wirklichkeit: Ein prächtiges arabisches Zimmer wird im Museum in Deutschland ausgestellt und kündet von der Kunstfertigkeit, Schönheit und Eleganz orientalischer Wohnkultur

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2016

Seit Sommer 2016 kann nun erstmals seit dem Verkauf nach Deutschland 1899 eine größere, zusammenhängende Fläche des Dresdner Damaskuszimmers in seiner originalen Farbigkeit betrachtet werden. Interessenten sind eingeladen, sich während der Werkstattführungen an jedem letzten Donnerstag im Monat selbst einen Eindruck zu verschaffen. Eine Anmeldung ist wegen begrenzter Personenzahl in der Werkstatt erforderlich: E-Mail: besucherservice@skd.museum Tel.: +49 (0)351 49 14 20 00

Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin

1,2,3…MEINS!

Dienstag, 15. November 2016

JUNGE FREUNDE. HAMMER A(U)KTION

Wenn sich JUNGE FREUNDE und junge Künstler zusammentun, mündet die gemeinsame Energie in einer tollen A(u)ktion: Junge Kunst wird im Albertinum versteigert- für den guten Zweck! Unter den Hammer kommen Grafiken, Gemälde und Fotografien von 17 jungen Künstlerinnen und Künstlern. Dank niedrigem Aufrufpreis ist die Kunst für alle erschwinglich. Unser wortgewaltiger Auktionator: MAX RADEMANN – bekanntes Mitglied der Dresdner Lesebühne SAX ROYAL!

Mit dieser A(u)ktion unterstützt Ihr nicht nur junge Kunst sondern – gemeinsam mit den Künstlern – auch das Projekt „Kunst schafft Dialog“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Albertinum.


Ihr seid neugierig?
Die JUNGEN FREUNDE stellen euch alle 17 KünstlerInnen und ihre Kunstwerke vor: auf Facebook und in ihrem A(u)ktionskatalog. Den findet ihr auf ihrer Website und  am 19.11. auch schmuck gedruckt zum Anschauen und Mitnehmen im Albertinum.

Hier haben wir Euch das Wichtigste auf einen Blick zusammengefasst:

Wo kann ich die Kunstwerke vor der A(u)ktion bestaunen?
Am A(u)ktionssamstag, dem 19. November 2016, geben wir die Kunstwerke ab 10:00 Uhr im Lichthof des Albertinums zum Besichtigen und Verlieben frei.
Wer einige der jungen Künstlerinnen und Künstler persönlich kennenlernen möchte, hat zwischen 14:00 Uhr und 15:00 Uhr die Gelegenheit dazu.

Vier Vogel Pils gibt in diesem Zeitraum übrigens allen Bietern – solange der Vorrat reicht – ein Benefizbier aus!

Wer darf mitbieten? Und wie funktioniert das?
Ihr seid mindestens 18 Jahre? Dann los: Werdet Kunstmäzen, tut etwas Gutes und bietet mit! Damit alles seine Ordnung hat, ist vor der A(u)ktion noch eine Registrierung mit Eurem Personalausweis notwendig. Ihr bekommt von uns eine Bieternummer, die Ihr während der A(u)ktion bei akuter Kauflust (und mit ausreichend Geld im Portemonnaie) hebt und damit Euer Gebot abgebt. Überlegt gut und prüft Eure Finanzen gründlich, denn Eure Gebote sind bindend und können nicht zurückgenommen werden. Und Tellerwaschen ist leider kein adäquater Gegenwert …

Was ist ein Aufrufpreis?
Der Aufrufpreis ist der Preis, mit dem jedes Kunstwerk in die A(u)ktion startet. Mit erschwinglichen50 € Aufrufpreis pro Werk geht es los.

Die Gebote
Die Bietschritte werden von unserem strengen aber charmanten A(u)ktionator Max Rademann vorgegeben. Die unten stehende Liste ist unverbindlich, denn Max hat den Hammer und er entscheidet, wo der „hängt“.
von 50 € bis 200 € in 10 €-Schritten
von 201 € bis 300 € in 20 €-Schritten
von 301 € bis 450 € in 30 €-Schritten
von 451 € bis 1.000 € in 50 €-Schritten

Da die A(u)ktion einem doppelten guten Zweck dient, sei uns an dieser Stelle ein wenig Optimismus (oder auch Größenwahn) erlaubt …

von 1.000 € bis 2.000 € in 100 €-Schritten
von 2.001 € bis 3.000 € in 200 €-Schritten
von 3.001 € bis 4.500 € in 300 €-Schritten
von 4.501 € bis 1 Trillion € in 500 €-Schritten

Wie kann ich meinen ersteigerten Kunstschatz bezahlen und darf ich ihn sofort stolz nach Hause tragen?
Ihr könnt und müsst Euer Kunstwerk sofort in bar oder mit EC-Karte direkt an der Museumskasse bezahlen. Anschließend verpacken wir Euer neues Schmuckstück für den sofortigen Transport. Dann dürft Ihr den Hammer rausholen! Das passt partout!


Wir danken allen, die dies verwirklichen. Wir danken den 17 Künstlern für Ihre Großzügigkeit. Wir danken den Sponsoren für Ihre Unterstützung. Wir danken den JUNGEN FREUNDEN.

Diese Uhr kann alles – und wir wollen es zeigen!

Donnerstag, 10. November 2016

Titelseite einer Postkarte, worauf aktuelle Museumsbesucher nach Ihren Wünschen für eine zukünftige Sonderausstellung gefragt wurden.

DIE PLANETENUHR AUS DEM MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN SALON

Dr. Michael Korey, Oberkonservator am Mathematisch-Physikalischen Salon (MPS) und Dr. Samuel Gessner, Wissenschaftshistoriker aus Lissabon, suchen gemeinsam nach neuen Wegen, die Planetenuhren der Renaissance für heutige Betrachter zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Einige der Forschungsergebnisse sollen im Rahmen einer Kabinettausstellung im Mathematisch-Physikalischen Salon ab Mai 2017 zugänglich gemacht werden. Bis dahin halten wir euch mit Einblicken hinter die Kulissen auf dem Laufenden.

Wir stehen am Ende eines der Ausstellungssäle im MPS und blicken auf diese imposante „Planetenuhr“. Welches Wunderwerk der Technik verbirgt sich hier?

Der geniale Instrumentenbauer Eberhard Baldewein leitete die Anfertigung der Uhr, einer Art Himmelsmaschine, die 1563 bis 1568 in präziser Kleinstarbeit für den Kurfürst August I. von Sachsen geschaffen wurde. Damit schuf er eine technologische Spitzenleistung und ein künstlerisches Meisterwerk.

Mathematisch-Physikalischer Salon, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Foto: Jürgen Karpinski

Begriffe und Denkweisen der Renaissance-Astronomie bilden die Grundlage für das Verständnis derartiger astronomischer Automaten. Unterdessen hat sich unser Weltbild jedoch grundlegend verändert. Genau dort setzen unsere Wissenschaftler Dr. Michael Korey und Dr. Samuel Gessner, beide Experten ihres Faches – an: Sie suchen neue Wege, für heutige Betrachter die Planetenuhren der Renaissance zu erschließen und zu visualisieren. In Zusammenarbeit mit dem Uhrmacher Lothar Hasselmeyer, Restaurator am MPS, und Kollegen des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in Kassel wird die Dresdner Planetenuhr ständig weiter erforscht.

Die erste Phase des Projekts konnte dank der Unterstützung von der Museum Research Foundation im Rahmen des SKD-Forschungsprogramms „Europa/Welt“ realisiert werden. Jetzt hat das Team um Michael Korey eine Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes im Programm „Fellowship Internationales Museum“ erhalten und ist nun dabei die Planetenuhr zu untersuchen.

Komplizierteste Maschine der Renaissance

Bevor sich 2017 der Vorhang auf die Kabinettausstellung lüftet, konserviert Lothar Hasselmeyer in liebevoller Kleinarbeit Teile der „kompliziertesten Maschine der Renaissance“. Wir haben ihn in der Restaurierungswerkstatt besucht. Heute steht die sogenannte Mond-Anzeige im Mittelpunkt.

Im letzten Jahr hat Herr Hasselmeyer das Werk, das die Mondbewegung am Himmel genau nachbildet, auseinander genommen. Dabei wurden die Einzelteile sorgfältigst untersucht, behutsam gereinigt und schließlich mit einer Wachsschicht versehen. Nach Monaten mühevoller Arbeit liegen hier die Teile. Das Bild zeigt allerdings nur eines von insgesamt neun der geordneten Kästchen – allein für das Werk der Mond-Anzeige!

Jetzt ist der Restaurator dabei, die Mond-Anzeige wieder zusammenzusetzen.

 

 

Dresdner Planetenuhr: eine von vier

Hinter den Kulissen forschen Michael Korey und Samuel Gessner mit Lothar Hasselmeyer an der Dresdner Planetenuhr, die von ihrem wissenschaftlich wie technisch komplexen Aufbau her zu den raffiniertesten Artefakten der Frühen Neuzeit gehört.  Der Mechanismus war so angelegt, dass die Planetenpositionen vor dem Hintergrund der Sterne von unserer Perspektive aus  jederzeit aufs Genaueste angegeben wurden. Von den Uhren, welche darauf angelegt waren, sind weltweit insgesamt nur vier erhalten: sie befinden sich heute in Paris, Wien, Kassel und Dresden. Renaissance-Uhren mit astronomischen Anzeigen waren häufiger, zeigten aber höchstens den durchschnittlichen Lauf der Planeten, nicht ihr vor- und rückwärtiges „Wandern“ über den Himmel. Somit haben wir es hier in Dresden mit einem überaus seltenen Exemplar zu tun.

 

Noch zeigt nur das Foto von vor der Restaurierung des Mond-Anzeigewerks, wie das Ergebnis später aussehen soll. Aber in einigen Stunden hat Lothar Hasselmeier die Teile wieder richtig ineinander gebaut, und der Mond tanzt wieder. (Obwohl hier zu sagen ist, dass die Uhr aus konservatorischen Gründen in der Ausstellung nicht in Bewegung gehalten wird. Mit einer Animation werden die Bewegungen trotzdem sichtbar)

 

Gottesnähe demonstrieren

Den gestirnten Himmel zu begreifen, gehört zu den ältesten Träumen der Menschheit. Astronomen vermaßen den Himmel und entwarfen mathematische Theorien, um die Bewegungen der Gestirne exakt zu beschreiben und vorhersagbar zu machen. Mitte des 16. Jahrhunderts beschafften sich europäische Fürsten höchst komplexe Automaten, um die Bewegungen aller sichtbaren Himmelskörper ohne komplizierte Rechnungen nachvollziehen zu können. Mittels dieser seltenen Planetenuhren holten sie den Himmel auf die Erde und demonstrierten ihre Gottesnähe.

Übrigens: Auch wenn eines der Anzeigewerke in der Museumswerkstatt liegt, ist die Planetenlaufuhr weiterhin in der Ausstellung zu sehen. Besucher haben dann sogar die Möglichkeit, einen Blick in das ausgeklügelte Innenleben der Uhr zu werfen.

Kunst zum Anfassen: “Piranesi 3D”

Mittwoch, 02. November 2016

In der aktuellen Sonderausstellung „Begegnungen mit Rom – Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ im Kupferstich-Kabinett ist Piranesis Werk „Der Runde Turm“ nicht nur für Sehende, sondern auch für Blinde und Sehbehinderte erfahrbar. Das Tastmodell „Piranesi 3D“ entstand nach der Idee von Grit Lauterbach, Mitarbeiterin der Bildung und Vermittlung. Auf dieser Grundlage entwarf Evelyn Zinnatova das dreidimensionale Tastmodell, das sich unter anderem, aber nicht nur, an Blinde und Sehbehinderte richtet.

(Sur)reale Architektur im Kupferstich Kabinett

Ein runder, massiver Turm, eingebettet in einem mächtigen Gewölbe, umrahmt von mehreren Ebenen. Treppen winden sich um ihn herum; oben durch Stützen gefestigt, unten auf Rampen gebettet. Es sind Menschen zu sehen; schemenhaft bloß, klein und unscheinbar.

Giovanni Battista Piranesi: Der runde Turm, aus der Folge Invenzioni Capric di Carceri, Rom 1750, Radierung, 547 × 413 mm (Blatt, entlang des Plattenrands beschnitten), Kupferstich-Kabinett, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Herbert Boswank Das Foto zeigt einen früheren Druck des Kupferstiches. Ein späterer Druck von 1761 kann im Kupferstich Kabinett besichtigt werden und diente als Grundlage für das Tastmodell.

Dem Betrachter der Radierung „Der Runde Turm“ aus der Serie der Carceri, 1761 geschaffen von Giovanni Battista Piranesi in Rom, erschließt sich eine Komposition aus zahlreichen architektonischen Elementen, die miteinander verbunden und ineinander verschachtelt sind. Stufen, Geländer, Mauern, Bögen, Plattformen, Fenster und Pfeiler fügen sich zu einem komplexen Bau, welcher nur auf den ersten Blick den physikalischen Gesetzen gehorcht.

Piranesi spüren – Konzept für Blinde und Sehbehinderte

Seit dem 18. Oktober 2016 ist Piranesis Grafik aber nicht nur für Sehende, sondern auch für Blinde und Sehbehinderte erfahrbar. Evelyn Zinnatova, Diplomandin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, entwarf zunächst ein Knet-, darauf basierend dann ein digitales Modell. Wenig später folgte das dreidimensionale Tastmodell nach Giovanni Battista Piranesi – Der runde Turm, 1761, das Stück für Stück aus mehr als 50 Einzelteilen zusammengesetzt wurde.

Vom Knetmodell…

…zum digitalen…

…zum 3D-Tastmodell!

Starke Farbkontraste ermöglichen es Personen mit eingeschränktem Sehvermögen, unterschiedliche Bereiche des Modells besser zu erkennen. Mit Hilfe des Lesestiftes TipToi ® von Ravensburger können Teile des Modells angetippt werden, um diesem auch Klänge zu entlocken. Die Welt Piranesis kann so auch akustisch erfahren werden. Mehrere Nutzertests erlaubten es, das Tastmodell so an die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten anzupassen, dass verschiedene Sinne angesprochen werden.

Besucher in der Ausstellung „Begegnungen mit Rom – Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ am Tastmodell „Piranesi 3D“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: David Pinzer

Besucher in der Ausstellung „Begegnungen mit Rom – Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“ am Tastmodell „Piranesi 3D“, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: David Pinzer

Surreales realisieren? Ein schwieriges Unterfangen

Dabei war „die Umsetzung des Projektes nicht einfach“, erzählt Evelyn Zinnatova. „Es war wahnsinnig herausfordernd, aus der zweidimensionalen Radierung ein dreidimensionales Modell zu formen. Piranesi spielte mit verschiedensten Perspektiven und Blickwinkeln – diese in der Realität physisch umzusetzen, war oftmals gar nicht möglich. Deswegen habe ich hypothetisch Architekturelemente ergänzt, die in Piranesis Radierung nicht explizit dargestellt, aber konstruktiv notwendig sind.“

Zeichnerischer Entwurf des Modells

Das Tastmodell ist somit als eine Annäherung an die Radierung und eine Variation, nicht aber als unmittelbare dreidimensionale Umsetzung zu verstehen.

Übrigens:

Am Freitag, den 9.12.2016 stellt Evelyn Zinnatova im Kunstgespräch Piranesi 3D- Der runde Turm in neuen Dimensionen ihr Tastmodell persönlich in der Ausstellung vor.

Jetzt bewerben: Deutsch-Amerikanisches Austauschprogramm zur Provenienzforschung, 2017-2019

Dienstag, 01. November 2016
Briefe aus dem Nachlass von Karl Buchholz (Ausschnitt), © Staatliche Museen zu Berlin/ Zentralarchiv

Briefe aus dem Nachlass von Karl Buchholz (Ausschnitt), © Staatliche Museen zu Berlin/ Zentralarchiv

Noch bis zum 18. November 2016 können sich qualifizierte Interessentinnen und Interessenten für den ersten Durchgang des „Provenance Research Exchange Program (PREP)“ 2017 bewerben.

PREP wird erstmals Museumsfachleute aus Deutschland und den USA, die mit Provenienzforschung und der Erforschung des nationalsozialistischen Kunstraubs befasst sind, für einen dreijährigen systematischen Austausch zusammenführen. Das Programm soll in beiden Ländern dazu beitragen, die Methoden und Kompetenzen der Provenienzforschung zu erweitern und somit die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu unterstützen. Zudem wird das Programm den Rahmen der NS-Provenienzforschung für die NS-Zeit, die sich bisher vorrangig auf Gemälde, Skulpturen und Judaika konzentriert, erweitern und verstärkt asiatische Kunst, Kunstgewerbe sowie Grafik/Arbeiten auf Papier einbeziehen.

Die Federführung des Programms haben die Smithsonian Institution, Washington D.C. und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin. Weitere Partner sind das Metropolitan Museum of Art, New York, das Getty Research Institute, Los Angeles, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Zentralinstitut für Kunstgeschichte München. Das neu gegründete Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) wird in beratender Funktion mitwirken.

Über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert das Programm jährlich zwei Aufenthalte für 20 Teilnehmer (10 aus den USA und 10 aus Deutschland). Der eine Woche umfassende Austausch findet 2017 bis 2019 jeweils im Februar und im September statt. 2017 werden sich 20 Teilnehmer in New York (Februar) und Berlin (September) treffen.

Informationen zum Programm, zu den Bewerbungsvoraussetzungen und zum Bewerbungsverfahren findet ihr hier:

Ankündigung

Ausschreibung

Das Paradies auf Erden. Ein Blick hinter die Kulissen

Freitag, 07. Oktober 2016

Seit dem 1. Oktober hat die Ausstellung “Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens” in der Kunsthalle im Lipsiusbau geöffnet. Nam Nguyen hat als Praktikant in der Gemäldegalerie Alte Meister die beiden Kuratorinnen tatkräftig bei der Ausstellungsorganisation unterstützt und für uns den Aufbau der Ausstellung festgehalten.

Am 1. Oktober 2016 war es soweit: “Das Paradies auf Erden” öffnete seine Pforten in der Kunsthalle im Lipsiusbau.

Ausstellung " Das Paradies auf Erden " am 29.09.2016 im Lipsiusbau von Staatliche Kunstsammlungen Dresden . Foto: Oliver Killig

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen insbesondere die Gemälde aus der Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister, die somit eine neue Projektionsfläche erhalten und einen Einblick in die wissenschaftliche Erschließung des flämischen Gemäldebestandes der Dresdener Sammlung bieten. Dafür wurden einige Gemälde umfassend untersucht und aufwendig restauriert, sodass sie gänzlich neu wiederzuentdecken sind. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen und Druckgraphiken des Dresdener Kupferstich-Kabinetts und durch qualitätsvolle Leihgaben.

Doch bevor die Gäste in frisch gemalerten Räumen mit präziser Beleuchtung und akribisch inszenierten Werken stehen konnten, musste viel Arbeit, Zeit und natürlich Leidenschaft in den Aufbau der Ausstellung investiert werden.

Hier einige Impressionen:

Aus Weiß mach Blau…

Zwei verschiedene Blautöne kamen für die Ausstellungsräume zum Einsatz.

 

Vom Depot über den Verpackungsraum bis zum Hängeort…

Transportkisten der Ausstellungsobjekte mit eindeutigen Sicherheitswarnungen

Moderne Kunst? Nur die Verpackung des Erdglobus aus dem Mathematisch-Physikalischen Salon (SKD).

 

Kurierarbeit…

Viele Leihgaben wurden von Kurieren der Institutionen begleitet, um die Hängung und Präsentation des Objektes zu beaufsichtigen. Zusammen mit dem Restaurator Christoph Schölzel wurden die Exponate auf Zustand und Transportschäden untersucht und dann unter den Auflagen der leihgebenden Institution gehängt. Hing erst einmal das Objekt, durfte es nicht mehr bewegt werden.

Fast schon stoisch beobachtet der Antwerpener Kurier die Hängung des Teniers Gemäldes.

Kuratorin Uta Neidhardt begutachtet Joachim Patinirs „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“.

 

Teamwork…

Ganze neun Männer bedurfte es, um ein großformatiges Gemälde wie die „Landschaft mit dem Brautzug“ von Lucas van Uden auf die Empore des Lipsiusbaus zu transportieren.

 

Spurenlese…

Damit jedes Objekt an seinen richtigen Platz kam, wurden für das Einrichtungsteam auf den Fußboden Abbildungen der Gemälde angebracht.

Und sie hängen…

…fast. „Dummies“ der Exponate wurden geschnitten und gehängt, um Raumwirkung und Bildabstände auszuloten.

Mit Präzision und Feingefühl werden die Abstände vom „A-Team“ ausgemessen.

Den kompletten Ausstellungsaufbau mit all seinen kleinen Tücken, wechselhaften Spannungen, Überraschungen und natürlich großen Freuden mitzuverfolgen und selbst involviert zu sein, war für mich eine neue, unglaublich spannende und wunderbare Erfahrung. Am meisten freut mich daher nun, die Exponate hängen zu sehen und das ein oder andere Lieblingsstück in seiner vollen Pracht in Zusammenspiel mit der Ausstellungsgestaltung begutachten zu können. Einen großen und herzlichen Dank möchte ich an Uta Neidhardt, Konstanze Krüger und Marion Heisterberg aussprechen und ich wünsche allen Lesern eine aufregende Zeit in der Ausstellung.

Ausstellungsansicht "Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaften von Bruegel bis Rubens" (1.10.2016-15.1.2017) in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Copyright Staatliche

Wir haben die Möglichkeit in gar wundersame, atmosphärische und fantastische Welten einzutauchen, die einen sinnlich beflügeln und mit ihrer ganzen Bildgewalt in ihren Sog ziehen. Wir überschauen pittoreske Täler mit durchströmenden Flüssen, wir stehen an den Abhängen steiler Gebirge oder rasten an Wegen durch dichte Wälder – und dabei fühlen wir sämtliche Emotionen, die uns in den Sinn kommen können. Die Idee, die Landschaft als autonomes Bildmotiv dem Menschen gegenüberzustellen, etablierte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden und wurde sowohl von dem Wunsch nach Welterkenntnis als auch von ökonomisch motivierten Interessen an Geografie und Kartografie gefördert.

Ziel der Ausstellung ist die würdige und kritische Präsentation der flämischen Landschaften, die uns mitunter Aussagen über Naturauffassung, Kunstmarkt, Werkstattbetrieb und Hofpatronage treffen lassen. 144 Ausstellungsobjekte, darunter Gemälde, Zeichnungen und Graphiken, verführen uns in die sogenannten Weltlandschaften, wie sie Joachim Patinir und Pieter Bruegel d.Ä. komponierten und prägten. All diese sind jedoch kein genaues Abbild der Realität, sondern im Atelier komponierte, ideale Darstellungen, die die Künstler mit Formen aus der Natur verbanden und aus ihrer Sicht auf die natürliche Welt darstellten.

 

 

Creative Collisions – Studio Rygalik und junge Kreative

Montag, 19. September 2016

Die aktuelle Ausstellung des Kunstgewerbemuseums ist ein Experiment: Zwei Designer und zehn junge Kreative gestalten in zwei Workshops im Kunstgewerbemuseum in Schloss Pillnitz.
Die Direktorin Tulga Beyerle lud die renommierten polnischen Produktdesigner Tomek und Gosia Rygalik ein, eine Work-in-Progress Ausstellung zu entwickeln:  “Creative Collisions – Studio Rygalik und junge Kreative”. Möbeldesign und Food-Design sind die zwei zentralen Themen, welche die Designer zusammen mit jungen Menschen unterschiedlichster beruflicher wie kultureller Hintergründe ausloten und vertiefen.

Das Herzstück der Ausstellung ist ein Tisch, entworfen von Studio Rygalik und aus verschiedenen runden und vieleckigen Tischplatten zu einem großen Esstisch arrangiert – eine kreative Kollision in sich. Der Tisch ist in fast allen Kulturen ein Symbol der Zusammenkunft, des Austauschs, des Teilens. An ihm wird nicht nur gegessen, sondern es werden auch Pläne geschmiedet und Freundschaften geschlossen – ein Grund für den Freundeskreis der SKD, MSU – Museis Saxonicis Usui – den Tisch für das Kunstgewerbemuseum zu erwerben.

Ausstellungsansicht „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček

Ausstellungsansicht „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček

 

Im ersten Workshop Ende August sollte jeder der zehn Teilnehmer eigene Sitzmöbel skizzieren und entwerfen. Auf der Suche nach geeigneten Materialien, durchforsteten sie in Dresden zusammen mit den Designern Werkstätten, Flohmärkte und Container mit Möbelresten und bauten innerhalb von insgesamt vier Tagen – auch mit scheinbar unbrauchbaren Fundstücken – Sitzmöbel nach ihren eigenen Vorstellungen. Jeder Stuhl erzählt eine Geschichte, ist zugleich ein Repräsentant seines Entwerfers und direkt durch den kreativ-kulturellen Austausch inspiriert. Gemeinsam mit dem Tisch fügen sich die Sitzmöbel in ein dichtes Ensemble

Kurzportraits der Stuhldesigner

Diese gemeinsam verbrachte Zeit, der produktive Prozess des ersten Workshops begleitete der bekannte polnische Filmemacher Michał Marczak. Seine Kurz-Dokumentation ist ein weiteres Element, welches das Prozesshafte in der Ausstellung sichtbar werden lässt.

Im zweiten Workshop (16.-18.09.) wird der Aspekt des Food Design fortgeführt. In einem Brunch am 18.09. (11 Uhr) werden syrisch-deutsch-polnische Hybridhäppchen erneut von der Bereicherung der Kulturen zeugen. Der Workshop unter dem Thema Food Design ist getragen von Fragen: Was und wie essen wir? Wie gestalten wir unser Essen und das Drumherum? Worin unterscheiden sich unsere kulturellen Vorstellungen von Esskultur, welche Formen nehmen diese Unterschiede an? Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Festmahl: Ergebnis des Cooking Workshop „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček
Festmahl: Ergebnis des Cooking Workshop „Creative Collisions. Studio Rygalik und junge Kreative.“ 02. September bis 1.November 2016, Kunstgewerbemuseum, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Tomáš Souček

Diese Ausstellung ist getragen von der Freude am Gestalten, von Kreativität. Über den kurzen Zeitraum von zwei Workshops lernen Menschen einander kennen und inspirieren sich. Kreativität existiert über Sprachen und Herkunft hinweg, sie ist eine zentrale Kraft, unsere Welt gemeinsam zu gestalten.
Die Ergebnisse dieses gemeinschaftlichen Prozesses sind bis ersten November 2016 im Bergpalais des Kunstgewerbemuseums zu erleben und zu besichtigen.

Ausstellung: 03. September bis 01. November 2016

Workshop I: 29. August bis 02. September 2016
Workshop II: 16. September bis 18. September 2016

Die Spezialistinnen hinter den Kulissen | The specialists behind the scenes | الخبراء خلف الكواليس

Mittwoch, 03. August 2016


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Dieser Beitrag setzt unsere Blog-Reihe zu den Restaurierungsarbeiten des Dresdner Damaskuszimmers fort

Die Restaurierungsarbeiten am Dresdner Damaskuszimmer begannen bereits 1997. Seitdem ist Anke Scharrahs als federführende Restauratorin und Projektleiterin an dem Vorhaben beteiligt. Zunächst war kaum etwas über die verwendeten Malmaterialien bekannt, so dass sich Anke Scharrahs der Erforschung der historischen Herstellungstechniken von syrischen Holzvertäfelungen aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert intensiv gewidmet hat. Einer ersten Reise nach Damaskus im Jahr 1998 folgten mehrere längere Arbeits- und Forschungsaufenthalte in Syrien sowie die Mitarbeit bei weiteren Forschungs- und Restaurierungsprojekten syrischer Holzvertäfelungen am Metropolitan Museum of Art in New York, am Museum für Islamische Kunst in Berlin, in der Sammlung Shangri La der Doris Duke Foundation of Islamic Art in Honolulu, am Los Angeles County Museum of Art und im Gayer-Anderson-Museum in Kairo. Die Faszination für diese prächtig bemalten Meisterwerke syrisch-osmanischer Innenarchitektur mündeten in der Dissertation von Anke Scharrahs, mit der sie 2013 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden promoviert wurde.

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Samah Shtay beim Abnehmen von Leim- und Firnisschichten von der Türsturzverkleidung der Eingangstür

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts. © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Layal Jazi bei der Oberflächenreinigung eines Deckenbretts

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Seit 1998 bzw. 2002 sind die Restauratorinnen Evelyn Gärtner und Karoline Friedrich am Damaskuszimmer-Projekt beteiligt. Sie bringen ihre Erfahrungen aus der Mitarbeit am Arabicum in der Villa Gutmann in Potsdam und am Aleppo-Zimmer des Museums für Islamische Kunst in Berlin ein. Die unterschiedliche Zusammensetzung der Farben und transparenten Lacke erfordert ein hohes Maß an Erfahrung, um die konservatorischen Arbeitsschritte ohne Beschädigung der originalen Farbschichten durchführen zu können. Zudem ist eine ständige Feinabstimmung im Restauratorenteam erforderlich, um die Teile des Damaskuszimmers zu einem ähnlichen Endzustand zu bringen und ein homogenes Raumensemble wiedererstehen zu lassen. Dabei sollen Gebrauchsspuren des Zimmers erhalten bleiben und die Oberflächendekoration nur so weit restauriert werden, dass ihre einstige Pracht zwar wieder sichtbar wird, aber keine Totalrestaurierung aller verloren gegangenen Farbschichten erfolgt.

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Evelyn Gärtner bei der Firnisabnahme eines Deckenpaneels.

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Anke Scharrahs bei der Oberflächenreinigung eines Bogensegments der Decke

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015

Seit Februar bzw. Mai 2015 sind zwei syrische Kolleginnen in dem Projekt involviert. Samah Shtay und Layal Jazi haben 2011/12 in Damaskus beim Restaurierungsprojekt des Aga Khan Trust for Culture und des Aga Khan Cultural Services Syria in einem der bedeutendsten historischen Wohnhäuser der Damaszener Altstadt, im Haus Nizam, mitgearbeitet. Sie waren dort an der Restaurierung des berühmten Weintraubenzimmers beteiligt, eines prächtigen, für Zwecke der Repräsentation angelegten Empfangszimmers für Gäste von 1800/1835. Da es in Syrien keine akademische Restauratorenausbildung gibt, möchten sie in Deutschland studieren und bereiten sich nun in ihrem Pflichtpraktikum darauf vor. Sie werden in einem weiteren Blogbeitrag über ihre Arbeit berichten.

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Fotos: Anke Scharrahs, 2015

Karoline Friedrich bei der Firnisabnahme vom Himmel der Bettzeugnische

© Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Anke Scharrahs, 2015


Autorin: Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin